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philipph

Wie in Gottesbeziehung treten?

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philipph

Liebes Forum,

 

wie seid Ihr in eine Beziehung mit dem christlichen Gott gegangen? Dazu muss man ja eine Vorstellung davon haben, wer Gott ist. Aber unterscheiden sich da die verschiedenen christlichen Konfessionen nicht so sehr, dass jede ihr eigenes Bild vom dreieinigen Gott hat?

 

Ich weiß nicht wie ich hier vorgehen soll. Also wie ich erfahre, mit welchem Gott ich denn überhaupt es zu tun habe. Geht hier mehr um ein Beziehungs/Gefühlsproblem, als um theologische Spitzfindigkeiten.


Alles Liebe und besten Dank

Euer Philipp

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Chrysologus

Ob man eine Vorstellung haben muss, das weiß ich nicht - man sollte aber immer offen dafür sein, dass ER anders ist als erwartet.

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duesi
vor 54 Minuten schrieb philipph:

Dazu zu muss man ja eine Vorstellung davon haben, wer Gott ist. 

Die einzige Voraussetzung, die man braucht, ist ein gewisses Vorvertrauen oder eine Hoffnung. Damit meine ich eine Offenheit dafür, dass dieser Gott als personales ansprechbares Du existieren könnte und bereit sein könnte, dein Ausstrecken nach Ihm mit einer Antwort zu belohnen (frei nach Hebräer 11, 6). Mehr Voraussetzung und Vorstellung benötigt man nicht von Gott. Man braucht sich nicht schon im Vorfeld ein Bild davon machen, ob Gott der katholische, der orthodoxe oder der evangelische Gott oder sonst etwas ist. Das kann ja gerade für die Begegnung hinderlich sein. Je mehr Bilder du dir selbst von Gott machst, desto mehr betest du nicht Gott an, sondern dein eigenes Bild von Gott. Wichtig ist jedoch, anzufangen, einen Weg zu Gott zu beschreiten. Die Kirche bietet hier ja einen reichen Schatz an Möglichkeiten an. Sei es das Stundengebet, das Vaterunser, sei es gemeinsam oder alleine im stillen Kämmerlein. Sei es das freie Gebet oder der Rosenkranz. Lectio Divina oder hörendes Gebet. Wichtig ist jedoch, das habe ich erfahren, dass aus dem Reden über Gott ein Reden mit Gott wird. Wenn du dich alleine überfordert fühlst und keine Form findest, die dir zusagt, lies etwas von christlichen Mystikern! 

 

Theresa von Avila und Johannes vom Kreuz haben den Weg zu Gott sehr schön als einen Erfahrungsweg beschrieben. Die Tatsache, dass der evangelische Liederdichter Gerhard Tersteegen extrem stark von diesen beiden katholischen Heiligen beeinflusst war, zeigt meines Erachtens auch sehr schön, dass die christlichen Konfessionen in der wirklichen Begegnung mit Gott gar nicht so weit auseinander liegen. Und Gerhard Tersteegen hat diese Begegnung so schön ausgedrückt, wie sie nur ein wahrer Mystiker überhaupt in Worte fassen kann:

 

Ich bete an die Macht der Liebe,

die sich in Jesu offenbart.

Ich geb mich hin dem freien Triebe,

durch den ich Wurm geliebt war.

Ich will, anstatt an mich zu denken,

ins Meer der Liebe mich versenken.

 

Wie bist du mir so zart gewogen

und wie verlangt dein Herz nach mir,

durch Liebe sanft und tief gezogen,

neigt sich mein alles auch zu dir,

du traute Liebe, gutes Wesen,

du hast mich und ich dich erlesen.

Edited by duesi

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philipph
vor einer Stunde schrieb duesi:

Die einzige Voraussetzung, die man braucht, ist ein gewisses Vorvertrauen oder eine Hoffnung. Damit meine ich eine Offenheit dafür, dass dieser Gott als personales ansprechbares Du existieren könnte und bereit sein könnte, dein Ausstrecken nach Ihm mit einer Antwort zu belohnen (frei nach Hebräer 11, 6). Mehr Voraussetzung und Vorstellung benötigt man nicht von Gott. Man braucht sich nicht schon im Vorfeld ein Bild davon machen, ob Gott der katholische, der orthodoxe oder der evangelische Gott oder sonst etwas ist. Das kann ja gerade für die Begegnung hinderlich sein. Je mehr Bilder du dir selbst von Gott machst, desto mehr betest du nicht Gott an, sondern dein eigenes Bild von Gott. Wichtig ist jedoch, anzufangen, einen Weg zu Gott zu beschreiten. Die Kirche bietet hier ja einen reichen Schatz an Möglichkeiten an. Sei es das Stundengebet, das Vaterunser, sei es gemeinsam oder alleine im stillen Kämmerlein. Sei es das freie Gebet oder der Rosenkranz. Lectio Divina oder hörendes Gebet. Wichtig ist jedoch, das habe ich erfahren, dass aus dem Reden über Gott ein Reden mit Gott wird. Wenn du dich alleine überfordert fühlst und keine Form findest, die dir zusagt, lies etwas von christlichen Mystikern! 

 

Theresa von Avila und Johannes vom Kreuz haben den Weg zu Gott sehr schön als einen Erfahrungsweg beschrieben. Die Tatsache, dass der evangelische Liederdichter Gerhard Tersteegen extrem stark von diesen beiden katholischen Heiligen beeinflusst war, zeigt meines Erachtens auch sehr schön, dass die christlichen Konfessionen in der wirklichen Begegnung mit Gott gar nicht so weit auseinander liegen. Und Gerhard Tersteegen hat diese Begegnung so schön ausgedrückt, wie sie nur ein wahrer Mystiker überhaupt in Worte fassen kann:

 

Ich bete an die Macht der Liebe,

die sich in Jesu offenbart.

Ich geb mich hin dem freien Triebe,

durch den ich Wurm geliebt war.

Ich will, anstatt an mich zu denken,

ins Meer der Liebe mich versenken.

 

Wie bist du mir so zart gewogen

und wie verlangt dein Herz nach mir,

durch Liebe sanft und tief gezogen,

neigt sich mein alles auch zu dir,

du traute Liebe, gutes Wesen,

du hast mich und ich dich erlesen.

danke für deinen netten worte lieber duesi! das wird mir sicher weiterhelfen. auch das gedicht ist super schön.

 

und dein status passt ja auch ganz gut zu meinem Beitrag 🤗

 

vor 2 Stunden schrieb Chrysologus:

Ob man eine Vorstellung haben muss, das weiß ich nicht - man sollte aber immer offen dafür sein, dass ER anders ist als erwartet.

danke für den rat

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ThomasB.

Lieber Philipph,
 

Wenn ich einen Rat geben darf, ist es der, mit dem Prolog des Johannesevangeliums anzufangen – vor allem mit Joh. 1, 18.

 

Ich bin ganz froh, dass Du nach der Gottesbeziehung fragst und nicht nach einem Gottesbild (das wir uns ja nicht machen sollen). Genau das zeichnet das Christentum aus. Beim christlichen Glauben geht es ja in der Tat nicht, wie bei den Juden, ums Gesetz, und auch nicht, wie bei Muslimen, um ein Buch. Im Mittelpunkt unseres Glaubens steht vielmehr eine lebendige Person: Jesus Christus. Gott, (wie andere ja schon richtigerweise gesagt haben) ist größer als wir uns jemals denken können, und deshalb eigentlich unerreichbar für eine Beziehung. Aber dieser Gott macht sich klein, er wird Mensch, er begegnet uns auf Augenhöhe, als einer von uns. Mit Gott eine Beziehung zu haben, das geht nur, wie der heilige Johannes sagt, indem wir den Sohn anschauen: Aus seiner Fülle (Anmerkung von mir: und NUR aus seiner Fülle) haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade. ER ist Mensch. Wie wir. Er starb (wie wir alle das müssen), aber er ist auferstanden. Er lebt! Deshalb können wir eine Beziehung zu ihm haben. Jede Beziehung zu Gott ist eine zum auferstandenen Jesus Christus.

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Die Angelika

Hallo Philipph,

 

ich weiß nicht, ob es eine Methode gibt, um in eine Beziehung mit Gott zu gehen.

Ich glaube sowieso, dass nicht ich die bin, die in eine Beziehung mit Gott gegangen ist, sondern dass Gott in eine Beziehung mit mir gegangen ist.

Es ist Gott, der auf uns zukommt. Wenn er dann auf uns zugekommen ist, dann spüren wir das schon. Ich glaube, dass wir das dann gar nicht verpassen können.

Er ergreift uns. Dann können wir die Beziehung pflegen.Aber sie bleibt auch bestehen, wenn wir mal nachlässig sind. Denn wenn er uns ergriffen hat, dann sind wir in seiner Hand. Manchmal hält er uns ganz fest, dann lässt er uns wieder locker, manchmal sogar so locker, dass wir ihn fast gar nicht mher spüren.

Was wir tun können?

Neugierig sein,

für Überraschungen und Enttäuschungen offen sein, sie zulassen

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gouvernante

Wenn ich als Prämisse setze, dass Gebet die vorrangige Möglichkeit ist, auf Gott zu hören (es gibt andere) und in eine Beziehung mit Ihm zu finden, dann lautet die Frage: wie lerne ich beten?

Wie jede "Beziehungspflege" braucht es Zeit und Aufmerksamkeit. Ein paar Hilfsmittel:

  • ich reserviere mir feste Zeiten im Tag, die Gott vorbehalten sind. Die müssen nicht lang sein (10min oder so für den Anfang, morgens und abends), aber es ist gut, darauf zu achten, dass sie nicht klammheimlich durch Alltagsdinge gehijacked werden. Es ist auch gut, diese Zeiten störungsfrei zu halten (Kinder, Partner, Fon etc.)
  • ich halte mich an einen festen Ort (das kann auch die Bettkante sein). Vielleicht nutze ich ein visuelles Hilfsmittel (ein Kreuz, eine Kerze). Augen schließen ist meist keine gute Idee, weil dann die Aufmerksamkeit viel schwerer im Hier und Jetzt zu halten ist
  • ich sage Gott mit meinen eigenen Worten, dass ich jetzt für Ihn da bin - hörbereit
  • für den Anfang kann ich Gebetstexte wählen, die andere formuliert haben. Oder ich lese ein Stück in der Heiligen Schrift (die frühen Theologen wussten das: wer die Schrift nicht kennt, kennt Christus nicht)
  • ich lasse mich von Stille, von Langeweile und der Tatsache, dass Gott kein Automat ist, der sofort antwortet, wenn ich was will, nicht abschrecken
  • am Ende der Gebetszeit danke ich und beende diese mit einem VaterUnser (o.ä.)
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philipph

danke euch!!

 

ich bin mir sicher es wird religionen geben, die sozusagen ausreisser sind, aber würdet ihr ganz prinzipiell sagen dass alle christlichen konfessionen im wesentlichen an den selben gott glauben?

 

weil im endeffekt trennen katholiken und protestanten und freikirchler etc. zwar einige punkte, aber sie glauben dennoch alle an den gleichen gott. das, was verschieden interpretiert wird, ist meistens eher nur für theologen interessant, als dass es besonderen einfluss auf die person jesu hätte.

 

oder was meint ihr?

 

 

Edited by philipph

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GermanHeretic
vor 20 Minuten schrieb philipph:

oder was meint ihr?

 

 

Als Außenstehender sage ich, ja. Bei gewissen Formen von Christen, Arianer z.B., kann man diskutieren, weil die Rolle Jesu im Gottesbild doch ein leicht andere ist, aber bei den von Dir angesprochenen, ja, ist derselbe.

Edited by GermanHeretic

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gouvernante

Ich denke, das eigene Gottesbild hat nicht unerheblichen Einfluss auf Denken, Fühlen und Handeln des jeweiligen Menschen.

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philipph
vor 3 Minuten schrieb GermanHeretic:

Als Außenstehender sage ich, ja. Bei gewissen Formen von Christen, Arianer z.B., kann man diskutieren, weil die Rolle Jesu im Gottesbild doch ein leicht andere ist, aber bei den von Dir angesprochenen, ja, ist derselbe. 

ok danke!

 

vor 1 Minute schrieb gouvernante:

Ich denke, das eigene Gottesbild hat nicht unerheblichen Einfluss auf Denken, Fühlen und Handeln des jeweiligen Menschen. 

da stimme ich schon zu. aber die genaue beschaffenheit der mutter maria ist für das gottesbild denke ich nicht so entscheidend. es kann den glauben vertiefen. aber im vordergrund steht trotzdem dass sie die mutter von jesus ist.

 

im gebet ist die mutter maria einfach die mutter des sohnes gottes. ob sie in den himmel gefahren ist, hat natürlich einen stellenwert, aber beeinflusst nicht das beten so stark, dass katholiken und protestanten usw. ganz verschieden "denken" wenn sie beten. so zumindest mein gedanke

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Gratia

Gebet und Gottesbeziehung sind vielfältig und überraschend:

 

Zitat

  11 Der HERR und Mose redeten miteinander von Angesicht zu Angesicht, wie einer mit seinem Freund spricht. 

 

Zitat

 19 Da sagte er [Gott]: Ich will meine ganze Güte vor dir [Mose] vorüberziehen lassen und den Namen des HERRN vor dir ausrufen. Ich bin gnädig, wem ich gnädig bin, und ich bin barmherzig, wem ich barmherzig bin.  20 Weiter sprach er: Du kannst mein Angesicht nicht schauen; denn kein Mensch kann mich schauen und am Leben bleiben.  21 Dann sprach der HERR: Siehe, da ist ein Ort bei mir, stell dich da auf den Felsen!  22 Wenn meine Herrlichkeit vorüberzieht, stelle ich dich in den Felsspalt und halte meine Hand über dich, bis ich vorüber bin.  23 Dann ziehe ich meine Hand zurück und du wirst meinen Rücken sehen. Mein Angesicht kann niemand schauen.

 

Beides im selben Kapitel (Gen 33).

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Higgs Boson
Am 12.7.2020 um 12:36 schrieb philipph:

im gebet ist die mutter maria einfach die mutter des sohnes gottes. ob sie in den himmel gefahren ist, hat natürlich einen stellenwert, aber beeinflusst nicht das beten so stark, dass katholiken und protestanten usw. ganz verschieden "denken" wenn sie beten. so zumindest mein gedanke

 

Dass Maria als Mutter Gottes bezeichnet wird, hat ausschließlich was mit Jesus zu tun: Er ist so untrennbar Gott und Mensch gleichzeitig, dass seine Mutter nicht nur die menschliche Mutter, sondern eben auch die Mutter Gottes ist.

 

Ob sie in den Himmel aufgefahren ist oder nicht, sollte aus theologischen Gründen keine Rolle spielen. Die Heiligen werden um Fürbitte gebeten, so wie auch hier im Forum um Gebet gebeten wird. Die Aussage dahinter: Für die Getauften spielt der Tod keine Rolle mehr. Die Heiligen und wir sind gleich. Wir sind durch Tod, Grab und Auferstehung gegangen in der Taufe. Und so, wie die Bitte um Gebet hier im Forum nicht davon entbindet auch selbst im Gebet vor Gottes Thron zu treten, gilt dies auch bei der Bitte um Gebet bei den Heiligen.

 

Diese beiden Positionen sind allerdings lediglich theologischer Natur. Dass Menschen das in ihrem persönlichen Gebetsleben anders handhaben oder erleben, ist eigentlich ein bisschen häretisch, aber wen stört das schon.

 

Nur wissen sollte man das.

Denn das ist nämlich die Brücke zwischen den Konfessionen.

 

Wir Protestanten kennen zwar Bitte um Fürbitte, in unseren Gebeten wenden wir uns allerdings ausschließlich direkt an Gott. Sowenig wie die Bitte um Gebet an meine Freundin ein Gebet ist, wäre die Bitte um Gebet bei einem Heiligen (so wir dies täten) keines.

Edited by Higgs Boson
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helmut
Am 11.7.2020 um 19:31 schrieb philipph:

Liebes Forum,

 

wie seid Ihr in eine Beziehung mit dem christlichen Gott gegangen? Dazu muss man ja eine Vorstellung davon haben, wer Gott ist. Aber unterscheiden sich da die verschiedenen christlichen Konfessionen nicht so sehr, dass jede ihr eigenes Bild vom dreieinigen Gott hat?

 

Ich weiß nicht wie ich hier vorgehen soll. Also wie ich erfahre, mit welchem Gott ich denn überhaupt es zu tun habe. Geht hier mehr um ein Beziehungs/Gefühlsproblem, als um theologische Spitzfindigkeiten.


Alles Liebe und besten Dank

Euer Philipp

jeder hat sein eigenes bild. in meinem bild hat er mir ein bein gestellt um auf sich aufmerksam zu machen.

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