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Geben oder nicht geben?


Max
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Hallo Leute,

 

ein konkretes Problem: Ich wohne in einer recht kleine Stadt, und fast jeden morgen werde ich von ein paar stadtbekannten bettlern um Kleingeld angesprochen. Nun sind die betroffenen Personen bei allen als Drogenabhaengig bekannt und machen auch keinen Hehl daraus, dass das Geld fuer Drogen verwendet wird.

 

Da ich weiss, dass es fuer Drogen verwendet wird, gebe ich da nichts. (Lieber gebe ich es an eine Hilfsorganisation). Trotzdem fuehle ich mich etwas schaebig, wenn ich nie etwas gebe.

 

In einer Grossstadt gebe ich viel eher was, weil ich da das Einzelschicksal nicht beurteilen kann.

 

Was meint ihr? Was ist das Rechte zu tun?

 

Dachte daran, weil es heute im Evangelium hies, das was ihr dem geringsten von mir tut tut ihr mit...

 

Gruesse

 

Max

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für Drogen? - nein.

Aber zum Essen einladen.... könnte man sie. Mal ne Currywurst spendieren, falls ein Imbiss um die Ecke steht.

Oder die Visitenkarte einer Drogenhilfsvereinigung.

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Doch, ich gebe ihnen, wenn ich darauf vorbereitet bin. Selbst auf die "Gefahr" hin, zum Dauergeber zu werden. Denn irgendwann bin ich bekannt und dann kann ich zum Essen einladen. Und vieleicht, irgendwann einmal später, kann ich die Wurzel des Problems ansprchen.

 

Vergiß die Idee, dass du gleich das Grundproblem lösen kannst. Gib ihnen, denn sie sind in Not. Nicht unsere Beurteilung trifft, sondern ihre Not.

 

Herzliche Grüße

Martin

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Ja, gib ihnen! Wenn es sein muss täglich!

Die Argumente wegen den Drogen etc. sind natürlich schon richtig. Aber dennoch: Diese Leute sind in erster Linie einfach arm. Und wenn du ihnen auch nur wenig gibst, so ist das für sie auch ein Zeichen, dass sie von jemandem beachtet werden; auch wenn dies nur durch deine Reaktion auf ihr Betteln geschieht. Und manchmal spricht man dann ja auch noch ein paar Worte. Das kann das Herz sowohl von Drogenabhängigen als auch das von einem selber etwas wärmen. Ausserdem ist dadurch die Hoffnung etwas grösser, dass sie nicht auf Eibruchstour müssen. Moralisieren nützt den armen Kerlen nichts.

Also; Geben.

 

Gruss

Ziska

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Wenn's mal nur so einfach wäre... Ich kenne eine Reihe von Leuten, die viel mit Junkies und Alkoholikern arbeiten, teilweise selbst trockene Alkoholiker sind. Die meisten davon sagen, man solle persönlichen Kontakt halten, aber kein Geld geben. Co-alkoholiker oder Co-Junkie sein schadet mehr, als es nützt. Etwas zu essen geben, ist okay, aber keinesfalls Geld. Aber so etwas in Reinkultur durchzuziehen, ist natürlich auch schwer, wenn man im Gespräch bleiben will. Viele Pfarrer geben ihren "Stammbettlern" (gibts bei fast jedem Pfarrhaus) eine Kleinigkeit, aber nur, wenn sie nicht mit glasigen Augen kommen.

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Wenn's mal nur so einfach wäre... Ich kenne eine Reihe von Leuten, die viel mit Junkies und Alkoholikern arbeiten, teilweise selbst trockene Alkoholiker sind. Die meisten davon sagen, man solle persönlichen Kontakt halten, aber kein Geld geben. Co-alkoholiker oder Co-Junkie sein schadet mehr, als es nützt. Etwas zu essen geben, ist okay, aber keinesfalls Geld. Aber so etwas in Reinkultur durchzuziehen, ist natürlich auch schwer, wenn man im Gespräch bleiben will. Viele Pfarrer geben ihren "Stammbettlern" (gibts bei fast jedem Pfarrhaus) eine Kleinigkeit, aber nur, wenn sie nicht mit glasigen Augen kommen.

Selbst wenn ich hier eigentlich nicht posten darf, aber das mit dem Geben und Nichtgeben ist auch bei abstinenten Alkoholikern umstritten. Es gibt auch die These, daß ein Mensch, der süchtig trinkt durch die Sicherstellung des Suchtmittels seinen Tiefpunkt schneller erreicht. Zum Zweiten kann ein Trinker je nach Stadium der Abhängigkeit in ein Delirium fallen, wenn ihm abrupt der Stoff entzogen wird und das ist die tödliche Variante. Und drittens hat auch ein Penner ab und zu wirklich Hunger.

 

Ich gebe zwar nicht immer was, aber sehr oft.

 

LG

Barbara

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Ja, gib ihnen! Wenn es sein muss täglich!

Die Argumente wegen den Drogen etc. sind natürlich schon richtig. Aber dennoch: Diese Leute sind in erster Linie einfach arm. Und wenn du ihnen auch nur wenig gibst, so ist das für sie auch ein Zeichen, dass sie von jemandem beachtet werden; auch wenn dies nur durch deine Reaktion auf ihr Betteln geschieht. Und manchmal spricht man dann ja auch noch ein paar Worte. Das kann das Herz sowohl von Drogenabhängigen als auch das von einem selber etwas wärmen. Ausserdem ist dadurch die Hoffnung etwas grösser, dass sie nicht auf Eibruchstour müssen. Moralisieren nützt den armen Kerlen nichts.

Also; Geben.

 

Gruss

Ziska

Aber ist das wirklich Hilfe? Wenn sie kein Geld fuer Drogen bekommen, dann steigt ja der Druck, dass sie etwas tun muessen. Wenn man bequem weiterleben kann, weil man genug Geld bekommt, ist kein Bedarf fuer Veraendrung gegeben.

 

Und das mit der Einbruchstour ist so ne Art Erpressung: Wenn Du mir nichts gibst, gehe ich stehlen... Einer hatte mal so ein Schild vor sich, er wolle Geld damit er nicht stehlen wollte...

 

Ist ja klar dass da schlimme Schicksale dahinter stecken, aber was hilft denn?

 

Die Zeitung schrieb, dass diejenigen im Monat doppelt so viel Geld brauchen, wie ich selbst im Monat verdiene. Eine Organisation, die mit Drogenabhaengigen arbeitet meinte anscheinend mal solle nichts geben. Wollte das nochmal von denen bestaetigt wissen, habe aber keine Antwort bekommen...

 

MAx

Edited by Max
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Du wirst die Welt durch Geben oder Nichtgeben kaum verändern können, Max. Man sollte das Problem nicht so hoch hängen.

 

Ich gebe etwas, möglichst mit einem freundlichen Wort - weil ich einem Menschen eine Freude machen möchte. Und nur darum.

 

Auf ungefragte "Rettungsversuche" reagieren gerade Drogenabhängige oft allergisch.

 

Was anderes wäre es, wenn mir einer sagt: "Ich kann nicht mehr. Hilf mir da raus." Ob ich dann so reagieren kann, wie ich sollte? Oder sind mir meine täglichen Termine wichtiger...

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Christoph Overkott

Besonders gern gebe ich Straßenmusikanten.

 

Auch die Kelly-Family ist mal als Straßenband in unsere Stadt gekommen.

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Du wirst die Welt durch Geben oder Nichtgeben kaum verändern können, Max. Man sollte das Problem nicht so hoch hängen.

 

Ich gebe etwas, möglichst mit einem freundlichen Wort - weil ich einem Menschen eine Freude machen möchte. Und nur darum.

 

Auf ungefragte "Rettungsversuche" reagieren gerade Drogenabhängige oft allergisch.

 

Was anderes wäre es, wenn mir einer sagt: "Ich kann nicht mehr. Hilf mir da raus." Ob ich dann so reagieren kann, wie ich sollte? Oder sind mir meine täglichen Termine wichtiger...

Ich glaube es geht weniger um Rettungsversuche. Wenn es im Evangelium heisst "was ihr dem geringsten getan habt, habt ihr mir getan", was bedeutet das fuer diesen konkreten Fall?

 

Mir scheint, dass es gut waere einem nichts zu geben, der das garantiert fuer Drogen verwendet. Aber vielleicht ist dem ja nicht so? Vielleicht ist das nicht meine Verantwortung? Ich gebe. Und der andere entscheidet was er damit macht?

 

Gruesse

 

Max

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Wenn es im Evangelium heisst "was ihr dem geringsten getan habt, habt ihr mir getan", was bedeutet das fuer diesen konkreten Fall?

Wenn ich im Moment nnichts anderes tun kann, lieber Max: vielleicht einfach, einem Menschen eine Freude zu machen.

Edited by ThomasBloemer
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Wenn es im Evangelium heisst "was ihr dem geringsten getan habt, habt ihr mir getan", was bedeutet das fuer diesen konkreten Fall?

Wenn ich im Moment nnichts anderes tun kann, lieber Max: vielleicht einfach, einem Menschen eine Freude zu machen.

Na ja, ist ja klar dass der sich freut, wenn er wieder Geld fuer den naechsten Schuss hat...

 

Oder denkst Du an andere Art eine Freude machen?

 

Max

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Lieber Max,

 

>>Na ja, ist ja klar dass der sich freut, wenn er wieder Geld fuer den naechsten Schuss hat...<<

 

hör auf den Moralisten raushängen zu lassen. Gib und vergiss gleich wieder, dass Du gegeben hast. Nicht nur die Linke soll nicht wissen....

 

Gruß

Erich

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Ich versuche von Fall zu Fall zu unterscheiden. Die Straßenmusiker, die hier regelmäßig sitzen bekommen auch mal was. Ein Mensch, der mich konkret anspricht, weil er Hunger hat, dem kaufe ich einen Döner oder so. Aber Drogensüchtigen gebe ich nichts. Ich gebe auch selten Geld. Lieber kaufe ich das Essen und Kaffee oder was zum Anziehen. Geld wird meißt in Alkohol oder andern Drogen umgesetzt. Dafür ist mir mein Geld zu Schade. Und wenn ich das Gefühl habe, dass mich regelmäßig jemand ausnehmen will, dann stelle ich auf stur. So haben wir hier eine Zigeunerfamilie. Jedesmal saß die Frau mit einem neuen Schild da: Bin aus Bosnien. Bin aus Kroatien. Bin aus Russland. Immer so, wie es politisch passte. Beim ersten mal tat sie mir noch leid. Sie hatte ein Schild um auf dem stand: Wir haben Hunger. Es waren 3 Kinder dabei. Also ging ich in die Hähnchenstube und holte Hähnchen. Sie haben die Hähnchen nicht einmal angerührt und gleich in den Mülleimer geworfen. Später sagte mir eine Nachbarin, dass diese Leute ein ganzes Haus vom Sozialamt haben und so viel Sozialhilfe und Kindergeld, dass sie damit durchaus problemlos leben könnten. Diese Leute haben von mir nie wieder etwas bekommen.

Fazit: Helfen ja, verarschen lassen nein.

Edited by utah-r
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Na ja, ist ja klar dass der sich freut, wenn er wieder Geld fuer den naechsten Schuss hat...

Wichtig, lieber Max, ist mir zunächst, daß er sich freut. Und wenn es, fatalerweise, die Freude über den finanzierten Schuß ist - worüber könnte so ein Mensch sich freuen, solange der fehlt?

 

Oder denkst Du an andere Art eine Freude machen?

 

Ja, ein freundliches Wort. Das Gefühl, daß ich nicht an ihm vorbeigehe, daß er mir wichtig ist. das zu geben, ist viel schwieriger, als ihm einen Obulus in die Hand zu drücken.

 

Erich hat das eigentlich richtig gesagt: wenn mir so ein Mensch begegnet, ist Moralin erst mal nicht gefragt. Selbst die alte Frage "Was würde Christus tun" führt mich hier nicht weiter. Der würde ihn heilen - das kann ich leider nicht.

 

Beten vielleicht, daß Christus ihn heilt.

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Wenn man bequem weiterleben kann, weil man genug Geld bekommt, ist kein Bedarf fuer Veraendrung gegeben.

Hallo Max

Mich dünkt, dass dein Bild von Drogenabhängigen nicht ganz mit der Realität übereinstimmt. Lass mich hier ein anderes Bild zeichnen, so wie ich es von eigenen Freunden, resp. ehemaligen Freunden her kenne: Du bist Heroinsüchtig. Weshalb dies so gekommen ist, spielt kaum eine Rolle. Du bist jedenfalls süchtig. So süchtig, dass du dein ganzes Geld dafür ausgibst. Du kannst kaum mehr klar denken. Du denkst fast nur an den nächsten Schuss. Nun hast du bald kein Geld mehr dafür. Du beginnst, bei deinen Freunden Geld auszuleihen. Doch irgendwann merken die, dass du ihnen dieses Geld niemals zurückbezahlen kannst. Sie geben dir nichts mehr. Fühlen sich verarscht. Du verlierst deine Wohnung, weil du sie nicht mehr bezahlen kannst. Ohne Stoff kannst du nicht arbeiten, da du immer nur an den nächsten Schuss denkst. Und mit Stoff kannst du nicht arbeiten weil du dann immer einschläfst. Also beginnst du noch mit Kokain. Dies hält dich soweit auf dem Damm. Wenn du bis dahin noch deine Arbeit behalten konntest, bist du gut. Doch spätestens jetzt werden dir auch deine Arbeitskollegen kein Geld mehr leihen. Dein Chef merkt was läuft. Du stiehlst in der Not womöglich auch noch das Geld aus der Kaffeekasse. Du wirst entlassen. Deine Familie und deine Freunde sind alle schon "ausgepumpt". Und völlig verzweifelt wegen dir. Bei ihnen ist nichts mehr zu holen. Du weisst, jetzt bist du total aufgeschmissen. Du beginnst deine erste Entzugsterapie. Du kennst da niemanden. Du weisst um deine deine Fehler. Du ahnst, wie stark du sein müsstest und weisst, du bist es niemals. Und du brauchst den Stoff. Die Einsamkeit ist unerträglich. Du flüchtest. Du irrst auf der Strasse umher, völlig von Sinnen. Du spürst keinen Hunger, keine Kälte. Du spürst nur deine tiefe Not. Und die Unwürdigkeit deines Lebens.

Wenn man bequem weiterleben kann, weil man genug Geld bekommt...

 

Gruss

Ziska

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Ja, ein freundliches Wort. Das Gefühl, daß ich nicht an ihm vorbeigehe, daß er mir wichtig ist.

@Thomas

Das Gefühl, dass er dir wichtig ist? Ist das nicht Heuchelei? Wenn ich gebe, gehe ich meist schnell weiter, weil ich mir bewusst bin, dass ich kaum mehr zu geben bereit bin, als ein wenig Geld.

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Lieber Max,

 

>>Na ja, ist ja klar dass der sich freut, wenn er wieder Geld fuer den naechsten Schuss hat...<<

 

hör auf den Moralisten raushängen zu lassen. Gib und vergiss gleich wieder, dass Du gegeben hast. Nicht nur die Linke soll nicht wissen....

 

Gruß

Erich

Hei Erich,

 

also der gnadenlose Moralist bin ich da garantiert nicht, das waere wirklich ungerecht. Ich frage mich wirklich was das Beste ist. Sonst haette ich hier ja erst gar nicht die Frage gestellt.

 

Die Frage ist eben ob ich mit Geld geben nicht die Sache unterstuetze. Ich versteh ja auch was Ziska schreibt, vollkommen. Aber der einzige Ausweg ist ja wirklich, durchzuhalten, und das wird ja noch schwerer, wenn das Geld auf der Strasse relativ leicht zu erhalten ist...

 

Gruss

 

Max

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Ich habe mal einen ehemaligen Junki mitgenommen. Wir hatten den selben Hausarzt. Er war auf Metadon. Ich habe ihn zu diesem Thema gefragt, was man tun kann. Er hat geantwortet: Keiner hat mir die erste Spritze aufgezwungen. Ich wusste genau was ich tat. Und es soll mir keiner der auf Heroin ist erzählen, dass er das nicht aucn wusste. Hab also kein Mitleid und keine Gnade. Das hilft uns nämlich nicht weiter. Jeder Drogenabhängige muss von sich aus einsehen, dass es so nicht geht. Nur dann hat er die Chance, davon wegzukommen. Und dann gibt es staatliche Hilfen genug.

Das hat mir ganz schön zu denken gegeben.

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