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Millionen Gläubige beten in diesen traurigen Tagen


sabine
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Hallo ,liebe A&As

im Angesicht der geschehenen Katastrophe entdecken viele

Menschen ihren Glauben an Gott wieder oder zumindest erinnern sie sich an ihn und beten zu ihm.

Fast allen , die nun zu ihm beten scheint es eine Hilfe zu sein , sich an ihn zu wenden.

 

Nun stellt sich mir die Frage , wie Ihr Euch in dieser Situation verhaltet.Ich meine nicht Eure Gefühle , sondern , was hilft Euch damit *fertig* zu werden?

Nichts?

 

Gespannte Grüsse

Sabine ;)

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>Was machen A&As?<

 

Was denn wohl, Sabine? Sie feiern Parties, schlachten kleine Babies und braten sie danach, gehen Tauben im Park vergiften, verprügeln Katholiken, fressen, saufen, f**** und machen sich über nichts Gedanken, außer was vielleicht materiell für sie durch die Terroranschläge auf das WTC herausspringt.

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Och ,Lissie :(

 

Ich habe das total ernst gemeint.

Nun sei doch nich so kratzbürstig . Soll ich Dich morgen nochmal fragen?

Liebste Grüsse

Sabine

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Jetzt aber im Ernst: Du fragst im Grunde, wie man ohne Gott mit unermeßlichem, unfaßbarem Leid und mit unnachvollziehbarer Grausamkeit und Skrupellosigkeit "fertig" werden kann. Quasi die Theodizee-Frage umgedreht.

 

Mir drängt sich bei so einer Katatstrophe eigentlich eher die Frage auf, wie man mit Gott da noch klarkommen kann. Hier passt meine derzeitige Signatur ganz gut: Die einzige Entschuldigung für Gott ist, daß es ihn nicht gibt. (Ich glaube von Stendhal, bin mir aber nicht sicher)

 

Ich habe gestern Nacht einen der unermüdlichen Bergungsarbeiter in NY gesehen, der zornig und fassungslos fragte" Wo ist denn jetzt Euer Gott? Wo ist  denn hier der große Beschützer oder gar Menschenliebhaber? ES GIBT KEINEN!"

 

Auch wenn ich das nicht hundertprozentig weiß, ob es einen gibt oder nicht, eines weiß ich: Wenn man die Welt betrachtet und dann noch an einen Gott der "Liebe" glaubt, dann ist der Widerspruch nahezu unüberbrückbar.

 

Ich würde daher die Frage gerne umdrehen: Wie wird man mit Gott fertig, wenn man so eine Tragödie (und es ist ja nicht die einzige) miterlebt?

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Zitat von sabine am 21:43 - 16.September.2001

Och ,Lissie

 

Ich habe das total ernst gemeint.

Nun sei doch nich so kratzbürstig . Soll ich Dich morgen nochmal fragen?

Liebste Grüsse

Sabine


 

Jetzt hast Du mich bei einer ernsthaften Antwort unterbrochen, liebste Sabine. Ich würde Dich doch NIE bis Morgen warten lassen.

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>> Wie wird man mit Gott fertig, wenn man so eine Tragödie (und es ist ja nicht die einzige) miterlebt? << (Lissie)

 

 

Wie man in so einer Situation mit Gott fertig wird, weiß ich nicht. Ich weiß allerdings, daß einige nach solch einem Erlebnis mit Gott fertig sind. Bei anderen bewirkt ein solche Tragödie, daß sie sich noch stärker in die Illusion vom liebenden und gnädigen Gott einlullen. Möglicherweise eine Form psychischen Selbstschutzes.

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Erst schafft man Gott ab, dann stellt man als Ersatz Kerzen auf. Als bei uns in Stufe ein Junge starb, war das zumindest so. Trauerbewältigung nennt man so was, und da klammern sich Menschen, ob religiös oder nicht, halt an an Symbole.

 

Im übrigen ist es auch egal, ob Gott existiert oder nicht, die Frage, wie man derartiges mit dem Weltbild übereinbringt, bleibt ohnehin.

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>Im übrigen ist es auch egal, ob Gott existiert oder nicht, die Frage, wie man derartiges mit dem Weltbild übereinbringt, bleibt ohnehin.<

 

Ja, die Frage bleibt. Erschüttern tut es wohl das Weltbild von Allen, Gottgläubigen. Andersgläubigen und Nicht-Gläubigen.

 

Die Kirchen  hatten ja Hochkonjunktur in den vergangenen Tagen und da sie das sonst wirklich nicht haben, drängt sich der Gedanke auf, daß es auch viele Konfessionslose dorthin gezogen haben muß. Ich sehe das auch ein wenig so:

 

>Trauerbewältigung nennt man so was, und da klammern sich Menschen, ob religiös oder nicht, halt an an Symbole.<

 

Und an Gemeinschaft.  Ich habe sowieso das Gefühl, daß es bei vielen eher das Gemeinschaftserlebnis ist, das sie in die Kirche zieht, als Gott.  

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>> was hilft Euch damit *fertig* zu werden? << (Sabine)

 

 

Mir hilft ein Blick in die Gegenwart und in die Geschichte. Dabei zeigt sich nämlich, daß Menschen schon immer zum Kotzen waren. Die "amerikanische Tragödie" überrascht mich insofern nicht. Im übrigen gab es auch schon schlimmere Tragödien.

 

Solange die persönliche Betroffenheit fehlt, läßt sich m.E. noch relativ gut damit fertig werden. Mit und ohne Gott. Man müßte sich eigentlich inzwischen daran gewöhnt haben, daß immer ein Teil der Menschheit dran glauben muß. Jeden Tag verhungern Tausende, werden Hunderte umgebracht, vergewaltigt oder gefoltert, ohne daß es unsere Befindlichkeit sonderlich (wenn überhaupt) tangiert. Bei den Ereignissen in den USA ist es lediglich das gigantische Ausmaß der Katastrophe und des daraus resultierenden Schreckens, was uns aufrüttelt. Und wohl auch die Vorstellung, daß uns so etwas selber treffen könnte.

 

>> Im übrigen ist es auch egal, ob Gott existiert oder nicht, ... (Benedikt)

 

Eine zutreffende Erkenntnis. Und obendrein auch noch aus dem Munde eines gläubigen Christen.

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Wenn es  Beweise dafür gibt, dass Gott lediglich ein Produkt des menschlichen Denkvermögens ist, dann ist es das Leid, das die Menschheit in verschiedenster Form täglich zu ertragen hat.

 

 

 

(Geändert von pedrino um 22:34 - 16.September.2001)

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>Bei den Ereignissen in den USA ist es lediglich das gigantische Ausmaß der Katastrophe und des daraus resultierenden Schreckens, was uns aufrüttelt. Und wohl auch die Vorstellung, daß uns so etwas selber treffen könnte. <

 

Und - auch wenn das jetzt vielleicht zynisch klingt - das Medienspektakel.  

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>> Trauerbewältigung nennt man so was, und da klammern sich Menschen, ob religiös oder nicht, halt an an Symbole. << (Benedikt)

 

 

Es sind vor allem die Rituale, die der Mensch zur Trauerbewältigung (und auch Lebensbewältigung) braucht. Nicht umsonst spielt der Ritus in den Religionen eine ganz wesentliche, wenn nicht die wesentlichste Rolle.

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Liebe Sabine,

 

ich bin mir überhaupt nicht sicher, ob Menschen durch die jetzige Situation (wieder) zu Gott finden.

 

Ein Bedürfnis, das ich in den letzten Tagen bei mir feststelle, ist, das alles fassen zu können.

ich bin sehr damit beschäftigt, mich in die Situationen der Opfer hineinzuversetzen und zu erschrecken und spüre meine eigene Todesangst. Und ich fühle sehr mit den Familien, die ihre Angehörigen verloren haben, nur die Vorstellung, ich würde  mein Liebstes verlieren, löst bei mir Tränen aus (Leute, die mich kennen, wissen, daß das normal ist )

 

Warum so viele Menschen gerade jetzt in die Kirche gehen?

Ich glaube, weil es einer der wenigen Orte ist, an dem man sich unverbindlich zu einem gemeinsamen Gedenken treffen kann.

Kirchen haben etwas ruhiges, meditatives, die Gedanken und Ängste, die einem wirr durch den Kopf schwirren, teilt man mit ungezählten anderen, die Stimmung erlaubt hemmungslose Trauer.

 

Leider habe ich auch für mich entdeckt, daß die Trauer der letzten Tage ziemlich stark von den Medien hochgepuscht wurde. Denn: was wäre gewesen, wenn dieses Unglück in Cape Town, Kalkutta, Reykjavik passiert wäre?

Meine Antwort: Es wäre eine Nachricht in der Tagesschau.

 

Was Gott betrifft, so schliesse ich mich lissies Einschätzung an: MIT Gott wäre das Denken an so viel Leid für mich wesentlich schwerer zu ertragen und womöglich eher ein Grund, mich von meinem Wunschdenken an einen über uns wachenden Gott und "Schutzengeln" loszureißen.

 

Liebe Grüße

 

sylle

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>Es sind vor allem die Rituale, die der Mensch zur Trauerbewältigung (und auch Lebensbewältigung) braucht.<

 

Die fehlen mir auch mitunter! Wenn ich die christliche Ideologie und den christlichen Gott nicht so zum Kotzen und vor allem so unvereinbar mit meiner Moral fände, dann würde man mich auch öfter in einer Kirche sehen: Es würde mir schon reichen, Gott und die Lehre halbwegs anständig zu finden, wirklich dran glauben müßte ich gar nicht unbedingt!

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Erst mal freue ich mich über die Zustimmung, hätte ich ja gar nicht erwartet :-)

 

Aber Cano:

>> Im übrigen ist es auch egal, ob Gott existiert oder nicht, ... (Benedikt)

*g*

Das hier meinte ich im konkreten Fall, nicht allgemein.

 

Aber lassen wir das.

 

Zu den Ritualen: Der Mensch klammert sich gerne an Rituale, der eine mehr, der andere weniger.

 

Der größte Glaubensmut beweist sich aber, wenn die Rituale wegfallen, und nur noch die Existenz übrigbleibt.

 

Ein Priester, der im Vietnam im Gefängnis saß, hat dies als die größte Gotteserkenntnis beschrieben.

 

Oder (wie Bruce Marshall sagt): Der Geist braucht einen Behälter, wie der Wein eine Flasche.

 

Auch wenn ihr mir jetzt wahrscheinlich nicht mehr zustimmt, glaube ich, daß viele Menschen in so Fällen transzendieren, weil die Materie nicht über sich hinausspringen kann.

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Zitat von Benedikt am 22:57 - 16.September.2001

......, weil die Materie nicht über sich hinausspringen kann.

 

Ach das ist doch Quatsch. Der Verlust schmerzt und die Hilf- und Machtlosigkeit depremiert.

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>> ... glaube ich, daß viele Menschen in so Fällen transzendieren, ... << (Benedikt)

 

Eine sehr gewagte Annahme. "Transpirieren" trifft den Sachverhalt wohl eher.

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@Pedrino

"Der Verlust schmerzt und die Hilf- und Machtlosigkeit depremiert,..."

und die Menschen sind von einem Augenblick zum andern weg.

 

Und deswegen greift der Mensch über die Materie hinaus.

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Hi Cano,

mein Latein läßt mich beim Transpirieren im Stich, aber mein Wörterbuch meint:

transpirieren - Schweiß ausdünsten, schwitzen

 

*g*

 

Glaube nicht, daß du das gemeint hast.

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Zitat von Benedikt am 23:31 - 16.September.2001

@Und deswegen greift der Mensch über die Materie hinaus.

 

Na ja, wenn du es unbedingt philosopisch betrachten musst, dann tue dir keinen Zwang an.

 

Mir ist das zu blöd.

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Zitat von lissie am 22:27 - 16.September.2001

Ich habe sowieso das Gefühl, daß es bei vielen eher das Gemeinschaftserlebnis ist, das sie in die Kirche zieht, als Gott.

 

"Kirche" kommt doch von "Gemeinschaft"!

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Liebe Sabine,

 

ich habe eine recht große Palette an Mechanismen mit schockierenden Ereignissen fertig zu werden. Das geht von Zynismus, sarkastischen Bemerkungen und Ironie über Dummes-Zeugs-Gerede und Mitleidgefasel bis hin zum leicht depressiven In-mich-selbst-verkriechen. Insofern ich mir das alles verkneifen kann komme ich dahin, es so hinzunehmen, wie es ist: Ein schreckliches Ereignis.

 

Ehrlich gesagt haben mich die atomaren Bedrohungen der 80er Jahren und vor allem der Golf-Krieg in den 90er Jahren sehr viel stärker mitgenommen. Was bedeuten kann, dass ich bereits abgestumpft bin oder dass eventuell mein Kontingent an Weltschmerz und Weltangst schon aufgebraucht habe; vielleicht – und das halte ich beinahe für wahrscheinlicher - liegt es aber auch nur daran, dass ich nur wenig Zeit hatte mich von den Medien mitreißen zu lassen.

 

Übrigens finde ich es absolut nicht dramatisch, wenn auch Ungläubige Kerzen anzünden oder gar Kirchen besuchen. Gerade in Zeiten, in denen man sonst keine Rückzugsmöglichkeiten hat, sind Kirchen (insofern sie zufällig nicht verschlossen sind) der einzige wirklich ruhige Ort, den man aufsuchen kann.

 

Viel dramatischer finde ich es hingegen, wenn Politiker mit Rachegedanken zu Gott beten bzw. in einer Kirche emotional geladen Vergeltungsschläge ankündigen und sich dafür beklatschen lassen.

 

Viele Grüße

Heidi

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