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Long John Silver

Heiligung des Lebens

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Long John Silver

Hi, allerseits,

 

mir geht dieser Begriff, welchen Duesi die letzte Zeit mehrmals erwaehnte, die letzten Tage durch den Sinn. Ich schrieb sinngemaess dazu, dass ich solche Begriffe nicht wirklich mit Leben fuellen koenne. Ich merkte dann, dass ich eigentlich im Ansatz gar nicht weiss, was genau ich oder andere alles darunter verstehen.koennten. Deshalb wollte ich gern heraus finden, was andere damit verbinden. Ich beabsichtige keine theologische Diskussion oder das Studieren von Hirtenbriefen, Konzilsdokumenten oder dem Katechismus, mich interessiert der Alltag und die Praxis und was individuell mit einem solchen Begriff verbunden wird. 

 

Ich fang mal an:

 

Zuerst denke ich an "Ihr sollt heilig sein, denn auch Ich bin heilig."

Dann denke ich eine Verbindung von Heilig mit dem Wort heilen, Heil, heilmachen.

Dann denke ich an etwas Sakrales, aus dem Profanen heraus genommen, ein heiliger Gegenstand, eine heilige Staette.

Dann denke ich ans Kartoffelschaelen und Gartenarbeit und das Striegeln von Hunden und Katzen. (Nirgends fuehle ich mich Gott naeher als wenn ich in die Augen meiner/von Tiere sehe oder sie beobachte. Das ist wie eine direkte Botschaft. Etwas OT, aber im Internet gibt es ein Video aus Hawai, als erfahrene Hai-Taucher mit einem riesigen weissen Hai schwimmen, der von zwei Delpinen eskortiert wird).

 

Was meint ihr - auf welche Ebene in eurem Leben wuerdet ihr den Begriff Heiligung des Lebens anwenden?

 

 

bearbeitet von Long John Silver

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Moriz

Eine spontane Idee:

 

Mir bewusst sein, daß ich ein geliebtes Kind Gottes, also schon heilig bin.

Das kann im Idealfall meine Suche nach Anerkennung durch meine Mitmenschen reduzieren. Und macht mich so erst frei. Für mich, für Gott, für meine Nächsten.

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duesi

Ich denke bei dem Thema "Heiligung" vor allem an den Vers aus dem Hebräerbrief:

Zitat

Hebräer 12, 14 Trachtet nach Frieden mit allen und nach der Heiligung, ohne die keiner den Herrn sehen wird!

Ich kenne das aus meiner Zeit als Mennonit unter dem Begriff "stille Zeit", dass man Zeiten der Beziehungspflege mit Gott einrichtet, in denen man sich dem Gebet und der Bibelbetrachtung widmet und darüber meditiert, was das Ganze einem persönlich zu sagen hat und wie man das Ganze ins eigene Leben der Nachfolge Jesu integrieren kann und das eigene Denken und Handeln danach ausrichten kann. Der Gottesdienstbesuch am Sonntag zählt für mich auch zu dem Thema "Heiligung des Lebens". Dazu kommt eben noch der Austausch mit anderen über konkrete ethische Fragen oder Auslegungsfragen. Im katholischen Umfeld habe ich dazu noch andere Formen dieser Beziehungspflege kennen gelernt wie das Stundengebet, die eucharistische Anbetung und die Beichte. Und ja, um das Posting von Moriz aufzugreifen, gehört dazu eben nicht in erster Linie, an sich selbst völlig unrealistische Erwartungen zu haben, sondern Trost in den Verheißungen Gottes zu finden, seine Identität darin zu finden, dass man trotz aller Fehler und Schwächen ein durch Gottes Gnade angenommenes und geliebtes Kind Gottes ist.

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Long John Silver
vor 31 Minuten schrieb duesi:

Ich denke bei dem Thema "Heiligung" vor allem an den Vers aus dem Hebräerbrief:

Ich kenne das aus meiner Zeit als Mennonit unter dem Begriff "stille Zeit", dass man Zeiten der Beziehungspflege mit Gott einrichtet, in denen man sich dem Gebet und der Bibelbetrachtung widmet und darüber meditiert, was das Ganze einem persönlich zu sagen hat und wie man das Ganze ins eigene Leben der Nachfolge Jesu integrieren kann und das eigene Denken und Handeln danach ausrichten kann. Der Gottesdienstbesuch am Sonntag zählt für mich auch zu dem Thema "Heiligung des Lebens". Dazu kommt eben noch der Austausch mit anderen über konkrete ethische Fragen oder Auslegungsfragen. Im katholischen Umfeld habe ich dazu noch andere Formen dieser Beziehungspflege kennen gelernt wie das Stundengebet, die eucharistische Anbetung und die Beichte. Und ja, um das Posting von Moriz aufzugreifen, gehört dazu eben nicht in erster Linie, an sich selbst völlig unrealistische Erwartungen zu haben, sondern Trost in den Verheißungen Gottes zu finden, seine Identität darin zu finden, dass man trotz aller Fehler und Schwächen ein durch Gottes Gnade angenommenes und geliebtes Kind Gottes ist.

 

Weil du gerade Stundengebet erwaehnst: ich habe aus dem katholischen Stundengebet einige sehr schoene Morgen und Abendgebete "entliehen" 🙂 bereits vor  Jahren.

 

 

 

 

bearbeitet von Long John Silver

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Studiosus

Auf die Gefahr hin, jemandes Nerv zu treffen: Die Heiligung des Alltags und das bewusste Ausleben des gemeinsamen Taufcharismas ist einer der bestimmenden Gedanken im Werk des Josef Maria Escriva, dem Gründer des Opus Dei. Besonders in seinem Erstlingswerk Il cammino, Der Weg.

 

Oder aber auch das Dekret über das Laienapostolat des Vatikanum II: Apostolicam actuositatem.

 

Die Laien haben natürlicherweise andere Lebensumstände als der Klerus, dessen Erbteil der ungeteilte Dienst an Gott ist. Der Laie in der Welt hat in der Regel Beruf und Familie. Die Heiligung des christlichen Lebens bestünde also darin, dass jeder an seinem Platze den Willen Gottes zu tun bemüht ist. Dabei macht es keinen Unterschied, ob der Priester am Altar steht oder der Arbeiter in der Fabrik am Fließband. Das Wesentliche ist, dass alle Vollzüge des Lebens, mögen sie auch noch so trivial erscheinen, erfüllt werden von einem Geist der Gottergebenheit und auch der Aufopferung und Abtötung. Dasselbe kann auch beim Kartoffelschälen erfolgen. Wichtig ist gewissermaßen die Intention hinter jeder Handlung, ein geistiger Habitus. Je enger der eigene Wille im Einklang mit dem Gottes stehend verstanden wird, desto weiter schreitet man auf diesem Weg vorwärts.

 

Kurzform: Gott an dem Platz in der Welt dienen, an den man gestellt ist.

 

 

Saluti cordiali, 

Studiosus. 

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theresa???
vor 4 Stunden schrieb Studiosus:

Auf die Gefahr hin, jemandes Nerv zu treffen: Die Heiligung des Alltags und das bewusste Ausleben des gemeinsamen Taufcharismas ist einer der bestimmenden Gedanken im Werk des Josef Maria Escriva, dem Gründer des Opus Dei. Besonders in seinem Erstlingswerk Il cammino, Der Weg.

 

Oder aber auch das Dekret über das Laienapostolat des Vatikanum II: Apostolicam actuositatem.

 

Die Laien haben natürlicherweise andere Lebensumstände als der Klerus, dessen Erbteil der ungeteilte Dienst an Gott ist. Der Laie in der Welt hat in der Regel Beruf und Familie. Die Heiligung des christlichen Lebens bestünde also darin, dass jeder an seinem Platze den Willen Gottes zu tun bemüht ist. Dabei macht es keinen Unterschied, ob der Priester am Altar steht oder der Arbeiter in der Fabrik am Fließband. Das Wesentliche ist, dass alle Vollzüge des Lebens, mögen sie auch noch so trivial erscheinen, erfüllt werden von einem Geist der Gottergebenheit und auch der Aufopferung und Abtötung. Dasselbe kann auch beim Kartoffelschälen erfolgen. Wichtig ist gewissermaßen die Intention hinter jeder Handlung, ein geistiger Habitus. Je enger der eigene Wille im Einklang mit dem Gottes stehend verstanden wird, desto weiter schreitet man auf diesem Weg vorwärts.

 

Kurzform: Gott an dem Platz in der Welt dienen, an den man gestellt ist.

 

 

Saluti cordiali, 

Studiosus. 

"Gott an dem Platz in der Welt dienen, an den man gestellt ist" verstehe ich. Aber was hat das mit Abtötung zu tun? Es ist doch nicht Tod, sondern Leben, sich in Gottes Willen hineinzustellen.

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Studiosus
vor 14 Minuten schrieb theresa???:

"Gott an dem Platz in der Welt dienen, an den man gestellt ist" verstehe ich. Aber was hat das mit Abtötung zu tun? Es ist doch nicht Tod, sondern Leben, sich in Gottes Willen hineinzustellen.

 

Ich glaube, dass manche hier ein Problem mit dem Konzept von "Abtötung" haben, ist inzwischen klar geworden. Mit "Tod" im engeren Sinne hat das allerdings nichts zu tun. Zumindest nicht im landläufigen Sinne. Abtöten heißt die Abtötung von Sünden, Lüsten, Verlangen. Indem Du diese Nebensächlichkeiten abtötest machst Du Dich frei für Gott. Es ist also das Gegenteil des Todes: Man schafft Raum für das Leben selbst, für Gott.

 

Auch sollte man erwähnen, dass Abtötung nicht für jeden der Weg ist, um spirituell zu wachsen. Wenn exzessive Abtötung daran hindert seinen Standespflichten nachzukommen, dann ist sie kontraproduktiv. Wenn der Familienvater, von dem das Leben seiner Familie abhängt, sich abtötet und seinen Job verliert, dann ist sie schädlich. Nur als Beispiel.

 

Auch scheinen manche mit Abtötung irgendwelche halbtoten Mönche zu assoziieren, die fluoreszierend über Klostergänge levitieren. Das hat damit nichts zu tun. Es können die kleinen Dinge im Alltag sein, die Unannehmlichkeiten, die in Demut getragen werden: einen anstrengenden Menschen geduldig ertragen, in einer Diskussion trotz besserer Argumente nicht widersprechen, statt mit dem ICE 1. Klasse im überfüllten Regionalzug reisen, die eigene Bequemlichkeit nicht zum Götzen erheben etc.

 

 

Saluti cordiali, 

Studiosus. 

bearbeitet von Studiosus

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Long John Silver
vor 4 Stunden schrieb Studiosus:

Auf die Gefahr hin, jemandes Nerv zu treffen: Die Heiligung des Alltags und das bewusste Ausleben des gemeinsamen Taufcharismas ist einer der bestimmenden Gedanken im Werk des Josef Maria Escriva, dem Gründer des Opus Dei. Besonders in seinem Erstlingswerk Il cammino, Der Weg.

 

Oder aber auch das Dekret über das Laienapostolat des Vatikanum II: Apostolicam actuositatem.

 

Die Laien haben natürlicherweise andere Lebensumstände als der Klerus, dessen Erbteil der ungeteilte Dienst an Gott ist. Der Laie in der Welt hat in der Regel Beruf und Familie. Die Heiligung des christlichen Lebens bestünde also darin, dass jeder an seinem Platze den Willen Gottes zu tun bemüht ist. Dabei macht es keinen Unterschied, ob der Priester am Altar steht oder der Arbeiter in der Fabrik am Fließband. Das Wesentliche ist, dass alle Vollzüge des Lebens, mögen sie auch noch so trivial erscheinen, erfüllt werden von einem Geist der Gottergebenheit und auch der Aufopferung und Abtötung. Dasselbe kann auch beim Kartoffelschälen erfolgen.

 

Saluti cordiali, 

Studiosus. 

 

Eigentlich opfere ich nichts beim Kartoffelschaelen auf oder toete irgendwas ab. Es sei denn, die gruenen Stellen :-)) 

 

Doch im Ernst: Kartoffelschaelen und Gemueseputzen, Kochenund Backen insgesamt, hat fuer mich meistens etwas Meditatives. Ich ergebe mich sozusagen der Sache, ich kann dabei gut abschalten und wirklich innerlich relaxen. Es mach Freude, mit allen diesen Dingen zu arbeiten, das hat was Sinnliches, Koerperliches. Gott? Ja,  einfach dankbarkeit fuer die Lebensmittel.  Hoert sich zwar OT an, ist aber nicht,. Wenn man ungefaehr weiss, welche Naehrstoffe sie im einzelnen haben und wie gut sie mit dem menschlichen Koerper harmonieren,  lernt und versteht man auch etwas ueber die Schoepfung,die Zusammenhaenge, wie sich eines im anderen ergaenzt in der Natur. 

Ich werfe auch nur sehr wenige Lebensmittel weg (ausser sie machen einen gesundheitsgefaehrdenden Eindruck :-)). Gemueseschalen und Gemuesereste werden im Crockpot zur Gemuesebruehe verarbeitet z.B. und irgendwie gibt es immer eine findige Art, Reste zu verwerten. 

 

Nun ja, habe halt gerade zwei grosse Toepfe Eintopf am Entstehen, Vorrat fuer die naechste Woche, deshalb ist mein Geist irgendwie gerade bei diesem Thema, Kochen als Zwiesprache mit Gott zu zusagen ...

 

 

bearbeitet von Long John Silver
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Marcellinus
vor 12 Minuten schrieb theresa???:

"Gott an dem Platz in der Welt dienen, an den man gestellt ist" verstehe ich. Aber was hat das mit Abtötung zu tun? Es ist doch nicht Tod, sondern Leben, sich in Gottes Willen hineinzustellen.

 

Dahinter steht die Vorstellung, es gäbe Tätigkeiten, die „Gott“ liebt, und andere, die er ablehnt. Er liebt demnach Arbeit, Geldverdienen und Machtansammlung. Dagegen lehnt er Vergnügen jeder Art ab, besonders Sex. Solche Neigungen sollte man „abtöten“. Dann hat man auch mehr Zeit für Arbeit, Geld und Macht. :)

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Studiosus
vor 3 Minuten schrieb Marcellinus:

 

Dahinter steht die Vorstellung, es gäbe Tätigkeiten, die „Gott“ liebt, und andere, die er ablehnt. Er liebt demnach Arbeit, Geldverdienen und Machtansammlung. Dagegen lehnt er Vergnügen jeder Art ab, besonders Sex. Solche Neigungen sollte man „abtöten“. Dann hat man auch mehr Zeit für Arbeit, Geld und Macht. :)

 

Das ist eine eigenwillige Interpretation. Gott gefällt sicher auch die Putzfrau, die ihre Arbeit macht und persönlich bescheiden lebt. Und ihre Unbillen - die es in diesem Berufsfeld zuhauf gibt - geduldig trägt.

 

Das ist so ziemlich das Gegenteil von Macht. Und viel Geld verdienst Du dabei auch nicht.

 

 

Saluti cordiali, 

Studiosus. 

bearbeitet von Studiosus

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Marcellinus
vor 2 Minuten schrieb Studiosus:

Dieser Artikel behandelt das Thema erschöpfend:

 

http://www.kathpedia.com/index.php?title=Abtötung

 

 

Saluti cordiali, 

Studiosus. 

 

So genau wollte ich es gar nicht wissen. Das ist ja alles noch viel, viel schlimmer. Ein gutes Beispiel dafür, wie sehr zu genaue Kenntnis dem Verständnis im Wege stehen kann.

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Marcellinus
vor 3 Minuten schrieb Studiosus:

 

Das ist eine eigenwillige Interpretation. Gott gefällt sicher auch die Putzfrau, die ihre Arbeit macht und persönlich bescheiden lebt. Und ihre Unbillen - die es in diesem Berufsfeld zuhauf gibt - geduldig trägt.

 

Das ist so ziemlich das Gegenteil von Macht. Und viel Geld verdienst Du dabei auch nicht.

 

 

Saluti cordiali, 

Studiosus. 

 

Wenn du das im sozialen Zusammenhang des Opus und seiner führenden Mitglieder siehst, paßt das schon.

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Studiosus
vor 3 Minuten schrieb Marcellinus:

 

Wenn du das im sozialen Zusammenhang des Opus und seiner führenden Mitglieder siehst, paßt das schon.

Da bist Du (und andere) über das Opus Dei scheinbar besser unterrichtet als ich. Das will ich nicht abstreiten, man kann nicht für alles Experte sein. 

 

Das Opus Dei kommt hier in letzter Zeit öfter vor. Haben die schon nen eigenen Faden?

 

 

Saluti cordiali, 

Studiosus. 

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theresa???
vor 8 Minuten schrieb Studiosus:

Dieser Artikel behandelt das Thema erschöpfend:

 

http://www.kathpedia.com/index.php?title=Abtötung

 

 

Saluti cordiali, 

Studiosus. 

Das hab ich mir neulich schon versucht durchzulesen, als die Diskussion anfing.

Aber irgendwo bei

"6.) Wenn das, was man Ihnen vorsetzt, Ihre Esslust lebhaft anstachelt, dann denken Sie an die Galle und den Essig, mit denen unser Herr am Kreuze getränkt wurde: das kann Sie zwar nicht vom Genießen abhalten, aber es wird der Lust als Gegengewicht dienen.

7.) Man muss jeden sinnlichen Kontakt vermeiden, jegliche Zärtlichkeit, in die man irgendetwas von Leidenschaft hineinlegen oder darin suchen würde, an der man eine hauptsächlich sinnliche Freude fände."

bin ich dann vollständig ausgestiegen.

Warum soll denn alles, was man genießt, was sinnliche Freude bereitet, ... schlecht und abtötenswert sein?

Hat Gott nicht zu Adam und Eva gesagt, dass sie von allen Früchten des Gartens mit Ausnahme der einen essen dürfen? Und es steht doch auch ausdrücklich noch da, dass es eine Lust war, diese Früchte anzusehen.

Warum, wenn Gott die Welt geschaffen hat und uns so viel schönes schenkt, sollte ich das alles zurückweisen?

Natürlich muss man vorher prüfen, ob die konkrete einzelne Frucht nicht doch "negative Nebenwirkungen" hat, um derer willen man sie meiden sollte. Aber warum sollte ich von vorn herein alles meiden, was sinnliche Freude macht?

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duesi
vor 11 Minuten schrieb Marcellinus:

 

Dahinter steht die Vorstellung, es gäbe Tätigkeiten, die „Gott“ liebt, und andere, die er ablehnt. Er liebt demnach Arbeit, Geldverdienen und Machtansammlung. Dagegen lehnt er Vergnügen jeder Art ab, besonders Sex. Solche Neigungen sollte man „abtöten“. Dann hat man auch mehr Zeit für Arbeit, Geld und Macht. :)

Das ist leider eine Auslegung des Themas "Heiligung des Lebens", die anscheinend beim OD sehr verbreitet geworden ist. Auch andere christliche Kreise haben den Hang zu dieser Lustfeindlichkeit.

 

Jedoch meine ich, dass Lustfeindlichkeit, wenn man auf das Leben Jesu in den Evangelien blickt, nicht konstitutiv für den christlichen Glauben ist. Und auch mittelalterliche Mönche wie Bernhard von Clairvaux und Hildegard von Bingen haben, obwohl sie anscheinend mit Sex nicht viel am Hut hatten, zu einem wohlwollenden Umgang mit sich und den eigenen Bedürfnissen geraten.

 

Ich habe immer noch keine allgemeine Lösung dafür, wie ein guter Mittelweg aussehen könnte zwischen einer freien Sexualität ohne moralische Schranken (außer dass es einvernehmlich sein soll) und einem völligen Verzicht auf jede Sexualität. Denn es ist nun mal so, dass Netzwerke von Menschen, die zu einer Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung fähig sind, meistens auch Regeln bezüglich der Sexualität haben. 

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Long John Silver
vor 16 Minuten schrieb Marcellinus:

 

So genau wollte ich es gar nicht wissen. Das ist ja alles noch viel, viel schlimmer. Ein gutes Beispiel dafür, wie sehr zu genaue Kenntnis dem Verständnis im Wege stehen kann.

 

O weia. 

 

Ja, manches sollte man besser nicht naeher wissen wollen.

vor 7 Minuten schrieb theresa???:

Das hab ich mir neulich schon versucht durchzulesen, als die Diskussion anfing.

Aber irgendwo bei

"6.) Wenn das, was man Ihnen vorsetzt, Ihre Esslust lebhaft anstachelt, dann denken Sie an die Galle und den Essig, mit denen unser Herr am Kreuze getränkt wurde: das kann Sie zwar nicht vom Genießen abhalten, aber es wird der Lust als Gegengewicht dienen.

7.) Man muss jeden sinnlichen Kontakt vermeiden, jegliche Zärtlichkeit, in die man irgendetwas von Leidenschaft hineinlegen oder darin suchen würde, an der man eine hauptsächlich sinnliche Freude fände."

bin ich dann vollständig ausgestiegen.

Warum soll denn alles, was man genießt, was sinnliche Freude bereitet, ... schlecht und abtötenswert sein?

Hat Gott nicht zu Adam und Eva gesagt, dass sie von allen Früchten des Gartens mit Ausnahme der einen essen dürfen? Und es steht doch auch ausdrücklich noch da, dass es eine Lust war, diese Früchte anzusehen.

Warum, wenn Gott die Welt geschaffen hat und uns so viel schönes schenkt, sollte ich das alles zurückweisen?

Natürlich muss man vorher prüfen, ob die konkrete einzelne Frucht nicht doch "negative Nebenwirkungen" hat, um derer willen man sie meiden sollte. Aber warum sollte ich von vorn herein alles meiden, was sinnliche Freude macht?

 

Ich habe es auch gelesen. Gruselig.

 

Ich hoffe, der Thread erstirbt jetzt nicht daran :-))

 

PS: Ich wuesste nicht, wie ich das ganze im Tango-Club umsetzen sollte :-)). Puh, am besten ich ginge nicht mehr hin. Diese Frauen. Diese Schoenheit. Diese Koerper, Diese Musik. Diese Hingabe. Diese Sinnlichkeit. Diese Kleidung. Eijjaja. Nee, ich mache es anders herum: Zu jedem Punkt ein schmetternd lautes: Bravo, lieber Gott! Gut  gemacht, lieber Gott! Danke, lieber Gott, dass ich das erleben darf! 

 

 

 

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Studiosus

Ich würde nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Aber insgesamt scheinen mir die Ausführungen des Kardinals schlüssig. Und ich denke jeder hat schon das eine oder andere aus der Liste getan (womöglich ohne es zu merken): Der Kardinal schreibt über die Abtötung des Geruchssinns, wenn uns unser Nächster durch Gebrechen oder Krankheit zur Last wird. Ich habe auch schon ohne mich zu beschweren im Sommer neben einem Berber im Zug gesessen. Ohne zu klagen. Bin ich jetzt ein Heiliger? Wie gesagt, die kleinen Dinge.

 

Aber ich will zugeben und versuche es möglichst kulant auszudrücken: Eine Zeit, die recht hedonistisch und von einer gewissen Primitivität geprägt ist, begegnet solchen Gedanken natürlich mit Unverständnis. Es bewahrheitet sich, dass der eigene Bauch für viele ihr Abgott ist, dem sie in kultischer Verehrung anhangen. (oder ihr Unterleib, je nachdem welcher Trieb überwiegt. Positive Anmerkung: Bei zu viel Bauchfett ist wenigstens der Zugang zu den kritischen Körperteilen mechanisch erschwert. Hallelujah! Es gibt Hoffnung.)

 

 

Saluti cordiali, 

Studiosus. 

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Marcellinus
vor 6 Minuten schrieb theresa???:

Aber warum sollte ich von vorn herein alles meiden, was sinnliche Freude macht?

 

Weil alle irdischen Freuden des Teufels sind, seine Herrschaft auf Erden stärken. Der Christ freut sich nur auf die Freuden des Jenseits.

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theresa???
vor 1 Minute schrieb Long John Silver:

 

O weia. 

 

Ja, manches sollte man besser nicht naeher wissen wollen.

 

Ich habe es auch gelesen. Gruselig.

 

Ich hoffe, der Thread erstirbt jetzt nicht daran :-))

 

PS: Ich wuesste nicht, wie ich das ganze im Tango-Club umsetzen sollte :-)). Puh, am besten ich ginge nicht mehr hin. Diese Frauen. Diese Schoenheit. Diese Koerper, Diese Musik. Diese Hingabe. Diese Sinnlichkeit. Diese Kleidung. Eijjaja. Nee, ich mache es anders herum: Zu jedem Punkt ein schmetternd lautes: Bravo, lieber Gott! Gut  gemacht, lieber Gott! Danke, lieber Gott!

 

 

 

 

Die Probleme fangen eigentlich schon früher an. Streng genommen kann man sich eigentlich nur noch umbringen, wenn man konsequent jeder sinnlichen Freude aus dem Weg gehen will ;) Allein schon morgens die Sonne oder der erste warme Frühlingswind, den wir in ein paar Monaten wieder haben, oder eine weiß verschneite Landschaft oder ein Sommergewitter ... Das ist doch schon so schön. Oder schöne Musik. Sowieso Kunst. Das ist doch alles schön, und durchaus auch und zuerst sinnlich schön.

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theresa???
vor 8 Minuten schrieb Marcellinus:

 

Weil alle irdischen Freuden des Teufels sind, seine Herrschaft auf Erden stärken. Der Christ freut sich nur auf die Freuden des Jenseits.

Das klingt hoch gnostisch, würde mein Lieblingsdozent jetzt sagen ;)

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Marcellinus
vor 15 Minuten schrieb duesi:

Ich habe immer noch keine allgemeine Lösung dafür, wie ein guter Mittelweg aussehen könnte zwischen einer freien Sexualität ohne moralische Schranken (außer dass es einvernehmlich sein soll) und einem völligen Verzicht auf jede Sexualität. Denn es ist nun mal so, dass Netzwerke von Menschen, die zu einer Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung fähig sind, meistens auch Regeln bezüglich der Sexualität haben. 

 

Kultur ist Triebunterdrückung, doch da unsere biologischen Instinkte (Selbstbehauptung, Nahrung und Sex) sehr stark sind, haben die Menschen sich Regeln geschaffen, die unbedingt zu befolgen sind, und diese Regelwerke nennt man Moral. „Moral ist evolutionsbiologischer Instinktersatz und Freiheitskompensation“ (Alexander Grau). Aber regeln heißt eben nicht „abtöten“. Hinter „abtöten“ steht ein ideologischer Ansatz, kein kultureller. 

 

vor 5 Minuten schrieb theresa???:

Das klingt hoch gnostisch, würde mein Lieblingsdozent jetzt sagen ;)

 

Ist aber leider vom Anbeginn im Christentum weit verbreitet gewesen.

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theresa???
vor 13 Minuten schrieb Studiosus:

Ich würde nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Aber insgesamt scheinen mir die Ausführungen des Kardinals schlüssig. Und ich denke jeder hat schon das eine oder andere aus der Liste getan (womöglich ohne es zu merken): Der Kardinal schreibt über die Abtötung des Geruchssinns, wenn uns unser Nächster durch Gebrechen oder Krankheit zur Last wird. Ich habe auch schon ohne mich zu beschweren im Sommer neben einem Berber im Zug gesessen. Ohne zu klagen. Bin ich jetzt ein Heiliger? Wie gesagt, die kleinen Dinge.

 

Aber ich will zugeben und versuche es möglichst kulant auszudrücken: Eine Zeit, die recht hedonistisch und von einer gewissen Primitivität geprägt ist, begegnet solchen Gedanken natürlich mit Unverständnis. Es bewahrheitet sich, dass der eigene Bauch für viele ihr Abgott ist, dem sie in kultischer Verehrung anhangen.

 

 

Saluti cordiali, 

Studiosus. 

Sicher hat jeder von uns das eine oder andere davon schon getan. Aber nicht als Selbstzweck. Das ist es, was es unschlüssig macht, aus meiner Sicht: Dass er schreibt, das wäre an sich schon ein Weg, Gott näher zu kommen. Und das verstehe ich nicht. Auch wenn ich selbstverständlich denke, dass ein Verzicht aus Rücksichtnahmen oder Hingabe etwas gutes ist. Aber ein Verzicht um des Verzichts willen ..., naja, ich weiß nicht!

Aber vielleicht fehlt mir auch einfach der Punkt, auf den das hinaus will.

 

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theresa???
vor 1 Minute schrieb Marcellinus:

Ist aber leider vom Anbeginn im Christentum weit verbreitet gewesen.

Wo denn? In der Bibel finde ich keine solchen Stellen. Hilf mir mal auf die Sprünge, bitte.

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duesi
vor 3 Minuten schrieb theresa???:

Die Probleme fangen eigentlich schon früher an. Streng genommen kann man sich eigentlich nur noch umbringen, wenn man konsequent jeder sinnlichen Freude aus dem Weg gehen will ;) Allein schon morgens die Sonne oder der erste warme Frühlingswind, den wir in ein paar Monaten wieder haben, oder eine weiß verschneite Landschaft oder ein Sommergewitter ... Das ist doch schon so schön. Oder schöne Musik. Sowieso Kunst. Das ist doch alles schön, und durchaus auch und zuerst sinnlich schön.

Ich finde auch, dass der Kardinal in seiner Ausführung über die Abtötungen weit übers Ziel hinausgeschossen ist. Die Freude an der Schönheit der Schöpfung und das Genießen müssen anscheinend von manchen "Abtötern" wieder als Tugenden entdeckt werden. Denn es preist ja schließlich den Schöpfer, wenn man sich des Lebens erfreuen kann.

 

Bei der Abtötung geht es m.E. darum, eine größere Freude am Schöpfer zu finden als an den zeitlichen Genüssen. Wenn es um eine Geringschätzung irdischer Genüsse geht, wird m.E. das Ziel verfehlt. Denn wenn so manch einer töten würde, um ein gutes Konzert zu besuchen, verfehlt die Freude am Konzert ebenfalls ihren Zweck. Und wenn ich mich so an die Zärtlichkeiten von meinem Partner gewöhnt habe, dass ich ihn nicht mehr lieben kann, wenn er mir diese guten Gefühle nicht mehr liefert, dann ist das auch ein Zeichen, dass ich die "guten Gefühle" mehr geliebt habe als den Partner. Auf diese Weise kann die Freude am Genuss zu einer Gier werden. Und wenn man das bemerkt, sollte man an sich arbeiten und mit sich ins Gericht gehen. Die Liebe ist immer ein höheres Gut als der zeitliche Genuss. Und indem wir uns nach der Liebe als der höchsten aller Tugenden ausstrecken, finden alle irdischen Genüsse ihren rechten Platz.

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