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Priestermangel


Justin Cognito

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Justin Cognito

Ich glaube der aktuelle Priestermangel (bei uns - ich weiß schon dass es wo anders, anders ausschaut) ist eine Folge einer grundsätzlichen Orientierungskrise in Bezug auf das Priesterbild. Die spirituelle Krise wage ich mich nicht zu beurteilen, was mir aber auffällt ist eine lebensweltliche Orientierungskrise, die ich hier versuche anhand einiger Punkte zur Diskussion zu stellen.

 

Die lebensweltliche Orientierungskrise des Priesterbildes beruht auf (ein paar Diskussionsanregungen):

 

1)Nest-Verlust

Als ich ein Kind war, war die Welt bei uns in der Pfarre noch irgendwie in Ordnung. Unser alter Pfarrer wohnte im Pfarrhof mit seiner Pfarrhaushälterin. Ich glaube nicht, dass da jemals irgendwas Sexuelles im Spiel war, aber wenn er nach Hause kam landete er in keinem leeren Nest. Er hatte eine Bezugsperson mit der er sein Leben teilte. Ich glaube nicht, dass er ein einsamer Mann war. Es gab glaube ich viele Priester die in so einer Situation wohnten, und viele Frauen die bereit waren auf eine Familie und ein selbständiges Leben zu verzichten um einen Pfarrer nicht nur haushaltstechnisch und kochtechnisch, sondern auch emotional zu unterstützen. Wenn ich mich heute umschaue wohnen doch die meisten Priester alleine und wenn sie abends nach Hause kommen, finden sie ein leeres Haus vor. Das ist aber keine Vorstellung, von der ich glaube dass sie für viele junge Männer attraktiv ist. Modelle wo mehrere Priester zusammenwohnen scheinen mir hier sinnvoll, stoßen aber auch an ihre Grenzen.

 

2)Status-Verlust

Der Herr Pfarrer - der war früher jemand. In meinem Heimatdorf ist es bis zu einem gewissen Grad noch immer so, aber sogar hier hat der Priesterberuf einen Statusverlust hinnehmen müssen. In der Stadt ist er geradezu ins Gegenteil umgeschlagen, und so mancher Priester muss wohl mit einigem Unverständniss rechnen wenn er seinen Beruf preisgibt. Für mich ist es aber auch normal, dass viele davor zurückschrecken, einen Beruf zu ergreifen für den er sich immer rechtfertigen müssten.

 

3)Überforderung

Mit dem Statusverlust geht eine permanente Überforderung der Priester einher. Früher reichte es aus der Herr Pfarrrer zu sein. Heute müssen sie Mystiker, Psychologen, Manager, Personalchefs und vieles andere mehr sein. Und wehe sie machen einen Fehler! So stehen sie ungeschützt in der Auslage und die Erwartungen sind ins maßlose gewachsen.

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Hallo Kryztow,

 

meiner Meinung nach gibt es hierzulande als auch anderswo einen Priestermangel weil ein Großteil der Menschen glaubt, ohne Gott leben zu können. Gott hat leider kein Platz mehr im Leben der Menschen eingeordnet.

 

Könntest du deinen 3. Punkt etwas näher erläutern Kryztow?

 

Grüsse

 

oli :angry:

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Justin Cognito

zu Punkt 3: Die Anforderungen an die Priester steigen einerseits, weil heute mehr Vergleichsmöglichkeiten und ein breiteres Angebot gegeben sind. Wir erwarten uns wahrscheinlich mehr von einer Predigt oder einem Beichtgespräch oder einer Gemeindeleitung als noch unsere Großeltern. Dazu kommt dass es unter Katholikinnen und Katholiken ganz unterschiedliche Erwartungen an einen Priester gibt, von den Erwartungen kirchenfremder Personen einmal ganz zu schweigen, die wieder ganz anders aussehen. Andrerseits gibt es immer weniger Priester, die immer mehr Aufgaben unter einen Hut bekommen sollen.

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Hallo Kryztow,

 

von deinen drei genannten Punkten empfinde ich den zweiten als den wichtigsten.

 

Eine brauchbare Haushälterin, die findet sich schon. Unser Pfarrer hat seine Cousine. Unser alter Pfarrer hat seine mitgenommen. Die beiden waren schon ein eingepieltes Team. :angry: Kann zwar ein bisschen dauern, aber von sowas lässt sich bestimmt so schnell niemand davon abbringen Priester zu werden.

 

Zu deinem Punkt 3: Wo steigen denn die Anforderung nicht? So gehts bestimmt nicht nur den Priestern. Das ist auch in anderen Jobs so.

 

Aber mit dem "Status-Verlust", das sehe ich ein. Mich nervt es schon manchmal, wenn ich mich ständig rechtfertigen muss, weil ich Katholik bin. Aber für einen Pfarrer muss das noch viel schlimmer sein. Und dann ist es natürlich schon zu verstehen, dass sich das niemand "antun" will.

 

LG, gimu

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Hallo Kryztow,

 

ein weiterer Punkt erscheint mir in diesem Zusammenhang noch recht wichtig: in unseren Familien und in der Gesellschaft herrscht weitgehend kein Klima mehr, in dem Berufungen wachsen können. Und wenn sich dann ein Sohn doch mal berufen fühlen sollte, den Weg in Richtung Priesterberuf einzuschlagen, dann stösst er meist auf pures Unverständnis und manchmal sogar Entsetzen in seiner engsten Umgebung. Da muss man innerlich schon ziemlich gefestigt sein, um sich dem zu widersetzen und seinen Weg weiterzuverfolgen... Früher waren Familien noch meistens stolz darauf, wenn aus ihnen ein Priester hervorging (das finde ich auch eher problematisch), heute ist es eher eine Schande...

 

Gruß

Schäfchen

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Justin Cognito
Zu deinem Punkt 3: Wo steigen denn die Anforderung nicht? So gehts bestimmt nicht nur den Priestern. Das ist auch in anderen Jobs so.

Aber in keinem anderen Beruf sind die Bereiche wo man gut, was sag ich, sehr gut, sein muss so vielfältig - und die Erwartungen so unterschiedlich.

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Justin Cognito
Eine brauchbare Haushälterin, die findet sich schon.

Dein Wort in Gottes Ohr, aber ich fürchte dass es nur wenige Menschen gibt die ihr Leben ganz in den Dienst eines anderen stellen wollen und dafür auf Familie verzichten. Den Haushalt kann immer wer machen, eigentlich ja auch der Priester selbst. Aber da sein - Nestwärme geben - ein Zuhause schaffen ..... ?

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Justin Cognito
Hallo Kryztow,

 

ein weiterer Punkt erscheint mir in diesem Zusammenhang noch recht wichtig: in unseren Familien und in der Gesellschaft herrscht weitgehend kein Klima mehr, in dem Berufungen wachsen können. Und wenn sich dann ein Sohn doch mal berufen fühlen sollte, den Weg in Richtung Priesterberuf einzuschlagen, dann stösst er meist auf pures Unverständnis und manchmal sogar Entsetzen in seiner engsten Umgebung. Da muss man innerlich schon ziemlich gefestigt sein, um sich dem zu widersetzen und seinen Weg weiterzuverfolgen... Früher waren Familien noch meistens stolz darauf, wenn aus ihnen ein Priester hervorging (das finde ich auch eher problematisch), heute ist es eher eine Schande...

 

Gruß

Schäfchen

Stimmt - der Punkt ist auch sicher zu bedenken.

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Stimmt, Schäfchen! Wer "verliert" schon gern von durchschnittlich 1,34 Kindern eines an Gott.

Verrückte Welt!

 

LG, gimu

:angry:

SO hatte ich das noch gar nicht gesehen, aber da liegt der Hase wohl begraben :blink:

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Hallo Kryztow,

 

ein weiterer Punkt erscheint mir in diesem Zusammenhang noch recht wichtig: in unseren Familien und in der Gesellschaft herrscht weitgehend kein Klima mehr, in dem Berufungen wachsen können. Und wenn sich dann ein Sohn doch mal berufen fühlen sollte, den Weg in Richtung Priesterberuf einzuschlagen, dann stösst er meist auf pures Unverständnis und manchmal sogar Entsetzen in seiner engsten Umgebung. Da muss man innerlich schon ziemlich gefestigt sein, um sich dem zu widersetzen und seinen Weg weiterzuverfolgen... Früher waren Familien noch meistens stolz darauf, wenn aus ihnen ein Priester hervorging (das finde ich auch eher problematisch), heute ist es eher eine Schande...

 

Gruß

Schäfchen

Korrekt.

 

Nach Bekanntgabe meines Ordensplanes so in die nähere Umgebung bakem ich durchschnittlich zwei Sorten von Reaktionen:

 

1. die von Katholiken, die mehr oder (zumeist) weniger mit Kirche zu tun haben (es waren zum Teil Diözesanpriester): wieso? Muss das sein? Bei dem Laden? Bist Du bescheuert?

 

2. von Atheisten und Agnostikern häufig (aber nicht nur natürlich), auch natürlich nominelle Christen darunter: Wenn das Dein Ding ist, dann mach das!

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Zu deinem Punkt 3: Wo steigen denn die Anforderung nicht? So gehts bestimmt nicht nur den Priestern. Das ist auch in anderen Jobs so.

Aber in keinem anderen Beruf sind die Bereiche wo man gut, was sag ich, sehr gut, sein muss so vielfältig - und die Erwartungen so unterschiedlich.

 

Allen kannst du es eh nicht recht machen!

 

Ich seh das Problem eigentlich eher da:

 

Ein Priester ist für immer größere Seelsorgeeinheiten zuständig und hetzt dann da von Messe zu Messe und spendet ein Sakrament nach dem anderen. Wann kann er da dann auch nochmal Seelsorger sein? Wann hat er noch Zeit für einen Besuch bei einem Gläubigen, für ein gutes Gespräch ...

Wenn dann will ich auch zu 100 % Seelsorger sein und nicht eben nur eine "Sakramentenspendemaschine". (Entschuldigung für den Ausdruck, aber mir fiel grad nichts passendes ein)

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Hat er alles und kann er alles, wenn auch "Nein!" zu seinem Wortschatz gehört und er nicht everybody's darling sein will.

Die Kirche ist kein Wunschkonzert.

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Ich überlege gerade, ob der Priestermangel auch nicht daran liegt, daß es an gesunden Ehen und Familien mangelt. Hmmm.... Weiß nicht.....

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Justin Cognito
Hat er alles und kann er alles, wenn auch "Nein!" zu seinem Wortschatz gehört und er nicht everybody's darling sein will.

Die Kirche ist kein Wunschkonzert.

Aber die Gläubigen haben ein Recht auf den Empfang der Sakramente - da kann man nicht so einfach "Nein" sagen. Und ich weiß nicht ob da für die Seelsorge noch recht viel Zeit bleibt.

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Oder liegt der Priestermangel daran, daß der Anspruch der Christen, Salz für die Erde zu sein, ein Stück verloren gegangen ist? Wenn die Christen einschließlich manche Priester, zu sehr mit dem Zeitgeist mitgehen, dann verliert auch das Priestertum an Anziehungskraft. Priestertum stünde dann nur im Zeichen des Verzichts anstatt in der Erfüllung eines Ideals.

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Justin Cognito

Über die spirituelle Seite der Krise traue ich mir nichts zu sagen, da liegen die Ursachen wahrscheinlich auch sehr weit auseinander.

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Punkt 3. scheint ein sehr wichtiger Aspekt zu sein. Wenn ein junger Mann nicht die Talente eines Managers mitbringt, dann gilt er als nicht geeignet.

 

Wir sind zum großen Teil eine Konsumkirche geworden. Der einzelne Christ bringt nicht mehr seine Talenten und seine Gaben in der Kirche mit ein, sondern erwartet daß der Pfarrer alles tut, alles organisiert. Genausogut könnte man ins Kino gehen, bringt eine gute Stunde hinter sich, und dann hat sich's.

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Tut mir leid, ich sehe keinen Priestermangel. Eher Gemeindemangel.

Wenn es aber Pfarrer gibt, die gleichsam für 4 oder 5 Gemeinden verantwortlich sind?

 

:angry: Grüße, Carlos

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Justin Cognito
Tut mir leid, ich sehe keinen Priestermangel. Eher Gemeindemangel.

Wenn es aber Pfarrer gibt, die gleichsam für 4 oder 5 Gemeinden verantwortlich sind?

 

:angry: Grüße, Carlos

Und der Anteil der Priester die unter 50 sind erschreckend gering ist .....

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Leute,

 

wir müssen viel für Priesternachwuchs beten!

 

Grüße, Carlos

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Hat er alles und kann er alles, wenn auch "Nein!" zu seinem Wortschatz gehört und er nicht everybody's darling sein will.

Die Kirche ist kein Wunschkonzert.

Aber die Gläubigen haben ein Recht auf den Empfang der Sakramente - da kann man nicht so einfach "Nein" sagen. Und ich weiß nicht ob da für die Seelsorge noch recht viel Zeit bleibt.

1. Ist mir diese Aussage immer wieder neu. Wo steht was von "Recht"? "Recht" auf Gott? Wie lächerlich!

Dann ist "Herr, ich bin nicht würdig..." ja auch mal wieder rundheraus gelogen. Na super!

 

 

2. Kenne ich niemanden, der nicht zu einer Messe fahren könnte, außer denen, die zu ihrer Heimtagemeinde aus körperlichen Gründen auch nicht können.

Edited by Ralf
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Tut mir leid, ich sehe keinen Priestermangel. Eher Gemeindemangel.

Wenn es aber Pfarrer gibt, die gleichsam für 4 oder 5 Gemeinden verantwortlich sind?

 

:angry: Grüße, Carlos

Die zusammen so viel Katholiken haben wie vorher eine Gemeinde.

 

"Gemeindemangel" heißt auch und vor allem Mangel an Zusammengehörigkeit.

 

Die Qualität ist wichtiger denn Quantität.

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Also ich finde, das trifft das Problem wirklich nicht.

 

Mir scheint das an einer generellen Glaubenskrise zu liegen. Mein Eindruck ist, dass selbst praktizierende Katholiken oft kaum noch an Jesu Auferstehung, Leben nach dem Tod etc glauben koennen. Selbst Aussagen mancher priester lassen auf Zweifel schliessen. Und wenn ich so manche Kommentare hier von Theologiestudenten hoere, scheint in manchen Vorlesungen und Fakultaeten auch der Zweifel eine grosse Stelle zu haben. Wenn der Student hoert, alles sei ja gar nicht wirklich so gewesen wie man denkt, dann gibt man leicht ganz auf.

 

Ich denke wenn Menschen wieder wirklich glauben koenne, werden sich auch mehr zum Priesterwerden entscheiden

 

gruss

 

Max

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