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Probleme mit Maria bei Konversion?


MichaelN
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Hier im Forum scheint es ja einige Konvertiten zu geben. Habt Ihr nie Probleme mit Marien-/Heiligenverehrungen gehabt? Wenn ja, wie seid ihr damit umgegangen?

 

PS: Die offiziellen Unterscheidungen zwischen Latria und Hyperdulia etc. sind mir bekannt. Das Problem sehe ich in der Praxis.

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PS: Die offiziellen Unterscheidungen zwischen Latria und Hyperdulia etc. sind mir bekannt. Das Problem sehe ich in der Praxis.

 

(Vielleicht könntest du das für die wenigen, denen diese Begriffe gar nix sagen, mal kurz in eigene Worte fassen … )

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Das wäre wirklich wünschenswert - allein schon deshalb, damit es zwischen Latria und Latrina nicht zu Verwechslungen kommt.

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Hallo Michael N,

 

als Konvertit fühle ich mich durch Deine Frage angesprochen und will mal kurz schildern, wie es bei mir mit der Marienverehrung ist.

 

In meiner früheren Glaubensgemeinschaft ("Neuapostolische Kirche&quot hatte Maria keine andere Bedeutung als eben die Mutter Jesu zu sein, die nach ihm noch andere Kinder bekam und um die sich nach Jesu Tod am Kreuz der Jünger Johannes kümmern sollte, weil zu dieser Zeit Jesu leibliche Geschwister noch nicht zum Glauben gekommen waren.

Ein besondere Verehrung Mariens gab es ebensowenig wie die Verehrung oder gar Anrufung anderer Heiliger.

 

Andererseits war der Gedanke präsent, dass man durch Gebete den Seelen jener Verstorbenen helfen konnte, die zu Lebzeiten nicht zum Glauben gekommen waren.

Es wurden sogar drei Mal im Jahr besondere Gottesdienste durchgeführt, in denen Lebende stellvertretend für die Toten Sakramente empfingen.

Die Vorstellung vom Leben nach dem Tode war also sehr ausgeprägt.

 

Einen ersten Zugang zu der Überzeugung, dass die Verehrung bzw. Erwähnung der Heiligen und ihrer Taten wesentlich zum Evangelium gehört, fand ich persönlich durch die in Mt 26, 6-13 berichtete Geschichte von der Salbung in Bethanien.

Dort sagt Jesus über die Frau, die ihm die Füße salbte, und von der ich annahm, dass es sich um die hl. Maria Magdalena handelt:

"Überall auf der Welt, wo dieses Evangelium verkündet wird, wird man sich an sie erinnern und erzählen, was sie getan hat." (V. 13)

 

Ich schlussfolgerte, dass dies dann auch auf andere Heilige und ihre Taten zutreffen könnte und dass es ein Zeichen für die authentische Verkündung des Evangeliums wäre, wenn man an die Heiligen und ihre Taten in besonderer Weise gedenkt, so wie es in der katholischen Kirche getan wird.

 

Dass es mit Maria, der Mutter Jesu, etwas ganz Besonderes auf sich haben müsse, ja das ihre Verehrung bereits biblisch vorausgesagt war, leuchtete mir ein, als ich das 1. Kapitel des Lukasevangeliums las:

 

"Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabeth vom heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme:

Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.

Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?

.... Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn......Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter." (V 41-48)

 

Dass die in der katholischen Kirche praktizierte Marienverehrung etwas mit diesem "Seligpreisen von Geschlecht zu Geschlecht" zu tun haben müsse und große Ähnlichkeit mit dem Verhalten Elisabeths gegenüber Maria aufwies, war mir ohne Weiteres einleuchtend und ich fragte mich natürlich, weshalb ich mich nicht daran beteiligen sollte bzw. warum dieses Bibelwort in meiner früheren Glaubensgemeinschaft so wenig Beachtung fand.

 

Eine gewisse Skepsis mischte sich bei mir dann zwar ein, wenn ich las, auf welche manchmal sehr rüde wirkende Weise Jesus seine Mutter nach dem Bericht der Evangelien behandelt, ja dass er sie an keiner Stelle mit "Mutter" anspricht, sondern nur mit "Frau"

(in der bei uns gebräuchlichen Lutherübersetzung wurde z.B. Joh 2, 4 sogar noch mit

 

"Weib, was habe ich mit dir zu schaffen"

 

wiedergegeben).

 

Doch möglicherweise spielte hier auch meine Prägung durch das diesbezüglich in meiner früheren Glaubensgemeinschaft vorherrschende Verständnis mancher Bibelstellen eine Rolle.

So wurde z.B. auch Mt 12,46-50 immer im Sinne einer Distanzierung Jesu gegenüber seiner Mutter gewertet.

Später wurde mir jedoch bewusst, dass Maria ja nicht ausgeschlossen ist, wenn er sagt:

 

"Denn wer den Willen meines himmlischen Vaters erfüllt, der ist für mich.....Mutter".

 

Immerhin tat ja Maria genau das in vorbildlicher Weise, wenn sie sich mit den Worten:

 

"Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast." (Lk 1, 38)

ganz in den Willen Gottes fügt.

 

In ähnlicher Weise konnte ich dann auch die eher abwehrend wirkende Reaktion Jesu auf den Ruf der Frau aus der Menge verstehen:

"Selig, die Frau, deren Leib dich getragen und deren Brust dich genährt hat."

 

Denn Maria gehört ja vor allen anderen zu denen, "die das Wort Gottes hören und es befolgen." (Lk 11, 27-28)

 

Die Möglichkeit, Maria (auch in ganz alltäglichen Angelegenheiten) um Hilfe bitten zu dürfen und die Überzeugung, dass sie sogar in der Lage ist, ihren Sohn gggf. umzustimmen, wenn er zunächst gar nicht die Bitte erfüllen will, ließ sich für mich aus der Geschichte von der Hochzeit zu Kana sehr anschaulich entnehmen, wo sich ja Jesus entgegen seiner ursprünglichen Absicht durch die Fürsprache seiner Mutter dann doch noch bewegen lässt, das Wasser in Wein zu verwandeln, damit die Hochzeitsgäste, an deren Stelle hier Maria bittet, keinen Mangel haben und fröhlich weiterfeiern können.

 

Ein Marienlied, das wir in unserem Bistum gern singen, das sog. Neuzeller Wallfahrtslied, schien mir dies auf eine sehr schöne Weise zum Ausdruck zu bringen und so wende ich mich mit diesen Versen heute gern einmal im Gebet an Maria:

 

"Maria, Mutter, Friedenshort,

wir kommen in bedrängten Tagen

und bitten dich ein Mutterwort

für uns bei deinem Sohn zu sagen.

 

Sei du um uns wie ein Gebet,

vor dem die Stürme knien müssen!

Wenn deine Bitte mit uns fleht,

kann sich dein Sohn uns nicht verschließen."

 

Zugeben muss ich aber auch, dass ich bis heute gewisse Schwierigkeiten mit dem Rosenkranz habe.

Hier überkommt mich, wenn ich ihn mal zu beten versuche, immer wieder der sicher ebenfalls aus meiner früheren religiösen Prägung resultierende Gedanke, ich würde genau das tun, was Jesus lt. Mt 6, 7-8 mit dem Hinweis ablehnt:

 

"Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen. Macht es nicht wie sie!..."

 

In freier Anlehnung an die Worte des Apostels Paulus aus Phil 3, 12 möchte ich aber für mich auch im Hinblick auf das Rosenkranzgebet sagen:

"Nicht dass ich es schon erreicht hätte.....Aber ich strebe danach, es zu ergreifen..."

 

Ja, das wäre es, was ich zu Deiner Frage zu sagen hatte.

 

Viele Grüße

Falk

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@falk

 

Zum Rosenkranz: der soll ja auch betrachtend gebetet werden und nicht plappernd, zumindest drückt das die gute katholische Literatur immer so aus. In der Praxis wird das nicht immer so gehandhabt wie man auch anhand des Vatersunsers sehen kann und zwar in allen Kirchen. Mir hat vor kurzem hierzu auch ein Bekannter , der in der ev. Kirche war und sonst aber zu den Freikirchlern zählt gesagt, dass er beim Vaterunser nicht mitkam, das er es viel langsamer und nachdenklicher betet als es in der Kirche war, nämlich zack-zack.

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Hallo Werner,

 

wenn man - so wie ich - aus einer religiösen Tradition kommt, die das betrachtende Gebet gar nicht kennt, fällt es natürlich schwer, alte und irgendwie auch stark verinnerlichte Prägungen abzulegen.

 

Wir wurden z.B. von klein auf immer angemahnt, uns beim Beten nicht ablenken zu lassen und nicht "mit den Gedanken spazieren zu gehen".

(Deshalb wurde auch grundsätzlich mit geschlossenen Augen gebetet.)

 

Beim Rosenkranzgebet ist man nun demgegenüber direkt aufgefordert, an etwas anderes zu denken und sich nicht auf die Worte zu konzentrieren, die man betet.

 

Für mich ist das jedenfalls gar nicht so einfach.

Aber - wie gesagt - ich arbeite dran ;-)

 

Viele Grüße

Falk

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Beim Rosenkranzgebet ist man nun demgegenüber direkt aufgefordert, an etwas anderes zu denken und sich nicht auf die Worte zu konzentrieren, die man betet.  von Falk

 

lieber Falk,

 

deine Aussage kann nicht nicht pauschal nachvollziehen. Warum sollte man beim Rosenkranz sich nicht auf die Worte konzentrieren, die man betet? Das habe ich noch nie gehört. Allerdings kann man ein Anliegen, das man hat und an das man denkt, durch ein Gebet des Rosenkranzes oder auch Vaterunsers Gott vortragen. Ich finde das durchaus auch gerechtigfertigt und  habe sogar einmal in einem ev. Kreis dies erlebt als man das Vaterunser betete.

 

Gruss werner

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Guest Corinna


Zitat von Falk am 10:47 - 16.April.2002

 

 

Wir wurden z.B. von klein auf immer angemahnt, uns beim Beten nicht ablenken zu lassen und nicht "mit den Gedanken spazieren zu gehen".

 


 

Sich betrachtend in die Gesätze des Rosenkranzes zu vertiefen, ist etwas anderes als "mit den Gedanken spazieren zu gehen".

 

Corinna

 

Der Rosenkranz ist ein sehr altes Meditationsgebet der katholischen Kirche. Im Rosenkranz betrachtet der Beter alle Geheimnisse unserer Erlösung.

Heutige Menschen empfinden dieses Gebet jedoch oft als monoton. Aber gerade die ständige Wiederholung der einzelnen Glaubengeheimnisse ist dazu angetan, einen eigenen Raum in sich zu schaffen, sich aus der Zerstreutheit zu sammeln, ruhig zu werden, Aufmerksamkeit zu konzentrieren, Gedanken zu intensivieren und  sich in das Heilswirken Gottes hineinnehmen zu lassen. Mehr als  jede andere Gebetsform ist das Rosenkranzgebet dazu geeignet, das eigene Leben mit dem Glauben meditativ zu verknüpfen. Der Rosenkranz wird mit Leib und Seele gebetet. Dabei kann die Form sehr variabel und kreativ gehandhabt werden, die inhaltlichen Bezüge von der eigenen Lebenserfahrung her gestaltet und den eigenen religiösen Bedürfnissen angepasst werden.

Für den modernen, gestressten Menschen ist diese Form des Betens eine Möglichkeit zur Ruhe und Besinnung zu kommen.

Wer sich in dieser Gebetsform üben möchte, findet hier eine

Anleitung zum Beten des Rosenkranzes:

 

http://barmherzige-schwestern.de/Rosenkranz1_sub.html

 

 

 

 

(Geändert von Corinna um 14:56 - 16.April.2002)

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Kardinal Ratzinger in "Gott und die Welt", S. 274:

 

"...Es kommt nicht so sehr darauf an, dass ich angestrengt jedes einzelne Wort rational mitverfolge, sondern im Gegenteil mich von der Ruhe der Wiederholung, des Gleichmäßigen tragen lasse.

Umso mehr, da dieses Wort ja nicht inhaltslos ist. Es bringt mir große Bilder und Visionen und vor allen Dingen die Gestalt Marias - und durch sie hindurch dann die Gestalt Jesu - vor die Augen und vor die Seele."

 

Ich finde das sehr gut dargestellt, es ist aber eben das, was einem, der darauf getrimmt ist, "jedes einzelne Wort rational mitzuverfolgen", erst mal gar nicht so leicht fällt und was ich mit "an etwas anderes denken" meinte.

 

Falk

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Guest Corinna


Zitat von Falk am 17:10 - 16.April.2002

 

 

... es ist aber eben das, was einem, der darauf getrimmt ist, "jedes einzelne Wort rational mitzuverfolgen", erst mal gar nicht so leicht fällt und was ich mit "an etwas anderes denken" meinte.

 


 

Ich fange langsam an zu verstehen, was mir bei Dir schon seit längerem auffällt: Dein Festkleben an einzelnen Worten, ja fast sogar einzelnen Buchstaben (s. Engel).

 

Corinna

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Josef Steininger

Lieber Falk,

Der Rosenkranz ist ein urkatholisches Gebet, das heißt aber nicht, daß man nur katholisch sein kann, wenn man ein großer Rosenkranzbeter ist. Mir geht es auch so: wenn ich Rosenkranz bete, bin ich in kürzester Zeit mit den Gedanken irgendwo völlig anders. Bei mir liegt es wohl daran, daß ich als kleiner Ministrant viel im Rosenkranz dienen mußte und dann hauptsächlich Berechnungen angestellt habe, wie lange noch bis zum Schluß ist.

 

Hast Du eigentlich schon mal an Psalmen und Stundengebet gedacht?

Einer der wirklich guten Ansätze des Konzils war, das bisher praktisch den Klerikern vorbehaltene Stundengebet, und damit die Psalmen, allen Gläubigen nahezubringen.

Es gibt die kleinen Stundenbücher mit den Haupthoren Laudes, Vesper und Komplet. Man braucht das ja nicht alles regelmäßig zu beten, sondern eben mehr oder weniger oft mal eine Hore. Das Lob Marias kommt durch das Magnificat in der Vesper auch nicht zu kurz.

 

Bei den Psalmen gibt es keine Monotonie, deswegen ist es möglich, ihre Aussagen „rational mitzuverfolgen". Andererseits sind sie so gehalten, daß man seine persönlichen Gedanken und Gefühle hineinlegen kann und mir geht es so, daß sie ganz oft meine jeweilige Befindlichkeit getroffen haben.

 

Schönen Gruß

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Das Stundengebet ist eine gute Sache. Das praktiziere ich auch. Ich bin der Meinung, daß auch nach katholischer Auffassung das Stundengebet "das Gebet der Kirche" sein soll. Zudem ist es im positiven Sinn ökumenisch, da das Stundengebet noch aus der Zeit vor den Spaltungen herrührt und auch von Protestanten (zB. Lutheranern, Anglikanern etc.) teilweise noch gebetet wird.

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Ich habe gelesen, dass Rosenkranz-Beten die Atmung beruhigt und den Blutdruck senkt. Ein Aspekt des Betens, der in keinem Fitness-Tipp auftaucht.

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