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Der göttliche Logos


platon
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Der "Logos" bezeichnet nicht das Wesen Gottes (also die Gleichheit der drei Personen), sondern die zweite Glöttliche Person, den Sohn.
Ich nehme dieses Zitat zum Anlass zur der Frage nach der dritten göttlichen Person. Wie wird jene vom Logos abgegrenzt?

Hallo Heidi,

 

da Deine Frage mehr Fragecharakter hat, nehme ich mir die Freiheit, sie als Frage in F&A zu posten und eine erste Antwort zu wagen. Gleichzeitig lade ich ein, hierzu ein, die folgenden Gedanken zu ergänzen, zu widersprechen, Anregungen mitzuteilen.

 

Der göttliche Logos. Was ist das?

 

Wenn Gott von Anbeginn an Liebe ist, dann besagt Liebe immer Beziehung. Beziehung besagt Dialog.

 

Wenn nun alle drei Personen absolut wären, jede für sich ein Gott, so wäre jede für sich alles in allem. Diese aber würden sich gegenseitig begrenzen und es gäbe keine Verbindung zwischen ihnen.

 

Nun also sprechen wir von einem Gott, der mit sich selbst im Dialog steht, derart, daß jede Person einer anderen gegenüber steht, sonst wäre es kein Dialog. Damit also haben wir das philosophische Problem, daß wenn es Gott gibt, dann kann es nur ein Absolutes geben, wo sich Einheit und Verschiedenheit der Vielfalt der Welt einen, der alles in seinen Händen hält, lenkt und neu erschafft.

 

Gleichzeitig muß aber die Liebe, die die Welt erschafft, und nur die Liebe ist fähig zu verschenken, nicht nur zu "bewirken" immer auf einen anderen als sich selbst blicken können, damit sie wirklich Liebe ist. Nun aber zu behaupten, das Göttliche (=die Freiheit Gottes) würde des Relativen (=die Freiheit des Menschens) bedürfen, um selbst sein zu können, das ist schlechte Metaphysik. Entweder hat man die Natur vergöttlicht, oder man hat Gott ihre Absolutheit abgesprochen, sonst wäre er nicht Gott.

 

Gott also braucht den Menschen nicht, um selbst sein zu können. Nur so ist Gott wirklich Gott und nicht eine Gottheit. Wenn also Gott die Liebe ist, so ist Dreifaltigkeit - philosophisch gesehen - nichts anderes als das Geheimnis der Liebe Gottes.

 

Der Logos ist also vom Johannesevangelium her gesehen, schon am Anfang vorhanden. Gott als Wort und Sinn, als Dialog ist von Ewigkeit her. Und dieses Wort hat in Jesus Christus Fleisch angenommen. Oder auch, ist Fleisch geworden und ist ein Teil unserer Geschichte geworden.

 

Der Logos ist also, je nach Kontext, indem man das liest,

- einmal die Dreifaltigkeit Gottes,

- einmal das Wort Gottes, das durch Jesus Christus gesprochen wird,

- einmal die Schöpfung selbst, weil Gott die Schöpfung nicht nur schaffend sondern sprechend erschafft.

 

Und es ergeben sich vielerlei andere Sinnmöglichkeiten, von dem was man mit dem göttlichen Logos meinen oder verstehen kann. Zusammenfassend, der Sinn oder das Wort, das in vielerlei Gestalten in sich ruht oder zu uns gesprochen wird.

 

Grüße, Carlos

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Ein Text aus "Pardon - ich bin Christ" von C. S. Lewis

 

Alle möglichen Leute gefallen sich in der ständigen Wiederholung der christlichen These: „Gott ist die Liebe." Aber sie übersehen dabei, daß die Worte „Gott ist die Liebe“ inhaltlos sind, wenn Gott nicht mindestens aus zwei Personen besteht.

 

Liebe ist ein Gefühl, das jemand für einen anderen empfindet. Wäre Gott eine einzelne Person, dann wäre das Wort „Gott ist die Liebe" vor der Erschaffung der Welt sinnlos gewesen. Natürlich verstehen jene Leute dieses Wort häufig ganz anders. Sie meinen im Grunde: „Die Liebe ist Gott." Unsere Liebesgefühle, gleich welcher Art, welchen Ursprungs und mit welchen Auswirkungen auch immer, müßten stets mit großem Respekt behandelt werden. Gut und schön, aber was die Christen meinen, wenn sie sagen „Gott ist die Liebe", ist etwas völlig anderes. Sie glauben, daß die lebendige dynamische Kraft der Liebe von Anbeginn in Gott war und alles andere erschaffen hat.

 

Übrigens ist dies der wichtigste Unterschied zwischen dem Christentum und allen anderen Religionen: Der Gott des Christentums ist nichts Statisches, nicht einmal eine Person, sondern eine dynamisch pulsierende Kraft; ein Leben, fast so etwas wie ein Drama oder, wenn man es nicht für eine Blasphemie hält, fast so etwas wie ein Tanz. Diese Einigkeit von Vater und Sohn ist etwas so Reales und Lebendiges, daß noch selbst diese Einigkeit Person ist.

 

Ich weiß, daß dies alles fast unbegreiflich ist; aber betrachten wir es einmal so: Wenn Menschen unter sich zusammenkommen, in einer Familie, in einem Verein oder in einer Gewerkschaft, so entwickelt diese Familie, dieser Verein oder diese Gewerkschaft häufig einen besonderen „Geist". Man spricht hier vom „Geist", weil die einzelnen Mitglieder tatsächlich eine besondere, nur für diese Gruppe spezifische Verhaltensweise entwickeln. Bliebe jeder für sich allein, könnte ein solcher Gemeinschaftsgeist nicht entstehen. Es ist, als ob eine gemeinsame Persönlichkeit in Erscheinung tritt. Natürlich handelt es sich nicht um eine reale Person, sondern um etwas, das einer Person ähnlich ist. Gerade hier liegt einer der Unterschiede zwischen Gott und uns. Was aus dem einigen Leben des Vaters und des Sohnes entsteht, ist eine Person, ist tatsächlich die dritte der drei Personen, die alle Gott sind.

 

Diese dritte Person heißt mit dem technischen Ausdruck der Heilige Geist oder der „Geist" Gottes.

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da Deine Frage mehr Fragecharakter hat, nehme ich mir die Freiheit, sie als Frage in F&A zu posten und eine erste Antwort zu wagen.

Nett, dass du eine Antwort wagen willst, Carlos, meine Frage - auch wenn sie einen katholischen Bereich trifft - soll jedoch nicht katholisch sondern weltoffen verstanden, gegebenenfalls beantwortet und auch diskutiert werden dürfen. Mit meinen Anliegen fühle ich mich hier aus diesem Grunde deplaziert.

 

Viele Grüße

Heidi

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Nett, dass du eine Antwort wagen willst, Carlos, meine Frage - auch wenn sie einen katholischen Bereich trifft - soll jedoch nicht katholisch sondern weltoffen verstanden, gegebenenfalls beantwortet und auch diskutiert werden dürfen. Mit meinen Anliegen fühle ich mich hier aus diesem Grunde deplaziert.

Liebe Heidi,

 

wenn Du diesen Anspruch stellst, so kannst Du in meinem Beitrag oben den Verweis auf das Johannes-Evangelium oben wegnehmen, und dann finden sich keinerlei weitere Anspielungen auf die Offenbarung durch die Bibel. Mein Beitrag wäre dann philosophisch.

 

Die Abgrenzung zwischen Philosophie und Theologie kann man so bei mir vollziehen, daß wenn ich theologisiere, dann von der Schrift her auf die allgemeine Erfahrung hin argumentiere. Wenn ich philosophiere dann ist die Richtung anders herum. Ich versuche von allgemeiner Grunderfahrung und allgemeinen Verstandesbegriffen auf das über den Verstand Hinausliegende zu sprechen zu kommen.

 

1.) Philosophisch kann ich also vom "innergöttlichen Dialog" sprechen, wenn ich die Schöpfung als Liebestat verstehe. Das habe ich oben bereits getan.

 

2.) Ich kann auch vom "Wortcharakter" allen Seienden in der Welt sprechen, damit eine Ethik aus dem Sein erschließen, d.h. vom Seienden als der "göttliche Logos", d.h. als Wort Gottes an uns sprechen. Das habe ich nur erwähnt aber nicht näher spezifiziert.

 

Jetzt wäre also die Präzisierung Deiner Frage dran, falls Du noch Interesse hast. Die Menschwerdung kann auch als Wort Gottes, d.h. auch göttlicher Logos bezeichnet werden, trifft aber vorwiegend den Aspekt der Offenbarung.

 

Grüße, Carlos

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