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Selbstvollzüge...


platon
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Hallo Leute,

 

wie wird ein Arzt zum "Arzt"?

 

Irgendwann ist ein Student plötzlich ein Arzt. Wer aber sagt es denn, wann denn aus einem Student ein Arzt wird? Der Staat etwa? Und wer verleiht dem Staat die Vollmacht, sowas zu tun? Wie auch immer muß der arme Student sich selbst als Arzt identifizieren, er muß sich selbst finden, sagen können: "Ich bin Arzt!" Kann er sich aber dann auf den Staat verlassen, der ihn bestätigt, daß er Arzt "ist"?

 

Mitsamt kann der Student nicht selbt zu seiner Identität finden, wenn er nicht vorher eine Prüfung abgelegt hat. Nun, wer prüft denn, ob der Student anständig gelernt hat? Was ist denn, wenn der Prüfer "pfuscht", und jedem sympathischen Studenten einen Schein vergibt, während die ungepflegten Studenten leer ausgehen?

 

Ich gehe davon aus, wenn der arme Student nicht anständig gelernt hat und trotzdem den Titel erhalten hat, dann wird ihm das Gewissen nagen und nicht in Ruhe lassen, daß er nicht selbst finden kann, ehe er innere Ruhe gefunden hat und zum Glauben gefunden hat, daß er doch noch den letzten Rest, was ihn zum Arzt fehlt, auch gelernt hat?

 

Und die schwierigste Frage: Wenn ein Student den Titel erreicht hat, ist er dann Arzt, oder hat er nur einen Titel und der Titel ist nur ein Teil des Selbst?  

 

Soviel zu performativen Selbstvollzügen.... Hihi....

 

Grüße, Carlos


Mußte ein paar Fehler beseitigen. *ehem*...

 

(Geändert von platon um 19:14 - 27.Oktober.2002)

 

 

(Geändert von platon um 19:31 - 27.Oktober.2002)

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Zitat von Ketelhohn am 19:19 - 27.Oktober.2002

»Mußte ein paar Fehler beseitigen. *ehem*... «

 

Dann schreib auch „pfuschen“ noch mit „p“!


Danke!

 

Carlos

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Wenn der Staat nicht die Vollmacht hätte, jemand zum Arzt deklarieren zu können, spielt er dann nicht Gott, indem er glaubt, aus dem Studenten ein Arzt machen zu können? Wird das Sein aus dem Nichts deshalb, weil der Staat das "will"?

 

*Grübel* obergrübel * Dreifachgrübel*  #!@*?

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(Ich habe lange studiert, ohne es je zum Arzt zu bringen. Auch meinem Hund, den ich in die Vorlesung mitnahm, gelang es zwar, den Prof durch herzzereissendes Gähnen aus dem Konzept zu bringen; er konnte aber sein praktisches Jahr nie beginnen.)

 

Wozu also grübeln?

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Ist denn das Arztwerden an einem performativen Akt gebunden? Bin ich Arzt erst dann, wenn jemand zu mir sagt: "Du bist jetzt Arzt!"?

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Zitat von platon am 19:10 - 27.Oktober.2002

wie wird ein Arzt zum "Arzt"?

 

Und wie wird ein Autofahrer nach bestandener Fahrprüfung zum (sicheren, umsichtigen) Autofahrer?

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Also, wenn Einer zu mir käme und sagte: Du bist jetzt Arzt, und ich tatsächlich Arzt wäre – dann wäre dieser sicherlich ein Gott.

 

*summ* »Eines Tages kam Einer …« */summ*

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Zitat von platon am 20:13 - 27.Oktober.2002

Ist denn das Arztwerden an einem performativen Akt gebunden? Bin ich Arzt erst dann, wenn jemand zu mir sagt: "Du bist jetzt Arzt!"?


 

Weiss nicht. Ist mir eigentlich auch egal. Welchen Erkenntnisgewinn erhoffst Du Dir davon?

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Zitat von Stefan am 20:24 - 27.Oktober.2002


Zitat von platon am 20:13 - 27.Oktober.2002

Ist denn das Arztwerden an einem performativen Akt gebunden? Bin ich Arzt erst dann, wenn jemand zu mir sagt: "Du bist jetzt Arzt!"?


 

Weiss nicht. Ist mir eigentlich auch egal. Welchen Erkenntnisgewinn erhoffst Du Dir davon?

Lieber Stefan,

 

damit performative Sprachvollzüge gelingen, müssen die Bedingungen der Möglichkeit vorhanden sein, damit sie gelingen. (Ich kann nicht zu einer Frau sagen: "Hiermit bist Du meine Frau!", sondern sie muß auch zustimmen, usw,...)

 

Fürs erste muß der Betreffende wirklich für die Prüfung gelernt haben. Aber ich kann nicht das lernen, was ich will, sondern ich muß lernen, was nötig ist. Es liegt in der Natur der Sache, was ich lernen muß, um ein Arzt zu werden. Diese Bedingung der Möglichkeit verdanke ich aber mir nicht selber, sondern dem, der die Natur erschaffen hat.

 

Ein Atheist hält also nur fest: "Die Natur ist halt so, wie sie ist." Warum ist aber das, was ist, anstatt nicht zu sein? *Obergrübel*

 

Grüße, Carlos

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Und wenn ich mir ständig einrede, vielleicht sei ich wirklich ein Kamel, dann werde ich sicher nicht zu einem Kamel, aber wenn man sich das ständig einredet, dann kann das den einzelnen in dem Sinne verändern, daß man zum geistigen Krüppel wird.

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Zitat von platon am 21:24 - 27.Oktober.2002

damit performative Sprachvollzüge gelingen, müssen die Bedingungen der Möglichkeit vorhanden sein, damit sie gelingen. (Ich kann nicht zu einer Frau sagen: "Hiermit bist Du meine Frau!", sondern sie muß auch zustimmen, usw,...)

 

Stimmt. Aber der Begriff "performative Sprachvollzüge" ist kein normativer, sondern ein deskriptiver. Hier wird lediglich beschrieben, dass man mit der Sprache Handlungen vollziehen kann, mehr nicht. Es geht um eine Funktion der Sprache, nicht um metaphysisches Brimborium.  So wie der Versuch misslingen kann, mit einem Dartpfeil das "Bulls Eye" zu treffen, so kann auch ein "performativer Sprechakt" misslingen. Der misslungene Sprechakt ist dann immer noch eine Handlung, aber eben keine erfolgreiche. Das ist alles.  

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Zitat von platon am 1:52 - 31.Oktober.2002

Und wenn ich mir ständig einrede, vielleicht sei ich wirklich ein Kamel, dann werde ich sicher nicht zu einem Kamel, aber wenn man sich das ständig einredet, dann kann das den einzelnen in dem Sinne verändern, daß man zum geistigen Krüppel wird.


 

Das ist kein "performativer Sprachvollzug". Von einem performativen Sprachvollzug spricht man dann, wenn eine eigentlich aussersprachliche Handlung durch eine sprachliche Handlung ersetzt wird. "Sich etwas einzureden" ist schon vom Wortlaut her eine sprachliche Handlung, also kein performativer Sprachvollzug.

 

Wenn ein Chef einem Angestellten das Gehalt streicht und dessen Schreibtisch räumen lässt, dann ist das eine Handlung, also etwas "performatives" -  auch wenn Robert das Wort nicht mag.  In der Regel wird der Rauswurf aber nicht derart wortlos stattfinden, sondern im Form einer sprachlichen Handlung, wie "Sie sind gefeuert!"

 

Erkennst Du den Unterschied?

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Zitat von Ketelhohn am 21:22 - 27.Oktober.2002

Man sollte die Frage mal einem gewissen Gert Postel vorlegen.

Meinst Du Dr. Dr. Bartholdy?

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Zitat von Ketelhohn am 9:18 - 31.Oktober.2002


Vielleicht ändert ein Blick in den DUDEN Deine Meinung. In der 19. Auflage stehen sie noch drin.

 

Ich kann allerdings nicht ausschließen, daß sie im Zuge der Rechtschreibreform weggefallen sind. Eine aktuelle DUDEN-Auflage besitze ich nicht (kommt mir auch nicht ins Haus).

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Robert:

>Im übrigen bin ich immer noch der Meinung, daß .........<

 

Passt bloß auf! Mit dieser Formulierung hat schon Martin eine Forenrevolution eingeläutet. Wehret den Anfängen!

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Zitat von Stefan am 3:40 - 31.Oktober.2002


Zitat von platon am 1:52 - 31.Oktober.2002

Und wenn ich mir ständig einrede, vielleicht sei ich wirklich ein Kamel, dann werde ich sicher nicht zu einem Kamel, aber wenn man sich das ständig einredet, dann kann das den einzelnen in dem Sinne verändern, daß man zum geistigen Krüppel wird.


 

Das ist kein "performativer Sprachvollzug". Von einem performativen Sprachvollzug spricht man dann, wenn eine eigentlich aussersprachliche Handlung durch eine sprachliche Handlung ersetzt wird. "Sich etwas einzureden" ist schon vom Wortlaut her eine sprachliche Handlung, also kein
performativer
Sprachvollzug.

 

Wenn ein Chef einem Angestellten das Gehalt streicht und dessen Schreibtisch räumen lässt, dann ist das eine Handlung, also etwas "performatives" -  auch wenn Robert das Wort nicht mag.  In der Regel wird der Rauswurf aber nicht derart wortlos stattfinden, sondern im Form einer sprachlichen Handlung, wie "Sie sind gefeuert!"

 

Erkennst Du den Unterschied?

 


Selbstverständlich erkenne ich den Unterschied. Mein Beispiel war ein Beispiel für einen persönlichkeitsgestaltenden Selbstvollzug. Dein Beispiel ist eine Sprachhandlung.

 

Performative Sprechakte sind solche, die sagen, was sie tuen und tuen, was sie sagen.

 

(Geändert von platon um 12:31 - 1.November.2002)

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Guest Ketelhohn

»Von einem deformativen Strafvollzug spricht man dann, wenn eine eigentlich außerirdische Anstaltsleitung durch eine sprachwissenschaftliche Anstaltsleitung ersetzt wird.«

 

Das erklärt einiges.

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Guest Ketelhohn

»Mein Heimspiel war ein Heimspiel in einem versöhnlich gestalteteten Schnellzug. Dein Beispiel ist eine Rachehandlung.« (Carlos).

 

Hat das mit Fußball zu tun, oder geht es um Modelleisenbahnen?

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Kann ich euch ml was persönliches fagen?

Wieviele Medizinstudenten, fertige, unfertige, abgebrochene, treiben sich hier denn sonst noch so rum? Mich würd da mal ein Austauch erinnern, wie ihr Medizinersein mit eurem religiösen Sein verbindet... (und ja, die Neugier treibt mich auch ein wenig, diese Frage zu stellen :))

 

Flora

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