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Zuasmmenfassung


knuddel

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Hier eine kleine Zuasmmenfassung des Friedensgipfels in Assisi von RadVat.

 

meldungen 23.1.2002

Einen Tag vor dem Friedenstreffen von Assisi ruft der Papst zu weltweitem Mitbeten auf

„Das wird eine Pilgerfahrt der Hoffnung, im Sinn des hl. Franz, der ein Prophet und Zeuge des Friedens war. Ich vertraue darauf, dass diese Initiative ehrliche und mutige Vorschläge zu Gerechtigkeit und Frieden macht. Dann kann sie dazu beitragen, das Fundament zu einem echten und dauerhaften Frieden zu legen. Ich lade alle Katholiken ein, morgen geistlich mit dabei zu sein beim Gebet der Christen und dabei auch ihre Sympathie gegenüber den Angehörigen anderer Religionen zu zeigen." Soweit der Papst bei der Generalaudienz.

Über 200 Kirchen- und Religionsführer werden erwartet. Viele von ihnen nehmen schon heute nachmittag im Vatikan an einem Gesprächsforum teil. Morgen früh fahren sie mit Johannes Paul II. per Bahn nach Assisi, beten getrennt und verpflichten sich dann gemeinsam zum Einsatz für den Frieden.

 

meldungen 24.1.2002

Tag des Gebetes für den Frieden in der Welt – der Papst mit den Führern von Religionen und Konfessionen

Mit Glockengeläut und Applaus sind heute Vormittag Papst Johannes Paul II. und die mehr als 200 Vertreter von zwölf Religionen und 31 Kirchen in Assisi empfangen worden. Ein buntes Völkergemisch, das den gemeinsamen Wunsch nach Frieden kundtat. In zahlreichen Bekenntnissen und Statements riefen die Religionsvertreter zu einer weltweiten Koalition für Frieden und Verständigung auf. In Gebeten und kurzen Ansprachen forderten sie gerechtere internationale Strukturen und wiesen jeden Versuch zurück, Gewalt durch Religion zu rechtfertigen. Der Papst erklärte zum Auftakt des Treffens, die Religionen müssten ihren Beitrag zum Konfliktabbau und zur Überwindung des Hasses leisten. Alle Gläubigen sollten dem Beispiel des Heiligen Franz von Assisi folgen und zu Friedensstiftern werden.

Mit leichter Verspätung war der Papst am Morgen im Sonderzug - begleitet von mehreren Delegierten - in Assisi angekommen. Mit Freude dankte er dort allen, dass sie so zahlreich seiner Einladung gefolgt waren. Er betonte dabei, dass man in der aktuellen Weltlage „mit größerer Lebendigkeit die Pflicht wahrnehme, sich persönlich für die Verteidigung und die Förderung des grundlegenden Wertes des Friedens zu engagieren". Der Papst tat sein bestes, alle bei seinem Willkommensgruß aufzuzählen, die Repräsentanten der Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, des Weltjudentums, des Islams, des Hinduismus und des Buddhismus sowie die Vertreter der traditionellen Religionen. Er entschuldigte sich indirekt aber auch, wenn er einige ausließ. Schließlich richtete der Papst einen herzlichen Gruß an alle Brüder und Schwestern, besonders die Jugendlichen, die die Nacht über in Assisi gewacht und gebetet hatten und er sagte: „Gott möge es geben, dass vom heutigen Treffen für die ganze Welt die Früchte des Frieden ausgehen, die alle von ganzem Herzen sich wünschen."

 

Zeugnisse für den Friedenswillen von Religions- und Konfessionsvertretern

Der Präsident des Päpstlichen Rates Justitia et Pax, Kardinal Francois Xavier Nguyen Van Thuan führte dann in die Veranstaltung „Zeugnis für den Frieden" ein. Der Vietnamese, der selbst viele Jahre im Gefängnis zugebracht hat mahnte: Dass Religion nie Grund zum Konflikt, zum Hass und zur Gewalt werden darf." Und er lud alle ein, heimzukehren um dort im täglichen Leben als Friedensbote zu wirken.

Es folgten die einzelnen Friedensbekenntnisse beginnend mit Vertretern des Christentums. Der ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I. bat Gott: „Gib denen, die auf Krieg sinnen, gute Gedanken ins Herz, befreie uns und alle Menschen von bösen und gierigen Wünschen. Säe in die Herzen einen Geist der Gerechtigkeit, der Versöhnung der Liebe gegen alle unsere Brüder. Mach uns zu Friedensstiftern und mach uns friedlich gegenüber allen Menschen".

Der Erzbischof von Canterbury, George Carey konnte persönlich nicht kommen, weil er eine Bischofsweihe hatte, doch sandte er einen Vertreter der seinen Text vorlas. Darin verwies Carey auf die schwere Aufgabe, die die Religiösen Gemeinschaften und die religiösen Führer hätten, angesichts so vieler Konflikte und weitverbreiteter Mutlosigkeit. „Trotz unserer Unvollkommenheiten", so Carey „geben wir Zeugnis von der Güte Gottes, wir versuchen Worte der Wahrheit zu sprechen, der Liebe und der Vergebung, wir versuchen festzuhalten an dem was gut ist. Er betonte, unsere Anliegen müssen auch praktisch sein. Und er schloss wörtlich: "Dieser Tag ist eine Station auf unserem Weg, ein Zeichen von Engagement für einander und für Gott der uns gemeinsam voranführt."

 

Chiara Lubich, die Gründerin der Fokolar-Bewegung verwies auf die vielen Friedensinitiativen, innerhalb der katholischen Kirche, in anderen Kirchen und Religionen und auch von Gruppen, ohne religiösen Bezug. Dies sei Ausdruck eines großen Dialogs, der Brüderlichkeit fördert. Dieser Friedensdialog könnte, so meint Lubich, das Herzstück einer weiten Weltgemeinschaft werden.

Eine Hinduistin in Sari erläuterte ihr Friedensverständnis: „Für sie bedeutet Frieden Aufrechterhaltung eines Gleichgewichts, innere und äußere Harmonie. Und solange es nicht gelingt, dass wir uns hier verstehen, werden wir weiterhin Zeugen von Intoleranz, Not, Ausbeutung, Zwietracht und Ungerechtigkeit. Wenn Religion richtig verstanden wird, dann ist sie die treibende Kraft, die zwischen der inneren und der äußeren Welt Harmonie und Ganzheit wiederherstellen kann."

Der Vertreter einer afrikanischen Naturreligion aus Benin unterstrich die Bedeutung des Respekts vor der Natur und ihrer Ressourcen. Ein verantwortlicher Umgang mit ihnen sei eine Friedenskundgebung.

Der Vertreter des Großimam Al Azhar aus Kairo zitierte aus dem Koran Er nahm aktuell Bezug auf die Situation der Palästinenser im Heiligen Land als er sagte „Alle monotheistischen Religionen predigen, dass der Mensch Recht und Gerechtigkeit erfährt, dass jeder seine legitimen Ansprüche innerhalb der Gesetze erhält." Der Islam-Vertreter dankte dem Vatikanstaat für dessen Unterstützung des Anliegens des Palästinenservolkes. Und er schloss mit dem Hinweis, dass jeder Friedensappell untrennbar mit der Forderung nach Gerechtigkeit verbunden sei.

Der Rabbiner Israel Singer erinnerte in einer flammenden Rede daran, dass das Judentum dem Konzept des Religionskriegs keine zentrale Rolle beimisse. Und auch wenn es in der Geschichte Israels viele Kriege gegeben habe, folgen die Juden doch einer Religion und Philosophie, die auf Frieden, Güte und Brüderlichkeit basiert. Die Zeugen waren sich also einig in ihrem Wunsch nach Frieden, der Gerechtigkeit und Vergebung einschließt.

 

Der Papst ruft zum Engagement für den Frieden auf

Im Anschluss an die Zeugnisse hielt der Papst Johannes Paul II. eine große Ansprache. Er forderte die Gläubigen der verschiedenen Religionen auf, dem Beispiel des Heiligen Franz von Assisi zu folgen und zu Friedensstiftern zu werden. Die Religionen müssen ihren Beitrag leisten, um „die Wolken von Terrorismus, Hass und bewaffneten Konflikten zu zerstreuen, die in den letzten Monaten den Horizont der Menschheit verdunkelt haben." Diesen Appell stellte der Papst an den Beginn seiner rund 30-minütigen Ansprache. Niemals dürfe Religion als Vorwand für Gewalt missbraucht werden. Deshalb müssten auch Feindseligkeiten zwischen den Religionen überwunden werden, die es in der Geschichte immer wieder gegeben habe. Johannes Paul II. betonte, der Mensch will Frieden, nicht Gewalt. „Gott selbst hat ins Herzen des Menschen einen instinktiven Drang nach Frieden und Harmonie gelegt. Es ist ein tieferes und ausdauernderes Verlangen als der Instinkt der Gewalt. Es ist ein Verlangen, das wir alle hier in Assisi neu aufleben lassen wollen. Wir tun dies im Wissen darum, dass wir damit das tiefste Verlangen jedes menschlichen Wesens interpretieren." Der Papst unterstrich, die Religionen hätten genügend Kraftquellen, um Spaltungen zu überwinden und gegenseitige Freundschaft und Respekt unter den Völkern zu fördern. Die tragischen Konflikte seien oft die Folge von ungerechter Verquickung von Religion mit nationalistischen, politischen, wirtschaftlichen oder anderen Interessen. „Es ist daher notwendig, dass religiöse Personen und Institutionen eindeutig und radikal Gewalt verwerfen."

Johannes Paul II. erinnerte an seine Botschaft zum diesjährigen Weltfriedenstag. Dort habe er betont, dass Frieden auf den beiden Säulen Gerechtigkeit und Vergebung ruhe. „Denn Frieden kann es nicht geben ohne Respekt von der Würde der Personen und Völker, der Rechte und Pflichten jedes und in der gerechten Verteilung der Güter und Lasten unter den Einzelnen und den Gemeinschaften." Unterdrückung und Ausgrenzung seien oft Ursachen von Gewalt und Terrorismus, so der Papst. In der Art und Weise, wie in Assisi gebetet wurde, sah Johannes Paul II. ein Zeichen. Alle beteten mit dem gleichen Ziel und der gleichen Absicht, aber an getrennten Orten nach der jeweiligen Tradition. „Auch darin steckt eine Botschaft: Wir wollen der Welt zeigen, dass die echte Anstrengung im Gebet nicht zu Gegensätzen führt und noch viel weniger zur Missachtung des Anderen, sondern vielmehr zu einem konstruktiven Dialog. In ihm gibt es keinen Platz für Relativismus und Synkretismus, sondern er ist sich der Verpflichtung zum Zeugnis und der Verkündigung bewusst." Abschließend appellierte der Papst an die Jugend aller Religionen, dem Beispiel des Franz von Assisi zu folgen. „Geht auf die Zukunft zu und haltet die Fackel des Friedens hoch. Die Welt braucht sein Licht."

 

Gebet in getrennten Räumen und abschließende Selbstverpflichtung der Arbeit für den Frieden

Nach dem gemeinsamen Auftakt auf dem Platz vor der Unterkirche zogen sich die Delegationen zu den eigentlichen Friedens-Gebeten zurück. Streng getrennt, jede Religion für sich. Die Christen versammelten sich in der Unterkirche. Das Gebet der Christen war ein beeindruckendes Zeichen der Ökumene. Nahmen doch fast alle Kirchen des Ostens sowie protestantische Gemeinschaften in Assisi teil.

Gebetet wurde getrennt, gegessen dann wieder gemeinsam. Im Refektorium des Franziskanerkonvents gab es ein einfaches Mal. Ohne große Pause ging es dann weiter mit der großen Abschlusskundgebung. Dazu versammelten sich die Vertreter der Religionen und Konfessionen wieder unter dem großen Zeltdach auf dem Vorplatz der Unterkirche. Hier sprachen dann Vertreter der Anwesenden je einen Abschnitt aus einer gemeinsamen Selbstverpflichtung für den Frieden.

Sie bekannten, in einer immer mehr zusammenwachsenden Welt könne Sicherheit, Freiheit und Frieden nicht durch Gewalt, sondern nur durch gegenseitiges Vertrauen garantiert werden. Sie bekannten, dass Gewalt und Terrorismus im Kontrast zu einem echten religiösen Geist stehen. Sie verpflichteten sich, ihre Gläubigen zu lehren, dass sie ein friedliches und solidarisches Zusammenleben zwischen den Kulturen, Ethnien und Religionen fördern. Sie verpflichteten sich zu einem ehrlichen Dialog und zum Vergeben der früheren Irrtümer und Vorurteile. Sie verpflichteten sich, Frieden nie ohne Gerechtigkeit zu suchen. Schließlich verpflichteten sie sich gegen eine unkritische Fortschrittsgläubigkeit, denn technologischer Fortschritt berge das Risiko von Zerstörung und Tot, wenn solidarisches Einverständnis unter den Völkern fehle.

 

Friedensgesten mit Öl-Lämpchen und brüderlichen Umarmungen

Dann stellten alle Religionsführer das brennende Öl-Lämpchen, das sie vor der Selbstverpflichtung erhalten hatten, auf einen zentralen Leuchter, sodass aus den vielen Flammen gleichsam ein großes leuchtendes Feuer wurde.

Den Abschluss bildet der Austausch eines Friedenszeichens unter den Teilnehmern. Die meisten reichten einander die Hand oder umarmten sich geschwisterlich – auch mit dem Papst.

 

Für den Papst geht es heute abend noch weiter mit einem inoffiziellen Teil, er macht nämlich noch einen privaten Abstecher in das Kloster der Klarissen in Assisi und trifft sich mit Mitgliedern der Franziskaner-Kommunität.

 

meldungen 25.1.2002

Positive Reaktionen auf den Friedensgipfel in Assisi

Die großen Religionen wollen gemeinsam für den Weltfrieden eintreten. Das ist die Botschaft des Treffens der Religionen von Assisi, auf dem gestern für den Frieden gebetet wurde. Die etwa 200 Kirchen- und Religionsvertreter waren heute in Rom zum Mittagessen beim Papst eingeladen. Dabei zeigte sich Johannes Paul II. tief dankbar für die Beteiligung am gestrigen Gebet. Einen Tag nach dem Assisi-Treffen waren sich die Vertreter von 12 Religionen und 31 verschiedenen christlichen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften einig: „Es war ein Erfolg". Kardinal Joseph Ratzinger zeigte sich von dem Tag beeindruckt.

Rund 1.000 Journalisten waren gestern in Assisi, um von dem Friedenstreffen zu berichten. Fernsehanstalten aus aller Welt übertrugen die Kundgebungen in der Franziskusstadt. Auch in den heutigen Zeitungen fand das Ereignis ein breites Echo. Am ausführlichsten berichten – wie bei Papstaktivitäten üblich – die italienischen Zeitungen. Am Kiosk springt dem Betrachter die Botschaft von Assisi in großen Lettern entgegen, untermalt mit vielen Bildern. „Das Wunder des Papstes – Zwölf Glauben vereint gegen den Terrorismus" titelt die Mailänder Tageszeitung „Il Giornale". Der ebenfalls in Mailand erscheinende „Corriere della Sera" überschreibt seinen Hauptbericht: „Der Schrei des Papstes: Nieder wieder Krieg und Gewalt". Im Innenteil dann ausführliche Berichte über den Tag in Assisi. Ebenfalls auf Seite eins berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung über den „Welttag in Assisi gegen Terrorismus und Gewalt". Verhaltener geht es da schon bei den französischen Zeitungen zu. „Le Monde" begnügt sich auf Seite drei mit einem kleinen Bericht unter dem Titel „Der ‚Geist von Assisi‘ richtet sich gegen Fanatismus". Bilder von Assisi – bei „Le Monde" Fehlanzeige. Das Gleiche gilt für die katholische Tageszeitung „La Croix". Allerdings gibt es hier auf zwei Seiten ausführliche Informationen zum Treffen sowie ein Interview mit Konrad Raiser, vom Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf. Viele Bilder und ausführliche Berichte über zwei Seiten finden sich hingegen in der französisch-sprachigen Zeitungen „L‘Orient – le Jour" in Beirut. Selbst in griechischen Zeitungen wird heute über das Treffen berichtet, obwohl die griechisch-orthodoxe Kirche nicht nach Assisi gekommen war.

 

Kommentar von P. Eberhard v. Gemmingen zu „Assisi 2002"

Natürlich war Assisi ein großartiges Ereignis, ein Meilenstein auf dem Weg der Religionen und Konfessionen. Die Frage ist nur, was aus der Botschaft der Franziskusstadt wird: Wird es den Führern der Religionen und Konfessionen gelingen, den Geist dieses Treffens in ihre Gemeinschaften einzustiften? Wird es den Menschen der Religionen gelingen, die Politik zu beeinflussen, Friedenswillen unter den Völkern zu schaffen, internationale Solidarität zu fördern? Frieden ist zwar sicher eine Frage des Herzens, aber eben auch der Politik, der Wirtschaft, der Kultur. Werden die reichen Staaten weiterhin Waffen produzieren und sie den Armen verkaufen? Werden die Reichen ihre Grenzen sperren gegen die Güter der Armen? Werden Medienschaffende die Botschaft von Assisi aufnehmen und langfristig umsetzen - im Fernsehen, in der Zeitung oder gar im Kino. Werden Kinder und Jugendliche weiterhin durch die Medien zur Gewalt und zum Krieg erzogen? Werden die Parlamentarier, Kulturschaffende, Pädagogen dies auch in Zukunft erlauben oder fördern? Und was nützt Assisi, wenn der sogenannte Westen sich weiter gedankenlos von seiner kulturellen Wurzel, dem christlichen Glauben entfernt? All diese Fragen sprechen nicht gegen Assisi 2002. Sie erinnern nur daran, dass das Friedensengagement der Religionen jetzt eigentlich erst beginnt. So wie der Heilige Franz eine Welle ausgelöst hat, eigentlich eine Kulturrevolution - ohne dies ausdrücklich anzustreben - so sollte Assisi 2002 nicht nur eine Botschaft sein, sondern eine Kulturwende auslösen. Und wir Christen sind ja eigentlich zu einer fast naiven Hoffnung verpflichtet. Denken wir an das Gleichnis vom Samenkorn. Wie Franz ein Samenkorn war, so kann jeder Mensch des Glaubens ein Samenkorn sein.

 

meldungen 26.1.2002

Kardinal Kasper bewertet Religionsgipfel von Assisi als „historisch"

Als „wichtigen und historischen Tag" hat der Präsident des Päpstlichen Einheitsrats, Kardinal Walter Kasper, das Friedenstreffen vom vergangenen Donnerstag in Assisi bezeichnet. Zum ersten Mal hätten die großen Religionen und fast alle christliche Kirchen gemeinsam erklärt, dass jeder Gebrauch von Gewalt und erst recht jede Tötung menschlichen Lebens gegen den Willen Gottes und gegen die Religion sei. In Assisi habe man deutlich gemacht, Religion ist für das Leben da und setze sich für den Frieden ein, so Kasper gegenüber Radio Vatikan. „Ich denke, wenn sich das durchsetzt im Bewusstsein der Welt, ist das ein Zeugnis nach außen an die säkularisierte Welt, die oft meint, die Religionen hindern den Weltfrieden, aber es ist auch ein neuer Schritt im religiösen Bewusstsein der Menschheit selber. Das hat überhaupt nichts mit Synkretismus zu tun. Wir haben das strikt vermieden. Wir haben getrennt gebetet; aber wir haben alle gebetet. Das ist das Entscheidende. Das Wichtigste von Assisi ist sicher die Kraft des Gebets. An die glauben wir als Christen und das glauben alle religiösen Menschen. Es geht gar nicht darum, jetzt Politik zu machen. Das hat vielleicht indirekt auch Einfluss auf die Politik. Aber das Entscheidende ist die Kraft Gottes, die Kraft der Gnade, die Kraft des Gebets. Ich denke, das war eine großartige Manifestation. Für mich als Ökumeniker war natürlich besonders eindrucksvoll, als ich von unten gesehen habe: der Papst mit so vielen Patriarchen und Metropoliten der anderen Kirchen und mit den Vertretern der kirchlichen Gemeinschaften des Westens. Das ist in sich als Bild etwas Großartiges ganz unabhängig von den einzelnen Worten, die gesprochen werden. Ich denke, die Bilder bleiben und die prägen sich ein. Das ist nun eine Grundlage, auf der wir weiterbauen können, weiterbauen müssen." Kardinal Kasper zeigte sich erfreut über die große Beteiligung gerade auch der orthodoxen Kirchen. Dies sei ein Zeichen dafür, dass es im Verhältnis mit den Orthodoxen nach einer Phase der Abkühlung in den 90er Jahren wieder Bewegung gebe. Als Beispiel nannte er die hochrangig besetzte Delegation aus Moskau. „Jetzt allmählich wächst das Bewusstsein, wir können so nicht weiter machen mit Polemik. Wir müssen versuchen einen Weg nach Vorne zu finden. Und ich habe den Eindruck, dass dies nun auch im Patriarchat in Moskau greift. Das man versucht, aus dem toten Winkel, in dem wir gewissermaßen mit Moskau sind, herauszukommen. Es gibt auch andere Zeichen in dieser Richtung. Am Anfang war ja die Delegation niedriger. Sie ist dann sozusagen aufgewertet, erhöht worden, indem ein Metropolit aus Moskau selber kam. Und auch das Gespräch gestern, das er mit dem Papst gehabt hat, ich denke, das führt weiter. Wir werden in den nächsten Wochen und Monaten alles versuchen, die Schwierigkeiten, die da bestehen, aber auch die Missverständnisse, die bestehen, zu überwinden. Mit Konstantinopel sind die Beziehungen völlig anders. Wir haben ein sehr gutes persönliches aber auch sachliches Verhältnis mit dem ökumenischen Patriarchen Bartholomäus. Aber die Tatsache, dass er in Person selber gekommen ist und nicht nur eine hochrangige Delegation geschickt hat, spricht ja auch für sich und ist in sich ein großes und wichtiges ökumenisches Ereignis, für dass wir dankbar sind und auf dem wir auch weiterbauen können und wollen."

 

Tauwetter bei russisch-orthodoxer Kirche?

Die russisch-orthodoxe Kirche hat sich am Friedensgipfel der Religionen von Assisi beteiligt. Mehr noch: Sie schickte auch zwei Vertreter zu einer interreligiösen Gebetsfeier, die in Moskau vom katholischen Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz veranstaltet wurde. Und der Moskauer Patriarch Alexij II. hat sich nach Angaben der Nachrichtenagentur „Fides" sehr konziliant über den Fortgang des ökumenischen Gesprächs geäußert. Tauwetter in Moskau?

Russische Medien haben über die Assisi-Initiative insgesamt ausführlich berichtet und erwähnen nach Agenturmeldungen auch, dass 75 % der Russen einen Papstbesuch an der Moskwa befürworten. Aber davon auf ein Tauwetter zwischen Moskau und dem Vatikan zu schließen, scheint verfrüht. Der russisch-orthodoxe Bischof von Kerchen und Mitglied der Assisi-Delegation vom Donnerstag, Hilarion, warnt vor einer vorschnellen Euphorie. Die Beziehungen zur katholischen Kirche seien weiterhin schwierig. Hilarion spricht u.a. von Proselytismus der katholischen Kirche auf dem Gebiet der früheren Sowjetunion. Ähnlich hatte sich schon in Assisi der orthodoxe Theologe Traian Waldman, ein Teilnehmer am Friedensgipfel, gegenüber Radio Vatikan geäußert: „Zwischen den beiden Kirchen, die sich jetzt als Schwestern verstehen, hat es in letzter Zeit große theologische Fortschritte gegeben, u.a. in den Punkten apostolische Sukzession und Sakramentenverständnis. Vielleicht müssen wir Orthodoxe uns stärker bemühen, um dem Westen unsere heiligen Traditionen zu erklären und gewisse Haltungen, die einige westliche Missionare haben in Situationen, in denen sich klar zeigt: Sie kennen uns noch nicht so gut, wie sie es eigentlich sollten."

 

meldungen 27.1.2002

Papst dankt Teilnehmern des Friedensgipfels in Assisi

Wenige Tage nach dem Friedensgipfel der Religionen in Assisi hat der Papst heute noch einmal allen Teilnehmern herzlich gedankt. Sie hätten gemeinsam am vergangenen Donnerstag die Versuchung abgelehnt, Konflikte mit Waffengewalt zu lösen. Und Johannes Paul II. fügte hinzu: „So haben wir einen Meilenstein auf dem Weg zur Errichtung einer Kultur des Friedens und der Liebe gelegt." Der Papst dankte dabei nicht nur den Würdenträgern der zwölf Religionen, die seiner Einladung zum Gebet nach Assisi gefolgt waren, sondern auch all denen, die im Geist mit dabei waren. Zu den Menschenrechten, die man für einen stabilen Frieden fördern und verteidigen müsse, gehöre auch die Gesundheitsversorgung. Daran mangele es aber noch in vielen Teilen der Erde, so der Papst: „Krankheiten wie Lepra, die auf dem Papier längst ausgerottet wären, verbreiten sich weiter." Die internationale Gemeinschaft rief Johannes Paul II. daher am heutigen internationalen Lepra-Tag auf, die Bemühungen um den Kampf gegen diese Krankheit zu verstärken. Mehr als 2.000 Personen infizieren sich nach offiziellen Zahlen täglich in den ärmsten Ländern der Welt mit dieser Krankheit. Man rechnet mit ebenso vielen Fällen, bei denen Lepra nicht identifiziert wird. Insgesamt gibt es weltweit derzeit etwa 10 Millionen Lepra-Kranke. Die meisten von ihnen leben in Indien, Brasilien, Indonesien und Bangladesh. Die Medikamente zur Heilung eines Kranken kosten nur zehn Euro.

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