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Der eigene Wille in der Ehe


platon

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Hallo Leute,

 

das wäre vielleicht eine Frage, über man die diskutieren könnte. Wenn Mann und Frau verheiratet sind, der eine etwas will, der andere etwas anderes, gibt es dazu irgendwelche Orientierungshilfen, wie man dann sich verhalten soll, um Einmütigkeit zu erzielen?

 

Mir hat jemand von folgendem Ehenichtigkeitsverfahren, daß im Bistum Limburg vor Jahren für Aufsehen gesorgt haben soll. Bis auf ein einziges Detail weiß ich darüber keine weitere Einzelheiten. Hier ist also der Bericht.

  • Ein Mann und eine Frau, die über Jahre verheiratet waren, bei ihnen kam es zu einem kirchlichen Ehenichtigkeitsverfahren. Die Frau war immer gehörig, tat alles was der Mann wollte, und nie gab es einen Widerspruch, wenn sie einer anderen Meinung war. Auffällig war, daß sie bis dato keine Kinder hatten. Man fragte dann die Frau, warum das so sei, dann sagte sie, daß ihr Mann keine wollte, deshalb sie auch nicht. Die Ehe wurde für nichtig erklärt. Die Begründung kenne ich nicht.

Hatte denn die Frau keinen eigenen Willen, sich bei ihrem Mann durchzusetzen und zu sagen, kundzutun, daß sie Kinder wollte? In der Eheschließung ist der Wille mitentscheidend für die Gültigkeit. Man soll also die Ehe aktiv "wollen", wenn man sich dazu einläßt. Die Ehe ist kein passiver Akt, bei dem man etwas über sich ergehen läßt, sondern an dem man aktiv mitgestaltet. Für die Ungültigkeit der Ehe in diesem Falle sprechen also zwei Aspekte: 1. Der Ehezweck hat gefehlt. 2. Die Frau war unreif, da sie keinen eigenen Willen hatte. Hätte die Frau gewollt, der Mann aber nicht, so wäre der Mann für ein evtl. negatives Urteil verantwortlich gewesen.

 

Wie denn nun sollen denn Partner miteinander umgehen, wenn einer etwas will, der andere aber nicht? Ist das ein Grund, sich zu streiten? Oder sollte nicht die Liebe wichtiger sein als der Grund, worüber man sich streitet? Nehmen wir mal an, die Frau will in Afrika Gorillas pflegen, der Mann will aber in Europa als Programmierer arbeiten? Was dann?

 

Im obigen Fall ist es ziemlich einfach, wie denn die Entscheidung fallen muß, denn der Mann soll offen für Kinder sein, will er aus seiner Beziehung eine gültige Ehe machen. So müßte er seine Frau wenigstens ein Kind schenken wollen, bis sich der Erfolg einstellt. In anderen Fällen ist es schwieriger.

 

Grüße, Carlos

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Herzliche Einladung, Antworten und Lösungsvorschläge zu posten.

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Hallo Leute,

 

wenn also die Frau in Afrika Gorillas pflegen will, der Mann aber in Europa als Programmierer arbeiten will, so würde dies bedeuten, daß die Frau insofern einen entscheidenden Abschnitt im Leben ihres Mannes abverlangt. Der Mann müßte also Freunde, Heimat, Kultur, seine Arbeit verlassen, um bei ihrer Frau zu sein.

 

Die Frau aber hingegen könnte sich in Europa innerhalb einer Umweltschutz-Organisation engagieren und Leute motivieren, mitzumachen. Evtl. einmal im Jahr für einen Monat nach Afrika fliegen, und dort etwas auf die Beine stellen, Filme drehen, usw... Wenn sie also in ihrer Aufgabe ihre Berufung sieht, dann muß sie sich entscheiden, ob sie heiratet oder ob sie in Afrika bleibt und nicht heiratet. Das muß sie alleine entscheiden. Und der Mann kann nichts machen, außer um sie werben und für sie zu beten, daß sie die richtige Entscheidung trifft.

 

Wie ist es in anderen Fällen? Z.B., der Mann ist ein Geizkragen, die Frau will das Leben genießen...

 

Grüße, Carlos

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Platon, hoffentlich haben nicht alle, die auf deine Frage eine Antwort schreiben wollten, erst ihre besseren Hälften gefragt und sind nun deswegen im Streit..... passiert am Wochenende schon mal......

 

Und dann überlege ich, warum sollte ein Frau den Wunsch haben, in Afrika Gorillas zu pflegen, wenn sie zu Hause ihren Mann hat. – Wenn er allerdings beruflich mit Computern zu tun hat und auch in seiner Freizeit die meiste Zeit vor dem Monitor abhängt (da kenne ich gewisse Fälle persönlich), wäre es evtl. möglich, dass er gar nicht merkt, dass sie weg ist, um sich andernorts um Affen zu kümmern.

 

Was dein Beispiel mit dem Geizkragen und der „ihr Leben genießen wollenden Frau“ betrifft, kann ich ebenfalls nichts sagen. In meinem Bekanntenkreis sind nur Herren, deren Wünsche (Haus, Auto, Computer ect.) eher von der Finanzministerin abgeblockt werden. Aber vielleicht kann dazu ein anderes Forenmitglied besser aus dem Nähkästchen plaudern.

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Liebe Lara,

 

ich glaube, das Problem hat sich schon seit Jahrhunderten gelöst. Vornehmlich in patriarchalisch monogamen Ländern ist es so, daß offiziell die Männer das Sagen haben, aber es sind die Frauen, die die Entscheidungen treffen.

 

Damals als Kaiser Konstantin nach dem Konzil Nikaias seine Meinung änderte, Athanasius verbannte, den Arianismus für den offiziellen Glauben erklärte, war eine Frau dafür verantwortlich, daß dies so geschah. Sie hatte auf den Kaiser eingeredet.

 

Fazit: Mehr als die Männern muß man die Frauen fürchten....

 

Grüße, Carlos

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Wenn der Mann aber in Afrika Gorillas pflegen will, die Frau aber lieber in Europa als Programmierer arbeiten will, so würde dies bedeuten, daß die Frau insofern einen entscheidenden Abschnitt im Leben ihres Mannes abverlangt.

 

Also sollte sie mit ihm nach Afrika gehen und ihren Computer mitnehmen. Einmal in zwei Jahren könnte sie ja ihr Kunden in Europa besuchen, falls sich das nicht umgehen lässt.

 

Wenn sie also in ihrer Aufgabe ihre Berufung sieht, dann muß sie sich entscheiden, ob sie heiratet oder ob sie in Europa bleibt und nicht heiratet. Das muß sie alleine entscheiden. Und der Mann kann nichts machen, außer um sie werben und für sie zu beten, daß sie die richtige Entscheidung trifft (also nach Afrika zu gehen und auch Gorillas zu pflegen).

 

Mensch, Carlos!!! :blink:

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Mensch, Carlos!!! :blink:

Liebe Lissie,

 

so war ja meine Argumentation nicht. Da der Mann seine Heimat und Freunde, seinen Beruf und alles aufgegeben hätte müssen, konnte sie vom Manne nicht verlangen, daß er alles aufgibt. Stell Dir mal vor, er bekommt davon einen Kulturschock, was dann?

 

Um das Gegenbeispiel zu konstruhieren, wäre der Mann an Gorillas interessiert, die Frau aber Programmierin, dann kann der Mann von seiner Frau urplötzlich nicht verlangen, Heimat und alles zu verlassen. Stell Dir mal vor, sie bekommt einen Kulturschok, was dann?

 

Der Unterschied lag daran, "alles" zu verlassen zu müssen, oder lediglich auf den Job zu verzichten. Grins, was sagst Du jetzt?

 

Grüße, Carlos

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Liebe Lissie,

 

und sowieso nützen alle diese theoretischen Überlegungen

überhaupt nichts, denn die Frau hat meistens das letzte Wort.

 

Ausnahmen sind natürlich solche patriarchalische Systeme,

wo der Mann mehrere Frauen gleichzeitig hat.

Da hat Erich recht.

 

Grüße, Carlos

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Herzliche Einladung, Antworten und Lösungsvorschläge zu posten.

Lösungs- oder Löschungsvorschläge???

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Lieber Platon, die Ehe in Deinem Beispiel dürfte aufgelöst worden sein, weil der Mann keine Kinder wollte. Die Institution der Ehe beinhaltet den Willen zur Zeugung von Kindern. Bekennt ein Partner, dass er absolut keine Kinder haben will, so kann die Ehe aufgelöst werden. Das hat aber meines Wissens nichts mit dem mangelndem Selbstbewusstsein des Ehepartners zu tun.

 

Das man oft andere Wege gehen möchte als der Partner, dass ist nichts neues. Aber in einer guten Partnerschaft findet man Kompromisse. Allein die Kompromissbereitschaft ist heute nicht allzu verbreitet. Wilste nicht wie ich, dann tschüss, das ist heute die Deviese. Verantwortung gegenüber dem Partner? Wieso, wir sind doch beide emanzipiert. Die meisten Menschen sind zu besitzergreifend. Es fehlt an Vertrauen und Tolleranz. Wenn jeder ein Stückchen zurücksteckt, dann findet man auch einen gemeinsamen Weg.

 

Man könnte ja Gorillas auch im Zoo pflegen und sich im WWF angagieren. Und Computerspezialisten werden überall gesucht.

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Hallo Leute,

 

das wäre vielleicht eine Frage, über man die diskutieren könnte. Wenn Mann und Frau verheiratet sind, der eine etwas will, der andere etwas anderes, gibt es dazu irgendwelche Orientierungshilfen, wie man dann sich verhalten soll, um Einmütigkeit zu erzielen?

 

Mir hat jemand von folgendem Ehenichtigkeitsverfahren, daß im Bistum Limburg vor Jahren für Aufsehen gesorgt haben soll. Bis auf ein einziges Detail weiß ich darüber keine weitere Einzelheiten. Hier ist also der Bericht.

  • Ein Mann und eine Frau, die über Jahre verheiratet waren, bei ihnen kam es zu einem kirchlichen Ehenichtigkeitsverfahren. Die Frau war immer gehörig, tat alles was der Mann wollte, und nie gab es einen Widerspruch, wenn sie einer anderen Meinung war. Auffällig war, daß sie bis dato keine Kinder hatten. Man fragte dann die Frau, warum das so sei, dann sagte sie, daß ihr Mann keine wollte, deshalb sie auch nicht. Die Ehe wurde für nichtig erklärt. Die Begründung kenne ich nicht.

Hatte denn die Frau keinen eigenen Willen, sich bei ihrem Mann durchzusetzen und zu sagen, kundzutun, daß sie Kinder wollte? In der Eheschließung ist der Wille mitentscheidend für die Gültigkeit. Man soll also die Ehe aktiv "wollen", wenn man sich dazu einläßt. Die Ehe ist kein passiver Akt, bei dem man etwas über sich ergehen läßt, sondern an dem man aktiv mitgestaltet. Für die Ungültigkeit der Ehe in diesem Falle sprechen also zwei Aspekte: 1. Der Ehezweck hat gefehlt. 2. Die Frau war unreif, da sie keinen eigenen Willen hatte. Hätte die Frau gewollt, der Mann aber nicht, so wäre der Mann für ein evtl. negatives Urteil verantwortlich gewesen.

 

Wie denn nun sollen denn Partner miteinander umgehen, wenn einer etwas will, der andere aber nicht? Ist das ein Grund, sich zu streiten? Oder sollte nicht die Liebe wichtiger sein als der Grund, worüber man sich streitet? Nehmen wir mal an, die Frau will in Afrika Gorillas pflegen, der Mann will aber in Europa als Programmierer arbeiten? Was dann?

 

Im obigen Fall ist es ziemlich einfach, wie denn die Entscheidung fallen muß, denn der Mann soll offen für Kinder sein, will er aus seiner Beziehung eine gültige Ehe machen. So müßte er seine Frau wenigstens ein Kind schenken wollen, bis sich der Erfolg einstellt. In anderen Fällen ist es schwieriger.

 

Grüße, Carlos

Hallo Carlos,

 

vielleicht 'mal ein paar Antworten auf Deine Frage:

 

1. Die Ehe ist m.E. als nichtig zu erklären, da die Zeugung von Kindern von vornherein ausgeschlossen wurde (und das reicht bei einem Ehepartner)

 

2. Die Reife oder Unreife der Frau könnte dabei nur in zweifacher Hinsicht eine Rolle spielen:

a) bzgl. des sog, Mindestwissens: etwa wenn der Frau unklar ist, wie Kinder gezeugt werden.

:blink: wenn sie aus Unreife nicht in der Lage ist, den Ehekonsens zu leisten

 

3. Unterschiedlicher Wille: Zur Ehe gehört nach katholischer Auffassung, dass man sich in betimmten Punkten bzgl. der Ehe einig ist, nämlich dass man miteinander eine Ehe nach katholischer Auffasung führen will (Ehekonsens). Die Punkte, über die Einigkeit bestehen muss, sind im Kirchenrecht aufgeführt (z.B. Unauflösigkeit der Ehe, Kinderwunsch, Einheit der Ehe). Die praktischen Dinge, die Du aufführst sind davon m.E. nicht betroffen. Ich denke, da geht das Eherecht davon aus, dass man sich als reife Eheleute hier schon einigen wird.

 

Viele Grüße,

 

Matthias

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Hallo Leute,

 

als "theoretische" Frage ergibt die Eingangsfrage gar keinen Sinn. Im konkreten Leben ergeben sich die Lösungen von selbst, denn man nimmt ja Kleinigkeiten als das, was sie sind.

 

Schwieriger ist es bei solchen Fragen wie bei den Gorillas, wo der Mann oder die Frau unbedingt in Afrika im tiefen Djungel leben will, vom anderen zuviel abverlangt wird, diesen Schritt ebenfalls zu tun. Das sind ja Extremfälle, bei denen man sich vor der Trauung einig werden muß.

 

Herausheben wollte ich mit meinem Eingangsposting den Fall mit der Frau, die scheinbar keinen eigenen Willen hatte. Ich weiß nicht zu sagen, ob sie für unreif erklärt worden ist. Möglich ist es. Da müßte man vielleicht sich durch die limburger Kirchenzeitung ein paar Jährchen zurück durchackern, vielleicht steht da was.

 

Grüße, Carlos

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