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Kardinal von Galen


mehlspeise
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"Der Papst anerkennt die heldenhaften Tugenden eines Bischofs, der Hitler Widerstand leistete."

 

So liest man es bei www.zenit.org über Bischof Galen.

 

Aber ob das so richtig ist? Der hatte auch dunkle Seiten.

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Genauer gesagt, deutschnationale. Vielleicht hast du irgendwo etwas mehr «Futter»?

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Genauer gesagt, deutschnationale. Vielleicht hast du irgendwo etwas mehr «Futter»?

In irgendnem Thread haben wir das schon mal durch mit Galen; find ich jetzt aber leider nicht mehr. (die Suchfunktion werde ich nie kapieren :blink: )

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naja, wenn du das Collegium Canisianum als folkloristisch ansiehst... :blink:

 

 

Du hattest ja nix anzubieten...

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Der hatte auch dunkle Seiten.

Hast Du keine?

 

Was gehen Dich die dunklen Seiten von Kardinal Graf Galen an?

Edited by ThomasBloemer
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Nichts desto weniger war von Galen national gesinnt und gerade sein „gutes nationales Gewissen erlaubte ihm, gegen die amtlich propagierte Staatsvergötzung und Unchristlichkeit, gegen neuheidnischen Rassenkult und gegen die befohlenen oder geduldeten Rechtsverletzungen und Verbrechen der Staats- und NSDAP-Institutionen Einspruch und Anklage zu erheben4“.

 

Er gratulierte beispielsweise im März 1936 General Fritsch zum Einmarsch in die linksrheinischen Gebiete oder äußerte sich positiv zur Volksabstimmung im Saargebiet.

Aber immer da, wo er die Rechte der Kirche oder der Individuen verletzt sah, protestierte er, so 1937 als die Druckereien enteignet wurden, die die Enzyklika „Mit brennender Sorge“ vervielfältigt hatten. Er wollte sich auch wiederholt für die Juden einsetzen, tat dies aber auf Bitten der jüdischen Gemeinde nicht, da diese noch stärkere Repressalien fürchtete5. Er war sich der Gefährlichkeit seines Tuns durchaus bewusst, machte mehrfach Andeutungen, dass er das Martyrium nicht scheue, und erließ bereits 1936 (!) Richtlinien für den Fall seiner Verhaftung.

 

1941 ist dann der Höhepunkt seines Wirkens erreicht. Münster wurde im Juli erstmals von Bombern attackiert und schwer getroffen. Der Bischof blieb in der Stadt, obwohl gerade der Dom und sein Palais schwere Schäden davon getragen hatten und versuchte die Not zu mildern. Gleichzeitig begann die Regierung mit der Enteignung von Ordensbesitz und der Vertreibung der Ordensangehörigen, Verfahren gegen Geistliche und der Tötung geistig Behinderter in der Diözese Münster. Aus sicheren Quellen über die Vorfälle unterrichtet, hielt er donnernde Predigten, die auch heute noch, gerade auch im Lichte der Gen- und Euthanasiediskussionen, aktuell und lesenswert sind. In der Predigt vom 13. Juli klagte er die grundlosen und fadenscheinigen Argumenten folgende Enteignung von Ordensgemeinschaften in seiner Diözese an, sowie die Verhaftung und Ausweisung (aus Westfalen) zweier Domkapitulare. Am 3. August predigte er über eine Perikope aus Lukas 19, in der Jesus über Jerusalem weint. Nachdem er nochmals die Enteignungen angeprangert hatte, sprach er mit mutigen Worten die Abtransporte von geistig Behinderten an, deren „Angehörige nach kurzer Zeit die Mitteilung erhielten, der Kranke sei verstorben, die Leiche verbrannt6“ und führte den Gläubigen vor Augen, was ihnen allen blühen kann, wenn sie nicht mehr „produktiv“ seien („Hast Du, habe ich nur so lange das Recht zu leben,...,solange wir von anderen als produktiv anerkannt werden?7“), insbesondere nahm er die Soldaten in den Blick („Wenn man die unproduktiven Mitmenschen gewaltsam beseitigen darf, dann wehe unseren braven Soldaten, die als Schwerkriegsverletzte, als Krüppel, als Invaliden nach Hause zurückkehren8“). Die Abtransporte wurden, zumindest einige Zeit, eingestellt.

 

In einem Brief, den Bischof Paulus Rusch, der damalige apostolische Administrator von Innsbruck im September 1941 an den Münsteraner Bischof sandte, übermittelte dieser den Dank des Papstes. Der Papst habe über die Predigten „eine so große Freude, dass er sie persönlich seinen nächsten Vertrauten mit den Ausdrücken höchster Anerkennung vorgelesen hat9“.

 

Reichsmarschall Göring warf ihm im März 42 Sabotage vor. Dass man Bischof von Galen nicht beseitigt hat, lag wohl nicht zuletzt an der hinter ihm stehenden Diözese. Man wollte vor dem „Endsieg“ keinen Märtyrer schaffen. Sein Bruder Franz hingegen hat das Kriegsende im Konzentrationslager er- und überlebt. Er war der einzige Zentrumsabgeordnete, der 1933 im Zusammenhang mit den „Ermächtigungs-gesetzen“ sein Mandat niederlegte.

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Hätte mich das 3. Reich in meiner Sturm- und Drangzeit überrumpelt, wäre ich womöglich ein strammer Nationalist geworden. Ob ich die Größe Galens gehabt hätte, über den Nazi-Tellerrand hinauszuschauen, sobald Menschen und Gruppen fertig gemacht werden, kann ich nur hoffen.

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naja, wenn du das Collegium Canisianum als folkloristisch ansiehst... :blink:

 

 

Du hattest ja nix anzubieten...

Nichts für ungut; Ich bleibe Dir als treuer Fan verbunden ...

 

:blink:

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Heilige ohne Ecken und Kanten dürfte es nicht geben, außer in süßlicher Heiligenminne. Die Frage ist eher, wie diese Leute mit ihren Defiziten umgegangen sind. Bernhard Lichtenberg, Rupert Mayer und eben auch Galen dürften für Manchen in ihrer Umgebung nicht gerade angenehm gewesen sein. Gerade solchen Sturköppen hat Gott aber scheinbar in der genau richtigen Situation zur Höchstform verholfen. Ich finde es - ohne ein enger Prädestinationsfan zu sein - schon interessant, daß Galen, den viele für ungeeignet hielten, ausgerechnet 1933 Bischof wurde und nach dem Krieg gerade mal noch den Empfang des roten Hutes überlebt hat.

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Nichts desto weniger war von Galen national gesinnt und gerade sein „gutes nationales Gewissen erlaubte ihm, gegen die amtlich propagierte Staatsvergötzung und Unchristlichkeit, gegen neuheidnischen Rassenkult und gegen die befohlenen oder geduldeten Rechtsverletzungen und Verbrechen der Staats- und NSDAP-Institutionen Einspruch und Anklage zu erheben4“.

 

Er gratulierte beispielsweise im März 1936 General Fritsch zum Einmarsch in die linksrheinischen Gebiete oder äußerte sich positiv zur Volksabstimmung im Saargebiet.

 

Ich frage mal ganz unschuldig was an den geschilderten Dingen schlimm sein soll? Es ist doch wohl ganz normal, seine Heimat zu lieben und wenn man das als "nationales Gewissen" bezeichnet ist da wohl auch nichts dabei. Was dann noch an der Befürwortung der Rückführung des Saargebietes nach Deutschland schlimm sein soll frage ich mich auch. Immerhin wollten das 95% der Bevölkerung dieser rein deutschen Region, was ist also schlimm daran, sich positiv zu äußern?

"Der Einmarsch in die linksrheinischen Gebiete" war wohl auch eine wieder-Besetzung eigener Gebiete, die für die Deutschen dieser Zeit genauso selbstverständlich war wie für uns die Wiedervereinigung mit den Gebieten der sogen. DDR.

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Hallo,

 

ich bin durchaus ein Fan des Grafen von Galen.

Dabei sehe ich durchaus, ohne Abstriche und ohne dies kleinzureden die genannten Seiten des Grafen. Aber dennoch er hat sich in bewundernswerter Weise gegen desn Nationalsozialismus gewandt. Und das halte ich für eine heiligmäßige Tugend,

 

viele Grüße,

 

Matthias

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Was gehen Dich die dunklen Seiten von Kardinal Graf Galen an?

Naja, Thomas, wenn er selig gesprochen wird, wird darüber wohl zumindest eine Erwähnung erlaubt sein.

Immerhin gibt's beim Papa für sowas sogar den Advocatus Diaboli...

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Naja, Thomas, wenn er selig gesprochen wird, wird darüber wohl zumindest eine Erwähnung erlaubt sein.

Immerhin gibt's beim Papa für sowas sogar den Advocatus Diaboli...

 

wie ist es eigentlich, gibt es den Advocatus immernoch, also in der Praxis? Ich lies irgendwo (jetzt habe ich leider vergessen, wo genau), dass z.B bei St. Josemaria Escriva keins gab? Keine Ahnung, ob dies eigentlich Wahr ist...

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Bei Escriva wurde es tatsächlich zumindest "ausgesetzt". :blink: Ob ganz abgeschafft, weiß ich nicht...

Ein weiterer Grund für mich, das Opus äußerst vorsichtig zu genießen.

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