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nannyogg57

Ist Spicken Betrug oder nur problemlösendes Denken?

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nannyogg57

Als Lehrerin habe ich damit zu tun: Schüler und Schülerinnen neigen bei Probearbeiten dazu, mit sogenannten unerlaubten Hilfsmitteln Unterschleif zu begehen - so die offizielle Formulierung.

 

Natürlich unterbinde ich das Spicken so weit ich das vermag. Das gehört zu meinen Aufgaben.

 

Konkret gestalte ich die Prüfungssituation so, dass die Schüler*innen, die spicken wollen, vor einem Problem stehen.

 

Wenn sie es dann doch schaffen und ich es vielleicht nur im Nachhinein feststelle, dann akzeptiere ich das ohne mit der Wimper zu zucken. Natürlich verbessere ich meine Maßnahmen in der Zukunft.

 

Nun ist es so, dass der neue Lehrplan bei uns problemlösende Kompetenz fördern soll. Im Endeffekt muss man dann doch feststellen, dass Schüler*innen, die spicken, sehr wohl problemlösende Kompetenz haben.

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Magdalene

Sicher ist es Betrug, denn man täuscht den Lehrer über die eigenen Fähigkeiten. Die Noten sollen die fachliche Kompetenz bewerten; nicht die allgemeine Problemlösungskompetenz.

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rince

Einer meiner Lehrer vertrat folgenden Standpunkt: das sorgfältige vorbereiten von guten Spickzetteln ist nichts Anderes, als sich intensiv mit der Thematik zu beschäftigen. Also genau das, was von Schülern erwartet wird ;)

Edited by rince

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rince

Und im Berufsalltag gilt eh: Man muss nicht alles wissen, man muss wissen, wo es steht.

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Werner001

Jeder Betrug ist problemlösendes Denken. Welche Art der Problemlösung akzeptiert wird und welche als Betrug gilt, ist gesellschaftliche Konvention, die auch Änderungen unterworfen ist

 

Werner

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Frank

Wir hatten eine Lehrerin die empfahl uns dringend Spickzettel zu schreiben, da man dabei den benötigten Stoff komprimieren und strukturieren muss und so am effektivsten dabei lerne...

... gleichzeitig riet sie dringend davon ab die Spickzettel auch zu benutzen.

Hab ich nie verstanden. Wozu dann die ganze Arbeit?

 

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Werner001

Ich hab nie Spickzettel benutzt.

Das, was ich auf meine Spickzettel geschrieben habe, hatte ich anschließend im Kopf, das was ich nicht im Kopf hatte und auf dem Spickzettel hätte nachlesen wollen, stand nicht drauf

 

Werner

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nannyogg57

Stimmt. Betrug ist problemlösendes Denken.

 

Aber ab wann ist Betrug kriminell?

 

Im Bereich der Schule sehe ich es als Aufgabe der Lehrerschaft an, Chancengleichheit bei Probearbeiten zu sichern.

 

Spicken ist was anderes als Falschgeld drucken oder eine Oma um ihr Erspartes bringen.

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Moriz

Wehret den Anfängern!

 

Ob spicken erlaubt ist oder nicht entscheidest DU!

 

Ebenso wie Du entscheidest, ob Du lösungsorientiertes Handeln oder nur Wissensreproduktion abfragen willst.

 

Mein Vorschlag: Erlaube Spickzettel und stell die Fragen so, daß die Schüler den Stoff verstanden haben müssen.

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Long John Silver

Ich hatte vor Jahren das Problem, dass ich zwei Studenten melden musste, die ich beim Schummeln in einer Abschluss-Klausur gesehen habe. Ich hatte nicht die Wahl, es ihnen durchgehen zu lassen (falls ich das  gewollt haette),  weil andere Studenten gesehen hatten, dass ich es gesehen hatte. 

 

Also, Unterlagen abgeben, Abgang aus dem Raum, Auszeit vom Unterricht,  Konferenz. Letzlich ging es fuer beider noch glimpflich aus,  sie flogen wenigstens nicht von der Schule. 

 

 

 

Edited by Long John Silver

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nannyogg57

Ja. Wenn ich jemand erwische, dann wäre er oder sie fällig. Deshalb setze ich auf präventive Maßnahmen. Und natürlich wird beim Blick zum Nachbarn oder der Nachbarin erst mal ermahnt, eventuell noch mal umgesetzt. Speziell im Blick darauf, dass ich mit Grundschülern zu tun habe. Spicker und Heft unter der Bank sind eine andere Kategorie und rechtlich sind mir die Hände gebunden.

 

Andererseits: Es gibt Schülerinnen und Schüler, die schreiben Spicker, aber die Benutzung hat eigentlich keinen Einfluss auf die Note. Die sind psychisch davon abhängig, einen Spicker zu haben. Eine Schulfreundin war so drauf.

 

Und dann gibt es die Geschichte von der Klassenkameradin, der sie ihren Spicker gab. Latein. Die Klassenkameraden schaffte mit Müh und Not das Latinum. Sie studierte Theologie, lernte Hebräisch und Altgriechisch, machte ihren Doktor und übersetzt heute mittelalterliche Texte vom Lateinischen ins Deutsche.

Edited by nannyogg57

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Werner001
1 hour ago, Long John Silver said:

Letzlich ging es fuer beider noch glimpflich aus,  sie flogen wenigstens nicht von der Schule. 

Ach du liebe Zeit, wegen Spicken kann man bei euch fliegen? 

Was macht man dann bei wirklich schlimmen Sachen?

 

Werner

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Frank
vor 45 Minuten schrieb Werner001:
vor 1 Stunde schrieb Long John Silver:

Letzlich ging es fuer beider noch glimpflich aus,  sie flogen wenigstens nicht von der Schule. 

Ach du liebe Zeit, wegen Spicken kann man bei euch fliegen? 

Was macht man dann bei wirklich schlimmen Sachen? 

Ja was denkst denn du warum die Lehrer bewaffnet werden sollen?

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Long John Silver

Das war eine Klausur in der Abschlusspruefung. 

 

An der Uni kann man wegen Schummeln exmatrikuliert werden. 

 

In der Abschlusspruefung sitzen junge Leute, die alt genug sind, zu wissen, was ihnen blueht, wenn sie schummeln. Ich weiss nicht, wie es bei euch beim Abitur ist, aber ich denke mal, das wird auch nicht gerade einen roten Teppich geben, wenn da jemand betruegt. 

 

Schummeln fuehrt dazu, dass die Klausur als nicht geschrieben angesehen wird. Sie kann auch nicht wiederholt werden. Da es die Abschluss pruefung ist  die regulaere Schulzeit so gut wie vorbei. Da geht es dann um kulanz der Schule, ob jemand noch mal eine Runde wiederholen darf oder nicht. Und dabei kommt es dann auch auf die allgemeine Bewertung der betreffenden Studenten an, ihr "Vorleben" sozusagen :-)). In dem Sinn fliegen sie eigentlich nicht vor der Schule, sie kicken sich selbst raus, wenn sie nicht das Glueck haben, dass man Gnade vor Recht ergehen laesst.  Und das liegt beim Ermessen der Schule. 

 

 

Edited by Long John Silver

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Long John Silver
vor 3 Minuten schrieb Frank:

Ja was denkst denn du warum die Lehrer bewaffnet werden sollen?

 

Das ist eigentlich unter deinem Niveau.

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Frank
vor 23 Minuten schrieb Long John Silver:
vor 27 Minuten schrieb Frank:

Ja was denkst denn du warum die Lehrer bewaffnet werden sollen?

 

Das ist eigentlich unter deinem Niveau.

Das war als Witz gedacht.

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nannyogg57

Wenn man erwischt wird, dann wird die Arbeit mit 6 bewertet. Das ist die Regel. Das gilt immer und hat dann die Konsequenz, die eben eine 6 in der jeweiligen Situation hat.

 

Es gilt aber nicht als unmoralisch zu spicken. Da muss man als Lehrer in Deutschland einfach drüberstehen. Natürlich haben mich die oberen Klassen vor ein paar Jahren drangekriegt und das Handy benutzt. Die Erkenntnis, so dumm gewesen zu sein und das übersehen zu haben, war bitter. Aber man lebt und lernt.

 

Dahinter steht die Erfahrung, dass der Einfluss von Spicken auf die Note überbewertet wird.

 

Wer spickt, der bemüht sich ja auch irgendwie. Entweder er geht technisch in Vorleistung oder er verfügt situativ über soziale Kompetenzen.

 

Vor ein paar Jahren gelang es tatsächlich einem Schüler, wie auch immer während der Probe seinen Platz zu verlassen und zu einem anderen Schüler zu gehen ohne dass ich es sah (Es wurde mir nach der Probe mitgeteilt). Leider nützte er diese Fähigkeit um bei einem anderen zu spicken, der noch schlechter war als er. Was soll ich mich da groß aufregen?

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Werner001

Und dann gibt es noch die Leute, die schlicht und einfach zu dumm sind.

da ließ sich ein Schüler die Lateinübersetzung von seinem Platznachbarn diktieren, und ist dann aufgeflogen, weil sein Text ungefähr so aussah:

Gallia est omnis divisa hostes in partes tres, quarum unam hastes incolunt Belgae, hostes Belgae aliam Aquitani, hastes tertiam qui ipsorum hastes ipsorum lingua Celtae hastes, nostra Galli appellantur hostes.

 

Werner

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Higgs Boson

Ich hatte ein der Schulzeit einige Jahre ein sogenanntes Milwaukee-Korsett. Damit konnte ich nicht an einem normalen Tisch arbeiten, hatte also einen Spezialtisch. Lateinschulaufgabe, vom Klassenzimmer in den Mehrzweckraum verlegt - mein Tisch musste mit und stand dann ganz hinten hinter der letzten Reihe.

 

Was der Mehrzweckraum verhindern sollte war das Spicken. Weil nichts wollte der Lehrer weniger, als jemanden beim Spicken erwischen. Da hätte er böse eingreifen müssen und das wollte er nicht.

 

Vor mir gingen trotzdem die Spickzettel munter durch die Reihen, sehr zur Verzweiflung des Lehrers.

 

Irgendwann wurde er wütend und brüllte die Klasse an, dass das ja wohl mehr als unfair sei, dass die Zettel nicht wenigstens bei mir landen würden, mein Tisch war unerreichbar.

 

Dann kam er zu mir und versuchte mir zu helfen.

 

 

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Frank
vor 18 Minuten schrieb nannyogg57:

Leider nützte er diese Fähigkeit um bei einem anderen zu spicken, der noch schlechter war als er.

Das hat denn mit Betrug nichts mehr zu tun. So etwas ist nicht (im weitesten Sinne) kriminell, das ist auch nicht unmoralisch, das ist einfach nur dämlich.

 

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nannyogg57

@Higgs Boson: Natürlich wollen Lehrkräfte bei Proben ihre Ruhe. Warum auch nicht?

 

Ich verändere immer die Sitzordnung, setze so weit auseinander, wie es geht, verwende die Trennwände, die es inzwischen gibt, und nehme die Hefte ab. In oberen Klassen würde das auch für Handys gelten. 

 

Und dann, wenn trotzdem offensiv gespickt würde, dann müsste ich tun, was die Schulordnung verlangt: Blatt abnehmen und 6.

 

Ich erwarte von meinen Schülern und Schülerinnen, dass sie, wenn sie spicken, cleverer sind als ich.

 

Es ist meine Aufgabe, dass die Prüfung fair und nach den Regeln abläuft. Es ist nicht Aufgabe der Schülerschaft.

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Frank
vor 8 Minuten schrieb nannyogg57:

Ich erwarte von meinen Schülern und Schülerinnen, dass sie, wenn sie spicken, cleverer sind als ich.

Das ist das mindeste was man erwarten kann. Wenigstens beim bescheissen sollen sich die Schüler anstrengen.

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mn1217
vor 11 Stunden schrieb rince:

Einer meiner Lehrer vertrat folgenden Standpunkt: das sorgfältige vorbereiten von guten Spickzetteln ist nichts Anderes, als sich intensiv mit der Thematik zu beschäftigen. Also genau das, was von Schülern erwartet wird ;)

Das haben unsere Lehrer auch gesagt, aber benutzen sollte man sie in der Prüfung nicht.

Problemlösungskompetenz heißt für mich auch nicht betrügen.

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mn1217
vor 11 Stunden schrieb Frank:

Wir hatten eine Lehrerin die empfahl uns dringend Spickzettel zu schreiben, da man dabei den benötigten Stoff komprimieren und strukturieren muss und so am effektivsten dabei lerne...

... gleichzeitig riet sie dringend davon ab die Spickzettel auch zu benutzen.

Hab ich nie verstanden. Wozu dann die ganze Arbeit?

 

Weil man es für sich damit komprimiert. Ich habe wirklich so gelernt, dass ich mir den Stoff immer mehr komprimiert habe, 3 Jahre Sozi LK passten nachher auf ein DIN A 4 Blatt(hinten und vorne beschrieben). Das habe ich in der Prüfung nicht gebraucht, es war im Kopf.

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Werner001
7 minutes ago, mn1217 said:

Problemlösungskompetenz heißt für mich auch nicht betrügen.

Das wurde in meiner Jugend als deutsche Tugend verkauft. Heute habe ich nicht mehr den Eindruck.

 

Werner

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