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Mobilfunkanlage auf dem Kirchturm


eule
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Was meint Ihr - Panikmache oder begründete Vorsicht?

 

Aus den Mainzer Bistumsnachrichten Nr. 14/2002:

 

Entwicklung des Mobilfunks kritisch begleiten

Umweltbeauftragter Lenhard verweist auf kirchliches Forschungsprogramm

 

Mainz. Der Umweltbeauftragte des Bistums Mainz, Dr. Klaus Lenhard, hat die Entscheidung der Diözese bekräftigt, Mobilfunkstationen auf Kirchengebäuden nicht zu genehmigen. Unter Hinweis auf die Zweckbestimmung kirchlicher Gebäude war 1998 ein solcher förmlicher Beschluss gefasst worden. In einem Grußwort zum 1. Hessisch-Rheinland-Pfälzischen Mobilfunksymposium am Samstag, 20. April, im Bildungszentrum Erbacher Hof in Mainz, betonte Lenhard jedoch, dass mit dieser Regelung das Thema „Mobilfunk" für die Kirche nicht erledigt sei.

 

Die Kirche trage auch Verantwortung für das Wohl und Wehe ihrer Gläubigen und ihrer Mitmenschen, die ihre Gesundheit durch die neue Technik gefährdet sehen, stellte er fest. Deshalb werde sie um der Menschen willen die Diskussion und die weitere technische Entwicklung des Mobilfunks kritisch begleiten. Ein erster Schritt hierzu sei ein „Forschungs- und Kommunikationsprogramm zum Problem von Mobilfunkanlagen auf kirchlichen Einrichtungen", das von einer Arbeitsgemeinschaft evangelischer und katholischer Umweltbeauftragter mit Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt durchgeführt wird. Federführend sei dabei die Forschungsstelle der Evangelischen Studiengemeinschaft Heidelberg (F.E.S.T.). Deren Arbeitsschritte sollten zu Handreichungen für die Kirchengemeinden führen und als Argumentationshilfe für die Diskussion mit Genehmigungsbehörden dienen, erklärte Lenhard weiter. Erforderlich seien auch Regelungsvorschläge an den Gesetzgeber wie auch kritische Hinweise für den einzelnen Handynutzer. Die positiven Seiten dieser raschen Kommunikationsmöglichkeit, die immer wieder hilfreich sei und vielfach Leben retten helfe, bleibe dabei durchaus im Blick.

 

Das Symposium wurde vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) veranstaltet. Nach Angaben Lenhards gibt es in Deutschland zurzeit ca. 50.000 bis 60.000 Mobilfunkstationen, welche die Verbindung zu 50 bis 60 Millionen Handys herstellen. Für den Aufbau der neuen UMTS-Dienste wollen die Mobilfunkgesellschaften in den nächsten Jahren weitere 40.000 Sendemasten in Deutschland aufstellen. Hiergegen richteten sich die Proteste und Klagen vieler Betroffener, die gesundheitliche Schäden durch Elektrosmog befürchten. Die gesetzlich zugelassenen Grenzwerte würden immer wieder als zu hoch in Frage gestellt und diskutiert.

Sk (MBN)

 

 

 

(Geändert von eule um 12:35 - 1.Mai.2002)

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Zitat von eule am 12:10 - 1.Mai.2002

Was meint Ihr - Panikmache oder begründete Vorsicht?


 

Vermutlich ist die kosmische Strahlung, der wir täglich ausgesetzt sind, erheblich stärker, als die von den Antennen.

 

Zudem schädigen die meisten ihren Körper eh durch übermässiges Essen, Alkoholmißbrauch, Zigarettenkosum, gefährliche Hobbies usw. mehr, als dies durch die (noch ?) nicht nachgewiesene Strahlung durch die Mobilfunkstadionen je erfolgen kann.

 

Also, was soll die Aufregung?

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lumieredeux

Sag mal Gregor,

wieso hackst du bitte immer auf den Mainzern rum?

Das zieht sich bei dir durch sämtliche Beiträge.

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Ich hab nichts gegen die Mainzer, wie sie singen und lachen, sondern etwas gegen euren Bischof, der seltsamerweise Kardinal wurde.

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OneAndOnlySon


Zitat von Gregor am 22:00 - 1.Mai.2002

Ich hab nichts gegen die Mainzer, wie sie singen und lachen, sondern etwas gegen euren Bischof, der seltsamerweise Kardinal wurde.

 

Hi Gregor,

 

wenn jemand über eine Enzyklika oder ein Indult sagen würde "Dieser Blödsinn kann auch nur aus Rom kommen!" würdest du wahrscheinlich an die Decke gehen oder? Den Mainzern ist aber in erster Linie ihr Bischof überstellt. Ihm gebührt nach der kirchlichen Hierarchie ihre Treue - vergiss das bitte nicht bei deinen Angriffen.

 

 

Zum Thema:

Vielleicht sollten Kirchen eher Störsender in den Innenraum der Selben hängen. Im italienischen Parlament wirkt das seit Jahren Wunder!

 

Gruß

 

Stefan

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lumieredeux


Zitat von Gregor am 22:00 - 1.Mai.2002

Ich hab nichts gegen die Mainzer, wie sie singen und lachen, sondern etwas gegen euren Bischof, der seltsamerweise Kardinal wurde.


Naja, ich finds gut, daß er endlich Kardinal ist!

Kann ja nicht nur die Traditionalisten geben.

Ähm, ich bin nicht aus dem Bistum Mainz, das ist also nicht "mein" Bischof gewesen. Das ist aber egal.

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Guten Morgen. Man kann natürlich darüber streiten, ob die Kirche in der Diskussion über die angebliche Schädlichkeit von Mobilfunkantennen Kompetenz hat und Position beziehen sollte.

 

Statt dessen würde ich aber grundsätzlich in Frage stellen, ob man einen Kirchturm für wirtschaftliche Zwecke vermieten sollte - es handelt sich schließlich um ein Gotteshaus. Wenn man ernsthaft Zweitnutzen in Erwägung zieht, besteht zwischen einer Mobilfunkantenne und einer Coca-Cola Reklame zwar ein ästhetischer, aber kein prinzipieller Unterschied. Also: kommerziellen "Anlagen" gleich welcher Natur haben an oder auf einem Gotteshaus nix zu suchen. Sonst haben wir demnächst noch die Ansage: "Diese Heilige Messe wird Ihnen präsentiert von Krombacher".

 

Liebe Grüße

 

Thomas

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Guest jakob

<<<Sonst haben wir demnächst noch die Ansage: "Diese Heilige Messe wird Ihnen präsentiert von Krombacher">>>

 

LOL, ich fürchte eine nicht geringe Anzahl hätte noch nicht einmal ein Störgefühl dabei. Im Gegenteil, es würde wohl als pastoraler Schachzug gepriesen und Heerscharen von Menschen in die Kirchen locken...

 

Gruß

jakob.

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Aber sollte man kirchliche "Drittmitteleinwerbung" in jedem Fall gleich verteufeln?

 

Schließlich werden sich auch in Deutschland die Kirchen in den nächsten Jahren überlegen müssen, wie und mit welchen Kompromissen hinsichtlich einer eventuellen Fremdnutzung sie ihre Immobilien erhalten. Und sie tun das auch schon, in einigen Ordinariaten hat man sich dazu große Unternehmensberatungen zu Hilfe geholt (auf welche Ideen die möglicherweise kommen werden, läßt sich z.B. schon in den Niederlanden beobachten - aber auch mitten in Deutschland).

 

Ist es zum Beispiel verwerflich, wenn man (wie die evangelische Zionskirchengemeinde in Berlin-Mitte) eine Kirchensanierung dadurch finanziert, daß man den Kirchturm während des Umbaus mit einem riesigen Werbeplakat für ein französisches Mineralwasser verkleidet?

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Guest jakob


Zitat von eule am 10:55 - 2.Mai.2002

Aber sollte man kirchliche "Drittmitteleinwerbung" in jedem Fall gleich verteufeln?

 

Schließlich werden sich auch in Deutschland die Kirchen in den nächsten Jahren überlegen müssen, wie und mit welchen Kompromissen hinsichtlich einer eventuellen Fremdnutzung sie ihre Immobilien erhalten. Und sie tun das auch schon, in einigen Ordinariaten hat man sich dazu große Unternehmensberatungen zu Hilfe geholt (auf welche Ideen die möglicherweise kommen werden, läßt sich z.B. schon in den Niederlanden beobachten - aber auch mitten in Deutschland).

 

Ist es zum Beispiel verwerflich, wenn man (wie die evangelische Zionskirchengemeinde in Berlin-Mitte) eine Kirchensanierung dadurch finanziert, daß man den Kirchturm während des Umbaus mit einem riesigen Werbeplakat für ein französisches Mineralwasser verkleidet?

 

Das Problem ist natürlich, daß auch Kirchen den Gesetzen der Marktwirtschaft unterliegen. Wenn die kirchensteuerbasierenden Einnahmen nicht mehr ausreichen, um leerstehende Immobilien, also Kirchen, zu finanzieren, so muß man entweder andere Einnahmequellen erschließen oder aber auf den Betrieb von Kirchen verzichten. Der aktuelle Trend deutet aus meiner Sicht überwiegend auf den zweiten Weg hin. Es hilft nichts, das nicht wahrhaben zu wollen, die Realität ist leider so in Deutschland.

 

In anderen Ländern hingegen, insbesondere in den USA ist die Entwicklung umgekehrt. Hier finden sich private Sponsoren, um noch nicht existierende Kirchenbauten neu zu errichten! Eine Frage der kirchensteuerbasierenden Finanzierung ?

 

Das, was eigentlich schade ist, ist das immer weiter schwindende Verständnis in Deutschland für das gewaltige Kulturerbe. Ich bin mir nicht sicher, ob gesellschaftlich und staatlich die Bereitschaft besteht, das Erbe unserer Vorfahren zu bewahren. Die fatale Staatsverschuldung verbietet ja fast, darüber nachzudenken. Wenn ich mir dann noch die ästhetische Verirrung moderner Bauten anschaue, für die aus Repräsentationsgründen enorme Mittel verschleudert werden, dann zweifle ich massiv daran, daß wir in Deutschland das Richtige tun.

 

Deshalb lautet für mich die Frage nicht, inwiefern sie die Kirchen mittels Vermarktung selbst zu finanzieren hat, sondern inwiefern der Staat die Ergebnisse seiner Säkularisierung zu verantworten hat und die gesamte Bevölkerung über das Steuersystem zur Kulturerhaltung heranziehen muß.

 

Ein Modell hierfür wäre (wie es in Teilen in Frankreich übrigens realisiert wurde): Der Staat wird Eigentümer sämtlicher (zumindest kulturgeschichtlich bedeutsamer) Kirchen und hat ihre Erhaltung sicherzustellen. Im Gegenzug stellt sie die Bauwerke den Kirchen durch Pachtverträge bedarfsorientiert zur Nutzung zur Verfügung. So blieben wenigsten die Bauwerke erhalten und die Gesellschaft würde insgesamt in die Verantwortung genommen.

 

Was die modernen Turnhallen und Bunker mit sakralem Nebenzweck angeht, hätte ich im übrigen nichts gegen eine vollständige Vermarktung einzuwenden.

 

Gruß

jakob.

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Wer ein Gotteshaus als "kirchliche Immobilie" oder "Turnhalle mit sakralem Nebenzweck" betrachtet, mag an der Vermarktung desselben keinen Anstoß nehmen. Wer dagegen eine Kirche als sakralen Raum sieht, der der Versammlung der Gemeinde zum Lobe Gottes und zur Feier der heiligen Eucharistie geweiht ist, wird sich dagegen - wie ich - weigern, diese Zwecke marktwirtschaftlichen Gesetzen unterzuordnen.

 

Bei einer Bauplane mag man ja noch einwenden, diese sei Verkleidung und nicht Bestandteil des sakralen Gebäudes. Wenn man schon was draufschreiben will, könnte man es ja mal mit einer christlichen Botschaft versuchen und dafür vielleicht sogar einen Sponsor finden, der nicht auf Eigenwerbung besteht.

 

Nicht mehr benötigte Gotteshäuser können meiner Kenntnis nach ausgesegnet werden und verlieren damit ihren sakralen Charakter. Dann sind sie tatsächlich eine Immobilie.

 

Liebe Grüße

 

Thomas

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Guest jakob

Lieber Thomas,

 

da Gott die Finanzierung des "Gotteshauses" den Menschen überläßt, müssen sie sich damit auch den Gesetzen des Marktes beugen. Wenn die Nachfrage nachlässt, muß zwangsläufig das daraus resultierende Überangebot angepaßt werden. Ob geweiht oder nicht, hilft nix. Daß man Gotteshäuser vor der Verwertung aussegnet, ändert daran auch nix.

 

Solange nicht im Gottesdienst eine Werbepause gemacht wird, gehts ja auch noch....

 

 

Gruß

jakob.

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... kleines Fundstück vom Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft der Theologischen Fakultät Erfurt:

 

_________________________________________

 

Gebetsort - Denkmal - Immobilie?

 

Studientagung über die Nutzung überzähliger

Kirchenräume

 

Ein kunstgeschichtlich bedeutsamer Kirchenbau in Ostdeutschland, in dem sich seit Jahrzehnten keine Gemeinde mehr versammelt, und der durch die Kommune genutzt wird; eine leerstehende Dorfkirche in Westfalen, in der Ausstellungen und Konzerte stattfinden können; eine Klosterkirche in einer niederländischen Stadt, für die weder ein Konvent noch eine Gemeinde Bedarf hat und die jetzt Bibliothek ist: Immer häufiger stellt sich in den letzten Jahren die Frage, was mit überzähligen oder zu groß gewordenen Kirchenräumen geschehen soll. Nach Konzepten fragte die bereits zum fünften Mal veranstaltete Internationale Theologisch-Kunsthistorische Studienwoche in der Münsteraner Bistumsakademie Franz-Hitze-Haus vom 20.-24. August 2001. „Kirchenraum: Gebetsort - Denkmal - Immobilie” lautete das Thema der Veranstaltung, zu der sich Kunsthistoriker, Pfarrer und Liturgiewissenschaftler von Norwegen bis Österreich versammelt hatten. Die Studienwoche wird von der Bistumsakademie, den Lehrstühlen für Liturgiewissenschaft der Katholisch-Theologischen Fakultäten in Erfurt und Münster und dem Deutschen Liturgischen Institut Trier getragen.

 

Kirchenräume haben schon in Mittelalter und Neuzeit eine wechselnde und vielfältige Nutzung erfahren und sind keineswegs nur Orte von Gottesdienst und Frömmigkeit gewesen. Theologisch entscheidend sei vom Neuen Testament her der „Gottesdienst in Geist und Wahrheit”, so der Kirchenhistoriker Arnold Angenendt. Nicht der heilige Ort, sondern die heilige Gemeinschaft sei christlicherseits ausschlaggebend, Säkularisierung von Kirchen deshalb kein Einzelfall gewesen. Dennoch: ein Ort, der über Generationen Liturgie und Frömmigkeit gedient habe, erhalte eine Wertigkeit, die nicht ohne Verlust aufgegeben werde.

 

Der Liturgiewissenschaftler und Kunsthistoriker Regnerus Steensma zeigte Beispiele für weitgehende Umnutzungen und Umbauten in den Niederlanden. Dort werden im Einzelfall Kirchenräume neben dem Gottesdienst für Märkte, Konzerte, Ausstellungen etc. genutzt. Es gibt aber auch Umbauten zu Appartementhäusern, Diskotheken oder Hotels. Kirchen werden abgerissen oder an Stiftungen übergeben, die dann über die Nutzung der Gebäude entscheiden. Nach Steensma kann dort, wo es nötig ist, die Aufgabe von Kirchen geradezu geistlich gefordert sein. Der Rückzug auf Gebäude mit menschlichen Maßen biete Chancen und könne neue kirchliche Aktivitäten fördern. Wie das gelingen kann, zeigte der Kunsthistoriker Mathias Ludwig u.a. an Beispielen aus Ostdeutschland. Im Einzelfall sei dadurch, daß ein Kirchenraum durch die Bevölkerung in seinen Nutzungsmöglichkeiten wiederentdeckt worden sei, die Kirche neu in die Gesellschaft integriert worden. Neben dem Gottesdienstraum könnten auch Gemeinderäume, Bibliotheken oder anderes im Kirchenraum Platz finden. „Verfahrensgrundsätze”, die man im Ruhrbistum Essen formuliert hat, sprechen von angemessenen und seriösen Teilumnutzungen, geben aber der alternativen kirchlichen Eigennutzung Vorrang. Der Abriß von Kirchen dürfe nur die allerletzte Möglichkeit sein.

 

Die Liturgiewissenschaftler Benedikt Kranemann und Klemens Richter zeigten, daß sich bei intensiverer Entfaltung der Liturgie durch prozessionale Elemente, bei besserer räumlicher Disposition der liturgischen Orte und durch Gestaltung von Communio-Räumen etc. auch vermeintlich zu große Kirchenräume sinnvoll nutzen lassen. Der Raum sei Bestandteil der Liturgie. Das schließe aber keineswegs aus, daß diese Räume auch über die Liturgie hinaus Bedeutung hätten. Sowohl Kunsthistoriker als auch Theologen wiesen auf die Chancen von Kirchenräumen für die Verkündigung hin. Kirchenräume, so Thomas Sternberg, seien Orte einer anderen Lebenserfahrung und Zeichen geschichtlicher Identität. Einen solchen Raum zu erhalten, vor allem aber offenzuhalten, könne für sich schon ein Wert sein. Bedarf ist in der Gesellschaft vorhanden, wie Räume der Stille in Einkaufszentren oder beispielsweise die Kapelle im neuen Schalker Fußballstadion zeigen. Die Chancen der Kirchenräume werden demgegenüber, so die Einschätzung der Tagungsteilnehmer, kirchlicherseits noch zu wenig genutzt. Faktisch ist jeder Kirchenraum eine Herausforderung für sich. Generelle Lösungen für Neunutzung oder „Öffnung” gibt es nicht. Die Herausforderung, die die Vielzahl der Kirchenräume stellt, wird in den kommenden Jahren wachsen. Schmerzliche Einschnitte werden, wie schon in der Geschichte, nicht zu vermeiden sein. Aber in mancher Gemeinde wird auch der Sinn für die Möglichkeiten der überkommenen Gebäude wachsen.

 

Benedikt Kranemann

 

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Also Geldprobleme dürfte zumindest die katholische Kirche eigentlich nicht haben. Und wenn die Ertragslage wirklich so sehr nachläßt sollte man den Vatikan an die Börse bringen. Der Unternehmenswert würde ausreichen um in den Dow Jones einzuziehen.

 

Und als Anteilseigner könnten sich die Gläubigen dann richtig zugehörig fühlen und zudem als Hauptversammlung die Kirchenoberen viel leichter kontrollieren und gegebenfalls entfernen.

 

Mobilfunkantennen auf Kirchtürmen fänd ich übrigens auch grotesk.

 

Gruß Frank

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>> Mobilfunkantennen auf Kirchtürmen fänd ich übrigens auch grotesk. <<

 

Wenn man die Antennen als Kreuz gestaltet, machen sie sich auf Kirchturmspitzen ganz hervorragend.

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Guest Corinna


Zitat von Gregor am 12:33 - 1.Mai.2002

Dieser Blödsinn kann auch nur aus Mainz kommen !


 

Wieso ist es Blödsinn, keine Mobilfunkantennen auf Kirchtürmen aufzustellen?

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Hi Cano

 

Stimmt natürlich, aber wenn dann der Wind kommt könnte aus dem Kreuz schnell was anderes werden...

 

Gruß Frank

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Den Kirchturm im globalen Dorf lassen

 

Säkularisierung hieß einst der erzwungene Übergang kirchlichen Vermögens an den Staat. Heute lassen sich nur noch derart wenige Vermögensübergänge vom Staat erzwingen, daß es jenseits von "Besteuerung" keines eigenen Begriffs mehr dafür bedarf. Auch für die Kirchen stellt sich die Frage nach den weltlichen Zwängen dann anders. Die Rolle des Repräsentanten von Verweltlichung wird nämlich neu besetzt: An die Stelle des Staates scheint die Wirtschaft zu treten. Der Fall einer evangelischen Kirchengemeinde in Darmstadt macht das dieser Tage sinnfällig. Ihr Gemeinderat hat mit knappster Mehrheit das Angebot eines Telefonunternehmens angenommen, im Kirchturm der Gemeinde eine Verteilerstation für das Mobilfunknetz einzurichten. Die angebotene Jahresmiete beläuft sich auf sechstausend Euro, und die Befürworter dieses Handels sind offenbar der Ansicht, die Gemeinde bedürfe dieser Summe dringender, als ihr Schaden aus dem Geschäft erwächst. Doch in der Gemeinde rumort es, Transparente gegen den Funkturm werden hochgehalten, Beschwerdebriefe abgesandt, die Protestanten protestieren. Weil sie, mit Joh 2, 13-22, dagegen sind, aus dem Haus des Herrn einen Kaufladen zu machen? Tatsächlich berührt das vorpfingstliche Projekt einer Schließung von Funklöchern die Frage, ob es Grenzen der Verfügung über kirchlichen Besitz gibt. Das Argument, die Mobilfunkmiete lasse sich an gute Zwecke wenden, die zu verfolgen im Augenblick das Kirchensteueraufkommen fehle, wird man jedenfalls nicht beliebig weit treiben wollen. Denn wenn den Gemeinden oder ihren Vertretern nur genug dafür geboten wird - oder noch mehr Leute austreten -, sollten dann auch ganze Kirchen oder Friedhöfe unterm Gesichtspunkt "Immobilie mit bester Innenstadtlage" betrachtet werden? Zur Abwehr solcher Versuchungen könnten jene Lehren dienen, die Christen seit je über momentane Liquiditätsengpässe hinweggeholfen haben - beispielsweise, daß der Mensch nicht vom Brot allein lebe (Mt, 4, 4), daß man die Schätze nicht auf Erden sammeln solle (Mt 6, 19) oder daß eher ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher in den Himmel komme (Mt 19, 24). Kirchen könnten sich hierauf berufen, wenn sie auch auf veränderte Marktlagen nicht mit Produktwechsel - Mohammed statt Christus - oder Vermögensveräußerung - Werbeflächen statt Marienbilder - reagieren, nur damit die Bilanz stimmt. Zwar sind für die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, laut eigenem Bekunden, Kirchen und Türme "keine heiligen Räume". Aber es könnte die dogmatisch interessante Frage sein, ob der Kirchturm als Wahrzeichen einer Gemeinde zu ihren symbolisch empfindlichen, unveräußerlichen Elementen gehört - oder ob in Zeiten, in denen jeder Mensch eine Taschenuhr besitzt, die Dienstleistungsfunktion von Kirchtürmen ohne religiösen Schaden neu besetzt werden kann. Könnte. Ist es aber nicht. Denn die Proteste der Darmstädter Protestanten richten sich gar nicht so sehr gegen den Wandel vom Sendungs- zum Sendebewußtsein. Die Sorge gilt vorrangig einem zwar ebenfalls unsichtbaren, aber dennoch nicht spirituellen Schaden, den die Gemeinde an der Funkstation nehmen könnte. Sie fürchten Gesundheitseinbußen durch schädliche elektromagnetische Wellen. Chormitglieder sollen schon angekündigt haben, aus Angst vor Nervenschäden durch Elektrosmog nicht mehr unter dem Turm singen zu wollen. Selbst ein Fall von säkularisierter Sorge, nämlich ums Körperheil anstatt um das der Seele? Vielleicht auch nur das berechtigte Bedürfnis, sich wenigstens einmal, im Kirchenraum, nicht von weltlichen Ungewißheiten in die Beschäftigung mit geistigen hineinfunken zu lassen.

 

kau

 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.05.2002, Nr. 109 / Seite 43

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