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"politischer Katholizismus"


Horekmann
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Hallo zusammen

Fange gerade an, ein Referat über den Beginn des Politischen Katholizismus zu schreiben.

Kennt jemand von euch da vielleicht Ressourcen Über (Kirchen) Geschichte von 1848- 1878?

(Zeitangabe nur grob, dass ist aber der zeitraum, den ich abdecken muss..)

Wäre schön wenn mir da jemand helfen könnte...

Vielen Dank schonmal jetzt

MFG Horek

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Hallo zusammen

Fange gerade an, ein Referat über den Beginn des Politischen Katholizismus zu schreiben.

Kennt jemand von euch da vielleicht Ressourcen Über (Kirchen) Geschichte von 1848- 1878?

(Zeitangabe nur grob, dass ist aber der zeitraum, den ich abdecken muss..)

Wäre schön wenn mir da jemand helfen könnte...

Vielen Dank schonmal jetzt

MFG Horek

Tja, da wirst du dir wohl das Passende heraus suchen müssen:

 

http://www.google.de/search?sourceid=navcl...r+Katholizismus

Edited by pedrino
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Pedrino, im Allgemeinen kennen die Leute Google. Wenn ich hier eine solche Frage stelle, würde ich konkretere Antworten erwarten, als "Hier. Google. Jetzt mach den Rest gefälligst selber".

 

 

--------

Ich hab' mal ein Referat über den Kulturkampf gehalten. Vielleicht hilft es dir:

 

 

Der Kulturkampf Bismarcks gegen den politischen Katholizismus in Deutschland

 

 

Vorgeschichte:

 

- Katholiken in Deutschland in der Minderheit

- Misstrauen der Katholiken gegenüber Preußen (streng protestantisch!) und dem Liberalismus

- 1848/49: In der Paulskirchenversammlung bilden katholische Abgeordnete zum ersten Mal eine ge-meinsame Gruppe, die sie nach ihrem Sitzplatz in der Mitte des Plenums „Zentrum“ nannten.

- Bis 1870 bilden sich in den meisten deutschen Landtagen katholische Fraktionen.

- 1870 wird von 50 preußischen Abgeordneten die „Deutsche Zentrumspartei“ als Repräsentantin aller katholischer Schichten gegründet.

- In der Reichstagswahl von 1871 erreicht das Zentrum auf Anhieb 63 Sitze (18,6%).

 

 

Das Zentrum und sein Programm:

 

Führer: Ludwig Windhorst (1812-1891), Hermann von Mallinckrodt, Peter Reichensperger

Eintritt für die Rechte der Kirche und katholische Programmpunkte:

- Unabhängigkeit kirchlicher Institutionen

- staatliche Sozialpolitik

- Föderalismus

- Großdeutsche Lösung (katholisches Österreich an der Spitze des deutschen Reiches)

- Erhalt der Konfessionsschule und der kirchlichen Schulaufsicht

- Bekämpfung des Liberalismus und Sozialismus

 

 

Bismarcks Gegensätze zum Zentrum

 

- Zurückdrängung und Ausschaltung der politischen Macht der Kirche

- Superiorität des Staates über die Kirche

- Grundsatz des Wirtschaftsliberalismus

- Kleindeutsche Lösung

- Isolierung der „reichsfeindlichen“ Parteien

 

 

Gründe und Auslöser:

 

- 1864: Enzyklika „Quanta cura“ und der „Syllabus errorum“: Die katholische Kirche bezieht Stellung gegen 80 „moderne Irrtümer“ (u.a. Wirtschaftsliberalismus)

- 1870: Erstes Vatikanisches Konzil, Verkündung des Dogmas Unfehlbarkeit

- Das Zentrum und die katholische Kirche agieren gegen die Altkatholiken vor

- Das Zentrum arbeitet im Reichstag mit den Nationalen Minderheiten (Polen, Elsässer, Welfen und Dä-nen) zusammen („Reichsfeinde“)

- Das Papsttum als ausländische Macht mischt sich durch Kirche, Orden und die Zentrumspartei in die innerdeutsche Politik ein („Ultramontanismus“)

 

 

Verlauf:

 

- Bismarck verbündet sich mit den liberalen Parteien im Reichstag um das Zentrum als politische Kraft auszuschalten

- 1871: „Kanzelparagraph“ – Verbot für Geistliche, staatliche Angelegenheiten „in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise“ zu kommentieren.

- 1872: „Jesuitengesetz“ – Verbot des Jesuitenordens, der sich intensiv für die Weiterverbreitung des Ka-tholizismus in Deutschland einsetzt.

- 1872: „Schulaufsichtsgesetz“ – Alle Schulen unter staatlicher Aufsicht

- 1873: „Maigesetze“ – Großer staatlicher Einfluss auf die Ernennung von Geistlichen („Kulturexamen“ des Staates, Einspruchsrecht)

- 1874: Einführung der obligatorischen Zivilehe

- 1874: „Expatriierungsgesetz“ – Geistliche, die gegen die Kampfgesetze verstoßen, werden ausgewiesen

- 1875: Enzyklika „Quod nunquam“ – Papst Pius IX. erklärt die Maigesetze für nichtig

- 1875: „Brotkorbgesetz“ – Streichung aller staatlichen Zuwendungen an die Kirche

- 1876: Alle preußischen Bischöfe sind verhaftet oder ausgewiesen

 

 

Bismarcks Kurswechsel:

 

- 1878: Tod Pius IX. und Wahl des neuen Papstes Leo XIII.

- 1878: Verlust der Reichstagsmehrheit aus Nationalliberalen und Freikonservativen

- 1879: Neue Reichstagsmehrheit mit Hilfe der Konservativen, die dafür eine Aussöhnung mit dem Zent-rum fordern

- 1880-1883: Drei Milderungsgesetze zur Beilegung des Kulturkampfes

- 1886/1887: Zwei Friedensgesetze zur Beendigung des Kulturkampfes

- 1887: Leo XIII. erklärt den Kulturkampf für beendet

 

 

Folgen:

 

- Staatliche Schulaufsicht und Zivilehe haben bis heute Bestand

- Jesuitengesetz und Kanzelparagraph wurden 1917 bzw. 1953 aufgehoben

- Stärkung des Zentrums (Verdoppelung der Stimmenzahl 1871/1874; seit 1881 stärkste Reichstagsfrak-tion)

- Langsame Wandlung des Zentrums von der Oppositions- zur Regierungspartei

- Schwächung der Liberalen (Bruch mit Bismarck, großer Stimmenverlust)

- Innenpolitische Niederlage Bismarcks

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Jedes Dogma, auch das von uns nicht geglaubte, welches so und so vielen Millionen Landsleute theilen, muß für ihre Mitbürger und für die Regierung jedenfalls heilig sein. Aber wir können den dauernden Anspruch auf eine Ausübung eines Theiles der Staatsgewalt den geistlichen Behörden nicht einräumen.“

Bismarck, Reichstagsdebatte vom 10. Februar 2002

 

 

 

 

 

Quellen:

- Der große Ploetz, Freiburg 321998, 855-864.

- Die schönsten Bismarck-Karikaturen

- „Kulturkampf“, Microsoft® Encarta® 98 Enzyklopädie. © 1993-1997 Microsoft Corporation.

- Chronik der Deutschen, Augsburg 31996, 593-636.

- Kerstin Benedikt, Bismarcks Kulturkampf gegen den Katholizismus

http://www.hausarbeiten.de/archiv/geschich...h-text640.shtml

- Sebastian Plappert, Kulturkampf

http://www.hausarbeiten.de/archiv/geschich...h-text419.shtml

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Na dann schließ ich mich dem Exi doch gleich mal an. Hab nämlich auch grad angefangen, ein Thesenpapier für Vordiplom zusammenzuschreiben. Ist zwar noch nicht ganz ausgearbeitet, sind aber auch schon mal ein paar Stichpunkte:

Der Kulturkampf

 

 Reichsgründung und Kulturkampf (1871- ca. 1880):

- Die Katholiken als Volksminderheit im kleindeutsch-protestantischen Reich und die

Begründung der „Dt. Zentrumspartei“

- Katholiken hatten sich allmählich mit dem Aufstieg Preußens abgefunden

- Katholiken waren in der Minderheit

--> Bildung einer besonderen katholischen Partei im März 1871: „Dt. Zentrumspartei:

Für Wahrheit, Recht und Freiheit“

 

 Ursachen des sog. „Kulturkampfes“:

- vergleichbare Auseinandersetzungen gab es auch woanders, in Preußen waren sie aber

sehr extrem

- Bismarck hatte Distanz zu den Katholiken

--> ultramontanes Bekenntnis der Katholiken wird als reichsfeindlich eingestuft, besonders

wegen der Unfehlbarkeit des Papstes

- einige Professoren stehen nicht hinter den Konzilsbeschlüssen

--> Bischöfe fordern die Entlassung dieser Professoren, das preußische Kultusministerium

ist dazu jedoch nicht bereit

 

 Staatl. Gesetzgebung:

- Schulaufsichtsgesetz: die Aufsicht über die Schule wird nur dem Staat zugesprochen

- Aufhebung jeglicher Niederlassungen der Jesuiten am 04.07.1872

- Maigesetze: Staatsaufsicht über die Geistlichen

- „Kulturexamen“ für Geistliche: Philosophieexamen

- 1873: nur dt. Behörden haben Disziplinargewalt über Kleriker, die Kurie und der Papst

werden dabei ausgeschlossen

- 1873: Gesetze zum Kirchenaustritt: erstmalige Möglichkeit dazu

- 1874/75: Einführung der Zivilehe

- Sperrgesetz: sämtliche Staatsleistungen werden widerspenstigen Klerikern eingestellt

- jegliche Orden werden verboten (außer Krankenpflegeorden)

- Status der Kirche in moderner Gesellschaft wird debattiert

- Katholiken waren zu einem staatl. Reglement jedoch nicht bereit

--> passiver Widerstand

--> Inhaftierungen, Schließung der Priesterseminare

- die Laien setzen ihre Solidarisierung trotzdem fort: Wallfahrten (Kevelaer), Prozessionen…

 

 Katholische Opposition:

- religiöser Demonstrationskatholizismus (Wallfahrten nach Kevelaer, Prozessionen,…)

- passiver Widerstand

- Wahlverhalten: große Geschlossenheit der Katholiken bei der Wahl der Zentrumspartei

während des Kulturkampfes

- Publizistik: es gibt inzwischen 250 katholische Zeitungen

--> Strategie Bismarcks ist gescheitert:

- Bismarck erkennt, dass er die Katholiken nicht in die Knie zwingen kann

- er trennt sich von den Liberalen und orientiert sich mehr am konservativen Flügel

--> dazu braucht er die Unterstützung der Zentrumspartei

Pattsituation: keiner kann gewinnen, beide nur verlieren

 

 Beilegung und Folgen:

- Verständigung zwischen Bismarck und dem neuen Papst Leo XIII.

--> Minderungsgesetze

- Bismarck baut langsam den Kulturkampf ab

- über die Köpfe der Zentrumspartei hinweg gibt es eine Verständigung zwischen Rom

und Berlin

 

- Erfahrung der Katholiken, dass sie nur Staatsbürger zweiter Klasse sind

- Kulturkampf schweißt den Katholizismus letztlich zusammen: „Den existentiellen Konflikt

können wir nur bei unbedingter Geschlossenheit und Unterordnung unter die autoritäre

Führung des Papstes überwinden!“

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Hey das ist ja Hervorragend!

Werde mit dem material sicher einiges anfangen können.

Vielen Dank soweit an alle.

MFG Horek

 

@Pedrino

Stell dir mal vor: ich kenne Google. Aber wenn du den auch kennst, wirst du feststellen, dass die Bibliothek, die selbiger bei solchen Begriffen ausspuckt, in der Regel komplett voll mit rgendwelchem "Müll" (d.h. nicht verwertbaren Daten) ist. Daher hier die Frage, um mir Zeit und Nerven zu ersparen.

Aber trotzdem auch dir ein Dankeschön (du hast es ja sicher gut gemeint :blink: )

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