Shubashi Geschrieben vor 12 Stunden Melden Geschrieben vor 12 Stunden In einem anderen Thread haben wir ansatzweise über Prozesse religiöser Radikalisierung bzw. über Wege aus der Radikalisierung heraus gesprochen. In unserer Lokalzeitung erschien heute ein Gespräch mit einem Deradikalisrungsexperten, der versucht Menschen aus dieser Art religiösem Abseits herauszuführen. Der Bedarf dazu ist eindeutig gesellschaftlich - von 19 gewaltbereiten „Gefährdern“ in Hamburg sind 14 religiös motiviert, die Zahl gewaltbereiter Islamisten ist inzwischen auf über 1600 gestiegen. Interessant finde ich, dass der Ausstieg aus diesem Irrweg ganz überwiegend über Familie und Gemeinschaft geschieht, eher nicht über ideologisch-religiöse Grundsatzdebatten. Damit berührt das Thema in meinen Auge Religiosität generell. Im Christentum geht es damit v.a. um das Gleichgewicht zwischen Gottesliebe und Menschenliebe. Auch wenn Radikalisierung in der katholischen Kirche sich heute idR nicht gegen die Gesellschaft und andersgläubige Menschen wendet, hat sie das in der Vergangenheit durchaus getan. Letztlich haben wir die Toleranz erst durch den Widerstand der Reformation erlernt, sozusagen auch nur notgedrungen durch das „Gleichgewicht der Kräfte“. Auf der anderen Seite scheint das karitative, auf die Familie und Gesellschaft gerichtete Handeln im Christentum sozusagen wie eine eingebaute „Deradikalisierung“, die in ihrer Möglichkeit der rechthaberischen und letztlich egoistischen „Abwendung von allen“ entgegenwirken kann. In diesem Sinne finde ich, dass „Deradikalisierung“ im Sinne der Abwendung von intoleranter Rechthaberei durchaus auch eine Aufgabe im Christentum sein kann - sie braucht dazu gegenwärtig aber zum Glück wohl kaum eigens ausgebildete „Deradikalisierungsexperten“. Zitieren
SteRo Geschrieben vor 12 Stunden Melden Geschrieben vor 12 Stunden vor 35 Minuten schrieb Shubashi: Im Christentum geht es damit v.a. um das Gleichgewicht zwischen Gottesliebe und Menschenliebe. Versteht man das so bei euch Protestanten? (Komm mir jetzt bloß nicht mit deiner katholischen Mitgliedschaft). Zitieren
nannyogg57 Geschrieben vor 11 Stunden Melden Geschrieben vor 11 Stunden vor 11 Minuten schrieb SteRo: Versteht man das so bei euch Protestanten? (Komm mir jetzt bloß nicht mit deiner katholischen Mitgliedschaft). Auch wenn es eventuell nicht in dein Weltbild passt: Du bist definitiv nicht das Sprachrohr der katholischen Christenheit. Das nur, um deinen Post einzuordnen. Zitieren
SteRo Geschrieben vor 11 Stunden Melden Geschrieben vor 11 Stunden vor 2 Minuten schrieb nannyogg57: Auch wenn es eventuell nicht in dein Weltbild passt: Du bist definitiv nicht das Sprachrohr der katholischen Christenheit. Das nur, um deinen Post einzuordnen. Du meinst vermutlich "der römisch-katholischen Christenheit" ... das stimmt, das bin ich nicht. Zitieren
rorro Geschrieben vor 10 Stunden Melden Geschrieben vor 10 Stunden vor 1 Stunde schrieb SteRo: Du meinst vermutlich "der römisch-katholischen Christenheit" ... das stimmt, das bin ich nicht. Auch nicht der katholischen. Auch nicht der apostolischen. Zitieren
Shubashi Geschrieben vor 5 Stunden Autor Melden Geschrieben vor 5 Stunden Immerhin ist die Frage interessant - wäre das wirklich ein „protestantischer Zug“, ein „Gleichgewicht“ zwischen den Teilen des Doppelgebotes anzunehmen? Ehrlich gewagt, habe ich das einfach auch für einen Zug des frühen Christentums angesehen, in dem der Besitz schon früh in den Dienst der Gemeinschaft gestellt wurde. Oder man eben die Geschichte der Orden bedenkt, die sich schon im frühen Mittelalter vom bis dahin idealisierten Einsiedlertum zur gemeinschaftlich organisierten Arbeit hinwenden, die neben das bloße Gebet tritt. Die gemeinsame Gestaltung und der Aufbau ist ohne den Gedanken an den nächsten sinnlos. Im Islam oder Judentum hatte diese Art der Lebensgemeinschaft kein Pendant, die Orden im Buddhismus hingegen sehen eher das Almosen als wirtschaftliche Basis. (Die hochmittelalterlichen Bettelorden waren dann wieder der Protest gegen den durch die Arbeit angehäuften Besitz.) Da ich kein Theologe bin - ist die Idee vom Gleichgewicht im Doppelgebot nur meine eingebildete Ignoranz? Zitieren
KevinF Geschrieben vor 18 Minuten Melden Geschrieben vor 18 Minuten (bearbeitet) 5 hours ago, Shubashi said: Immerhin ist die Frage interessant - wäre das wirklich ein „protestantischer Zug“, ein „Gleichgewicht“ zwischen den Teilen des Doppelgebotes anzunehmen? Ehrlich gewagt, habe ich das einfach auch für einen Zug des frühen Christentums angesehen, in dem der Besitz schon früh in den Dienst der Gemeinschaft gestellt wurde. Oder man eben die Geschichte der Orden bedenkt, die sich schon im frühen Mittelalter vom bis dahin idealisierten Einsiedlertum zur gemeinschaftlich organisierten Arbeit hinwenden, die neben das bloße Gebet tritt. Die gemeinsame Gestaltung und der Aufbau ist ohne den Gedanken an den nächsten sinnlos. Im Islam oder Judentum hatte diese Art der Lebensgemeinschaft kein Pendant, die Orden im Buddhismus hingegen sehen eher das Almosen als wirtschaftliche Basis. (Die hochmittelalterlichen Bettelorden waren dann wieder der Protest gegen den durch die Arbeit angehäuften Besitz.) Da ich kein Theologe bin - ist die Idee vom Gleichgewicht im Doppelgebot nur meine eingebildete Ignoranz? "Gleichgewicht" würde nach meinem Verständnis (übrigens protestantisch geprägt, aber ich spreche nicht für den Protestantismus) einen Zielkonflikt voraussetzen und den sehe ich zumindest in der Theorie nicht: Die Liebe zu Gott ist die Liebe zum Guten selbst. Dort, wo die Gottesliebe angeblich der Nächstenliebe im Weg steht, ist es imo keine Gottesliebe mehr, sondern eine Verzerrung davon, d.h. eine unvernünftige Form von Religion. Gerade bei Dir kann ich mir eigentlich schwer vorstellen, dass sich Gottes- und Nächstenliebe widersprechen. Daher die Frage: Wie kommst Du auf "Gleichgewicht"? bearbeitet vor 16 Minuten von KevinF Zitieren
rorro Geschrieben vor 2 Minuten Melden Geschrieben vor 2 Minuten vor 12 Stunden schrieb Shubashi: Auf der anderen Seite scheint das karitative, auf die Familie und Gesellschaft gerichtete Handeln im Christentum sozusagen wie eine eingebaute „Deradikalisierung“, die in ihrer Möglichkeit der rechthaberischen und letztlich egoistischen „Abwendung von allen“ entgegenwirken kann. In diesem Sinne finde ich, dass „Deradikalisierung“ im Sinne der Abwendung von intoleranter Rechthaberei durchaus auch eine Aufgabe im Christentum sein kann - sie braucht dazu gegenwärtig aber zum Glück wohl kaum eigens ausgebildete „Deradikalisierungsexperten“. Mir scheint das Ganze von Dir jetzt sehr bemüht, so als müssten wir Christen auch was finden, bloß weil die europäische Christenheit die letzten Jahrzehnte einfach keine primär religiös motivierten Terroranschläge verübt hat. Darf ja nicht sein, daß die anderen problematischer sind. Doch, sind sie. Eine ganze muslimische Gruppe wurde u.a. im Englischen eingemeindet dafür: die Assassinen. Der Vorwurf der Rechthaberei ist keiner. Von etwas vollkommen überzeugt sein kann nur der mit festen Überzeugungen. Das mag als rechthaberisch rüberkommen - na und? Zitieren
KevinF Geschrieben gerade eben Melden Geschrieben gerade eben 16 minutes ago, KevinF said: "Gleichgewicht" würde nach meinem Verständnis (übrigens protestantisch geprägt, aber ich spreche nicht für den Protestantismus) einen Zielkonflikt voraussetzen und den sehe ich zumindest in der Theorie nicht: Die Liebe zu Gott ist die Liebe zum Guten selbst. Dort, wo die Gottesliebe angeblich der Nächstenliebe im Weg steht, ist es imo keine Gottesliebe mehr, sondern eine Verzerrung davon, d.h. eine unvernünftige Form von Religion. Gerade bei Dir kann ich mir eigentlich schwer vorstellen, dass sich Gottes- und Nächstenliebe widersprechen. Daher die Frage: Wie kommst Du auf "Gleichgewicht"? Anders gesagt: Ethik sollte ein Kriterium für Religion sein, nicht umgekehrt. Zitieren
Recommended Posts
Join the conversation
You can post now and register later. If you have an account, sign in now to post with your account.