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duesi

Soziale Absicherung contra Liberalismus

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Moriz
vor 3 Stunden schrieb duesi:

Ich war früher gegen die 1-Euro-Jobs, bis ich einen jungen Mann kennen gelernt habe. Der erzählte mir, dass er sich als Sozialhilfeempfänger selbst isoliert hatte, den ganzen Tag am Fernseher saß, Drogen konsumierte und Selbstmordgedanken hatte. Ein 1-Euro-Job, wo er Gebäude unter Denkmalschutz restaurieren sollte, brachte ihn wieder unter Menschen. Er gewann wieder Lebensmut und bekam einen Job auf Mindestlohnbasis. Er versöhnte sich mit seinem Vater. Er hatte dann irgendwann eine Freundin. Und konnte mit Vater und Freundin zusammen ein Haus kaufen. Es ist meines Erachtens viel entwürdigender, einen Menschen durch vollständige Absicherung zur Selbstaufgabe zu versuchen, als einem Menschen ein Stück Verantwortung für sich selbst zuzumuten.

 

Das Problem war nie, daß bei entsprechendem Bedarf 'betreute' Arbeitsangebote sehr hilfreich sein können.

Das Problem war immer die Bezeichnung als 'Ein-Euro-Job', durch die vermittelt wurde, daß im Zweifelsfall jeder bereit sein muß, auch für nur einen Euro die Stunde zu arbeiten - auch wenn damals schon ein Mindestlohn für einen Vollzeitjob bei sieben oder acht Euro pro Stunde hätte liegen müssen. Wären sie realistisch als 'Ein-Euro-mehr-Jobs' bezeichnet worden hätten sie nicht diesen sozialen Druck aufgebaut den der' Genosse der Bosse' haben wollte.

 

Auch 'Fördern und Fordern' ist gut, wenn es wirklich zusammen geht. Leider gibt es genug Beispiele, daß das 'Fördern' gerne mal ignoriert wurde.

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duesi
vor 30 Minuten schrieb Flo77:

Aber was heißt das nun für den Sozialstaat? In seiner aktuellen Form erinnert mich unser System doch sehr an "panem et circensis", aber ich habe keine Ahnung was die Alternative wäre. BGE? Neg. Einkommensteuer? Privat organisierte Lösungen wie weyland die Zünfte? Kompletter Rückzug des Staates aus dem Thema.

Ich wäre für eine Art Sozialstaat, die nur noch fördernd, aber nicht mehr alimentierend eingreift. Eine Art Sozialstaat, bei der Menschen, die bedürftig sind, in vielfältiger Weise gefördert und aufgefangen werden, um wieder den Weg in die Eigenständigkeit zu finden. Bei der es aber keinerlei Rechtsansprüche auf Alimentierung gibt. Ein solches Sozialsystem könnte finanziell sogar noch teurer sein als das jetzige Sozialsystem. Und über die Arten der Förderung müsste immer wieder neu gesprochen und verhandelt werden. Aber es würde mit diesem Anspruchsdenken Schluss machen. Feste Ansprüche sollte es nur noch für Menschen geben, die wirklich so krank oder alt und gebrechlich sind, dass da wirklich nichts mehr geht. Wenn schon der derzeitige Wohlfahrtsstaat innerhalb von Jahrzehnten zu einer solchen Anspruchsmentalität geführt hat, die in so starkem Kontrast zu den kolumbianischen Kämpfermenschen steht, wieviel schlimmer wäre die Auswirkung eines BGEs?

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Moriz
vor 1 Minute schrieb duesi:

Ich wäre für eine Art Sozialstaat, die nur noch fördernd, aber nicht mehr alimentierend eingreift. Eine Art Sozialstaat, bei der Menschen, die bedürftig sind, in vielfältiger Weise gefördert und aufgefangen werden, um wieder den Weg in die Eigenständigkeit zu finden. Bei der es aber keinerlei Rechtsansprüche auf Alimentierung gibt. Ein solches Sozialsystem könnte finanziell sogar noch teurer sein als das jetzige Sozialsystem. Und über die Arten der Förderung müsste immer wieder neu gesprochen und verhandelt werden. Aber es würde mit diesem Anspruchsdenken Schluss machen. Feste Ansprüche sollte es nur noch für Menschen geben, die wirklich so krank oder alt und gebrechlich sind, dass da wirklich nichts mehr geht. Wenn schon der derzeitige Wohlfahrtsstaat innerhalb von Jahrzehnten zu einer solchen Anspruchsmentalität geführt hat, die in so starkem Kontrast zu den kolumbianischen Kämpfermenschen steht, wieviel schlimmer wäre die Auswirkung eines BGEs?

Willkommen im Leben! Genau das versucht unser Staat umzusetzen. Es gibt kein 'Recht auf Faulheit', wer arbeitsfähig ist, der muß sich auch um Arbeit bemühen. Das manche Familien ein Geschick vererben, den Sozialstaat auszutricksen, steht auf einem anderen Blatt.

 

Auch ein BGE muß die Kämpfernaturen nicht fesseln. Mit einem BGE als Sicherheit könnten diese Kolumbianer ihre Ideen viel schneller umsetzen, eben weil ihre Existenz gesichert wäre. Das Problem wäre eher, daß Geschäftsmodelle interessant werden könnten, die sich eben nicht 'lohnen'. Gleichzeitig wäre das aber auch eine Chance...

 

Der entscheidende Unterschied muß irgendwo anders liegen.

 

(Ein anderer, nicht zu unterschätzender Vorteil des Sozialstaates: Wer grundsätzlich versorgt ist hat viel weniger Grund, mir den Schädel einzuschlagen nur um an mein eher leeres Portemonnaie zu kommen.)

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Werner001
10 hours ago, Moriz said:

Auch 'Fördern und Fordern' ist gut, wenn es wirklich zusammen geht. Leider gibt es genug Beispiele, daß das 'Fördern' gerne mal ignoriert wurde.

Es gibt ebenso viele Beispiele, bei denen das "Fordern" ignoriert wurde.

 

Die mangelnde Konsequenz ist das Problem, in beide Richtungen.

 

Werner

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Moriz
vor 11 Stunden schrieb Moriz:

 

Das Problem war nie, daß bei entsprechendem Bedarf 'betreute' Arbeitsangebote sehr hilfreich sein können.

Das Problem war immer die Bezeichnung als 'Ein-Euro-Job', durch die vermittelt wurde, daß im Zweifelsfall jeder bereit sein muß, auch für nur einen Euro die Stunde zu arbeiten - auch wenn damals schon ein Mindestlohn für einen Vollzeitjob bei sieben oder acht Euro pro Stunde hätte liegen müssen. Wären sie realistisch als 'Ein-Euro-mehr-Jobs' bezeichnet worden hätten sie nicht diesen sozialen Druck aufgebaut den der' Genosse der Bosse' haben wollte.

 

Hier muß ich mich selbst korrigieren - da bin ich Schröders Propaganda auch auf den Leim gegangen.

Dieser 'eine Euro pro Stunde' ist eine pauschalisierte Aufwandsentschädigung. Weil man sich von Sozialhilfe z.B. nicht die täglichen Busfahrten zur Einsatzstelle leisten kann. Man kann so was einzeln abrechnen und erstatten, es kommt für den Staat (also uns alle) allerdings günstiger, wenn man die Sachbearbeiter hierfür einspart und den Mehraufwand pauschal anerkennt. Auch, wenn dann beim Empfänger der ein- oder andere Euro zusätzlich hängen bleibt.

Umso linker ist es, dies als 'Arbeitsanreiz' zu verkaufen.

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duesi
vor 11 Stunden schrieb Moriz:

Willkommen im Leben! Genau das versucht unser Staat umzusetzen. Es gibt kein 'Recht auf Faulheit', wer arbeitsfähig ist, der muß sich auch um Arbeit bemühen. Das manche Familien ein Geschick vererben, den Sozialstaat auszutricksen, steht auf einem anderen Blatt.

 

Auch ein BGE muß die Kämpfernaturen nicht fesseln. Mit einem BGE als Sicherheit könnten diese Kolumbianer ihre Ideen viel schneller umsetzen, eben weil ihre Existenz gesichert wäre. Das Problem wäre eher, daß Geschäftsmodelle interessant werden könnten, die sich eben nicht 'lohnen'. Gleichzeitig wäre das aber auch eine Chance...

 

Der entscheidende Unterschied muß irgendwo anders liegen.

 

(Ein anderer, nicht zu unterschätzender Vorteil des Sozialstaates: Wer grundsätzlich versorgt ist hat viel weniger Grund, mir den Schädel einzuschlagen nur um an mein eher leeres Portemonnaie zu kommen.)

Inwiefern dieses Ziel in unserem Land umgesetzt ist, darüber lässt sich streiten.

 

Würde man jetzt in Kolumbien BGE einführen, wäre das sicher keine Fessel für die Menschen, die Ideen und Antrieb haben. Aber halte das Mal für 30 Jahre aufrecht! Da würden sich die Menschen sehr verändern. Genau wie die Menschen sich in Deutschland nach gut 70 Jahren sozialer Marktwirtschaft sehr verändert haben.

 

Ich gehöre sicher nicht zu den Menschen, die mit BGE nichts mit sich anzufangen wüssten. Vielleicht würde ich ein Buch schreiben, das dann drei Leute lesen. Oder mit einer Band Musik machen, der 10 Leute zuhören. Liebhaberei nennt man das. Aber es würde eine wesentliche Triebfeder fehlen, um Verantwortung für mich und andere zu übernehmen und anzustreben.

 

Einzig und allein bei dem Punkt mit der Kriminalität stimme ich dir zu. Ein saturierter Mensch wird nicht aus purer Not zum Kriminellen. Höchstens aus Langeweile. Und das kommt statistisch wohl seltener vor als das erste. Aber dass unsere Wohlfahrtsgesellschaft auch sehr viel Dekadenz hervorbringt, sehr viele Menschen dazu verleitet, unter ihren Möglichkeiten zu bleiben, sie in die Depression und ins Unglück treibt, das ist für meinen Eindruck ein unbestreitbarer Fakt. Es geht mir doch nicht darum, Menschen in unserer führenden Volkswirtschaft zu noch besseren Rädchen im Getriebe zu machen und ihnen ihre Freiheit zu nehmen. Ganz im Gegenteil geht es mir darum, Menschen, die zu Sklaven ihres eigenen inneren Schweinehundes (um das Wort Sündhaftigkeit zu vermeiden) geworden sind, ein Wort der Befreiung zukommen zu lassen.

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duesi
vor 56 Minuten schrieb Moriz:

Hier muß ich mich selbst korrigieren - da bin ich Schröders Propaganda auch auf den Leim gegangen.

Dieser 'eine Euro pro Stunde' ist eine pauschalisierte Aufwandsentschädigung. Weil man sich von Sozialhilfe z.B. nicht die täglichen Busfahrten zur Einsatzstelle leisten kann. Man kann so was einzeln abrechnen und erstatten, es kommt für den Staat (also uns alle) allerdings günstiger, wenn man die Sachbearbeiter hierfür einspart und den Mehraufwand pauschal anerkennt. Auch, wenn dann beim Empfänger der ein- oder andere Euro zusätzlich hängen bleibt.

Umso linker ist es, dies als 'Arbeitsanreiz' zu verkaufen.

Es gibt sicher Möglichkeiten, das anders auszugestalten. Und es ist sicher kein Anreiz, 1 Euro pro Stunde zu bekommen. Aber es ist eine Möglichkeit, Langzeitarbeitslose unter Menschen zu bringen und ihnen eine sinnvolle Tätigkeit zu geben. Sie aus ihrer Selbstaufgabe und ihrer sozialen Isolation rauszuholen. Würde man den Sachbearbeiter einsparen und den Job als normalen Job betrachten, würden dort auch nur fähige Menschen beschäftigt werden, die schon immer gearbeitet haben und sich im Bewerbungsgespräch behaupten können. Ich denke, unsere Gesellschaft darf sich die Arbeit mit gescheiterten Menschen durchaus etwas kosten lassen. Ob derjenige am Ende dann mit Mindestlohn bezahlt wird oder nur eine Aufwandsentschädigung von 1 Euro bekommt, das will ich nicht entscheiden. Aber den Sachbearbeiter einzusparen, der der einzige ist, der zumindest etwas Potential hat, einen gescheiterten Menschen sinnvoll zu fördern, das ist keine Lösung. Einem Menschen einfach nur einen Batzen Geld hinzuwerfen und ihm zu sagen "weiß dich selbst, wie du mit deinem Leben klarkommst", hilft den meisten Menschen kein bisschen.

Edited by duesi

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Die Angelika
vor 21 Stunden schrieb duesi:

Ich weiß, dass ich zu wenige Beziehungen habe und in meinem Bereich erst noch besser werden muss, um überhaupt über Selbständigkeit nachzudenken. Aber ich habe jetzt den Mut gewonnen, diesen Traum, den ich früher hatte, überhaupt wieder träumen zu können. Der Staat kann wenig tun, um diese Motivation zur Verantwortung zu fördern.

 

Das sehe ich anders.

Der Staat könnte sehr viel tun, um Menschen zu motivieren, sich selbstständig zu machen. Stattdessen stellt er durch seine Regelungen so hohe Hürden auf, damit sich jemand selbstständig machen kann, dass es letztlich wenig motivierend ist.

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Die Angelika
vor 17 Stunden schrieb duesi:

Ich wäre für eine Art Sozialstaat, die nur noch fördernd, aber nicht mehr alimentierend eingreift. Eine Art Sozialstaat, bei der Menschen, die bedürftig sind, in vielfältiger Weise gefördert und aufgefangen werden, um wieder den Weg in die Eigenständigkeit zu finden. Bei der es aber keinerlei Rechtsansprüche auf Alimentierung gibt.

 

Ist das nicht ein klein wenig naiv? Glaubst du wirklich, dass es innerhalb einer Gemeinschaft ausschließlich Menschen gibt, die man durch Hilfe zur Selbsthilfe wieder auf den Weg in die Eigenständigkeit bringen kann? Was soll mit den Menschen geschehen, die definitiv schlichtweg nicht mehr arbeitsfähig sind? Sollen die dann weiterhin noch über Jahre hinweg durch irgendwelche Mühlen der Fo(e)rderung gedreht werden, bis sie endgültig aufgerieben sind? Was ist mit deren Würde?

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duesi
vor 2 Minuten schrieb Die Angelika:

 

Das sehe ich anders.

Der Staat könnte sehr viel tun, um Menschen zu motivieren, sich selbstständig zu machen. Stattdessen stellt er durch seine Regelungen so hohe Hürden auf, damit sich jemand selbstständig machen kann, dass es letztlich wenig motivierend ist.

Ich sage nicht, dass der Staat nichts tun kann. Ich habe einen Freund, der mit zwei anderen Freunden in Deutschland ein eigenes Unternehmen gegründet hat. Er sagte mir auch, dass es steuerliche Benachteiligungen gegenüber Großunternehmen gibt. Das war am Anfang ein ziemlicher Kampf. Da könnte der Staat durchaus etwas tun. Mittlerweile läuft das Unternehmen so gut, dass sie 30 Mitarbeiter beschäftigen können. Aber das, was der Staat tun kann, ist sehr begrenzt. Die Ich-AG-Förderung hat sich seinerzeit als ziemliche Sackgasse herausgestellt. Für Unternehmen braucht es Ideen und Beziehungen. Wer nur das tut, was andere schon vorher getan haben, wird wenig Erfolg haben. Der Staat kann den Menschen ein gewisses unternehmerisches Risiko nicht abnehmen. 

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Die Angelika
vor 5 Stunden schrieb duesi:

Aber dass unsere Wohlfahrtsgesellschaft auch sehr viel Dekadenz hervorbringt, sehr viele Menschen dazu verleitet, unter ihren Möglichkeiten zu bleiben, sie in die Depression und ins Unglück treibt, das ist für meinen Eindruck ein unbestreitbarer Fakt.

 

Wie meinst du das "sie in die Depression...treibt"? Glaubst du ernsthaft, dass Depressionen etwas mit Wohlfahrtsgesellschaft und Dekadenz zu tun haben?

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Beutelschneider
vor 21 Stunden schrieb duesi:

Ich weiß, dass ich zu wenige Beziehungen habe und in meinem Bereich erst noch besser werden muss, um überhaupt über Selbständigkeit nachzudenken. Aber ich habe jetzt den Mut gewonnen, diesen Traum, den ich früher hatte, überhaupt wieder träumen zu können. 

 

Wenn dies Dein Traum ist, dann solltest Du konsequent daran arbeiten diesen umzusetzen. Besser werden und Beziehungen pflegen musst Du ohnehin Dein Leben lang. Da gibt es kein "jetzt ist genug" oder so. Und Frust und Selbstzweifel wirst Du wohl auch kaum vermeiden können.

Aber wenn Du es tust und bist erstmal selbständig, dann wirst Du sehen dass es nichts Besseres gibt.

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Die Angelika
vor 3 Minuten schrieb duesi:

Ich sage nicht, dass der Staat nichts tun kann. Ich habe einen Freund, der mit zwei anderen Freunden in Deutschland ein eigenes Unternehmen gegründet hat. Er sagte mir auch, dass es steuerliche Benachteiligungen gegenüber Großunternehmen gibt. Das war am Anfang ein ziemlicher Kampf. Da könnte der Staat durchaus etwas tun. Mittlerweile läuft das Unternehmen so gut, dass sie 30 Mitarbeiter beschäftigen können. Aber das, was der Staat tun kann, ist sehr begrenzt. Die Ich-AG-Förderung hat sich seinerzeit als ziemliche Sackgasse herausgestellt. Für Unternehmen braucht es Ideen und Beziehungen. Wer nur das tut, was andere schon vorher getan haben, wird wenig Erfolg haben. Der Staat kann den Menschen ein gewisses unternehmerisches Risiko nicht abnehmen. 

 

Ich habe davon geschrieben, dass der Staat hohe Hürden errichtet, um sich erfolgreich selbstständig zu machen. Da denke ich nun noch gar nicht an irgendwelche steerlichen Benachteiligungen gegenüber Großunternehmen. Allein, dass z.B. die Krankenkasse bei Existenzgründern einfach von einem völlig aus der Luft gegriffenen monatlichen Ertrag ausgeht, über den dann der zu bezahlende Krankenkassenbeitrag berechnet wird, ist ein Irrwitz.

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duesi
vor 1 Minute schrieb Die Angelika:

 

Ist das nicht ein klein wenig naiv? Glaubst du wirklich, dass es innerhalb einer Gemeinschaft ausschließlich Menschen gibt, die man durch Hilfe zur Selbsthilfe wieder auf den Weg in die Eigenständigkeit bringen kann? Was soll mit den Menschen geschehen, die definitiv schlichtweg nicht mehr arbeitsfähig sind? Sollen die dann weiterhin noch über Jahre hinweg durch irgendwelche Mühlen der Fo(e)rderung gedreht werden, bis sie endgültig aufgerieben sind? Was ist mit deren Würde?

Ich schrieb ja schon, dass ich eine Ausnahme bei Menschen machen würde, bei denen nichts mehr geht. Doch gerade bei solchen Menschen, die zur Erwerbsarbeit nicht mehr in der Lage sind, kann es Förderungsmöglichkeiten geben, dass sich solch ein Mensch wieder als wertvoller Teil der Gesellschaft erfahren kann. Ich habe keine Patentlösung für solche Menschen. Jeder Mensch ist anders. Und nicht jeder Sachbearbeiter hat das Gespür dafür, wie er einem Menschen persönlich gerecht werden kann. Aber einen Menschen bedingungslos vollzuversorgen führt viel zu häufig zu sozialer Isolation, als dass ich dieses Konzept gutheißen könnte. 

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duesi
vor 7 Minuten schrieb Die Angelika:

 

Wie meinst du das "sie in die Depression...treibt"? Glaubst du ernsthaft, dass Depressionen etwas mit Wohlfahrtsgesellschaft und Dekadenz zu tun haben?

Ich habe mich aus persönlichen Gründen mit verschiedenen psychischen Krankheitsbildern befasst (nein, ich hatte noch keine Depression). Und bei Depressionen gibt es sowohl medikamentöse als auch psychotherapeutische Behandlungsmöglichkeiten. Die Medikamente sind dabei nicht nur als Stimmungsheller, sondern auch als Mittel, die zu inneren Antrieb führen, ausgebildet. Die psychotherapeutischen Behandlungsmethoden bestehen aus Tätigkeitstherapien, die diese Menschen aus der Antriebslosigkeit herausholen sollen und sie in sinnvolle kreative Tätigkeiten und unter Leute bringen sollen. Sogar Schlafentzug kann hier eine Behandlungsmethode sein. Vor diesem Hintergrund sehe ich fehlenden externen positiven Stress und bedingungslose Absicherung durchaus als Risikofaktoren für Depressionen an.

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Merkur
vor 38 Minuten schrieb duesi:

... Aber einen Menschen bedingungslos vollzuversorgen führt viel zu häufig zu sozialer Isolation, als dass ich dieses Konzept gutheißen könnte. 

Es kann nicht die Aufgabe des Staates sein, seine Bürger vor sozialer Isolation zu schützen. Die Kosten für den dafür erforderlichen Überwachungs- und Gängelungsapparat könnten anderweitig sinnvoller eingesetzt werden.

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duesi
vor 14 Minuten schrieb Merkur:

Es kann nicht die Aufgabe des Staates sein, seine Bürger vor sozialer Isolation zu schützen. Die Kosten für den dafür erforderlichen Überwachungs- und Gängelungsapparat könnten anderweitig sinnvoller eingesetzt werden.

😁 Das war mal ein ordentliches Kontra.

 

Also los! Machen wir es wie bei Louis XIV. in Frankreich. Verwandeln wir ganz Deutschland in einen hedonistischen Hofstaat. Es lebe die Vollversorgung! 

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Die Angelika
vor 41 Minuten schrieb duesi:

Ich habe mich aus persönlichen Gründen mit verschiedenen psychischen Krankheitsbildern befasst (nein, ich hatte noch keine Depression). Und bei Depressionen gibt es sowohl medikamentöse als auch psychotherapeutische Behandlungsmöglichkeiten. Die Medikamente sind dabei nicht nur als Stimmungsheller, sondern auch als Mittel, die zu inneren Antrieb führen, ausgebildet. Die psychotherapeutischen Behandlungsmethoden bestehen aus Tätigkeitstherapien, die diese Menschen aus der Antriebslosigkeit herausholen sollen und sie in sinnvolle kreative Tätigkeiten und unter Leute bringen sollen. Sogar Schlafentzug kann hier eine Behandlungsmethode sein. Vor diesem Hintergrund sehe ich fehlenden externen positiven Stress und bedingungslose Absicherung durchaus als Risikofaktoren für Depressionen an. 

 

Fehlender externer positiver Stress als Risikofaktor für Depressionen?

Und du hältst es für positiven Stress, wenn ein an einer Depression erkrankter Mensch permanent Durck vom Arbeitsamt bekommt, eine bestimmte Anzahl an Bewerbungen zu schreiben, sich vorzustellen etc.pp.?

Ähm....mir fehlen gerade die Worte.

Inwieweit hast du Kontakte mit depressiven Menschen?

Depressionen haben meiner Erfahrung nach entschieden mehr mit Leistungsgesellschaft als mit Wohlstandsgesellschaft und Dekadenz zu tun.

Bis heute gibt es weder ein Medikament noch eine Therapie, die diese Krankheit heilen könnte. Es gibt lediglich Möglichkeiten, mit dieser Krankheit einigermaßen erträglich leben zu können.

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Die Angelika
vor 26 Minuten schrieb Merkur:
vor einer Stunde schrieb duesi:

... Aber einen Menschen bedingungslos vollzuversorgen führt viel zu häufig zu sozialer Isolation, als dass ich dieses Konzept gutheißen könnte. 

 

Woher weißt du, dass es viel zu häufig zu sozialer Isolation führt, wenn ein Mensch bedingungslos vollversorgt wird?

Gibt es dazu Untersuchungen ?

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duesi
Gerade eben schrieb Die Angelika:

 

Fehlender externer positiver Stress als Risikofaktor für Depressionen?

Und du hältst es für positiven Stress, wenn ein an einer Depression erkrankter Mensch permanent Durck vom Arbeitsamt bekommt, eine bestimmte Anzahl an Bewerbungen zu schreiben, sich vorzustellen etc.pp.?

Ähm....mir fehlen gerade die Worte.

Inwieweit hast du Kontakte mit depressiven Menschen?

Depressionen haben meiner Erfahrung nach entschieden mehr mit Leistungsgesellschaft als mit Wohlstandsgesellschaft und Dekadenz zu tun.

Bis heute gibt es weder ein Medikament noch eine Therapie, die diese Krankheit heilen könnte. Es gibt lediglich Möglichkeiten, mit dieser Krankheit einigermaßen erträglich leben zu können.

Ja, Moment! Mir ist durchaus bewusst, dass Überforderung genauso ein Risikofaktor für Depressionen sein kann wie Unterforderung. Für einen depressiven Menschen wird jede Anstrengung als Last und nicht als Lust empfunden. Die Tätigkeitstherapie zum Körbeflechten, die der Psychiater dem Depressiven verschreibt, wird genauso als Gängelung und Belastung empfunden wie die Anforderungen des Arbeitsamtes, eine Bewerbung im Monat zu schreiben und zum Vorstellungsgespräch zu erscheinen. Wenn der Psychiater den Depressiven krankschreibt, ist er erst mal vom Bewerbungschreiben befreit. Dennoch weiß der Psychiater ganz genau, weshalb er diese Therapie verschreibt. Dein Beitrag zeigt völliges Unverständnis von diesem Krankheitsbild. Und nein, nicht jede Depression ist chronisch. Wenn du nur die Seite der Kranken kennst, die jede Belastung als unzumutbaren Leid bewerten, hast du vielleicht die Möglichkeit, mitzuleiden, was auch eine Gabe ist und von einer guten Freundin auch erwartet werden kann. Aber du kannst die strukturelle Dimension dieses Krankheitsbildes nicht im Ansatz verstehen.

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Merkur
vor 9 Minuten schrieb duesi:

😁 Das war mal ein ordentliches Kontra.

 

Also los! Machen wir es wie bei Louis XIV. in Frankreich. Verwandeln wir ganz Deutschland in einen hedonistischen Hofstaat. Es lebe die Vollversorgung! 

Lebt man in einem hedonistischen Hofstaat in sozialer Isolation?

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Flo77
vor 1 Minute schrieb Merkur:

Lebt man in einem hedonistischen Hofstaat in sozialer Isolation?

An einem hedonistischen Hof hast Du viele Feinde und nur sehr, sehr wenige Freunde...

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duesi
vor 1 Minute schrieb Merkur:

Lebt man in einem hedonistischen Hofstaat in sozialer Isolation?

Haste Recht! Dazu fehlt im modernen Deutschland aber der soziale Druck, in schicker Kleidung bei den Hofstaat Veranstaltungen zu erscheinen und sich von seiner besten Seite zu zeigen. Könnte man vielleicht drüber nachdenken: Vereinsbankette und Bälle als Voraussetzung, um an den Vollversorgungssystem teilhaben zu dürfen.😂

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Die Angelika
Gerade eben schrieb duesi:

Ja, Moment! Mir ist durchaus bewusst, dass Überforderung genauso ein Risikofaktor für Depressionen sein kann wie Unterforderung. Für einen depressiven Menschen wird jede Anstrengung als Last und nicht als Lust empfunden. Die Tätigkeitstherapie zum Körbeflechten, die der Psychiater dem Depressiven verschreibt, wird genauso als Gängelung und Belastung empfunden wie die Anforderungen des Arbeitsamtes, eine Bewerbung im Monat zu schreiben und zum Vorstellungsgespräch zu erscheinen. Wenn der Psychiater den Depressiven krankschreibt, ist er erst mal vom Bewerbungschreiben befreit. Dennoch weiß der Psychiater ganz genau, weshalb er diese Therapie verschreibt. Dein Beitrag zeigt völliges Unverständnis von diesem Krankheitsbild. Und nein, nicht jede Depression ist chronisch. Wenn du nur die Seite der Kranken kennst, die jede Belastung als unzumutbaren Leid bewerten, hast du vielleicht die Möglichkeit, mitzuleiden, was auch eine Gabe ist und von einer guten Freundin auch erwartet werden kann. Aber du kannst die strukturelle Dimension dieses Krankheitsbildes nicht im Ansatz verstehen.

 

Ich streite mich jetzt sicher nicht mit dir darüber, ob ich "völliges Unverständnis von diesem Krankheitsbild" habe.

Offensichtlich muss ich ganz miese Fortbildungen zum Thema gemacht haben.

 

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Werner001

Was mich bei solchen Diskussionen stört, und weshalb ich mich davon dann auch ausklinke, ist, wenn mit den Extremen argumentiert wird.

Es doch wirklich nicht so, dass alle staatlich Alimentierten depressive Schwerkranke sind, denen man nichts zumuten darf.

Dass es davon auch ein paar wenige gibt, ist klar, aber genau deshalb taugen ja Gießkannen nichts.

 

Werner

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