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duesi

Heiligenverehrung ist Heldenverehrung

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duesi

Ich glaube, dass der Glaubensverlust heute auch ein Stück weit mit dem Mangel an Heldenverehrung zusammenhängt.

 

Ich erinnere mich an meine Kindheit, als uns erzählt wurde, dass Christus für unsere Sünden gestorben ist und wir, wenn wir uns ihm anvertrauen und ihm nachfolgen, das ewige Leben geschenkt bekommen. Dazu wurden uns die Geschichten von evangelischen christlichen Missionaren wie Jim Elliot und Hudson Taylor erzählt.

 

Und dementsprechend wurden diese mutigen Männer für mich zu den größten Helden. Es waren meine großen Vorbilder. Mit 12 Jahren war es mein Lebenstraum, irgend welchen ungläubigen Heiden die frohe Botschaft zu bringen, dass Gott ihnen durch den Glauben und die Nachfolge Jesu ewiges Leben schenken würde. Es mutig bei allem Widerspruch zu bekennen. Außerdem träumte ich davon, wie ich von irgendwelchen widerspenstigen Ungläubigen eines Tages getötet werden würde und ihnen noch mit meinem letzten Atemzug zurufen würde, dass Jesus der Herr ist.

 

Natürlich hat das Leben eine andere Geschichte geschrieben.

 

Aber das, was mir hier geschenkt wurde, ist etwas, was vielen Menschen heute fehlt. Dass es Botschaften gibt, die als wahr verkündigt werden. Dass es moralische Standards gibt, die als richtig und vorbildhaft verkündigt werden. Dass uns Handlungsweisen und Lebensbilder von Menschen in einer Weise dargestellt werden, dass man die Möglichkeit hat zu sagen: "So will ich auch sein". 

 

Natürlich habe ich auch in der Kirche Tage erlebt, an denen des seligen Rupert Mayers gedacht wurde. Oder anderer Heiliger. Aber ich habe es noch nie erlebt, dass sie in einer Weise dargestellt wurden, dass man mit einer Reaktion darauf antworten könnte wie: "So will ich auch sein. Dem lohnt es sich, nachzueifern."

 

Die Helden junger Männer heutzutage sind diejenigen, die möglichst viele Frauen abschleppen. Und die Helden junger Frauen heutzutage sind diejenigen, die sich auf der Karriereleiter nach oben gekämpft haben.

 

Christus selbst ist nach meinem Verständnis nicht "nur" der Gottessohn, der sein Leben für uns gegeben hat, um uns mit Gott zu versöhnen. Sondern auch der Held, dem wir nacheifern sollen.

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mn1217

Wobei ich mit dem Heldentum so meine Probleme habe.  Ritter in weißer Rüstung braucht kein Mensch. Männer,die nur im Büro sind für ihre Karriere, braucht auch keine emanzipierte Frau.

Menschen,die geradeaus,still,zurückhalten, konsequent für etwas einstehen,das sind Helden.

Für eine Idee einstehen, auch bei " Gegenwind". Das ist wichtig.

Die meisten "Helden" waren ganz normale Menschen mit Fehlern und Schwächen.  Und das ist auch gut so. 

Edited by mn1217
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Flo77

Manchmal frage ich mich, wer hier die antiquierteren Vorstellungen und Klischees pflegt.

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Julius
Am 27.3.2019 um 12:34 schrieb duesi:

Ich glaube, dass der Glaubensverlust heute auch ein Stück weit mit dem Mangel an Heldenverehrung zusammenhängt. ...
 

Christus selbst ist nach meinem Verständnis nicht "nur" der Gottessohn, der sein Leben für uns gegeben hat, um uns mit Gott zu versöhnen. Sondern auch der Held, dem wir nacheifern sollen.

 

Nö, das glaube ich nicht. Zumindest bei mir hat ein Zuviel an gepredigtem und besungenen Heldentum in Löchern in den Zähnen und einer gehörigen Portion Glaubensverlust gemündet (den ich im übrigen keineswegs bedauere). Und nein, der Glaubensverlust hatte nicht zur Folge, dass ich "Heldentum" im Abschleppen möglichst vieler Frauen zu sehen begonnen hätte (dass das Heldentum "junger Männer heutzutage" darin bestünde, ist auch wieder eine unbedacht-unzulässige Verallgemeinerung, Vorsicht duesi! Wieviele junge Männer kennst Du eigentlich?). Zudem habe ich - so ungefähr seit 1950, als ich so langsam zu fragen und zu denken begann - zunehmend Schwierigkeiten mit den Begriffen "Heldentum" und "Held", angesichts dessen, dass gut die Hälfte meines Jahrgangs Kinder von Helden waren, die an der Front den Heldentod gefunden hatten, und angesichts der Frau aus unserer Nachbarschaft, deren sieben Söhne den Krieg nicht überlebt hatten, angesichts auch der Tatsache, dass "Heldentode" im allgemeinen ein ziemlich jämmerliches, dreckiges Verenden und Verrecken sind, dem so gar nichts Heldenhaftes anhaftet. Den Tod am Kreuz stelle ich mir auch nicht sonderlich heldenhaft vor. Nein, ein Held zu werden, war und ist für mich kein erstrebenswertes Ziel. - Wenn schon, dann habe ich es eher mit "stillen Helden", nicht nur mit denen, für die es heute eine Gedenkstätte gibt, sondern auch mit denen, die Tag und Nacht unterwegs sind, um Hilfe zu leisten - Feuerwehrleute beispielsweise (die sind bie uns heute nacht gar nicht erst in die Federn gekommen) oder auch Rettungssanitäter, die zu jeder Tages- und Nachtzeit auf der Autobahn versuchen, zu retten, was dort noch zu retten ist ...


(Ach ja, und um noch auf die Missionare einzugehen - davon gab's in meiner Verwandtschaft auch ein paar zuviel als dass ich die mit Heldentum zu assoziieren gelernt hätte. Das waren gaaanz normale und zum Teil auch eitle Männer, als ganz besonders eitel habe ich den sich stets so franziskanisch-bescheiden gebenden Missionsbischof in Erinnerung. 😉)

 

(Das oben verlinkte Lied stammt übrigens aus der Feder von Johann Scheffler (1624 bis 1677), auch als Angelus Silesius bekannt. Der ist nicht uninteressant. Das oben verlinkte Lied hängt mir jedoch noch heute zum Halse heraus, aber soooowas von - zum Abgewöhnen).

Edited by Julius

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duesi

Ja, vermutlich hast du recht, dass es durchaus heilsam für die deutsche Gesellschaft war, das Heldenideal des obrigkeitstreuen Untertanen, der pflichtbewusst und ohne Aufmucken bereit ist, sein Leben an der Front fürs Vaterland zu opfern, zu hinterfragen.

 

Ich habe auch hohen Respekt vor den Rettungssanitätern und Feuerwehrleuten. Vor allem vor allen ehrenamtlichen Helfern, die sich in verschiedensten Bereichen sozial engagieren, ohne Gegenleistungen dafür zu erwarten. 

 

Vielleicht habe ich mich mit dem, was "heutzutage als heldenhaft gilt" auch ein bisschen weit aus dem Fenster gelehnt. Dennoch denke ich, dass viele Menschen nach wie vor Vorbilder suchen, Menschen zu denen sie aufschauen können und die sie sich als Vorbild nehmen können. Gemeinsame Vorbilder verbinden. Dass ich es nicht mehr als so üblich erlebe (zumindest in den Kreisen, in denen ich so unterwegs bin) aufschauend von anderen Menschen zu sprechen, die einem selbst Vorbilder geworden sind, finde ich schade. Ich denke daher, dass die Kirche mit ihren Heiligen einen reichen Schatz an Vorbildern hat. Nicht jeder kann in jedem Heiligen etwas vorbildliches entdecken. Aber es gibt ein so weites Spektrum von Menschen, die in verschiedensten Lebenslagen und gesellschaftlichen Gegebenheiten sich vorbildlich verhalten haben, dass es hier für jeden jemanden gibt, den er oder sie sich als Vorbild nehmen kann.

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Julius
vor 24 Minuten schrieb duesi:

Aber es gibt ein so weites Spektrum von Menschen, die in verschiedensten Lebenslagen und gesellschaftlichen Gegebenheiten sich vorbildlich verhalten haben, dass es hier für jeden jemanden gibt, den er oder sie sich als Vorbild nehmen kann.

 

Sofern er das möchte ... immer unterstellt, dass das jemand möchte, gell?

Ich wurde vor Jahrzehnten auch in den Kirchen-Laden mit den Vorbildern geschickt, um mir eines, oder zwei, oder vielleicht auch noch ein paar mehr auszusuchen. Ich bin ganz ohne und damals vielleicht sogar ein bisschen enttäuscht wieder rausgekommen - nein, danke, für mich war da nichts dabei und ist da auch heute noch nichts dabei. Meine Vorbilder nehme ich mir, wenn überhaupt, selbst, in meiner Unverfrorenheit dann auch unter Menschen, die nicht die geringste Chance haben, in das Sortiment der Kirchen-Heiligen aufgenommen zu werden. 😄

Edited by Julius

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duesi

Ja, selbstverständlich. Sofern jemand das möchte. Wenn du die "stillen Helden" als Vorbilder ansiehst, kannst du ja vielleicht in dem seligen Frédéric Ozanam etwas vorbildliches entdecken, der mit seiner Begründung der Vinzenz-Konferenzen einen wichtigen Schritt zum Entstehen der Caritas geleistet hat und somit vielen ehrenamtlichen Helfern erst die Möglichkeit gegeben hat, sich ehrenamtlich zu engagieren. Aber nur als Vorschlag. 😀

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Studiosus

"Mir nach, spricht Christus, unser Held" - ja, das ist heute nicht mehr so recht en vogue. 

 

Vielleicht muss man sich auch vor Augen führen, was Heilige nach Meinung der Kirche und Heroismus sind. Der Heilige ist per ecclesiae declarationem sicher beim Herrn, hat also das Ziel des christlichen Lebenslaufes erreicht. Dort hält er Fürsprache für die noch streitende Kirche, die dieser Vollendung noch harrt.

 

Dies trifft mitunter auch auf die vielen namenlosen Heiligen zu, die ihr Leben ganz unauffällig unter uns in vorbildlicher Weise gelebt haben. Heilige sind also Fürsprecher und Vorbilder im Glauben, welche die Kirche den Gläubigen zur Nachahmung anempfiehlt. 

 

Im Zusammenhang mit Kanonisationsverfahren hört man oft vom "heroischen Tugendgrad", also dem heldenhaften Tugendgrad. Was heisst das? Die Person hat die christlichen Tugenden  (des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe) in exorbitanter, eben heroischer Weise, gelebt. Jetzt hat der Heldenbegriff der Kirche wenig mit dem landläufigen zu tun. Heldenhaft hat auch die christlichen Tugenden gelebt, wer im Leid duldsam geblieben, in der Verfolgung standhaft, im Leben demütig etc. gewesen ist. Diese begriffliche Dissonanz muss man im Hinterkopf behalten.

 

Nun ist es weiter kein Geheimnis, dass auch der Heiligenbegriff inzwischen - auch unter Katholiken - säkularisiert worden ist. Das genuin Christliche tritt in den Hintergrund, gemessen wird am persönlichen oder gesellschaftlichen moralischen Standard. Nicht unbedingt nach den katholischen Kriterien. So wählen sich heute viele Katholiken auch Martin Luther King, NS-Widerstandskämpfer (hierbei gibt es Überschneidungen), Nelson Mandela, Che Guevara oder den Dalai Lama als Heilige oder Vorbilder. Konfession und christlicher Lebenswandel egal. Synkretismus nicht ausgeschlossen. So ist das eben. 

 

Ich glaube es ist die Kathedrale von Westminster Abbey, die eine Auswahl solcher "moderner Heiliger" bietet. Da bekommt jeder, der sich nicht mehr wehren kann, ein Sandsteinfigürchen verpasst.

 

 

Saluti cordiali, 

Studiosus. 

Edited by Studiosus

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Julius
vor 1 Stunde schrieb duesi:

Wenn du die "stillen Helden" als Vorbilder ansiehst, kannst du ja vielleicht

 

Nein, kann ich nicht, werde ich nicht, will ich nicht - auch nicht "vielleicht".

Ich habe nirgendwo erzählt, dass ich "die stillen Helden" als "Vorbilder" - in dem Sinne, wie Du wohl "Vorbilder" verstehst - betrachten würde (die Bezeichnung "stille Helden" stammt nicht von mir, die habe ich übernommen), und ich habe keinerlei Bedarf für Ratschläge von irgendwem angemeldet, sondern im Gegenteil sogar deutlich signalisiert, dass ich daran keinen Bedarf habe: "Meine Vorbilder nehme ich mir, wenn überhaupt, selbst, in meiner Unverfrorenheit dann auch unter Menschen, die nicht die geringste Chance haben, in das Sortiment der Kirchen-Heiligen aufgenommen zu werden."

BITTE - könntest Du es Dir vielleicht angewöhnen, mich mit unerbetenen Ratschlägen/"Vorschlägen" zu verschonen? Könntest Du - BITTE - auch mal in Erwägung ziehen, dass ich, im Gegensatz zu Dir, katholisch sozialisiert bis beinahe katholisch über-sozialisiert worden bin und durchaus auch weiss, wer Friedrich Ozanam war? Zumal ich in der Geschichte der Caritas bis hin zu Vinzenz von Paul nicht ganz zufälligerweise ziemlich beschlagen bin. Der Ozanam würde mir schon deswegen nicht zum Vorbild taugen, weil ich es mittlerweile annähernd schon 40 Jahre ohne sein Vorbild ausgehalten haben müsste - der ist nämlich lange verblichen bevor er so alt wurde wie ich. 😒

Edited by Julius

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duesi

Ja, es ist wirklich nicht einfach, bei dir kein Geschirr zu zerschlagen. Aber ich lerne - Stück für Stück - achtsamer gegenüber deinen Verletzlichkeiten und Empfindsamkeiten zu sein. Und nein - ich empfinde es persönlich nicht als Unverfrorenheit, Vorbilder unter Menschen zu haben, die nicht im Sortiment der Kirchen-Heiligen sind. Diese "Unverfrorenheit" nehme ich mir zuweilen auch.

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Julius
vor 2 Stunden schrieb duesi:

Ja, es ist wirklich nicht einfach, bei dir kein Geschirr zu zerschlagen

 

Darüber mach Dir mal keine Sorgen. Mein wertvolles Porzellan stelle ich ohnehin nicht ein einem öffentlichen Forum aus, das bekommst Du also nicht mal zu Gesicht. Was ich allerdings ärgerlich, wirklich sehr ärgerlich finde sind Leute, die nahezu jede Stellungnahme, egal wie deutlich sie ausfällt, zum Anlass nehmen - und dies auch noch in bester Absicht - den Porzellanladen anderer mit ihrem eigenen Trödel anreichern zu wollen. Du kriegst also allenfalls Dein eigenes Porzellan vor die Füße geschmissen. 😃

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duesi

Naja, obwohl du ärgerlich bist, ist dir das ganze einen Smiley wert. Also schicke ich mal einen Smiley zurück. ☺️

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Long John Silver

Was das eigentliche Thema angeht:

 

Vorschlag: Maria als Vorbild. 

Edited by Long John Silver

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New Aaron
Am 27.3.2019 um 12:34 schrieb duesi:

Ich glaube, dass der Glaubensverlust heute auch ein Stück weit mit dem Mangel an Heldenverehrung zusammenhängt.

 

Ich erinnere mich an meine Kindheit, als uns erzählt wurde, dass Christus für unsere Sünden gestorben ist und wir, wenn wir uns ihm anvertrauen und ihm nachfolgen, das ewige Leben geschenkt bekommen. Dazu wurden uns die Geschichten von evangelischen christlichen Missionaren wie Jim Elliot und Hudson Taylor erzählt.

 

Und dementsprechend wurden diese mutigen Männer für mich zu den größten Helden. Es waren meine großen Vorbilder. Mit 12 Jahren war es mein Lebenstraum, irgend welchen ungläubigen Heiden die frohe Botschaft zu bringen, dass Gott ihnen durch den Glauben und die Nachfolge Jesu ewiges Leben schenken würde. Es mutig bei allem Widerspruch zu bekennen. Außerdem träumte ich davon, wie ich von irgendwelchen widerspenstigen Ungläubigen eines Tages getötet werden würde und ihnen noch mit meinem letzten Atemzug zurufen würde, dass Jesus der Herr ist.

 

Natürlich hat das Leben eine andere Geschichte geschrieben.

 

Aber das, was mir hier geschenkt wurde, ist etwas, was vielen Menschen heute fehlt. Dass es Botschaften gibt, die als wahr verkündigt werden. Dass es moralische Standards gibt, die als richtig und vorbildhaft verkündigt werden. Dass uns Handlungsweisen und Lebensbilder von Menschen in einer Weise dargestellt werden, dass man die Möglichkeit hat zu sagen: "So will ich auch sein". 

Ich finde weniger solche Gestalten, die das Evangelium verkünden wichtig, sondern solche Menschen, die durch das Evangelium zum Positiven verändert werden. Dazu zählen vor allem die Mystiker, aber auch die, die durch den Glauben viel gelassener durch das Leben gehen und solche, die immer wieder wunderbare Gebetserhörungen erleben bzw. erlebt haben. Denn wahrer Glaube ist eine Kraft, die wirksam ist und kein religiöses Geschwafel derer, die nur den Buchstaben der Schrift kennen.

 

LG,

New Aaron

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GermanHeretic
Am 28.3.2019 um 14:52 schrieb mn1217:

Ritter in weißer Rüstung braucht kein Mensch.

 

Doch, braucht man. Der Held ist ein mythologischer Archetyp, der als Vorbild dient. An sowas halten sich Menschen fest und lassen sich nach oben ziehen, wenn's mal dreckig läuft. Nehmt dem Menschen den Mythos und ihr nehmt ihm das Heil. Oder man überläßt die Deutungshoheit am Mythos Leuten,  die davon besser die Finger lassen sollten. Hatten wir hierzulande schon, und wir wissen alle, was daraus geworden ist.

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Marcellinus

Ich wüßte nicht, was ich mit Mythen sollte.  Meistens dienen sie eh nur dazu, etwas vor der Öffentlichkeit zu verbergen, oder etwas glaubwürdiger erscheinen zu lassen als es ist.

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GermanHeretic
vor 12 Minuten schrieb Marcellinus:

Ich wüßte nicht, was ich mit Mythen sollte.  Meistens dienen sie eh nur dazu, etwas vor der Öffentlichkeit zu verbergen, oder etwas glaubwürdiger erscheinen zu lassen als es ist.

 

Mythen sind weder Märchen noch Historie noch Propaganda. Leider wird der Begriff Mythos gerne als Abwertung verwendet, was dem eigentlich Sinngehalt nicht mal annähernd entspricht.

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Long John Silver
vor 13 Stunden schrieb GermanHeretic:

 

Doch, braucht man. Der Held ist ein mythologischer Archetyp, der als Vorbild dient. An sowas halten sich Menschen fest und lassen sich nach oben ziehen, wenn's mal dreckig läuft. Nehmt dem Menschen den Mythos und ihr nehmt ihm das Heil. Oder man überläßt die Deutungshoheit am Mythos Leuten,  die davon besser die Finger lassen sollten. Hatten wir hierzulande schon, und wir wissen alle, was daraus geworden ist.

 

Ich denke nicht, dass Archetypen ueberhaupt verschwinden koennen. Dazu sind sie zu tief in der psychokulturellen Entwicklung der Menschheit verwurzelt. 

Das Problem was du ansprichst, ist tatsaechlich ihre Verleugnung oder Verdraengung. Dann schafft sich das ganze auf andere Weise Bahn, naemlich auf pervertierte.

Archetypen sind keine temporaeren Idole oder Stars oder dergleichen, sie sind in der Grundstruktur der menschlichen Psyche verankert. 

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mn1217

Aber ein ein Archetyp muß nicht verehrt werden.

Und der weiße Ritter, der die unselbstständige Frau rettet,ist,denke ich,weniger ein Archetyp.

Edited by mn1217

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Long John Silver

Archetypen kann man nicht verehren, sie sind tief verankerte innerpsychische Strukturen. Verehrt wird die Verkoerperung bzw,. der Mythos, in dem sich der Archetypus manifestiert. 

 

Der Prinz/Held ist durchaus ein solches Bild. Seine Wurzeln haben nichts mit der heutigen Frage nach einem aktuellen oder individuellen Frauenbild zu tun, sondern sind wurzeln ganz woanders. Es ist auch voellig m.E. falsch, diese archetypischen Muster auf einen zeitgenoessischen aktuellen Kontext herunterzubrechen und danach zu beurteilen zu wollen. 

 

Platt gesagt,  entsteht der Archetypus aus der sprachlosen Wahrnehmung der Welt auf einer ganz fruehen Ebene (der Menschheit, der Kindheit, der psychokulturellen Strukturen). Wenn man so will, ist er das direkteste Bindeglied zu einer Stufe davor,  zum Bewusstsein der Tiere. Am besten ist das zu verfolgen bei den assoziativen Begriffen Mutter und Vater. Unabhaengig von unserer eigenen Biografie transportieren diese Begriffe einen bestimmten Begriffshorizont, der sich weniger intellektuell erschliesst, als einem Ozean aus sprachloser Wahrnehmung von Beduerfnissen. 

 

Jedenfalls ist das ein sehr interessantes Feld. Man muss allerdings ein bisschen weg kommen von dem "ich fuehle das aber nicht, was soll das sein, ich brauche das nicht"-Reaktionen. 

 

 

Edited by Long John Silver
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Marcellinus
vor 1 Stunde schrieb Long John Silver:

Jedenfalls ist das ein sehr interessantes Feld. Man muss allerdings ein bisschen weg kommen von dem "ich fuehle das aber nicht, was soll das sein, ich brauche das nicht"-Reaktionen.

 

Der Archetyp ist vor allem ein theoretisches Konzept der Analytischen Psychologie C. G. Jungs, und beruht daher weitgehend auf Spekulation. Der Archetypus "ist" also nicht irgendetwas, sondern wird von einigen Psychologen (und anderen) gedacht als. Das ist ein Unterschied.

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Merkur

Der Begriff wird ja nicht nur bei Jung verwendet. Er ist je nach Zusammenhang mehr oder weniger unscharf.  LJS Einteilung in Archetypen als Strukturen und Mythen als Äußerungsform von Archetypen halte ich für sinnvoll.

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duesi

Habe heute mit Freunden eine Folge der Netflix-Serie "Absentia" gesehen. Normalerweise schaue ich kaum Serien, weil ich nicht die Zeit habe, mir ganze Staffeln anzusehen. 

 

Jedoch denke ich, dass es zum Thema passt. Eine weibliche FBI-Agentin, die Mutter von einem 1-jährigen Sohn ist und in einer Partnerschaft lebt, wird bei der leitenden Aufklärung von Serienmorden entführt, 6 Jahre gefangengehalten und gefoltert. Als sie frei kommt, sieht alles danach aus, dass sie sich selbst entführt hätte und selbst für die Morde verantwortlich wäre. Sie entzieht sich der Haft, um auf eigene Faust zu ermitteln und ihre Unschuld zu beweisen. Ihr Partner hat sie für tot gehalten und eine neue Partnerin. Das Kind, das mittlerweile 7 Jahre alt ist, ist bei der anderen Frau aufgewachsen und hält diese für die eigene Mutter.

 

Ich denke, dass diese Geschichte sehr stark das moderne weibliche Heldenideal verkörpert. Eine Frau, die nach einer Führungsposition strebt, gut in ihrem Job ist, auf sich selbst aufpassen muss und stark sein muss, für die niemand kämpft und sein Leben opfert. Die bei aller beruflichen Auslastung auch noch eine gute Partnerin ist und sich nicht davor scheut, Mutter zu werden.

 

Männliche Helden, die die Prinzessin vom Drachen retten, sind heute nicht gesucht. Und durch Haushaltsarbeit und auf die Kinder aufpassen kann der Mann auch nicht zum Held werden. Wir leben in der Zeit der weiblichen Heldinnen.

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Long John Silver
vor einer Stunde schrieb duesi:

Habe heute mit Freunden eine Folge der Netflix-Serie "Absentia" gesehen. Normalerweise schaue ich kaum Serien, weil ich nicht die Zeit habe, mir ganze Staffeln anzusehen. 

 

Jedoch denke ich, dass es zum Thema passt. Eine weibliche FBI-Agentin, die Mutter von einem 1-jährigen Sohn ist und in einer Partnerschaft lebt, wird bei der leitenden Aufklärung von Serienmorden entführt, 6 Jahre gefangengehalten und gefoltert. Als sie frei kommt, sieht alles danach aus, dass sie sich selbst entführt hätte und selbst für die Morde verantwortlich wäre. Sie entzieht sich der Haft, um auf eigene Faust zu ermitteln und ihre Unschuld zu beweisen. Ihr Partner hat sie für tot gehalten und eine neue Partnerin. Das Kind, das mittlerweile 7 Jahre alt ist, ist bei der anderen Frau aufgewachsen und hält diese für die eigene Mutter.

 

Ich denke, dass diese Geschichte sehr stark das moderne weibliche Heldenideal verkörpert. Eine Frau, die nach einer Führungsposition strebt, gut in ihrem Job ist, auf sich selbst aufpassen muss und stark sein muss, für die niemand kämpft und sein Leben opfert. Die bei aller beruflichen Auslastung auch noch eine gute Partnerin ist und sich nicht davor scheut, Mutter zu werden.

 

Männliche Helden, die die Prinzessin vom Drachen retten, sind heute nicht gesucht. Und durch Haushaltsarbeit und auf die Kinder aufpassen kann der Mann auch nicht zum Held werden. Wir leben in der Zeit der weiblichen Heldinnen.

 

Das ist ein Irrtum, zumindest was die Filmbranche betrifft. Zwar gibt es den Drang danach, weibliche Heldinnen mehr zu protegieren als frueher (sozusagen als Ausgleich), aber Maenner als Helden bevoelkern nach wie vor "gleichberechtigt" Katastrophenfilme als Retter oder Rache-Filme (Vater raecht Tod der Familie, der einsame Raecher) etc.  Dass der einsame Raecher jetzt zur einsamen Raecherin mutiert, ist lediglich ein Zugestaendnis an den  Zeitgeist, die einsame Raecherin gibt es eigentlich nicht. Das ist mit der Grund, warum manche dieser Filme so gewollt und aufgesetzt wirken. Weibliches Heldentum ist niemals genuin, wenn es lediglich das maennliche kopiert. Dass z.B.manche weibliche Detectives den Mund nicht mehr auseinander kriegen zum Laecheln, weil es zu weiblich erscheint, manchmal freundlich zu blicken, ist vor allem nervig, hat aber nichts mit weiblichem Heldentum zu tun. Es ist lediglich eine falsch verstandene Auffassung von Maennlichkeit, die abgekupfert werden soll. Aber das ist ein anderes Thema. 

 

Die Filmbranche ist allmein ein Sammelbecken der verkoerperten Archetypen. Davon lebt das Genre Science fiction genauso das Genre Krimi oder wie gesagt, Katastrophenfilme etc oder auch Fantasy-Filme oder Serien (Der Herr der Ringe ist ein hervorragendes Beispiel eines Films, der Mythen und Archetypen in geradezu bombastischer Weise im Inneren der Zuschauer anruehrt).

 

Es ist auch ein Irrtum anzunehmen, dass es keine Prinzessinnen mehr gibt, die Helden suchen. Offiziell vielleicht nicht, weil es nicht zeitgemaess ist, es zu sagen, oder weil die Gestalten durch alle moeglichen Versuesslichungen und der Konfrontation mit der Realitaet so perviertiert sind, dass sie keine Sehnsucht mehr zu erzeugen scheinen. Was sicher stimmt, ist, dass diese Bilder und Wuensche kaum noch benannt werden duerfen, weil sie als politisch inkorrekt gelten. Allerdings lassen sich Archetypen nicht einfach per Zeitgeist vernichten oder ausschalten, weil es sich um das kollektive psychokulturelle Erbe der Spezies handelt, Urerinnerungen. 

 

PS: Ein ganz anderes Thema ist die Rolle der Frau als eierlegende Wollmilchsau sozusagen, die auf allen Gebieten des Lebens  funktionieren soll. Ein solcher Ueberanspruch gebiert keine Heldinnen, sondern eher frustrierte ausgepowerte Menschen, die unter Umstaenden am Ende nichts und niemand mehr gerecht werden, schon gar nicht sich selbst. Jedenfalls scheint mir das ein Modell zu sein, mit dem Frauen sich ins eigene Nest machen, wenn sie darauf herein fallen. Und zur Rolle des Mannes: Heldentum beweist sich nicht darin, dass man keine Kinder beaufsichtigt oder keinen Haushalt macht.  Die Groesse eines Mannes zeigt sich m.E. genau an dem, was ich Thread Massstaebe formulierte: Anstand, Guete und Herzenstakt. Das wiederum hat nichts mit der haeuslichen Rollenverteilung zu tun. Will sagen: um diese Massstaebe zu haben und hochzuhalten, braucht es mehr als nur eine gesellschaftliche verordnetes Rollenbild, zu welcher Seite auch immer. Die Glock heraus holen und einen Einbrecher zu erschiessen, hat nichts mit Heldentum zu tun, sondern mit dem Ueberlebenstrieb, das ist ein Reflex der Selbstverteidigung. Guetig zu sein und anstaendig ist eine andere Qualitaet. Klar soll man die Familie und sein Hab und   verteidigen. Wenn man aber auf anderer Ebeneeinfach ein *pfui* ist und sich gegenueber der Familie und Gesellschaft auch so verhaelt, wird man auch durch die Glock kein Held. Da kann man lange ballern. Ein Prinz werde ich allein dadurch nicht.

 

 

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duesi

@ LJS: Danke für deine ausführliche Schilderung. Ja, ich hatte vielleicht ein paar Dinge vermischt, die du dankenswerterweise aufgedröselt hast.😊

Filmhelden, gesellschaftlich akzeptierte Vorbilder, in der menschlichen Psyche verankerte Archetypen und tradierte Rollenbilder, das sind unterschiedliche Kategorien.

 

Für mich ist es als Mann selbstverständlich, dass, wenn beide arbeiten, auch beide gleichermaßen für den Haushalt zuständig sind. Das hat auch schon mein Großvater so gesehen. Mir geht es nicht um tradierte Rollenbilder.

 

Sondern um die Auswirkung von politischer Korrektheit auf moderne Heldenideale und den Umgang mit den eigenen Archetypen. Sicher gibt es sie noch, die Prinzessin, die gerettet werden möchte. Aber es ist ihr in unserer Zeit kaum möglich, diese Sehnsucht auszuleben, es sich selbst überhaupt einzugestehen, da die Gesellschaft ihr permanent einredet, dies sei Ausdruck weiblicher Unterlegenheit und Unselbständigkeit. Mein Satz, dass wir in der Zeit weiblicher Heldinnen leben, sollte aussagen, dass es in unserer Zeit einfacher ist, ein gesellschaftlich akzeptiertes weibliches Heldenideal zu entwerfen als ein gesellschaftlich akzeptiertes männliches Heldenideal zu entwerfen. Und ja, ich glaube tatsächlich, dass dieses weibliche Heldenideal bei vielen Frauen zu Überforderung führt.

 

Männliche Archetypen unterscheiden sich von weiblichen. Männer machen gefährliche Extremsportarten, rauben Banken aus, gehen in den Boxring, schreiben eine Doktorarbeit oder streben eine Führungsposition an mit oft immer der gleichen Grundmotivation, dadurch für andere ein Held sein zu können. Wenn Frauen das gleiche machen, ist es noch lange nicht dasselbe. Ich bin hier keineswegs biologistisch. Ich behaupte nicht, dass wir aus den biologischen Gegebenheiten Normen ableiten sollten.

 

Jedoch sollte man sich der Implikationen solcher gesellschaftlicher Rollenzuschreibungen bewusst sein. Ein Blick in matriarchal organisierte Gesellschaften ist hier erhellend. Ich habe Berichte darüber gelesen. Da werden die Männer in der Gesamtheit als faule alkoholabhängige Spezies beschrieben, denen frau nicht zu viel Geld geben darf, um sie bei der Arbeit zu halten und vor destruktivem Verhalten zu bewahren. Wenn Männer keine Helden mehr sein können, ziehen sie sich anscheinend irgendwann ganz aus ihrer gesellschaftlichen Verantwortung zurück und werden destruktiv. Während heute die Debatte über Frauen in Dax-Vorständen geführt wird, könnte das Feld in 60-90 Jahren komplett den Frauen überlassen sein. Die Debatte könnte in 60-90 Jahren darüber geführt werden, wie frau Männer überhaupt noch für gesellschaftliche Verantwortung begeistern kann und wie frau Männer vor destruktivem Verhalten bewahren kann. 

 

Um es nochmal zu sagen: Mir geht es nicht darum, aus biologistischen Motiven soziale Normen abzuleiten. Ich finde Gleichstellung ist eine gute Sache. Mir geht es darum, dass es gesellschaftlich akzeptierte Heldenideale als Projektionsfläche für die Archetypetypen braucht. Der Trend geht jedoch dahin, dass Archetypen verleugnet und unterdrückt werden müssen.

 

 

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