Jump to content
Sign in to follow this  
Shubashi

Katholiken - Verfolger oder auch Verfolgte?

Recommended Posts

Shubashi

Meine Frau und ich sprachen heute morgen über die Hugenotten, und was sie in vers. Exilländer mitbrachten. Da ist mir die Frage hochgekommen, ob Katholiken im Zuge der Reformation auch mal Verfolgte statt Verfolger waren, spez. ob der Protestantismus in deutschen Landen ähnlich rigoros gegen den Katholizismus vorging?

Was waren da die eindrücklichsten Beispiele?

Edited by Shubashi

Share this post


Link to post
Share on other sites
Flo77

Es gab/gibt in den Niederlanden sog. Schuilkerken, d.h. nicht-calvinistische Kirchen, die in Wohnhäusern und Scheunen untergebracht waren weil diese Konfessionen nicht öffentlich in Erscheinung treten durften.

 

Ich habe noch nicht herausgefunden wie sich die Reformation in den Niederlanden in den verbleibenden Katholischen Gebieten (Limburg, Gelderland) niedergeschlagen hat.

Edited by Flo77

Share this post


Link to post
Share on other sites
Flo77

In Schweden wurde für "Katholisch sein" 1617 die Todesstrafe eingeführt (Ausländer durften...). Toleranz gibt es erst seit 1781.

Edited by Flo77

Share this post


Link to post
Share on other sites
Flo77

In Norwegen wurde die Katholische Kirche 1537 verboten.

 

Ich denke mit am markantesten sind die Konfessionskämpfe in England zwischen Heinrich VIII. ff.

Edited by Flo77

Share this post


Link to post
Share on other sites
Flo77

Russland, China und Japan haben da auch noch eigene Episoden in der Geschichte. 

Share this post


Link to post
Share on other sites
Shubashi

Danke, der englische Suprematsakt war auch mein erster Gedanke. Über die skandinavischen Länder weiss ich sehr wenig, bei Schweden passt es  zur späteren Führungsrolle im protestantischen Lager.

Share this post


Link to post
Share on other sites
Marcellinus
vor 3 Stunden schrieb Shubashi:

Meine Frau und ich sprachen heute morgen über die Hugenotten, und was sie in vers. Exilländer mitbrachten. Da ist mir die Frage hochgekommen, ob Katholiken im Zuge der Reformation auch mal Verfolgte statt Verfolger waren, spez. ob der Protestantismus in deutschen Landen ähnlich rigoros gegen den Katholizismus vorging?

Was waren da die eindrücklichsten Beispiele?

 

Gab es da nicht auch etwas bei den nach Amerika ausgewanderten Protestanten, die, wie es in einer Dokumentation über das Christentum (ich meine, sie lief vor vielen Jahren auf Arte) so eindrücklich hieß, nicht nur nach Freiheit vor religiöser Intoleranz suchten, sondern auch nach einem Ort, wo sie ihr eigenes Bedürfnis nach Intoleranz ausleben konnten.

Share this post


Link to post
Share on other sites
Shubashi

Die Hexenprozesse von Salem oder der „scharlachrote Buchstabe“ sind das bekannteste Beispiel. Katholiken (bes. aus Irland) waren später eine Zeitlang ähnlich „unbeliebt“ wie Juden oder Chinesen.

Share this post


Link to post
Share on other sites
Flo77

Katholiken in den USA waren zeitweise ja ähnlich beliebt wie Kommunisten. Über Kennedy wurde doch berichtet, daß er als nicht geeignet für das Präsidentenamt eingestuft wurde weil er Katholik war (ein Vorwurf den ich bei Kennedys Lebenswandel für etwas seltsam halte).

Share this post


Link to post
Share on other sites
Franziskaner

Im 30-jährigen Krieg  wüteteten die Schweden als Teil der protestantischen Mächte unter ihrem König Gustav Adolf in ganz Deutschland. In Hamburg gibt es noch heute eine Gustav-Adolf-Kirche.

 

Share this post


Link to post
Share on other sites
Marcellinus
vor 5 Minuten schrieb Franziskaner:

Im 30-jährigen Krieg  wüteteten die Schweden als Teil der protestantischen Mächte unter ihrem König Gustav Adolf in ganz Deutschland. In Hamburg gibt es noch heute eine Gustav-Adolf-Kirche.

 

 

Der Krieg sollte halt den Krieg ernähren, ein Prinzip, das die Protestanten nicht erfunden haben. Am Ende schenkten sich beide Konfessionen nichts. Um der Ausgewogenheit willen daher noch ein Stichwort zur kath. Seite: Magdeburgisieren.

Share this post


Link to post
Share on other sites
Franziskaner
vor einer Stunde schrieb Marcellinus:

 

Der Krieg sollte halt den Krieg ernähren, ein Prinzip, das die Protestanten nicht erfunden haben. Am Ende schenkten sich beide Konfessionen nichts. Um der Ausgewogenheit willen daher noch ein Stichwort zur kath. Seite: Magdeburgisieren.

 

Aber weder Tilly noch Wallenstein, noch Cortez oder Pizarro sind Namensgeber für katholische Kirchen ...

Share this post


Link to post
Share on other sites
Shubashi
vor 3 Minuten schrieb Franziskaner:

 

Aber weder Tilly noch Wallenstein, noch Cortez oder Pizarro sind Namensgeber für katholische Kirchen ...

 

Die Auseindersetzung um die Reformation ist ja keine rein religiöse gewesen, nicht einmal überwiegend. Es ging vor allem auch um eine Legitimation von weltlicher Macht. Frankreich, England und Deutschland stehen für drei verschiedene Wege, bei denen sich einmal eine katholische Staatsideologie, einmal eine protestantische und einmal eine geteilte durchsetzte.

Die protestantischen Kirchen verknüpften ihr Schicksal dabei weitgehend auch strukturell mit der staatlichen Macht, Könige als sind dann folgerichtig geeignete Schutzpatrone.

Share this post


Link to post
Share on other sites
Marcellinus
vor einer Stunde schrieb Franziskaner:

Aber weder Tilly noch Wallenstein, noch Cortez oder Pizarro sind Namensgeber für katholische Kirchen ...

 

Aber wie viele Dankesmessen wären ihnen wohl gelesen worden, hätten sie die reformatorische Teufelsbrut endgültig besiegt! :D

Share this post


Link to post
Share on other sites
Marcellinus
vor 49 Minuten schrieb Shubashi:

Die Auseindersetzung um die Reformation ist ja keine rein religiöse gewesen, nicht einmal überwiegend.

 

Ja, klar! Übles hat nie was mit Religion zu tun. (wo habe ich das nur vor kurzem erst noch gehört?) 

 

vor 49 Minuten schrieb Shubashi:

Es ging vor allem auch um eine Legitimation von weltlicher Macht. Frankreich, England und Deutschland stehen für drei verschiedene Wege, bei denen sich einmal eine katholische Staatsideologie, einmal eine protestantische und einmal eine geteilte durchsetzte.

Die protestantischen Kirchen verknüpften ihr Schicksal dabei weitgehend auch strukturell mit der staatlichen Macht, Könige als sind dann folgerichtig geeignete Schutzpatrone.

 

Es ging um die Wiederherstellung des kath. Glaubens als einzigem Glauben im Reich. Das war der Anlaß und das Ziel des kath. Kaisers. Er ist gescheitert.

 

Daß sich im Laufe des Krieges auch andere Mächte eingemischt haben, mit ganz anderen, oft ehet weltlichen Zielen, geschenkt!

 

Aber der Kampf zwischen den beiden Konfessionen war der Ausgangspunkt des Krieges und der Grund, warum er so verbissen geführt wurde.

 

 

Share this post


Link to post
Share on other sites
Shubashi
vor 2 Stunden schrieb Marcellinus:

 

Ja, klar! Übles hat nie was mit Religion zu tun. (wo habe ich das nur vor kurzem erst noch gehört?) 

 

 

Es ging um die Wiederherstellung des kath. Glaubens als einzigem Glauben im Reich. Das war der Anlaß und das Ziel des kath. Kaisers. Er ist gescheitert.

 

Daß sich im Laufe des Krieges auch andere Mächte eingemischt haben, mit ganz anderen, oft ehet weltlichen Zielen, geschenkt!

 

Aber der Kampf zwischen den beiden Konfessionen war der Ausgangspunkt des Krieges und der Grund, warum er so verbissen geführt wurde.

 

 

 

Das ist richtig, nur wurde es eben deshalb ein verbissener Kampf, weil die jeweilige staatliche Gewalt sich auf eine einige Kirche stützen wollte und eine geteilte Loyalität, in der die Untertanen möglicherweise einen anderen Glauben als ihre Fürsten gehabt hätten, als nicht hinnehmbar ansahen.

(Wie aber eben auch die katholische Kirche stets gegen Herrscher eines "falschen" Glaubens agitiert hätte. Dass hinter dieser Haltung nichts "christliches" steckte, zeigte das widerliche Triumpgeheul der Päpste zu den Massakern an den Hugenotten oder eben in Magdeburg.)

Edited by Shubashi

Share this post


Link to post
Share on other sites
Werner001
21 hours ago, Marcellinus said:

 

Gab es da nicht auch etwas bei den nach Amerika ausgewanderten Protestanten, die, wie es in einer Dokumentation über das Christentum (ich meine, sie lief vor vielen Jahren auf Arte) so eindrücklich hieß, nicht nur nach Freiheit vor religiöser Intoleranz suchten, sondern auch nach einem Ort, wo sie ihr eigenes Bedürfnis nach Intoleranz ausleben konnten.

Katholiken waren einzig in der Kolonie Maryland geduldet, durften aber nicht groß  öffentlich in Erscheinung treten (die Calverts, Barone von Baltimore und Patrone der Kolonie, waren katholisch (*))

 

Werner

(*) es war in England nie so wirklich verboten, katholisch zu sein, es gab aber so viele Auflagen, dass man ziemlich reich und mächtig sein musste, um sie zu erfüllen. Die Howards, die den Titel Duke of Norfolk und damit den nach dem König ranghöchsten Titel halten, sind von jeher katholisch.

Edited by Werner001
  • Like 1

Share this post


Link to post
Share on other sites
Marcellinus
vor 1 Stunde schrieb Shubashi:

Das ist richtig, nur wurde es eben deshalb ein verbissener Kampf, weil die jeweilige staatliche Gewalt sich auf eine einige Kirche stützen wollte und eine geteilte Loyalität, in der die Untertanen möglicherweise einen anderen Glauben als ich hre Fürsten gehabt hätten, als nicht hinnehmbar ansahen.

(Wie aber eben auch die katholische Kirche stets gegen Herrscher eines "falschen" Glaubens agitiert hätte. Dass hinter dieser Haltung nichts "christliches" steckte, zeigte das widerliche Triumpgeheul der Päpste zu den Massakern an den Hugenotten oder eben in Magdeburg.)

 

Nichts "christliches"? Es war das, was man damals unter "christlich" verstand! Und die Herrscher handelten so, weil es so von der Kirche von ihnen erwartet wurde. Schließlich waren die meisten sogar von Kindesbeinen von Kleriker in diesem Sinne erzogen worden. "Christlich" bedeutete die allermeiste Zeit etwas anderes als heute, und ich bezweifle, daß Ferdinand für die Haltung der heutigen kath. Kirche Verständnis gehabt hätte.

Share this post


Link to post
Share on other sites
Shubashi
vor 4 Minuten schrieb Marcellinus:

 

Nichts "christliches"? Es war das, was man damals unter "christlich" verstand! Und die Herrscher handelten so, weil es so von der Kirche von ihnen erwartet wurde. Schließlich waren die meisten sogar von Kindesbeinen von Kleriker in diesem Sinne erzogen worden. "Christlich" bedeutete die allermeiste Zeit etwas anderes als heute, und ich bezweifle, daß Ferdinand für die Haltung der heutigen kath. Kirche Verständnis gehabt hätte.

 

Sehe ich ebenso.

Share this post


Link to post
Share on other sites

Create an account or sign in to comment

You need to be a member in order to leave a comment

Create an account

Sign up for a new account in our community. It's easy!

Register a new account

Sign in

Already have an account? Sign in here.

Sign In Now
Sign in to follow this  

×