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Was ist die Bibel?


Abaelard
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vor 3 Minuten schrieb Marcellinus:

Weil es um diese Zeit eine Idee von „historischer Zuverlässigkeit“ noch nicht gab,

 

Und weil es diese Idee von historischer Zuverlässigkeit angeblich nicht gab, ist davon auszugehen, dass der Autor seine Ausführungen nicht so meint, wie er sie schreibt?

 

Die griechischen Geschichtsschreiber kannten die Idee von historischer Zuverlässigkeit nicht?

Was war dann deren Leitidee als Historiker?

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vor 21 Minuten schrieb Abaelard:
vor 28 Minuten schrieb Marcellinus:

Weil es um diese Zeit eine Idee von „historischer Zuverlässigkeit“ noch nicht gab,

 

Und weil es diese Idee von historischer Zuverlässigkeit angeblich nicht gab, ist davon auszugehen, dass der Autor seine Ausführungen nicht so meint, wie er sie schreibt?

 

Doch, der Autor meint sie schon so, nur nicht als „Sein“, sondern als „Sollen“. 

 

Zitat

Die griechischen Geschichtsschreiber kannten die Idee von historischer Zuverlässigkeit nicht?

Was war dann deren Leitidee als Historiker?

 

Bei den Griechen kam die Idee von Geschichtsschreibung in unserem Sinne zum ersten Mal auf. Thukydides formuliert zum ersten Mal die Idee einer objektiven Geschichtsschreibung, aber erstens ist nicht klar, in wie weit er selbst diesem Anspruch genügt, zweitens gibt es bis heute kaum eine einheitliche Vorstellung davon, wie objektive Geschichtsschreibung eigentlich funktionieren soll. Was wir dagegen wissen, ist, wie Geschichtsschreibung meistens war: als ideologische Bestätigung der eigenen Position. Paradebeispiel dieser Art von Historikern ist Tacitus, und sein Anspruch „sine ira et studio“. Dabei wissen wir mittlerweile ganz genau, daß seine Schilderung zB der Germanen vor allem dazu diente, der eigenen als dekadent empfundene Oberschicht einen Spiegel vorzuhalten.

 

Bei den religiösen Schriften der Offenbarungsreligionen kommt noch das Problem hinzu, daß sie eine bestimmte Theologie vertreten, Geschichte also vor allem dazu dient, die eigene religiöse Weltsicht zu bestätigen.

 

Edited by Marcellinus
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vor 58 Minuten schrieb Marcellinus:

Bei den religiösen Schriften der Offenbarungsreligionen kommt noch das Problem hinzu, daß sie eine bestimmte Theologie vertreten, Geschichte also vor allem dazu dient, die eigene religiöse Weltsicht zu bestätigen.

 

Mein Ansatz ist ein anderer:

Zunächst nehme ich den Text einmal so zur Kenntnis, wie ihn der Autor bietet.

Wenn der biblische Autor etwa von einer Paschaamnestie durch Pontius Pilatus berichtet, unterstelle ich nicht von vornherein, dass - wegen der Religiosität des Autors - diese Notiz geschichtlich unzutreffend sein muss.

 

Da braucht es schon andere Gründe, um die Historizität anzuzweifeln, als das religiöse Interesse des Autors

(als ob ein religiöses Interesse mit der Unzuverlässigkeit bei Tatsachenbehauptungen einhergehen müsse!).

 

Wenn z.B.  der Brauch der Osteramnestie außerbiblisch nirgends belegt sein sollte, dann würde bei mir ein erstes, leichtes Misstrauen gegenüber der Glaubhaftigkeit des rel. Autors dämmern und Anlass sein für eine kritischere Prüfung. Aber nicht der Umstand, dass der Autor religiös ist.

Edited by Abaelard
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Franziskaner
vor 4 Stunden schrieb Abaelard:

 

Diese Ansicht nenne ich "dekadentes Aufgeklärtsein".

 

Dass man Kinder nicht schlägt, hätte man spätestens seit dem Auftreten Jesu wissen können und müssen.

Erst recht hätte ein  Heiliger Benedikt, der das Kinderdreschen in seinem Kloster noch als  Selbstverständlichkeit ansieht, längst zu dieser Einsicht vorgedrungen sein können und MÜSSEN.

 

Wir müssen vergangene Ereignisse nicht nur, aber auch an heutigen Maßstäben messen. Dieser "Anachronismus" ist sachgemäß!

 

Ich find´s sehr lustig (tatsächlich zum Schreien komisch), wie sehr Du Dich offensichtlich für den Gipfelpunkt der Weltgeschichte hältst.

 

Ich hoffe für Dich, dass Du weder Auto fährst noch Fleisch isst. Die Folgen für´s Klima und damit für das Wohlergehen aller (!) kommenden Generationen sind seit spätesten 30 Jahren gut bekannt. Schon in 100 Jahren wird niemand mehr Verständnis dafür haben, dass angesichts dieser Erkenntnisse ein Mensch überhaupt auf die Idee kommen konnte, diese verbrecherischen Verhaltensweisen weiter zu praktizieren. Das wird in einer Linie mit Hexenverbrennungen und Sklavenhaltung stehen.

 

 

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vor 6 Minuten schrieb Abaelard:

Mein Ansatz ist ein anderer:

Zunächst nehme ich den Text einmal so zur Kenntnis, wie ihn der Autor bietet.

 

Das ist aber nicht der Ansatz von Historikern. Da ist Skepsis immer angesagt. Ist Teil der wissenschaftlichen Erfahrung. Gilt nicht nur gegenüber religiösen Autoren, sondern vor allem gegenüber allen, die aus der Position einer Ideologie schreiben. Aber auch bei einem Text wie dem von Caesar über den Gallischen Krieg ist die erste Frage: warum, mit welcher Motivation hat er ihn geschrieben. Daß jemand einfach nur die „Wahrheit“ schreibt, ist der absolute Ausnahmefall.

 

Edited by Marcellinus
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vor 7 Minuten schrieb Franziskaner:

Ich find´s sehr lustig (tatsächlich zum Schreien komisch), wie sehr

 

Deine subjektive Befindlichkeit finde ich äußerst interessant und wissenswert.

Gott sei Dank, dass du geschrieben hast. Auch andere werden schon danach gelechzt haben.

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vor 17 Minuten schrieb Marcellinus:

Daß jemand einfach nur die „Wahrheit“ schreibt, ist der absolute Ausnahmefall.

 

Danke für diese Einsicht. Ich wusste bis dato nämlich gar nicht, dass der Franziskaner ein absoluter Ausnahmefall ist.

Edited by Abaelard
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vor 17 Stunden schrieb Flo77:

Dem Mann wurde die Möglichkeit genommen seine Frau nur durch die Ehebruch-Anschuldigung los zu werden.

 

Der Bibeltext spricht aber von Eifersucht als Motiv für die (berechtige oder auch unberechtigte) Beschuldigung der Ehefrau.

Ein eifersüchtiger Mann möchte in aller Regel seine Frau nicht "los werden", sondern im Gegenteil sie unmäßig an sich binden.

 

vor 17 Stunden schrieb Flo77:

Denn die beschriebenen Fluchfolgen ... werden nicht innerhalb dieses Prozederes durch ein Glas Wasser ausgelöst.

 

Zumindest der deutsche Bibeltext EÜ behauptet das aber:

"Sobald der Priester sie das Wasser hat lassen, wird das fluchbringende Wasser in sie eindringen und bittere Schmerzen bewirken, falls sie unrein und ihrem Mann untreu geworden war."

 

Deine Behauptung, die beschriebenen Fluchfolgen ... werden nicht innerhalb dieses Prozederes durch ein Glas Wasser ausgelöst, erweist sich somit als Spekulation, die aber am Bibeltext keinen Anhalt hat.

 

vor 17 Stunden schrieb Flo77:

Durch die Verpackung in ein Gottesurteil hielt man sich quasi ein Hintertürchen offen, nach dem Motto "WENN Gott wollte, DANN könnte er ja...", aber ich glaube nicht, daß aus der Priesterschaft jemals jemand ernsthaft damit gerechnet hätte, daß hier mal ein positives Ergebnis herauskommt.

 

Das ist eine Spekulation, die am Bibeltext keinen Anhalt hat. Der Text erwähnt kein Hintertürchen.

Spekulationen sind an sich legitim, sollten aber Anhalt am zu interpretierenden Text haben. Vor allem aber lassen Spekulationen die Wahrheitsfrage offen.

 

Du sagst selber, dass du nicht glaubst (!), "daß aus der Priesterschaft jemals jemand ernsthaft damit gerechnet hätte, daß hier mal ein positives Ergebnis herauskommt".

 

Hier aber geht es nicht um dein Glaubensbekenntnis, sondern um das, was der in Rede stehende Bibeltext tatsächlich sagt.

Der sagt nichts davon, dass aus der Priesterschaft "niemals jemand ernsthaft damit gerechnet hätte, daß hier mal ein positives Ergebnis herauskommt".

Der Bibeltext sagt vielmehr, dass der Priester sich im Auftrag Gottes daranzumachen hat, mittels eines archaischen Verfahrens die Schuld der verdächtigten Frau zu ermitteln:

Bibel:

"In einem solchen Fall soll der Mann seine Frau zum Priester bringen ...., denn es ist ein Eifersuchtsopfer zur Ermittlung der Schuld." [Hervorhebung von mir]

 

vor 17 Stunden schrieb Flo77:

So aber war der Volksseele genüge getan, der Mann hatte seine Chance, die Frau kam aus der Nummer elegant raus, die Priesterschaft wahrte ihre Autorität und am Ende waren alle glücklich. Außer vielleicht dem Ehegatten, der nun 1 kg Gerstenmehl ärmer war und die Frau immer noch am Hals hatte.

 

Das ist pure Spekulation. Der Bibeltext sagt nichts von einer Volksseele; nichts davon, dass es der Priesterschaft um Wahrung ihrer Autorität geht; nichts davon, dass am Ende alle glücklich waren. Das sagt nur deine Spekulation (die wahr oder unzutreffend sein kann).

 

Insgesamt stellt sich also doch die Frage, ob deine Auslegung nicht allzu sehr von einem apologetischen Interesse geleitet ist: 

"In der Bibel kann und darf auf keinen Fall ein Unsinn stehen. Restlos unmöglich und undenkbar! Und überhaupt und außerdem und sowieso."😕

 

Im Übrigen stellt sich die Frage, wieso der Kirchensteuerzahler für teure Kirchengerichte aufkommen soll, die bei Ehestreitigkeiten in einem mühsamen Indizienprozess die Schuldfrage klären müssen, wenn doch ohnehin von alleroberster Stelle ein kostengünstiges Wahrheitsfindungsverfahren bereitgestellt wurde. Eines mit der biblischen Bezeichnung "Eifersuchtsopfer zur Ermittlung der Schuld."

Macht`s euch die Sache doch ein bissl leichter!

Edited by Abaelard
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vor 6 Stunden schrieb Abaelard:

"Sobald der Priester sie das Wasser hat lassen, wird das fluchbringende Wasser in sie eindringen und bittere Schmerzen bewirken, falls sie unrein und ihrem Mann untreu geworden war."

 

erratum

"Sobald er  [der Priester] sie das Wasser hat trinken lassen, wird das fluchbringende Wasser in sie eindringen und bittere Schmerzen bewirken, falls sie unrein und ihrem Mann untreu geworden war."  

 

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vor 6 Stunden schrieb Abaelard:

Du sagst selber, dass du nicht glaubst (!), "daß aus der Priesterschaft jemals jemand ernsthaft damit gerechnet hätte, daß hier mal ein positives Ergebnis herauskommt".

 

Hier aber geht es nicht um dein Glaubensbekenntnis, sondern um das, was der in Rede stehende Bibeltext tatsächlich sagt.

 

Ohne @Flo77hier vorgreifen zu wollen, möchte ich darauf hinweisen, dass er in seiner Formulierung "ich glaube nicht, daß aus der Priesterschaft jemals jemand ernsthaft damit gerechnet hätte", das Wort "glauben" nicht im Sinn eines Glaubensbekenntnisses verwendet, sondern im Sinn von "annehmen" oder "fürwahrhalten". 
Ich wäre dir sehr verbunden, wenn du auf solche rhetorischen Tricks hier verzichten würdest.

Alfons

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Tja, was ist die Bibel?

Die Frage bleibt aufrecht.

Erfüllt sie das Klischee, wonach mit ihr alles bewiesen werden kann, was man bewiesen haben möchte?

 

Anlass zu diesem Verdacht geben mir bspw. zwei im Netz abrufbare Expertisen von Exegeseprofessoren zur Frage, ob die Bibel Homosexualität als gottwidrig verwirft? Die Professorin kam zu einem negativen Ergebnis, der Herr Professor zu einem positiven.

 

Ich zweifle keine Sekunde daran, dass ich mit Leichtigkeit zwei Bibelprofessoren auftreiben könnte, von denen der eine ein Gutachten erstellen würde, demzufolge einer Frauenordination aus bibeltheologischer Sicht nichts entgegensteht, während der andere "bibelwissenschaftlich erkennt", dass eine Frauenordination die Bibel massiv gegen sich haben würde.

 

Schließlich war ja auch der deutsche Professor für Neues Testament, Walter Grundmann, in der Lage, für die Nazis eine Art Gefälligkeitsgutachten zu erstellen mit dem Fazit: Jesus war ja gar kein Jude, sondern ein Arier.

(Grundmann soll das allerdings nicht buchstäblich so formuliert, wohl aber eindeutig in der Sache vertreten haben)

 

Ich bin sicher, dass mir die einen Bibelgläubigen beweisen können, dass man sich gemäß der Bibel während der Messe nicht schneuzen darf,

während die anderen auf dieselbe Bibel rekurrieren mit dem Ergebnis, es sei biblisch höchst geboten, sich im Gottesdienst die Nase zu säubern.

 

Die Bibel, ein Buch, so uneindeutig, dass man ohne Schwierigkeit beides herauslesen kann: "A ist." und zugleich "A ist nicht." ?

 

Edited by Abaelard
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vor 21 Minuten schrieb gouvernante:
vor 6 Stunden schrieb Abaelard:

Macht`s euch die Sache doch ein bissl leichter!

Wer ist denn "euch"?

 

Mit "euch" meinte ich alle Frommen, in deren Namen Kirchengerichte aufwendige Ehestreitigkeitsprozesse führen.

Auch gouvernante zähle ich zu diesen Frommen. Aber ganz sicher bin ich nicht, ob ich das überhaupt darf?

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vor 24 Minuten schrieb Alfons:

 

Ohne @Flo77hier vorgreifen zu wollen,

Ohne Dir in die Parade fahren zu wollen, habe ich Abaelard bereits auf meiner Ignoreliste placiert - für diese Art von Trolligkeit fehlt mir im Moment jedes Verständnis.

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vor 2 Stunden schrieb Abaelard:

Auch gouvernante zähle ich zu diesen Frommen. Aber ganz sicher bin ich nicht, ob ich das überhaupt darf?

Lass es besser ;)

In meinem Namen führt kein Kirchengericht irgendeinen Prozess.

 

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ultramontanist
vor 5 Stunden schrieb Abaelard:

 

 

vor 5 Stunden schrieb Abaelard:

"Sobald er  [der Priester] sie das Wasser hat trinken lassen, wird das fluchbringende Wasser in sie eindringen und bittere Schmerzen bewirken, falls sie unrein und ihrem Mann untreu geworden war."  

 

entweder war das "Bitterwasser" mehr oder weniger giftig, oder das Autorenkollektiv Moses hat die Placebowirkung entdeckt:a050:

schlaue Kerle diese alten Juden.

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vor 17 Stunden schrieb Alfons:

Ich wäre dir sehr verbunden, wenn du auf solche rhetorischen Tricks hier verzichten würdest.

 

Und warum magst du keine "rethorischen Tricks"?

Noch dazu, wenn sie gerechtfertigt sind?

 

Flo77 hat mir ja keine Sachargumente geliefert, sondern Spekulationen,  also bloße Meinereien, die ich zugespitzt "Glaubensbekenntnisse" genannt habe.

Sarkasmus ist ein wunderbares und legitimes Stilmittel, habt ihr das im Literaturunterricht nicht gelernt?

 

Ich fürchte, du wirst den Forums-Teilnehmern den je eigenen Stil so wenig abgewöhnen können wie einem Hund das Fleischfressen.

Aber warum möchtest du das eigentlich?

 

Im Übrigen sehe ich überhaupt nicht ein, warum ein Össi seine lieben deutschen Nachbarn nicht gelegentlich ein wenig kitzeln dürfte.

Ich genieße die germanische Weise zu reagieren ganz außerordentlich. Hat sich denn das Forum nicht längst als qualitätsvolles Gratiskabarett einen Namen gemacht?

 

Alfons: Ich wäre dir sehr verbunden, wenn ...

Nix gegen Verbundenheit, aber ich fürchte, dieser Satz ist grammatisch als conjunctivus irrealis einzustufen. Mutmaße ich mal.

 

 

Also geeeh, lach halt ein bisserl!

Edited by Abaelard
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Am ‎21‎.‎08‎.‎2020 um 17:57 schrieb Abaelard:

 

Mir kommt vor, du willst auf Teufel komm raus die Sinnhaftigkeit der magischen Ordalspraxis verteidigen.

 

Als sinnvoll sehe ich lediglich das dem Rechtstext zugrunde liegende Bemühen an, Frauen der willkürlichen Ehebruchs-Beschuldigung durch Männer zu entziehen.

 

Aber das WIE, also das Prozedere, halte ich für eine völlig untaugliche magische Praxis.

Der Text geht doch wohl davon aus, dass über das beschriebene brimboriale Verfahren die Wahrheit herausgefunden werden soll, die dann anscheinend als Grundlage für die Bestrafung oder Nichtbestrafung der verdächtigten Frau dienen soll.

Ist das in deinen Augen kein Schmarrn?

 

Kannst du irgendwie belegen, daß das beschriebene Verfahren nach damaligem Kenntnisstand (!) als magisch empfunden wurde? Das uns das heute seltsam vorkommt - geschenkt!

 

Ich überlege gerade, was die damaligen Menschen zu unseren heutigen Verfahren gesagt hätten: Zunächst wird Sperma aus der Vagina der Frau gewonnen (alleine was die Leute damals davon gehalten hätte, so in einer Frau rumzufuhrwerken...). Dann wird vom Mann ein Blutopfer verlangt (OK, Wangenabstrich geht wohl auch). Dann werden vielerlei magische Rituale vollzogen (Hier ein Tröpfchen aus diesem Becherchen, da ein Tröpfchen aus jenem Fläschchen - werden hitzebeständige Polymerasen nicht aus Krötenschleim gemacht? ;) ) Dann wird das ganze etliche Male aufgekocht und wieder abgekühlt (PCR-Gerät), dann kommt das ganze in eine seltsame Maschine (Sequenzer), die lauter lustige bunte Kurven und Zeichen erzeugt. Und dann fällt der Priester sein Urteil daraus liest der Wissenschaftler das Ergebnis ab.

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Am ‎21‎.‎08‎.‎2020 um 20:53 schrieb Abaelard:

Nach dem AT sieht Gott, der Gesetzgeber, für eine hurende Priestertochter die Todesstrafe der Verbrennung vor.

 

Ich meine mich an einen Aufsatz zu erinnern, in dem ausgeführt wird, dass  Rabbiner eine Art Humanisierung/Milderung dieser Vorschrift versucht haben.

Die Abmilderung der Gesetzesstrenge bestand darin, dass zukünftig eine hurende Priestertochter nicht mehr bei lebendigem Leib verbrannt werden sollte, sondern dass nur noch geschmolzenes Blei in den Rachen der Delinquentin gegossen werden sollte.

 

Und ich meine mich sogar auch daran zu erinnern, dass nach diesem Aufsatz mindestens ein Fall tatsächlicher Exekution dieser "Strafmilderung" historisch belegt sein soll.

Scheint mir keine sehr gelungene Modifikation bzw. Modernisierung der überkommenen Rechtsvorschrift zu sein.

 

Nach unseren heutigen Maßstäben ist beides barbarisch. Aber ich erinnere daran, daß die Guillotine erfunden wurde, um die Todesstrafe humaner zu gestalten. Ich weiß nun nicht, ob flüssiges Blei im Rachen wirklich humaner ist, als bei lebendigem Leib verbrannt zu werden, aber zumindest wird anschließend noch eine anständige Beerdigung möglich gewesen sein.

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vor 16 Stunden schrieb ultramontanist:

entweder war das "Bitterwasser" mehr oder weniger giftig, oder das Autorenkollektiv Moses hat die Placebowirkung entdeckt:a050:

schlaue Kerle diese alten Juden.

 

Na ja, diese Fluchwassergeschichte dürfte der Männerphantasie entsprungen sein, um ihrer Eifersuchtsnot abzuhelfen.

 

Sie wollten mit dieser Geschichte ihrem Eigentum, den Frauen, eine Rute ins Fenster stellen:

"Wagt nur ja keinen Seitensprung!

Denn in diesem Fall haben wir Gott auf unserer Seite. Er wird über eine Priesterzeremonie die Wahrheit ans Licht bringen. Schwillt der Bauch einer Verdächtigen an und fallen ihre Hüften ein, dann ist mit dem Einsetzen dieser gottgewirkten Fluchfolgen die Schuld bewiesen, und zwar durch Gott selber."

 

Wenn man dann auch noch wie Flo77 - gegen den Wortlaut des biblischen Textes - orakelt*,  dass die Fluchfolgen auf sich warten lassen konnten, war damit dem eifersüchtigen Mann die Möglichkeit eingeräumt, zu seiner Frau zu sagen: "Solange dein Bauch nicht anschwillt, bist du nicht als unschuldig erwiesen. Denn dein Bauch könnte ja erst morgen anschwellen und deine Schuld erweisen." Das kann er dann auch noch 5 Jahre nach der Zeremonie sagen, wenn bis dahin immer noch keine Bauchbeschwerden aufgetreten sind.

 

Hinzu kommt, dass der gesamte Text der Frau nirgendwo die gleiche Möglichkeit der Priesterassistenz zur Wahrheitsfindung in Bezug auf ihren Mann zugesteht.

Am Ende des Textes heißt es gar noch: "Wenn der Priester dieses Gesetz auf sie anwendet, dann ist der Mann von Schuld frei, die Frau aber muss die Folgen ihrer Schuld tragen."

Soll wohl heißen, dass den Mann auch dann keine Schuld trifft, wenn sich seine Eifersucht als substanzlos herausgestellt hat?

 

Insgesamt ein Text zur Stärkung des Eigentumsrechtes der Männer?

Das schließt nicht aus, dass der Text gegenüber dem Frauenrechtsstatus bei den heidnischen Nachbarvölkern das kleinere Übel widerspiegelt. Aber ob das ausreicht, um ihn als Exempel für innerbiblische Emanzipation der Frau zu verkaufen?

 

 

 

*"Denn die beschriebenen Fluchfolgen .... werden nicht innerhalb dieses Prozederes durch ein Glas Wasser ausgelöst. Das ist uns klar und ich würde mich nicht wundern, wenn es auch dem Autoren dieser Stelle schon bewusst war."

 

 

Edited by Abaelard
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vor einer Stunde schrieb Moriz:

Nach unseren heutigen Maßstäben ist beides barbarisch. Aber ich erinnere daran, daß die Guillotine erfunden wurde, um die Todesstrafe humaner zu gestalten. Ich weiß nun nicht, ob flüssiges Blei im Rachen wirklich humaner ist, als bei lebendigem Leib verbrannt zu werden, aber zumindest wird anschließend noch eine anständige Beerdigung möglich gewesen sein.

 

"zumindest wird anschließend noch eine anständige Beerdigung möglich gewesen sein"

 

Für dich persönlich darfst du zweifellos der "humaneren" Methode mit dem Flüssigblei einen positiven Aspekt abgewinnen:

Nämlich dass "anschließend noch eine anständige Beerdigung möglich" ist.

 

Ich persönlich pflege es vorzuziehen, dass meine Leiche den Vögeln zum Frass vorgeworfen werde, wenn ich nur nicht zuvor lebendig verbrannt werde, sei es auf die alte oder die "moderne" Art.

 

Verbrennen tut nämlich schon bissi weh. Mir dreht es jedes Mal den Magen um, wenn ich in der Zeitung lese, dass ein KFZ-Fahrer in der brennenden Führerkabine ums Leben kam. Das Wie des Zu-Tode-Kommens belastet mich mehr als das DASS.

 

Übrigens, was du vermutlich eh weißt: Auch die Einführung der Inquisition galt als ein Meilenstein und beachtlicher Fortschritt gegenüber den bis dahin gepflogenen Untersuchungsmethoden.

 

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vor 39 Minuten schrieb Abaelard:

Na ja, diese Fluchwassergeschichte dürfte der Männerphantasie entsprungen sein, um ihrer Eifersuchtsnot abzuhelfen. 

 

Ich denke, du hast etwas gegen das orakeln?
 

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vor 13 Minuten schrieb Abaelard:

Auch die Einführung der Inquisition galt als ein Meilenstein und beachtlicher Fortschritt gegenüber den bis dahin gepflogenen Untersuchungsmethoden.

 

Aber nur bei den Inquisitoren! :D

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vor 7 Minuten schrieb Alfons:
vor 46 Minuten schrieb Abaelard:

Na ja, diese Fluchwassergeschichte dürfte der Männerphantasie entsprungen sein, um ihrer Eifersuchtsnot abzuhelfen. 

 

Ich denke, du hast etwas gegen das orakeln?

 

Und ich wiederum denke, du solltest mich "aus der Zeit und dem Kontext heraus" verstehen.😄

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Fluchwassergeschichte:

Es ist ja tatsächlich und nachprüfbar so, dass der Bibeltext zunächst eine Situationsangabe liefert. Er sagt, worum es geht, welches Problem es zu lösen gilt: Das Problem der männlichen Eifersucht. Wie soll damit umgegangen werden? 

 

Bibeltext: Num 5, 11 ff


Der HERR sprach zu Mose: 12 Rede zu den Israeliten und sag ihnen: Angenommen, eine Frau gerät auf Abwege, sie wird ihrem Mann untreu, 13 und ein anderer Mann liegt bei ihr im Beischlaf, ohne dass ihr Mann es merkt, angenommen also, sie ist unrein geworden, ohne dass es entdeckt wird, und es gibt keine Zeugen, weil sie nicht ertappt worden ist, 14 im Mann aber wird Eifersucht wach und er wird eifersüchtig auf seine Frau, die wirklich unrein geworden ist; angenommen aber auch, er wird auf seine Frau eifersüchtig, obwohl sie in Wirklichkeit nicht unrein geworden ist.

 

Wie soll in einem solchen Fall der Mannesnot verfahren werden?

 

Bibel:

15 In einem solchen Fall soll der Mann seine Frau zum Priester bringen und ....

 

Also:

Es soll einem Männerproblem abgeholfen werden.

Und ich schwöre beim Barte des Propheten:

Der dann weiter beschriebene Lösungsweg entstammt nicht den Frauen, sondern der Männerphantasie.

Man muss von Frauen nicht recht viel mehr verstehen als ein Papst, um zur begründeten Vermutung zu gelangen: Eine von Frauen ausgearbeitete Lösung für das geschilderte Männerproblem hätte anders ausgesehen als das biblisch präsentierte.

 

 

 

 

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