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Denkt mal drüber nach!


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Liebe kath.de-ler!

 

In diesem Forum wird viel diskutiert - über alles mögliche, und das ist gut so.

Ich eröffne diesen Thread aber damit jeder, der will, kurze meditative Texte hier posten kann, von denen er möchte, dass sie auch von anderen gelesen werden.

Ich denke, es gehört auch zum Sinn dieses Forums, etwas für "die Seele" zu bieten. Hier möchte ich dafür eine Möglichkeit schaffen.

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Atmen ist das Element, das uns mit dem geistigen Kosmos verbindet. Es ist die Gabe des Himmels, der Geist, der in uns einströmt. In vielen Sprachen sind die Worte für Atem und Geist identisch. Wie beglückt sind wir, wenn wir in einer schönen Landschaft auch gute Luft genießen, in den Bergen, auf hoher See, in winterlicher Schneelandschaft, im Frühling. Und diese Atemluft ist nicht steril, sie ist voller erregender und beglückender Gerüche, die uns begeistern - oder auch entsetzen, wenn die Luft Krankheits- oder Fäulniskeime oder Gifte trägt. ... Im Abendland herrscht die (...) Vorstellung, dass der Atemprozess vom vegetativen Nervensystem geregelt wird. Dass der Atmungsvorgang also vom menschlichen Willen nicht zu beeinflussen sei. "Es" atmet in einem. (...) Ganz anders verhält es sich im Osten, in Indien, China, Japan. Dort gibt es (...) die Vorstellung, dass der Mensch der Herr seines Atmens ist, (...) dass er seinen Charakter und seine Stimmung durch Übungen zu regulieren vermag. (...) Man sammelt sich, man sitzt aufrecht und still, und man atmet bewusst: etwa drei Sekunden ein, dann hält man den Atem drei Sekunden an, atmet dann in drei Sekunden aus und hält wieder drei Sekunden an. Das übt man zunächst nur einige Minuten. Man wiederholt aber die Übung mehrmals am Tage. Allmählich gewöhnt man sich auch unbewusst daran, in dieser Weise rhythmisch zu atmen. Das hat sehr heilsame Wirkung. Der Mensch wird harmonischer in seinem Verhalten, in den Gedanken und Bewegungen, in dem, was sein Temperament be-stimmt. Er wird nicht mehr aufgeregt oder wütend, denn jederzeit kann er seinen Atem zü-geln, und in dem Moment, da er ihn zügelt, wird der Atem regelmäßig, und die Aufregung verfliegt. (...) Die Mönche vom Athosberg, dem größten Heiligtum der Orthodoxie, haben eine ähnliche Anweisung: "Du aber, wenn du in deiner stillen Zelle sitzt und den Geist sam-meln willst, ziehe den Atem durch die Nase ein, dränge ihn in das Herz hinunter. Wenn er dort eintritt, wird alles, was nachher kommt, voll Freude und Jubel sein ..."

 

Wladimir Lindenberg

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Ein Mann klagte sehr, daß es ihm gar nicht gutgehe. Es täte ihm alles weh, und Geld habe er auch keines. So fuhr er fort zu lamentieren und zu jammern. Einer, der in seiner Nähe saß, wollte die Litanei des Selbstmitleids nicht länger anhören und fragte den Klagenden: "Möchtest du lieber blind sein, dafür aber zehntausend Mark besitzen?" "Auf keinen Fall", sagte der Jammerer. "Vielleicht möchtest du statt dessen lieber stumm sein und dafür zehntausend Mark haben?" "Absolut nicht!" "Möchtest du Arme und Beine verlieren, dafür aber zwanzigtausend Mark dein eigen nennen?" "Nie und nimmer!" "Aber dir ist es vielleicht lieber, wahnsinnig zu werden und zehntausend Mark auf dem Konto zu haben?" "Davor bewahre mich das Schicksal!" "Schämst du dich denn nicht angesichts der Tatsache, daß du Güter im Wert von wenigstens fünfzigtausend Mark dein eigen nennst und dennoch hier herumsitzt und jammerst, wie schlecht es dir geht?"

 

Norbert Lechleitner

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Ein Mannn machte Urlaub in einem Zisterzienserkloster.  Als er mal einen Blick in eine Zelle werfen durfte, fragte er: "Wo sind denn die ganzen Möbel?" Fragte der Mönch zurück: "Wo sind denn Ihre?" "Wieso meine? Ich bin doch nur auf der Durchreise." Der Mönch lächelt ihn an und sagt: "Sehen Sie. Wir auch."

 

 

 

(Geändert von Ralf um 15:34 - 5.März.2001)

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Ein Mann hatte von einem Einsiedlermönch gehört. Er verstand nicht, wie jemand so zurückgezogen leben konnte und machte sich auf dem Weg zu ihm.

Bei ihm angekommen, fragte er nach dem Grund für dessen Lebensstil. Der Mönch nahm einen Stein, warf ihn in den nahen Brunnen und fragte: "Was siehst Du im Brunnen?"

"Nichts, nur Wasser, das sich in Wellen bewegt."

Der Mönch wartete einige Minuten und fragte den Fremden erneut: "Was siehst Du jetzt im Brunnen?"

"Jetzt - jetzt sehe ich mich selbst ganz deutlich im ruhigen Wasser".

"Siehst Du, das ist die Erfahrung der Einsiedelei."

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Die Unsterblichkeit, an die man nur als an einen Trost glaubt, ist nicht die rechte. Sie haftet so wenig in den Gedanken der Menschen als das Bild, das man mit Wasserfarbe auf eine Mauer malt und das der nächste Regen wegwäscht. Sie ist äußerlich an die Menschen herangetragen und beschäftigt ihn nicht mehr, sobald er sich über die Todesangst durch seine Gedankenlosigkeit hinweggetäuscht hat. Aber wer sein Leben im Angesicht des Todes zu betrachten wagt, wer es von ihm stückweise zurückempfängt und es lebt als etwas, das ihm nicht gehört, sondern geschenkt worden ist, mit der innerlich freien und friedvollen Gesinnung des Menschen, der in seinen Gedanken den Tod überwunden hat, der glaubt an ein ewiges Leben, weil er schon etwas davon hat und erlebt hat und schon zehrt von dem Frieden und der Freude desselben. Wie es gestaltet ist, vermag er nicht zu sagen, er vermag seine Anschauung auch vielleicht nicht ganz mit den überlieferten Vorstellungen in Einklang zu bringen. Aber das weiß er gewiß, daß etwas in uns ist, das nicht vergeht, wenn wir selber vergehen, sondern das fortlebt und fortwirkt, überall, wo das Reich des Geistes ist, weil es schon jetzt in uns lebt und wirket, wenn wir innerlich durch den Tod zum Leben gekommen sind.

 

Albert Schweitzer

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Vorbilder

 

 

Vor mir

Auf dem Boden liegt

Ein Spiegel

Vor mir

An der Wand hängen

Bilder

Johannes XXIII

Mutter Teresa

Don Bosco

Franziskus

Das Kreuz

Werde ich

Den Spiegel jemals an

Die Wand hängen

Können

 

 

Bernd Terwitte

 

 

(Geändert von Ralf um 15:43 - 5.März.2001)

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Pfarrgemeinderat

 

 

Von Programmen sprachen wir

   und Tagesordnungspunkten

von Aktionen sprachen wir

   und von Sofortmaßnahmen

von Modellen sprachen wir

   und neuen Perspektiven

von Problemen sprachen wir

   und Meinungsäußerungen

von Strukturen sprachen wir

   und von Gemeindebildung

 

Von Jesus Christus

sprachen wir nicht

und seine Meinung

war nicht gefragt

so hing er still am Kreuz

aus Oberammergau

 

 

Lothar Zenetti

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Feiertäglich

 

 

Wir sitzen

in einer wirklich

überaus schönen Kirche,

wohlgekleidet,

wohlgenährt und von

Wohlbehagen erfüllt.

 

Von der Kanzel verlautet,

dass Armut

selig macht.

 

Es war

eine wirklich

schöne Predigt.

 

 

 

Lothar Zenetti

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(Etwas länger)

 

 

Der Gott, an den ich glaube

 

 

Ich glaube nicht an den Gott der Funktionäre;

   auch nicht an den Gott der Generäle

   oder an den Gott auf patriotischen Feiern.

Ich glaube nicht an den Gott der offiziellen Totenehrung;

   auch nicht an den Gott der Audienz-Säle,

   des Vorwortes zu den Grundgesetzen

   oder des Abschlusses großartiger Ansprachen.

Ich glaube nicht an den Gott des Glücks der Reichen;

   auch nicht an den Gott der Angst der Wohlhabenden

   oder der Freude derer, die das Volk berauben.

Ich glaube nicht an den Gott des erlogenen Friedens;

   auch nicht an den Gott der Ungerechtigkeit gegen das Volk

   oder der ruhmreichen Überlieferungen der Nation.

Ich glaube nicht an den Gott der leeren Predigten;

   auch nicht an den Gott der üblichen Begrüßungen

   oder der Ehen ohne Liebe.

Ich glaube nicht an den Gott, der nach dem Bild und Modell der Mächtigen geschaffen wurde:

   auch nicht an den Gott, der als Beruhigungsmittel

   für das Elend und die Leiden der Armen erfunden wurde.

Ich glaube nicht an den Gott, der an den Wänden hängt und schläft oder sich in den Schränken der Kirchen versteckt.

Ich glaube nicht an den Gott der Weihnachtsgeschäfte;

   auch nicht an den Gott der prunkhaften Werbung.

Ich glaube nicht an den Gott, den die Menschen aus Lügen und wie aus zerbrechlichem Lehm modelliert haben;

   auch nicht an den Gott der herrschenden Ordnung

   auf der Grundlage einer zugelassenen Unordnung.

 

Der Gott, an den ich glaube, ist in einem Tierstall zur Welt gekommen,

   war Jude,

   wurde von einem ausländischen König verfolgt

   und zog wie ein Fremder in Palästina umher.

Er ließ sich begleiten von Leuten aus dem Volk;

   er gab denen, die Hunger hatten, zu essen;

   denen, die im Dunklen lebten, Licht;

   denen, die im Gefängnis saßen, Befreiung;

   denen, die Gerechtigkeit verlangten, Frieden.

Der Gott, an den ich glaube, stellte den Menschen über das Gesetz

   und die Liebe über die alten Traditionen.

Er hatte keinen Stein, worauf sein Kopf ruhen konnte,

   und war von den Armen gar nicht zu unterscheiden.

Er ging zu den Gelehrten nur dann,

   wenn diese sein Wort in Frage stellten.

Er war bei den Richtern, die ihn verurteilen wollten;

man hat ihn auch bei der Polizei gesehen, aber als Häftling.

Er hat das Regierungsgebäude betreten, um geschlagen zu werden.

Der Gott, an den ich glaube, trug eine Krone aus Dornen

   und einen Mantel, der wie aus Blut gewebt war.

Er hatte Leibwächter, die ihm den Weg freimachten,

wohlgemerkt: zum Kalvarienberg, wo er unter Räubern

   am Kreuz sterben musste.

Der Gott, an den ich glaube, ist kein anderer, als der Sohn Marias,

   Jesus von Nazareth.

 

Alle Tage stirbt er, gekreuzigt durch unseren Egoismus.

Alle Tage steht er wieder auf, durch unsere Liebe.

 

 

Frei Betto

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Nur für heute werde ich mich bemühen, den Tag zu

erleben, ohne das Problem meines Lebens auf

einmal lösen zu wollen.

 

Nur für heute werde ich die größte Sorge für mein

Auftreten pflegen: Ich werde niemanden kritisieren,

ja ich werde nicht danach streben die anderen zu

korrigieren oder zu verbessern... nur mich selbst.

 

Nur für heute werde ich in der Gewissheit glücklich

sein, dass ich für das Glück geschaffen bin... nicht

nur für andere, sondern auch für diese Welt.

 

Nur für heute werde ich mich an die Umstände

anpassen, ohne zu verlangen, dass sich die

Umstände an mich und meine Wünsche anpassen.

 

Nur für heute werde ich eine gute Tat vollbringen,

und ich werde es niemandem erzählen.

 

Nur für heute werde ich etwas tun, wozu ich keine

Lust habe; sollte ich mich in meinen Gedanken

beleidigt fühlen, werde ich dafür sorgen, dass

niemand es merkt.

 

Nur für heute werde ich ein genaues Programm

aufstellen. Vielleicht halte ich mich nicht daran, aber

ich werde es aufsetzen. Und ich werde mich vor

zwei Übeln hüten: vor der Hetze und vor der

Unentschlossenheit.

 

Nur für heute werde ich fest glauben - selbst wenn

die Umstände das Gegenteil zeigen sollten - , dass

die gütige Vorsehung Gottes sich um mich

kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der

Welt.

 

Nur für heute werde ich keine Angst haben. Ganz

besonders werde ich keine Angst haben, mich an

allem zu freuen, was schön ist, und an die Güte zu

glauben.

 

Johannes XXIII.

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Ich will mich heute - wie jeden Tag - bemühen, das Leben intensiv zu leben.

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Zunächst das Wichtigste: "was tun und treiben

Sie eigentlich in dieser großen Zeit?

Ich sage: groß: den alle Zeiten scheinen

mir Groß, wo sich der Einzelne zuletzt,

auf gar nichts stehend als auf seinen Beinen,

dazu vom Zeitengeist halbtotgehetzt,

Besinnen muß, ob nolens oder volens,

auf nichts geringeres als eben SICH!

Die Pause eines bloßen Atemholens

genügt bisweilen - Sie verstehen mich."

 

(Peter Gan, 1935)

 

(Geändert von lissie um 19:15 - 5.März.2001)

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Gleichheit

Wie doch die Menschen einander stetig näher rücken! Wie schnell, wie selbstverständlich doch das eine Volk Ideen, Wörter und Gepflogenheiten eines anderen Volkes übernimmt! Wer heute nach einem Wiener Schnitzel, einer Münchner Weißwurst, einer Pizza oder einem Menü à la française Appetit verspürt, braucht weder Wien noch München noch eine Stadt Italiens oder Frankreichs aufzusuchen, derlei Wünsche erfüllt inzwischen so ziemlich jedes Restaurant der Welt. Möchte einer Yoga lernen, weshalb sollte er nach Indien reisen? Kaum eine Stadt kann es sich leisten, solche Kurse nicht anzubieten oder keine protzigen, weit nach oben ragende, gesichtslose Allerweltswohnbunker hinzustellen. Hält einer auch von Religion nicht viel, er wird dennoch darauf aus sein, an einem Wallfahrtsort eine Buddha- oder eine Heiligenplastik zu ergattern und ihr einen ehrenvollen Platz in seinem Haus einräumen. Das Kreuz ist längst nicht mehr das Zeichen für gläubige Christen, sondern nicht viel mehr als irgendein Schmuckstück. Bald wird es etwas Unterscheidendes zwischen den verschiedenen Menschen nicht mehr geben! Die Einheitskleidung, das Einheitsessen, die Einheitswohnkultur, das überall übliche Freizeitverhalten werden sich durchsetzen und die religionsübergreifende Einheitskonfession alle brüderlich verbinden. Hoffentlich lässt sich verhindern, dass bald der Einheitstyp von Mensch die vielen Individuen verdrängt!

 

Walter Rupp SJ

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Liebe: keine Erfindung von Menschen.

Eine Erfindung Gottes.

 

Überall wo Menschen lieben

ist Gott am Werk,

ist Gott gegenwärtig.

Wer in Liebe lebt,

ob gläubig oder ungläubig,

lebt bewußt oder unbewußt im magnetischen Feld

eines Gottes der Liebe ist.

 

Phil Bosmans

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Also, wenn ich wo wen liebe, da will ich keinen Gott am Werk haben. Igitt!

 


Wer in Liebe lebt,

ob gläubig oder ungläubig,

lebt bewußt oder unbewußt im magnetischen Feld

eines Gottes der Liebe ist.

 

Phil Bosmans ist wohl Christ (war gaaanz schwer rauszukriegen!), sonst würde er so einen Schwachsinn nciht schreiben.

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Zitat von Ute am 23:25 - 5.März.2001

Also, wenn ich wo wen liebe, da will ich keinen Gott am Werk haben. Igitt!

 


Wer in Liebe lebt,

ob gläubig oder ungläubig,

lebt bewußt oder unbewußt im magnetischen Feld

eines Gottes der Liebe ist.

 

Phil Bosmans ist wohl Christ (war gaaanz schwer rauszukriegen!), sonst würde er so einen Schwachsinn nciht schreiben.

 

Aha - ein Ute-Beitrag mit dem Prädikat "Besonders überflüssig"

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Florian,

 

was findest denn du an einem "magnetischen Feld eines Gottes der Liebe" stärkersinnig?

jestera.gif

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Zwei oder drei,

das ist nicht viel,

bestimmt nicht,

wenn der eine blind,

der andere taub

und ein Dritter

lahm ist.

 

Zwei oder drei,

das ist unendlich mehr

als einer allein,

bestimmt wenn

der eine blind,

der andere taub

und ein Dritter

lahm ist.

 

Denn der Blinde

wird das Ohr

für den Tauben,

und der Taube

wird das Auge

für den Blinden,

und gemeinsam tragen sie

den Lahmen

und so gehen sie

alle drei,

wohin einer allein

nicht kommen kann.

 

"Zwei oder drei

in meinem Namen",

das ist

Deine Hoffnung, Gott,

für die Kinder

der Menschen,

und überall

wo Menschen

 

zu zweit oder dritt

ihre Stärke

miteinander teilen

und ihre Schwäche

gegenseitig tragen,

da bist Du

in ihrer Mitte.

 

Sorry, Quelle weiß ich gerade nicht. Aber ich finde den Text genial - das ist Kirche, oder?

 

Liebe Grüße

 

Thomas

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Bei den Griechen waren Pausen zentrale Teile ihrer individuellen, sozialen und kulturellen Existenz. Für sie stellten die Pausen eine unverzichtbare Lebensqualität dar. Sie waren ihnen so wichtig, dass sie dafür den ersten Streik der (uns überlieferten) Geschichte riskierten: Es war Aristos, der ihm Jahre 309 vor Christus für seine Musiker mehr Pausen verlangte. (...) Auch wenn das Wichtigste zweifelsohne zwischen den Pausen liegt, so sind diese doch unverzichtbar, damit es überhaupt etwas dazwischen gibt. Die Pausen sind die Zwischenräume im Lattenzaun, der ohne diese ja nicht existieren würde ... (...) Daher sind Pausen nicht das Nichts, vielmehr sind sie bedeutsame, das heißt gefüllte Leerstellen. Pausen schaffen notwendige Ordnung innerhalb von Zuständen und geben damit Orientierung (...) Das pausenlose Leben gliche einem Automaten, dessen Existenz sich in der Hetze verausgabte. Pausenlos würden die "Lebenden" ortlos im Fluss der Zeit umherirren, die Musik wäre nur Lärm, die Kommunikation unaufhörliche Dauerbelästigung. (...) Es gibt Anhaltspunkte für die Vermutung, so Sloterdijk, "dass ein guter Teil des wirklichen Lebens sich nicht auf dem Spielfeld, sondern im Seitenaus abspielt, nicht während des Hauptprogramms, sondern in der Pause". Die Pause ist ein Naturphänomen, und - das ist nicht unabhängig davon - sie ist eine Kulturleistung. (...) Nur so können wir "verweilen" - ein schöner, treffender Begriff, der das Zeitliche und auch die Ortsgebundenheit ausdrückt. "Gut Ding will Weile haben" - die Volksweisheit weiß um die Wichtigkeit der Pause.

 

Karlheinz A. Geißler

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Heute in 14 Tagen ist Karfreitag. In den Gottesdiensten wird dann wieder vorgelesen, wie es zur Kreuzigung und zum Tode Jesu kam. Eine Geschichte voller Intrigen und Unrecht, voller Gewalt und menschlicher Schwächen. Man könnte sie natürlich von Ostern her, von der Auf-erstehung her lesen und sagen: Es musste sein und es ging ja sozusagen gut aus. Aber damit würden wir den ungezählten und ungenannten Menschen auf der ganzen Welt Unrecht tun, die bis heute immer noch Opfer sind in Geschichten voller Intrigen und Unrecht, voller Ge-walt und menschlicher Schwächen.  Zu den Grausamkeiten und Demütigungen, die Jesus in seinen letzten Stunden hingenommen hat, gehört auch diese: "...und die Soldaten zogen ihn nackt aus und hängten ihm einen roten Mantel um...".  Mit dem erzwungenen Ablegen der Kleider ist ein starkes Gefühl der Schutzlosigkeit und des Ausgeliefertseins verbunden. Reste davon spüren wir, wenn wir bei einer ärztlichen Untersuchung unsere Kleider hergeben müs-sen. Es tut gut, wenn uns dann jemand als wärmenden Schutz eine Decke anbietet. Schutz gegen die Kälte und Schutz gegen die Blicke, die unser Recht auf Intimsphäre rücksichtslos verletzen könnten.  Um Nacktheit als existenzielle Not und Bedrohung zu verstehen, müssen wir an den Anfang unseres Lebens denken: Nackt kommen wir zur Welt. Spüren als erstes ihre Kälte, wenn wir den schützenden Leib der Mutter verlassen haben.  Jesus selbst hat in einem Gleichnis auf diese Not aufmerksam gemacht: Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich gekleidet....". Und damit meint er jene Menschen hier in unserer Nähe und in der Welt, denen es an Schutz und Wärme fehlt. Und die deshalb zum Beispiel ungefragt oder mit Ge-walt in andere Kleidung oder Uniformen gesteckt werden. Jesus legt sie uns ans Herz, die Schutzlosen und die im nackten Elend leben müssen: "Was ihr ihnen tut, das habt ihr mir ge-tan!"

 

Volker Herbert

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Liebe kann ertragen, und Liebe kann vergeben...

aber Liebe kann sich niemals mit einem ungeliebten Gegenstand abfinden...

Darum kann ER sich niemals mit deiner Sünde abfinden, weil die Sünde selbst unfähig ist sich zu ändern; aber er kann sich mit dir abfinden, weil du gesunden kannst.

 

Erich

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Dass Nacktheit einen Verlust der Intimität zur Folge hat, ist rein kulturell bedingt und hat nicht zuletzt etwas mit sexuell repressiver Religion zu tun.

znaika.gif

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"Betriebsschädling" - das Wort zuckt wie eine Peitschenschnur durch das Büro. Die Kollegen am Arbeitsplatz verziehen keine Mine. Hier und dort zieht jemand die Mundwinkel herunter, ein anderer Kollege duckt sich. Betretenes Schweigen. Betriebsrat Heinz K. - ihm galt dieses Schimpfwort - preßt die Lippen aufeinander, schweigt, sucht fieberhaft nach einer Antwort. Doch der Kopf ist wie leergefegt. Statt dessen Schock, Bestürzung, Wut. Das eh schon gespannte Verhältnis zwischen ihm als Betriebsrat und der Firmenleitung ist jetzt endgültig den Bach runter.

Szenen wie diese sind zwar nicht immer an der Tagesordnung, aber sie sind auch keine Ausnahme. Der Arbeitskampf ist härter geworden. Die Arbeit mehr, der Druck größer, das Klima schärfer. Meinungsverschiedenheiten, Streit, auch Kampf gehören zum Leben. Entscheidend ist, wie man sie anpackt. Ob aus gegensätzlichen Meinungen auch ein Gegeneinander von Menschen wird, oder ob Fairneß und Kreativität die Diskussion bestimmen.

"Die wichtigste Ressource, die der Mensch hat", so schreibt der Papst, "Die wichtigste Ressource ist neben der Erde der Mensch selbst." Diese Ressource Mensch gilt es deshalb zu pflegen und weiterzuentwickeln. Sonst enden Betriebe nicht wegen vermeintlicher Betriebsschädlinge, sondern wegen Unmenschlichkeit.

 

Verfasser mir unbekannt

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                           Du bist ein wunderbarer

                           Gott

 

                           Du bist ein wunderbarer, liebevoller Gott,

                           du regierst uns wunderbar und freundlich.

 

                           Du erhöhst uns,

                           wenn du uns erniedrigst,

                           du machst uns gerecht,

                           wenn du uns zu Sündern machst.

 

                           Du führst uns gen Himmel,

                           wenn du uns in die Hölle stösst,

                           du gibst uns Sieg,

                           wenn du uns unterliegen lässt.

 

                           Du tröstest uns,

                           wenn du uns trauern lässt,

                           du machst uns fröhlich,

                           wenn du uns heulen lässt.

 

                           Du machst uns singen,

                           wenn du uns weinen lässt,

                           du machst uns stark,

                           wenn wir leiden.

 

                           Du machst uns weise,

                           wenn du uns zu Narren machst,

                           du machst uns reich,

                           wenn du uns Armut schickst.

 

                           Du machst uns zu Herren,

                           wenn du uns dienen lässt.

 

                           Amen.

 

                           Martin Luther

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