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Ein Kreuzweg


Erich
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I   JESUS WIRD ZUM T0D VERURTEILT

 

 

Herr, es ist zu spät, um zu schweigen, Du hast zuviel geredet; es ist zu spät, um nachzugeben, Du hast zuviel gekämpft. warst auch nicht vernünftig, Du hast übertrieben, da mußte es so kommen.

 

Du hast die anständigen Leute Natterngezücht genannt,

Du hast ihnen gesagt, ihr Herz wäre ein finsteres Grab unter einer schönen Außenseite,

Du hast die eitrigen Aussätzigen umarmt,

Du hast die Unverschämtheit gehabt, mit gemeinen Fremdlingen zu reden, hast mit öffentlichen Sündern gegessen und hast gesagt, daß die Straßenmädchen die Ersten im Paradiese sein werden,

Du hast Gefallen gefunden an den Armen, den Verlausten, den Verkrüppelten,

Du hast rituellen Vorschriften ungenau beobachtet,

Du wolltest das Gesetz auslegen und es auf ein einziges kleines Gebot zurückführen: auf die Liebe.

 

Jetzt rächen sie sich.

 

Sie haben Schritte gegen Dich unternommen, sie haben Dich angezeigt, und die Maßnahmen werden bald folgen.

 

 

Du Herr, ich weiß, ich werde verurteilt werden, wenn ich versuche, wenigstens in etwa wie Du zu leben.

 

Ich habe Angst.

 

Man zeigt schon mit Fingern auf mich, einige lächeln, andere belustigen sich, wieder andere nehmen

Ärgernis, und die meisten meiner Freunde sind schon so weit, mich zu verraten.

 

Ich habe Angst, auf dem Wege stehenzubleiben, Ich habe Angst, auf die Weisheit der Menschen zu hören.

Sie flüstert: Man muß schön langsam vorangehen, darf nicht alles so buchstäblich nehmen, es ist gescheiter, mit dem Gegner zu verhandeln

 

Und dennoch, Herr, weiß ich, daß Du recht hast.

 

Hilf mir kämpfen,

 

Hilf mir reden,

 

Hilf mir, nach Deinem Evangelium zu leben,

 

Bis ans Ende,

Bis zur Torheit,

Bis zur Torheit des Kreuzes.

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II.   JESUS NIMMT DAS KREUZ AUF SEINE SCHULTERN

 

 

Herr, da ist Dein Kreuz.

 

Dein Kreuz, als ob es wirklich Dein Kreuz wäre!

Du hattest keines, Du bist die unseren suchen gekommen, und Dein ganzes Leben lang, den ganzen Weg Deines Leidens hast Du die Sünden der ganzen Welt  eine um die andere auf Dich genommen.

 

Gehe nun,

Und beuge Dich,

Und leide.

 

Aber gehe vorwärts,

Das Kreuz muß getragen werden.

 

 

Herr, Du machst Deinen Weg schweigsam; ist es also wahr, daß es eine Zeit gibt für das Reden und eine andere für das Schweigen?

 

Ist es wahr, daß es eine Zeit zum Kämpfen gibt und eine andere, in der man es auf sich nehmen muß, schweigend die eigenen Sünden und die Sünden der Welt zu tragen?

 

Herr, ich möchte mich lieber mit dem Kreuze herumschlagen; aber es tragen müssen ist hart, und je weiter ich voranschreite, um so mehr sehe ich das Böse in der Welt, um so schwerer lastet das Kreuz auf meiner Schulter.

 

Herr, hilf mir begreifen, daß die edelmütigste Tat nichts ist, wenn sie nicht zur gleichen Zeit schweigende Erlösung ist;

Und weil Du für mich diesen langen Kreuzweg gewollt hast, Hilf mir, ihn an jedem Morgen neu zu beginnen.

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III.    JESUS FÄLLT ZUM ERSTEN MALE UNTER DEM KREUZ

 

 

Er ist niedergefallen.

Einen Augenblick hat er wie ein Betrunkener geschwankt, und dann ist er zusammengebrochen.

Gott liegt im Staub.

 

 

Herr, so habe ich mich, Dir folgend, voll Vertrauen auf den Weg gemacht, und siehe, schon bin ich gefallen.

Ich glaubte, ich hätte mich endgültig an Dich verschenkt; aber dann habe ich auf einem Seitenpfad eine Blume gesehen, die zum Pflücken lockte.

 

Ich habe Dich verlassen, ich habe das hindernde Kreuz gelassen; nun stehe ich abseits vom Wege, und mein ganzer Reichtum sind ein paar welke Blumenblätter und meine Einsamkeit.

 

Und die andern, Herr, gehen erschöpft und ermattet auf dem Wege vorüber.

 

Und die Kreuze stehen bereit, und die Rücken krümmen sich. Ich bin nicht mehr da, um gegen das Böse zu kämpfen und den Menschen ihre Last tragen zu helfen;

 

Ich bin abseits vom Wege.

 

Herr, gib mir, daß ich nicht nur in Deiner Gefolgschaft aufbreche, sondern daß ich auch in Deiner Gefolgschaft bleibe.

Hilf mir, diese bestürzenden Fehler zu vermeiden, die mich stumpfsinnig und leer lassen, weit von Deinem Bauplatz, auf dem die Welt erbaut wird.

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Lieber Erich!

 

Schön, wieder was von Dir zu lesen!

 

"Ist es wahr, daß es eine Zeit zum Kämpfen gibt und eine andere, in der man es auf sich nehmen muß, schweigend die eigenen Sünden und die Sünden der Welt zu tragen?"

 

Ich bin noch beim ersten Teil - da ist keine Quellenangabe.

Falls der oben zitierte Satz von Dir stammt: Allen Respekt. Ich sehe so viele hysterisch reagierende Menschen, die hysterisch weiterkämpfen, wo schon längst das Kämpfen sinnlos ist, und es an der Zeit wäre, mal was auszuhalten.

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Hi Mecky,

 

der Text ist aus dem Buch "Herr da bin ich" von M. Quist

 

Gruß

Erich

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Franciscus non papa


Zitat von Erich am 10:51 - 11.April.2001

Hi Mecky,

 

der Text ist aus dem Buch "Herr da bin ich" von M. Quist

 

Gruß

Erich

 

kleine berichtigung: Michel Quoist - Herr da bin ich

 

meine Ausgabe: 1967 styria Graz Wien Köln

 

gruss

 

franz-josef

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lieber franz-josef,

 

danke für die Korrektur, kenne das Buch seit 1968 - ging dann verloren - neulich neu gekauft:

 

Herr da bin ich

Gebete

Quoist, Michel;

ISBN 3-222-10520-0, Styria, 1997,  24,80 DM

 

 

Alles Gute

Erich

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Hallo Erich,

schön wieder von Dir zu hören und danke für den Kreuzweg. Das Buch "Herr da bin ich",  habe ich mal verliehen und nicht zurückbekommen. Es war dann im Handel vergriffen. Ich werde es mir wieder zulegen.

 

Es grüßt dich aus deiner Heimat

 

Anna

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Danke, Erich, für den Kreuzweg.

Ich werde ihn ausdrucken und heute abend beten.

 

Liebe Grüsse

Angelika

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