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Vierter Sonntag der Osterzeit


Torsten
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http://www.kath.de/predigt/jk/1joh3-1.htm

 

"Angst gibt es in der Liebe nicht, sondern die vollkommene Liebe vertreibt die Angst. Denn die Angst rechnet mit Strafe, und wer sich fürchtet, dessen Liebe ist nicht vollendet" (1 Joh 4,18)

 

"Wir heißen Kinder Gottes und sind es", für wen ist das ein heller, unverwechselbarer Trompetenstoß? Nicht für tyrannisierte Kinder und auftrotzende Jugendliche. Ein klares Heilssignal ist es aber für kleiner Kinder Eltern, die sich ihrer unbedingten Liebe bewußt sind und darin das Bild jener Liebe vernehmen, mit der das Herz der Welt sie selber bejaht.

 

"Wir heißen Kinder Gottes" ist nicht Heilssignal für tyrannisierte Kinder und auftrotzende Jugendliche? Wohl aber ist es ein Trompetenstoß für noch kleiner Kinder Eltern, die darin ein Bild jener Liebe vernehmen, mit der das "Herz" dieser Welt sie selber bejaht und ihnen doch nichts als einen Haufen Arbeit und Ärger und Sorgen bringt.

 

Der wahre Sinn von "Kind Gottes" leuchtet nicht Kindern und Jugendlichen auf, erst Eltern oder doch Mündigen, die sich zu Kindern wohlwollend verhalten.

 

Im realem Koma liegend nach Gesten des Wohlwollens suchen wenn der Highscore stimmt und die Verzweiflung des eigenen Versagens angesichts des Versagens der Kinder mit Gewalttätigkeit zu lösen suchen. Und die kleinen und großen Kinder laufen aus Enttäuschung und Versagensängsten nicht nur auf virtuellen Plattformen Amok. Gegen den Druck des Buchstabens und der Zahlen, dem sie in Häusern aus Stein ausgeliefert sind und waren und sein werden. Wenn kein Herz und kein Erbarmen.

 

Die Stimmung eines Kindes schwankt zwischen liebendem Vertrauen und Angst vor der elterlichen Übergewalt, der es hilflos ausgeliefert ist. Der Gegensatz solch zweideutiger Grundstimmung zum eindeutigen Glauben an die eindeutige Liebe, wie ihn ein Kind leben könnte, das sich zugleich dank erwachsener Vernunft in die Beziehung einfühlt, die seine Eltern zu ihm haben: dieser Gegensatz erklärt, warum Jesu Evangelium in keiner Epoche der Kirche wirklich bei ihr angekommen ist. Denn in jeder Generation fängt jedes christliche Gemüt neu als angstbedrohtes Kind an, dessen Grunderlebnis die Dauerspannung zwischen Angst vor dem allmächtigen Anderen und Vertrauen zu seiner Freundlichkeit ist und zwar (bei religiöser Sozialisation) wie auf Erden so im Himmel.

 

Der Gegensatz solch zweideutiger Grundstimmung zum eindeutigen Glauben an die eindeutige Liebe, wie ihn ein Kind leben könnte, das sich zugleich "dank" erwachsener Vernunft in die Beziehung einfühlt, die seine Eltern zu ihm haben: eigen Fleisch und Blut, dem nur Wohlwollen entgegenschlägt, wenn man es sich durch Leistung erkaufen kann, auf dass die Eltern die Selbstbestätigung finden, die ihnen das Bild von Liebe nicht geben kann, das sie voneinander haben als Mann und Frau, erklärt einiges.

 

Die irdische Facette dieser Grundspannung wandelt sich mit wachsender Ichstärke allmählich in eine gesunde Dreipoligkeit: Scheu vor der väterlich bedingten Strenge (wenn du tust, was ich will, geht's dir gut) / Vertrauen zur mütterlich unbedingten Huld (was ich auch tue, ich bin doch dein geliebtes Kind) / Zutrauen zur eigenen Kraft (ich weiß, daß ich selbst wer bin). Der Heranwachsende erfährt, daß sein Vater keineswegs allmächtig ist, deshalb verschwindet die alte Urangst, macht einer verständigen Balance von Ich und Über-Ich Platz: Wenn ich nicht gegen die Gesetze verstoße sondern mich den herrschenden Normen anpasse, komme ich zurecht.

 

Die irdische Facette dieser Grundspannung wandelt sich mit wachsendem Ego in ein Verständnis, wie der Hase läuft.

Entweder mitlaufen, dass der Vater stolz sein kann und der Mutter Herz mit leblosem Gold erfüllt wird. Oder in den Bau wandern, und der Vater schämt sich und das Mutterherz grämt sich. Die zweideutige Dreipoligkeit der Erziehung zum Anstand.

 

Oder jemand wird endlich, drittens, von Jesu Impuls ergriffen, durchschaut gleichfalls das zweideutige Gottesbild als unreife Projektion, ersetzt es jedoch nicht durch nichts sondern durch die wahre, unendlich reine Liebe, die Jesus auf Erden "Abba" genannt hat und seither als Auferstandener in den Herzen der Seinen ebenso anruft.

 

Es ist das Kreuzleiden, das uns zu Brüdern macht. Kinder Gottes heissen wir und kennen nur einen Vater. Er will uns weiden auf einer grünen Aue, uns mit dem Stab und Stecken trösten den er uns gab, mit dem wir sonst einen Staat machen und die Welt ins Leiden regieren. Wir wollen Schwestern, die sich uns ihres Herzens und aus Verstand erbarmen und uns hinlegen, ein sanftes Joch für uns und eine leichte Last für ihr schwererwiegendes Kreuz. Damit dieses Leiden ein Ende findet.

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