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Chrysologus

Das Verschwinden von Religion in der Kirche

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Chrysologus

In einem Gespräch mit Arnold Angendt im DLF taucht dieser Satz auf, der mich sehr beschäftigt: Das Verschwinden von Religion in der Kirche als das große Problem. Und es ist nicht verkehrt scheint mir, haben wir doch ziemlich verlernt, über unseren Glauben zu sprechen.

 

Was meint ihr?

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Flo77

Ich bin mir nicht sicher, ob ich Angenendt richtig verstanden habe. Was ist denn an dieser Stelle mit "Religion" gemeint?

 

Wenn er darauf abzielt, daß das Credo nicht mehr wirklich Allgemeingut ist, in Predigt und Katechese vieles nicht mehr ausgesprochen wird (und dadurch Bezüge abbrechen), die christliche Jenseitshoffnung zu Gunsten der Sozialgemeinschaft verdrängt wird und die Liturgie vielfach nur noch als Pflichtübung und nicht als spirituelles Erlebnis empfunden wird, hat er sicherlich nicht Unrecht.

 

Daß dieses "selektive Sprechen" dazu führt, daß auch innerhalb der Kirche über vieles nicht mehr angesprochen wird - z.B., weil man bei manchen Themen immer damit rechnen muss als Sonderling oder Exzentriker abgestempelt zu werden.

 

Diese Sprachlosigkeit reicht aber vom Klerus bis hin in den Religionsunterricht und ist nicht weiter verwunderlich.

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Chrysologus

Das Problem ist ja weniger, dass es nicht ausgesprochen wird - ich weiß auch nicht recht, wie man das tun soll. Uns fehlt die Sprache dafür.

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Werner001

Ich bekomme ja ziemlich oft die orientalische Perspektive zu hören. Und da höre ich schon lange genau diese These.

Die Kirche in Deutschland beschäftige sich viel mit Politik, insbesondere, aber nicht nur, Sozialpolitik, mit Ethik, mit allem Möglichen, aber kaum mit Religion. Die Predigten beschäftigen sich mit aktuellen sozialen Problemen oder Umweltthemen, der Religionsunterricht ist eine Mischung aus allgemeiner Ethik und Informationen über alle möglichen Religionen der Welt, aber zum Thema Glaube hört man nie etwas.

So könnte man kurz zusammenfassen, wie die deutsche Kirche bei orientalischen Christen rüberkommt.

 

Werner

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gouvernante

 

 


Das Problem ist ja weniger, dass es nicht ausgesprochen wird - ich weiß auch nicht recht, wie man das tun soll. Uns fehlt die Sprache dafür.
Ich meine ja, es wird viel zu viel ausgesprochen. Was in meinen Augen fehlt, ist die Einübung ins Schweigen und Hören.
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Flo77

Das Problem ist ja weniger, dass es nicht ausgesprochen wird - ich weiß auch nicht recht, wie man das tun soll. Uns fehlt die Sprache dafür.

Die Sprache haben wir - wir "wollen" sie nur nicht nutzen. Mag sein, daß das darin Beschriebene uns unangenehm ist. Mag sein, daß diese Aussagen schlicht das Schicksal des ehrwürdigen Wortes "Wählscheibe" teilen.

 

Die seit den 1950ern grassierende Idee niemanden mit "Privatem" bzw. "Intimen" oder gar "Idealem" behelligen zu wollen, ist da nur ein kleiner Baustein.

 

Seit 12 Jahren praktiziere ich nunmehr Knie-Mundkommunion - Du glaubst doch nicht, daß mich bisher auch nur ein einziger Mensch mal auf meine Motivation angesprochen hätte - obwohl es auffällt. Im Rahmen meiner Eucharistiefrömmigkeit habe ich das Kreuzzeichen bei den Wandlungsworten für mich entdeckt - man spricht schlicht darüber woher etwas kommt oder warum man etwas tut. Man fragt ja auch keinen Nichtkommunikanten, warum er nicht geht. Obwohl man sich Sorgen macht.

 

Spiritualität wird heute zu den Dingen gerechnet, die völlig privat sind. Ähnlich wie die Frage nach der Häufigkeit sexueller Aktivität. Na, eigentlich eher noch stärker tabuisiert als jene. Worüber man nicht redet, darüber findet man auch keine Worte. Es wird ja nicht nur nicht geredet, sondern es wird auch nicht geDACHT. Die Reflektion über die eigene Spiritualität ist in unserer Zeit ja nun auch eher etwas, was die herrschende Meinung als Skurilität abtut.

 

Nebenan steht mein Predigtansatz für eine Johannes-Stelle - Reaktionen bisher = 0. Entweder das Thema ist schlicht uninteressant oder ich könnte auch Kisuaheli oder Mandarin schreiben. Die Reichweite dürfte ähnlich sein.

Edited by Flo77

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Flo77

 

Das Problem ist ja weniger, dass es nicht ausgesprochen wird - ich weiß auch nicht recht, wie man das tun soll. Uns fehlt die Sprache dafür.

Ich meine ja, es wird viel zu viel ausgesprochen. Was in meinen Augen fehlt, ist die Einübung ins Schweigen und Hören.
Vor langer Zeit war ich mal in einer Messe bei einem Priester mit Halsentzündung - er hat daraufhin Gebrauch von der Kanonstille gemacht. Es war durchaus ein Erlebnis (wobei ich nicht die Stimmung im Rest der Gemeinde einschätzen kann).

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Petrus

 

Das Problem ist ja weniger, dass es nicht ausgesprochen wird - ich weiß auch nicht recht, wie man das tun soll. Uns fehlt die Sprache dafür.

Ich meine ja, es wird viel zu viel ausgesprochen. Was in meinen Augen fehlt, ist die Einübung ins Schweigen und Hören.

ja.

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Edith1

 

Das Problem ist ja weniger, dass es nicht ausgesprochen wird - ich weiß auch nicht recht, wie man das tun soll. Uns fehlt die Sprache dafür.

Ich meine ja, es wird viel zu viel ausgesprochen. Was in meinen Augen fehlt, ist die Einübung ins Schweigen und Hören.

 

Das muss man den Leuten leider auch erst sagen, dass .... :a050:

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Petrus

haben wir doch ziemlich verlernt, über unseren Glauben zu sprechen.

 

nu,

 

ich weiß zwar nicht, wer "wir" ist,

ich weiß auch nicht, wie das geht, "über "unseren" Glauben" zu sprechen,

 

ich weiss nicht mal, wie "verlernen" geht.

 

trotzdem, dennoch und deswegen:

danke Dir, Chrysologus, für Deinen Denk-Anstoß,

 

vom Peter, der sich auf die Hühnersuppe freut (echt, ohne Scheiß, weil ich hab ein bißchen arg gehustet). kein Problem. Meine Frau kümmert sich.

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Merkur
Spiritualität wird heute zu den Dingen gerechnet, die völlig privat sind. Ähnlich wie die Frage nach der Häufigkeit sexueller Aktivität. Na, eigentlich eher noch stärker tabuisiert als jene. Worüber man nicht redet, darüber findet man auch keine Worte. Es wird ja nicht nur nicht geredet, sondern es wird auch nicht geDACHT. Die Reflektion über die eigene Spiritualität ist in unserer Zeit ja nun auch eher etwas, was die herrschende Meinung als Skurilität abtut.

 

 

Spiritualität ist privat. Mit denjenigen, die sich damit auskennen, muss man nicht drüber reden und andere verstehen es eh nicht. Befremdlich finde ich, dass die überkommenen Formen christlicher Spiritualität, wie beispielsweise die des Benediktinerordens oder anderer traditionsreicher Orden, im Aussterben begriffen sind, während Bewegungen wie das Neokatechumenat oder die Fokolarbewegung anscheinend florieren.

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Flo77

Anscheinend...

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Moriz

 

Befremdlich finde ich, dass die überkommenen Formen christlicher Spiritualität, wie beispielsweise die des Benediktinerordens oder anderer traditionsreicher Orden, im Aussterben begriffen sind, während Bewegungen wie das Neokatechumenat oder die Fokolarbewegung anscheinend florieren.

Ein Aussterben der klassischen Orden sehe ich nicht. Bei Benediktinern, Dominikanern, Franziskanern und Jesuiten gab es immer ein auf und ab. Trotzdem gibt es die schon seit Jahrhunderten. Und es wird sie wohl auch noch lange geben, auch wenn es zur Zeit mal wieder eher bergab geht.

 

Aussterben tun viele Gemeinschaften, die im vorletzten Jahrhundert gegründet wurden. Gerade karitative Gemeinschaften. Was vor 150 Jahren eine wichtige Antwort auf die damalige Not der Menschen war wird heute durch unsere Sozialsysteme geleistet. Gut so!

 

Dafür gibt es neue Gemeinschaften, die Antworten auf die heutigen Nöte der Menschen geben - diese sind mmn eher spiritueller Art. Von daher werden wir wohl noch einige Jahrzehnte mit NK und Fokolaren leben (müssen). Die Kirche geht halt mit der Zeit - irgendwie.

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Flo77

Gut so? Ich habe eher den Eindruck, daß sich durch diese Hängematte die Kirche marginalisiert.

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Moriz

Gut so? Ich habe eher den Eindruck, daß sich durch diese Hängematte die Kirche marginalisiert.

Ganz ehrlich: Ich lebe lieber in einem Staat, der Sozial-, Gesundheits- und Bildungssystem flächendeckend sicherstellt als davon abhängig zu sein, daß bei Bedarf gerade der richtige Orden in der Nähe aktiv ist.

Und was meinst Du mit Hängematte?

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Katharer

Für mich stellt sich schon seit längerer Zeit die Frage: Was bedeutet eigentlich Religion in der Kirche? Ist Religion gleichzusetzen mit Spiritualität, Dogmatismus, und Wunderglauben? Ist es wirklich wichtig ob ich die hl. Kommunion im Stehen, oder im Knien als Hand- oder Mundkommunion empfange? Ist es wirklich wichtig ob ich dies "im Gedanken an Jesus Christus" tue, oder ob ich davon überzeugt bin das sich in der Eucharistie wirklich Brot und Wein in Fleisch und Blut unseres Herrn Jesus verwandeln? Religion bedeutet doch eigentlich viel mehr, als an Zauber oder Wunder zu glauben?

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Katharer

 

 

Das Problem ist ja weniger, dass es nicht ausgesprochen wird - ich weiß auch nicht recht, wie man das tun soll. Uns fehlt die Sprache dafür.

Ich meine ja, es wird viel zu viel ausgesprochen. Was in meinen Augen fehlt, ist die Einübung ins Schweigen und Hören.
Vor langer Zeit war ich mal in einer Messe bei einem Priester mit Halsentzündung - er hat daraufhin Gebrauch von der Kanonstille gemacht. Es war durchaus ein Erlebnis (wobei ich nicht die Stimmung im Rest der Gemeinde einschätzen kann).

 

"Kanonstille" ein schönes Wort für Schweigen. Manchmal kann Schweigen sehr wohltuend sein. Und G'tt kann auch unsere Gedanken lesen!

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Flo77

 

Gut so? Ich habe eher den Eindruck, daß sich durch diese Hängematte die Kirche marginalisiert.

Ganz ehrlich: Ich lebe lieber in einem Staat, der Sozial-, Gesundheits- und Bildungssystem flächendeckend sicherstellt als davon abhängig zu sein, daß bei Bedarf gerade der richtige Orden in der Nähe aktiv ist.

Und was meinst Du mit Hängematte?

Und ich lebe lieber in einem armen Staat mit einer reichen Kirche als umgekehrt. Ein reicher Staat macht auch viel Unsinn und ein Staat mit Bildungshoheit - nun, wir sehen, wohin das führt...

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Merkur

Am besten ist ein reicher Staat mit reicher Kirche, deren Mittel im wesentlichen von den Gläubigen vor Ort verwaltet werden. Reichtum alleine hilft leider auch nicht gegen das Verschwinden der Religion, aber er ermöglicht zumindest die Aufrechterhaltung bestehender Strukturen.

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Bruno-Maria Schulz

Eingangs steht:

....Das Verschwinden von Religion in der Kirche als das große Problem. Und es ist nicht verkehrt scheint mir, haben wir doch ziemlich verlernt, über unseren Glauben zu sprechen.....

 

Das Verschwinden von Religion in der Kirche ist verständlich in einem Staat, wo das Abwählen von Religionsunterricht zugunsten von "Ethik" seit mehr als einer Generation möglich ist.

Erlebt wurde dieses Verschwinden erneut an Pfingsten, wo bei Befragungen nur ein Bruchteil wusste was Pfingsten gefeiert wird. Ich selbst sprach erst gestern mit einem ehemaligen Katholiken in der Sauna, der mir den HEILIGEN GEIST und alles was damit verbunden ist, als "dummes Märchen" klarmachen wollte. Kürzlich fragte mich ein Katholik aus unserer Gemeinde, ob ich denn wirklich glaube, in den Himmel zu kommen und lachte darüber. Es sei doch nur alles beruhigendes Geschwätz.

Einen tatsächlichen Support findet diese massive Skepsis zum Glauben, durch zögerndes oder nicht vorhandenes Verteidigen des Glaubens durch verbliebene überzeugte Christen.

Man erinnere sich jedoch an das Wort Jesu Christi. Wer sich Meiner schämt, dessen schäme ich mich vor Meinem Vater. Wir dürfen nicht alles unserer Kirche überlassen, sondern sind auch selbst zu aktiver Mission verpflichtet.

Natürlich hat unsere Kirche auch massenweise Gläubige verloren durch grausam sündiges Verhalten einiger weniger Priester (Kindesmissbrauch). Das waren tatsächlich sehr wenige Priester die hier entsetzlich sündigten. Dennoch kein Grund der Kirche die Jesus Christus auf Petrus gegründet hat abzuschwören und sie zu verlassen, anstatt sich aktiv im Wiederaufbau zu engagieren mit klarem Wort für Glauben und Kirche. Ein MUSS vor Jesus Chistus

Edited by Bruno-Maria Schulz

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Bruno-Maria Schulz

Das Problem ist ja weniger, dass es nicht ausgesprochen wird - ich weiß auch nicht recht, wie man das tun soll. Uns fehlt die Sprache dafür.

 

Hier möchte ich widersprechen. Uns fehlt nicht die Sprache dafür. Die haben wir. Wir haben sie um so mehr, wenn wir den Geist Gottes darum bitten. Viele meinen es bedürfte "Mut" dazu, für Gott, Glaube und Kirche zu sprechen.

Es bedarf aber keines Mutes wenn wir wissen, dass bei Einsetzen für Gott, wir Gott näher sind. Was könnte lohnender sein?

OK - gut - ich bekam erst diese Woche eine Mail der Aufforderung - "bitte verschone uns mit deinem Kirchenkram".

Na und? Die so denken, werden solches Denken wenn sie Gott sehen - und jeder Mensch wird Gott sehen - einmal furchtbar verfluchen. Ich schrieb zurück:

Glaubenslosigkeit - Ablehnung des Glaubens uns somit Gottes, lässt sehr viel Lebensqualität den Bach runter gehen. Gar nicht zu sprechen von seit Jahrtausenden genau bekannten späteren Konsequenzen, die allesamt in der Heiligen Schrift stehen, die dennoch keine "Drohbotschaft" sondern absolute Frohe Botschaft ist mit sehr realer Lebenshilfe. Alle meine Probleme gesundheitlicher wie jedweder anderer Natur, wurden ausschließlich durch Gebet überwunden. Womit meisterst du bedrohliche Probleme?

Edited by Bruno-Maria Schulz

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Katharer

 

 


Erlebt wurde dieses Verschwinden erneut an Pfingsten, wo bei Befragungen nur ein Bruchteil wusste was Pfingsten gefeiert wird.

 

Das ist keine neue Erscheinung, mir war schon vor mehr als 50 Jahren, als "Firmling" nicht klar was Pfingsten bedeuten soll.

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Petrus

 

Vor langer Zeit war ich mal in einer Messe bei einem Priester mit Halsentzündung - er hat daraufhin Gebrauch von der Kanonstille gemacht.

 

 

was ja wohl neuerdings nicht mehr "Usus" ist - um das vorsichtig auszudrücken.

 

...

 

es begab sich aber zu der Zeit,

als Petrus ministrierte. werktags.

 

Da hatten wir einen älteren Priester (den hab ich auch gemocht), der betete dann manchmal in unregelmäßigen(!) Abständen das Hochgebet still. Bis auf die Verba testamenti, die hat er immer laut gesprochen.

 

ich Ministrant, kein Problem, ich wußte ja, wann die Epiklese kommt, niederknien und so. habe dann all meine liturgiewssenschaftlichen Kenntnisse zusammengesucht, nix gefunden, im Direktorium nachgeschaut, nix gefunden, macht doch nix.

 

ich hab dann einfach ministriert, wie es mein Amt war.

 

nach einem halben Jahr die Lösung gefunden: immer, wenn er Probleme hatte, mit dem Gebiß.

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Petrus

Kirche die Jesus Christus auf Petrus gegründet hat

 

 

nu - irgendwie hast Du da vielleicht recht?

Edited by Petrus

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Petrus

haben wir doch ziemlich verlernt, über unseren Glauben zu sprechen.

 

 

ja.

 

btw: was ist denn Dein Glaube, Chrysologus, über den Du doch ziemlich verlernt hast, zu sprechen?

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