Jump to content

Von Gott berührt


sabine
 Share

Recommended Posts

Hallo Ihr Lieben,

 

Regen hat mir da gerade unbewusst eine gute Anregung gegeben:

 

Wie die meisten von mir wissen , bin ich vor 7 Monaten wieder eng in Kontakt mit meinem Glauben gekommen. Nun unterhalte ich mich seitdem mit vielen Menschen -nicht nur hier im Forum- darüber.

 

Und bin erstaunt wie begeisternd und mitreissend das Zuhören für mich oft ist. Wie ergeht es Euch , wenn Ihr über Gott

und Euren Glauben redet.

 

Ich habe jetzt mal absichtlich nicht das Glaubensforum gewählt.Bitte liebe A&A's fangt trotzdem nicht gleich an mit:na gibt's doch gar nicht , wovon soll ich also reden!

 

Es geht mir eher darum rauszufinden , wie stecke ich andere an mit dem was ich glaube.

 

Seeeeehr interessierte Grüsse

Sabine

Link to comment
Share on other sites

Zitat von sabine am 16:38 - 17.August.2001

 

 

Hallo Sabine,

Glaubensgespräche gelingen nach meiner Erfahrung am besten in kleineren Gruppen Gleichgesinnter, mit Freunden und Bekannten, die auch Interesse daran haben, über ihren Glauben zu sprechen. Man findet solche Kreise in fast allen Kirchengemeinden und Verbänden der katholischen Kirche.

 

Während in den Gemeinden diese Kreise eher unverbindlich zu bestimmten Themen oder als Bibelkreis angeboten werden, sind viele Verbände in Hauskreisen oder Stadtgruppen organisiert,

in denen Glaubensgespräche eine wichtiger Bestandteil eines kontinuierlichen Gruppenlebens bilden.

 

In einem Kreis haben wir z.B. oft am Samstag über das Evangelium des folgenden Sonntags gesprochen und ich war sehr überrascht wieviel breiter eine solche Diskussion einen Text behandeln kann, als die Predigt eines Einzelnen.

Interessanterweise war das Hören der Predigt am folgenden Tag dann meist sogar intensiver, weil man sich schneller Hineindenken kann, wenn man in dieser Weise vorbereitet ist.

 

Je länger man eine solche Gruppe kennt, desto öfter entstehen am Rande auch Glaubensgespräche zu ganz persönlichen Themen, die einem gerade persönlich beschäftigen.

 

Im öffentlichen Leben sind solche Gespräche eher seltener, weil die meisten Mensche denken, dass es sich dabei um die Privatsphäre handelt, die man wahren sollte. Ich könnte mir denken, dass dadurch eigentlich wichtige Gespräche gar nicht erst zustande kommen, die Chancen zur Hilfe, die man sich gegenseitig geben könnte, unbemerkt vorübergehen. Mit offenen Augen für die Situation merkt man jedoch manchmal, ob ein Mitmensch gerade für ein solches Gespräch empfänglich ist oder danach sucht.  

 

Mit freundlichen Grüßen vom Zwilling

Link to comment
Share on other sites

Hallo Sabine,

 

bei mir kommt es fast nur dann zu Glaubensgesprächen, wenn der/die Gesprächspartner selbst ein Interesse mitbringen.

 

Am meisten ziehe ich aus Gesprächen mit zwei sehr engen Freunden, die sich mit Theologie bestens auskennen und sich mit mir auf einer theologischen Wellenlänge befinden. Danach habe ich jedesmal das Gefühl "Ja, genau das ist es!"

 

Daneben suche ich Gespräche und Hauskreise mit konfessionsverschiedenen Christen, um aus deren anderer Sichtweise Anregungen zu erhalten und meinen Glauben auf Verkrustungen hin zu überprüfen.

 

So richtig interessant wird die Sache, wenn ich mit meiner georgisch-orthodoxen Verlobten allein diskutiere oder mit ihr zusammen in einer Gruppe. Sie ist immer wieder schockiert, wie wenig man in unserer deutschen Gesellschaft über den christlichen Glauben weiß.

 

Viele Grüße,

Wolfgang

Link to comment
Share on other sites

Liebe Sabine,

 

herzlichen Willkommen am Feuer!

Bitte mißversteh mich jetzt nicht als kalte Dusche (was für eine Metaphorik, muß an der späten STunde liegen), nur als Erzählung anderer Erfahrungen:

Ich versuche ganz bewußt, nicht anzustecken, wenn ich von meinem Glauben rede.

Vielleicht habe ich selbst zu viele negative Erfahrungen gemacht mit Leuten, die ich anstecken wollten mit einer bestimmten Erfahrung, die sie gemacht hatten oder mit einer bestimmten Variante des christlichen Glaubens. Das hat mich oft frustriert - wenn ich versuchte, mich anstecken zu lassen und dann merkte, daß es einfach nicht zündete, dann grübelte:was mache ich falsch? Mag Gott ich vielleicht nicht so gerne? Habeich noch irgendeine SÜnde ausgelassen? usw. - oder genervt hat - wenn ich mit der betreffenden Varainte schon gleich gar nichts anfangen konnte.

 

Was ich ir wünsche, ist, daß Menschen, mit denen ich ins GEspräch über GOtt komme, ihre eigene Sehnsucht entdecken und selber auf die Suche gehen. Ich weiß und habe erlebt, daß Begeisterung für Gott ansteckend wirken kann. Aber ich habe eben auch zu oft erlebt, daß Leute dann der Begeisterung eines anderen hinterher rannten und ihre eigene nicht entdeckten.

 

Deswegen bringe ich Gott so oft ich  kann ins GEspräch, aber nicht, um für Ihn zu werben, sondern so selbstverständlich wie Er für mich ist.

 

KOnkretes Beispiel: Diese WOche war ich mit meiner Zweitjüngsten bei der Kinderärztin. Sie (meine Tochter) sträubte sich gegen die Untersuchung und ich erklärte der Ärztin:"Stefanie hat gesagt, der Herrgott hätte sie schon gesund gemacht, Sie bräuchten sie nicht mehr zu unetrsuchen."

UNd dann war ich gespannt auf die Reeaktion der Ärztin, über deren weltanschauliche Einstellung ich nichts weiß.

Sie sagte:"Ja, das tut er doch meistens."

 

Das finde ich erstmal eine interessante Reaktion und werde diese Ärztinweiter "testen", d.h. so von Gott reden, wie Er in unserem Leben vorkommt. Wenn wir Glück und Heilgien Geist haben, spricht sie vielleicht von Ihm, wie Er bei ihr vorkommt oder davon, daß Er nicht vorkommt und dann kann ein interessantes Gespräch entstehen.

 

Aber wichtig finde ich, daß die Menschen ihre eigene Suche nach Gott starten, selber sehnsüchtig werden, selber fragen und eigene Antworten finden, auch wenn die meinen vielleicht ganz unähnlich sind.

Link to comment
Share on other sites

Der Weg beginnt damit, dass jemand positive Erfahrung mit dem Glauben an sich selbst macht. Die Atmosphäre eines Klosters, die Stille einer Kirche, ein Text, der einem zu Herzen geht, eine Erkenntnis, die ihn erfüllt.

Von dort ausgehend kommen dann Fragen und Suchen: Nach mehr solchen Erfahrungen, nach der Quelle dieser Erfahrung, nach Gemeinschaft mit Leuten, die diese Erfahrung auch machen, nach Zusammenhängen.

Link to comment
Share on other sites

Lieber Mecky,

 

wem begegnen diese Gelegenheit ?

 

Bei den beiden ersten Gelegenheiten ist eine Grundstimmung im Regelfall schon gegeben.

 

Die beiden letzten Möglichkeiten: Wie schnell entgleiten sie uns wieder ?

 

Herzliche Grüße

Martin

Link to comment
Share on other sites

Guest Corinna


Zitat von sabine am 16:38 - 17.August.2001

!

 

Es geht mir eher darum rauszufinden,  wie stecke ich andere an mit dem was ich glaube.

 


 

Warum möchtest Du denn andere unbedingt mit dem anstecken, was Du glaubst?

 

Auch neugierig.

 

Corinna

Link to comment
Share on other sites


Zitat von Corinna am 9:56 - 20.August.2001


Zitat von sabine am 16:38 - 17.August.2001

!

 

Es geht mir eher darum rauszufinden,  wie stecke ich andere an mit dem was ich glaube.

 


 

 

 

Warum möchtest Du denn andere unbedingt mit dem anstecken, was Du glaubst?

 

Auch neugierig.

 

Corinna

 

Liebe Corinna,

 

ich bin von Natur ein sehr kommunikativer Mensch und teile

meine Gedanken und meine Gefühlswelt sehr gerne mit anderen Menschen.

So sage ich immer ehrlich ,wenn mich jemand nach meinem Befinden fragt ,wie es mir geht. In diesem Fall habe ich auch null Angst vor den Reaktionen des Gegenüber.

 

Und das beziehe ich auf meine positiven Erfahrungen.

Weil ich meinen Glauben an Gott als sehr hilfreich erfahre , habe ich nun auch das Bedürfnis anderen diesen Bereich zu öffnen.

Deshalb diese Aussage vom "Anstecken".

 

Liebe Grüsse

Sabine

Link to comment
Share on other sites

Hai,

ich denke, das Sinnvollste ist das Vorbild, das man abgibt im tagtäglichen Miteinander. Das Zeugnis, das man ablegt ohne große Missionierungsversuche oder krampfhaft vor sich hergetragenem Credo. Es gibt so viele alltägliche Situationen in denen die christliche Ethik ganz andere Wege einschlägt und zu anderen Lösungen kommt, als die uns meist umgebende, kaptalistische, Einstellung. Wenn man sich im alltäglichen Umgang Mühe gibt 1.Kor 13.Kap. umzusetzen hat man zwangsläufig Fragen nach dem "Warum" zu beantworten und dann wird es interessant...

Erziehung heißt eigentlich nur uneigennützig Vorbild sein, sein und nicht scheinen...

 

 

Corinna,

weil die "Auftragslage" (seit der Zeit Jesu) immer noch heißt: "Ich will Euch zu Menschenfischern machen" und wir doch alle spätestens seit DOMINVS IESVS wissen, daß wir Katholiken Recht haben ;) ;) ;) ;) ;) ;) ;) ;) ;) ;) ;) ;) ;) ! Und wenn Du etwas Gutes (was Dir persönlich half und hilft) weiterverschenkst kann das Schlecht sein (wir reden jetzt nicht von Deinen ß-Blockern) ?

 

liebe Grüße

Link to comment
Share on other sites

Für diejenigen, die den 1. Korinther 13 nicht kennen:

 

Der erste Brief an die Korinther, Kapitel 13

Die höheren Gnadengaben - das Hohelied der Liebe

 

1 Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, / hätte aber die Liebe nicht, / wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke.

2 Und wenn ich prophetisch reden könnte / und alle Geheimnisse wüsste / und alle Erkenntnis hätte; / wenn ich alle Glaubenskraft besäße / und Berge damit versetzen könnte, / hätte aber die Liebe nicht, / wäre ich nichts.

3 Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte / und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, / hätte aber die Liebe nicht, / nützte es mir nichts.

4 Die Liebe ist langmütig, / die Liebe ist gütig. / Sie ereifert sich nicht, / sie prahlt nicht, / sie bläht sich nicht auf.

5 Sie handelt nicht ungehörig, / sucht nicht ihren Vorteil, / lässt sich nicht zum Zorn reizen, / trägt das Böse nicht nach.

6 Sie freut sich nicht über das Unrecht, / sondern freut sich an der Wahrheit.

7 Sie erträgt alles, / glaubt alles, / hofft alles, / hält allem stand.

8 Die Liebe hört niemals auf. / Prophetisches Reden hat ein Ende, / Zungenrede verstummt, / Erkenntnis vergeht.

9 Denn Stückwerk ist unser Erkennen, / Stückwerk unser prophetisches Reden;

10 wenn aber das Vollendete kommt, / vergeht alles Stückwerk.

11 Als ich ein Kind war, / redete ich wie ein Kind, / dachte wie ein Kind / und urteilte wie ein Kind. Als ich ein Mann wurde, / legte ich ab, was Kind an mir war.

12 Jetzt schauen wir in einen Spiegel / und sehen nur rätselhafte Umrisse, / dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, / dann aber werde ich durch und durch erkennen, / so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin.

13 Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; / doch am größten unter ihnen ist die Liebe.

Link to comment
Share on other sites


Zitat von Martin am 16:43 - 20.August.2001

7 Sie erträgt alles, / glaubt alles, / hofft alles, / hält allem stand.

8 Die Liebe hört niemals auf.

 

Yep. Und so solls bleiben!

Link to comment
Share on other sites

Ich halte es da auch eher mit dem "Apostolat des Seins", versuch christlich zu leben und dadurch zu überzeugen. Oft ergeben sich dadurch dann Glaubensgespräche, Menschen werden neugierig und fragen nach - und dann weiß ich dass Interesse da ist und rede auch gerne darüber. Außerdem treffe ich dann wirklich das, was den anderen gerade interessiert und welche Fragen er hat.

Und meist sind es eh´nicht die Worte, die überzeugen, sondern die Taten (was jetzt aber nicht heißt, das wir Christen uns nicht mehr zu Wort melden sollen!)

 

Liebe Grüße

Martina

Link to comment
Share on other sites

ChristianMai

Vor einigen Jahren sagte ein Jesuitenpater zu mir, ich habe eine Offenbarung erlebt. Das war zu der Zeit, als ich mich mit der Bibel beschäftigt habe. Je intensiver ich mich mit dem Christentum beschäftigte, umso kritischer wurde ich. Ich hatte viele kontroverse Diskussionen mit diesem Jesuitenpater.

 

Heute bin ich weit weg vom Christentum, freue mich aber immer wieder wenn ich sehe, wie Christen die Liebe entdecken. Diese Textpassage aus den Korinthern ist aus meiner Sicht sehr treffend.

 

Ich wünsche euch allen die Kraft, das zu leben.

 

Christian

Link to comment
Share on other sites

Es ist schon erstaunlich, dass die Menschen immer "überzeugen" wollen, begeistern wollen. Die Amerikanismen gerade in Bezug zum Glauben nehmen kein Ende! Schade eigentlich!

 

Was gibt es gegen ein Leben einzuwenden, das sich selbst dabei genügt, bestenfalls eben durchs Leben überzeugt? Sendungsbewußtsein im Christentum ist doch ein Paradoxum, wenn es nicht durchs eigene Leben bezeugt wird. Weise übers Leben reden ist natürlich eine feine Sache, aber was nutzt mir das "Vermitteln", wenn die Erfahrung eines lebendigen Gottes ausbleibt.

 

Tatsächlich glaube ich, dass wir uns -ich schliesse mich ein- mit dem ganzen Reden den Zugang zu Gott u.U. versperren. Wir versuchen uns ständig ein "Bild" zu philosophieren oder zu vermitteln, wo doch christliches Gebot ist, sich eben  k e i n  Bild zu machen. Da hat Gott wohl kaum noch Platz, oder?

Link to comment
Share on other sites


Zitat von Abgar am 13:05 - 24.August.2001

Die Amerikanismen gerade in Bezug zum Glauben nehmen kein Ende!

 

Du warst schon lange nicht mehr vom Glauben begeistert, oder?

Link to comment
Share on other sites

Es fällt mir zwar schwer, aber ich muß zugeben, daß ich mich mit Abgars BEitrag oben (ich weiß immer noch nicht, wie man zitiert) voll identifizieren kann.

 

Das viele Reden von Gott macht es mir jedenfalls immer wieder schwer, an Ihn zu glauben. Nicht nur das Reden, das ich höre (oder lese), auch das, was ich selbst von mir geben.

 

Das Blöde am aktiven Christsein ist, daß man sovielen anderen begegnet, die auch Christen sind, aber gaaanz, gaaanz anders. Und die gehen dann u.U. hin un d sagen mir:Gott will die sund das! Oder Gott ist so! und andere kommen dahe rund sagen Nein, nein, Gott ist so! Und natürlich haben sie Recht, sonst würden sie's ja nicht so laut und deutlich sagen.

Die Leute, die mir erzählt haben, daß Gott sich die Kirche genauso vorstellt, wie sie in der römisch-katholischen verwirklicht ist, können das gut begründen.

Die orthodoxen Christen, die mir sagten: ihr im Westen habt längst den wahren Glauben verloren, ihr haspelt die Eucharistie in einer Dreiviertelstunde herunter und bemüht euch kein bißchen um persönliche Heiligkeit, haben selbstverständlich Recht. Jedenfalls bich ehrlichen Gewissens nicht in der Lage, ihre Kritik als Unsinn abzutun.

Die Evangelen, die mich fragen, wie wir es denn mit der Gnade halten, wo doch soviele Werke von uns gefordert werden (sonntäglicher Kirchgang, regelmäßige Beichte, Anerkennung der Dogmen etc.), haben sie nicht REcht?

Die Freikirchler, die meckern, daß viele "Taufschein-Christen" doch ohne innere Beziehung zu Gott in die KIrche gingen, was könnte ich ihnen entgegenhalten?

 

Und jeder beruft sich auf Gott. Jeder hat einen oder mehrere Bibelverse parat, mit denen er aus der Hüfte schießt.

 

Einige drohen sogar mit dem ewigen Verderben, wenn ich nicht zugebe, daß sie und nur sie Recht haben.

 

Und dann gibt es da noch meine eigenen Erfahrungen mit Gott, die viel schweigsamer sind, die sich auch nicht einfach in missionarisches Reden übertragen lassen und die ich mir immer wieder "ausreden" lasse, weil mir so oft erzählt wurde (von verschiedenen Konfessionen), daß eine Erfahrung nur dann eine Gotteserfahrung sein kann, wenn sie irgendwie in einem Gemeindekontext stattfindet oder dorthin führt. D.h. ungefähr, Gott darf sich nur auf den Wegen einem Menschen nähern, die von irgendeiner christlichen Gemeinschaft schon markiert und begradigt worden sind.

 

Das ist - gerade zur Zeit wieder - ziemlich frustrierend für mich. Vielleicht kämen wir in der Ökumene wirklich weiter, wenn wir uns mal einfach um ein Lagerfeuer setzen und gemeinsam schweigend in die Flammen schauen würden. Aber jetzt schreibe ich wahrscheinlich unter dem Einfluß der späten Stunde...

Link to comment
Share on other sites

Lieber "Explorer",

 

Unterstellungen sind schlechte Diskussionskultur. Und begeistertes Reden von einer Sache oder einem Inhalt, sagt noch lange nichts über Wahrheitsgehalt, Aufrichtigkeit, meinetwegen sogar "Berufung" aus. Tatsächlich fühlen sich eine ganze Menge Leute unglaublich berufen, am besten sogar gleich noch "auserwählt", quasi als Licht Gottes die Begeisterung für den Glauben unter die Leute zu jubeln.

 

Aber zu Deiner Unterstellung, ich sei wohl schon lange nicht mehr "begeistert" gewesen.

 

Das Christentum ist keine Religion der "Begeisterung". Mit Rahner würde ich sogar sagen, dass das Christentum keine Religon, sondern das Göttliche selbst sei und somit u.U. etwas entrückt von menschlichen Begeisterungsstürmen. Aber ich will mich da selbst gerne zurücknehmen.

 

Tatsächlich finde ich es nicht begeisternd, wenn jemand für meine Sünden sterben muss - Jesus.

Zweitausend Jahre Streit über die Sendung Jesu begeistern mich ebenso nicht. Da wird 'ne Menge diskutiert, aber tatsächlichen Kontakt zu jenen Jesus wollen doch wirklich nur die wenigsten. Und wenn doch, dann sollte er doch wenigstens dem persönlichen Bild entsprechen. Was aber, wenn er das überhaupt gar nicht tut, ganz anders ist - wirklich ganz anders, vielleicht sogar mit Eigenschaften, die verflucht viel Angst und Sorge über das eigene Leben bereiten könnten. Der Weg ist schmal, sagte Jesus einst mahnend, während wir ihn uns breit reden - und das mit Begeisterung...

Auch mag ich nicht masturbatorisch über meine tolle Religion reden können, wenn ich mich nicht um meine Nächsten sorgen kann; alle sechs Sekunden stirbt auf dieser Welt ein Kind an Hunger - die haben wenig von Begeisterung, aber mehr davon, wenn ich meinen Hintern für sie in Bewegung setze.

 

Lieber will ich weniger begeistert reden, als mit der mir gegebenen Liebe zu Gott und zu meinen Nächsten meine Möglichkeiten nutzen. Aber auch da kann ich ja nnur hoffen, begeistert von meiner eigenen aufgeklärten Frömmigkeit nicht ganz daneben zu liegen.

 

Aber ich will wirklich nicht allzu viel quatschen - lieber den heiligen Geist ernstnehmen und nicht glauben, dass jeder Erguss meiner Gefühle oder meines Intelekts gleich gottgefällig sind, geschweige denn begeistern müssen. Uups, was schreibe ich? Nein, lieber vorsichtig sein.

 

Aber hey, es ist doch wie hier manchmal im Forum: statt gemeinsam einen Weg zu Gott zu suchen, wo es Fragen und Irritationen gibt, bemühen sich ziemlich viele andere Leute oberlehrerhaft den "einzig wahren Weg" zu verkaufen - meistens dann eben doch nur ihren eigenen... Und das ist dann "begabte", ja auserwählte Verkündigung, begeisterte Wiedergabe des Erlebten. Aber hey, wer hat Gott tatsächlich erlebt? Und tatsächlich glaube ich, geht es darum ja auch nicht. Wir haben eine Botschaft von Jesus bekommen - die berichtet von Gott, kann Mut machen, kann sogar begeistern. Vor allem sagt sie uns aber: Bleibt auf dem Boden der Tatsachen, sorgt euch mit angemessener Liebe um eure Nächsten und glaubt nicht, dass ihr die Weisheit gepachtet hättet. Aber statt einfach mal zu tun, was da an wenigen Worten gesagt wird. Wir jedes Wort auf die Waagschale geworfen, werden Ergüsse über Ergüsse von sich gegeben, besondere Gottesgaben erwartet und alle wären gerne so richtig weise.

 

Also wirklich: nein, danke! Und wenn dann wirklich mal die 'Kinder zum Herrn' wollen ("wehret ihnen nicht", sagte Jesus...), dann werden die grossen Jünger ganz nervös. Ja, ich meine diese vermeintlich einfältigen, so einfachen Geschöpfe, die der anständige Erwachsene nicht so richtig ernst nimmt. In der Mission ist's doch häufig genauso - da wird aufgeklärt, gesucht, wo die Fehler beim anderen liegen ... und dann wir "richtig gestellt" - jawoll und Amen.

 

Ach ja, und dann war da noch das Gleichnis von dem Mann, der unter die Räuber fiel. Da liefen so einige an ihm vorbei: Pharisäer usw. - tolle Redner, fromme und weise Männer, begeisterte Theologen. Geholfen hat schließlich ein heidnischer Sack aus 'ner miesen Gegend. Wenn das nicht alles sagt... :-)

 

Na ja, so oder so ähnlich, und das Leben ist manchmal ein Salamander... :-)

 

Liebe Grüsse

 

(Geändert von Abgar um 1:14 - 26.August.2001)

Link to comment
Share on other sites


Zitat von Angie am 23:06 - 25.August.2001

Vielleicht kämen wir in der Ökumene wirklich weiter, wenn wir uns mal einfach um ein Lagerfeuer setzen und gemeinsam schweigend in die Flammen schauen würden. Aber jetzt schreibe ich wahrscheinlich unter dem Einfluß der späten Stunde...

Liebe Angie,

 

Deinen Halbschlafgedanken finde ich hervorragend. Ich habe da ein sehr interessantes Buch von Halbfas "Der Sprung in den Brunnen". Es gibt Anleitungen zum Beten, und das erste Kapitel will das Schweigen beibringen. Schweigen, alle Gedanken wegnehmen und so Gott den ganzen Raum lassen. Das brächte uns, denke ich, in der Tat oft weiter als das wiederholte Austauschen jahrhundertealter Argumente, unter deren Folgen dann doch wieder Menschen zu leiden haben.

 

Viele Grüße,

Wolfgang

Link to comment
Share on other sites

Liebe Angie,

 

Deine Erfahrungen übrigens mit enthusiastischen Missionaren ist mir ebenfalls nicht fremd (das Forum ist ja gleichfalls voll davon...) . Das leidige Problem der Wahrheit, der alleinigen, und das auch noch gemessen an der Spiritualität ist ja zudem noch sehr fraglich.

 

Tatsächlich bleibt ja in jedem Kirchengebäude nur wenig Raum, seine ganz private Spiritualität zu kommunizieren - verdächtigt wird alles, und am Ende treten auch noch jene Supertheologen auf den Plan, die ebenfalls erst mal viel zu reden haben. Und die psychologische Diskreditierung sei schon mal überhaupt nicht genannt...

 

Die Waage zu halten, finde ich letztlich schwer, zumal ich meine eigene Schwermut dem Thema gegenüber nicht ganz verhehlen kann. Gebet, Erfahrung und Praxis ... und dann kommen die Einwände: innere und äussere, von einem selbst und von anderen.

 

Aber wenn jemand losgeht und seine Überzeugungskraft noch durch eine imaginäre Gotteserfahrung bekräftigen muss, dann wir mir schon einmal schwindelig. Laut 2. Testament der Christenheit hat Gott in Jesus bereits gesagt, dass er allezeit bei uns sei! Also, warum dann noch ein Mittler, der uns von seiner ganz persönlichen Sicht der Dinge überzeugen müsste? Purer Eigennutz!

 

Tatsächlich finde ich die Diskrepanz zwischen kirchlichem Lehrgebäude und privater Spiritualität gar nicht so aufreibend. Gott mag jedem Menschen unterschiedlich begegnen. Die Gebetsformen sind unterschiedlich. Menschen sind gross oder klein, stottern oder reden flüssig. Nur wir Menschen machen davon unseren Allag abhängig, was absurd und falsch ist.

 

Und am Ende muss die Frage gestellt sein: ob es überhaupt einen Gott braucht, um ein spirituelles Leben zu führen. Ich meine, nein. Die katholische Liturgie braucht Gott ja ebensowenig, um irgendwelche Lehrsätze zu verabschieden - demokratische Abstimmung über den Willen Gottes im Kardinalskolleg?! Um Himmels willen! Und obschon Jesus in hundertmillionen Hostien alltäglich gegenwärtig sein soll, ist es eben nicht gerade unmittelbar erfahrbar - kein Glanz, kein wunderliches, engelhaftes Singen im Raum, sondern nur Leute, die daran mehr oder weniger glauben.

 

Aber es ist jetzt noch früh am Tag und ich muss leider los... :-)

 

Grüsse ins Netz

Link to comment
Share on other sites

Guest Corinna


Zitat von sabine am 11:45 - 20.August.2001

 

ich bin von Natur ein sehr kommunikativer Mensch und teile meine Gedanken und meine Gefühlswelt sehr gerne mit anderen Menschen. So sage ich immer ehrlich ,wenn mich jemand nach meinem Befinden fragt, wie es mir geht. In diesem Fall habe ich auch null Angst vor den Reaktionen des Gegenüber.


So weit so gut.


Weil ich meinen Glauben an Gott als sehr hilfreich erfahre , habe ich nun auch das Bedürfnis anderen diesen Bereich zu öffnen.


Es spricht nichts dagegen, Deinem Bedürfnis nachzukommen, indem Du anderen Deinen Glaubensbereich "auf Anfrage" öffnest.

Menschen, die gleichgeartete Bedürfnisse jedoch nicht zähmen können, werden oftmals als aufdringlich erlebt (auch von mir) und erreichen damit meistens das Gegenteil dessen, was sie wollen.

 

Corinna

Link to comment
Share on other sites

Hallo Abgar, hallo Angie,

 

ich muß sagen, daß mir Eure Beiträge sehr gut gefallen haben. Auch ich denke, daß das Leben "da draußen" wesentlich entscheidender ist, als das, was wir verbal von uns geben...

 

Auch ich habe meine Zweifel, an mir, an meinem Glauben, an meiner Vergangenheit. Ich versuche, irgendwie mit meinen Gedanken "auf festen Boden zu kommen", doch gelingt mir das nicht immer.

 

Ich hoffe, mir ist gestattet, doch mit einem Bibelzitat hier zu beenden: "Denn das Reich Gottes steht nicht in Worten, sondern in Kraft. " (1 Korinther 4,20)

 

diese Kraft wünsche ich uns allen

 

Olli

Link to comment
Share on other sites

Es heißt, wir tragen Gott in unseren Herzen. Nun, dann sollten wir uns einmal die Zeit und die Ruhe nehmen, auf den Schlag unseres eigenen Herzens zu hören.

 

André

Link to comment
Share on other sites

 Share

×
×
  • Create New...