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Evangelien - Wer Und Wann


altersuender
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altersuender

Das ist ein Thema, dass mich seit einiger Zeit beschäftigt.

 

Wann, Ihr einfachen Gläubigen, Theologen und Theologinnen, Laien und Personen geistlichen Stands, wann, liebe Brüder und Schwestern im Herrn, wurden die Evangelien geschrieben? Und wie begründet Ihr Eure zeitliche Zuordnung? Welche Methoden stehen dahinter? Wer waren die Autoren? Matthäus, Lukas, Markus, Johannes? Wenn nein, wer dann?

 

Ich erhoffe mir eine rege Diskussion, sind doch hier vom Hardcore-Katholiken bis zum knieweichen 'wir sind die Kirche'-Liberalen alle Meinungen versammelt, die Platz finden unter dem großen, weiten Kirchendach.

Edited by altersuender
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Guest Juergen

Herrje, Du stellst Fragen!

Soll daß hier eine Übersicht in die neutestamentliche Einleitungswissenschaft werden?

Dann gebe ich lieber eine Literaturempfehlung, als daß ich konkrete Aussagen mache:

 

Udo Schnelle: Einleitung in das Neue Testament. Göttingen 1994. - 639 S. (UTB ; 1830)

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altersuender
Herrje, Du stellst Fragen!

Soll daß hier eine Übersicht in die neutestamentliche Einleitungswissenschaft werden?

Dann gebe ich lieber eine Literaturempfehlung, als daß ich konkrete Aussagen mache:

 

Udo Schnelle: Einleitung in das Neue Testament. Göttingen 1994. - 639 S. (UTB ; 1830)

Nein, einfach nur spontan und völlig unsystematisch Deine Meinung dazu. Du kannst ja mit Deinem Lieblingsevangelium anfangen. Solche Bücher habe ich selber auch, aber mir geht es darum, was Du selber meinst. Bist Du der Ansicht, dass alle Evangelien erst von der zweiten oder dritten Generation geschrieben wurden, zu einer Zeit, als es praktisch kaum mehr lebenden Augenzeugen der in den Evangelien berichteten Geschehnisse gab? Oder dass das eine oder andere auch früher verfasst wurde, so dass es auch Leute lesen konnten, die Jesus selber noch gesehen haben? Wie begründest Du Deine Meinung?

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Hallo Erich,

 

ich wundere mich, dass Du diese Frage als Diskussionsthema anschneidest. Ich dachte, das sei heute anerkannter Stand der Wissenschaft:

 

Paulusbriefe: 50-58 n. Chr.

Röm; 1 Kor; 2 Kor; Gal; Phil; 1 Thess; Phlm

Mk 70 n.Chr.

Mt 80 n.Chr.

Lk 80-90 n.Chr.

Joh 90-100 n.Chr.

Apostelgeschichte: 80-90 n.Chr.

 

So hat das meine Stieftochter im Religionsunterricht gelernt. Ist das nicht allgemein anerkannt?

 

Viele Grüsse

 

KP.

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Hallo "Sokrates",

 

wer wahrlich um der Wahrheit willen den Giftbecher ausleert, der muß auch ein Freund Jesu sein!

 

Willkommen im Forum!

 

Grüße, Carlos

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Guest Ketelhohn

»[...] wie uns die ältesten Quellen über die Abfassung der Evangelien bezeugen, sind sie gleichsam aus der lebendigen Katechese der Apostel erwachsen. Matthæus hat ursprünglich für die Juden in Palästina auf aramäisch aufgeschrieben, was die Urgemeinde den Neugierigen und Interessenten erzählte. Marcus hielt in Rom schriftlich fest, was Petrus dort verkündete. Lucas hatte vor allem die Predigt des Paulus gehört und bei Bedarf auch verdolmetscht, bemühte sich aber, noch weitere Zeugen auszufragen und verfaßte so im engeren Sinne ein Geschichtswerk, ja er führte die Geschichte fort, indem er über die Zeit der ersten Verkündigung selbst berichtete. Johannes endlich ergänzte als Greis das in den Schriften der drei andern Festgehaltene noch aus persönlicher Erinnerung dazu die inzwischen ausgebildete theologische Deutung.

 

Das wesentliche dieser frühen Katechese ist die Verkündigung zentralen Heilsereignisse. Ohne Zweifel haben da die Worte des Herrn besondere Bedeutung, aber sie hätten diese Bedeutung nicht ohne das, was die Apostel gesehen und erlebt haben. Man lese die Urkatechesen des Petrus, Stephanus und Paulus: Lucas teilt sie mit in der Apostelgeschichte bei der Schilderung von Pfingsten, der Steinigung Stephans, Pauli Rede vor dem Areopag und desselben Verteidigung vor Festus und Agrippa. Dazu kommt des Apostels eigene ausführliche Katechese im Hebräerbrief, den ja vielleicht auch Lucas übersetzt hat.

 

All diese Verkündigung ist strikt historisch. Die Geschichte des Alten Bundes war schon geschrieben, nicht aber die Geschichte Jesu. Unvorstellbar, daß man diese nicht weiterüberliefert hätte an alle, die zum Glauben kamen. Worte und Werke. – Aber die historisch-kritische Exegese hat uns doch die Abhängigkeiten der Evangelisten gezeigt – mag da einer einwenden –, ohne die gemeinsame Logienquelle sind die synoptischen Texte gar nicht erklärbar! – Falsch. Nichts ist leichter erklärbar: Denn zunächst verkündeten die Apostel gemeinsam. Im Heiligen Land. Man redete über das Geschehene und berichtete es weiter.

 

Wie sollte da nicht ein gemeinsamer Grundstock an Einzelepisoden sich herausbilden? Die gewiß auch einmal unterschiedlich angeordnet werden können, mehr oder minder vollständig und ausführlich wiedergegeben oder in der Wortwahl schwankend, zumal bei Übersetzung in eine fremde Sprache, aber im Kern ein und denselben Inhalt haben? Woher sollte das Interesse kommen, eine reine Spruchsammlung aufzustellen, wenn man Jesus nicht für einen Weisheitslehrer, sondern für den kraft seiner Auferstehung lebendigen Messias hielt?

 

All diese vermeintlich historisch-kritischen Konstrukte überzeugen nicht. Denn sie beachten nicht die tatsächliche Situation der Apostel und Evangelisten, ihr Leben, ihr Interesse. Vielmehr trägt hier der Exeget anachronistisch seine eigene Vorstellung in die Geschichte hinein.« (Ketelhohn, neulich)

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Guest Ketelhohn

Dies erst mal als Diskussionsgrundlage. In aller Kürze aus dem Handgelenk sei bloß angedeutet, zu welchen Datierungen ich, von der zitierten Basis ausgehend, ungefähr komme:

 

[*] Matthæus: vor 50 (und wenigstens eine aramäische Urfassung vor Marcus)

[*] Marcus: vor 50

[*] Lucas (Ev. & Apg.): vor 67/68

[*] Johannes (Ev. & Offb.): Ende der 90er Jahre (Briefe wohl eher)

[*] Briefe Pauli: 50er & 60er Jahre, vor 67/68

[*] Briefe Petri: vor 67/68

[*] übrige Briefe: muß ich noch mal drüber schlafen

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