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Unbefleckte Empfängnis


Santiago

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Hab eine Frage zum heutigen Feiertag der Unbefleckten Empfängis Maria.

 

So, wie ich mit meinem äußerst beschränkten theologischen Wissen dieses Dogma verstehe, zielt es u.a. darauf ab, zu erklären, wie in einer von der Erbsünde geprägten Welt, eine Frau unseren Erlöser zur Welt bringen konnte. Deshalb sieht man Maria als von der Geburt sündenfrei an.

 

Frage: Wenn man diesen Gedankengang einen Schritt weiter rückwärts geht, könnte man doch genauso fragen: Wie ist es möglich, dass in einer von der Erbsünde geprägten Welt, die Mutter unseres Erlösers geboren werden konnte?? Man müsste doch dann somit auch die Mutter Marias, die Hl Anna als von der Geburt an sündenfrei betrachten, und die Großmutter, und die Urgroßmutter und so weiter und so fort...

Edited by Santiago
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Ganz sündenfrei brauchte Anna wohl nicht zu sein. Du musst dir das vorstellen wie beim Wäschewaschen: nach jedem Durchgang wird die Seele etwas weißer.

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Hallo Santiago,

 

die Frage ist, wie man vielleicht an der Anzahl der Antworten merkt, nicht ganz einfach zu beantworten. Meine Antwort wird dich wahrscheinlich auch nicht zu 100% zufrieden stellen, ich werde einfach mal versuchen, daß irgendwie zu beschreiben.

 

Genau neun Monate vor dem Fest "Mariä Geburt" (8. September) feiert die Kirche das Fest Mariä Empfängnis, oder auch "Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria", oder "Die Unbefleckte Empfängnis" (immaculata conceptio).

Damit soll auf die Erwählung Mariens hingewiesen werden. In Deutschland heißt das Fest deshalb eigentlich auch Maria Erwählung. Was meiner Meinung nach auch am wenigsten irreführend ist. Maria wurde von Gott auserwählt, Jesu in sich zu tragen. Das kann nur ohne Sünde gehen, weil Sünde Gottferne ist. Deshalb wurde sie von Gott von der Erbsünde, also aller Sünde, befreit.

Das heißt, es ist also absolut irrelevant, von wem sie wie geboren wurde.

 

Oft steht in Kalendern zB auch "Unbefleckte Empfängnis" Diese Bezeichnung ist irreführend, weil damit das Verständnis nahe liegt, Geschlechtsakt und Empfängnis seien etwas "Befleckendes". Diese Sicht hat trotz aller gegenteiliger Gerüchte aber nie Eingang in die offizielle Lehre der Kirche gefunden.

Mit dem Dogma der so genannten "Unbefleckten Empfängnis" bekennt die Kirche eine Grundbotschaft des christlichen Glaubens: Gott überlässt den Menschen nicht dem Bösen / "Befleckenden", der "Erbsünde"), sondern er erlöst ihn davon. Nach Maria, sind also auch wir - durch den Erlöser - davon erlöst. Irgendwo musste aber der Anfang sein und den hat Gott durch sein Kommen zu uns gegeben.

 

Zum Begriff der Erbsünde ist vielleicht noch folgendes zu sagen:

 

Mit Erbsünde ist gemeint, daß der Mensch nicht nur persönlich sündigt, sondern dass er unter vielen Bedingungen lebt, die seine Entscheidungen beeinflussen. Der Mensch dadurch in Sünde verflochten, schon bevor er persönlich sündigt. "Sündigen" meint dann nicht in erster Linie, etwas ethisch "Verbotenes" zu tun, sondern in Angst um sich selbst zu leben, anstatt ganz Gott zu vertrauen. Und zwar auch dann noch zu vertrauen, wenn einem scheinbar sinnloses Leid im Leben zustößt. Maria hat ganz "Ja" zu ihrer Erwählung gesagt. Dieses Vertrauen Mariens auf Gott ist exemplarisch. Das heißt, wir könnten es auch tun, wenn wir wollten.... Durch Gott, daß kommen Jesu und die Taufe hätten wir die Möglichkeit dazu.

Maria wurde also von der Erbsünde befreit, damit Gott eben nicht seinen Engel schickt, wenn die junge Frau gerade in Laune ist und Stimmung ist, mal was mit Gott zu tun zu haben und dann halt mal ja sagt, sondern er hat sie von der Erbsünde erlöst, damit sie ganz ja sagen kann. Also Ganz Gott vertraut. Daß heißt dann ohne Erbsünde.

 

 

Hoffe, daß wurde jetzt wenigstens etwas verständlicher, ist schwierig zu erklären...Wenn was nicht ganz klar ist, frage einfach nocheinmal. Das Ganze hat jedenfalls nichts damit zu tun, wie und von wem Maria geboren wurde.

 

Grüße

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Danke Karolin, du hast meine Frage verständlich beantwortet. Eine Frage noch.

 

Kann mir jemand vielleicht noch einen Buchtipp geben, das mir einen theologisch-kritischen Überblick über die gesamte Entwicklung und Bedeutung der Mariologie gibt?

 

Oft finde ich Mariendogmen genauso wie die Marienverehrung auf erste Sicht eher abstoßend und unverständlich, aber kritisch vernünftige Erklärungen, wie die von Karolin, helfen mir dann oft einen besseren Zugang zu Maria, auch im Glauben, zu finden.

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Hallo Leute,

 

Maria ohne Erbsünde empfangen ist eine Tatsache, die zwar historische Gültigkeit haben muß, die sich aber nicht auf ein historisches Ereignis bezieht. Von daher kann ja hierzu kein Mensch ein "Zeugnis" geben, daß sich das ereignet haben soll.

 

Dagegen kann man sagen: Nicht alle Dogmen beziehen sich auf kannonisierte historische Ereignisse aus der Bibel. Es gibt ja das Zeugnis der Schrift, daß Jesus unser Erlöser ist. Man vergleiche hierzu nicht nur die Evangelien, die davon berichten, daß Jesus die Sünden der Kranken vergab, die er heilte, sondern auch, daß Jesus für die Sünden der ganzen Welt gestorben ist. Der Erlösungsgedanke durchzieht die ganzen Evangelien und nicht zuletzt kulminiert dies im Hebräerbrief, wo Jesus als das wahre Opferlamm erscheint, das zur Sühne für uns hingegeben worden ist.

 

Wenn also Maria ohne Erbsünde empfangen worden sein soll, so muß dies einer ganzen Tradition zu denken und zu glauben folgen. Auch hier gilt es, sich damit zu beschfäftigen, wie es zu einem solchen Dogma gekommen ist, bevor man dieses Dogma bewertet oder rezipiert. Ohne diese Freilegung von der Tradition her muß man es auf ein paar Kerngedanken belassen, die bei diesem Dogma soteriologisch (=heilstheologisch) eine Rolle spielen: Von Anfang an ist Maria von Gott auserkoren und von Gott geliebt, daß Gott sie von aller Ursünde erlöst. Hier spielt die Gnade eine sehr große Rolle. Aufgrund der Gnade hat Maria von Anfang an ein reines Herz bekommen. Als Mensch ist sie genauso erlösungsbedrürftig wie wir, denn sie kann sich nicht selbst in den Himmel hochkatapultieren. Vielmehr gilt auch das, was sie selbst gesagt hat: "Wer bin ich, daß der Herr..." und "Meine Niedrigkeit hat er angesehen..."

 

Ich meine, damit ist für mich gesagt, daß die Sünde nicht eine Allmacht ist, an der der Mensch ohnmächtig ausgeliefert wäre, sondern vielmehr kann der Mensch die Versuchung in der Kraft des Heiligen Geistes überwinden, bzw. von der Versuchung verschont bleiben. Die Sünde ist keine Notwendigkeit, sondern vielmehr müssen wir diese Kraft des Heiligen Geistes immer wieder aufs Neue erbitten, die Maria erfüllt hat, daß wir reine Herzen bekommen wie sie. Gott kann unsere Herzen berühren, rein machen, daß wir nichts böses wollen. Wenn die Versuchung da ist, so macht es keinen Sinn ihr zu folgen, insofern die Sünde der Tod mitten im Leben ist. Aber noch schöner ist es, immer wieder aufs neue mit dem Psalmisten zu beten: "Gib mir ein reines Herz".

 

Dieses Dogma, - sollte es keine vollständige Begründung durch das Zeugnis der Schrift erhalten, wobei man sich drüber unterhalten kann, ob das Buch der Offenbarung nicht einige Hinweise liefert - ist heilstheologisch völlig kompatibel zum Erlösungsgedanken durch Jesus Christus. Von daher empfinde ich dieses Dogma als Bereicherung.

 

Wenn jemand mal einige historische Anmerkungen zu diesem Dogma machen könnte, wie es dazu gekommen ist, wär das nicht schlecht. Dann könnten wir alle davon profitieren.

 

Grüße, Carlos

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Hallo zusammen,

 

der Einfachheit halber hab ich mal ein paar Anmerkungen gesammelt. Um die Uhrzeit will ich bei solchen Themen nicht mehr das Texteformulieren anfangen, da kommt nichts bei raus.

 

 

Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria

 

Entstehung

 

Das ältere Fest der Geburt Marias am 8. September führte zum Datum des 8. Dezember. Das Fest wurde seit dem 8. Jahrhundert im Osten gefeiert, setzte sich aber nicht als Hauptfest durch. In der lateinischen Kirche breitete es sich seit dem 11. Jahrhundert von England her aus, setzte sich aber erst dann durch, als im 14. Jahrhundert die Lehre von der unbefleckten Empfängnis geklärt war.

 

 

Das Dogma

 

Unter dem Begriff der Unbefleckten Empfängnis versteht die Kirche den Glaube an die von Anfang an ohne Erbschuld auserwählte Mutter Jesu, Maria, die in ihrer innigen Verbundenheit mit dem Heils- und Erlösungswerks ihres Sohnes dank der göttlichen Gnade von dieser Schuld befreit worden ist.

Das Dogma der "Unbefleckten Empfängnis" ist nicht ausdrücklich in der Heiligen Schrift enthalten. Hier - wie auch in anderen Glaubenssätzen - stützt sich die katholische Kirche auf "die im Glauben gelebte und vom Heiligen Geist geführte Auslegung der Offenbarung". Papst Pius IX. verkündete dieses Dogma im Jahre 1854 in seiner Bulle "Ineffabilis Deus" (der "unbegreifliche Gott"). Der volle Titel des Festes lautet: "Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria."

 

Die Unbefleckte Empfängnis (lateinisch: immaculata conceptio)

 

ist ein römisch-katholisches Glaubensdogma. Nach dieser Lehre wurde die Gottesmutter Maria von jedem Makel der Erbsünde unversehrt empfangen und geboren. Damit errettete Gott Maria vom allerersten Augenblick ihres Lebens an vor der Macht der Sünde.

Papst Pius IX. verkündete das entsprechende Dogma am 8. Dezember 1854 in seinem apostolischen Schreiben Ineffabilis Deus ("Der unbegreifliche Gott"):

 

".....Zu Ehren der Heiligen und Ungeteilten Dreifaltigkeit, zu Schmuck und Zierde der jungfräulichen Gottesmutter, zur Erhöhung des katholischen Glaubens und zur Mehrung der christlichen Religion, in der Autorität unseres Herrn Jesus Christus, der seligen Apostel Petrus und Paulus und der Unseren erklären, erkünden und definieren Wir: Die Lehre, dass die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch ein einzigartiges Gnadenprivileg des allmächtigen Gottes, im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi, des Erretters des Menschengeschlechtes, von jedem Schaden der Erbsünde unversehrt bewahrt wurde, ist von Gott geoffenbart und darum von allen Gläubigen fest und beständig zu glauben...."

 

Ein eigenes kirchliches Fest, das der Erwählung Marias im Mutterleib gedenkt, lässt sich bereits im 9. Jahrhundert nachweisen. Übrigens verehren auch gläubige Moslems Maria als vorbildlichen Menschen, der bereits im Mutterleib von Gott auserwählt und unter seinen besonderen Schutz genommen worden ist (Koran, Sure 3).

 

Die Immaculata Conceptio war wegen der ungeklärten dogmatischen Situation Gegenstand eines theologischen Streites um das 15 Jahrhundert, der aus der Lehre über die Erbsünde entstand. Ein Problem bereitete die Frage, wie Maria am Erlösungswerk teilnehmen konnte, da sie doch wie alle anderen Menschen unter den Bedingungen der Erbsünde lebte. Um diese Konsequenz auszuschließen, kann man entweder eine göttliche Reinigung (Heiligung) Marias Sanctificatio Mariä von der Erbsünde annehmen, wie dies von den Dominikanern vertreten wurde, oder man muss davon ausgehen, dass Maria ohne Sünde empfangen worden ist, wie dies von den Franziskanern gelehrt wurde. Die gültige Lehre definierte erst die Bulle Ineffabilis Deus von Papst Pius IX.

 

 

(der vollständigkeit Halber: das sind alles irgendwelche Textfragmente, die selbstverständlich irgendwo unter copyright liegen. Hiermit sei darauf hingewiesen...)

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Hallo Leute,

 

Maria ohne Erbsünde empfangen ist eine Tatsache, die zwar historische Gültigkeit haben muß, die sich aber nicht auf ein historisches Ereignis bezieht. Von daher kann ja hierzu kein Mensch ein "Zeugnis" geben, daß sich das ereignet haben soll.

Mal der Reihe nach:

 

Die unbefleckte Empfängnis Mariens ist keine Tatsache, sondern eine Tatsachenbehauptung. Tatsachen sind zumindest theoretisch erweisbar. Die Erbsünde hat es jedoch an sich, daß sie niemand sehen, greifen oder meßtechnisch feststellen kann. Infolgedessen läßt sich bei niemandem ermitteln, ob er mit oder ohne Erbsünde empfangen wurde.

 

Ob diese Tatsachenbehauptung historische Gültigkeit haben muß, lasse ich mal dahingestellt. Auf jeden Fall jedoch bezieht sich Mariens (behauptete) unbefleckte Empfängnis auf ein historisches Ereignis, nämlich ihre Empfängnis.

 

Richtig ist, daß von dem behaupteten Sachverhalt kein Mensch Zeugnis ablegen kann. Aber das ist völlig unschädlich, da es hier nicht um Wissen, sondern um Glauben geht.

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Kann jemand vielleicht den Unterschied zwischen dem dominikanischen und franziskanischen Verständnis etwas klarer darstellen?

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Mal der Reihe nach: Die unbefleckte Empfängnis Mariens ist keine Tatsache, sondern eine Tatsachenbehauptung. Tatsachen sind zumindest theoretisch erweisbar. Die Erbsünde hat es jedoch an sich, daß sie niemand sehen, greifen oder meßtechnisch feststellen kann. Infolgedessen läßt sich bei niemandem ermitteln, ob er mit oder ohne Erbsünde empfangen wurde.

Mal langsam Cano,

 

so leicht ist das sicher nicht. Es ist nun mal eine Tatsache, daß wir sehr stark durch Einflüsse durch die Gesellschaft und durch die Umwelt ausgesetzt sind. Im Lande der Dieben sind die Kinder meistens auch Diebe. Wir leben heute im Lande des Zeitgeistes, und die Kinder übernehmen das. Das hat mit "Glauben" wohl noch nichts zu tun.

 

Etwas anderes ist zu behaupten, jemand hätte ein so weißes Herz wie Schnee, wie die Jungfrau Maria, daß man nichts mehr böses will. Das wäre dann schon eine Sache des Glaubens, wo die Lebensweise ein wichtiger Hinweis sein kann. Völlig unsichtbar ist die Sache doch nicht ganz...

 

Grüße, Carlos

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