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Moderne Endzeitlichkeit


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Geschrieben

Viele Menschen neigen ja dazu, den Tag mit „doom scrolling“ zu verbringen, lt. einer Umfrage der APA (US Psychologen Verband) von 2022 sind es 73% der dortigen Bürger. Im gleichen stellte Pew Research fest, dass 39% dort ebenfalls der Meinung sind, in der Endzeit zu leben. Diese Meinung ist nicht exklusiv auf Christen beschränkt, sie soll unter Nichtreligiösen Menschen sogar noch verbreiteter sein. Von der Politik wenden sich diese Menschen eher ab.

Diese Haltung ist also nicht nur rein religiös relevant, sie bekommt den Menschen weder in ihrer Weltsicht noch in ihrer mentalen oder physischen Gesundheit.

Zu diesem Thread hat mich ein Post hier veranlasst, der in seinem Pessimismus und seiner Niedergeschlagenheit auch Kirche und Glauben einbezieht - und behauptet, Kirchen hätten in diesen Zeit nichts dazu zu bieten!

Ich möchte dem einerseits aus meiner persönlichen Glaubenssicht als auch andererseits aus meiner Interpretation des christlichen Glaubens widersprechen. Das Bild Luthers „Apfelbäumchen“, dass im Angesicht des Weltuntergangs noch gepflanzt, ist erstmals im Angesicht des ganz realen Untergangs 1944 nachweisbar. Die aufgehaltene Parusie aber auch als Chance des Glaubens zu sehen und dabei die endgültige nicht zu fürchten, wird meiner Meinung auch in diesem Advents-Interview mit Kardinal Kasper sehr schön beschrieben.

Ich würde hier ganz gerne mal etwas abgewandt vom Tagespolitischen diskutieren, ob wirklich Verzagtheit, Genörgel und Gejammer eine christliche Antwort auf die zugegeben nicht gerade rosigen Zeiten sind. Oder ob unsere Hoffnung nicht in dem „ganz Anderen“ wurzelt, und für das „Untergang“ nur ein anderes Wort für „Verwandlung“ ist.

Geschrieben
vor 40 Minuten schrieb Shubashi:

Viele Menschen neigen ja dazu, den Tag mit „doom scrolling“ zu verbringen, lt. einer Umfrage der APA (US Psychologen Verband) von 2022 sind es 73% der dortigen Bürger. Im gleichen stellte Pew Research fest, dass 39% dort ebenfalls der Meinung sind, in der Endzeit zu leben. Diese Meinung ist nicht exklusiv auf Christen beschränkt, sie soll unter Nichtreligiösen Menschen sogar noch verbreiteter sein. 

 

Schon interessant, wenn die offenbarte Endzeit mit der psychologisch-psychiatrischen bedingten "Endzeit" von Gottlosen und Heiden gleichgesetzt wird.

 

Mt 24, 29  Aber gleich nach der Bedrängnis jener Tage wird die Sonne verfinstert werden und der Mond seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. 30  Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel erscheinen; und dann werden wehklagen alle Stämme des Landes, und sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit.

 

31  Und er wird seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten versammeln von den vier Winden her, von dem einen Ende der Himmel bis zu ihrem anderen Ende.

 

Die christliche Endzeit ist also wie der biologische Tod auch, welcher die "persönliche Endzeit" jedes Menschen kennzeichnet, positiv besetzt.

 

36  Von jenem Tag aber und jener Stunde weiß niemand, auch nicht die Engel in den Himmeln, auch nicht der Sohn, sondern der Vater allein.

Spekulationen bzgl. des Zeitpunktes sollten Christen also unterlassen.

 

Geschrieben
11 minutes ago, SteRo said:

Schon interessant, wenn die offenbarte Endzeit mit der psychologisch-psychiatrischen bedingten "Endzeit" von Gottlosen und Heiden gleichgesetzt wird.


Ich setze es nicht gleich, sondern sehe parallele Entwicklungen von subjektiver Wahrnehmung in der Jetztzeit. „Doomscrolling“ wird sich vielen in modernen Gesellschaften mit vergleichbaren Zahlen finden, und in den USA scheinen sich mehr areligiöse als religiöse Menschen davon beeinflussen zu lassen.

Und das Christen sich davon anstecken lassen sollten, meine ich eben gerade nicht. Nur denke ich, dass es für diese Haltung nicht ausreicht, auf ein paar Schriftstellen zu verweisen, sondern man gerade jetzt echte Hoffnung, wirkliche Liebe zu den Menschen und einen mutigen Glauben braucht. 

Geschrieben

 

vor 40 Minuten schrieb Shubashi:


Ich setze es nicht gleich, sondern sehe parallele Entwicklungen von subjektiver Wahrnehmung in der Jetztzeit. „Doomscrolling“ wird sich vielen in modernen Gesellschaften mit vergleichbaren Zahlen finden, und in den USA scheinen sich mehr areligiöse als religiöse Menschen davon beeinflussen zu lassen.

Und das Christen sich davon anstecken lassen sollten, meine ich eben gerade nicht. Nur denke ich, dass es für diese Haltung nicht ausreicht, auf ein paar Schriftstellen zu verweisen, sondern man gerade jetzt echte Hoffnung, wirkliche Liebe zu den Menschen und einen mutigen Glauben braucht. 

Aber diese Stimmungen gibts doch dauernd in jeder Gesellschaft mehr oder weniger ausgeprägt

Geschrieben
vor 4 Stunden schrieb SteRo:

Schon interessant, wenn die offenbarte Endzeit mit der psychologisch-psychiatrischen bedingten "Endzeit" von Gottlosen und Heiden gleichgesetzt wird.

Ein dystopisches Märchen und ein zweites dystopisches Märchen.

Trotzdem natürlich nicht gleichzusetzen, es sind unterschiedliche Märchen.

 

Werner

Geschrieben
20 hours ago, Werner001 said:

Ein dystopisches Märchen und ein zweites dystopisches Märchen.

Trotzdem natürlich nicht gleichzusetzen, es sind unterschiedliche Märchen.

 

Werner


Jede Zeit hat ihre eigenen Dystopien. Sei es diejenigen, die früher bloß aus Legenden und metaphysischen Spekulationen abgeleiteten, sei es die der wissenschaftlich begründeten atomaren Moderne.

Und heute kommen die aus Klimawissenschaften, Astronomie, Mikrobiologie und Computerwissenschaften dazu. Nur weil es 2000 Jahre gutging, heißt es ja nicht das es so bleibt. Die Menschheit vermehrt die Risiken, ohne aber gleichzeitig verbesserte politische oder ethische Rahmenbedingungen zu haben. „Ich glaube nicht daran“ ist zunehmend schwächer begründet als „Ich glaube daran“.

Geschrieben
vor 2 Stunden schrieb Shubashi:

Nur weil es 2000 Jahre gutging, heißt es ja nicht das es so bleibt.

Das meinte ich nicht. Ich meinte die vom Himmel fallenden Sterne und herumposaunenden Engel.

Stünde da z. B., dass ein Asteroid aus dem Kuipergürtel die Erde mit solcher Wucht treffen wird, dass alles menschliche Leben ausgelöscht wird, hätte ich das nicht Märchen genannt 

 

Werner

Geschrieben (bearbeitet)
vor 18 Minuten schrieb Werner001:

Stünde da z. B., dass ein Asteroid aus dem Kuipergürtel die Erde mit solcher Wucht treffen wird, dass alles menschliche Leben ausgelöscht wird, hätte ich das nicht Märchen genannt 

 

Sondern wie?

Bruce Willis hat das Problem Armageddon doch längst gerockt.

 

Wir schaffen das!

bearbeitet von Weihrauch
Geschrieben
vor 11 Minuten schrieb Weihrauch:

Sondern wie?

Eine glaubwürdige Prophezeiung 

 

Werner

Geschrieben
4 hours ago, Werner001 said:

Das meinte ich nicht. Ich meinte die vom Himmel fallenden Sterne und herumposaunenden Engel.

Stünde da z. B., dass ein Asteroid aus dem Kuipergürtel die Erde mit solcher Wucht treffen wird, dass alles menschliche Leben ausgelöscht wird, hätte ich das nicht Märchen genannt 

 

Werner


Ich denke, religiöse endzeitliche Prophezeihungen sind idR Gleichnisse, die sich einerseits auf die Wiederkunft/Ankunft des Messias beziehen, und Warnungen vor einem göttlichen Gericht.

Seit die technifizierte Welt die menschlichen Wirkmittel enorm gesteigert haben, gibt es die weltimmanente Deutung der völligen Zerstörung ohne die positive Utopie der Neuschöpfung.

Ich denke, auch die weltimmanente Dystopie ist v.a. eine Warnung vor menschlicher Hybris, für die „Märchen“ etwas kurz greift.

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