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Was ist Neomalthusianismus?


helmut
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malthus ging bei natürlichem bevölkerungswachstum von einer übervölkerung aus, die sich durch not, kriege, krankheiten wieder reguliere.

 

als lösung schlug er traditionelle christliche werte wie eheverzicht, enthaltsamkeit vor.

 

der beginn des neomalthusianismus dachte dieses problem durch bildung und geburtenkontrolle zu regeln.

 

in diesen neomalthusianismus drangen dann gedanken der eugenik, der rassenhygiene, positiver wie negativer, ein.

 

dieses war nicht nur ein deutsches, ein nationalsozialistisches gedankengut. es war weltweit in unterschiedlicher schärfe präsent.

 

eine aktuelle administrative ausprägung ist die ein-kind-politik in china. auch der export europäischen gedankengutes in entwicklungsländer gehört zum neomalthusianismus.

 

aus diesem schillernden komplex ergeben sich fragen. welche ausprägung meint papst franz? will er zurück zum malthusianismus? meint er china oder die kolonialisierung durch europäisches gedankengut?

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Auf welche Verlautbarung, Predigt, Ansprache, welches Interview, Dekret oder Sendschreiben des aktuellen Papstes - ich nehme an, du meinst mit "Papst Franz" den derzeitigen Bischof von Rom - bezieht sich deine threaderöffnende Anfrage?

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Ich denke, Helmut bezieht sich auf die "fliegende Presskonferenz" auf dem Rückweg von den Philippinen.

http://www.domradio.de/themen/papst-franziskus/2015-01-20/der-papst-plaediert-fuer-eine-verantwortete-elternschaft

aus deiner fliegenden pressekonferenz.

 

"Papst Franziskus bestätigte, dass die Offenheit für das Leben Bedingung für das Sakrament der Ehe sei. Aber manchmal sei es nicht mehr zu verantworten, noch mehr Kinder zu bekommen, das läge dann in der Entscheidung der Eheleute. „Verantwortliche Elternschaft“ nannte er das. Es sei Paul VI. aber nicht nur um die persönliche Sphäre gegangen, sondern um die damals geäußerte Befürchtung, über Geburtenkontrolle wollten die reichen die armen Länder kontrollieren (Neo-Malthusianismus genannt). „Paul VI. war nicht rückständig, abgeschlossen. Nein, er war ein Prophet, der damit gesagt hat: passt auf diesen Neu-Malthusianismus auf, der auf uns zukommt. Das wollte ich sagen.“"

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sondern um die damals geäußerte Befürchtung, über Geburtenkontrolle wollten die reichen die armen Länder kontrollieren

Die chinesische Ein-Kind-Politik gab es "damals" unter Paul VI noch nicht. Ich vermute, er meinte damit die bereits damals praktizierte und hoch umstrittene "freiwillige" Sterilisation von Frauen in Indien.

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sondern um die damals geäußerte Befürchtung, über Geburtenkontrolle wollten die reichen die armen Länder kontrollieren

Die chinesische Ein-Kind-Politik gab es "damals" unter Paul VI noch nicht. Ich vermute, er meinte damit die bereits damals praktizierte und hoch umstrittene "freiwillige" Sterilisation von Frauen in Indien.

 

ich verstehe das als zukunftsaussage. "er war ein Prophet" meint papst franz.

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ich verstehe das als zukunftsaussage. "er war ein Prophet" meint papst franz.

Momentan ist mir kein heutiges Szenario bekannt, welches in dieser Hinsicht als Dominanz der reichen Länder über arme Länder verstanden werden könnte. Weder die chinesische Ein-Kind-Politik (die haben sich die Chinesen unter Deng Xiaoping gewiss nicht von anderen Ländern einreden lassen), noch die Sterilisationspolitik in Indien (die könnte zwar durch das Ausland initiiert worden sein, ist aber inzwischen zum Selbstläufer gerade zur Unterdrückung der Dalit geworden).

 

Eine ganz andere Baustelle, die Paul VI vor Augen gehabt haben könnte, wäre die erzwungene bzw. freiwillige Sterilisation von "Geisteskranken und Behinderten", die damals in Europa noch sehr weit verbreitet war und in einigen Ländern (darunter auch Deutschland - in der "freiwilligen", aber oft genug erpressten Variante) bis in den 1990er angewendet wurde. Im weiteren Sinne gehört das auch zum historischen Neomalthusianismus des 19. Jahrhunderts). Dann würde aber auch die Bezugnahme auf arme und reiche Länder nicht passen.

 

Ich denke eher, dass das nun ein Versuch von Franziskus war, etwas einigermaßen Sinnvolles aus dem Verbot von Verhütungsmethoden durch Paul VI herauszudestillieren. Logisch herleitbar erscheint mir der Gedankengang nicht.

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ich verstehe das als zukunftsaussage. "er war ein Prophet" meint papst franz.

Momentan ist mir kein heutiges Szenario bekannt, welches in dieser Hinsicht als Dominanz der reichen Länder über arme Länder verstanden werden könnte. Weder die chinesische Ein-Kind-Politik (die haben sich die Chinesen unter Deng Xiaoping gewiss nicht von anderen Ländern einreden lassen), noch die Sterilisationspolitik in Indien (die könnte zwar durch das Ausland initiiert worden sein, ist aber inzwischen zum Selbstläufer gerade zur Unterdrückung der Dalit geworden).

 

Eine ganz andere Baustelle, die Paul VI vor Augen gehabt haben könnte, wäre die erzwungene bzw. freiwillige Sterilisation von "Geisteskranken und Behinderten", die damals in Europa noch sehr weit verbreitet war und in einigen Ländern (darunter auch Deutschland - in der "freiwilligen", aber oft genug erpressten Variante) bis in den 1990er angewendet wurde. Im weiteren Sinne gehört das auch zum historischen Neomalthusianismus des 19. Jahrhunderts). Dann würde aber auch die Bezugnahme auf arme und reiche Länder nicht passen.

 

Ich denke eher, dass das nun ein Versuch von Franziskus war, etwas einigermaßen Sinnvolles aus dem Verbot von Verhütungsmethoden durch Paul VI herauszudestillieren. Logisch herleitbar erscheint mir der Gedankengang nicht.

 

 

Gemeint ist vermutlich die massive Propagierung der (künstlichen) Empfängnisverhütung, besonders in Ländern der Dritten Welt und die mehr oder weniger starke Koppelung von Entwicklungshilfe an derartige Programme.

 

Das ist ein Dauerbrenner in einigen katholischen Kreisen: die Erpressung ärmerer Ländern zwecks Durchsetzung einer weltweiten Agenda "Pille, Kondom, Abtreibung" und damit Zerstörung der Strukturen dieser Länder.

 

Dass es gerade bei der Philippinenreise zum Thema wird, wundert mich gar nicht. Das war in den letzten Jahren ein heiß umkämpftes Thema.

 

Hier

und

Hier

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Man kann das Erpressung nennen.

Man kann aber auch sagen: Wenn Länder Hilfe wünschen, kann der Helfer erwarten, dass die Unterstützten selbst auch an der Verbesserung ihrer Situation mitarbeiten und sie nicht noch immer weiter verschärfen. Und die Geburtenrate ist nun mal in vielen Ländern ein Teil des Problems.

 

Werner

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Man kann das Erpressung nennen.

Man kann aber auch sagen: Wenn Länder Hilfe wünschen, kann der Helfer erwarten, dass die Unterstützten selbst auch an der Verbesserung ihrer Situation mitarbeiten und sie nicht noch immer weiter verschärfen. Und die Geburtenrate ist nun mal in vielen Ländern ein Teil des Problems.

 

Werner

Du, ich bewerte das gar nicht.

 

Momentan ist mir kein heutiges Szenario bekannt, welches in dieser Hinsicht als Dominanz der reichen Länder über arme Länder verstanden werden könnte.

 

 

Ich versuche nur darauf hinzuweisen, dass mir ein Szenario bekannt ist, das gemeint sein könnte, weil es ein sehr beliebtes Thema in konservativen Kreisen der rkK (und nicht nur dort, aber es geht ja um den Papst) ist.

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In China läuft seit einiger Zeit (nicht allzu heftig, aber doch) die Debatte, ob das mit der 1-Kind-Politik auf Dauer funktioniert. Abgesehen von den menschenrechtlich unerträglichen Sauereien: der Männerüberschuss droht zum Problem zu werden, und die Gesellschaft überaltert so rasant wie bei uns.

Da wurden sogar ein wenig die 1-Kind-Vorschriften gelockert, allerdings weiß anscheinend noch keiner wohin die Reise gehen soll und was nun das Ei des Kolumbus ist.

 

In Afrika, wo Kinder praktisch die einzige "Altersversorgung" darstellen, ist es noch problematischer.

Natürlich hast Du da noch Riesenthemen von Kindersterblichkeit über Müttersterblichkeit, Ausbildung, Nahrungsversorgung, Ökologie etc. daran hängen.

Aber zwischen dem Fokus "von oben" (Geburtenkontrolle, Geburtenkontrolle, Geburten...) und dem "von unten" (wie überlebe ich) klaffen Welten.

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ich verstehe das als zukunftsaussage. "er war ein Prophet" meint papst franz.

Momentan ist mir kein heutiges Szenario bekannt, welches in dieser Hinsicht als Dominanz der reichen Länder über arme Länder verstanden werden könnte. Weder die chinesische Ein-Kind-Politik (die haben sich die Chinesen unter Deng Xiaoping gewiss nicht von anderen Ländern einreden lassen), noch die Sterilisationspolitik in Indien (die könnte zwar durch das Ausland initiiert worden sein, ist aber inzwischen zum Selbstläufer gerade zur Unterdrückung der Dalit geworden).

 

Eine ganz andere Baustelle, die Paul VI vor Augen gehabt haben könnte, wäre die erzwungene bzw. freiwillige Sterilisation von "Geisteskranken und Behinderten", die damals in Europa noch sehr weit verbreitet war und in einigen Ländern (darunter auch Deutschland - in der "freiwilligen", aber oft genug erpressten Variante) bis in den 1990er angewendet wurde. Im weiteren Sinne gehört das auch zum historischen Neomalthusianismus des 19. Jahrhunderts). Dann würde aber auch die Bezugnahme auf arme und reiche Länder nicht passen.

 

Ich denke eher, dass das nun ein Versuch von Franziskus war, etwas einigermaßen Sinnvolles aus dem Verbot von Verhütungsmethoden durch Paul VI herauszudestillieren. Logisch herleitbar erscheint mir der Gedankengang nicht.

 

Gemeint ist vermutlich die massive Propagierung der (künstlichen) Empfängnisverhütung, besonders in Ländern der Dritten Welt und die mehr oder weniger starke Koppelung von Entwicklungshilfe an derartige Programme.

 

Das ist ein Dauerbrenner in einigen katholischen Kreisen: die Erpressung ärmerer Ländern zwecks Durchsetzung einer weltweiten Agenda "Pille, Kondom, Abtreibung" und damit Zerstörung der Strukturen dieser Länder.

 

Das die USA, auf Betreiben der religiösen Rechten, Entwicklungshilfegelder & Co nur unter der Bedingung an z.b. afrikanische Länder (Uganda ist DAS Vorzeigeprojekt) abgegeben haben, daß sie bei der Bekämpfung von AIDS nicht auf Verhütung und Aufklärung, sondern auf "religiöse Werte" setzen (ABC-Programm, ""A", abstain; "B", be faithful; "C", chastity", o.ä.) ist mal wieder etwas ganz anderes ...

(Ähnliches gibt es ja als "Mexico City Policy" beim Thema Abtreibung/Verhütung, republikanische und demokratische Präsidenten führen sie abwechselnd ein und heben sie wieder auf)

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