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Umgang mit atheistisch geprägten Apologeten


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Geschrieben

 

vor 27 Minuten schrieb duesi:

(Ich weiß, dass @Weihrauch jetzt wieder Schnappatmung bekommt, weil ich wieder auf meinen Ausgangsthread hingewiesen habe, das soll er bitte mit ein wenig Selbstfürsorge lösen).

 

Nee, du kannst so oft darauf hinweisen, wie du willst. Ich dachte mir einfach, dass du dir und allen anderen einen Gefallen tätest, wenn du da jeweils einen Link daraus machst. So in der Art: 

 

Ich denke, dass ich im Thread "Psychologische Ursachen für weltliche Probleme und der Glaube als Antwort" eine Antwort für atheistische Apologeten formuliert habe ...

 

Dass mein Humor nicht jedermanns Sache ist, hab ich auch schon mitbekommen. 

Geschrieben
Am 18.11.2025 um 07:09 schrieb iskander:

Es ist aber nicht wirklich der Sinn und das Ziel der Wissenschaftstheorie, die konkrete Methodenlehre der Einzelwissenschaften voranzutreiben - auch wenn es natürlich schön ist, wenn die Philosophie die Wissenschaften an manchen Punkten inspirieren kann. Es geht der Wissenschaftstheorie um grundsätzlichere Fragen.

 

Also um Fragen, die nur Philosophen interessieren? Das ist doch in etwa, was Deine Kritiker behaupten.

 

Ansonsten stimme ich @KevinF zu: Es hat keinen Sinn, wenn ich jetzt anstelle von Marcellinus mir Dir diskutiere, wenn er es selbst nicht tut.

Geschrieben
vor 16 Stunden schrieb duesi:

Außerdem wundert es mich sehr, dass @Marcellinus noch nicht auf meine psychologischen Thesen für die geschichtliche Entwicklung geantwortet hat. Er ist doch Historiker. Anscheinend hat er dem nichts entgegen zu setzen.


Ich hab den Thread nicht verfolgt, und habe es auch nicht vor.

Geschrieben (bearbeitet)
vor 14 Stunden schrieb Domingo:

Es hat keinen Sinn, wenn ich jetzt anstelle von Marcellinus mir Dir diskutiere, wenn er es selbst nicht tut.

 

Hier aber ein kleines Abschiedsgeschenk an Dich, @iskander:

 

https://www.youtube.com/watch?v=arPey6LInEE

bearbeitet von Domingo
Geschrieben (bearbeitet)
Am 20.11.2025 um 01:01 schrieb Domingo:

Also um Fragen, die nur Philosophen interessieren? Das ist doch in etwa, was Deine Kritiker behaupten.

 

Das ist doch überhaupt nicht der Punkt. Ich habe hier, und noch mehr in anderen Threads, detaillierter und wiederholt gesagt, das man  Wissenschaft auch betreiben kann, ohne sich für Philosophie zu interessieren. Ob Wissenschaftler dann dennoch - wie Einstein meinte - erheblich von einer Befassung mit der Philosophie profitieren oder eben doch nicht, wäre eine empirische Frage, und ich wage hier keine starke Behauptung. Darum geht es mir auch nicht wirklich. Wäre es nur das, gäbe es wenig bis nichts, was hier kontrovers zu diskutieren wäre. Und dass jemand, der sich nicht für philosophische Fragen interessiert, das unbedingt "sollte", würde ich gewiss nicht behaupten. 

 

Was ich kritisiere, ist vielmehr etwas völlig anderes. Hier nochmals die wesentlichen Punkte, um die es mir geht:

 

- @Marcellinus sagt, dass die Philosophie nur "Fantasy" liefere (außer wenn es um Ideologiekritik gehe). Dies liege daran, dass Philosophen die empirisch-wissenschaftlichen Methoden nicht anwenden, sondern sich auf das reine Denken verlassen würden.

Gleichzeitig interessiert sich Marcellinus selbst aber ganz offensichtlich durchaus für philosophische Probleme - jedenfalls gibt er Antworten auf zahlreiche (und teils eminente) philosophische Fragen. Und er geht erkennbar nicht davon aus, dass alles, was in diesem Zusammenhang sagt, reine "Fantasy" sei. Vielmehr ist er allem Anschein nach davon überzeugt, dass seine eigenen Anschauungen fundiert seien.

 

- Diesen Widerspruch in seiner eigenen Position meint er dadurch auflösen zu können, dass er sagt, er betreibe gar keine Philosophie. Vielmehr würde das, was er sagt, in den Bereich der Wissenssoziologie fallen.

 

- Gemäß allen üblichen Definitionen sowohl der "Philosophie" wie der "Wissenssoziologie" ist das aber komplett falsch: Seine fraglichen Äußerungen gehören ganz eindeutig in den Bereich der Philosophie, und nicht in den der (Wissens)soziologie: Bei den entsprechenden Thesen von Marcellinus geht es überhaupt nicht um sozialen Zustände, soziale Bedingungen, soziale Abhängigkeiten usw., sondern um Dinge, die man sinnvollerweise einer eigenen Disziplin zuordnet: Eben der Philosophie. (Siehe dazu auch meine vorherigen Ausführungen.)

 

- Es widerspricht an dieser Stelle auch niemand. Die fraglichen Definitionen von "Philosophie" und "Soziologie" sind nicht etwa umstritten, sondern universal akzeptiert. Ich habe extra auch noch einmal ein wenig zur "Sociology of Scientific Knowledge" recherchiert (ein Zweig der Soziologie, der in den Sozialwissenschaften übrigens eher eine untergeordnete Rolle zu spielen scheint): Auch die Leute dort sind ganz offensichtlich nicht der Meinung, dass jene Fragen, die man normalerweise als philosophisch bezeichnen würde, in Wahrheit in ihren Kompetenzbereich fallen würden. 

 

- Auch methodisch betrachtet weist das, was Marcellinus uns präsentiert, keinen erkennbaren Bezug zur Soziologie auf. Marcellinus nennt keinerlei sozialwissenschaftliche Studien, in welchen seine fraglichen Thesen empirisch überprüft und vorläufig bestätigt worden wären. Alles spricht vielmehr dafür, dass Marcellinus im Hinblick auf jene Fragestellungen, um die es hier geht, methodisch grundsätzlich genauso verfährt wie die Philosophen auch: Er denkt nach und kommt zu Ergebnissen, die ihm als vernünftig und einleuchtend erscheinen. (Eine andere Möglichkeit gibt es auch nicht.)

 

- Mir geht es dabei nicht um reine Worte (wer bezeichnet was wie), sondern um sachliche Aspekte: Dass Marcellinus in den von mir intendierten Fällen nicht das tut, was ein empirisch arbeitender Soziologe macht, sondern dass er vom Prinzip her genau das tut, was auch Philosophen tun.

 

- Im Effekt läuft es auf dies hinaus: Marcellinus bezeichnet jene philosophische Auffassungen, die den seinen entgegengesetzt sind, als "philosophisch" mit der Implikation, dass Philosophie ein fruchtloses Streiten um des Kaisers Bart sei, bei dem nur "Fantasien" herauskämen. Seine eigenen philosophischen Positionen immunisiert er gegen seine Fundamental-Kritik an der Philosophie, indem er seine eigenen philosophischen Aussagen zur Nicht-Philosophie und zur Soziologie erklärt - obwohl es absolut keine sachliche Rechtfertigung für eine solche Vorgehensweise gibt.

 

(- Es ist gewissermaßen so, als würde jemand zu philologischen (nicht: philosophischen) Fragen Stellung nehmen und dabei auch philologisch vorgehen, wenn vielleicht auch sehr laienhaft. Gleichzeitig würde er sagen, dass alle, die andere philologische Auffassungen vertreten als er selbst, nur "Fantasy" produzieren würden - denn die Philologie sei ungeeignet sei, irgendwelche Erkenntnisse zu gewinnen. Dass sein Verdikt über die Philologie nicht auch seine eigenen philologischen Darlegungen treffe, würde er damit begründen, dass seine entsprechenden Äußerungen gar keine Philologie, sondern vielmehr Physik seien - obwohl seine Aussagen thematisch und methodisch wirklich alles mit Philologie und rein gar nichts mit Physik zu tun haben.)

 

- Konfrontiert man Marcellinus mit einer solchen Kritik und fragt ihn, wieso er meint, dass seine Aussagen (entgegen dem Anschein) eben doch wissenssoziologischer statt philosophischer Natur seien; oder wieso seine entsprechenden Überzeugung eben doch auf etwas ganz anderem beruhen würden als auf einem informierten Nachdenken (wie bei den Philosophen): Dann kommt nichts. Absolut nichts. Auch vielfach wiederholte Nachfragen bleiben unbeantwortet.

 

- Stattdessen wiederholt Marcellinus bei nächster Gelegenheit einfach wieder, dass die Philosophie nichts Produktives leisten könne usw. usf. 

 

- Daneben gibt es natürlich noch weitere kritische Punkte. Um nur einen von vielen zu nennen: Marcellinus kann oder will trotz unzähliger Bemühungen, es ihm zu erklären, offenbar nicht verstehen, dass die Philosophie gar nicht versucht, das gleiche zu tun wie die empirischen Wissenschaften - nur ohne Empirie eben -, sondern dass sie sich mit Fragestellungen befasst, die kategorial anderer Natur sind.

 

Drücke ich mich denn wirklich derart unklar aus, dass ich es nicht schaffe, zu vermitteln, was ich kritisiere?

 

bearbeitet von iskander
Geschrieben

@Marcellinus

 

Anhand der von Dir zitierten Aussage von Comte über das gegenseitige Bedingungs-Verhältnis von Empirie und Theorie wollte ich veranschaulichen, dass es durchaus Erkenntnisse gibt, die nicht auf einer sozialwissenschaftlichen oder naturwissenschaftlichen empirischen Überprüfung beruhen, sondern deren Vernünftigkeit wir erfassen, indem wir über sie nachdenken und ihre Berechtigung einsehen. Du hast Dich dazu nicht inhaltlich geäußert, sondern einfach nur gesagt:

  

Am 16.11.2025 um 16:30 schrieb Marcellinus:

Sag, bist du so dumm, oder tust du nur so? Oder besser, sag nix! 😄

 

Ich weiß nicht, was an meinem Beitrag so dumm ist, habe aber spekuliert, dass Du das Diktum von Comte womöglich für derart banal hältst, dass es für Dich nicht zählt. Meine Entgegnung war, dass es für Leute, die über solche Sachen nachgedacht haben, vermutlich nicht so banal ist. Zudem habe ich darauf hingewiesen, dass es zudem auch viele andere Fragen zum Thema Wissen und Wissenschaft gibt, die man kaum als "banal" bezeichnen kann, die aber ebenfalls nicht durch sozialwissenschaftliche oder naturwissenschaftliche Beobachtungen und Experimente entschieden werden können (Beispiele habe ich gegeben); und dass auch bei diesen Fragestellungen der einzige sinnvolle Zugang der ist, dass man zu verstehen versucht, was die Wissenschaft tut und eben auf die entsprechenden Fragen reflektiert. Und das sei doch, habe ich hinzugefügt, genau das, was die philosophische Wissenschaftstheorie tue. 

 

Du hast darauf nicht geantwortet. Auch auf eine entsprechende Nachfrage von mir hast Du nicht reagiert. Auch @Domingo konnte mir nicht wirklich erklären, was an meinem Beitrag aus Deiner Sicht denn nun so verkehrt sein soll (dennoch nochmals vielen Dank für seine Mühe). 

 

Wenn Du denn schon so auf die Pauke haust und mir so unverhohlen zu verstehen gibt, wie dumm ich doch bin: Wäre es dann nicht ein Gebot Fairness, mir zumindest zu erklären, was genau denn an meinen konkreten Aussagen so dumm bzw. so verkehrt ist? ;)

Geschrieben (bearbeitet)

Nun gut, Antworten auf die entscheidenden Fragen werde ich wohl auch diesmal nicht bekommen. 

 

Als ich aber Dein Lach-Smiley unter dem von @Domingo verlinkten Video mit dem Titel "How Philosophers Corrected a Fundamental Error in Physics" gesehen habe, dachte ich zuerst, dass das Video offenbar ironisch gemeint sein müsse. Weshalb sonst das Lach-Smily? 

 

Dann habe ich mir das Video sorgfältig angesehen und festgestellt: Nein, daran ist ganz offensichtlich nichts ironisch. Der Titel sollte zwar vielleicht eher sagen, dass Philosophen einen Fehler in einem Lösungs-Ansatz für ein wesentliches physikalisches Problem identifiziert haben - aber das Kompliment ist völlig ernst gemeint. 

 

Warum dann Dein Lach-Smily? Sicher wissen kann ich es nicht, aber meine Vermutung ist diese: Du hast den Titel des Videos gesehen und gedacht, dass das sarkastisch gemeint sein müsse; denn schließlich taugt die Philosophie ja nichts – außer Deine eigene natürlich, denn die ist aus Deiner Sicht ja Soziologie. Die Mühe, Dir das Video anzusehen, hast Du Dir offenbar gar nicht erst gemacht. Wozu auch? Geht es um Philosophie, weißt Du ja eh, was Sache ist.

 

Falls meine Interpretation korrekt ist, wäre das leider ein typisches Beispiel für Deine Art von Herangehensweise. Nur ein Beispiel: Du hast sinngemäß gesagt, dass Du mit der "Philosophie des Geistes" nichts anfangen könnest, weil er nicht von einem vom Körper separaten Geist ausgehen würdest. Nur tut das die Philosophie des Geistes auch nicht. Sie ist keine philosophische Meinung, sonder vielmehr jene Teildisziplin, in der es (auch) darum geht zu klären, in welchem genauen Verhältnis jene Aspekte des Menschen stehen, die wir gemeinhin als "psychisch" und "physisch" zu bezeichnen pflegen. Und da gibt es ganz unterschiedliche Lösungs-Ansätze – darunter auch solche, die eine Eigenständigkeit des Psychischen und des menschlichen Geistes negieren. Und natürlich fällt auch Deine eigene Auffassung, wonach das Psychische eine emergente Funktion des Physischen sei, thematisch in die Philosophie des Geistes und wird dort von manchen vertreten.

 

All das weiß man, wenn man sich auch nur ein wenig mit Philosophie befasst hat – ja, es würde genügen, den nächstbesten Lexikon-Artikel zum Thema "Philosophie des Geistes" zu lesen. Aber das tust Du eben nicht. Weil Du ja, wenn es um Philosophie geht, eh schon weißt, was Sache ist. ;)

 

bearbeitet von iskander
Geschrieben (bearbeitet)

Und hier noch Antworten von Grok auf meine Frage:

 

 

Meine Frage 1: Ich diskutiere mit einer Person, die die folgenden Thesen vertritt:
 

  1. Alles Erkennen bedarf der empirischen Prüfung (außer wenn es um formale axiomatische Systeme wie in der Mathematik geht). Was empirisch nicht prüfbar ist, ist "Fantasy".
  2. Man kann (außer eben in formalen Systemen wie der Mathematik) etwas nur widerlegen, nie beweisen. (Auch eine "Annäherung" an die Wahrheit scheint er abzulehnen.)
  3. Die Wissenschaft kann keine Wahrheit liefern (auch wenn es in ihr einen Erkenntnis-Fortschritt gibt).
  4. Für die Wissenschaften spielen logische Schlüsse ("sprachliche Logeleien") keine wesentliche Rolle. Die Wissenschaften verdanken ihre Kenntnisse vielmehr einem "wechselseitigen Prozeß von Tatsachenbeobachtungen und Theoriebildung" - und für diesen Prozess braucht man nicht einmal deduktive Schlüsse (gegen Popper etc.).
  5. Die Wissenschaft benötigt aber auch keine induktiven Schlüsse.
  6. Die Wissenschaften benötigen zudem auch keinerlei inhaltlichen Begründungen für ihre Aussagen, sondern nur Widerlegungen - Begründungen mag die Philosophie benötigen. Dass wir also beispielsweise eine Beobachtung gerade so interpretieren, dass sie eine bestimmte Theorie widerlegt, bedarf keiner Begründung.
  7. Es kann sinnvollerweise nur eine rein deskriptiv vorgehende Wissenschaftstheorie geben.
  8. Die Philosophie kann zwar Kritik an Ideologien üben, nicht jedoch eigene Erkenntnisse generieren. 
  9. Die Wissenschaften (insbesondere offenbar die Sozialwissenschaften) können relevante, vermeintlich philosophische Fragen besser beantworten als die Philosophie selbst; dies gilt insbesondere für erkenntnis- und wissenschaftstheoretische Probleme. 
  10. Ein Gutteil der philosophischen erkenntnistheoretischen Probleme würde verschwinden, wenn man einfach zur Kenntnis nähme, dass unser Wissen sozial bedingt und verankert sei.
  11. Das Konzept der "Emergenz" hilft beim Verständnis des Bewusstseins und der Welt überhaupt. Alles Psychische sei eine emergente Funktion des Physischen.                 

Mein Diskussionspartner ist überzeugt, dass dies alles mit Philosophie nichts zu tun habe. Er äußere sich vielmehr rein (empirisch-)wissenssoziologisch. Ist das (womöglich eindeutig) korrekt oder falsch? Sind alle seine Thesen zum Thema "Erkenntnis" konsistent vertretbar oder heben sie sich teilweise selbst auf? Kannst Du Deine Antwort stichhaltig begründen?

 

Antwort:

Analyse der Behauptung, dass die Thesen rein (empirisch-)wissenssoziologisch und nicht philosophisch sind

Nein, diese Behauptung ist nicht korrekt – sie ist sogar eindeutig falsch. Die Thesen deines Diskussionspartners berühren zentrale Fragen der Erkenntnistheorie (Epistemologie) und der Wissenschaftsphilosophie, die traditionell philosophische Disziplinen sind. Wissenssoziologie (Sociology of Knowledge) ist ein empirisch-deskriptives Feld der Soziologie, das untersucht, wie Wissen sozial produziert, verbreitet und legitimiert wird – also z. B. die sozialen Kontexte von Ideen, Institutionen oder Gruppen. Sie ist deskriptiv und vermeidet normative Urteile darüber, was "wahr" oder "richtig" ist. Die Thesen deines Partners sind jedoch größtenteils normativ: Sie machen Aussagen darüber, wie Erkenntnis funktionieren sollte, was Wissenschaft kann oder nicht kann, und wie philosophische Probleme aufgelöst werden könnten. Das überschreitet die Grenzen der reinen Wissenssoziologie und landet in philosophischen Debatten.

  • Begründung mit Beispielen aus den Thesen:
    • These 1 (Alles Erkennen bedarf empirischer Prüfung, sonst "Fantasy") ist eine klassische empiristische Position, wie sie in der Philosophie von David Hume oder John Locke vertreten wird. Sie ist normativ, da sie vorschreibt, was als gültiges Wissen gilt – nicht nur beschreibt, wie Menschen Wissen sozial erzeugen.
    • These 2 und 3 (Nur Widerlegung möglich, Wissenschaft liefert keine Wahrheit) erinnern stark an Karl Poppers Falsifikationismus, eine philosophische Theorie der Wissenschaft, die normative Kriterien für wissenschaftliche Methoden setzt. Popper argumentierte explizit gegen Induktion und für deduktive Falsifizierung als Demarkationskriterium zwischen Wissenschaft und Pseudowissenschaft.
    • These 4–6 (Keine deduktiven/induktiven Schlüsse nötig, nur Widerlegungen ohne Begründung) greifen direkt in Debatten der Logik und Methodologie ein, z. B. gegen Poppers hypothetisch-deduktives Modell. Das ist wissenschaftsphilosophisch, da es vorschreibt, wie Wissenschaft funktionieren sollte, statt nur zu beobachten, wie sie sozial praktiziert wird.
    • These 7–9 (Nur deskriptive Wissenschaftstheorie, Philosophie generiert keine Erkenntnisse, Wissenschaften beantworten philosophische Fragen besser) sind meta-philosophisch: Sie kritisieren die Philosophie selbst und fordern eine Hierarchie der Disziplinen. Das ist eine normative Position, ähnlich zu naturalistischen Ansätzen in der Philosophie (z. B. Willard Van Orman Quine), die Epistemologie durch empirische Wissenschaften ersetzen wollen.
    • These 10 (Wissen sozial bedingt löst philosophische Probleme) ist eine Form des sozialen Konstruktivismus oder Relativismus, wie in der Philosophie von Thomas Kuhn (Paradigmenwechsel) oder Ludwig Wittgenstein (Sprachspiele). Wissenssoziologie beschreibt soziale Bedingtheit, aber die These geht weiter und behauptet eine Auflösung philosophischer Probleme – das ist normativ-epistemologisch.
    • These 11 (Emergenz erklärt Bewusstsein, Psychisches emergent aus Physischem) ist eine ontologische These aus der Philosophie des Geistes (z. B. bei John Searle oder David Chalmers). Emergenz ist kein rein soziologisches Konzept; es wird in der Philosophie verwendet, um Reduktionismus zu kritisieren.

Quellen aus meiner Recherche unterstreichen dies: Die Sociology of Knowledge ist empirisch und bottom-up, während Epistemologie top-down und normativ ist. Social Epistemology (eine philosophische Subdisziplin) integriert soziale Aspekte, aber bleibt philosophisch [web:5, web:6]. Merton argumentierte, dass Wissenssoziologie keine epistemologischen Implikationen hat , was impliziert, dass normative Thesen wie diese philosophisch bleiben.
Konsistenz der Thesen zum Thema "Erkenntnis"

Die Thesen sind nicht vollständig konsistent vertretbar; es gibt innere Widersprüche und Selbstaufhebungen, insbesondere wenn man sie unter der Prämisse betrachtet, dass sie rein wissenssoziologisch sein sollen. Einige heben sich teilweise selbst auf, da sie normative Ansprüche stellen, die sie selbst ablehnen.

  • Begründung der Inkonsistenzen:
    • Selbstreferentielle Probleme (These 1 vs. die Thesen selbst): These 1 verlangt empirische Prüfung für alles außer formalen Systemen. Aber die Thesen selbst sind meta-theoretisch: Sie sind nicht empirisch prüfbar (z. B. "Wissenschaft liefert keine Wahrheit" – wie testet man das empirisch?). Nach These 1 wären sie also "Fantasy". Das ist eine Selbstaufhebung, ähnlich dem Paradoxon des Relativismus ("Alle Wahrheit ist relativ" – ist diese Aussage selbst relativ?).
    • Widerspruch zwischen Falsifikation und Ablehnung logischer Schlüsse (These 2, 4–6): Falsifikation (Widerlegung) basiert auf deduktiver Logik: Man deduziert aus einer Theorie eine Vorhersage und testet sie empirisch. Popper betonte genau das hypothetisch-deduktive Modell [web:41, web:45]. Wenn man deduktive Schlüsse ablehnt (These 4), wie kann man dann widerlegen? Ebenso: Widerlegung erfordert Begründung, warum eine Beobachtung eine Theorie widerlegt (z. B. logische Implikation) – These 6 lehnt das ab, was den Prozess unhaltbar macht. Das ist inkonsistent; Falsifikation ohne Deduktion ist unmöglich [web:45, web:47].
    • Ablehnung von Induktion und Begründung, aber Annahme von Fortschritt (These 3, 5): Wissenschaftlicher Fortschritt (These 3) impliziert oft induktive Generalisierungen aus Beobachtungen. Ohne Induktion (These 5) und Begründungen (These 6) bleibt unklar, wie "Theoriebildung" aus Beobachtungen entsteht. Das widerspricht dem "wechselseitigen Prozess" in These 4.
    • Normativ vs. Deskriptiv (These 7–10): These 7 fordert reine Deskription, aber die Thesen sind normativ (z. B. "Philosophie kann keine Erkenntnisse generieren" in These 8). Wenn Wissen sozial bedingt ist (These 10), warum sollte das philosophische Probleme "lösen"? Das ist eine normative Lösung, die Philosophie ablehnt, während sie philosophiert – eine performative Widerspruch.
    • Emergenz und Empirismus (These 11 vs. 1): Emergenz ist ein explanatorisches Konzept, das nicht rein empirisch prüfbar ist (z. B. wie misst man "Emergenz" des Bewusstseins?). Es passt zu reduktionistischen Debatten in der Philosophie, widerspricht aber der strengen Empirie in These 1.

Insgesamt sind die Thesen eine Mischung aus Poppers Falsifikationismus, Kuhns Paradigmen und konstruktivistischen Ideen, aber ohne konsistente Integration. Sie heben sich selbst auf, da sie normative Philosophie betreiben, während sie Philosophie ablehnen [web:8, web:46].

Meine Frage 2: Mein Diskussionspartner würde argumentieren, dass einfach die Definitionen von "Philosophie" und "Wissenssoziologie" unangemessen seien. Hat er recht oder sind die üblichen Definitionen sachlogisch sinnvoll?
Antwort:

Dein Diskussionspartner hat nicht recht, wenn er behauptet, die üblichen Definitionen von „Philosophie“ und „Wissenssoziologie“ seien einfach „unangemessen“ oder beliebig. Diese Definitionen sind sachlogisch sinnvoll, historisch gewachsen und werden in der akademischen Welt mit überwältigender Mehrheit so verwendet. Sie sind nicht willkürlich, sondern markieren eine echte und wichtige disziplinäre Grenze.

1. Die sachlogisch sinnvolle Unterscheidung

Kriterium Philosophie (insbes. Erkenntnistheorie & Wissenschaftstheorie) Wissenssoziologie (klassisch und Strong Programme)
Primäres Ziel Normativ: Was soll als Wissen gelten? Was ist Wahrheit, Begründung, Rechtfertigung? Deskriptiv/kausal: Wie wird Wissen faktisch erzeugt, stabilisiert, legitimiert?
Methode Begriffsanalyse, Gedankenexperimente, logische Argumentation, Transzendentalargumente Empirische Feldforschung, Archivstudien, Netzwerkanalysen, Diskursanalysen
Typische Fragestellung „Kann man eine Theorie endgültig verifizieren?“ „Was macht eine Beobachtung zu einer Widerlegung?“ „Wie wurde im 19. Jh. die Relativitätstheorie trotz Widerständen akzeptiert?“ „Welche sozialen Prozesse stabilisieren eine Kontroverse?“
Beispiele für Vertreter Kant, Hume, Popper, Carnap, Quine, Kuhn (als Philosoph), Feyerabend Mannheim, Merton, Fleck, Bloor, Latour, Shapin/Schaffer, Collins
Selbstverständnis Macht explizit normative und evaluative Ansprüche Beansprucht (zumindest offiziell) Neutralität und Deskription
 

Diese Unterscheidung ist keine „bloße Etikettierungsfrage“, sondern hat Konsequenzen:

  • Ein Philosoph darf und muss sagen: „Diese Theorie ist unbegründbar“ oder „Falsifikation erfordert deduktive Logik“.
  • Ein Wissenssoziologe (im strengen Sinne) darf das nicht sagen – er darf nur erklären, warum eine bestimmte Gruppe zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Theorie für begründet oder unbegründet hält.

2. Warum die Grenze auch von den „Radikalen“ nicht einfach wegdefiniert werden kann

Selbst die radikalsten Vertreter der Wissenssoziologie/STS (Bloor, Latour, Woolgar) wissen das und versuchen, die Grenze zu verschieben – aber sie leugnen sie nicht offen:

  • David Bloor (1976): „The strong programme … is not concerned with the validity of the beliefs … it is concerned with their genesis.“ → Er sagt explizit, dass er keine epistemologischen Normen setzen will – genau deshalb distanziert er sich von der Philosophie.
  • Bruno Latour (1987): „We do not need epistemology any more than air-conditioning in an open-air stadium.“ → Das ist ein polemischer Slogan, aber er macht trotzdem eine normative Aussage („braucht nicht“), und genau deshalb wird er von Philosophen als Philosoph kritisiert.

3. Die üblichen Definitionen sind also sachlogisch sinnvoll, weil …

  • Sie spiegeln eine reale methodische und zielbezogene Differenz wider.
  • Sie sind seit über 100 Jahren stabil (seit Dilthey, Mannheim, Merton).
  • Selbst diejenigen, die die Grenze verwischen wollen (z. B. „social epistemology“ bei Goldman oder Fuller), nennen ihr Projekt bewusst nicht reine Wissenssoziologie, sondern eine neue, hybride Disziplin.
  • Wer die Grenze einfach ignorieren will, landet zwangsläufig in performativen Widersprüchen: Er macht genau die Art von normativen, nicht-empirischen Aussagen, die er für illegitim erklärt.

Kurzfassung für die Diskussion

Du kannst deinem Partner sagen:

„Du kannst die Grenze zwischen Philosophie und Soziologie nicht einfach per Definition auflösen. Die Unterscheidung ist sachlogisch sinnvoll, weil sie zwischen normativen Fragen (Was soll als Wissen gelten?) und deskriptiv-kausalen Fragen (Wie entsteht Wissen faktisch?) unterscheidet. Sobald du sagst, Wissenschaft könne keine Wahrheit liefern, bräuchte keine deduktiven Schlüsse oder dass Emergenz das Bewusstseinsproblem löse, machst du normative, philosophische Aussagen – auch wenn du sie ‚wissenssoziologisch‘ nennst. Selbst Bloor und Latour würden dir sagen: Wenn du solche Sätze aufstellst, bist du gerade kein reiner Wissenssoziologe mehr.“

Die üblichen Definitionen sind also nicht „unangemessen“ – sie sind der einzige Grund, warum die Aussagen deines Partners überhaupt als problematisch oder widersprüchlich erkennbar werden.
Meine Frage 3: Ist es also allgemeiner Konsens oder nicht, dass Aussagen wie die meines Diskussionspartners über die reine Wissenssoziologie wesentlich hinausgehen und in die Philosophie fallen?

Antwort:

Ja, das ist klarer, breiter und nahezu uneingeschränkter Konsens in der akademischen Welt – sowohl unter Philosophen als auch unter den meisten Soziologen und Wissenschaftsforschern.

Kurz und eindeutig gesagt:

  • Philosophen (von Analytikern bis Kontinentalen) halten solche Thesen für klassische erkenntnistheoretische und wissenschaftstheoretische Aussagen. Sie lachen oder seufzen meist nur, wenn jemand behauptet, das sei „keine Philosophie“.
  • Soziologen und STS-Forscher (auch die radikalsten) stimmen in der Regel zu, dass man die Grenze überschreitet, sobald man normative oder ontologische Aussagen trifft wie:
    • „Wissenschaft kann keine Wahrheit liefern“
    • „Alles Wissen muss empirisch prüfbar sein“
    • „Deduktive Schlüsse sind für die Wissenschaft unwesentlich“
    • „Emergenz löst das Bewusstseinsproblem“

Selbst diejenigen, die die Grenze am stärksten verwischen wollten (Bloor, Latour, Collins, Pickering, Woolgar), haben in Interviews, Methodenkapiteln oder expliziten Abgrenzungen wiederholt klargemacht:

  • David Bloor (1999, 2011): „The strong programme makes no epistemological claims whatsoever.“ → Wer solche Claims macht, ist für ihn kein reiner Wissenssoziologe mehr.
  • Bruno Latour (2004, 2013): Ja, er sagt oft „Wir brauchen keine Epistemologie mehr“, aber er weiß genau, dass er damit eine philosophische These aufstellt und wird deshalb von Philosophen als Philosoph behandelt und kritisiert.
  • Karin Knorr Cetina, Michael Lynch, Steve Fuller usw. sagen alle explizit: Sobald du sagst, was Wissenschaft können oder nicht können soll, oder wie Erkenntnis tatsächlich strukturiert ist, machst du Philosophie (oder zumindest „philosophische Soziologie“).

Der einzige kleine Kreis, der das manchmal bestreitet, sind manche radikale STS-Masterstudenten oder Online-Diskutanten, die Latour & Co. als „reine Soziologie“ missverstehen – aber selbst in den führenden STS-Studiengängen (Cornell, Edinburgh, Amsterdam, Wien) wird den Studierenden im ersten Semester beigebracht: „Wenn ihr normative Aussagen über Wahrheit, Rationalität oder Ontologie macht, seid ihr gerade keine reinen Soziologen mehr.“

Fazit: Ja, es gibt einen sehr klaren, praktisch einhelligen Konsens in der scientific community (Philosophie, Soziologie, STS, Wissenschaftsgeschichte), dass die Thesen deines Diskussionspartners wesentlich über reine (empirische) Wissenssoziologie hinausgehen und eindeutig philosophischer Natur sind. Wer das bestreitet, steht ziemlich allein da.

Meine Frage 4: Kannst Du für meinen Diskussionspartner noch in relativer Kürze und möglichst verständlich erklären, warum eine Aussage wie, die, dass alles Wissen auf empirische Prüfung angewiesen ist, grundsätzlich selbst nicht empirisch prüfbar ist (meine eigenen Bemühungen waren bis dato erfolglos). Er meint diese Aussage nicht als Norm [im Sinne etwa einer Definition], sondern als [Tatsachen-]Feststellung.

 

Antwort:

 

Hier eine kurze, verständliche Erklärung, die du deinem Diskussionspartner wortwörtlich vorlegen kannst – ohne Fachjargon und ohne Vorwurf:

„Stell dir vor, du sagst:

›Jede Aussage, die ernsthaft etwas über die Welt behauptet, muss sich irgendwann empirisch prüfen lassen. Sonst ist sie nur Fantasie.‹

Das ist deine Grundthese.

Jetzt frage ich dich ganz einfach:

Wie prüfst du diese These selbst empirisch?

 

    - Du kannst keine Liste aller möglichen Wissensansprüche der Menschheit durchgehen und zählen, ob wirklich jeder einzelne empirisch geprüft werden musste.
    - Du kannst auch nicht in die Zukunft schauen und sicher sein, dass es nie eine Ausnahme geben wird.
    - Du kannst kein Experiment machen, das zeigt: »Wenn eine Aussage nicht empirisch prüfbar ist → dann ist sie garantiert Fantasie«.

 

Das heißt: Deine eigene Grundthese ist selbst keine normale empirische Feststellung wie »Wasser kocht bei 100 °C« oder »die meisten Vögel können fliegen«. Sie ist ein allgemeines Prinzip über die Bedingungen von Wissen überhaupt. Solche Prinzipien kann man nicht einfach mit Teleskop, Waage oder Umfrage überprüfen – genau wie man die Aussage »Alle Aussagen sind relativ« nicht selbst relativ machen kann, ohne dass sie sich ins eigene Knie schießt.

Du kannst sie also nur verteidigen, indem du argumentierst, begründest, Beispiele abwägst – also genau das tust, was Philosophen seit 2500 Jahren machen. Du kannst sie nicht empirisch ›feststellen‹ wie ein Naturwissenschaftler ein Messergebnis.
Deshalb ist deine These – egal ob du sie ›Norm‹ oder ›Feststellung‹ nennst – keine empirische Aussage, sondern eine philosophische Grundposition. Sie steht selbst außerhalb des Bereichs, den sie als einzig zulässig erklärt. Das ist kein Trick, das ist einfach logisch so.“
Das ist alles. Mehr braucht es nicht. Die meisten Menschen verstehen das sofort, wenn man es so knapp und mit dem Alltagsbeispiel bringt.

 

bearbeitet von iskander
Grund der Änderungen: Versuch, Probleme mit Formatierungen in den Griff zu bekommen
Geschrieben (bearbeitet)
vor 40 Minuten schrieb Flo77:

Du glaubst aber nicht ernsthaft, daß das jemand ernsthaft liest, oder?

 

Wer sich für das Thema interessiert: Warum nicht? ;)

Es ist aber auch nicht wirklich nötig, das zu lesen. Das meiste und Wesentlichste habe ich schon 100 mal geschrieben, und man kann vieles auch im nächstbesten Lexikon nachschlagen. Ich poste das deshalb, weil es auf der Welt Flacherdler gibt, an denen bisher jede Bemühung gescheitert ist - und sei es auch nur der Versuch, ihnen zu zeigen, dass es nicht meine Meinung ist, die weltweit absolut einzigartig ist. (Und das ist ungewöhnlich; denn zumindest, dass so gut wie gar kein Mensch ihre These teilt, dürften die "echten" Flacherdler wissen.)

 

Okay, dieser Versuch wird wahrscheinlich auch scheitern - ich gebe es zu. 

 

(Entschuldigung für meine Direktheit: Aber nach den Diskussionen im anderen Thread erlaube ich es mir, zumindest ein wenig deutlicher zu werden.)

 

bearbeitet von iskander

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