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Ehelosigkeit um des Himmelreiches Willen


theresa???

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vor 2 Stunden schrieb gouvernante:

Ich finde die Frage nach den Kompromissen eher irreführend. Auch ein*e Eremit*in muss Kompromisse machen, denn auch sie/er lebt nunmal nicht von Luft und (Gottes-)Liebe allein. Die Frage wäre eher, was der Maßstab bei Kompromissen ist. In einer Ehe/Partnerschaft ist meiner Auffassung nach der Maßstab das menschliche "erste Du" (und/oder vorhandene Kinder), in klösterlichen oder anderen ehelosen Lebensformen sollte es Gott sein.

Also eher eine Frage der Priorität im Konfliktfall.

Wobei natürlich nicht jede ehelose Lebensform Gottes wegen ehelos ist. Ich bin ja auch erst gut 100 Tage verheiratet, das hatte aber vergleichsweise wenig mit einer Hinordnung meines Lebens auf Gott zu tun.

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vor 1 Stunde schrieb mn1217:

Wobei natürlich nicht jede ehelose Lebensform Gottes wegen ehelos ist.

Natürlich nicht. Ich bezog das auf meine Orientierungsfrage „Wem oder was räume ich im Falle widersprüchlicher Ansprüche in meinem Leben erste Priorität ein?“ Und ich würde meinen, die Antwort darauf ist eine andere, wenn ich in einer Partnerschaft/Ehe, in einer kirchlichen Lebensform, in der ich Gott als mein „erstes Du“ bekenne, oder als soziologischer Single lebe.

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vor 3 Stunden schrieb theresa???:

Aber Gott ist doch nicht nur dann oberste Priorität, wenn man gerade betet oder in der Bibel liest. Klar, dafür hat man in einem Orden vermutlich mehr Zeit. Aber ich führe doch nicht nur dann eine Beziehung zu Gott, wenn ich in der Kirche bin.

 

Gott ist doch nicht im Gegensatz zu dem, was du als "die Welt fordert ihren Tribut" bezeichnest.

Er begegnet doch in allem und fordert uns in allem zu einem Leben auf ihn hin, oder?

 

Es geht nicht einfach um Kompromisse, sondern um Prioritaet. 

 

Absolute Prioritaet haette fuer mich meine Frau, wenn sie zaertlichkeit und Aufmerksamkeit braucht, meine Kinder, wenn sie spielen wollen, meine Familie fuer all das, wofuer sie mir Recht meine volle Aufmerksamkeit und Konzentration und Hingabe erwarten kann.  Ich waere nicht mit Gott verheiratet, sondern mit einem Menschen, mit Hoffnungen, Beduerfnissen, Problemen, und dieser Mensch steht an allererster Stelle, das hat Gott dann so gewollt. Das heisst auch, es gibt genuegend Zeitraeume, wo ich gar nicht an ihn denke, nicht denken will und auch nicht denken kann weil ich an etwas anderes denken will, kann und muss.

 

Ein eheloses zoelibares  Leben auf  Gott ausgerichtet stelle ich mir so vor, dass ich dann keine anderen Prioritaeten habe,  die meine Liebe woanders hinlenke ausser auf Gott, meine Zeit, mein Hingabe, meine Sehnsucht. 

 

Ich denke, Gott hat das genauso klug eingerichtet, dass sich diese beiden Lebensformen nicht in die Quere kommen, das wuerde fuer die Betroffenen nur Unglueck erzeugen, das in eins bringen zu wollen. Manche Dinge kann man nicht miteinander vereinbaren. 

 

PS: Gott und Ehe/Partnerschaft - nein, Gott ist fuer mich nicht der Dritte im Bund. Gott mag diesen Bund tragen und schuetzen, ich mag mit dem anderen Menschen zusammen glaeubig sein, aber Gott ist nicht mein Partnerin und wir fuehren auch keine Beziehung zu dritt ;-)).  Das Sakrament der Ehe, der Ehebund im allgemeinen, Partnerschaft allgemein, ist auf zwei Menschen ausgerichtet und definiert, nicht auf zwei Menschen + Gott. Mit Gott hat man eine andere eigenstaendige Beziehung. Auch das Eheversprechen richtet sich nicht an Gott, sondern an den anderen Menschen. Es waere meines Erachtens sogar ein Verrat an diesem anderen Menschen, wenn man ihm Gott vorzöge.. Da muss man sich entscheiden, fuer wen man ausschliesslich da sein will Das zu ergruenden ist Sache eines Beichtvaters oder guten Seelsorgers oder einem Ansprechpartner in einem Kloster. 

 

 

bearbeitet von Long John Silver
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vor 6 Stunden schrieb theresa???:

Aber Gott ist doch nicht nur dann oberste Priorität, wenn man gerade betet oder in der Bibel liest. Klar, dafür hat man in einem Orden vermutlich mehr Zeit. Aber ich führe doch nicht nur dann eine Beziehung zu Gott, wenn ich in der Kirche bin.

 

Das erinnert mich jetzt an eine Phase in meiner Kindheit, in der ich, je nach Verfassung, tief traurig oder fuchsteufelswild geworden bin, wenn der Pfarrer im Religionsunterricht mal wieder die Platte von Gott auflegte, dem bei allem und jedem und überhaupt die erste Priorität einzuräumen sei und dies auf kindlichem Erfahrungshorizont zu erklären versuchte. Bei mir hat das damals Bilder von Gott erzeugt, der sich beim Abendbrot zwischen meine Eltern zwängte oder nachts als Dritter im Bunde zwischen ihnen im Bette lag, oder der die Liebe auffraß, die meine Mutter meinem Vater und uns Kindern scheinbar schuldig blieb. Ich wollte Gott nicht am Abendbrottisch sehen, der sollte gefälligst im Herrgottswinkel bleiben, wo er hingehörte, und selbstverständlich wollte ich ihn schon gar nicht zwischen meinen Eltern im Bett liegen sehen! Sollte er sich doch zu Tante Anna packen, die war ledig und sehr fromm und sicher manchmal auch sehr einsam. Dort war mehr Platz als in unserer kleinen Familie.

 

Nun bin ich jemand, der gewiss keine großartige "Beziehung zu Gott" hat oder pflegt. Ich glaube aber, dass er ganz gut damit leben kann, dass es Menschen gibt, die ihm mehr Zeit und Aufmerksamkeit in ihrem Leben einräumen als andere. Dem Ehepartner und den Kindern Aufmerksamkeit schenken, Kranke und alte Menschen pflegen, ... ist das nicht auch "Gottesdienst", Gottesdienst an Menschen halt.

bearbeitet von Julius
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vor 15 Stunden schrieb Julius:

 

Nun bin ich jemand, der gewiss keine großartige "Beziehung zu Gott" hat oder pflegt. Ich glaube aber, dass er ganz gut damit leben kann, dass es Menschen gibt, die ihm mehr Zeit und Aufmerksamkeit in ihrem Leben einräumen als andere. Dem Ehepartner und den Kindern Aufmerksamkeit schenken, Kranke und alte Menschen pflegen, ... ist das nicht auch "Gottesdienst", Gottesdienst an Menschen halt.

 

 

Ich halte eine gedankliche Trennung von "Gottesdienst" und "Menschendienst" ohnehin für fragwürdig. So wie es nur ein Doppelgebot der Liebe (zu Gott und dem Nächsten) gibt, so kann ich auch Gott nicht am Nächsten vorbei dienen. Gott begegnet mir (nur) in seinem und meinem Ebenbild - dem Mitmenschen.

 

Selbst Jesus begegnete alleine in der Wüste nur dem Satan - d. h. er rang mit seinem Ego - nicht aber Gott. Jesus musste erst wieder unter die Menschen gehen, um Frucht zu bringen.

 

Nun gibt es zweifellos Menschen, die soviel Liebe in sich tragen, dass sie sie nicht auf einen einzigen oder einige wenige Menschen beschränken wollen, sondern ihre Liebe möglichst vielen Menschen zukommen lassen wollen. Und da auch ihre Lebenszeit begrenzt ist, geht das nur, indem die Quantität die Qualität ersetzt, die Beziehungen zu den einzelnen Menschen also weniger exklusiv und intensiv gepflegt werden. Die Ehelosigkeit ist in diesen Fällen eine logische Konsequenz. 

 

Ein solcher inklusiver Lebensstil ist jedoch weder besser noch schlechter als ein exklusives Beziehungsmodell, sondern nur einfach anders. Problematisch wird es m. E. sogar dann, wenn der inklusive Ansatz derart weit getrieben wird, dass er vom realen Nächsten vollkommen abstrahiert und nur noch in Beziehung zu einem transzendenten Wesen stehen möchte - oder jedenfalls zu stehen glaubt. Dieses transzendente Wesen vermag ich schwerlich mit dem jüdisch-christlichen Gott zu identifizieren, der in der Geschichte der Menschen wirkt und selbst Mensch geworden ist. Wozu sollte diese Menschwerdung nötig sein, wenn man Gott auch ohne den anderen Menschen in sich selbst finden kann? 

 

Das Gehirn kann sich - ohne äußeres menschliches Gegenüber - zwangsläufig nur noch auf sich selbst beziehen. Wie Jesus in der Wüste begegnet man dabei möglicherweise dem Satan (was, solange es zeitlich begrenzt geschieht, durchaus heilsam sein kann!), aber vermutlich eher nicht Gott.

 

Insofern habe ich auch ein prinzipielles Problem mit der Vorstellung, "dass Gott auf einen so anziehend wirkt, dass man ihn als erstes Du in seinem Leben haben möchte", wie gouvernante es formuliert hat. Denn eine solche Hierarchie, erst "Gott" dann der Mitmensch, impliziert m. E. eine schädliche Trennung Gottes von der Welt.
 

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vor 46 Minuten schrieb Fidelis:

Insofern habe ich auch ein prinzipielles Problem mit der Vorstellung, "dass Gott auf einen so anziehend wirkt, dass man ihn als erstes Du in seinem Leben haben möchte", wie gouvernante es formuliert hat. Denn eine solche Hierarchie, erst "Gott" dann der Mitmensch, impliziert m. E. eine schädliche Trennung Gottes von der Welt.

Tja, so schnell ist das missverständlich ;)
Vielleicht ist das Bild des Dreiecks (Gott, die Menschen, ich) einfacher: in einer gottbezogenen ehelosen Lebensform geht der Weg über Gott zu den Menschen (und die eigene Zuneigungs- und Beziehungsfähigkeit wird nicht auf Partner/Kinder priorisiert), in einer Partnerschaft/Ehe geht der Weg zu Gott über den Menschen (und zwar in der Regel über die priorisierten Nahverhältnisse zum Partner/zu den Kindern, Flo würde vermutlich noch sagen: zur Sippe oder Nachbarschaft).
Ich habe den Eindruck, ich wiederhole mich: es ist keine Frage des Entweder-oder, sondern der Prioritäten. Also platt gesagt: wohin mit meiner begrenzten Zeit. Und ein Weg zu Gott, der nicht zu den Menschen führt, ist im Christentum sowieso daneben (inkarnatorisches Prinzip).

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vor 13 Minuten schrieb gouvernante:


Ich habe den Eindruck, ich wiederhole mich: es ist keine Frage des Entweder-oder, sondern der Prioritäten. Also platt gesagt: wohin mit meiner begrenzten Zeit. Und ein Weg zu Gott, der nicht zu den Menschen führt, ist im Christentum sowieso daneben (inkarnatorisches Prinzip).

 

 

Vielen Dank für die Klarstellung!

Völlige Zustimmung. 

 

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vor 2 Stunden schrieb gouvernante:

Vielleicht ist das Bild des Dreiecks (Gott, die Menschen, ich) einfacher: in einer gottbezogenen ehelosen Lebensform geht der Weg über Gott zu den Menschen (und die eigene Zuneigungs- und Beziehungsfähigkeit wird nicht auf Partner/Kinder priorisiert), in einer Partnerschaft/Ehe geht der Weg zu Gott über den Menschen (und zwar in der Regel über die priorisierten Nahverhältnisse zum Partner/zu den Kindern, Flo würde vermutlich noch sagen: zur Sippe oder Nachbarschaft).

 

Ja, das ist jetzt sehr anschaulich beschrieben. 😊

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Also, diese Verteufelung des kontemplativen Lebens wird der christlichen Botschaft nicht gerecht. Sonst müsste man auch Paulus, der sich nach seinem Damaskus-Erlebnis in die Wüste zurückzog und auch den Wüstenvätern Selbstbespiegelung vorwerfen.

 

Jesus begegnet zwar in der Wüste dem Satan. Doch ist es der Geist Gottes, der ihn in die Wüste treibt. Und nach der Versuchung durch den Satan dienen ihm die Engel. Auch die Bergpredigt spricht von dem Gebet im Verborgenen, in das Gott, der das Verborgene sieht, hineinwirkt.

 

Wenn Jesus davon spricht, dass Sorgen, Reichtum und die Genüsse des Lebens das Herz überwuchern und den göttlichen Samen im Herzen ersticken können, dann sehe ich ein Zuviel an menschlichen Beziehungen (was mit Sorgen und Betriebsamkeit einhergeht) auch als einen Faktor an, der nicht zu Gott hin, sondern von Gott wegführt. Erst eine Tiefe der Herzensbeziehung mit Gott ermöglicht auch tiefere Herzensbeziehungen mit den Nächsten, die nicht von Oberflächlichkeit, Sorgen und Betriebsamkeit geprägt sind.

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vor 9 Stunden schrieb duesi:

Also, diese Verteufelung des kontemplativen Lebens wird der christlichen Botschaft nicht gerecht.

 

Ich schließe mich LJS an. Wo in diesem Thread wird "kontemplatives" Leben "verteufelt"?

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Sorry, war gestern ein bisschen müde, als ich das geschrieben habe. Hatte den Satz, dass Jesus in der Wüste NUR dem Satan begegnen würde, als "Verteufelung" interpretiert. Das war wohl nicht so von @Fidelis gemeint. 

 

Die Kritik der Selbstbespiegelung, wenn jemand Gott ausschließlich in der Transzendenz sucht und nicht mehr im Nächsten, ist ja durchaus berechtigt. Denn es gibt solche Menschen, sie sich einbilden, Gott besonders nahe zu sein und dann mitmenschlich nicht mehr anschlussfähig sind.

 

Dennoch sehe ich den Weg der Kontemplation als einen wichtigen Weg der Gottesbegegnung an, der uns gerade nicht zur Selbstbespiegelung führt, sondern vom Kreisen um sich selbst befreit. Menschen, die dies als Lebensform wählen, können zu einer unglaublichen theologischen Tiefe gelangen, die auch für andere fruchtbar werden kann. Ich spüre in den obigen Beiträgen eben eine eher kritische Distanz zum kontemplativen Leben. So, als würde der Weg der Ehelosigkeit ausschlißlich in der Caritas Sinn machen. Die Caritas kann ein Weg sein, aber es ist nicht der einzige. Darauf wollte ich hinweisen.

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vor 3 Stunden schrieb duesi:

Ich spüre in den obigen Beiträgen eben eine eher kritische Distanz zum kontemplativen Leben. 

 

Kann ich in keinem der bisher erfolgten Postings erkennen. 

Es wurde einfach nur die jeweilige Prioritaeten der Lebensformen beschrieben. Eine Wertung gab es dabei nicht, meines Erachtens. Um eine solche ging es auch nicht in der Eingangsfrage. 

 

 

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vor 4 Stunden schrieb duesi:

Ich spüre in den obigen Beiträgen eben eine eher kritische Distanz zum kontemplativen Leben. So, als würde der Weg der Ehelosigkeit ausschlißlich in der Caritas Sinn machen. Die Caritas kann ein Weg sein, aber es ist nicht der einzige. Darauf wollte ich hinweisen.

 

Ich "spüre" (oder lese aus dem Verlauf dieses Threads) beides nicht: Weder eine "eher kritische Distanz zum kontemplativen Leben" (da erhebt sich für mich allenfalls die Frage, was Du darunter verstehst). Dass der Weg der Ehelosigkeit ausschließlich in der Caritas Sinn machen würde, ist zudem an keiner Stelle auch nur angedeutet worden.

bearbeitet von Julius
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Wenn ich von einer kritischen Distanz zum kontemplativen Leben gesprochen habe, bezog ich mich auf folgende Äußerungen:

 

Am 24.12.2018 um 09:43 schrieb Fidelis:

Problematisch wird es m. E. sogar dann, wenn der inklusive Ansatz derart weit getrieben wird, dass er vom realen Nächsten vollkommen abstrahiert und nur noch in Beziehung zu einem transzendenten Wesen stehen möchte - oder jedenfalls zu stehen glaubt. Dieses transzendente Wesen vermag ich schwerlich mit dem jüdisch-christlichen Gott zu identifizieren, der in der Geschichte der Menschen wirkt und selbst Mensch geworden ist. Wozu sollte diese Menschwerdung nötig sein, wenn man Gott auch ohne den anderen Menschen in sich selbst finden kann? 

 

Das Gehirn kann sich - ohne äußeres menschliches Gegenüber - zwangsläufig nur noch auf sich selbst beziehen. Wie Jesus in der Wüste begegnet man dabei möglicherweise dem Satan (was, solange es zeitlich begrenzt geschieht, durchaus heilsam sein kann!), aber vermutlich eher nicht Gott.

 

Insofern habe ich auch ein prinzipielles Problem mit der Vorstellung, "dass Gott auf einen so anziehend wirkt, dass man ihn als erstes Du in seinem Leben haben möchte", wie gouvernante es formuliert hat. Denn eine solche Hierarchie, erst "Gott" dann der Mitmensch, impliziert m. E. eine schädliche Trennung Gottes von der Welt.

 

Am 24.12.2018 um 10:36 schrieb gouvernante:

 Und ein Weg zu Gott, der nicht zu den Menschen führt, ist im Christentum sowieso daneben (inkarnatorisches Prinzip).

 

Es ist ja traditionell so, dass die Geschichte von der geschäftigen Martha und der zuhörenden Maria in den Evangelien als zwei Wege gedeutet wurden, wie man Gott in der absoluten Hinwendung (Ehelosigkeit) dienen kann.

 

Die Dienerschaft der Martha steht für das dienende aktive (Ordens-) Leben, das sich zuerst dem Dienst am Menschen verpflichtet weiß. Die Zuhörerschaft der Maria steht für das kontemplative (Ordens-) Leben, das sich zuerst dem Gebet und der Hinwendung zu Gott verpflichtet weiß. 

 

Nun ist es ja durchaus so, dass auch in karitativen (aktiven) Orden gebetet wird. Und in kontemplativen Orden auch gedient wird. Diese Ausschließlichkeit gibt es in der Form nicht, was ja auch gut so ist. Dennoch gibt es eine Unterscheidung zwischen aktiven Klöstern und kontemplativen Klöstern. 

 

Es ist ein Zeichen der Zeit, dass die aktiven Orden weiterhin Zulauf haben, während die kontemplativen Orden Nachwuchsmangel haben. Die obigen Beiträge sind m.E. ein Zeichen dafür, dass man den Dienst am Menschen heute hoch schätzt, während die absolute Ausrichtung auf Gott in einem Leben des Gebets eher als Selbstbespiegelung geringgeschätzt wird.

 

Mein Anliegen war es, auf die Berechtigung auch des kontemplativen Lebens hinzuweisen.

bearbeitet von duesi
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vor einer Stunde schrieb gouvernante:

Ein gottbezogenes eheloses Leben ist allerdings jetzt nicht notwendig mit dem, was „man“ so unter kontemplativen Leben versteht, gleichzusetzen.

Natürlich nicht. Mir ging es auch gar nicht darum, den Dienst am Menschen der aktiven Orden geringzuschätzen.

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vor 14 Minuten schrieb duesi:

Dennoch gibt es eine Unterscheidung zwischen aktiven Klöstern und kontemplativen Klöstern. 

Ein „kontemplatives“ Leben gibt es innerhalb und außerhalb von Klöstern.
Und wenn man dann noch die ignatianische Maxime des contemplativus in actione dazunimmt, sollte klar werden, dass es bei dieser Frage nicht notwendig um Orden geht.

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vor 20 Minuten schrieb duesi:

Es ist ein Zeichen der Zeit, dass die aktiven Orden weiterhin Zulauf haben, während die kontemplativen Orden Nachwuchsmangel haben

Ich halte dies (und die die genauso propagierte umgekehrte Version) für völlig unzulässige Verkürzungen.

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vor 10 Minuten schrieb gouvernante:

Ein „kontemplatives“ Leben gibt es innerhalb und außerhalb von Klöstern.
Und wenn man dann noch die ignatianische Maxime des contemplativus in actione dazunimmt, sollte klar werden, dass es bei dieser Frage nicht notwendig um Orden geht.

Ich meinte mit der "kritischen Distanz" zum kontemplativen Leben die kritische Distanz zum Leben in einem sog. "kontemplativen Orden", was ja ein definierter Begriff ist. Die Unterscheidung zwischen aktiven und kontemplativen Orden habe ich nicht erfunden. Im Speziellen ging es mir um spirituelle Lebensformen, bei denen die konkrete Hinwendung zum Nächsten nicht das vorrangige Ziel ist, sondern die Herzensbeziehung mit Gott. Zum Beispiel Wüstenväter oder kontemplative Orden. Solche Lebensformen wurden in den von mir zitierten Beiträgen ausdrücklich kritisiert. Wenn ich eure von mir zitierten Beiträge in dieser Hinsicht falsch verstanden haben sollte, korrigiert mich bitte!

 

Natürlich kann man den Begriff des kontemplativen Lebens viel weiter fassen. Und da Gebet, Meditation und Schriftlesung auch in meinem Leben wichtige Elemente sind, führe ich gewissermaßen auch ein "kontemplatives Leben", obwohl ich kein Ordensleben führe und mir reale Beziehungen zu realen Menschen ebenfalls wichtig sind. Und ich wollte dir auch gar nicht unterstellen, dass du solche "kontemplativen Lebensformen" grundsätzlich kritisierst. Ich vermute, dass dir Gebet und Kontemplation ebenfalls wichtig ist. Und Fidelis ebenfalls.

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vor 3 Stunden schrieb duesi:

Im Speziellen ging es mir um spirituelle Lebensformen, bei denen die konkrete Hinwendung zum Nächsten nicht das vorrangige Ziel ist, sondern die Herzensbeziehung mit Gott. Zum Beispiel Wüstenväter oder kontemplative Orden. Solche Lebensformen wurden in den von mir zitierten Beiträgen ausdrücklich kritisiert.

 

Hm, ich kann mich nicht entsinnen, dass - ausser in Deinen Beiträgen - Wüstenväter oder kontemplative Orden hier überhaupt thematisiert worden wären.
Zudem wage ich gelinde zu bezweifeln, dass der "Herzensbeziehung zu Gott" in aktiven Orden weniger Gewicht eingeräumt würde als in kontemplativen Orden. Der Weg und die Ausdrucksformen mögen sich einigermaßen unterscheiden, aber nicht das Ziel.

bearbeitet von Julius
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Mir gefällt in diesem Zusammenhang eine kleine rabbinische Geschichte, die Martin Buber in "Der Weg des Menschen nach der chassidischen Lehre" erzählt:

Rabbi Baer von Radoschiß bat einst seinen Lehrer, den «Seher» von Lublin: «Weiset mir einen allgemeinen Weg zum Dienste Gottes !»
Der Zaddik antwortete: «Es geht nicht an, dem Menschen zu sagen, welchen Weg er gehen soll. Denn da ist ein Weg, Gott zu dienen durch Lehre, und da durch Gebet, da durch Fasten und da durch Essen. Jedermann soll wohl achten, zu welchem Weg ihn sein Herz zieht, und dann soll er sich diesen mit ganzer Kraft erwählen.»

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vor einer Stunde schrieb Julius:

 

Hm, ich kann mich nicht entsinnen, dass - ausser in Deinen Beiträgen - Wüstenväter oder kontemplative Orden hier überhaupt thematisiert worden wären.

 

So ist es! 
Aber um jeglichen diesbezüglichen Zweifel bei duesi auszuschließen: ich hatte in keiner Weise die Absicht kontemplative Lebensformen - gleich welcher Art - abzuwerten. 

 

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Am 24.12.2018 um 10:36 schrieb gouvernante:

Und ein Weg zu Gott, der nicht zu den Menschen führt, ist im Christentum sowieso daneben (inkarnatorisches Prinzip).

 

Hat Bruno von Köln da was falsch gemacht in Deinen Augen? 

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vor 10 Stunden schrieb rorro:

Hat Bruno von Köln da was falsch gemacht in Deinen Augen? 

Nein. Und auch alle anderen Kartäuser, Kartäuserinnen, Kamaldulenser o.ä. nicht. Auch die Diözesaneremiten und -eremitinnen nicht. Ich weiß nicht, wie viele Du kennst, aber auch diese Mönche, Monialen und Eremit*innen sind menschennah und -zugewandt. Es geht nie um Quantität, sondern immer um Qualität.
Ein Mönch oder eine Moniale, die das nicht ist, wird es nicht lange in der gewählten Lebensform aushalten.

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