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Initiative GG 5.3 “Weltoffenheit” vs. Antisemitismus


Shubashi
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Kann mir jemand helfen?
 

Diesen Dezember hat eine Reihe von Theatern, Kultur- und Wissenschaftsinstitutionen ernsthaft einen Aufruf gegen den BDS-Beschluss des Bundestags veröffentlicht.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Initiative_GG_5.3_Weltoffenheit

 

BDS ist bekanntlich eine internationale Bewegung zum Boycott Israels, die auch die Existenz des Staates Israel infrage stellt - und die lt. Bundestag (Beschluss 2019)  nicht mit deutschen Steuergeldern unterstützt werden soll, da sie als antisemitisch angesehen wird.

 

Mir ist echt schleierhaft, warum sich dazu eine eigens Initiative v.a. aus Kultur- und Kunst bilden muss? Gibt es so viele internationale Künstler, die von einer Vernichtung Israels träumen und die unbedingt durch deutsche Bühnen etc gefördert werden müssen?

Oder sehen sich Kulturinstitutionen als außerstande an, in Grenzfällen auch mal Kritik zu ertragen, wenn sie grenzwertige Entscheidungen fällen? Das tun sie doch eigentlich dauernd, warum erscheint ihnen das jetzt unmöglich?

 

Besonders merkwürdig erscheint mir das Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung als Unterstützung so einer Initiative - selbst die dortige studentische Fachschaft lehnt so eine krude Aktion ab.

Was für einen engen Begriff von Antisemitismus gibt es in der deutschen Kulturwelt, dass die Zusammenarbeit mit den Feinden Israels als Notwendigkeit der „Weltoffenheit“ gilt?

Edited by Shubashi
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Nun, die Initiative GG 5.3 macht sich das Leben leicht. Einerseits schreiben sie in ihrem Manifest, daß sie den Boykott Israels durch BDS ablehnen (was Kernthema von BDS ist, daher der Name!!), andererseits lehnen sie den Ausschluß von BDS aus dem öffentlichen Diskurs ab.

 

Mehrere Sachen sind da in extreme Schieflage geraten:

 

1. BDS ist nicht verboten - sie dürfen natürlich mitreden, wo sie gehört werden.

 

2. GG 5.3 meint mit dem Aufruf, die Kunst- und Wissenshaftsfreiheit begründe gleichzeitig den Anspruch auf eine staatliche Finanzierung - wenn das so ist, nenne ich mich ab sofort Privatkünstler, damit ich die Miete nicht mehr zahlen muß. Das ist absolut absurd.

 

3. Das Staatsverständnis, welches da durchschimmert, besagt, daß Wissenschaft und Kultur ohne den Staat als Finanzgeber nicht möglich sei. Viele Länder auf der Welt beweisen das Gegenteil. Wenn BDS so viele Unterstützer hat, können sie ja  - die Leiter der staatlich alimentierten Kultureinrichtugnen werden ja nicht schlecht entlohnt - BDS privat unterstützen.

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vor 3 Stunden schrieb Shubashi:

Kann mir jemand helfen?
 

Diesen Dezember hat eine Reihe von Theatern, Kultur- und Wissenschaftsinstitutionen ernsthaft einen Aufruf gegen den BDS-Beschluss des Bundestags veröffentlicht.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Initiative_GG_5.3_Weltoffenheit

 

BDS ist bekanntlich eine internationale Bewegung zum Boycott Israels, die auch die Existenz des Staates Israel infrage stellt - und die lt. Bundestag (Beschluss 2019)  nicht mit deutschen Steuergeldern unterstützt werden soll, da sie als antisemitisch angesehen wird.

 

Mir ist echt schleierhaft, warum sich dazu eine eigens Initiative v.a. aus Kultur- und Kunst bilden muss? Gibt es so viele internationale Künstler, die von einer Vernichtung Israels träumen und die unbedingt durch deutsche Bühnen etc gefördert werden müssen?

Oder sehen sich Kulturinstitutionen als außerstande an, in Grenzfällen auch mal Kritik zu ertragen, wenn sie grenzwertige Entscheidungen fällen? Das tun sie doch eigentlich dauernd, warum erscheint ihnen das jetzt unmöglich?

 

Besonders merkwürdig erscheint mir das Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung als Unterstützung so einer Initiative - selbst die dortige studentische Fachschaft lehnt so eine krude Aktion ab.

Was für einen engen Begriff von Antisemitismus gibt es in der deutschen Kulturwelt, dass die Zusammenarbeit mit den Feinden Israels als Notwendigkeit der „Weltoffenheit“ gilt?

wer bds unterstützt oder unterstützen lassen will ist auf einem auge, dem jüdischen auge, blind und auf dem anderen auge, dem palästinensichen, vom starken grauen star befallen.

 

das palästinensische problem läßt sich nur auf basis der existenzrechts israels lösen. 

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vor 23 Stunden schrieb Thofrock:

Diese Initiative macht im Grunde Sinn, seit Lisa Eckhart regelmäßig in Deutschland auftritt.

 

Äh? Muss ich das verstehen?

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vor 1 Stunde schrieb Lothar1962:

 

Äh? Muss ich das verstehen?

Niemand testet die Grenzen wirkungsvoller aus. Der Zentralrat läuft ja regelmäßig Sturm. Und seit der Begriff Cancel Culture durch Deutschland geistert, sind einige Kulturschaffende dünnhäutig geworden. Aber irgendwo gibt es dann eben doch noch Grenzen.

 

Nur mal ein Beispiel: "Den Juden Reparationen zu zahlen, ist wie Didi Mateschitz einen Red Bull auszugeben."

 

Natürlich deckt die Freiheit der Kunst so etwas ab, und da plumpe Judenwitze in Eckarts Programm inzwischen Pflicht sind, wird das natürlich auch bedient. Aber wir sollten aufpassen, dass nicht eines Tages echte Antisemiten Bühnenprogramme aufführen. Die Subkultur der Rechtsrock Bands haben wir bereits. Und die ist etablierter denn je. Das kann sich schnell auf andere Kunstformen übertragen.

 

 

 

 

Edited by Thofrock
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On 12/23/2020 at 6:23 AM, Thofrock said:

Nur mal ein Beispiel: "Den Juden Reparationen zu zahlen, ist wie Didi Mateschitz einen Red Bull auszugeben."

 

Natürlich deckt die Freiheit der Kunst so etwas ab, und da plumpe Judenwitze in Eckarts Programm inzwischen Pflicht sind, wird das natürlich auch bedient. Aber wir sollten aufpassen, dass nicht eines Tages echte Antisemiten Bühnenprogramme aufführen. Die Subkultur der Rechtsrock Bands haben wir bereits. Und die ist etablierter denn je. Das kann sich schnell auf andere Kunstformen übertragen.

Ich vertrete die etwas mutige These dass zynischer Anti-Semitismus zu tolerieren ist.

 

Es überrascht mich zwar, das Frankreich immer noch diese Miss-Wahlen durchführt, aber seis drum. Was Miss 2nd Place zu hören bekam als sie bekannt gab ihr Vater sei aus Israel toppt wohl jedes RedBull Bühnenprogramm locker.

 

Zynischem Anti-Semitismus kann man zynisch beantworten und blossstellen, aber bei vulgärem Anti-Semitismus geht das nicht. Da bleibt nur das Kopfschütteln oder die Polizei. Beides nicht sehr befriedigend auf intellektueller Ebene. PS - dass diese Vergehen zwischen 2016-2018 um 74% stiegen, nach Jahren von kontinuierlichem Rückgang, wird wohl an der Radikalisierung der Front National liegen. :facepalm:

 

 

Edited by phyllis
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vor 1 Stunde schrieb phyllis:

Ich vertrete die etwas mutige These dass zynischer Anti-Semitismus zu tolerieren ist.

Ich auch, aber die Betroffenen sollten auf jeden Fall mitreden dürfen. 

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Am 23.12.2020 um 12:23 schrieb Thofrock:

Niemand testet die Grenzen wirkungsvoller aus. Der Zentralrat läuft ja regelmäßig Sturm. Und seit der Begriff Cancel Culture durch Deutschland geistert, sind einige Kulturschaffende dünnhäutig geworden. Aber irgendwo gibt es dann eben doch noch Grenzen.

 

Nur mal ein Beispiel: "Den Juden Reparationen zu zahlen, ist wie Didi Mateschitz einen Red Bull auszugeben."

 

Natürlich deckt die Freiheit der Kunst so etwas ab, und da plumpe Judenwitze in Eckarts Programm inzwischen Pflicht sind, wird das natürlich auch bedient. Aber wir sollten aufpassen, dass nicht eines Tages echte Antisemiten Bühnenprogramme aufführen. Die Subkultur der Rechtsrock Bands haben wir bereits. Und die ist etablierter denn je. Das kann sich schnell auf andere Kunstformen übertragen.

 

Was hat das mit BDS zu tun? Die Kulturschaffenden empören sich ja darüber nicht, daß BDS verboten wäre - was es nicht ist - sondern blß darüber, daß BDS nicht mehr von Steuergeldern mitfinanziert wird.

 

Daß Lisa Eckhart für ihre Arbeit Steuergelder bekäme, wäre mir auch neu.

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vor 12 Minuten schrieb rorro:

Daß Lisa Eckhart für ihre Arbeit Steuergelder bekäme, wäre mir auch neu.

Abgesehen davon, dass Eckhart tatsächlich oft und gern bei den ÖR auftritt, geht es doch bei der Initiative vor allem darum, die bestehende Bandbreite an künstlerischer Freiheit zu verteidigen.

 

 

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Mir persönlich erschließt sich der Zusammenhang zwischen künstlerischer Freiheit und Staatsknete nicht so recht, was vielleicht auch damit zusammenhängen mag, dass meine eigen Freiheit vor allem darin besteht, das alles bezahlen zu dürfen, obwohl mir das meiste davon weder gefällt noch irgend etwas bringt

 

Werner

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