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Die Kreuzzüge


Guest Corinna
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Guest Ketelhohn

    • Otto von Freising, Taten Friedrichs:
       
      Kapitel 37.
       
      Um nun zur Reihenfolge der Erzählung zurückzukehren: Bernhard, der ehrwürdige Abt, mißbraucht nicht die ihm verliehene Vollmacht des apostolischen Stuhles, gürtet sich tapfer mit dem Schwerte des Wortes Gottes, und, nachdem die Gemüter vieler für einen Zug übers Meer begeistert sind, wird endlich ein allgemeiner Hoftag zu Vézelay, einer Stadt Galliens, wo die Gebeine der seligen Maria Magdalena begraben liegen, angesagt, zu dem aus den verschiedenen Provinzen Galliens die großen und erlauchten Männer zusammenberufen worden waren. Dort nahm Ludwig, der König der Franken, aus der Hand des vorgenannten Abtes mit großer Freudigkeit des Herzens das Kreuz und meldete sich zur Heerfahrt übers Meer mit dem Grafen Theoderich von Flandern und Heinrich, Theobalds von Blois Sohne, und andern Baronen und edlen Männern aus seinem Reiche.
       
      Kapitel 38.
       
      Unterdeß durchzieht der Mönch Radolf, ein Mann, der das Mönchsgewand zwar trug und geschickt die Strenge der Klosterzucht nachahmte, aber von der Kenntnis der Wissenschaft nur mäßig berührt war, diejenigen Teile Galliens, welche an den Rhein grenzen, und entflammt viele Tausende vom Volke aus Köln, Mainz, Worms, Speyer, Straßburg und andern benachbarten Städten, Flecken und Dörfern zur Annahme des Kreuzes. In seine Lehre jedoch ließ er ohne gebührende Überlegung einfließen, daß die Juden, die in den Städten und Flecken zerstreut lebten, als Feinde der christlichen Religion getötet werden sollten. Der Same dieser Lehre faßte in vielen Städten und Flecken Galliens und Germaniens so feste Wurzel und sproßte auf, daß, nachdem sehr viele von den Juden in diesem stürmischen Aufstand getötet worden waren, viele schutzsuchend unter die Fittiche des römischen Kaisers flüchteten. Daher geschah es, daß nicht wenige von ihnen, die solcher Wut entflohen, sich zur Rettung ihres Lebens in die kaiserliche Stadt Nürnberg und in andere kaiserliche Städte zurückzogen.
       
      Kapitel 39.
       
      Aber der genannte Abt von Clairvaux lehrte, daß man vor einer derartigen Lehre sich zu hüten habe, und schickte an die Völker Galliens und Germaniens Boten und Briefe, in welchen er aus der Lehre der heiligen Schrift deutlich nachwies, daß die Juden wegen des Übermaßes ihrer Frevel nicht getötet, sondern zerstreut werden sollten. Dabei führte er auch das Zeugnis des Psalmdichters auf, der im 57. Psalm sagt: "Gott hat mir meine Lust gezeigt an meinen Feinden. Erwürge sie nicht;" und ebenso: "Zerstreue sie mit deiner Macht!"
       
      Kapitel 40.
       
      Während nun Unzählige im westlichen Gallien zum Zuge übers Meer sich begeisterten, beschließt Bernhard, das Reich der Ostfranken in Angriff zu nehmen, auf daß er auch dieses mit der Pflugschar der Predigt aufrühre, sowohl um das Herz des Fürsten der Römer durch das Wort heiliger Mahnung zur Annahme des Kreuzes zu erweichen, als auch um Radolf Schweigen aufzuerlegen, welcher der Juden wegen in den Städten häufige Aufstände des Volkes gegen seine Herren erregte. Da der Kaiser dies hörte, sagte er die Feier eines allgemeinen Reichstags bei Speyer auf das Geburtsfest des Herrn an. Dorthin kam genannter Abt und überredete den Kaiser samt Friedrich, dem Sohne seines Bruders und anderen Fürsten und erlauchten Männern, das Kreuz zu nehmen, indem er auf offener Straße wie im Verborgenen sehr viele Wunder tat. Als er auch nach Mainz kam, fand er dort Radolf in höchster Gunst beim Volke. Er ließ ihn kommen und ermahnte ihn, nicht gegen die Mönchsregel durch die Länder schweifend kraft eigner Vollmacht das Wort der Predigt sich anzumaßen, und bewog ihn endlich dazu, daß er ihm Gehorsam gelobte und in sein Kloster zurückkehrte. Darüber zürnte heftig das Volk, ja es wollte auch einen Aufstand erregen, wovon es nur durch die Rücksicht auf Bernhards Heiligkeit sich abhalten ließ.
       
      Unterdeß weilte der hochedle Herzog Friedrich in Gallien von schwerer Krankheit festgehalten, bitteren Zorn im Herzen tragend gegen seinen Herrn und Bruder König Konrad, weil er seinen Sohn Friedrich, den er als seinen erstgebornen und einzigen Sohn seiner hochedlen ersten Gemahlin seiner Gnade empfohlen und mit seinem kleinen Sohne von der zweiten Gemahlin zum Erben seines ganzen Landes gemacht hatte, das Kreuz hatte nehmen lassen. Zu ihm begab sich genannter Abt, ihn zu besuchen, segnete ihn und nahm ihn in seine Gebete auf. Doch vermochte jener die Gewalt des Schmerzes nicht zu ertragen und starb nicht lange nachher . Er liegt in einem Kloster, welches das der heiligen Waltpurga heißt und im Elsaß gelegen ist, begraben. Es folgte ihm aber im Herzogtum sein Sohn Friedrich.
       
      Kapitel 41.
       
      Darauf begab sich der Kaiser nach Baiern, und feierte dort im Monat Februar einen allgemeinen Reichstag, an Stelle des Abtes von Clairvaux Abt Adam von Eberach mit sich führend, einen frommen und ausreichend gelehrten Mann. Dieser feierte nach der Sitte das Meßopfer, bestieg dann, nach Anrufung der Gnade des heiligen Geistes, die Kanzel und beredete nach Verlesung der Briefe des apostolischen Stuhles und des Abtes von Clairvaux und kurzer Ermahnung fast alle Anwesenden, sich zur Teilnahme an genannter Heerfahrt zu melden. Es bedurfte nämlich weder der Worte der Überredung menschlicher Weisheit noch des Umschweifs kunstvoller Rede nach den Lehren der Rhetoren, da alle Anwesenden infolge des vorangehenden Gerüchtes aufgeregt waren und freiwillig zur Annahme des Kreuzes herbeieilten. Es empfingen in derselben Stunde das Kreuz drei Bischöfe, nämlich Heinrich von Regensburg, Otto von Freising, Reginbert von Passau, und der Herzog der Baiern, Heinrich, der Bruder des Königs, und vom Stande der Grafen, Edlen, erlauchten Männer unzählige. Auch eilte, wunderbar ist’s zu sagen, eine so große Menge von Räubern und Wegelagerern herbei, daß jeder mit gesundem Verstande begabte erkannte, daß diese eben so plötzliche als ungewöhnliche Wandelung von der Rechten des Höchsten ausging, und wenn er es erkannte, erschütterten Herzens erstaunte. Auch Welf, der Bruder des früheren Herzogs Heinrich, einer der edelsten Großen des Reichs, hatte in der Nacht der Geburt Christi auf seinem eignen Gute Peiting mit vielen anderen die Heerfahrt gelobt. Aber auch der Herzog der Böhmen, Ladislaus, und der Steirer Markgraf Ottokar und der erlauchte Graf Bernhard von Kärnten nahmen nicht viel später mit großem Gefolge der Ihrigen das Kreuz. Die Sachsen aber lehnten, weil sie einige dem Unflat des Götzendienstes ergebene Völker in ihrer Nachbarschaft haben, es ab, nach dem Orient zu ziehen, doch nahmen sie gleichfalls, um jene Völker mit Krieg zu überziehen, Kreuze, die von den unsrigen nur darin sich unterschieden, daß sie nicht einfach auf die Kleider genäht waren, sondern von einem Kreise aus in die Höhe ragten.
       
      Kapitel 42.
       
      Eine Abschrift aber des Briefes des Abtes von Clairvaux, den er in das östliche Frankenreich sandte, lautet folgendermaßen:
       
      "Den geliebtesten Herren und Vätern, Erzbischöfen, Bischöfen und allem Klerus und Volk des östlichen Frankens und Baierns wünscht Bernhard, genannt Abt von Clairvaux, Überfluß am Geiste der Tapferkeit.
       
      Ich habe zu euch zu reden über die Sache Christi, auf welchem allein euer Heil beruht. Das sage ich, damit die Majestät des Herrn die Unwürdigkeit der sprechenden Person entschuldige, auch damit die Rücksicht auf den eignen Nutzen es entschuldige. Ich bin zwar ein schwacher Mensch, aber nicht schwach ist meine Liebe zu euch um Christi Jesu willen. Das ist für mich jetzt der Grund an euch zu schreiben, das der Anlaß, daß ich an euch alle mit Briefen mich zu wenden wage. Lieber würde ich das mit lebendigem Wort betreiben, wenn das Vermögen ausreichte, wie der Wille nicht fehlt. Seht nun, Brüder, die willkommene Zeit, seht jetzt den Tag der Fülle des Heils. Denn es bewegt sich und erzittert die Erde, weil der Herr des Himmels sein Land zu verlieren beginnt. Sein Land, in dem er erschienen ist, und mehr denn dreißig Jahre als Mensch mit den Menschen verkehrt hat. Sein Land, welches er durch Wunder verherrlicht hat, welches er weihte durch sein eignes Blut, in welchem die ersten Blüten der Auferstehung erschienen sind. Und nun haben um unserer Sündenschuld willen die Feinde des Kreuzes ihr verruchtes Haupt erhoben und verwüsten mit der Schärfe des Schwertes das gebenedeite Land, das Land der Verheißung. Es steht nahe bevor, wenn nicht einer sich findet, der ihnen widerstehe, daß sie in die Stadt des lebendigen Gottes selbst einbrechen, daß sie die Stätten unserer Erlösung umstürzen, daß sie die vom Blute des unbefleckten Lammes geröteten Orte besudeln. Nach dem Heiligtum der christlichen Religion selbst - o Schmerz! - gieren sie mit verruchtem Munde, und sie trachten selbst seine Ruhestätte anzutasten und zu zerstampfen, da unsertwegen unser Leben im Tode entschlief. Was tut ihr, tapfere Männer? was tut ihr, Knechte des Kreuzes? Wollt ihr so das Heilige den Hunden und die Perlen den Säuen preisgeben? Wie viele Sünder haben dort, als sie mit Tränen ihre Sünden beichteten, Vergebung erlangt, nachdem durch die Schwerter der Väter der Unflat der Heiden ausgerottet war? Das sieht der Böse, und er sieht’s mit scheelem Blick; mit den Zähnen knirscht er und vergrämt sich. Er reizt die Gefäße seiner Bosheit und wird kein einziges Zeichen, keine Spur frommen Sinns zurücklassen, wenn er einmal, was Gott verhüte, die Oberhand gewinnen sollte. Aber das ist freilich für alle folgenden Jahrhunderte ein unstillbarer Schmerz, weil es ein unersetzlicher Verlust ist, im besonderen aber bleibt’s für dieses schlechte Geschlecht ein Schandfleck ohne Ende und ein ewiger Schimpf. Doch was glauben wir, Brüder? Ist etwa des Herrn Hand verkürzt oder ist sie ohnmächtig geworden zur Rettung, weil sie zum Schutz und Wiedererwerb ihrer eignen Erbschaft armselige Würmchen aufruft? Kann der Herr nicht mehr als zwölf Legionen Engel senden oder auch nur ein Wort sagen - und das Land wird frei werden? Gewiß wohnt ihm das Können bei, wenn er es wollte. Aber ich sage euch, der Herr euer Gott versucht euch. Er schaut hin auf die Kinder der Menschen, ob einer sei, der es erkenne, und danach forsche und Sein Los beklage. Denn Gott erbarmt sich seines Volkes, und den schwer Gefallenen zeigt er sorglich ein Mittel zur Rettung. Erwägt, welchen Kunstgriff er gebraucht, euch zu erlösen, und erstaunt. Schaut in den Abgrund der Liebe und vertraut ihm, ihr Sünder. Er will nicht euren Tod, sondern daß ihr euch bekehret und lebet, weil er nicht Gelegenheit suchet gegen euch, sondem für euch" usw.
       
      In solchen Ausdrücken und um solchen Stoff bewegt er sich nach der Weise und Regel der Redner. Und daß die Juden nicht getötet werden sollen, beweist er durch Gründe der Vernunft und der Schrift. Darauf bezieht sich jenes Wort: "Selig möchte ich das Geschlecht nennen, welchem die Gelegenheit so reicher Gnade sich bietet, welches dieses Versöhnungs- und wahre Jubeljahr des Herrn am Leben findet. Denn dieser Segen wird ausgegossen in alle Welt, und zum Zeichen des Lebens fliegen alle herbei. Weil also euer Land reich ist an tapferen Männern und, wie bekannt, von einer kräftigen Jugend voll, wie auch euer Lob ist in aller Welt und der Ruhm eurer Tüchtigkeit den Erdkreis erfüllt - so gürtet auch ihr euch mannhaft und ergreift die glücklichen Waffen". Und von den Juden sagt er so: "Gott, sagt die Kirche, läßt mich meine Lust sehen an meinen Feinden, erwürge sie nicht , denn sie sind uns lebendige Zeichen, die uns ohne Unterlaß das Leiden des Herrn vor Augen stellen," und anderes mehr auf diese Art.

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