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Nigeria: Außerhalb des Nahen Ostens


Martin
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Nigeria: Katastrophe bahnt sich an  22.04.2002

 

 

Menschenrechtler appelliert an den Westen

 

In Nigeria bahnt sich eine schlimmere Katastrophe an als in Ruanda oder im Kongo. Das sagte der senegalesische Menschenrechtler Davis Iber in einem Gespräch mit dem internationalen katholischen Hilfswerk "Kirche in Not/Ostpriesterhilfe". Iber ist auch Vizepräsident des Rates der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) mit Sitz in Frankfurt am Main. Auch nach dem Ende der Militärdiktatur im Jahr 1999 würden die Menschenrechte in dem westafrikanischen Land weiterhin missachtet. Allein zwischen Februar und Oktober 2001 sind nach Aussage Ibers, vom Westen unbeachtet, in der Provinz Benue 7.000 Angehörige des überwiegend christlichen Tiv-Stammes von der nigerianischen Armee massakriert worden. Die Soldaten hätten auf Anordnung von Präsident Obasanjo und dessen Verteidigungsminister General Yakubu Danjuma gehandelt, sagte Iber nach einer Mitteilung von "Kirche in Not" aus München. Danjuma gehöre der ethnischen Gruppe der Jukun an, eines Stammes, der mit den Tiv verfeindet sei. Mittlerweile sind den Angaben zufolge 900.000 Tivs aus ihrer Heimat vertrieben, die als Kornkammer des Landes gilt. Die meisten lebten in verwahrlosten Flüchtlingslagern. Die hygienischen Verhältnisse seien miserabel, die Wasserversorgung reiche nicht aus.

 

Iber bemängelte weiter, dass die Welt bei den Massakern in Bosnien und Ruanda aufgeschrieen habe, während sie die Vorgänge in Nigeria noch nicht einmal zur Kenntnis genommen habe. Dabei handle es sich hier um einen "wahrhaften Genozid" und nicht etwa nur um "ethnische Kämpfe", wie in manchen westlichen Zeitungen zu lesen war. Die westlichen Regierungen hätten ein Auge auf Nigeria wegen seiner Ölvorkommen geworfen und ignorierten daher bewusst die Menschenrechtsverletzungen.

 

 

Der Menschenrechtler forderte die westliche Staatengemeinschaft auf, bei der Bewertung afrikanischer Staaten nicht nur die Regierungsform zum Maßstab zu nehmen. Wichtiger sei die Achtung der Menschenrechte. In Nigeria sei mit der Amtsübernahme Präsident Obasanjos 1999 die Militärdiktatur offiziell für beendet erklärt und die sogenannte "4. Republik" ausgerufen worden. Daraufhin habe der Westen seine Beziehungen zu dem westafrikanischen Land wieder aufgenommen. An der schlechten humanitären Situation habe sich jedoch nichts geändert. Im Gegenteil fehle nunmehr der Druck auf die nigerianische Regierung, die Menschenrechte zu achten.

 

Wenn den gravierenden Menschenrechtsverletzungen nicht schnell Einhalt geboten werde, könne die Situation eskalieren. In Nigeria, dem mit ungefähr 120 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Land Afrikas leben 350 verschiedene ethnische Gruppen. Nach Angaben von "Kirche in Not" bekennt sich etwa die Hälfte der Nigerianer zum Islam, vierzig Prozent sind Christen, darunter ein Drittel Katholiken. Außerdem gibt es neun Prozent Anhänger von Naturreligionen.

 

Kirche in Not/Ostpriesterhilfe Deutschland e.V.

 

Michael Ragg (verantw.), Volker Niggewöhner

 

E-mail: MichaelRagg@hotmail.com

 

Internet: http://www.kirche-in-not.org

 

 

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Es ist schon erstaunlich, was alles nicht durch die internationale Presse geht. Eben hab ich noch gelesen, dass Pierre Littbarski 2500€ Strafe zahlen muss... Von Nigeria aber keine Spur:(

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