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nannyogg57

Friedhofsgespräche

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mn1217
vor einer Stunde schrieb Higgs Boson:

 

Die nächste Verwandschaft, also die, die sich verträgt, sind meine Schwestern, deren und meine Kinder, sowie deren Partner. So kommen wir bei Weihnachtsfeiern auf knapp 20 Personen am Tisch, wären da noch mein Bruder (er lebt mit seiner Familie in Thailand) und meine Schwägerin und Nichte (USA), sowie meine weiteren Nichten und Großnichten und Neffen  (Ostfriesland), so könnten wir die 40 sehr locker sprengen. Und wie gesagt, das ist lediglich die unmittelbar unsere und unsere Nachkommengeneration. Das sind noch keine Tanten, Cousins, Omas, Eltern und so dabei.

 

Meine Kleine plant gerade ihre Hochzeit, sie sind schon bei weit über 100 Personen,  lustig wird das allemal. Es werden nicht alle kommen, Freunde sind es noch nicht so viele, die sammelt man ja erst im Laufe des Lebens. (Ich war letztes Jahr auf der Hochzeit von Freunden, beide weit über 50 - wenig Familie, dafür über 100 Freunde, die sich so allmählich angesammelt hatten)

 

Hochzeit und Beerdigungen, die beiden Fixpunkte, an denen Familie kondensiert.

100 ist mir zu viel. Meine klare Anweisung  war zweistellig. Ich habe auch viel Verwandtschaft,aber mit der meisten nicht  so viel Kontakt.

Weihnachten bei meiner Familie sind wir 11,bei meinem Mann auch 11. Reicht. 

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helmut
Am 1.11.2019 um 21:01 schrieb Rotgold:

Valentinstag, Muttertag, Allerheiligen

Was haben diese Tage gemeinsam?

Sie haben gemeinsam, dass man in der Forenwelt immer wieder böse Kommentare dieser Art liest:  Diese Tage brauche man nicht. Man selber denke jeden Tag an sein Mütterlein, man denke jeden Tag an seine Liebste oder seinen Liebsten, und man denke jeden Tag  an seine lieben Verstorbenen.

Nun ja, ich will das mal glauben .....

Und dann geht es weiter:

 Wie erbärmlich es doch sei, dass man da einen besondern Tag brauche. Und wie schlecht die Leute alle seien, die einen solchen Tag brauchen täten.

Dazu frage ich:

Kommt es diesen Schreibern nicht in den Sinn, dass andere Leute durchaus auch immer wieder an ihre Mutter denken und an ihre Liebste und an ihre Verstorbenen?

Und an einem bestimmten Tag dann eben noch besonders?

Gemeinsam mit anderen?

Und dass es schön ist, dass es solche besonderen Tage der Gemeinsamkeit des Denkens gibt?

Ich habe manchmal den Verdacht, dass einige jener Schreiber das ganze Jahr NICHT an ihre Mutter oder ihre Liebsten oder an die Verstorbenen denken, und dann an jenen  besonderen Tagen ERST RECHT NICHT!

 

 

:)

 

ich las derartige gedanken nicht, bzw. maß ihnn keinerlei bedeutung bei. aus meinem gedächtnis kommen häufig, bei verschiedenen gelegenheiten erinnerungen . das sind verstorbene, aber auch andere menschen mit denen ich verbunden war und die verbindung nicht hielt. die gedenktage sind es eher nicht. wer in ihnen eine bedeutung sieht, soll sie nach seinem gusto wahrnehmen.

 

also nicht jeden tag, nicht nur ans mütterlein (das ich sehr kritisch sehe, dem ich aber gerecht werden will), aber auch an meine geschiedenen. ich denke an die beerdigungskosten (meine) und will sie minimieren.

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Rotgold
vor 5 Stunden schrieb helmut:

ich las derartige gedanken nicht

 

 

 

Derartige Gedanken sind in der Forenwelt leider seeeeehr verbreitet.

Take my word for it.

Und nicht nur im Falle  von Valentinstag, Muttertag, Allerheiligen.

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Long John Silver
vor 12 Stunden schrieb mn1217:

100 ist mir zu viel. Meine klare Anweisung  war zweistellig. Ich habe auch viel Verwandtschaft,aber mit der meisten nicht  so viel Kontakt.

Weihnachten bei meiner Familie sind wir 11,bei meinem Mann auch 11. Reicht. 

 

Ja, 11 ist ueberschaubar. 

 

Grosse Verwandschaft heisst ja auch nicht, dass man die immer und gern um sich schart. Oder dass man Kontakt zu ihr hat.  Oder ihn wuenscht. Ich wuensche zu dem groessten Teil meiner Verwandschaft, den ich kenne,  keinen Kontakt, zu dem Teil, den ich nicht kenne, auch nicht (das sind fuer mich nur Namen von voellig fremden Personen, ja, die gibt es wohl, aber mit denen habe ich nichts zu tun).

 

Es ist halt immer die Frage, was man damit verbindet, mit der Verwandschaft. 

Edited by Long John Silver

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Marcellinus

Mein Vater sagte immer, der Unterschied zwischen Freunden und Verwandten ist: Freunde kann man sich aussuchen.

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helmut
vor 3 Stunden schrieb Rotgold:

 

Derartige Gedanken sind in der Forenwelt leider seeeeehr verbreitet.

Take my word for it.

Und nicht nur im Falle  von Valentinstag, Muttertag, Allerheiligen.

ich kenne deine forenwelt nicht. ich leide an optimismus. aber vielleicht hast du eine affinität zu derartigen äußerungen.

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Long John Silver

Ich sehe keinen Grund, sich hier Gedanken ueber "die Forenwelt" und dortige eventuelle Aeusserungen zu machen. 

 

Mir reicht es voellig, wenn ich mir ueber die hiesigen Themen und die konkreten Auesserungen der hiesigen User Gedanken mache. Und ihre Friedhofsgespraeche. 

 

Alles andere finde ich dem Thema unangemessen.  Wir sollten bei dem bleiben, was hier konkret gesagt wird.  

 

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Flo77
vor 45 Minuten schrieb Shubashi:

 

Das nicht, aber

Ofrenda, Geisterweg, Kerzen und Blumen.. .

Irgendwie ... karibisch vielleicht

(Ich slawo-germanisches Grenzgebiet - Du viel weiter im Westen. Wenn also Asien schon an der Elbe beginnt, wer weiß schon, was es am Rhein so alles gibt.) 

 

Ich zieh's mal hierher.

 

Zur spirituellen Bedeutung der Ofrenda habe ich oben ja schon einiges geschrieben.

 

Technisch betrachtet handelt es sich um einen unserer kleineren Esstische. Mithilfe einer Minikommode, Tafeltuch, einem violetten Ziertuch, Hauskreuz und Topfpflanzen habe ich zunächst eine Grundstruktur wie bei einem tridentinischen Altar gebaut. Der Tisch ist dann mit den Bildern unserer Verstorbenen, Calaveritas de azucar (Schädel aus Zucker), Kerzen und Blüten dekoriert.

 

Die Welt der Toten habe ich mit "Gräbern" aus Steinen aus dem Garten und Kerzen auf dem Boden vor der Ofrenda dargestellt.

 

Interessanterweise habe ich seitdem die Ofrenda steht immer wieder umdekoriert, die Bilder anders angeordnet, die Kerzen umgestellt, etc. Auch wechselten die "Opfergaben" während der Feiertage. Nach dem Ende der Festzeit habe ich bis auf Salz, Wasser und Schnuller die Gaben abgeräumt und jetzt bleibt sie noch bis zum nächsten Wochenende stehen (wir bekommen noch Besuch dem ich sie mal live zeigen wollte).

 

Was den "Geisterweg" angeht, ist es in Mexiko üblich einen Weg aus Blüten zur Ofrenda zu legen (idealerweise vom Friedhof her). Ich hätte bei uns einen solchen Weg - der den Toten den Weg vom Totenreich zu den Lebenden weisen soll - von der Türe gegenüber der Ofrenda bis zum Weg vor unserem Haus gestalten können. Allerdings spricht bei uns zu einen das Wetter definitiv gegen eine solche Freiluftanlage (zumal ich künstliche Blüten verwenden müsste und damit die Haltbarkeit ziemlich riskant wäre) zum anderen eben die Verwechslungsgefahr mit Halloween. Auch wenn ich nicht glaube, daß selbst ein beleuchteter Pfad Fremde dazu brächte bei uns durch den Garten zu wandern.

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Flo77

Ich habe dann heute doch mal umdekoriert. Der Altar selbst steht noch, aber statt der bunten Blüten liegen jetzt Tannenzweige zwischen den Bildern. Außerdem sind die Grabsteine weg und ich hab die Accessoires jetzt IN der Minikommode (wofür sie ja gekauft wurde). An die Ofrenda erinnern jetzt eigentlich nur noch die beiden großen Calaveritas, die nicht in die Schubfächer passten. Und während ursprünglich "kreatives Chaos" herrschte, sind Bilder und Kerzen jetzt in Reih und Glied arrangiert.

 

Mal schauen, ob sie mit dem Christbaum kooperiert oder dann doch wieder weichen muss.

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nannyogg57

Es passt hier nicht ganz hin, aber ich will da jetzt keinen eigenen Thread dazu aufmachen. Am Montag ist mein Bruder verstorben. Es gibt ernsthafte Gründe, warum der Kontakt zwischen ihm und mir zum Erliegen kam. Einer war, dass er seinen Lebensmittelpunkt in Südostasien hatte, aber in Deutschland war, wenn er arbeitete. Das war aber nicht der eigentliche Grund und ich bin auch nicht die Einzige in der Familie, die praktisch keinen Kontakt mehr mit ihm hatte. Wie gesagt, es gab ernsthafte Gründe.

 

Ich trauere demnach nicht, es gibt andere Leute, seine Familie in Südostasien, z.B., zu der der Kontakt natürlich auch nicht besteht und die jetzt vermutlich in ziemlichen Schwierigkeiten steckt. Weihnachten feiern und zu wissen, dass dort jetzt große Trauer herrscht ...

 

Mein Bruder war religiös in dem Sinne, dass er sich ständig mit solchen Sachen beschäftigte. Er konnte zwischen "ernsthafter" Religiösität und Scharlatanerie aber nicht unterscheiden, gelegentlich war er in diesem Punkt Täter, gelegentlich Opfer. Seine seltsamen Ideen, die er überall und ohne großes kritisches Denken aufnahm, waren für mich als Theologin immer recht abenteuerlich anzuhören. Er hatte immer irgendwoher besonders spektakuläre Informationen, Theorien oder Offenbarungen, die anderen Leuten verborgen waren, und natürlich wechselte er zur buddhistischen Weltanschauung, aber immer ging er den leichten Weg. Ethik nahm er nur an, wenn es ihm in den Kram passte. Es gab ernsthafte Gründe.

 

Ein Machertyp, der mit praktisch jedem seiner Projekte auf die Schnauze fiel und dann mit erstaunlichem Eifer den Verlust wieder ausbügelte um bald drauf wieder mit der nächsten Sache zu scheitern.

 

Die Welt meines Bruders hatte mit der Realität wenig zu tun. Warum das so ist, das dürfte in seiner Kindheit zu Grunde gelegt worden sein. Im Ignorieren negativer Tatbestände war er groß. Er wollte alles sein, nur nicht er selbst.

 

Wenn man zwei große Schwestern hat, dann ist so ein großer Bruder theoretisch eine tolle Sache. Aber das, was man sich als jüngere Schwester von einem großen Bruder erwartet, das war er eben nie. Und dann kam der Tag, an dem ich ihm telefonisch mitteilen musste, dass eine seiner Töchter gestorben ist. Warum sie vor ihrem 30. Lebensjahr starb, das hatte ganz viel mit seiner Verantwortungslosigkeit zu tun. Das war unser letzter direkter Kontakt. Ich trauerte um meine Nichte und, wie ich erfuhr, war auch er betroffen.

 

Bei seinen Aktionen ließ er einfach auch Baustellen im familiären Bereich zurück: Kinder aus früheren Ehen z.B., aber das war nicht alles, wie gesagt, da war noch mehr.

 

Ich glaube an ein Leben nach dem Tod. Wenn ich an die Reinkarnation glauben würde, dann würde ich erwarten, dass er irgendwo als Ameise wiedergeboren wird. So aber ...

 

Ich glaube auch nicht wirklich an die Hölle, aber in meinem Kopf gibt es keine Vorstellung, dass ihm Gott auf die Schultern klopft. Das erste Mal habe ich das Gefühl für jemand beten zu müssen, damit sein Start ins ewige Leben gelingen kann. Er wird seiner Tochter begegnen, seiner ersten Frau, seiner Mutter, unserem Vater, meiner Mutter, seinen Großeltern, seinem Onkel ... die haben da noch einiges aufzuarbeiten.

 

Gibt es Gruppentherapie im Himmel?

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Flo77

Ehrlich gesagt weiß ich hier nicht, zu was ich Dir mehr mein Beileid wünschen soll. Zu deines Bruders Tod oder zum Tod eurer Beziehung.

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Frank

Wenn Gott der ist, für den ich ihn halte, dann wird er das im Himmel irgendwie zurecht biegen. Und sei es mit Gruppentherapie. Für den einzelnen mag das vielleicht nicht zu jeder Zeit lustig sein in, aber am Ende heilsam. Wie gesagt: Wenn er der ist, für den ich ihn halte, dann biegt er das irgendwie hin. 

 

Aber was ist mit denen die auf der Erde zurück bleiben? Vielleicht hilft da nur beten. 

Vater, ich weiss daß du Dinge in Ordnung bringen kannst. Das du Wunden heilen lassen kannst. Und das kannst du im Himmel wie auf Erden,auch das weiß ich. Hilf das heilen kann was wund ist! Hilf Lücken zu schließen! Hilf gerade zu biegen was krumm ist. Sei du der in Ordnung bringende Gott. 

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nannyogg57

Danke, Frank.

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nannyogg57
vor 15 Minuten schrieb Flo77:

Ehrlich gesagt weiß ich hier nicht, zu was ich Dir mehr mein Beileid wünschen soll. Zu deines Bruders Tod oder zum Tod eurer Beziehung.

Es gab ernsthafte Gründe, die ich vertreten kann und wegen denen ich mir keinen Kopf mache. Aber ich habe noch nie so bewusst den Tod eines mir Nahestehenden reflektiert, der so viele Baustellen in seinem Leben hinterlassen hat.

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Long John Silver
vor 6 Stunden schrieb nannyogg57:

Es passt hier nicht ganz hin, aber ich will da jetzt keinen eigenen Thread dazu aufmachen. Am Montag ist mein Bruder verstorben. Es gibt ernsthafte Gründe, warum der Kontakt zwischen ihm und mir zum Erliegen kam. Einer war, dass er seinen Lebensmittelpunkt in Südostasien hatte, aber in Deutschland war, wenn er arbeitete. Das war aber nicht der eigentliche Grund und ich bin auch nicht die Einzige in der Familie, die praktisch keinen Kontakt mehr mit ihm hatte. Wie gesagt, es gab ernsthafte Gründe.

 

Ich trauere demnach nicht, es gibt andere Leute, seine Familie in Südostasien, z.B., zu der der Kontakt natürlich auch nicht besteht und die jetzt vermutlich in ziemlichen Schwierigkeiten steckt. Weihnachten feiern und zu wissen, dass dort jetzt große Trauer herrscht ...

 

Mein Bruder war religiös in dem Sinne, dass er sich ständig mit solchen Sachen beschäftigte. Er konnte zwischen "ernsthafter" Religiösität und Scharlatanerie aber nicht unterscheiden, gelegentlich war er in diesem Punkt Täter, gelegentlich Opfer. Seine seltsamen Ideen, die er überall und ohne großes kritisches Denken aufnahm, waren für mich als Theologin immer recht abenteuerlich anzuhören. Er hatte immer irgendwoher besonders spektakuläre Informationen, Theorien oder Offenbarungen, die anderen Leuten verborgen waren, und natürlich wechselte er zur buddhistischen Weltanschauung, aber immer ging er den leichten Weg. Ethik nahm er nur an, wenn es ihm in den Kram passte. Es gab ernsthafte Gründe.

 

Ein Machertyp, der mit praktisch jedem seiner Projekte auf die Schnauze fiel und dann mit erstaunlichem Eifer den Verlust wieder ausbügelte um bald drauf wieder mit der nächsten Sache zu scheitern.

 

Die Welt meines Bruders hatte mit der Realität wenig zu tun. Warum das so ist, das dürfte in seiner Kindheit zu Grunde gelegt worden sein. Im Ignorieren negativer Tatbestände war er groß. Er wollte alles sein, nur nicht er selbst.

 

Wenn man zwei große Schwestern hat, dann ist so ein großer Bruder theoretisch eine tolle Sache. Aber das, was man sich als jüngere Schwester von einem großen Bruder erwartet, das war er eben nie. Und dann kam der Tag, an dem ich ihm telefonisch mitteilen musste, dass eine seiner Töchter gestorben ist. Warum sie vor ihrem 30. Lebensjahr starb, das hatte ganz viel mit seiner Verantwortungslosigkeit zu tun. Das war unser letzter direkter Kontakt. Ich trauerte um meine Nichte und, wie ich erfuhr, war auch er betroffen.

 

Bei seinen Aktionen ließ er einfach auch Baustellen im familiären Bereich zurück: Kinder aus früheren Ehen z.B., aber das war nicht alles, wie gesagt, da war noch mehr.

 

Ich glaube an ein Leben nach dem Tod. Wenn ich an die Reinkarnation glauben würde, dann würde ich erwarten, dass er irgendwo als Ameise wiedergeboren wird. So aber ...

 

Ich glaube auch nicht wirklich an die Hölle, aber in meinem Kopf gibt es keine Vorstellung, dass ihm Gott auf die Schultern klopft. Das erste Mal habe ich das Gefühl für jemand beten zu müssen, damit sein Start ins ewige Leben gelingen kann. Er wird seiner Tochter begegnen, seiner ersten Frau, seiner Mutter, unserem Vater, meiner Mutter, seinen Großeltern, seinem Onkel ... die haben da noch einiges aufzuarbeiten.

 

Gibt es Gruppentherapie im Himmel?

 

Nein.

Zu meiner Vorstellung gehoert das nicht. 

 

Ich hoffe auch, dass ich keine Leute dort treffe, mit denen ich in irgendeiner Weise "ein Huehnchen" zu rupfen habe und dass es keine "Aufarbeitung" irdischer Dinge dort gibt und dass ich nicht zur Versoehnung mit irgendwem verpflichtet werde. Ich halte diese Vorstellung des Friede- Freude-Eier-Kuchen- Feeling in der Ewigkeit fuer eine ziemlich abstossende. 

 

Gott wird es richten mit dem ewigen Leben fuer die anderen,  braucht er dazu ander nicht als Handlanger.  

 

Natuerlich heisst das nicht, dass man nicht fuer jemanden beten koennte/sollte fuer den Eintritt in das ewige Leben. Das ist ja nie eine falsche Haltung. Bloss um solche Dinge wie was er dort  "aufarbeiten" sollte/muesste/wird oder auch nicht, solltest du dir keinen Kopf machen. 

 

Ewigkeit ist Ewigkeit und irdisches Leben ist irdisches Leben. 

 

Und wie gesagt- fuer mich ist es eine Form von Gnade, wenn bestimmte Dinge da nicht mit hinueber geschleift werden. Ich halte nichts von Versoehnungen, die in der Ewigkeit stattfinden. Wenn die Dinge hier nicht geklaert werden im irdischen Sinn, dann sind sie halt so. 

 

Dein Bruder hat sein Leben so gelebt, wie er es lebte,  er allein muss dafuer grade stehen, und wenn es ein Huehnchen gibt, das Gott mit ihm rupfen koennte (selbst das koennen wir nicht genau wissen), dann haben seine Verwandten damit nichts zu tun, dann ist das allein eine Sache zwischen ihm und Gott. Gruppentherapie - sicher nicht.  Ich denke, wir Menschen neigen einfach dazu, die Dinge auf unsere Weise endgueltig klaeren zu wollen, vereinbaren zu wollen , gerade biegen zu wollen, einzuebnen, irgendwie miteinander zu versoehnen. 

 

Ich antworte dir,  weil ich einen Todesfall in der Familie hatte (vor jetzt fast zwei Jahren), hinter dem eine voellig kaputte, wirre, wirklich grausliche "Beziehung" stand, die mich stets schrecklich belastete (oder eher "nicht-Beziehung"), was  mich dann voellig ratlos zurueck liess, auch ob meiner eigenen Rolle in diesem Spiel. Und nein, ich moechte nicht in Ewigkeit damit konfrontiert werden. Es ist vorbei, und gut ist. Der Rest gehoert Gott Ich moechte nur meinen Frieden und nicht fuer irgendwas veranwortlich gemacht werden. Und auf keinen Fall irgendeine Verantwortung in der Ewigkeit haben. Das klingt fuer mich eher nach Hoelle als nach Himmel. 

 

 

 

 

 

 

 

 

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gouvernante
vor 12 Stunden schrieb Flo77:

Zu deines Bruders Tod oder zum Tod eurer Beziehung.

Für mich liest es sich so, als begönne die Beziehung jetzt erst.

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Moriz
vor 19 Stunden schrieb Frank:

Wenn Gott der ist, für den ich ihn halte, dann wird er das im Himmel irgendwie zurecht biegen. Und sei es mit Gruppentherapie. Für den einzelnen mag das vielleicht nicht zu jeder Zeit lustig sein in, aber am Ende heilsam. Wie gesagt: Wenn er der ist, für den ich ihn halte, dann biegt er das irgendwie hin. 

Ja. Das nennt man klassischer Weise Fegefeuer.

 

Und das ist für mich eine beruhigende Vorstellung. Was auch immer hier auf Erden kaputt geblieben ist, im Himmel gibt es noch eine Chance zur 'Aufarbeitung' und Versöhnung. Nicht 'Friede Freude Eierkuchen' sondern tiefe, echte Versöhnung.

Nur so kann es auch einen Himmel für seine Eltern geben. Sie wissen ihren (vielleicht trotz allem) geliebten Sohn 'vor dem Tor' und können auf ihn warten, sie müssen ihn nicht bis in alle Ewigkeit vermissen.

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nannyogg57

Zwei verlockende Gedanken: Das Fegefeuer als Therapie, das hat was. Dann natürlich der Gedanke, dass alle diese Probleme irdischer Natur sind und dass für die Ewigkeit wohl andere Gesetze herrschen, dass alles, was wir in konkreten Szenarien uns vorstellen eben nur Projektionen sind.

 

Heute war großes Familienweihnachten und es fand sich ein Ort, über den Tod des Bruders zu sprechen ohne dass die gesamte Veranstaltung unter diesem Thema stand. Austausch über das, was von der Familie in Südostasien bekannt ist, gute und schlechte Erinnerungen über den Verstorbenen wurden ausgetauscht. Und natürlich, es wäre ja nicht mein Bruder, noch ein oder zwei Katastrophen jüngster Art aus dem Paralleluniversum, in dem er lebte.

 

Beziehung zu meinem Bruder zu pflegen war nur ratsam demjenigen, der sich knallhart gegen ihn und seine Ideen und Geschichten abgrenzen konnte. Meine studierte Nichte, irgendetwas Psychologisches führt sie im Titel, meinte, er wäre Narzisst gewesen.

 

Die Beziehung beginnt nicht, sie war stillgelegt. Nun muss sie sich abschließen und die Erinnerung an ihn muss einen Ort finden, der ehrlich ist, der nicht glorifiziert, der den Verlust definiert, der plötzlich trotz allem spürbar ist. 

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Wunibald
vor 20 Minuten schrieb nannyogg57:

Die Beziehung beginnt nicht, sie war stillgelegt. Nun muss sie sich abschließen und die Erinnerung an ihn muss einen Ort finden, der ehrlich ist, der nicht glorifiziert, der den Verlust definiert, der plötzlich trotz allem spürbar ist. 

 

Ich wünsche dir, dass es so in Erfüllung geht. Kopf und :daumenhoch: hoch!

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Long John Silver
vor 11 Stunden schrieb Moriz:

 

 

Und das ist für mich eine beruhigende Vorstellung. Was auch immer hier auf Erden kaputt geblieben ist, im Himmel gibt es noch eine Chance zur 'Aufarbeitung' und Versöhnung. Nicht 'Friede Freude Eierkuchen' sondern tiefe, echte Versöhnung.

 

 

Da wuerde ich in bestimmten Faellen keinerlei Wert legen. Wie gesagt, ich moechte im Jenseits nicht "versoehnt" werden mt bestimmten Dingen oder Menschen, ich hoffe einfach, dass das kein Thema mehr ist und die Ewigkeit gross und herrlich genug, dass wir uns weitraeumig aus dem Weg gehen koennen und endlich frieden voreinander haben. (Ich meine das nicht in Bezug auf NannyOgg, sondern auf meine eigene Situation).

 

Ich glaube, dass Gott gnaedig genug ist, in Ewigkeit um bestimmte Verstrickungen zu loesen, die unheilvoll waren und zwar so, dass ich damit nichts zu tun habe. Ich hoffe nur, da kommt nicht bestimmte Leute um eine wolke um die Ecke und labern mich an, sie wollten sich mit mir versoehnen oder irgendwas wieder gut machen oder allgemein etwas aufarbeiten. Das muessen sie mit sich selbst ausmachen. 

 

@NannyOgg: das ist alles noch sehr frisch bei dir/euch. Das wird dauern. Letzlich bleiben wir mit dem Wirrwarr, den andere hinterlassen, immer allein zurueck und muessen ihn ausbaden/loesen, um so mehr, je schwieriger das Verhaeltnis war. Wir loesen es aber einzig fuer uns, nicht fuer den anderen. Der ist gut aufgehoben, dort wo er ist. Aber wir hier haben diese Last zu tragen. Das was haette sein koennen, wenn (der andere anders gewesen waere), das was wir uns gewuenscht haetten, das was niemals eintrat, alles das muss in Balance gebracht werden mit dem, was wirklich war. Nicht der andere dort oben muss Erloesung finden (das wird Gott regeln), sondern wir hier unten. 

 

 

 

 

Edited by Long John Silver

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Flo77

Also zum einen habe ich heute die Ofrenda abgebaut. Bis auf die großen Calaveritas und das Tischtuch (und die Grablichter, aber die brauche ich eh immer mal wieder) bekomme ich die Accessoires tatsächlich in der Minikommode, die ich als Altaraufbau gekauft hatte, unter und das Kruzifix steht wieder auf seinem Platz im Schlafzimmer.

Die Photos allerdings sind wieder "ent-rahmt", die Rahmen gesondert verpackt und die Bilder wieder im Ordner.

Der Tisch sieht jetzt ziemlich kahl aus, zumal der Christbaum heute auch gefallen ist. Das Kommödchen muss noch beschriftet werden und dann wandert auch dieses Kleinmöbel bis zum nächsten Jahr in den Keller.

 

Zum anderen suche ich nach Suchbegriffen für eine Bildersuche. An unseren beiden Stammkirchen stehen noch Grabsteine aus verschiedenen Epochen unter anderem welche aus der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts. Es handelt sich um ca. 60-70 cm hohe Kreuze, mit im Verhältnis recht breiten Balken, bei denen die Ecken ähnlich den Keltenkreuzen mit Viertelkreisen (allerdings geschlossene Flächen) versehen sind. Der Kreuzungspunkt ist dabei NICHT der Kreismittelpunkt! Der Kreis ist quasi erst geviertelt worden und dann die Kreuzbalken dazwischen geschoben.So erscheint es zumindest, wie gesagt es sind massive Steinplatten. Hat jemand eine Idee, wie sich diese Kreuz-/Steinform nennen könnte?

Edited by Flo77

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gouvernante

Es gibt Scheibenkreuze, aber da enden die Kreuzbalken idR innerhalb der Scheibe oder gehen genau bis zum Rand.

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Ennasus

Auf dieser Seite sind viele Kreuzformen - da gibt es auch ein Foto eines Keltenkreuzes, das evt. zu deiner Beschreibung passen könnte.
(Ich kenne keltische Kreuze sowieso eher so wie auf dem Foto.)

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