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Wer spricht hier eine Mundart?


Rotgold
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Vorausschicken möchte ich, dass ich selber mit badischem Alemannisch aufgewachsen bin.

Standarddeutsch war meine erste   Fremdprache.

 

Ein Kennzeichen meiner Sprache  ist der "Zischdi" für den Dienstag. Etwas weiter südlich als "Zischdig" gesprochen.

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Quark mit Kartoffeln = Bibbeleskäs mit Grumbiere - wer kennt das?

 

Heute war ich im Elsass essen.
Als Vorspeise gab es Bibbeleskäs mit Grumbiere.

Die Kellnerinnen sprachen sowohl deutsch wie auch französisch.

Und auch im Französischen gebrauchten sie das Wort Bibbeleskäs.
Es war lustig, wie ich ständig um mich herum auch im französischen Redefluss immer wieder das Wort "Bibbeleskäs" heraus hören konnte.

 

Ich mache das mal vor:

Allons enfants de la Patrie Bibbeleskäs Le jour de gloire est arrivé Bibbeleskäs Contre nous de la tyrannie Bibbeleskäs L’étendard sanglant est levé Bibbeleskäs Entendez-vous dans les campagnes Bibbeleskäs Mugir ces féroces soldats Bibbeleskäs Ils viennent jusque dans vos bras Bibbeleskäs Égorger vos fils, vos compagnes Bibbeleskäs!

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Habe von meinen Großeltern ein wenig Danziger Plattdeutsch mitbekommen. Da Danzig nicht mehr zu Deutschland gehört, wird das lokal dort nicht mehr gesprochen. Aufgrund der Geschichte der Mennoniten, die sich auf Einladung Katharina der Großen von Preußen in der Ukraine angesiedelt haben, hat sich die Sprache jedoch unter den Nachfahren der Russlandmennoniten erhalten.

Plautdietsch

Es gibt sogar eine Bibelübersetzung auf Plautdietsch. Und in Manitoba (einer kanadischen Provinz) gibt es so viele Mennoniten, dass Plautdietsch als Prüfungssprache in der High School zugelassen ist.

Das Vaterunser auf Plautdietsch lautet:

Zitat

Ons Voda em Himmel!
Dien Nome saul heilich jehoole woare.
Lot dien Ritj kome;
lot dien Welle opp Ieed jrod soo
jedone woare aus em Himmel.
Jeff ons daut Broot, daut wie vondoag brucke.
Vejeff ons onse Schult,
soo aus wie dee vejewe, dee sich aun ons veschuljcht habe.
Brinj ons nich en Vesieetjunk,
oba bewoa ons von dem Beese.
Wiels die jehiet daut Ritj
en dee Krauft en dee Harlichtjeit
opp emma en emma.

 

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Mit einer Mundart kann ich leider nicht dienen. Aber Plattdeutsch verstehe ich leidlich, was ja eine eigene Sprache ist. Unter den diversen Bibelübersetzungen bei mir im Regal steht auch ein Neues Testament "für plattdütsch Lüd in ehr Muddersprak oeverdragen". Da klingt der Anfang der Bergpredigt dann so: "As hei nu all dei Lüd seg, dunn steg hei up 'n Barg un güng dor sitten, un sin Jüngers stellten sick gegen en hen. Un hei füng an tau reden un lihrt' ehr un säd: Selig sünd, dei nich hoch von sick hollen, denn ehr hürt dat Himmelrik. Selig sünd, dei Leed drägen, denn ehr ward Trost warden. Selig sünd dei Sachtmäudigen, denn sei sallen dei Welt besitten ... "

 

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@ Alfons: Und ich dachte immer, es sei eine deutsche Mundart. Man lernt nie aus. Der Dialekt bei deinem Plattdeutsch ist zwar ein wenig anders. Aber hey. ich versteh ihn 😀

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vor 15 Minuten schrieb duesi:

@ Alfons: Und ich dachte immer, es sei eine deutsche Mundart. Man lernt nie aus. Der Dialekt bei deinem Plattdeutsch ist zwar ein wenig anders. Aber hey. ich versteh ihn 😀

 

Was eine Mundart und was eine Sprache ist, darüber streiten sich die Gelehrten.

Die Grenzen sind da fließend.

 

Ein geistreicher Mensch hat einmal geschrieben: "Eine Sprache ist eine Mundart mit einer Armee dahinter!" :)

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Ich poste hier mal die Wochentage in meinem heimischen Alemannisch:

 

Määändi

Zischdi

Mittwoch

Duuurschdi

Friddi

Sommschdi

Sunndi

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😃

Ja, da könnte was dran sein. Bestes Beispiel ist wohl Jugoslawien. Aus serbokroatisch oder kroatoserbisch wurde kroatisch und serbisch. Wobei man da ja noch argumentieren könnte, dass die Kroaten ja von den Lateinern die lateinische Schrift bekommen hätten und die Serben von den Orthodoxen die kyrillische Schrift bekommen haben. Zumindest ist die Sprachverwandtschaft so groß, dass man sich untereinander versteht.

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Serbokroatisch war in beiden Ländern identisch. Eine Freundin von mir, in Bosnien aufgewachsen, hatte eine Woche mit lateinischer Schrift, die nächste mit kyrillischer Schrift zu schreiben.

 

Da viele Sprachen keine Armeen dahinter haben (Baskisch, Katalanisch, Sorbisch, um nur wenige zu nennen), paßt diese Einteilung nicht ganz. Ich denke, ab einem gewissen Prozentsatz eigenen Vokabulars und vor allem auch eigener Grammatik wird eine Sprache selbständig gezählt.

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Plattdeutsch, offiziell Niederdeutsch, ist seit 1999 in Deutschland als eigene Sprache geschützt und wird in Schleswig-Holstein als Amtssprache angesehen. Was unter anderem bedeutet, dass Behörden auf plattdeutsche Anträge reagieren müssen und auch in Niederdeutsch antworten können. In mehreren Bundesländern ist Niederdeutsch Wahlpflichtfach in Schulen. Dier Zahl der aktiven Sprecher geht allerdings zurück, sie soll unter fünf Millionen liegen.

Plautdietsch gehört übrigens offiziell zum Niederdeutschen, habe ich gerade gelesen.

 

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Wobei das anerkannte Plattdeutsche etwas anderes ist, als das, was im Münsterland, südlich und westlich davon als "Platt" bezeichnet wird.

 

Als Kind muss ich noch ein ziemliches Platt gesprochen haben ("Platt" im Sinne von ripuarisch-niederfränkischer Mundart südlich der Benrather Linie).

 

In meiner Duisburger Grundschule wurde mir das allerdings ziemlich ausgetrieben - wobei ich vom dortigen Zungenschlag weitgehend verschont geblieben bin. Ich verstehe Ruhrdeutsch, aber ich kann es nicht sprechen.

 

Danach sind wir noch weiter in das Gebiet nördlich der Benrather Linie gezogen - aus dieser Zeit habe ich noch einige Eigenheiten lange Zeit beibehalten (z.B. ik statt isch).

 

Leider bin ich Dialektmäßig in gewisser Weise Chamäleon - so finden sich in meinem heutigen Wortschatz immer noch einzelne Ausdrücke in Fürther Fränkisch. Meine Frau konnte z.B. nie nachvollziehen, wie ich mir "Allmächd" angewöhnen konnte. Seitdem kaufe ich allerdings auch eher Lauch als Porree obwohl ich mit letzterem aufgewachsen bin.

 

Mittlerweile befleißige ich mich wieder eines klassischen Kölschs, was allerdings aufgrund meines sehr stark vom Öcher Platt beeinflussten Mutterdialekts und den erwähnten Nord-Niederrheinischen Einflüssen nie so ganz sauber ist.

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vor 31 Minuten schrieb Flo77:

Mittlerweile befleißige ich mich wieder eines klassischen Kölschs, was allerdings aufgrund meines sehr stark vom Öcher Platt beeinflussten Mutterdialekts und den erwähnten Nord-Niederrheinischen Einflüssen nie so ganz sauber ist.

 

Treffen sich drei Hunde aus dem Rheinland. Sagt der Düsseldorfer Hund: "Wau!" Sagt der Kölner Hund: "Wau! wau!" Sagt der Aachener Hund: "Wau, wau. Wa?"
 

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Platt, zumindest Münsterländer Platt, kann man eigentlich nicht als Zweitsprache sprechen. Entweder spricht man das als Muttersprache oder man sollte es lassen. Erlerntes Platt hört sich grauslich an.

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vor 3 Stunden schrieb duesi:

😃

Ja, da könnte was dran sein.

 

 

Da ist sicher einiges dran: "Eine Sprache ist eine Mundart mit einer Armee dahinter!"

 

Natürlich nicht ganz  wörtlich zu nehmen. Es ist ein BONMOT!

 

Wer nun Ausnahmen sucht, wird genug dazu finden.

Dennoch halte ich es für einen klugen Spruch.

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vor 3 Stunden schrieb rorro:

 

 

 

Da viele Sprachen keine Armeen dahinter haben (Baskisch, Katalanisch, Sorbisch, um nur wenige zu nennen), paßt diese Einteilung nicht ganz.

 

Ich weiß.

Aber die Richtung stimmt.

Bitte nicht bier-ernst  genau nehmen.

Es ist ein BONMOT und keine wissenschaftliche Definition.

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Wenn man so will spreche ich einen Soziolekt das sog Schönbrunner deutsch meist mit  bestimmten Freunden
wenn ich Vorträge halte oder wenn mich ein Amt  oder ähnliches sehr verärgert 
https://de.wikipedia.org/wiki/Schönbrunner_Deutsch
Als Beispiel einer der letzten  wirklichen Experten 
https://www.youtube.com/watch?v=GEIHAl01GP4

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Ich habe auch mindestens drei Sprach-Ebenen

 

A - meine alemannische Mundart

B - eine Art "Hochbadisch" - entsprechend dem sog "Honoratioren-Schwäbisch".

C - und natürlich das Standard-Deutsch, das ich hier nun als "Schriftdeutsch" schreibe.

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Einsteinchen
Gerade eben schrieb Rotgold:

Ich habe auch mindestens drei Sprach-Ebenen

 

A - meine alemannische Mundart

B - eine Art "Hochbadisch" - entsprechend dem sog "Honoratioren-Schwäbisch".

C - und natürlich das Standard-Deutsch, das ich hier nun als "Schriftdeutsch" schreibe.

Da habe ich eine Frage an dich, sofern du an Gott glaubst und betest: Betest du in Dialekt oder Hochdeutsch? Für mich persönlich käme ich mir dumm vor, zu Gott im Dialekt zu sprechen.

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vor 5 Stunden schrieb Einsteinchen:

Da habe ich eine Frage an dich, sofern du an Gott glaubst und betest: Betest du in Dialekt oder Hochdeutsch? Für mich persönlich käme ich mir dumm vor, zu Gott im Dialekt zu sprechen.

 

Kommt ganz drauf an.

Jede der drei genannten Ebenen sind möglich.

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Btw: Ich bevorzuge das Wort "Mundart".

Der Begriff "Dialekt" klingt für mich abwertend, auch wenn er nicht so gemeint sein mag.

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Einsteinchen

Stimmt. "Mundart" ist die korrektere Bezeichnung. Da meine innere Sprache oberösterreichisch ist und ich glaubte, dieses Wort ist nicht hochdeutsch, wählte ich "Dialekt"

Welche Nuancen doch die Sprache hat!

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Es hängt davon ab, ob man sich der Fachsprache der Linguisten bedient, dann spricht man von Dialekt, Soziolekt, Regiolekt, Idiolekt ...
Oder ob man sich eher alltagssprachlich ausdrücken möchte, dann benutzt man Wörter wie „Mundart“. Wobei im Norden „Mundart“ schon eher altmodisch klingt.

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In der Fachsprache ist "Dialekt" nicht abwertend gemeint.

In der Alltags-Umgangssprache aber schon.

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