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Pantheismus


Heidi

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"Der Pantheismus hebt die Unterschiedlichkeit von Schöpfer und Geschöpf auf und betrachtet die Welt als Bestandteil Gottes."

(Franziskaner im Thread 'Fragen an Moussa')

 

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Hallo allerseits,

 

wenn der Schöpfer als Geschöpf auf die Welt kommt (Menschwerdung Gottes) - inwieweit ist das ein pantheistischer Gedanke?

 

Warum wehrt sich das Christentum derart vehement gegen pantheistische Tendenzen?

 

Viele Grüße

Heidi

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Zitat von Steffen am 14:28 - 20.Oktober.2001

Montag

 

"Dienstag"

 

Hallo Steffen,

schön, dass du mal wieder im Forum bist.

 

Heidi

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Zitat von Heidi am 14:11 - 20.Oktober.2001

 

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"Der Pantheismus hebt die Unterschiedlichkeit von Schöpfer und Geschöpf auf und betrachtet die Welt als Bestandteil Gottes."

(Franziskaner im Thread 'Fragen an Moussa')

 

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Hallo allerseits,

 

wenn der Schöpfer als Geschöpf auf die Welt kommt (Menschwerdung Gottes) - inwieweit ist das ein pantheistischer Gedanke?

 

Warum wehrt sich das Christentum derart vehement gegen pantheistische Tendenzen?

 

Viele Grüße

Heidi

 


 

 

Hallo, Heidi,

bißchen schwer zu verstehen dein Posting.

Das Christentum wehrt sich gegen pantheistische Tendenzen bzw. gegen den Pantheismus als Welterklärung, weil es ihn für einen Irrtum hält. Nach christlichem Glauben gibt es einen Schöpfer, der von der Schöpfung getrennt ist und auch wenn Er sich ihr zuwendet und in sie eingreift von ihr getrennt bleibt. Auch die Menschwerdung Christi ist etwas anderes als Pantheismus. Pan- bedeutet ganz, und in Jesus Christus wird Gott keineswegs die ganze Menschheit.

Wo pantheistische Tendenzen auftreten, kommen sie oft als Kritik des christlichen Absolutheitsanspruchs daher oder als Kritik des Glaubens an einen personalen Gott. Wenn Schöpfer und Schöpfung im Grunde identisch sind (wie in etwa in der hinduistischen Vorstellung von Brahma, der Allseele, die in allem Lebendigen waltet und dergegenüber alles Materielle maya ist, Illusion), gibt es jenen Abstand zwischen Schöpfer und Geschöpf nicht mehr, den wir von uns aus mit Gebet, Wahrheitssuche, Disziplin und Sehnsucht zu überwinden suchen und den Gott von sich aus in der Menschwerdung Christi, in Seiner Selbstoffenbarung überwindet. Die KOnsequenzen die sich aus einem pantheistischen Welterklärungsmodell auch praktisch ergeben sind vielfältig, jedenfalls unterscheiden sie sich erheblich von denen, die sich aus dem christlichen Glauben ergeben.Das muß nicht immer heißen, daß sie schlecht oder abzulehnen sind, aber der Mensch, der an die Göttlichkeit alles Geschöpflichen glaubt, lebt anders, nimmt anders wahr, fühlt anders. Manchmal entwickelt er eine tiefere Ehrfurcht vor allen Formen des Lebens, manchmal gibt er sich einer hartnäckigeren Illusion über die eigenen Qualitäten und Möglichkeiten hin.

Auch der christliche Glaube daran, daß zwischen Gott und Mensch eine Liebesbeziehung besteht, löst sich im Pantheismus in Harmoniegefühle auf. Liebe braucht diesen Abgrund zwischen Ich und Du, den zu überspringen, sie auch in der rein menschlichen Variante immer wieder versuchen wird. Im Pantheismus gibt es keinen Abgrund.Manche Menschen finden das beruhigend. Christen nicht.

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Zitat von Heidi am 14:38 - 20.Oktober.2001


Zitat von Steffen am 14:28 - 20.Oktober.2001

Montag

 

"Dienstag"

 

Hallo Steffen,

schön, dass du mal wieder im Forum bist.

 

Heidi


 

Hallo Heidi,

mich hat auch gefreut von Dir zu lesen.

Du gehörst zu denen, die ich hier am liebsten lese.

 

Ich wollte eigentlich erst am Montag antworten, habe jetzt aber schon in den Fragen an Moussa hierauf geantwortet, und Angie hat auch einen gute Antwort geschrieben.

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Grüß Dich Heidi,

 

hier ein Text über den Panthesimus, den ich früher schon mal gebracht habe.

 

Lieben Gruß

Erich

 

Es ist immer wieder festzustellen, daß wenn jemand von einem Gott spricht, der in der Dchonheit, Wahrheit und dem Guten als Prinzip inne wohnt oder lediglich eine geistige Kraft ist, dann jubeld die Menge <s> Sprechen aber Christen von einem Gott, der Absichten verfolgt und bestimmte taten ausführt, der befiehlt und verbietet so sinkt spürbar die “gute Laune”.

Die Leute werden verlegen oder böse. Eine solche Vorstellung erscheint ihnen als primitiv und roh, ja sogar als ehrfurchtslos. Die Volks-»Religion« schließt den »lebendigen Gott« des christlichen Glaubens aus und glaubt statt dessen an einen Gott glaubt, der tatsächlich überhaupt nichts tut.

Diese Volks-»Religion« könnte, allgemein gefaßt, Pantheismus genannt werden.

 

Zunächst muß gesagt werden, daß der Pantheismus allgemein auf einer recht phantasievollen Vorstellung von der Entwicklung der Religion beruht. Ihr zufolge erfindet der Mensch am Anfang Geister, um damit die Naturphänomene zu erklären; zunächst stellt er sich diese Geister als seine genauen Ebenbilder vor. Je aufgeklärter er wird, desto weniger menschenähnlich - desto weniger »anthropomorph«, wie die Gelehrten sagen - werden sie. Ihre anthropomorphen Eigenschaften fallen eine nach der anderen von ihnen ab - zuerst die menschliche Gestalt, dann die menschlichen Leidenschaften, die Personalität, der Wille, die Aktivität - und schließlich jedwede konkrete Eigenschaft. Am Ende bleibt eine reine Abstraktion übrig - reiner Geist und reine Geistigkeit. Statt eine bestimmte Wesenheit mit eigenem, wirklichem Charakter zu sein, wird Gott schlicht zu »dem Ganzen«, das man auf bestimmte Weise betrachtet, oder zu dem theoretischen Punkt, in dem alles menschliche Streben, würde man es wie Geraden ins Unendliche verlängern, zusammenläuft. Und da, moderner Auffassung zufolge, das letzte, endgültige Stadium einer jeden Sache das geläutertste und kultivierteste ist, hält man diese »Religion« für einen tiefgründigeren, vergeistigteren und aufgeklärteren Glauben als den christlichen.

Nun ist aber diese Vorstellung von der Entwicklung der Religion nicht richtig. Es stimmt, daß der Pantheismus dem modernen Geist verwandt ist: Aber die Tatsache,daß man leicht in einen Schuh hineinschlüpfen kann, beweist nicht,daß er neu ist - und beweist noch weniger, daß er den Fuß trocken halten wird.

Der Pantheismus ist unserem Geist nicht deshalb verwandt, weil er das Endstadium eines langsamen Aufklärungsprozesses wäre, sondern weil er fast so alt ist wie die Menschheit. Er könnte sogar die primitivste aller Religionen sein.

In Indien gibt es ihn seit undenklichen Zeiten. Die Griechen wuchsen nur in ihrer Blütezeit, im Denken Platons und Aristoteles', über ihn hinaus; ihre Nachfolger fielen wieder zurück in das große pantheistische System der Stoiker.

Das moderne Europa entging ihm nur so lange, wie es überwiegend christlich blieb; mit Giordano Bruno und Spinoza kehrte er zurück. Mit Hegel wurde er fast zu der Philosophie des gebildeten Mannes. Weit davon entfernt, die letzte religiöse Läuterung zu sein, entspricht der Pantheismus in Wirklichkeit nur einem ständig vorhandenen natürlichen Hang des menschlichen Geistes; er ist das permanente Durchschnittsniveau  unter das der Mensch, beeinflußt von Pfaffentrug und Aberglauben, zuweilen sinkt, über das hinaus er sich aber ohne Hilfe und nur aus eigener Anstrengung niemals für lange erheben kann.

Platonismus und Judaismus und auch das Christentum (in das von beidem hineingeflossen ist) haben sich als die einzigen erwiesen, die ihm Widerstand leisten konnten. Pantheismus ist die Haltung, in die der menschliche Geist automatisch verfällt, wenn er sich selbst überlassen bleibt. Kein Wunder, daß wir uns ihm geistig verwandt fühlen. Wenn Religion nur das ist, was der Mensch über Gott sagt, und

nicht das, was Gott wegen des Menschen tut, dann ist der Pantheismus fast eine Religion. Und »Religion« in diesem Sinne hat letztlich nur einen wirklich ernstzunehmenden Gegner - nämlich den christlichen Glauben!

.

 

 

. Und dennoch - welch seltsame Ironie - wird jeder neue Rückfall in diese uralte »Religion« als der letzte Schrei auf dem Gebiet der Neuerungen und der Emanzipation begrüßt.

Dieser angeborene Drang des menschlichen Geistes findet in einem ganz anderen Bereich des Denkens eine Parallele. Die Menschen glaubten bereits Jahrhunderte vor den ersten experimentellen Beweisen an die Existenz der Atome. Allem Anschein nach ist es natürlich, daran zu glauben. Die Atome, an die wir von Natur aus glauben, sind unserer Vorstellung zufolge harte kleine Kügelchen - ganz ähnlich den harten Substanzen, denen wir täglich begegnen, nur zu klein, um gesehen werden zu können. Der naheliegende Vergleich mit Sand- oder Salzkörnern brachte uns auf diese Idee. Sie erklärt eine ganze Reihe von Phänomenen; außerdem kommen uns sogeartete Atome sehr vertraut vor - wir können sie uns bildlich vorstellen. Diese Atom-Sicht hätte noch ewig gedauert, wäre die spätere Naturwissenschaft nicht auf die lästige Idee verfallen, die wirkliche Beschaffenheit der Atome herauszufinden. Und in dem Augenblick, da ihr das gelingt, ist all unsere geistige Bequemlichkeit, all das unmittelbar Einleuchtende und Offensichtliche der alten Atomtheorie zerstört. Die richtigen Atome erweisen sich als völlig unvereinbar mit unserer natürlichen Denkweise. Sie bestehen noch nicht einmal aus hartem »Stoff« oder harter »Materie« (was sich die Phantasie eben so unter Materie vorstellt!): Sie sind nicht einfach, sondern haben eine Struktur; sie sind nicht alle gleich; und sie sind nicht bildlich vorstellbar. Die alte Atomtheorie ist in der Physik das, was der Pantheismus in der Religion ist - die normale, natürliche Vermutung des menschlichen Geistes, nicht total falsch, aber doch korrekturbedürftig. Die christliche Theologie und die Quantenphysik sind beide im Vergleich zu dieser natürlichen Vermutung hart, kompliziert, trocken und abstoßend. Der erste Schock, den wir erleben, wenn wir durch die nackte Wirklichkeit aus unseren Wunschträumen über diese Wirklichkeit gerissen werden, zeigt stets die gleichen Merkmale. Man darf von Schrödinger nicht erwarten, daß er genauso einleuchtend sei wie Demokrit: Er weiß zu viel. Man darf von Athanasius nicht erwarten, daß er genauso einleuchtend sei wie George Bernhard Shaw: Er weiß ebenfalls zu viel.

Der tatsächliche Stand der Frage wird oft deshalb verkannt, weil die Leute ihr Erwachsenen-Wissen über den Pantheismus mit einem Wissen über den christlichen Glauben vergleichen, das sie in ihrer Kindheit erworben haben.

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Hallo Angie,

 

ein klasse Beitrag. Noch fehlt mir gedanklich der passende Ansatzpunkt um etwas dazu zu schreiben.

 

Viele Grüße

Heidi

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Hallo Erich,

 

dass die deutsche Volksreligion der Pantheismus sein soll, habe ich auch schon mal gelesen. Allerdings weiß ich nicht warum der Autor der Meinung ist, dass ein Gott, der selbst in der Schöpfung steckte, ein tatenloser Gott wäre. Die Schöpfung ist aktiver als alle weinenden Marienstatuen zusammen! Es wird geboren, gestorben und gekämpft ohne Ende in der Schöpfung. Und das Ganze aus menschlicher Sicht eine Ewigkeit. Wenn das Gott wäre, dann würde er sehr lebendig und extrem aktiv sein.

 

Der von dir zitierte Text ist ein guter Beleg dafür, dass der christliche Glaube den Pantheismus vehement ablehnt. Ich finde dort jedoch keine nachvollziehbaren Argumente, was tatsächlich dagegen spricht, Gott in der Welt zu sehen, statt ihn fern außerhalb im Unerklärbaren anzusiedeln.

 

Und außerdem: Gegen phantasievolle Vorstellungen, sollte sich nun gerade die katholische Religion nicht auflehnen. Überhaupt ist es doch die Greifbarkeit und die logische Nachvollziehbarkeit des Pantheismus, die ihm einen Reiz verleihen.

 

Die bunte Phantasie führt eher zu Engeln, Heiligen, Seligen, unbefleckten Müttern, auferstehenden Gottessöhnen und Dreieinigkeiten.

 

Beste Grüße

Heidi

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Liebe Heidi,

 

hast Du Dir schon einmal Gedanken darüber gemacht, welche ethischen Konsequenzen sich aus dem pantheistischen Gottesbild ergeben?

Welches Bild vom Menschen wird gezeichnet?

Wie steht man zu den Idealen?

Was wird als Böse definiert (-> Sozialdarwinismus?)...

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Ich bin kein Pantheist.

 

Aber ich finde das pantheistische Gottesbild sehr viel sympathischer als das christliche.

 

Um die Skala zu präzisieren: ich kenne kein Gottesbild, das sympathisch ist.

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