Jump to content

Fladenbrot statt Hostien in Spanien


Sokrates
 Share

Recommended Posts

Liebe Freunde,

 

ich hatte ein wunderschönes Wochenende mit Freunden. Dabei kam auch die Sprache auf die Verwendung von Brot in der Eucharistie. Wie man weiss, gibt es einige Vertreter, die meinen, man dürfe nur die bekannten "Hostien" für die Eucharistie verwenden.

 

Nun hat ein Freund erzählt, es gäbe ein offizielles Rezept der Spanischen Bischofskonferenz zur Herstellung von Fladenbrot für die Eucharistie. Er wusste aber keine Details.

 

Kann mir jemand nähere Auskünfte hierzu geben? Vielen Dank im Voraus.

Link to comment
Share on other sites

Guest Ketelhohn

Den Begriff „Fladenbrot“ würde ich hier strikt vermeiden. Es geht um größere, brotartige Hostien.

 

Für eine Hostie von knapp 20 cm Durchmesser und vielleicht 7 - 8 mm Stärke (aus dem Gedächtnis geschätzt, nicht nachgemessen) nehme man: 220 g reines, feines Weizenmehl sowie 150 ml kochendes Wasser. Man gieße das noch siedende Wasser über das Mehl und knete den Teig gut durch (Achtung auf die Finger: erst sauberen Rührer nehmen, nach leichter Abkühlung mit den Händen weiter). Dabei bete man Ps 126 (127): »Wenn der Herr das Haus nicht baut«.

 

Mehl und Wasser müssen eine vollständig konsistente Masse bilden, ohne jeden Rest loser Mehlkrümel. Außer Mehl und Wasser dürfen keinerlei andere Zutaten verwendet werden.

 

Den Teig rolle man aus und forme ihn exakt rund. Wenige Millimeter vom Rand wird mit einem scharfen Messer ein kreisrunder Spalt eingeritzt, vielleicht 2 mm tief. Ebenso (oder eine Idee tiefer) wird mit dem Messer ein Kreuz auf die Hostie gezeichnet, dessen Balken jeweils oben und unten sowie rechts und links die gegenüberliegenden Punkte des zuvor eingeritzten Kreises verbinden.

 

Je beiderseits 3 - 4 mm von diesem Ritz entfernt schneide man weitere Ritze ein, etwas weniger tief, so daß das Kreuz optisch verbreitert wird. Diese Ritze sollen sich aber nicht kreuzen, sondern nahe dem Mittelpunkt treffen: von links und oben, von oben und rechts usw. Außen enden sie mit leichter Abschrägung vom Hauptkreuz weg am Außenkreis, so daß dort der Eindruck kleiner Füßchen an den Enden der Kreuzesbalken entsteht.

 

Auf die so entstandenen vier etwa viertelkreisförmigen Felder, in welche das Kreuz die Hostie unterteilt, zeichnet man mit dem Messer je drei kleine Kreuzchen, ausgerichtet je an den Ecken des Viertelkreises (bei größeren oder kleineren Hostien kann die Zahl entsprechend angepaßt werden). Nun wende man vorsichtig die Hostie und zeichne dasselbe Muster in die Rückseite ein. Dabei ist unbedingt darauf zu achten, daß die eingeritzten Linien des Hauptkreuzes auf Vorder- und Rückseite deckungsgleich sind, denn sie sollen das Brechen des Brotes ermöglichen.

 

Den so vorbereiteten Teig backe man im vorgeheizten Ofen bei mittlerer Hitze auf mittlerer Schiene etwa 20 Minuten. Achtung: Keinesfalls darf das Backblech (oder gar der Teig) mit Fett eingerieben werden, um sich später leichter lösen oder wenden zu lassen. Auch darf der Teig nicht mit losem Mehl bestreut werden. Aluminiumfolie als Unterlage ist ebenso zu vermeiden, weil sie die Oberfläche der Hostie unansehnlich faltig-glänzend macht. Allenfalls sogenanntes Backpapier darf eventuell untergelegt werden, wenn der Teig zu sehr klebt (was man beim nächsten Mal vermeiden kann, indem man eine Idee weniger Wasser nimmt).

 

Beim Backen beobachte man die Hostie gut. Entstehen Blasen, wende man den Teig. Die Hostie darf außen einige leicht bräunliche Stellen haben, jedoch keinesfalls „knusprig“ werden. Innen darf sie nicht mehr „klietschig“ sein. Sie darf sich auch nicht durchbiegen, wenn sie auf einer Seite am Rand waagerecht gehalten wird.

 

Wird die Hostie außen schon braun, ist innen aber noch klietschig, war die Backtemperatur zu hoch. In aller Regel ist dann nichts mehr zu retten. Man backe lieber neu, anstatt dann eine unbrauchbare Hostie in der Messe verwenden zu wollen. Meist bedarf es einiger Versuche, bis man an seinem Herd die richtige Kombination von Backzeit und Backtemperatur herausgefunden hat.

 

Man bedenke auch, daß die Hostie einige Zeit zur Abkühlung braucht, bevor sie in der Messe verwendet werden kann. Am besten hüllt man sie in ein sauberes, weißes Tuch. Mit dem Backen beauftrage man nur zuverlässige Gläubige. Im übrigen ist die Verwendung solcher Brothostien ohne ausdrückliche, auf einen überschaubaren Kreis begrenzte bischöfliche Erlaubnis nicht zulässig.

Edited by Ketelhohn
Link to comment
Share on other sites

Vielen Dank.

 

Nachfrage: Ist das authentisch spanisch-bischöflich, oder mit Ketelhohnschen Ergänzungen (z.B. hinsichtlich restriktiver bischöflicher Erlaubnis)?

Link to comment
Share on other sites

Guest Ketelhohn

Das ist deutsch. Einschließlich der gewährten bischöflichen Erlaubnis. Über spanische Bräuche weiß ich nichts. – Meine Ergänzungen betreffen nur einige Details des Backvorgangs. Gute Ratschläge.

Edited by Ketelhohn
Link to comment
Share on other sites

Ähh, hab ich da was verpasst?

 

Das man mit "Brot und Wein" feiert ist mir schon klar. Aber gibt es tatsächlich EU-Norm-Ausführungsbestimmungen die genau festschreiben wie "Brot" und wie "Wein" herzustellen sind?

 

Am coolsten fand ich immer die sog. "Partyräder" (=ca 24 kleine kreisförmig aneinander gebackene Brötchen) von denen sich jeder ein Stück abbrechen konnte. (Gibt auch in Traubenform)

 

Daß Meßwein schon etwas besonderes ist, kann jeder Meßdiener aus seiner Sakristeierfahrung berichten.

(aber flüssig-zuckerfrei sollte doch heute jeder Wein auch außerhalb Rheinhessens sein)

 

Oder dient die Ketelhohnsche Rezeptur nur der Bestandssicherung der klostereigenen Hostienbäckereien?

 

fragt ein Bäckerssohn

Link to comment
Share on other sites

Den Begriff „Fladenbrot“ würde ich hier strikt vermeiden. Es geht um größere, brotartige Hostien.

also, jetzt versteh ich gar nix mehr.

 

Und die Verwendung dieser großen Brothostie hat Bischof Müller untersagt???

Das glaub ich nicht......

Link to comment
Share on other sites

in dem von Bischof Müller am 3.7. im Internet veröffentlichten Punkt hieß es tatsächlich so:

 

"In der Messfeier werden für die Konsekration die vorgeschriebenen Brothostien und nicht Fladen- oder sonstiges, den Vorschriften nicht entsprechendes Brot, verwendet."

 

Erstaunlicherweise steht das inzwischen nicht mehr ihm Internet der Diözese (www.bistum-regensburg.de). Hat Pfarrer Felber was anderes unterschrieben?

Link to comment
Share on other sites

Ich vermute mal (bloße Vermutung!!), dass Pfr. felber sich wohl eher beim Türken mit richtigem Fladenbrot engedeckt als selber was gebacken hat.

Link to comment
Share on other sites

 Share

×
×
  • Create New...