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Ermittlungen wegen Meineides gegen Kardinal Woelki


Danny_S.

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Dessen ungeachtet halte ich es natürlich für eine Selbstverständlichkeit, dass alle Bischöfe mit dem gleichen Maß gemessen werden müssen; sollte es tatsächlich der Fall sein, dass einer im Missbrauchsskandal nur deswegen schlechtere Presse hat als ein anderer, weil er beispielsweise "konservativer" ist, dann sollte das für die Kirche und die Gläubigen natürlich keine Rolle spielen. Und beim Verlust des Ansehens "bei denen, die draußen sind", sollte natürlich nur dann ein Kriterium sein, wenn der Ansehensverlust auch sachlich vernünftig nachvollziehbar ist und beispielsweise nicht auf einer Verleumdung beruht.

bearbeitet von iskander
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Man kann ganz unterschiedlich zu den derzeitigen Ermittlungen stehen.

Eben las ich in der WELT folgenden Kommentar, dem ich als Christ und Theologe nur beipflichten kann:

 

Zitat

Bei der Frage, wann Woelki von Missbrauchsvorwürfen gegen den früheren Sternsinger-Chef Winfried Pilz gewusst hatte, muss die gleiche Messlatte gelten, als wäre Herr Woelki kein Geistlicher. Umgekehrt, gerade weil er ein Geistlicher ist, wiegt das, was er vielleicht am Ende vertuscht hat, besonders schwer. Es ist dringend an der Zeit, dass man bei Themen wie sexuellem Missbrauch mit gleichem Maß misst und alles schonungslos offengelegt wird. Kirchliche Würdenträger müssen hier genauso behandelt werden wie Menschen, die kein Kirchenamt haben. Eigentlich tragen sie aufgrund ihres Amtes eine ganz besondere Verantwortung für andere und rein gefühlt müsste man sie dafür sogar härter bestrafen als wenn sie keine Schutzbefohlenen hätten, um die es am Ende geht.

 

Wir hatten in Deutschland bisher eine recht merkwürdige Ausgangslage: Von kirchlichen Amtsträgern wurden Verbrechen an Minderjährigen begangen, deren Aufklärung jedoch der Kirche weitgehend selbst überlassen wurde.
So konnte bspw. jedes Bistum selbst entscheiden, ob es ein Gutachten in Auftrag gibt oder nicht. Einige Diözesen haben dies bis heute nicht getan (z.B. Rottenburg-Stuttgart).
Um einen Vergleich zu ziehen: Dies ist in etwa so, als würde der VW-Konzern selbst darüber entscheiden, ob Informationen über die Manipulation der Abgassoftware ans Tageslicht gebracht werden oder nicht.
Die Aufklärung gehört in die Hände des Staates und es ist m.E. richtig, dass im Fall von Woelki (endlich) die Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet hat.
Vor einigen Wochen hat ein Gericht in Köln einem Missbrauchsopfer zum ersten Mal eine angemessene Entschädigung zugesprochen. Dies ist hoffentlich wegweisend für ähnliche Fälle in anderen Diözesen. Die Bistümer können sich nun nicht länger mit einer Verjährung herausreden.
Für die Kirche kann es m.E. nur einen Ausweg geben, um ihr ramponiertes Image wieder herzustellen und eine gewisse Glaubwürdigkeit rückzugewinnen: Ein aufrichtiges Mea culpa.

 

bearbeitet von Danny_S.
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vor 7 Minuten schrieb Danny_S.:

Die Bistümer können sich nun nicht länger mit einer Verjährung herausreden.

Stopp! Die Verjährung ist geltendes Recht auf das sich JEDER berufen kann. Der Kardinalmöchtegernfürsterzbischof hat darauf verzichtet und Gott weiß warum. Ich habe meinen Verdacht, von dem ich hoffe, daß er sich nicht bewahrheitet.

 

(Lieber die Gläubigen zahlen lasse, als selbst Verantwortung zu übernehmen - was sagt eigentlich der Papst?).

 

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vor 12 Minuten schrieb Danny_S.:

Einige Diözesen haben dies bis heute nicht getan (z.B. Rottenburg-Stuttgart).

Das ist nur insofern richtig, als dass die Aufarbeitungskommission Rottenburg Stuttgart (klick) kein Gutachten in Auftrag gegeben hat, vielmehr bearbeitet sie die Akten selbst. Dies wird ihr dadurch erleichtert, dass sie auf die Akten der Kommission sexueller Missbrauch zurückgreifen kann, die seit 2002 im Grunde genau das macht, für was es andernorts die Ausarbeitungskommissionen gibt. Die AK-DRS veröffentlicht einen Jahresbericht, die Diözese informiert halbjährlich über den aktuellen Stand der Aufarbeitung.

 

vor 16 Minuten schrieb Danny_S.:

Vor einigen Wochen hat ein Gericht in Köln einem Missbrauchsopfer zum ersten Mal eine angemessene Entschädigung zugesprochen. Dies ist hoffentlich wegweisend für ähnliche Fälle in anderen Diözesen. Die Bistümer können sich nun nicht länger mit einer Verjährung herausreden.

Das Opfer wurde entschädigt, weil die Kirche den Täter hat weiter gewähren lassen - wer das Pech hat, dass die Kirche erst später von den Taten erfuhr, der hat davon nichts. Dass Wölki hier das Geld anderer Leute großzügig verteilt, das sehe ich durchaus kritisch. Und letzten Endes gilt hier: Hat der Pfarrer dich vor 20 Jahren missbraucht, dann bekommst du was. War es ein Lehrer / Trainer, dann hast du schlicht Pech.

 

Und wir haben gerade dem Schulamt einen Lehrer gemeldet, der einer Schülerin (12) an den Po gefasst hat. Hat den Staat nicht weiter interessiert, weil es keine Anzeige gibt. Jedes Kultusministerium hat eine  Reihe von Wanderpokalen, die man halt immer dann versetzt, wenn  die Gerüchte zu unangenehm werden.

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vor 1 Stunde schrieb Danny_S.:

Man kann ganz unterschiedlich zu den derzeitigen Ermittlungen stehen.

 

Ich ziehe es vor, die Staatsanwatschaft einfach mal ihren Job machen zu lassen und solange keine Meinung zu haben.

 

Darf man das als Christ auch?

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vor 2 Stunden schrieb rorro:

 

Ich ziehe es vor, die Staatsanwatschaft einfach mal ihren Job machen zu lassen und solange keine Meinung zu haben.

 

Darf man das als Christ auch?

Ja, ich denke als Christ darf man sich auf die weltliche Strafverfolgung und Gerichtsbarkeit verlassen, insbesondere dann, wenn es keine kirchliche Strafverfolgung und Gerichtsbarkeit gibt, welche moralische Maßstäbe kennt, die über den Eigennutz der Kirche als ökonomisch-politische Organisation hinausgehen.

bearbeitet von SteRo
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Ich sehe das Ganze auch noch aus einem anderen Blickwinkel: Was bedeuten die Ermittlungen für das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Kirche?

Ganz besonders denke ich in diesem Zusammenhang an all jene, die sich als Religionslehrer, Katecheten, Gemeindereferenten, Pastoralassistenten, Pfarrer oder Mitarbeiter der Caritas in den Dienst am Evangelium stellen. Für sie sind solche Vorfälle ein Schlag ins Gesicht.

Gerade in einer Zeit, in der der christliche Glaube ohnehin in zunehmendem Maße an Bedeutung verliert und eine Gleichgültigkeit religiösen Fragen gegenüber massiv an Boden gewinnt, wirken derartige Nachrichten wie ein Brandbeschleuniger.

Die katholische Kirche hat ihren Status als moralische Autorität nun vollends eingebüßt.

Ohne übertreiben zu wollen, würde ich hier von einem Super-GAU sprechen.

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vor 6 Stunden schrieb Danny_S.:

Ich sehe das Ganze auch noch aus einem anderen Blickwinkel: Was bedeuten die Ermittlungen für das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Kirche?

Ganz besonders denke ich in diesem Zusammenhang an all jene, die sich als Religionslehrer, Katecheten, Gemeindereferenten, Pastoralassistenten, Pfarrer oder Mitarbeiter der Caritas in den Dienst am Evangelium stellen. Für sie sind solche Vorfälle ein Schlag ins Gesicht.

Gerade in einer Zeit, in der der christliche Glaube ohnehin in zunehmendem Maße an Bedeutung verliert und eine Gleichgültigkeit religiösen Fragen gegenüber massiv an Boden gewinnt, wirken derartige Nachrichten wie ein Brandbeschleuniger.

Die katholische Kirche hat ihren Status als moralische Autorität nun vollends eingebüßt.

Ohne übertreiben zu wollen, würde ich hier von einem Super-GAU sprechen.

Dein Blickwinkel ist genau die Begründung dafür, dass sich notwendigerweise weltliche Strafverfolgung und Gerichtsbarkeit der Sache annehmen muss.

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vor 6 Stunden schrieb SteRo:

Dein Blickwinkel ist genau die Begründung dafür, dass sich notwendigerweise weltliche Strafverfolgung und Gerichtsbarkeit der Sache annehmen muss.

In den USA und in Frankreich war und ist dies völlig normal, nur in Deutschland geht man (wieder einmal) einen Sonderweg.

 

Die Auswirkungen des gesamten Skandals lassen sich nirgendwo besser ablesen als an den Austrittszahlen, die im vergangenen Jahr ein Rekordniveau erreicht haben, siehe: https://www.zeit.de/gesellschaft/2023-06/katholische-kirche-rekordzahl-austritte

Bisher sind stets mehr evangelische als katholische Christen ausgetreten; dies hat sich nun geändert: 2022 haben 380.000 Protestanten einen Austritt erklärt, auf katholischer Seite waren es mehr als 520.000. Zusammengenommen also fast 1. Mio. Menschen in einem einzigen Jahr.

Interessant auch: Die alt-katholische Kirche scheint so gut wir gar nicht von den Problemen in der römisch-katholischen Kirche zu profitieren. Die Zuwächse dort sind minimal (bundesweit gibt es circa 13.500 Alt-Katholiken; viel weniger als frühere Schätzungen, die von 20.000 bis 30.000 ausgingen).

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vor 2 Stunden schrieb Danny_S.:

Bisher sind stets mehr evangelische als katholische Christen ausgetreten

 

Das stimmt so nicht! 2018 sind zum letzten Mal mehr aus den ev. Kirchen ausgetreten als aus der kath. Seit 2019 war immer die kath. Kirche "vorn". (Quelle)

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vor 6 Stunden schrieb Danny_S.:

Die Auswirkungen des gesamten Skandals lassen sich nirgendwo besser ablesen als an den Austrittszahlen, die im vergangenen Jahr ein Rekordniveau erreicht haben, siehe: https://www.zeit.de/gesellschaft/2023-06/katholische-kirche-rekordzahl-austritte

 

Diese Gesellschaft ist lange schon gottlos. Die bloß formalen Mitgliedszahlen sind relativ irrelevant. Es ist lediglich die moralische Entblößung der Kirche, die als Katalysator der Gottlosigkeit auch den formalen Akt des Austritts folgen lässt.

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vor 55 Minuten schrieb Marcellinus:

 

Was für ein böses Wort! :D

Sei nicht albern. Eine Feststellung ist eine Feststellung. "Böse" kann nur eine Unterstellung sein, welche auf Böses abzielt.

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Am 28.6.2023 um 19:24 schrieb SteRo:

Diese Gesellschaft ist lange schon gottlos. Die bloß formalen Mitgliedszahlen sind relativ irrelevant. Es ist lediglich die moralische Entblößung der Kirche, die als Katalysator der Gottlosigkeit auch den formalen Akt des Austritts folgen lässt.

Eine sehr steile These!
Ich könnte jetzt sofort die Gegenfrage stellen: Wie definierst Du Gottlosigkeit?
Oder andersherum gefragt: Ist jemand, der der Institution der röm.-kath. Kirche kritisch gegenübersteht, bereits "gottlos"?
Falls eine Person nicht an die Selbstoffenbarung Gottes in der Person Jesu Christi aber an einen personalen Schöpfergott glaubt, ist sie dann gottlos?
Der Punkt ist der: Die meisten Bundesbürger, selbst jene, die aus der Kirche ausgetreten sind, würden sich selbst nicht als gottlos betrachten.
Ich tendiere eher dazu, zu sagen, dass der christliche Glaube hierzulande immer mehr an Bedeutung verliert.

 

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vor 2 Stunden schrieb Danny_S.:

Eine sehr steile These!
Ich könnte jetzt sofort die Gegenfrage stellen: Wie definierst Du Gottlosigkeit?

Gottlosigkeit ist die Kognition, welche Gott nicht erkennt und in Folge Gottes Gesetz nicht befolgt.

vor 2 Stunden schrieb Danny_S.:

Oder andersherum gefragt: Ist jemand, der der Institution der röm.-kath. Kirche kritisch gegenübersteht, bereits "gottlos"?

Nein, nicht notwendigerweise.

 

vor 2 Stunden schrieb Danny_S.:

Falls eine Person nicht an die Selbstoffenbarung Gottes in der Person Jesu Christi aber an einen personalen Schöpfergott glaubt, ist sie dann gottlos?

Nicht notwendigerweise. Das Erkennen von Gott und seiner Naturgesetze und deren Befolgung entspricht ja dem Alten Testament.

 

 

vor 2 Stunden schrieb Danny_S.:

Der Punkt ist der: Die meisten Bundesbürger, selbst jene, die aus der Kirche ausgetreten sind, würden sich selbst nicht als gottlos betrachten.
Ich tendiere eher dazu, zu sagen, dass der christliche Glaube hierzulande immer mehr an Bedeutung verliert.

 

Ich weiß nicht, was "Die meisten Bundesbürger" denken und glauben. Die Gottlosigkeit oder Nicht-Gottlosigkeit manifestiert sich im täglichen Tun.

 

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Am 28.6.2023 um 19:24 schrieb SteRo:

Diese Gesellschaft ist lange schon gottlos. Die bloß formalen Mitgliedszahlen sind relativ irrelevant. Es ist lediglich die moralische Entblößung der Kirche, die als Katalysator der Gottlosigkeit auch den formalen Akt des Austritts folgen lässt.

 

Ist das jetzt dein Ermst? Kirche ist ja nun wahrlich kein Garant mehr dafür, dass dort Gott präsent ist

 

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vor 23 Stunden schrieb SteRo:

Die Gottlosigkeit oder Nicht-Gottlosigkeit manifestiert sich im täglichen Tun.

 

Und da scheinen keine signifikanten Unterschiede zwischen denen zu geben, die sich als Christ bezeichnen, und denen, die sich als Nichtchristen bezeichnen.

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Am 1.7.2023 um 00:21 schrieb SteRo:

Gottlosigkeit ist die Kognition, welche Gott nicht erkennt und in Folge Gottes Gesetz nicht befolgt.

 

[...]

 

Nicht notwendigerweise. Das Erkennen von Gott und seiner Naturgesetze und deren Befolgung entspricht ja dem Alten Testament.

 

Was meinst Du denn mit "Gottes Gesetz" bzw. "Naturgesetzen"?

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