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Frage an die Konvertiten


matze1980
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Bist du zum katholischen Glauben konvertiert?  

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Guten Morgen zusammen,

 

es interessiert mich, welcher persönlicher Hintergrund bei den Forumsteilnehmern zum katholischen Glauben geführt hat.

Ich selbst bin seit meiner Kindheit katholisch und kenne daher natürlich diese Seite gut. Ich möchte aber Erfahrung sammeln, welche Beweggründe es sind, die Menschen dazu bringen, doch dieser "veralteten und überholten" katholischen Kirche beizutreten oder eben auch nicht.

 

Natürlich interessiere ich mich auch für Erfahrung von Katholiken, die erlebt haben, wie andere Menschen zum katholischen Glauben gekommen sind.

 

Ich freue mich auf Eure Antworten

 

Matthias

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Ich war evangelisch und bin mit 25 konvertiert. Warum?

Zu 80%, weil ich aufgrund der biblischen Abendmahlsberichte spontan ein "katholisches" Eucharistieverständnis entwickelt habe und mich nie dazu durchringen konnte, diesbezüglich das zu glauben, was mir der Religions- und Konfirmandenunterricht beibringen sollte. Als ich die katholische Version kennenlernte, fühlte ich mich sofort zuhause.

 

Die restlichen 20 % verteilen sich auf die im Protestantismus fehlenden fünf Sakramente, die Überzeugung, daß "DIE KIRCHE" in der katholischen Kirche "verwirklicht ist", wie es in Lumen Gentium so schön heißt, und meine Vorliebe für schöne Liturgie.

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Tja, ich komme aus einer richtigen Atheistenfamilie. Und wie das so ist, wenn man 15 oder 16 ist, habe ich damals auch angefangen, über das Leben, das Universum und den ganzen Rest nachzudenken - das volle Programm, mit Hesse-schmökern, Philosophie reinwürgen und halbverdaut wieder von sich geben, physikalische Populärliteratur lesen etc.

 

Weil ich aber in bestimmten Zusammenhängen eine gewisse Sturheit entwickeln kann, hab ich damit einfach über Jahre nicht aufgehört. Ich hab jeden gelöchert, der mir dazu irgendetwas fruchtbares mitteilen konnte und nicht gleich "dichtgemacht" hat, nur weil meine Fragen etwas blöde waren. Im Laufe der Zeit hat sich bei mir der Eindruck verstärkt, daß das nicht alles sein kann, worüber die Wissenschaft etwas sagen kann - und nach einer Weile bin ich auch drauf gekommen, woran das liegt: was ich wissen wollte, war schlicht etwas, womit sich die Wissenschaft überhaupt nicht befaßt (bzw., wenn sie es doch tut, sie keine Wissenschaft, sondern minderwertige Philosophie ist).

 

So bin ich denn eine Weile lang herumgetändelt, habe mir die verschiedensten Philosophien und Religionen angeschaut (liebäugelte auch eine Zeit lang damit, Jude zu werden), bis mir ein Kommilitione begegnete (ich war inzwischen im Jurastudium), der katholisch war , damit aber enorme Probleme hatte (ich sage nur: religiös induzierte Neurose). Was der mir über seinen Glauben erzählt hat (ich kannte Katholizismus natürlich, aber nur aus der Distanz bzw. aus dem Fernsehen und Filmen), ließ mir keine ruhe. Nicht, weil das so überzeugend gewesen wäre, genau umgekehrt - ich dachte mir: "So blöd können die doch gar nicht sein, sonst hätten die sich nicht so lange gehalten!"

 

Zunächst nur, um meinem Kumpel helfen zu können (indem ich auf der gleichen Grundlage wie er diskutiere), besorgte ich mir dann ein paar Bücher über den katholischen Glauben. Und während ich mit ihm redete, um ihm klarzumachen, daß seine Probleme weniger mit seiner Religion zu tun haben als mit seinen ganz privaten Meisen, stellte ich etwas ganz überraschendes fest: Diese Katholiken, die sagen genau das, was ich die ganze Zeit schon meinte!

 

Das war ein wirklich überraschendes Erlebnis! Das grüble, frage und diskutiere ich jahrelang und komme langsam aber sicher zu einer Weltsicht, mit der ich etwas anfangen kann - und plötzlich sehe ich, daß diese komischen Typen in ihren bunten Klamotten (für die ich, zugegebenerweise, immer schon ein gewisses Faible hatte - ich bin insgesamt eher der "barocke" Typ) genau das schon seit 2000 Jahren so sehen.

 

Natürlich gab es da immer noch etliches, mit dem ich nicht so ganz einverstanden war - und eine Menge, das ich einfach überhaupt nicht verstanden hatte ("wovon, zum Donner, reden die da???"). Aber da der erste Eindruck schon recht positiv war, habe ich einfach weitergelesen und weitergefragt (die armen Priester, die mir in dieser Zeit über den Weg gelaufen sind...). Manche Antworten fand ich unbefriedigend, und manche auch geradezu hirnerweichend blöde. Aber nun gut, I****** und Schwätzer gibt es überall. Bisher hab ich (natürlich, möchte man sagen) immer noch nicht alle Fragen gelöst und alles verstanden. Bisher ging es aber immer weiter.

 

Als mein Studium dann fertig war, war ich auch mit meinem Glauben so weit gekommen, daß ich mir hinreichend sicher war, mich auch festlegen zu können. Dann bin ich halt zur nächsten Kirche getrabt und hab mich für die Taufe angemeldet.

 

Tja, und es geht weiter...

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Ich war evangelisch und bin mit 25 konvertiert. Warum?

Zu 80%, weil ich aufgrund der biblischen Abendmahlsberichte spontan ein "katholisches" Eucharistieverständnis entwickelt habe und mich nie dazu durchringen konnte, diesbezüglich das zu glauben, was mir der Religions- und Konfirmandenunterricht beibringen sollte. Als ich die katholische Version kennenlernte, fühlte ich mich sofort zuhause.

 

Die restlichen 20 % verteilen sich auf die im Protestantismus fehlenden fünf Sakramente, die Überzeugung, daß "DIE KIRCHE" in der katholischen Kirche "verwirklicht ist", wie es in Lumen Gentium so schön heißt, und meine Vorliebe für schöne Liturgie.

Hallo Sion,

 

ich finde den Werdegang sehr interessant. Besonders da ich auch einen Freund habe, der aktiver "Lutheraner" ist.

In Anführungszeichen, weil er die Realpräsenz nicht anerkennen will. O-Ton "Nein, dass glaube ich nicht"

Ich finde Deinen Stellungnahme, der Annahme eines katholischen Eucharistieverständnisses wirklich gut. Denn es ist ja schon deutlich im NT beschrieben.

 

Aber es ist ja nicht so, dass die Evangelischen keine guten Argumente hätten. Wie bist Du dem Entgegengetreten?

Ich meines speziell Sola fide, sola gratia und sola scriptura. Das sind ja schon Grundsätze zu denen es kluge Aufsätze gibt.

 

Wäre Dir für ne Antwort dankbar.

 

Gruss

 

Matthias

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Ich habe mich vor einigen Jahren katholisch taufen lassen.

Das war der Höhepunkt in meiner bis dahin sehr ablehnenden Haltung gegenüber jeglichen Religion.

 

Das Kennenlernen des katholischen Glaubens und die Taufvorbereitung selber hat sich bei mir über Jahre hingezogen.Ich wollte einfach ganz sicher sein,dass dieser Weg der Richtige ist. Und wie es sich herausgestellt hat,war dieser Weg der Richtige.

Auch wenn mein Glaube nach wie vor immer wieder mal ins "Grübeln" kommt,so muss ich doch sagen, ich habe gut getan,mich so zu entscheiden.

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Aber es ist ja nicht so, dass die Evangelischen keine guten Argumente hätten. Wie bist Du dem Entgegengetreten?

Ich meines speziell Sola fide, sola gratia und sola scriptura. Das sind ja schon Grundsätze zu denen es kluge Aufsätze gibt.

 

Wäre Dir für ne Antwort dankbar.

Ich habe mich damals mit solchen Fragen nicht besonders befaßt, das kam später (und da leuchtete mir letztendlich die katholische Version mehr ein) - mir ging es mehr um die "pragmatische" Frage, in welcher kirchlichen Umgebung mein Glaube am besten leben und wachsen konnte - und da waren mir die Sakramente und die entsprechende Sakramententheologie einfach wichtiger.

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Ich bin zwar katholisch getauft und gefirmt, kann aber nicht behaupten, mein Leben die ersten 20 Jahre auch nur im geringsten mit Gott in Zusammenhang gebracht zu haben (außer für ein paar Wochen nach Erstkommunion bzw. Firmung).

Im Alter von ca. 20 Jahren (also vor 7 Jahren, ich weiß es ehrlich gesagt nicht mehr genau), mein Studium füllte mich intellektuell nicht besonders aus, dachte ich mir einfach mal, ich könnte mich aus soziologischem Interesse mal mit dem "Phänomen Religion" beschäftigen. Ich war auf Personen wie Charles de Foucauld gestoßen und fragte mich: "Was bringt so erfolgreiche und intelligente Menschen dazu, oihr gesamtes Leben für einen Glauben hinzuschmeißen und sich allen normalen Maßstäben zu entziehen?" Ich unterstellte also ebenso wie Sven, dass die Menschen über Jahrhunderte nicht alle dümmer waren als ich und informierte mich mal. Nicht nur über das Christentum, das interessierte mich ebenso wie Islam, Hinduismus, Buddhismus und Chinesischer Universismus (Konfuzian und Co.) - eben die weltweit größten Glaubensrichtungen.

 

Relativ früh stellte ich dabei fest, dass die östlichen Religionen mit meinem Leben vollkommen unvereinbar waren (zu diesem Zeitpunkt). Die Denke war zu anders, die Weltsicht mir sehr fremd und erschien auch unlogisch, ebenso war das Menschenbild mir sehr suspekt. Der Monotheismus erschien und erscheint mir "wahrer".

 

Also beschäftigte ich mich genauer mit Islam und Christentum, kaufte mir Bibel und Koran (welche beide in meiner Familie nicht vorhanden waren) und, ich vergaß fast, den Katechismus der Katholischen Kirche (KKK). Da ich ja nominell katholisch war, wollte ich genaueres darüber erfahren, legte aber den KKK schnell kopfschüttelnd beiseite.

 

Ich dachte mir, die Primärquelle ist immer noch am besten und las das NT erstmalig in meinem Leben von vorne bis hinten durch. Bei wiederholter Lektüre stellte ich fest, dass, legt man ein bestimmtes Interpretationsmuster zugrunde, die Ansichten des KKK durchaus ihre Berechtigungen hatten.

 

[Einschub] Was war mit dem Islam? Auch hier sträubte sich mir einiges im Menschenbild, auch wenn ich noch mehr Gemeinsamkeiten entdecke als in den östlichen Religionen. Außerdem gab und gibt er mir nihct die Antworten für das praktische Leben, gibt er nicht die Antwort "Liebe", die mir als die einzig schlüssige erscheint.[/Einschub]

 

Das Haupthindernis auf meinem Glaubensweg war die Auferstehung (Paulus' Aussage, dass daran alles hänge, leuchtete mir sofort ein). Ich konnte nicht glauben, dass Jesus mausetot war und dann wieder lebte, jetzt auch noch lebt in Ewigkeit. Die Botschaft war zwar okay, aber das hatten Gandhi und andere auch gebracht.

Also bat ich meinen Ortspfarrer um ein Glaubensgespräch - wie er mir mitteilte, das erste aus der Gemeinde seit über 20 Jahren!

Ohne dass er mich irgendwie als "tja, dann bist Du halt nicht katholisch, und tschüss" titulierte, das Gespräch verlief sehr respektvoll, unterhielten wir uns über diese "Schwierigkeit". Ohne ein abschließende Klärung (wie auch, er glaubte daran, ich nicht) machte ich mich wieder auf den Heimweg.

 

Im übrigen muss ich zufügen, dass es hier weniger um das katholisch werden als vielmehr um das Christ werden ging. Die Kirche ließ ich erst einmal im Dorf, klammerte sie sogar vollkommen aus. Denn ohne Glauben an die Auferstehung ist die eh egal.

 

Dann kam irgendwann die Wende, hier wird es leider schwammig. Auch ich hatte kein Damaskus-Erlebnis. Irgendwann, ich weiß nicht ab wann, glaubte ich. Ich glaubte an Tod und Auferstehung Jesu. Voller Begeisterung schrieb ich meinem Ortspfarrer, der freute sich natürlich auch.

 

Blieb die "Kirchenfrage". Aber die klärte sich relativ schnell, da mir das Verständnis von Tradition und Offenbarung der katholischen Kirche von Beginn an durchdachter und wahrer erschien als das der aus der Reformation hervorgegangenen kirchl. Gemeinschaften. Manches allerdings, wie das Eucharistie-Verständnis, die Ehe oder die Beichte kamen erst nach und nach, und vieles bleibt noch, genug fürs Leben und darüber hinaus.

 

"Alles verstanden" habe ich sicher nicht. Ich stehe eher davor und staune, bete an. Es ist für mich immer wieder ein großer Wahnsinn, angefangen von der unglaublichen Behauptung, dass Gott Mensch geworden sei bis zur Gegenwart Jesu in Brot und Wein und der Vergebung der Sünden, um nur einiges zu nennen. Besonders letzteres hat sich erst in den letzten Wochen bei mir ein wenig erhellt.

 

Ich freue mich auf das Kommende.

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