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Das Glas Cola auf meinem Notizblock


Einsteinchen
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Einsteinchen

Ich schreibe derzeit an meiner Biographie. Der vorläufige Buchtitel lautet:

Warum ich mein Glas Cola auf diesen Notizblock gestellt habe

von Heinrich Reisinger

 

Seite 28 - 31

Mittwoch, 18.Juni 20:10

Ich bin in ein neues 4-Bettzimmer umgezogen. Mein früheres Zimmer wurde von 2 Frauen belegt. Ich bin zufrieden. Gut für eine Frau.

Der Tag, oder besser die Nacht vor dem neuen Tag hat sehr schlimm begonnen. Ich hatte eine Panikattacke, die sich gewaschen hat. Das erste mal in meinem Leben hörte ich tatsächlich Stimmen, ein in tiefem Bariton gesummtes Ommmmm.... Ich glaubte schon, mich holt der Teufel, doch ich riß die Augen auf und sah [meinen Zimmerkollegen]. Ich ging zu Horst, der protokollierte alles in seinem Dienstzimmer und empfahl mir, eine Zigarette zu rauchen und ein Glas Wasser zu trinken. Das tat ich und ging ins Bett. Dies alles geschah in meiner 2-Bett-Zimmerzeit, gestern, 17.Juni 23:00 ungefähr. Ich konnte einschlafen, weiß nicht mehr genau, wie lange ich geschlafen habe, aber mein rechtes Auge begann zu rebellieren, der Splitter in meinem Auge, der so halbwegs friedlich in einem toten Punkt meiner Pupille ruhte und mich manchmal störte, begann zu wandern und machte mich fast rasend. 2 mal in dieser vermaledeiten Nacht drückte ich den Schwesternknopf hinter meinem Bett, um Horst zu holen, er gab mir ein Handtuch, das ich wie einen Turban um Auge und Kopf wickelte, und auf dem tränenden Auge ein nasses Papiertaschentuch.

Mein Splitter im Auge wurde dann später, heute um ca. 17:00 von einem kompetenten Augenarzt entfernt, es war kein Splitter, nur ein Staubkorn, doch die Entfernung dieses Korns wirkte Wunder. Seitdem ist mein Auge wie immer.

Was hat mich doch dieser Splitter gekostet! In der Ergo in der Früh konnte ich kaum mit der Laubsäge arbeiten, der Therapeut hatte viel Verständnis für meine Nöte und ließ mich die Pfleger aufsuchen um ein paar Augentropfen, doch sie durften mir keine geben, das darf nur ein Arzt, es muß alles den korrekten Gang der Dinge gehen. Also: zurück zur Ergotherapie und meinen Tischlerkünsten, die erbärmlich kindlich sind, dabei sind gerade mein Vater und meine Brüder leidenschaftliche Tischler, während ich nur ein Studierter bin.

Nach der Ergo die Arztvisite, wo ich mein Leiden vorbringen konnte; endlich bekam ich die Zuweisung zu einem Arzt zwecks Entfernung eines Fremdkörpers im rechten Auge.

Ansonsten war es ein schöner Tag, Es regnete draußen heftig und drinnen entpuppte sich eine Wetterhexe als freundliche Dame und eine unkommunikative Schachtel als durchaus ansprechbar, wenn auch in Maßen.

Morgen ist Fronleichnam. Ich habe vor, nicht hinzugehen, es war schon der Sonntag vorher schlimm genug, wo ich vor der Kommunion beinahe vom Kirchenstuhl kippte vor lauter Müdigkeit und ich, natürlich ohne Abspeisung, hinausging in die frische Luft und mir eine Zigarette genehmigte und spazierenging, um wieder munter zu werden. Diese - zugegeben kleine - Tortur werde ich mir morgen nicht antun.

Der Tag ist noch nicht zu Ende. Viele schöne Dinge und Worte könnte ich noch aufschreiben über den heutigen Tag, aber kein Notizblock könnte die Fülle dieses Tages fassen.

 

19.6.03 Ich sitze hier mit Josef im Raucherzimmer und

[12? unleserlich] unten mit Josef im Raucherzimmer und [[[]]]:[unleserliche Worte]

[unleserliches Gekritzel]

19.6. obige paar Zeilen geschrieben mit wachem Geist aber mit schlaffem Körper.

Edited by Einsteinchen
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Einsteinchen

Donnerstag, 19. Juni 2003, Fronleichnam

Der Tag begann mit einer Rauchpause mit Josef, und ich versuchte in volltrunkenem Schlafzustand, ich meine in schlaftrunkenem Vollzustand, will sagen, mein Geist war klar, aber mein Körper gehorchte mir nicht, einige Zeilen zu kritzeln, siehe oben. Das wird schwer zu entziffern sein. Josef mußte über meine Schreibversuche lachen. Ich ging dann ins Bett und schlief noch eine Stunde lang, das wirkte Wunder. Mein rechter Arm schmerzte, als hätte er die Gicht, aber das war nur eine psychosomatische Reaktion auf meine hypomanische Lebensweise, wie ich sogleich mutmaßte, und zwar zurecht mutmaßte, denn jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, ist die Gicht an meiner rechten Seite verschwunden. Aber warum schmerzte gerade die rechte Seite? Ich mutmaße folgendes: Das kommt, weil ich ein Linkstyp bin. Ich mutmaße, daß meine linke Hirnhälfte meine rechte Seite betreut. Daß ich ein Linkstyp bin, ist ein gesicherter Fakt. Woher ich das weiß? Aus meiner Krankenakte, ich konnte sie einige Tage vorher einsehen, als ich zur Internen mußte. Mann, standen da interessante Sachen über mich drin! Ich ging nach meiner Untersuchung in der Internen sofort in das Kaffeehaus, will sagen, in die Kantine und studierte sie sorgfältig. Ich werde mir die Akten, die mich betreffen, oder Kopien davon, besorgen; wie ich das mache, weiß ich noch nicht, zuerst werde ich wohl gesund geschrieben werden müssen, dann, oder auch vorher werde ich den Patientenanwalt bemühen, bis in die höchste Instanz werde ich gehen, wenn's sein muß sogar zu einer grünen Europapolitikerin.

Doch ich schweife ab, ich wollte ja über den heutigen Tag schreiben. Was ist heute, Fronleichnam geschehen? Ich kann es euch sagen: Viel ist geschehen, noch viel mehr als gestern, ist doch gestern schon mehr geschehen, als ein Notizblock fassen kann.

In Stichworten nur will ich wiedergeben, was geschah.

Friedliches Frühstück mit muntermachendem Kaffee. Angeregte und schicksalanstoßende Gespräche mit anderen Patienten. Neue Bettwäsche überzogen. Auch den Abschluß der katholischen Fronleichnamsprozession konnte ich miterleben.

Priester, Männer und Frauen in wunderschönes Ornat gekleidet. Die Frau auch, der hab' ich viel zu verdanken, sie ist Pastoralassistentin oder so was ähnliches, sie hat die Missio vom Bischof von Linz, von ihr habe ich den Diözesanschematismus geliehen bekommen, aus dessen Seiten ich die Personalien eines Priesters herausgeschrieben habe, der acht Jahre lang mein Professor in Biologie und Chemie im Kollegium Petrinum war, und mit dessen Personaldaten ich einem gemeinsamen Freund aus meiner Zeit in der geschlossenen Abteilung A7, dem Simon, dem Tauf- oder Firmkind dieses Priesters, aus der Geschlossenen in die offene Abteilung von A7 herausgeholfen habe, und zwar aus der Position der Stärke und Freundschaft heraus, denn ich bin ja nicht mehr in der Geschlossenen, sondern auf der offenen A5.

Wie ich damit helfen konnte, und ob auch andere Faktoren dazu führten, daß Simon befreit wurde, will ich nicht beurteilen, doch ich durfte eine große Rolle dabei spielen.

Kurz, um nicht abzuschweifen, ich ging heute, Fronleichnam, in die Kantine, das Café und kam gerade zu der Abschlußkundgebung der Fronleichnamsprozession gleich neben der Kantine. Die Bläser spielten das wunderschöne Te Deum, auf Deutsch 'Großer Gott, wir loben Dich, Herr, wir preisen Deine Stärke'. Der Weihrauch in der Luft tat mir sehr gut, und ich stand neben meinem Freund Simon. Als nach diesem wunderschönen Ausklang der Messe der Pastoralassistent einen Reigentanz ankündigte, bin ich sofort in das gleich nebenanliegende Café geflüchtet, um das Spektakel aus einer gesicherten Position aus zu beobachten.

Edited by Einsteinchen
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Einsteinchen

Wenn du was Konstruktives dazu sagen kannst, warum nicht?

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Natürlich. Als meine Abschlussprüfung in Deutsch habe ich eine politische Rede ausgewählt.

 

„Ich schreibe derzeit an meiner Biographie. Der vorläufige Buchtitel lautet:

Warum ich mein Glas Cola auf diesen Notizblock gestellt habe

von Heinrich Reisinger“.

 

Wieso benutzt du für deine Biografie ein Werk eines fremden Autors?

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Einsteinchen

Smurf, du irrst, ich bin Heinrich Reisinger.

Einsteinchen ist nur mein Nick.

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Smurf, du irrst, ich bin Heinrich Reisinger.

Einsteinchen ist nur mein Nick.

Ach so. Dann wäre das schon mal geklärt.

 

Ein weiterer wichtiger Punkt wäre die Fragestellung, was dich dazu bewogen hat eine Biografie über dich zu verfassen? Warum gerade zu diesem Zeitpunkt? War vielleicht ein bestimmtes Ereignis dafür ausschlaggebend etc. pp. .

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Einsteinchen

Hi Kordian, ja, die ganze Zeit im Internet mit euch bringt mich dazu, mich so zu äußern, wie ich es jetzt mache, und ich bitte die Moderatoren, nicht zu löschen.

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Einsteinchen

Bis Sonntag Nachmittag habe ich theoretisch die Möglichkeit, diesen Thread zu verfolgen.

Draußen ist ein wunderbarer Sommertag, ich werde Reinhard Mey hören und ins Kaffeehaus gehen.

Dann werden wir weitersehen, vielleicht sehen wir uns nächste Woche wieder.

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Hast du keinen innerlichen Schmerz wenn du ins Kaffeehaus gehst und dein schwer verdientes Geld für Kaffee ausgibst, denn du zu Hause viel günstiger dir zubereiten könntest? Darüber hinaus kannst du es dir zu Hause gemütlich machen und bist keinem gesellschaftlichem Zwang unterworfen, wie sich anziehen. Du könntest zu Hause nur mit Shorts bekleidet im Garten sitzen und einen leckeren Kaffee trinken.

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Einsteinchen

Keine Angst, Kordian, ich sitze hier, trinke meinen selbstgemachten Kaffee, höre Reinhard Mey.

Morgen in der Früh geh' ich statt zur Kirche in das Kaffeehaus. :blink:

Edited by Einsteinchen
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Wieso benutzt du für deine Biografie ein Werk eines fremden Autors?

:blink::lol::blink::P:blink:

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Einsteinchen

Hallo, Thofrock, wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, bist du nicht ein Star-Trek-Fan?

Edited by Einsteinchen
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Keine Angst, Kordian, ich sitze hier, trinke meinen selbstgemachten Kaffee, höre Reinhard Mey.

Morgen in der Früh geh' ich statt zur Kirche in das Kafeehaus. :blink:

Echt? Wenn ich zu meinem privaten Militärpfarrer in die Messe gehe, dann wird anschließend ins Gemeindehaus gegangen, wo es Kaffee und Kekse gibt.

 

Das ist aber das erste mal, dass ich überhaupt so ein freundschaftliches Verhältnis zu einem Pfarrer habe. Dieser Mann ist ein richtiger Held, der ist jung ist in einem Orden und dazu noch der erste polnische Militärpfarrer in der BW und somit der erste polnische Beamte in Deutschland. (Er hat nur die polnische Staatsbürgerschaft)

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Hallo, Thofrock, wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, bist du nicht ein Star-Trek-Fan?

Äh, nö. Mein Held ist Robert Azorn und ich kann jede Folge von "Ein Herz und eine Seele" auswendig.

 

Gruß Frank

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Einsteinchen

Dann entschuldige ich mich, Frank, aber wer ist es denn dann, der Star Trek liebt in diesem Forum?

Edited by Einsteinchen
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Auf jeden Fall der Stefan, der schläft sogar in ST-Bettwäsche. Aber da waren noch mehr. Erich AS glaub ich auch.

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Einsteinchen

Das sind interessante Details, Frank, aber es war, glaub' ich, Caveman, auch ein A&A wie du, nehme ich an. Aber das sind ja nur unwichtige Dinge, im Grunde genommen. Wichtig ist, daß der Morgen schon gegraut hat, und es jetzt schon heller Tag ist, und das um 06:07.

Ich freue mich schon auf das Frühstück und auf die Zusammenkunft meiner Geschschwister im Café.

Und vielleicht gehe ich auch, um den Vater nicht zu kränken, ein bißchen in die Kirche.

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Dann entschuldige ich mich, Frank, aber wer ist es denn dann, der Star Trek liebt in diesem Forum?

Claudia und ich beispielsweise. Ich bin ein großer Fan der Kirk-Episoden, aber Claudia hat mich verführt, inzwischen bin ich ein noch größerer Fan der TNG-Folgen.

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Einsteinchen

Dann, willkommen im Club, Volker und Claudia, doch seufz, ihr alle seid Atheisten und ich bin katholischer Christ und gleichzeitig ein Hardcore-Fan von Star Trek, mit Ausnahme der Kirk-Episoden, die sind etwas zu frauenfeindlich.

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Einsteinchen

Hi, alle, ich bin wieder zurück und es ist hier ein angenehm kühler warmer Nachmittag. Meine Schwester hat mein Zimmer geputzt, aber ich bezahle sie eh dafür :blink:

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Einsteinchen

Ich werde gleich was veröffentlichen, ich will das so, es ist nichts Anstössiges, es ist ein Brief, und es gehört dazu.

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Einsteinchen

Diese Veröffentlichung wurde gelöscht von lissie, ich habe Verständnis dafür, sie hat mich darüber informiert.

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Einsteinchen

5. Juli 2003

Heute habe ich wieder Ausgang und bin wie immer allein in meinem Zimmer.

Haben wir eine Gaudi gehabt, als ich mit meinen Mitpatienten über meine geplante Hochzeit gescherzt habe. Hier bei mir zu Hause würde meine kommunikative Ader als abnormal empfunden werden, wie ich vorige Woche von meinen Geschwistern erfahren mußte, denn ich spreche ja nicht, ich bin still und bewege mich im Internet.

Meine Geschwister haben ja überhaupt keine Ahnung, daß ich ein Kirchenproblem habe und keinen Priester und keine Kirche kenne, wo ich mich zu Hause fühle, und das gerade jetzt, wo ich die Tochter der Trafikantin kennen gelernt habe.

Keine Kirche zum Trauen!

Aber bei Gott ist nichts unmöglich, und alles zu seiner Zeit.

Edited by Einsteinchen
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Einsteinchen

Auch dies wird in meiner Biographie verarbeitet:

 

Geburtswehen

von Dr. psych. Heinrich Reisinger

 

Wenn man sehr gut geschlafen hat, und die Verdauung funktioniert, dann ist die Ausscheidung durchaus zu vergleichen mit einer Geburt, wie ich es selbst schon einige male schmerzhaft erfahren mußte.

Zuerst kommt das Pressen, und das so stark, daß man glauben könnte, der Kanal wird verletzt. Da muß man mit der Hand fest auf das Steißbein drücken, damit der Schmerz nicht zu groß wird.

Sobald der harte Teil heraußen ist, geht das andere schon viel leichter, und die Tränen der Erleichterung nehmen ihren Lauf.

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