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Konservativ und Progressiv


Aloysius
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Hier an der Bonner Fakultät, wo ich z. Zt. studiere, gibt es - exemplarisch wohl für ganz große Teile des deutschen Katholizismus - zwei große Gruppierungen: die konservative Dyba-Meissner-Gruppe (mit Spitzenalbe und Soutane in Weihrauch schwelgen) und die progressive Kamphaus-Lehmann-Gruppe (Töpfern für die Dritte Welt).

Ich finde dieses Sich-selbst-in-eine-Schublade-Stecken ziemlich dämlich und kann Dyba genauso etwas abgewinnen (konnte ...) wie Kamphaus, Rahner ebenso wie Ratzinger.

Ich fürchte, vor lauter Kirchenpolitik bleibt dabei häufig das Wesentliche auf der Strecke, das uns ja auch alle eint: Christus.

Es heißt ja schon bei Paulus "Jeder von euch sagt etwas anderes: Ich halte zu Paulus - ich zu Apollos - ich zu Kephas - ich zu Christus. Ist denn Christus zerteilt?" (1 Kor 1,12b-13a)

Manchmal habe ich das Gefühl, das ist ein speziell deutsches Problem - auch weil "wir" immer alles so bierernst nehmen!

Ein Freund von mir abonniert so sehr konservative Blättchen wie "Una Voce" und "Kirchliche Umschau" - was ich da lese, läßt mir genauso die Galle hochkommen wie vieles was "Progressive" so verbreiten.

Mich würde mal Eure Meinung interessieren, liebe Mit-Forumianer!

Gruß

Aloysius

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Es gibt keinen Zweifel, daß die Konservativen - wo immer man sie antreffen mag - die ehrhafteren sind.

 

Sie haben das Gewissen auf ihrer Seite.

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Guest Corinna


Zitat von Trilobit am 11:38 - 8.August.2002

Sie haben das Gewissen auf ihrer Seite.

 

Wessen Gewissen haben sie auf ihrer Seite? Deines? MEIN Gewissen gehört mir und bleibt bei mir!

Trilo, Du redest mal wieder riiiiesengroßen Quatsch.

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Doch es gibt Zweifel.

 

Die Tatsache, daß etwas alt ist und sich lange Zeit bewährt hat spricht nicht dafür, daß es nicht auch Besseres gibt. Ebenso wie die Tatsache, daß etwas innovativ ist, nicht zwangsläufig für dessen Qualität spricht. In jedem Einzelfall muß abgewogen werden.

 

Konservative machen die Tradition und das Altbewährte zum Selbstzweck und tabuisieren jede Veränderung. Zudem trifft man bei Konservativen häufig eine antiliberale Haltung an: restriktive "Neuerungen" würden wohl kaum so vehement abgelehnt werden, wie liberalisierende Neuerungen.

 

Und was die psychische Verfassung der meisten sog. "Konservativen" betrifft: Es geht da m.E. nicht wirklich darum - wie so gerne vorgeschoben wird - etwas Bewährtes zu "erhalten", sondern um die pure Angst vor Neuem.  Denn die Einführung von etwas Neuem muß nicht zwangsläufig zur Abschaffung des Alten führen.  Es könnte auch ein freidliches Nebeneinander geben. Und gegen so eie Form von Konservatismus hätte ich überhaupt nichts. Sie ist nur leider sehr selten.

 

Konservative fühlen sich von allem Progressiven provoziert und bedroht, Progressive hingegen lassen sich von Traditionen und Normen, sofern sie nicht Alleinherrschaft beanspruchen, überhaupt nicht gestört.

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>Wessen Gewissen haben sie auf ihrer Seite? Deines? MEIN Gewissen gehört mir und bleibt bei mir!

Trilo, Du redest mal wieder riiiiesengroßen Quatsch.< (Corinna)

 

Das wäre eine andere Diskussion, die auch ein Licht auf das Denken der andere Atheisten hier werfen würde. Aber soweit will ich ja nun nicht gehen, Dir noch stichhaltige Argumente gegen das Denken von Stefan, Cano oder lissi Freihaus zu liefern ...  soweit trägt die Liebe ja nun wieder herum auch nicht.

 

 

 

 

@lissie

 

>Die Tatsache, daß etwas alt ist und sich lange Zeit bewährt hat spricht nicht dafür, daß es nicht auch Besseres gibt. Ebenso wie die Tatsache, daß etwas innovativ ist, nicht zwangsläufig für dessen Qualität spricht. In jedem Einzelfall muß abgewogen werden. <

 

Wuss?

 

Das sind ja ganz neue Töne. Diesen Satz hast Du wohl von mir abgeschrieben?

 

Etwas beizubehalten, nur weil es alt ist, wäre ebenso dumm wie etwas anzunehmen, nur weil es neu ist. Tatsächlich aber trifft man vor allem die Ablehnung von Althergebrachtem, weil es ALT her gebracht ist.

 

>Konservative machen die Tradition und das Altbewährte zum Selbstzweck und tabuisieren jede Veränderung. Zudem trifft man bei Konservativen häufig eine antiliberale Haltung an: restriktive "Neuerungen" würden wohl kaum so vehement abgelehnt werden, wie liberalisierende Neuerungen. < (lissie)

 

Konservative bewahren das Alte, das nützlich ist vor allem gegen neue Ideen, die ihre Sinnhaltigkeit noch nicht unter Beweis gestellt haben. Von allen neuen Ideen sind ja nur wenige wirklich tragfähig und man kann angesichts einer Neuen Idee verschiedene Strategien fahren:

 

- sie anzunehmen und als einzig wahre und wirklich gute zu deklarieren

- sie anzunehmen, weil sie eine schnellen Erfolg verspricht

- sie annehmen und auszuprobieren

- sie abzulehnen (orthodox)

- sie anzunehmen und alle Alternativen aufzugeben

- sie zu überdenken, während man gleichzeitig das Alte beibehält, um auf der sicheren Seite zu bleiben.

 

Letzteres ist konservativ.

 

>Denn die Einführung von etwas Neuem muß nicht zwangsläufig zur Abschaffung des Alten führen.  Es könnte auch ein freidliches Nebeneinander geben. Und gegen so eie Form von Konservatismus hätte ich überhaupt nichts. Sie ist nur leider sehr selten. < (lissie)

 

Das ist eher Opportunismus. Das Gewöhnlichste überhaupt.

 

>Konservative fühlen sich von allem Progressiven provoziert und bedroht, Progressive hingegen lassen sich von Traditionen und Normen, sofern sie nicht Alleinherrschaft beanspruchen, überhaupt nicht gestört. < (lissie)

 

Da gäbe es noch ne Menge zu erzählen ...

 

Trilo

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Erzähl doch, Trilobit. Ich lese :) .

 

 

Abgesehen davon, Aloysius, beides zusammen macht erst die Kirche aus. Schwarz und weiß wird sich selten finden, die meisten tauchen zwischen den Extrempunkten auf.

 

Herzliche Grüße

Martin

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Werner agnosticus


Zitat von Trilobit am 13:30 - 8.August.2002

Das wäre eine andere Diskussion, die auch ein Licht auf das Denken der andere Atheisten hier werfen würde. Aber soweit will ich ja nun nicht gehen, Dir noch stichhaltige Argumente gegen das Denken von Stefan, Cano oder lissi Freihaus zu liefern ...  soweit trägt die Liebe ja nun wieder herum auch nicht.

Wer anderen die Kenntnis stichhaltiger Argumente gegen mein Denken vorenthält,

hat weder das Gewissen noch mich auf seiner Seite.

 

Also blas Dich nicht so auf, oder mach endlich diese ganze Bande inkonsequenter und dünnbrettbohrerischer Schmalspur-A&As, denen zuzugehören ich nicht leugnen kann, argumentativ nieder.

itschy.gif

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>> Es gibt keinen Zweifel, daß die Konservativen - wo immer man sie antreffen mag - die ehrhafteren sind.

 

Sie haben das Gewissen auf ihrer Seite.  << (Trilo)

 

Ein paar Fragen:

 

A) Wieso gibt es keinen Zweifel? Wer hat dies definiert bzw. festgelegt? Und wieso ist dies möglich, wenn Wissen ohne Zweifel, ohne Anfechtbarkeit kein echtes Wissen ist?

 

B) Wieso sind die Konservativen die ehrhafteren? Wer hat das festgestellt. Gilt dies immer? Und wie wird bei dieser "Feststellung" der persönliche Charakter des einzelnen ausgeklammert, so dass ein Konservativer immer der ehrhaftere ist, egal was er tut?

 

C) Wieso haben Sie das Gewissen auf der ihrer Seite? Wie hat man dies nachgemessen? Gibt es eine Skala für Gewissen?

 

Trilo, mit Verlaub: Das ist verallgemeinender Bullshit... Wenn Deine persönliche politische Überzeugung konservativ ist und Du sie deshalb für die bessere hälst, schön und gut, dass ist Dein gutes Recht. Aber von sich auf ein allgemeingültiges Postulat zu schliessen, nun ja...

 

Ich verzichte als "Progressiver" mal, ebenso zu "beweisen", dass meine politische Richtung die einzig wahre ist...

 

Wie sagte der alte Fritz so schön: Jedem Tierchen sein Plesierchen...

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Werner agnosticus

Lieber Aloysius,

 

Parteienbildungen lassen sich praktisch wohl nicht vermeiden. Doch niemand ist gezwungen, sich inhaltlich blindlings einer Richtung anzuschließen (das andere ihn vielleicht trotzdem in eine solche Schublade stecken, ist lästig, läßt sich aber ertragen).

 

Selber abwägen und entscheiden.

Mut zu je nach Fragestellung wechselnden Koalitionen (und wenns sein muß auch ohne Koalitionspartner alleine stehend).

Bei Sachdebatten keine Koalitionen aus sachfremden Gründen (niemandes Position unterstützen aus Lagerdenken, persönlicher Loyalität, Anlehnungsbedürfnis, Buhlen um Anerkennung usw.) und keine Opposition aus sachfremden Gründen (niemandes Position bekämpfen aus Lagerdenken, persönlicher Abneigung, Profilierungsdrang usw.) - sondern aus eigener Überzeugung in der Sache diskutieren. Dabei keiner Auseinandersetzung aus dem Weg gehen (auch und gerade nicht mit jenen, bei denen man sich am ehesten geistig beheimatet fühlt) und keine Berührungsängste haben vor punktuellen "Verbrüderungen" mit dem "Erzfeind" ;).

 

So stelle ich mir einen guten und konstruktiven Weg vor.

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>A) Wieso gibt es keinen Zweifel? Wer hat dies definiert bzw. festgelegt? Und wieso ist dies möglich, wenn Wissen ohne Zweifel, ohne Anfechtbarkeit kein echtes Wissen ist?< (Caveman)

 

Das ist eine sehr komplizierte Frage und angesichts der vielen unterschiedlichen Ansichten hier, würde ich sie lieber nicht benatworten. Es würde ja doch kaum einer mitmachen.

 

Aber DAß es so ist, kannst Du an der Beobachtung erkennen. Die Konservativen haben meistens mehr Ehre und Würde. Sie halten an ihren Meinungen fest, verteidigen sie engagierter und rennen nicht jeder neuen Mode hinterher. Auch das gegenteil des Konservativen ... der Opportunismus, ist m.E. das ehrloseste überhaupt.

 

 

>B) Wieso sind die Konservativen die ehrhafteren? Wer hat das festgestellt. Gilt dies immer? Und wie wird bei dieser "Feststellung" der persönliche Charakter des einzelnen ausgeklammert, so dass ein Konservativer immer der ehrhaftere ist, egal was er tut?<(Caveman)

 

Nein, es ist nicht IMMER so, aber nahezu immer. Sowohl die links-Konservativen als auch die rechts-Konservativen sind unter ihren Gruppen immer ehrenhafter und verläßlicher. Sie haben mehr Rückgrad und man kann mit ihnen besser und beständiger zusammen arbeiten. Sie verraten weitaus seltener, prostituieren sich nicht an Ideen usw.

 

Die Begründung dafür, auch, was den "Charakter" betrifft, ist außerordentlich schwierig. Ich hatte daher meinen Satz nur so lakonisch ins Forum gestellt. Es könnte ja sein, daß ihn jemand versteht und das mit einer eigenen Bemerkung andeutet.

 

 

 

>C) Wieso haben Sie das Gewissen auf der ihrer Seite? Wie hat man dies nachgemessen? Gibt es eine Skala für Gewissen?<(Caveman)

 

Ja. Das Gewissen heißt in der einzigen Wissenschaft, die es aufgrund ihrer methode betrachten kann, der Psychologie nämlich "Überich". Man kann es beobachten und messen.

 

Das (Gewissen) Überich ist ein Vektor und polarisiert. Es kann Richtungen annehmen und sich für oder gegen die Vernunft richten.

 

 

 

>Trilo, mit Verlaub: Das ist verallgemeinender Bullshit... Wenn Deine persönliche politische Überzeugung konservativ ist und Du sie deshalb für die bessere hälst, schön und gut, dass ist Dein gutes Recht. Aber von sich auf ein allgemeingültiges Postulat zu schliessen, nun ja...<(Caveman)

 

Nun, das ist mal kein privates Dafürhalten. Konservativ sein ist eine Lebensstrategie, keine politische Übezeugung. Die Politiker werden nur konservativ und progressiv usw. genannt, aber das trifft nur ungenau.

 

Tatsächlich sind diejenigen, die in der Tradition der griechischen Aufklärung stehen konservativer als die, die christlich denken. Aus meiner Sicht beispielsweise sind die Katholiken das, was für Dich vielleicht linksalternativ ist.

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Trilo, Trilo (*kopfschüttel*),

 

daß ausgerechnet Du Dich auf "das" Gewissen berufst, als ob es als metaphysisches Etwas quasi wie ein uns allen bestens bekannter "Geist" über uns herschwebt und sich dann vorwiegend bei den sog. "Konservativen" niederläßt.

 

>Konservative bewahren das Alte, das nützlich ist vor allem gegen neue Ideen, die ihre Sinnhaltigkeit noch nicht unter Beweis gestellt haben. <

 

Und die es daher oft auch unnötig schwer haben, sich durchzusetzen.  

 

Ich sehe aber Konservatismus bei der überwiegenden Mehrheit weniger als Ergebnis fairer Abwegungsprozesse, sondern vielmehr als Gewohnheit, psychische Trägheit und vor allem als Angst vor Fremdem. Eine weibliche Priesterin, eine sozial abgesicherte Prostituierte, ein seinen eigenen Tod selbst planen dürfender Patient, ein gleichgeschlechtliches Ehepaar, oder auch nur ein ungewohntes, ausgeflipptes Outfit: das alles  wird oftmals nur abgelehnt, weil es fremd ist und Angst erzeugt. Angst davor, sichere, altbekannte und ausgetrampelte Pfade zu verlieren (auch als "Werte" bekannt) und kein festes Fundament mehr zu haben, auf das man das eigene Weltbild stellen kann. Das für konservative so typische "Dammbruchargument"  spiegelt diese Ängste sehr deutlich: Ich zweifle keine Sekunde daran, daß Konservative früher gegen die Einführung des Frauenwahlrechts argumentiert haben, indem sie die Gefahr eines kommenden Hundewahlrechts heraufbeschworen.

 

Wo hingegen sachlich argumentiert und in FRage gestellt wird, sehe ich eigentlich gar keinen echten Konservatismus mehr - auch wenn die Position zugunsten des "althergebrachten" ausfallen sollte.

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>daß ausgerechnet Du Dich auf "das" Gewissen berufst, als ob es als metaphysisches Etwas quasi wie ein uns allen bestens bekannter "Geist" über uns herschwebt und sich dann vorwiegend bei den sog. "Konservativen" niederläßt< (lissie)

 

Du hast mich mißverstanden.

 

Das Gewissen ist m.E. eine Tendenz, die in jedem Menschen wirkt. Wenn er mit dieser Tendenz handelt, dann ist das etwas anderes als wenn er gegen sie handelt.

 

Aber das Gewissen ist inhaltlich beliebig, d.h. es ist nicht immer mit christlichen, sondern verschiedensten Vorstellungen verbunden. Es ist kein Geist, sondern eine definierte Eigenschaft, so wie Logik oder Vernunft.

 

lissie, wenn wir Deine Anscihten genau betrachten, würdest Du erkennen, daß sie falsch ist. Beispiel:

 

>das alles  wird oftmals nur abgelehnt, weil es fremd ist und Angst erzeugt. Angst davor, sichere, altbekannte und ausgetrampelte Pfade zu verlieren (auch als "Werte" bekannt) und kein festes Fundament mehr zu haben, auf das man das eigene Weltbild stellen kann.< (lissie)

 

Diese Angst also kommt nicht aus dem Umstand, daß Neues neu und ungewohnt ist. Denn Neues erzeugt nicht per se Angst, die ausgetrampelte Pfade zu verlassen etwa: den Halt zu verlieren. Dazu bedarf es einer Voraussetzung, einer Prädisposition. Nur wenn sie gegeben ist, erzeugt neues Angst vor "Werteverlust", wie Du es nennen würdest.

 

Allein die Erhellung der Prädisposition wäre es, die man als Argument heran ziehen könnte. Du aber beschreibst nur einen häufig eintretende Entwicklung, sagst aber nichts über ihren Grund aus.

 

>Das für konservative so typische "Dammbruchargument"  spiegelt diese Ängste sehr deutlich: Ich zweifle keine Sekunde daran, daß Konservative früher gegen die Einführung des Frauenwahlrechts argumentiert haben, indem sie die Gefahr eines kommenden Hundewahlrechts heraufbeschworen. <(lissie)

 

Ja. Allerdings trifft dieses Dammbruch-Argument nur auf jene Konservative zu, die gleichzeitig noch etwas anderes sind. Was?

 

>Wo hingegen sachlich argumentiert und in FRage gestellt wird, sehe ich eigentlich gar keinen echten Konservatismus mehr - auch wenn die Position zugunsten des "althergebrachten" ausfallen sollte.< (lissie)

 

Ich sehe dort konservatismus, wo eine bestimmte Strategie vorherrscht, so wie ich es beschrieben habe. Die Gründe für die von Dir beschriebenen Phänomene sind andere. Nur treten sie halt häufig zusammen mit konservativem Denken auf.

 

Und ich meine, es hat etwas mit dem Gewissen zu tun - also den internailiserten Handlungsentscheidungen, den Vorsätzen und (nicht reflektiert) festgeschriebenen Vorstellungen über das, was gut oder schlecht sein soll.

 

Vielleicht hattest Du auch mein letztes Posting nicht richtig verstanden. Noch ein Hinweis über meine Ansicht: "Angst" ist eine relativ schwerwiegende Sache und wird nicht einfach so durch Verlust von festen Standpunkten ausgelöst. Es liegt dem immer ein tiefgreifender Mechanismus zugrunde, über dennen Herkunft man oft nicht schlecht staunt, wenn man ihn näher untersucht.

 

Trilo

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>>A) Wieso gibt es keinen Zweifel? Wer hat dies definiert bzw. festgelegt? Und wieso ist dies möglich, wenn Wissen ohne Zweifel, ohne Anfechtbarkeit kein echtes Wissen ist?< (Caveman)

 

>Das ist eine sehr komplizierte Frage und angesichts der vielen unterschiedlichen Ansichten hier, würde ich sie lieber nicht benatworten. Es würde ja doch kaum einer mitmachen. (Trilobit)

 

Das ist eigentlich schade. Wenn ich es auch nicht glaube, so könnte man annehmen, Du entziehst Dich einer Begründung.

 

Aber DAß es so ist, kannst Du an der Beobachtung erkennen. Die Konservativen haben meistens mehr Ehre und Würde. Sie halten an ihren Meinungen fest, verteidigen sie engagierter und rennen nicht jeder neuen Mode hinterher. Auch das gegenteil des Konservativen ... der Opportunismus, ist m.E. das ehrloseste überhaupt.

 

Nein, dass kann ich eben nicht an Beobachtung festmachen. Meine Beobachtung zeigt mir, dass Ehre, Würde, Aufrichtigkeit und Gesetzestreue eben genau gar nichts mit der politischen Überzeugung zu tun hat.

 

Ob nun ein Leisler-Kiep geheime Konten für die CDU unterhalten, um die Steuer zu beschubsen oder ein Gysi zurücktritt, weil er auf Bundeskosten Privatflüge gemacht hat...

 

Ich kann auch Gegenbeweise für Deine These bringen: Ein Herr Brandt, ist als Kanzler zurück getreten, weil ihn ein Untergebener ausspioniert hat. Er persönlich war frei von jeder Schuld, dennoch hat er diesen Schritt gemacht, um seine Würde und die des Amtes nicht zu beschädigen. Auf solch einen Gedanken wäre ein Herr Kohl niemals gekommen. Dieser hat - wie man nun weiss - seine Auffassung über Schweigen/Nicht-Schweigen über das Gesetz gestellt.

 

>>C) Wieso haben Sie das Gewissen auf der ihrer Seite? Wie hat man dies nachgemessen? Gibt es eine Skala für Gewissen?<(Caveman)

 

>Ja. Das Gewissen heißt in der einzigen Wissenschaft, die es aufgrund ihrer methode betrachten kann, der Psychologie nämlich "Überich". Man kann es beobachten und messen.

 

>Das (Gewissen) Überich ist ein Vektor und polarisiert. Es kann Richtungen annehmen und sich für oder gegen die Vernunft richten.

 

Das bezweifle ich sehr stark, Trilo. Gewissen ist etwas, was von Moral und Ethik mitbestimmt wird. Vernunft ist nicht zwingenderweise in einem Überich/Gewissen present, hier spielen auch kulturelle Aspekte eine Rolle. Da diese individuell sind und jeder Mensch anders auf vorhandene Situation reagiert, beweifle ich, dass man hier überhaupt (vernünftig) "messen" kann.

 

Nicht alles kann man skalieren oder messen. Und eine Weltanschauung oder politische Richtung darf und kann sich nicht über andere erheben. Das funktioniert nicht. Diese begründen sich auf kultures Erbe, Erziehung, neu gewonnene Erfahrung, Zivilisationsmerkmalen, etc. Und die Werte einer Gesellschaft ändern sich fortlaufend.

 

Es gibt hier im Forum durchaus Christen, die behaupten, nur weil sie Christen seien, seien sie moralisch und verhaltenstechnisch den Atheisten überlegen. Das ist - mit Verlaub gesagt - Bullshit. Das selbe gilt für den Konservatismus. Wer von sich behauptet, beweisen zu können, er würde moralisch über jemanden stehen, und zwar durch einen Automatismus, der handelt arrogant und ignorant und zeigt eher das Gegenteil von dem, was ausdrücken wollte.

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Werner agnosticus

Hallo Trilo,

 

daß Du "konservativ" im Sinne einer "ursprünglicheren" Wortbedeutung verwendest, dürfte allmählich klar geworden sein. Daß dies aber nur allmählich geschieht, geht auf Deine Kappe. Es ist, bei aller Sympathie für sprachlichen Purismus, nicht zweckmäßig, über lange Zeit eingetretene Begriffsverschiebungen zu ignorieren und erklärungslos(!) ein unüblich gewordenes Begriffsverständnis zu verwenden, auch wenn dieses "wörtlicher" ist.

 

Deine "Argumentationsweise" hat streckenweise einen eher von  Religiösen Darlegungen vertrauten Charakter: Nicht untermauerte Behauptungen; unkritische Gleichsetzung eigener Ansichten und objektiver Feststellungen; Verwendung von wertenden Begriffen, als handele es sich dabei um objektivierbare Qualitäten; Verweis auf angebliches Wissen, dessen Quelle aber nicht offengelegt wird.

Dein wiederholtes Ausweichen vor der Darlegung Deiner Begründungen erinnert mich fatal an jenen Springer, der auf Rhodos solch unerhörte sportliche Leistung vollbracht zu haben vorgab. Also auch für Dich: Hic Rhodos, hic salta!

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Franciscus non papa

hallo,

 

das wort konservativ wird auf als kampfbegriff genutzt um die "konservativen" niederzumachen.

 

aber: auf die gefahr hin, dass einige "konservative" jetzt aufjaulen und schimpfen - ich bezeichne mich gern als konservativ, weil ich jede menge von althergebrachten ansichten und dingen für mich als gut befunden habe (ausserdem bin ich musiker, der gregorianik liebt, klassische musik im weiteren sinne, damit ist dann eben nicht nur haydn, mozart und beethoven gemeint - also bin ich von der seite schon ein "konservativer" )

 

wirklich konservativ sein, heisst auch für mich, dass gute und bewährte alte zu bewahren und zu pflegen. das schliesst nicht aus, auch dinge, die man für überholt erkennt, über bord geworfen werden und durch neues ersetzt werden. insofern bin ich dann ein progressiver konservativer :-)

für manche ja auch häufig ein ketzer :-) als was ich mich ja auch ganz gern mal bezeichne.

 

ich bin jedenfalls dagegen, das wort konservativ als schimpfwort zu benutzen.

 

grüsse

 

f-jo

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Das Wort "konservativ" ist das neue Wort für "rechts", das seinen Ursprung im französischen Parlament hatte [...] und woher das Wort "konservativ" kommt weiß der Geier.

 

(Geändert von IRA um 13:39 - 9.August.2002)

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Geh nochmal duschen, IRA. Dann fällt Dir sicher eine Theorie ein, woher das Wort "konservativ" kommt. Wärst Du bei einer anständigen Sekte und nicht bei den vom Zeitgeist verblendeten römischen Katholiken, dann würde Dich Dein Ethik-Offizier in die Sauna schicken und anschliessend zum Wortklären verdonnern.

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Zitat von IRA am 13:34 - 9.August.2002

und woher das Wort "konservativ" kommt weiß der Geier.


 

IRA, probiere es mal mit nachdenken. Vielleicht kann Dir die heilige Schrift dabei helfen (z.B. mehrfach damit feste auf den Hinterkopf hauen). Folgende Fragen könnten dabei auftauchen:

 

A) In welcher Sprache ist die "offizielle" Version der Bibel geschrieben?

B) Aus welcher Sprache kommen viele Fremdwörter in der deutschen Sprache?

 

Machens wir wie bei Jauch, dies ist die 100 Euro-Frage (mehr gibt's nicht bei dem Niveau). Und hier die Antworten:

 

A) Suaheli

B) Koranisch

C) Latein

D) Assyrisch

 

Und die Antwort C ist RICHTIG! Und wenn Du dann noch schlau bist und die ursprüngliche Wortform herstellst (die alten Lateiner kannten kein 'k') dann kommst Du auf das Wort: conservare und das kann man dann nun in jedem Deutsch <-> Latein Wörterbuch nachschlagen: bewahren. Daraus abgeleitet gibt es in der deutschen Sprache die Worte "konservieren" und "Konserve". Ulkig nicht?

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'Tschuldige Stefan, ich hab zuviel verraten, tut mir leid...

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Franciscus non papa


Zitat von IRA am 12:50 - 9.August.2002

Die Heilige Schrift ist jüdisch, du Pflaume.

 

 

ira,

 

zum einen ist die hl. schrift nicht in einer sprache geschrieben, sondern verschieden teile ursprünglich in verschiedenen sprachen - für die lateinische kirche gelten aber bestimmte übersetzungen als verbindlich, z.b. die vulgata, die eine lateinische übersetzung der schrift.

 

ausserdem was ist jüdisch? hebräisch, aramäisch? mach dich da mal kundig,

 

deine nette titulatur eines anderen menschen nehme ich mal einfach nicht zur kenntnis.

 

f-jo

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Franciscus non papa


Zitat von IRA am 13:09 - 9.August.2002

<ausserdem was ist jüdisch? hebräisch, aramäisch?<

 

Hebräisch, f-jo, aramäisch ist Islamistensprache.

 

 

leider falsch, ira, es gibt gute gründe anzunehmen, dass jesus selbst aramäisch gesprochen hat.

 

f-jo

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Werner agnosticus


Zitat von IRA am 14:50 - 9.August.2002

Die Heilige Schrift ist jüdisch, du Pflaume.


"jüdisch"??? - Seit wann hat ein Buch eine Volks- oder Religionszugehörigkeit?

 

Und falls es Dir noch niemand erzählt hat:

Die Bücher des NT wurden wahrscheinlich alle in Griechisch abgefaßt.

Die lateinische "Vulgata" geht auf die aus Sicht der Sprachkundigen "nicht immer einwandfreie" Übersetzungstätigkeit eines gewissen Hieronimus zurück und genießt in der römischen Kirche besondere Wertschätzung, da besagter Hieronimus der römischen Kirche schon erheblich näher stand als die meisten NT-lichen Autoren - und man dies seiner Übersetzung auch anmerkt .

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Nochmal zum Thema kons. oder progr.: ich denke erstens, dass beide Seiten - obwohl sich die mesnchen nicht so leicht 100%ig in die eine oder andere Schublade stecken lassen, wie F-J O zeigt - durchaus zum inneren Reichtum der Kirche beitragen. Leben setzt Bewegung voraus (auch wenn diese nicht immer äußerlich sichtbar sein muss!).

Dennoch (zweitens), mir erscheinen die Fronten oft zu verhärtet. Es muss noch möglich sein, miteinander einen ernstgemeinten Friedensgruß auszutauschen und Eucharistie zu feiern. Als Lesetipp, weil genau zu diesem Thema, kann ich von Manfred Lütz "Der blockierte Riese" anführen, von dem Psychiater sehr lustig und anschaulich geschrieben. Das Buch wurde zu Beginn von nahezu allen Seiten gelobt; als allerdings rauskam, dass der Autor im päpstlichen Laienrat Mitglied ist, war es bei vielen selbsternannten Progressiven (ungelesen) verpönt.

 

Ebenso wie man bei "Progressiven" - so meine jetzt verallgemeinerte Erfahrung - kaum die Berufung aller Christen zur persönlichen Heiligkeit und das gebetsleben ansprechen darf, sind bei "Konservativen" Gerechtigkeit jenseits der Almosen und Armut im Geiste tabu.

 

Blinde Flecken haben alle.

 

Ich auch.

 

Paz y bien,

Ralf

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