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duesi

Schwarz-Weiß-Malerei

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mn1217
vor einer Stunde schrieb Merkur:

Das verstehe nicht nicht. Wozu bewertet man das Handen in diesen Situationen überhaupt, wenn es ohnehin nicht richtig sein kann?

 

Irgendwie ein Automatismus, dass man das eigene Verhalten bewertet.

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Merkur
vor 1 Minute schrieb mn1217:

Irgendwie ein Automatismus, dass man das eigene Verhalten bewertet.

Heißt das, du lehnst solche Bewertungen für Situationen, in denen man deiner Meinung nach nicht richtig handeln kann, grundsätzlich ab?

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Marcellinus

@duesi

Merkst du langsam, daß du dich mit deinem Moralismus um Kopf und Kragen redest? In dem Wunsch, alle Verhältnisse moralisch zu bewerten, bis du nun bei moralischen Rechtfertigung von Mord und Totschlag gelandet. Vielleicht solltest du einsehen, daß Moral im Alltagsleben ganz nützlich ist, als Maßstab für alles und jedes aber ungeeignet. Am Ende ist Moral einfach nur ein Gefühl, und Gefühle sind im Leben nicht die besten Ratgeber.

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mn1217

Merkur: Nein. Ich halte bewertendes Verhalten für natürlich und wichtig. Anders können wir nicht aus Fehlern lernen. 

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Marcellinus
vor 3 Minuten schrieb mn1217:

Irgendwie ein Automatismus, dass man das eigene Verhalten bewertet.

 

So ist es. Moral ist aus der Perspektive der Einzelnen ein Gefühl, und aus der ihrer Gruppe ein Set von anerzogenen, unterbewußten Verhaltensstandards. Das Ergebnis ist ein Bauchgefühl, das uns in den meisten Fällen des täglichen Umgangs mit unseren Mitmenschen (mehr oder weniger ungefragt) sagt, wie wir uns verhalten sollten. Es ist bezogen auf konkrete Situationen, und in denen in der Regel auch recht hilfreich und zuverlässig.

 

Aber da Moral abhängig ist von den Lebensbedingungen, gibt es nicht nur eine Moral. Als die Menschen das merkten, entstand die Ethik als der Versuch, Moral moralisch zu begründen, um die eine, richtige zu finden. Nur, indem man die Moral rational zu begründen versucht, relativiert man sie. Aufgabe der Ethik, so hat Niklas Luhmann einmal geschrieben, ist es also, vor Moral zu warnen.

 

Aber die meisten Ethiker sind eben keine Soziologen, sondern Theologen oder Philosophen. Also versuchen sie etwas zu rationalisieren, was sich nicht rationalisieren läßt, das moralische Gefühl. Rationalisierung von etwas Irrationalem führt aber zielsicher zur Ideologie, und zwar zu einer, die sich ihres irrationalen Charakters nicht bewußt ist und sich selbst als objektiv behauptet, wie du es ja auch getan hast.

 

Damit wird die eigene, als objektiv behauptete Moral zur Weltanschauung, und jede andere Meinung ist nicht einfach nur eine andere Meinung, sondern „objektiv im Irrtum“, oder schlimmeres, dumm oder bösartig, zumindest amoralisch. Das aber ist der eigentliche Irrtum.

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nannyogg57

In der Ethik gibt es hier zwei grundsätzliche Systeme, nach denen Handlungen bewertet werden:

 

1. Deontologischer Ansatz. Der bekannteste Vertreter unserer Zeit ist Robert Spaemann. Demnach dürfen Handlungen, die in sich schlecht sind,  nicht ausgeführt werden unabhängig von den Folgen. Diese Ethik ist klar und eindeutig und gibt dem, der ihr folgt, die Gewissheit, im Einhalten grundsätzlicher ethischer Normen immer auf der richtigen Seite zu stehen.

 

2. Teleologischer Ansatz. Ich glaube mich zu erinnern, dass Max Weber hier der führende Vertreter war. Diese Ethik bewertet die Handlung von den Folgen und Zielen aus, die sich daraus ergeben. Sie kennt deshalb auch die Wahl des kleineren Übels und es geht ihr immer darum, ein größeres Übel zu vermeiden. Das ist natürlich immer gut, diese Ethik kann aber leicht ins Zynische abdriften.

 

An den von duesi vorgelegten Beispielen lässt sich eben leicht demonstrieren, dass man, je nach ethischem System, zu einem anderen Ergebnis kommt: Im ersten Beispiel, 1 Kind gegen 20, ist der Tod eines Kindes das kleinere Übel, aber man wird zum Mörder. Tut man es nicht, da man deontologisch unterwegs ist, darf man sich keinesfalls auf diesen Handel einlassen. Beim zweiten Beispiel - sexuelle Integrität gegen Menschenleben, ist es vergleichbar.

 

Warum das erste Beispiel einen größeren "Haken" hat als das zweite liegt daran, dass es gegen ein grundlegendes Axiom menschlicher Ethik verstößt, dass, wie Verhaltensforscher herausgefunden haben wollen, direkt im Menschen angelegt ist, nämlich das Verrechnen von Menschenleben oder, um Kant zu zitieren, im Widerspruch steht zu dem Satz: Ein Mensch darf niemals nur als Mittel zum Zweck dienen!

 

Neben den ethischen Systemen halte ich die grundlegenden Axiome der Ethik für hilfreich: Die goldene Regel in der globalen Variante, wie wir sie auch im Buch Tobit finden, und in der Variante des NT, den Grundsatz, dass die Menschenwürde als höchster Wert gilt und unantastbar ist, und den Satz von Thomas v. Aquin: Das Gute ist zu tun, das Böse ist zu lassen.

 

Besonders ans Herz gewachsen ist mir der kategorische Imperativ von Kant, der in seiner Schlichtheit trotzdem in der Dynamik menschlichen Zusammenlebens durchaus hilfreich sein kann: Handle so, dass die Grundsätze deines Handelns Grundlage einer allgemeinen Gesetzgebung sein könnten!

 

Ethik ist zwar keine reine Wissenschaft, da sie von Axiomen ausgeht, die zunächst auch sehr persönliche Setzungen sein können, die aber dann eigentlich einer stringenten Logik folgen würden, so man ihnen folgen würde.

 

So kann es durchaus sein, dass man tatsächlich zu jeweils anderen Konsequenzen gelangt, aber zumindest verlangt die Ethik, dass man sie vernünftig begründet. Und das ist besser als diesen Bereich der Gefühlsduselei und der persönlichen Befindlichkeit zu überlassen.

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Marcellinus

@nannyogg57

Ethik ist Teil der Philosophie, und wie sie sucht sie nach rationale Begründungen. Suche nach rationaler Begründung ist erst einmal Kritik von Begründungen. Darin war die Philosophie nachweisbar erfolgreich. Was sie nicht geschafft hat, waren eigene Begründungen. Weil es keine Letztbegründungen gibt.

 

Wer in der Philosophie nach Gewißheit oder „Wahrheit“ sucht, landet auf die eine oder andere Art beim subjektiven Glauben, oder verläßt die Philosophie und geht zur Wissenschaft, die nicht mehr nach „Wahrheit“ oder subjektiver Gewißheit sucht, sondern nach Wissen, das sich durch Tatsachenbeobachtungen belegen läßt.

Edited by Marcellinus

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mn1217

Aber selbst Handlungen,die vernünftig begründet sind, müssen nicht richtig sein...

 

Die goldene Regel und Kant halte ich auch für sehr hilfreich. Und am ehesten für Bewertungen geeignet. Entscheidungen,wie von Rüdiger vorgestellt,lassen erst Mal keine Handlungen zu,von denen jemand wollen könnte,sie würden allgemeines Gesetz. 

 

Es gibt übrigens durchaus moralische Vorstellungen,die in vielen Kulturen zu verschiedensten Zeiten zu finden sind,viel davon finden sich im Dekalog.

 

Für Handlungen im Krieg gibt es Regeln( ja,ich weiß. Es hält sich nicht jeder dran). Aber selbst, wenn all diese Regeln befolgt werden,ist der Krieg nicht richtig.

 

 

 

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nannyogg57

Was die Schwarz-Weiß-Malerei Jesu betrifft: Das Konzept des Urevangeliums, des Mk, ist ein Konzept der Entscheidung, dass sich an die Leser richtet: Der Leser entscheidet sich, ob er für oder gegen Jesus ist und Mk legt höchsten Wert darauf, dass der Leser die Konsequenz, nämlich die Inkaufnahme des Kreuzestodes Jesu, begreift.

 

Insofern pointiert der Evangelist die Sätze Jesu, die eben zur Entscheidung zwischen schwarz und weiß aufrufen, und die Evangelisten nach ihm haben ja bekanntermaßen sein Evangelium als Vorlage benützt, zumindest Mt und Lk.

 

Zwischen den Zeilen vermag man zu lesen, dass Jesu gerade in moralisch-ethischer Hinsicht großzügig war, wenn man seinen Umgang mit Zöllnern und Sündern bedenkt. Nicht umsonst lesen wir bei Lk das Gleichnis vom klugen Verwalter, der sich objektiv gesehen durch Betrug aus der Anklage herauszuwinden sucht.

 

Die Entscheidung der Evangelien ist nicht eine Entscheidung zwischen Moral oder nicht, es ist eine Entscheidung für oder gegen Jesus, für das Reich Gottes oder nicht.

 

Erst im konkreten Gemeindeleben zur Zeit der apostolischen Briefe wurde Moral und Anstand zu einem wichtigen Thema, auch hier teilweise als Mittel zum Zweck: Denn Moral signalisierte auch, dass man tatsächlich auserwählt und was besseres war. 

 

Die radikalen Forderungen der Bergpredigt - das Ausreißen des lüsternen Auges zB - wurde meines Wissens nie so in die Tat umgesetzt, da die Welt auch nur ein bestimmtes Maß an blinden Männern vertragen kann. Wirkmächtig wurden diese Sätze, als man ab dem Mittelalter auch "sündige" Gedanken, das heißt die Gesinnung des Menschen, in den Blick nahm. Aber das ist ein anderes Thema.

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nannyogg57
vor 3 Minuten schrieb Marcellinus:

@nannyogg57

Ethik ist Teil der Philosophie, und wie sie sucht sie nach rationale Begründungen. Suche nach rationaler Begründung ist erst einmal Kritik von Begründungen. Darin war die Philosophie nachweisbar erfolgreich. Was sie nicht geschafft hat, waren eigene Begründungen. Weil es keine Letztbegründungen gibt.

 

Wer in der Philosophie nach Gewißheit oder „Wahrheit“ sucht, landet auf die eine oder andere Art beim subjektiven Glauben, oder verläßt die Philosophie und geht zur Wissenschaft, die nicht mehr nach „Wahrheit“ oder subjektiver Gewißheit sucht, sondern nach Wissen, das sich durch Tatsachenbeobachtungen belegen läßt.

Die Wissenschaft ist nicht geeignet, ethische Ratschläge zu geben und sie sollte das beim besten Willen auch unterlassen.

 

Ihre Funktion ist hier ausschließlich beratend.

 

Mit Schrecken erinnere ich mich noch heute an ein nächtliches Gespräch mit Studenten der Chemie, ich hatte meinen Bachelor in Philosophie, die ethischen Grundlagen aber in der Klarheit bei Professor Korff von der Theologischen Fakultät vermittelt bekommen: Die Typen wurden durch ihr Studium befähigt, Dinge zu entwickeln, die Menschen und Umwelt gefährden könnten, das sagten sie auch, aber leider waren sie, was die ethischen Konsequenzen dessen bedeutet, ungebildet und wie kleine Kinder: Weder sahen sie sich für die Folgen verantwortlich noch hatten sie einen Plan, wie sie mit den Folgen umgehen könnten, was sie also ihrer Meinung nach (sie hatten nur ihr spätpubertierendes Bauchgefühl) verantworten könnten und was nicht. 

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Merkur
vor 30 Minuten schrieb nannyogg57:

... 2. Teleologischer Ansatz. Ich glaube mich zu erinnern, dass Max Weber hier der führende Vertreter war. Diese Ethik bewertet die Handlung von den Folgen und Zielen aus, die sich daraus ergeben. Sie kennt deshalb auch die Wahl des kleineren Übels und es geht ihr immer darum, ein größeres Übel zu vermeiden. Das ist natürlich immer gut, diese Ethik kann aber leicht ins Zynische abdriften.

 

An den von duesi vorgelegten Beispielen lässt sich eben leicht demonstrieren, dass man, je nach ethischem System, zu einem anderen Ergebnis kommt: Im ersten Beispiel, 1 Kind gegen 20, ist der Tod eines Kindes das kleinere Übel, aber man wird zum Mörder. Tut man es nicht, da man deontologisch unterwegs ist, darf man sich keinesfalls auf diesen Handel einlassen. Beim zweiten Beispiel - sexuelle Integrität gegen Menschenleben, ist es vergleichbar. ...

Kommt ein teleologischer Ansatz immer zu dem Ergebnis, dass es richtig ist, vor Drohungen zu kuschen damit das angedrohte Übel nicht eintritt? Ich halte das nicht für so selbstverständlich.

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Marcellinus
vor 5 Minuten schrieb nannyogg57:

Die Wissenschaft ist nicht geeignet, ethische Ratschläge zu geben und sie sollte das beim besten Willen auch unterlassen.

 

Ihre Funktion ist hier ausschließlich beratend.

 

Mit Schrecken erinnere ich mich noch heute an ein nächtliches Gespräch mit Studenten der Chemie, ich hatte meinen Bachelor in Philosophie, die ethischen Grundlagen aber in der Klarheit bei Professor Korff von der Theologischen Fakultät vermittelt bekommen: Die Typen wurden durch ihr Studium befähigt, Dinge zu entwickeln, die Menschen und Umwelt gefährden könnten, das sagten sie auch, aber leider waren sie, was die ethischen Konsequenzen dessen bedeutet, ungebildet und wie kleine Kinder: Weder sahen sie sich für die Folgen verantwortlich noch hatten sie einen Plan, wie sie mit den Folgen umgehen könnten, was sie also ihrer Meinung nach (sie hatten nur ihr spätpubertierendes Bauchgefühl) verantworten könnten und was nicht. 

 

Wissenschaften schaffen (im besten Falle) vorläufiges Wissen, zum Beispiel darüber, was Moral oder Ethik eigentlich sind. Was die Konsequenzen unserer Handlungen betrifft, tappen wir noch weitgehend im Dunkel, besonders in einer Welt, die sich schneller verändert als wir mit dem Verständnis hinterher kommen. 

 

Was wir dagegen wissen könnten, ist, daß Moral nur ein Gefühl ist, vielleicht tauglich für den spontanen alltäglichen Umgang miteinander, aber ungeeignet als Ersatz für das Denken, und daß ethische Prinzipien schlicht Kopfgeburten sind, die angewendet auf die Wirklichkeit, in der Regel alles noch schlimmer machen.

 

So bleibt uns nur, uns in jedem Fall mühsam eine Meinung zu bilden, wohl wissend, wie begrenzt unsere Möglichkeiten sind, die Dinge um uns herum auch nur zu verstehen, geschweige denn zum Besseren zu ändern. Wir irren uns eben empor. Diese Welt wurde leider ohne Gebrauchsanweisung geliefert, ist nicht TÜV geprüft und wird, wie wir das ja auch von menschlichen Produkten kennen, erst bei Kunden weiterentwickelt. Diese Welt ist gewissermaßem nur ein Prototyp. Benutzung auf eigene Gefahr. ;)

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nannyogg57

@Merkur: Nein. Der teleologischen Ansatz ist, dass man nicht erpressbar ist und sich moralisch nicht kompromittieren lässt. Dem teleologischen Ansatz nach, duesi hat das ja geschrieben, ist man nicht verantwortlich dafür, dass ein anderer etwas noch Böseres tut, wenn man sich weigert, selbst etwas "kleines" Böses zu tun. Das ist dann dessen Verantwortung.

Edited by nannyogg57

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nannyogg57
Gerade eben schrieb Marcellinus:

 

Wissenschaften schaffen (im besten Falle) vorläufiges Wissen, zum Beispiel darüber, was Moral oder Ethik eigentlich sind. Was die Konsequenzen unserer Handlungen betrifft, tappen wir noch weitgehend im Dunkel, besonders in einer Welt, die sich schneller verändert als wir mit dem Verständnis hinterher kommen. 

 

Was wir dagegen wissen könnten, ist, daß Moral nur ein Gefühl ist, vielleicht tauglich für den spontanen alltäglichen Umgang miteinander, aber ungeeignet als Ersatz für das Denken, und daß ethische Prinzipien schlicht Kopfgeburten sind, die angewendet auf die Wirklichkeit, in der Regel alles noch schlimmer machen.

 

So bleibt uns nur, uns in jedem Fall mühsam eine Meinung zu bilden, wohl wissend, wie begrenzt unsere Möglichkeiten sind, die Dinge um uns herum auch nur zu verstehen, geschweige denn zum Besseren zu ändern. Wir irren uns eben empor. Diese Welt wurde leider ohne Gebrauchsanweisung geliefert, ist nicht TÜV geprüft und wird, wie wir das ja auch von menschlichen Produkten kennen, erst bei Kunden weiterentwickelt. Diese Welt ist gewissermaßem nur ein Prototyp. Benutzung auf eigene Gefahr. ;)

 

Nein. Ethik geht davon aus, dass richtiges Handeln eben kein Gefühl ist. 

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duesi
vor einer Stunde schrieb Marcellinus:

@duesi

Kann es sein, daß bei dir ein paar Dinge durcheinander gehen? Moral hat mit Gehorsam nichts zu tun. Der Wertekanon von Kriegergesellschaften unterscheidet in der Regel sehr streng zwischen einer Binnenmoral und dem erwünschten Verhalten im Krieg.

Ich sehe da keinen Widerspruch. Wenn die Gesellschaft es für moralisch richtig hält, im Krieg Befehlsgehorsam zu üben, dann heißt das ja nicht, dass sie in der Binnenmoral auch Gehorsam fordert. Trotzdem sind es gesamtgesellschaftliche moralische Werte.

 

Wenn man jedoch eine Gesellschaft hat, die von Krieg und Kriegsdienst nicht viel hält, in der Soldat ein Beruf ist wie jeder andere auch, der Tod fürs Vaterland Teil des Berufsrisikos ist, in der es keinen gesellschaftlichen Zusammenhalt gibt, der Soldat oder die Soldatin keine stabile Familie hat, für die es sich lohnt, das Leben zu opfern, die männlichen Soldaten nur fürs nächste Gehalt und den nächsten Puffbesuch leben, die weiblichen Soldaten nur dafür leben, es "den Männern mal so richtig zu zeigen", die Soldaten aus einer Gesellschaft rekrutiert werden, in der Filme von Superhelden gezeigt werden, die ihren Vorgesetzten ständig widersprechen, selbst alles am besten wissen und frei nach Schnautze die Gegner erfolgreich besiegen können, in so einer Soldatentruppe müssen Intrigen und Rangstreitigkeiten an der Tagesordnung sein. Und es würde mich nicht wundern, wenn es in unseren westlichen NATO-Armeen regelmäßig zu Meutereien oder Fahnenflucht kommt. In den Medien hört man natürlich nichts davon. 

Edited by duesi

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mn1217
vor 3 Minuten schrieb nannyogg57:

@Merkur: Nein. Der teleologischen Ansatz ist, dass man nicht erpressbar ist und sich moralisch nicht kompromittieren lässt. Dem teleologischen Ansatz nach, duesi hat das ja geschrieben, ist man nicht verantwortlich dafür, dass ein anderer etwas noch Böseres tut, wenn man sich weigert, selbst etwas "kleines" Böses zu tun. Das ist dann dessen Verantwortung.

Ja,aber wenn man von dem Tun des Anderen weiss ,dann wird man mit diesem Wissen leben und umgehen müssen.

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Marcellinus
vor 4 Minuten schrieb nannyogg57:

 

Nein. Ethik geht davon aus, dass richtiges Handeln eben kein Gefühl ist. 

 

Moral ist ein Gefühl, richtiges Handeln im philosophischen, absoluten Sinne eine Fiktion. Ethik, soweit sie sich nicht darauf beschränkt, Moral zu relativeren, ist eine bloße akademische Kopfgeburt. Worin sie sich von der Philosophie im allgemeinen nicht unterscheidet. 

Edited by Marcellinus

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nannyogg57
vor 25 Minuten schrieb mn1217:

Ja,aber wenn man von dem Tun des Anderen weiss ,dann wird man mit diesem Wissen leben und umgehen müssen.

 

Keine Frage. Deshalb bin ich eher teleologisch unterwegs. Ob ich aber ein Kind erschießen würde ... 

 

Was die Frage nach der Wissenschaft betrifft: Die Verhaltensforschung ist da durchaus eine wichtige Quelle. Menschen sind, das darf man sagen, in bestimmten Bereichen durchaus moralisch von Natur aus. 

Edited by nannyogg57

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mn1217
vor 3 Minuten schrieb duesi:

Ich sehe da keinen Widerspruch. Wenn die Gesellschaft es für moralisch richtig hält, im Krieg Befehlsgehorsam zu üben, dann heißt das ja nicht, dass sie in der Binnenmoral auch Gehorsam fordert. Trotzdem sind es gesamtgesellschaftliche moralische Werte.

 

Wenn man jedoch eine Gesellschaft hat, die von Krieg und Kriegsdienst nicht viel hält, in der Soldat ein Beruf ist wie jeder andere auch, der Tod fürs Vaterland Teil des Berufsrisikos ist, in der es keinen gesellschaftlichen Zusammenhalt gibt, der Soldat oder die Soldatin keine stabile Familie hat, für die es sich lohnt, das Leben zu opfern, die männlichen Soldaten nur fürs nächste Gehalt und den nächsten Puffbesuch leben, die weiblichen Soldaten nur dafür leben, es "den Männern mal so richtig zu zeigen", die Soldaten aus einer Gesellschaft rekrutiert werden, in der Filme von Superhelden gezeigt werden, die ihren Vorgesetzten ständig widersprechen, selbst alles am besten wissen und frei nach Schnautze die Gegner erfolgreich besiegen können, in so einer Soldatentruppe müssen Intrigen und Rangstreitigkeiten an der Tagesordnung sein. Und es würde mich nicht wundern, wenn es in unseren westlichen NATO-Armeen regelmäßig zu Meutereien oder Fahnenflucht kommt. In den Medien hört man natürlich nichts davon. 

Keine kritisch zu sehen führt eher dazu, sich für Frieden und Völkerverständigung einzusetzen. Eine Gesellschaft die Krieg und Soldaten verherrlicht,ist problematisch, nicht eine,die sich für Frieden einsetzt.

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nannyogg57
vor 1 Minute schrieb Marcellinus:

 

Moral ist ein Gefühl, richtiges Handeln im philosophischen, absoluten Sinne eine Fiktion. Ethik, soweit sie sich nicht darauf beschränkt, Moral zu relativeren, ist eine bloße akademische Kopfgeburt. Worin sie sich von der Philosophie im allgemeinen nicht unterscheidet. 

 

Das ist deine persönliche Meinung. 

 

Ich bin der Meinung, Menschen dürfen durchaus ihren Verstand benützen und das kann dann ziemlich akademisch werden.

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Marcellinus

@duesi

Du überziehst den Moralbegriff vollkommen. Das zeigt, übrigens sehr schön, daß bloße Spekulationen zu nichts führen. Der Gehorsam der preußischen Armee noch unter dem Alten Fritz lautete ausdrücklich, der Soldat solle vor seinem Offizier mehr Angst haben als vor dem Feind. Gehorsam wird in allen Armee mit Drill und Gewalt durchgesetzt. Mit Moral hat das nichts zu tun. 

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Xamanoth
vor 25 Minuten schrieb nannyogg57:

Die Wissenschaft ist nicht geeignet, ethische Ratschläge zu geben und sie sollte das beim besten Willen auch unterlassen.

 

Ihre Funktion ist hier ausschließlich beratend.

 

Mit Schrecken erinnere ich mich noch heute an ein nächtliches Gespräch mit Studenten der Chemie, ich hatte meinen Bachelor in Philosophie, die ethischen Grundlagen aber in der Klarheit bei Professor Korff von der Theologischen Fakultät vermittelt bekommen: Die Typen wurden durch ihr Studium befähigt, Dinge zu entwickeln, die Menschen und Umwelt gefährden könnten, das sagten sie auch, aber leider waren sie, was die ethischen Konsequenzen dessen bedeutet, ungebildet und wie kleine Kinder: Weder sahen sie sich für die Folgen verantwortlich noch hatten sie einen Plan, wie sie mit den Folgen umgehen könnten, was sie also ihrer Meinung nach (sie hatten nur ihr spätpubertierendes Bauchgefühl) verantworten könnten und was nicht. 

Ist bei Juristen übrigens auch oft so, und da halte ich das für noch heikler. Das Verhältnis von Moral und Recht ist für mich eine der diffizilsten philosophischen Fragen überhaupt.

 

Ich halte vom kategorischen Imperativ übrigens nichts.

 

a) Als Philosophin kennst du bestimmt die Replik Schopenhauer., gipfelnd in die Aussage, dass NIEMAND durch eine solche Formel sein konkretes Handel wirklich bestimmen lässt und dem mir viel genehmeren, wenn auch simplifizierenden Fazit „Moral ist Mitleid“. 

 

b ) Eichmann hat sich in Jerusalem auf den kategorischen Imperativ berufen. M.E. mit Recht.

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duesi
vor 50 Minuten schrieb Marcellinus:

@duesi

Merkst du langsam, daß du dich mit deinem Moralismus um Kopf und Kragen redest? In dem Wunsch, alle Verhältnisse moralisch zu bewerten, bis du nun bei moralischen Rechtfertigung von Mord und Totschlag gelandet. Vielleicht solltest du einsehen, daß Moral im Alltagsleben ganz nützlich ist, als Maßstab für alles und jedes aber ungeeignet. Am Ende ist Moral einfach nur ein Gefühl, und Gefühle sind im Leben nicht die besten Ratgeber.

Ich bewerte nicht "alles" moralisch. Es kann durchaus mehrere Möglichkeiten geben, "moralisch gut" oder "moralisch schlecht" zu handeln. Aber wenn man etwas moralisch bewertet, kann man es m.E. nur positiv oder negativ bewerten. Ohne Grautöne. Etwas kann nützlicher sein als etwas anderes. Da gibt es Abstufungen. Etwas kann förderlicher sein. Auch da gibt es Abstufungen. Aber etwas kann nicht "richtiger" sein als etwas anderes. Entweder etwas ist richtig. Dann ist es absolut richtig. Oder etwas ist falsch. Dann ist es absolut falsch.

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Marcellinus
vor 3 Minuten schrieb nannyogg57:

Das ist deine persönliche Meinung. 

 

Alles, was wir hier schreiben, ist unsere persönliche Meinung.

 

vor 3 Minuten schrieb nannyogg57:

Ich bin der Meinung, Menschen dürfen durchaus ihren Verstand benützen und das kann dann ziemlich akademisch werden.

 

Ja, wir sollten unseren Verstand benutzen, aber in unseren Universitäten ist der mittlerweile zu einem raren Gut geworden. Vor allem sollten wir aber versuchen, unsere Vorstellungen von dieser Welt in bessere Übereinstimmung mit dem zu bringen, was sich tatsächlich beobachten läßt.

 

Wer dagegen beim Nachdenken über eine Sache dem Denken selbst den Vorrang vor der Sache gibt, landet zielsicher bei der Metaphysik. Man könnte es auch Illusion oder Ideologie nennen. Das ist in der akademischen Diskussion leider weit verbreitet.

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Marcellinus

@duesi

Absolut falsch gibt es, absolut richtig ist eine Fiktion. Du darfst einen Augenblick darüber nachdenken, warum das so ist.

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