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Bestattungskultur


umusungu
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In NRW ist seit dem 1. Januar 2004 ein neues Bestattungsgesetz in Kraft. Dieses Gesetz erlaubt auch die Verstreuung der Asche eines Verstorbenen auf einem Rasenfeld eines Friedhofs.

Ich kenne eine Verstorbene, die diesen Weg für sich testamentarisch entschieden hatte. Nun sind die Angehörigen und der Pfarrer im Zweifel, wie sie sich verhalten sollen.

Was meint ihr dazu?

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Franciscus non papa

"denn staub bist du, mensch, und zum staub kehrst du zurück"

 

ich habe damit kein problem, wenn sich das jemand wünscht.

 

allerdings würde ich dem betreffenden zu lebzeiten versuchen zu erklären, dass es für die menschen, die ihn lieben, wichtig sein könnte, an seinem grab zu stehen, und dort immer wieder hinzugehen....

 

und das scheint mir das hauptproblem bei der sache zu sein. dass in einem solchen fall die menschen eben nicht zu dem verstorbenen hingehen können, bzw. an sein grab. das könnte aber auch den vorteil haben, dass sie sich viel mehr an ihn erinnern müssen, dass es eben nicht ein ort, ein grab ist, zu dem sie hingehen - sondern, dass sie wirklich den lieben menschen in sich selbst lebendig erhalten müssen, in ihrer erinnerung.

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Baumfaeller

Ich weiss, dies sind die GG, und ich bin ein Atheist - daher ist dieser Beitrag regelwidrig. Ich wuerde aber gerne, wenns erlaubt ist, die Frage ein wenig weiter oeffnen, ohne selber meine Meinung hinzuzufuegen, hoffentlich mit dem noetigen Respekt.

 

In anderen Laendern ist es so, dass die Asche beinahe ueberall verstreut werden kann. Ich kenne hier in den USA persoenlich mindestens vier Faelle, davon einen in der Familie: Im Hochgebirge fuer einen passionierten Wanderer; zweimal auf dem Pazifischen Ozean; und in einem See, an dem die Familie ein Sommerhaus hatte. Fuer die Angehoerigen hat das Verstreuen durchaus die Funktion einer Zeremonie, in der man vom koerperlichen Aspekt des Verstorbenen endgueltig Abschied nimmt (anscheinend im engsten Kreis, waehrend vor der Verbrennung die uebliche Messe oder nicht-religioese Feier stattfindet, meist im grossen Kreis).

 

Dies reicht durchaus etwas weiter, als die Regelung in NRW, wo man zumindest den Verbleib der Asche auf ein kleines Stueck Rasen eingrenzen kann; beim Verstreuen in einem Ozean ist das qualitativ anders.

 

Wie sehen Christen oder Katholiken diesen Brauch?

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Seebestattungen, bei denen die Asche nicht verstreut sondern in einer Urne zu Wasser gelassen wird, gibt es auch hier schon lange und sie werden anscheinend immer häufiger gewünscht. Der Grund, den mein Nachbar in seinem Testament dafür nannte, war, dass er keine Nachkommen hatte, die die Grabstätte hätten pflegen können. Es würde mir als Angehöriger sicher schwerfallen, aber ich würde einen solchen Wunsch akzeptieren. Etwas anderes ist das Zerstreuen der Asche auf einer Friedhofsfläche eigentlich auch nicht.

 

Trauerfeiern im Beisein des Pfarrers finden bei uns vor der Einäscherung statt.

 

Franziska

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Für den Verstorbenen macht es keinen Unterschied, ob er verbrannt, beerdigt oder verstreut wird.

 

Aber ....

 

die Angehörigen.

 

Und hier setzt m.E. die Einschätzung der verschiedenen Möglichkeiten an. Und da spielen viele Motive eine Rolle.

 

Da gibt es finanzielle Motive, ideologische Motive und vor allem soziale Motive.

 

Wenn jemand sich zerstreuen lassen will, steckt oft ein ideologisches Motiv dahinter: So seh ich den Tod: Wir gehen wieder ein ins Weltganze. Nichts anderes bleibt von uns, als eine Asche, mit der wir (vielleicht) noch ganz brauchbarer Dünger sind: Organisches Material, das im Kreislauf der Natur steht.

 

Bei Verbrennen spielen sehr oft finanzielle Gründe eine Rolle. Eine Erdbestattung ist schlichtweg sauteuer und nicht jeder kann sich das leisten.

Hinter den finanziellen Gründen stehen dann aber auch soziale Motive:

 

Es ist ja keiner da, der mein Grab pflegen könnte!

Oder tiefer: Ich bin keinem wert, nach dem Tod gepflegt zu werden.

 

Oder auch ideologisch: Es hat keinen Sinn, seine Zeit damit zu verschwenden, die Gräber von Toten zu pflegen. Der Blick muss in die Zukunft gehen.

 

Ich habe auch schon erlebt, dass sich Menschen verbrennen und anonym beerdigen ließen, weil sie ihrem Ehepartner die Trauer erleichtern wollten. Das Bild des weinenden Ehepartners am Grab, das die Wunde, die der Tod schlägt, immer wieder aufreißt.

Meiner Meinung nach ist das eine furchtbare Fehleinschätzung, auch wenn es "gut gemeint" ist.

 

In allen diesen Riten scheint die Frage sich zu spiegeln: Was bin ich mir und meinen Lieben wert?

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dr-esperanto

Oft hört man ja auch, daß Leute die Vorstellung "schrecklich" finden, in einem Sarg langsam von Maden und Würmern zerfressen zu werden. Außerdem ist ein Sarg teurer als eine Urne, und ein Grab muß man pflegen oder gegen Bezahlung pflegen lassen. Ich werde da das Gefühl nicht los, daß der postmoderne Mensch mit dem Tod nicht mehr klarkommt.......und entsprechend wenig darin investiert, halt nur das Nötigste. Vollkommen krank, diese Gesellschaft....

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Ich habe in der Schweiz mal eine Frau getroffen die mit der Urne ihres Mannes umherreiste. Sie hatte zusammen mit ihrem Mann schon die ganze Welt bereist, und vertreute nun nach seinem Tod seine Asche an all den Orten wo sie zusammen glücklich waren.

Also IMHO sollte das jeder so machen wie er will.

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Außerdem ist ein Sarg teurer als eine Urne, und ein Grab muß man pflegen oder gegen Bezahlung pflegen lassen.

Ich war mal mit einem Bestattungsunternehmer befreundet - der wusste zu berichten, dass man nur mit Sarg eingeäschert wird. Und dann kommt zu den Sargkosten auch noch der Preis der Urne hinzu. Seinerzeit war es auch (NRW - 80er) Vorschrift, dass die Urnen erdbestattet wurden - die Grabpflege hatte man dann ebenfalls - nur auf kleinerer Fläche. Aber da hat inzwischen wohl jedes Kaff seine eigenen Vorschriften ...

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Ich glaube, ein Grund, die Asche an Angehörige nicht auszuhändigen ist, daß man damit rein theoretisch Unsinn getrieben könnte. Die Asche könnte man den Klo runterspülen, oder auch Okkultismus und Totenbeschwörung machen....

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Und wenn das Letztere sich nicht gebührt, dann ist das, was man mit den Leichen in Körperwelten macht, eine reinste Leichenschänderei...

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dr-esperanto
Außerdem ist ein Sarg teurer als eine Urne, und ein Grab muß man pflegen oder gegen Bezahlung pflegen lassen.

Ich war mal mit einem Bestattungsunternehmer befreundet - der wusste zu berichten, dass man nur mit Sarg eingeäschert wird. Und dann kommt zu den Sargkosten auch noch der Preis der Urne hinzu. Seinerzeit war es auch (NRW - 80er) Vorschrift, dass die Urnen erdbestattet wurden - die Grabpflege hatte man dann ebenfalls - nur auf kleinerer Fläche. Aber da hat inzwischen wohl jedes Kaff seine eigenen Vorschriften ...

Also dann wäre in den 80ern eine Urnenbestattung teurer als eine Sargbestattung gewesen? Ich kenne mich ja nun mit Bestattungen eigentlich nicht so aus, aber ich meine doch, gehört zu haben, daß Urnenbestattung viel billiger als Sarg ist.

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Die Bestattungskosten ergeben sich nicht nur aus dem Sarg- und Urnenpreis. Urnengräber sind kleiner und vor allem leichter so gestaltbar, dass kaum Folgekosten entstehen.

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Außerdem gilt streng die Rechnung:

 

Preis des Sarges

plus Preis des Blumenschmucks

plus Preis der musikalischen Beerdigungsgestaltung

_________________________________________

gleich Liebe der Angehörigen.

 

 

 

Das ist wie bei Ehen, die ja auch um so länger halten, desto aufwendiger die Hochzeit gestaltet wurde.

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dr-esperanto

Gerade lese ich in der "JUNGEN FREIHEIT" (2.Apr.04,S.17) unter dem bezeichnenden Titel "Leben verlängert, Ewigkeit verloren": "Der Trend geht zum kleinen Urnengrab und zur anonymen Bestattung auf Gemeinschaftsgrabflächen. Maßgeblich verantwortlich für diese Entwicklung, so führt Stefan Orth in der Herder-Korrespondenz (3/04) aus, sei das offenbar unaufhaltsame "Schwinden einer christlichen Trauer- und Bestattungskultur". Allein im immer atheistischer werdenden Berlin sank die Zahl der Beerdigung mit christlicher Beteiligung im kurzen Zeitraum von 2000 bis 2002 von ohnehin nur noch 40 auf 35%. In ganz Deutschland würden von jährlich 800000 Bestatteten nur noch die Hälfte "traditionell" beigesetzt. Zumal in der ökonomischen Dauerkrise auch am Ende des Lebens "Sparen angesagt" sei. Daraus erklärt sich die Favorisierung der preiswerten Feuerbestattung. 1950 nur 7,5% Urnenbestattung, heute 40%. Das kommt einer Kulturrevolution gleich, was sich auch nach Abschluß eines Forschungsprojekts der "AG Friedhof und Denkmal" bestätigt (www.sepulkralmuseum.de). DIE ENTWERTUNG DES LEICHNAMS SEI EIN STARKES INDIZ FÜR DIE RADIKALE VERDIESSEITIGUNG DES MENSCHLICHEN SELBSTVERSTÄNDNISSES."

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