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In Catilinam


Guest jakob
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Guest jakob

In Catilinam (1, 1 -11)

 

1) Wie lang noch wirst du unsere Geduld missbrauchen, Catilina? Wie lange noch wird uns diese deine Raserei da verspotten? Wie lange noch wird sich deine zügelose Kühnheit breitmachen? Haben dich in keiner Weise der nächtliche Schutz des Palatins, in keiner Weise die Stadtwachen, in keiner Weise die Furcht des Volkes, in keiner Weise der Zusammenlauf aller Patrioten, in keiner Weise dieser sehr befestigte Ort für die Senatsversammlung und in keiner Weise die Gesichter und Mienen dieser bewegt? Merkst du nicht, dass deine Pläne offenstehen? Siehst du nicht, dass durch das Wissen all dieser deine Verschwörung schon lahmgelegt ist? Meinst du, irgend jemand von uns weiß nicht, was du letzte und vorletzte Nacht getan hast, wo du gewesen bist, welche (Leute) du zusammengerufen und was für einen Plan du gefasst hast?

 

2)Oh Zeiten, oh Sitten! Der Senat versteht, der Konsul sieht dies; dieser lebt dennoch. Er lebt?! Ja er kommt sogar in den Senat, nimmt an einer öffentlichen Versammlung teil, merkt sich vor und bestimmt mit den Augen jeden einzelnen von uns zum Mord. Wir tapferen Männer aber bilden uns ein, genug für den Staat zu tun, wenn wir die Tollheit und die Geschosse von diesem da meiden. Es hätte sich schon längst gehört, dass du auf Befehl des Konsuls zum Tode geführt wirst, Catilina, und, dass über dich das Unheil gebracht wird, welches du schon lange gegen uns alle ausheckst.

 

3)Oder sollen wir Konsuln etwa einen Catilina ertragen, der begehrt den Erdkreis mit Mord und Bränden zu verwüsten, während ein sehr bedeutender Mann, der Oberpriester Publius Scipio, den Tiberius Gracchus, der den Bestand des Staates nur unerheblich ins Wanken brachte, tötete? Denn diese allzu alten Dinge übergehe ich, nämlich dass der Gaius Servilius Ahala den Spurius Maelius, der sich um einen Umsturz bemühte, getötet hat. Es gab, ja es gab in diesem Staat einst diese Tüchtigkeit, dass tapfere Männer den verderblicher Bürger mit schärferen Strafen in die Schranken wiesen als den erbittertsten Feind. Wir haben einen Senatsbeschluss gegen dich, Catilina, einen heftigen und strengen; es fehlt dem Staat nicht an Plan und nicht an Vollmacht dieses Gremiums; wir, ich sage es offen, ja wir Konsuln fehlen.

 

4)Einst beschloss der Senat, dass der Konsul Lucius Optimus zusehe, dass der Staat nicht irgendeinen Schaden nehme; keine Nacht verging: Getötet wurde Gaius Gracchus wegen bestimmter Verdachtsmomente auf aufrührerische Tätigkeiten, obwohl er von einem sehr berühmten Vater, Großvater und (sehr berühmten) Vorfahren abstammte; getötet wurde mit seinen Kindern der gewesene Konsul Marcus Fulvius. Durch einen ähnlichen Senatsbeschluss wurde den Konsuln C. Marius und L. Valerius der Staat überlassen; ließ etwa der Tod als Strafe des Staates einen Tag später den Volkstribun L.Saturninus und den Prätor C. Servilius warten? Wir aber lassen hingegen schon den 20. Tag zu, dass die Schärfe der Vollmacht dieser stumpf wird. Wir haben nämlich einen derartigen Senatsbeschluss, aber er ist in den Akten eingeschlossen wie in einer Schwertscheide verborgen; aufgrund des Senatsbeschlusses hätte es sich gehört, dass du sofort getötet wirst. Du lebst, und du lebst nicht um deine Frechheit abzulegen, sondern um sie zu verstärken. Ich begehre mild zu sein, Väter und Beigeordnete, ich begehre in so großen Gefahren für den Staat nicht fahrlässig zu erscheinen, aber ich beschuldige mich selbst schon der Tr&aúml;gheit und Nichtsnutzigkeit.

 

5)Ein Lager ist in Italien, in der Schlucht Etruriens gegen das römische Volk errichtet worden, von Tag zu Tag wächst die Zahl der Feinde: Wir aber sehen den Befehlshaber dieses Lagers und den Führer der Feinde innerhalb der Stadtmauern und sogar im Senat, wie er alltäglich ein Verderben von innen heraus für den Staat in Bewegung setzt. Wenn ich befohlen hätte, Catilina, dich schon zu verhaften, dich zu töten, glaube ich, hätte ich mich fürchten müssen, dass ein jeder Patriot gesagt hätte, dass dies eher zu spät als zu grausam von mir gemacht wurde. Ich aber werde aus einem bestimmten Grund noch nicht dazu veranlasst, das zu tun, was man schon längst hätte tun müssen. Du wirst schliesslich dann getötet, wenn kein so elender, kein so verdorbener, kein dir so ähnlicher mehr gefunden werden kann, der nicht gesteht, dass dies zu Recht gemacht wurde.

 

6)Solange jemand sein wird, der dich zu verteidigen wagt, wirst du leben, und du wirst so leben wie du nun lebst, von meinen vielen und starken Wachen eingeschlossen, damit du nichts gegen den Staat unter- nehmen kannst. Auch die Augen und Ohren vieler werden dich beobachten und bewachen, wie sie es bis jetzt gemacht haben, ohne dass du es merkst. Was ist es, was du mehr erwartest, wenn weder die Nacht mit iher Dunkelheit deine frevelhaften Versammlungen noch die W&aaml;nde deines Privathauses die Stimmen deiner Verschw&ooml;rung zusammenhalten kann, wenn alles erleuchtet wird, wenn alles hervorbricht? &Aaml;ndere nun diesen deiner Sinn da, glaube mir, vergiss des Mordes und der Br&aaml;nde! Du wirst von allen Seiten her gehalten, alle deine Pl&aaml;ne, die du nun mit mir durch gehen magst, sind uns sonnenklar:

 

7)Erinnerst du dich, dass ich am 21. Oktober im Senat gesagt habe, dass an einem bestimmen Tag, der der 27.Oktober sein werde, C. Manlius, ein Spießgeselle und Helfershelfer deiner Frechheit, unter Waffen stehen werde? Habe ich mich etwa, Catilina, nicht nur in einer so großen, so schrecklichen und so unglaublichen Sache geirrt, sondern, was noch viel verwunderlicher ist, im Tag? Ebenfalls ich habe im Senat gesagt, dass du den Mord an den Optimaten auf den 28. Oktober festgesetzt hast, damals als viele Erste der Bürgerschaft aus Rom geflohen waren, nicht so sehr um sich selbst zu retten als vielmehr um deine Pläne zu unterdrücken. Wagst du etwa zu leugnen, dass du dich nicht gegen den Staat bewegen konntest, weil du von meinen Wachen und meiner Sorgfalt an eben jenem Tag eingeschlossen warst, obgleich du sagtest, dass du aufgrund des Wegganges der Übrigen mit dem Mord an uns, die wir zurückgeblieben waren, zufrieden seist?

 

8)Was? Hast du, als du darauf vertrautest, dass du genau an den Kalenden des Novembers durch einen nächtlichen Ansturm Praeneste einnehmen werdest, nicht gemerkt, dass jene Siedlung auf meinen Befehl durch meine Schutztruppen, durch meine Wachen und Nachtwachen befestigt war? Du tust nichts, setzt nicht in Bewegung und denkst nichts; was ich nicht nur höre, sondern auch sehe und deutlich merke. Gehe mit mir schließlich jene vorletzte Nacht durch: Schon wirst du verstehen, dass ich viel schärfer für das Wohl des Staates wache als du zum Verderben. Ich sage, dass du vorletzte Nacht in die Sichelmacher- gasse - ich werde es ganz offen sagen-in das Haus des M. Laeca gekommen bist und dass eben dort mehrere Genossen desselben Wahnsinns und Verbrechens zusammengekommen sind. Wagst du etwa zu leugnen? Was schweigst du? Ich werde dich überführen, wenn du leugnest. Ich sehe nämlich hier im Senat einige, die mit dir zusammen waren.

 

9)Oh ihr unsterblichen Götter! Wo in aller Welt leben wir? Was für einen Staat haben wir? In was für einer Stadt leben wir? Hier, ja hier in unserer Zahl, Väter und Beigeordnete, in dieser heiligsten und gewichtigsten Versammlung des Erdkreises gibt es welche, die an unser aller Untergang, an das Verderben dieser Stadt und sogar des Erdkreises denken! Ich der Konsul sehe diese und frage sie nach ihrer Meinung über den Staat und verletze diese, die man mit Eisen hätte niedermetzeln müssen, noch nicht einmal mit der Stimme. Du bist also in jener Nacht bei Laeca gewesen, Catilina, du hast die Teile Italiens verteilt, du hast festgesetzt, wohin jeder aufbrechen solle, du hast die ausgewählt die du in Rom zurücklässt und die, die du mit dir hinaus führst, du hast Teile der Stadt zu Bränden bestimmt, du hast bekräftigst, dass du schon selbst hinausgehen wirst und du hast gesagt, dass dir jetzt noch ein wenig Verzögerung sei, weil ich (noch) lebe. Es sind zwei römische Ritter gefunden worden, die dich von dieser Sorge befreien wollten und versprachen, dass sie mich in meinem Bett in eben jener Nacht, ein wenig vor Sonnenaufgang, töten werden.

 

10)Eben erst habe ich dies nach Beendigung euerer Versammlung erfahren; ich habe mein Haus mit größeren Wachen befestigt und verstärkt; ich habe diese ausgeschlossen, die du geschickt hast, um mich in der Früh zu grüssen, weil jene gekommen waren, von denen ich schon vielen und höchstgeacheten Männern vorausgesagt habe, dass sie zu mir zu diesem Zeitpunkt kommen werden. Unter diesen Umständen Catilina: Fahre fort, womit du angefangen hast! Gehe endlich aus der Stadt hinaus! Die Tore stehen offen: Brich auf! Jenes dein manlianisches Lager ersehnt dich, den Befehlshaber, (schon) allzu lange. Führe mit dir auch alle deinigen hinaus, wenn nicht alle, soviel wie möglich! Säubere die Stadt! Du wirst mich von einer großen Furcht befreien, sobald nur zwischen mir und dir eine Mauer ist. Du kannst dich nicht länger unter uns aufhalten: Ich werde es nicht ertragen, nicht erdulden und nicht zulassen.

 

11)Man muss den unsterblichen Göttern und besonders diesem Jupiter Stator selbst, dem ältesten Wächter dieser Stadt, sehr danken, dass wir diesem so abscheulichen, so schauderhaften und dem Staat so feindlichen Scheusal schon sooft entkommen sind. Der Bestand des Staates darf nicht (noch) öfter durch einen Menschen geährdet werden. Solange du mich, den gewählten Konsul, bedroht hast, Catilina, habe ich mich nicht durch öffentlichen Schutz, sondern durch eigene Sorgfalt verteidigt. Als du mich, den Konsul, und deine Mitbewerber auf dem Marsfeld bei der letzten Konsulwahl töten wolltest, habe ich deine frevelhaften Versuche durch den Schutz der Freunde und durch Truppen unterdrückt, ohne öffentlich Unruhe zu erregen. Kurz, sooft du mich bedroht hast, stand ich dir selbst im Weg, obwohl ich sah, dass mein Untergang mit einem großen Verderben für den Staat verbunden ist.

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