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Wider die Banalität im Gottesdienst


Martin
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(Kardinal Ratzinger, Quelle: Radio Vatikan) Er sehe dabei vor allem zwei Stränge: "Das eine, dass man Liturgie zu sehr als Belehrung aufgefasst hat und mit einem Redeschwall auch überfrachtet hat, nicht in allen Ländern gleich, aber doch in vielen Ländern, die Pfarrer nun glaubten, das, was sie sagen, ist interessanter als die alten liturgischen Texte. Dieses Übermaß an Rede und Belehrung, das dann gar nicht immer sehr tief sein kann, oft auch banal und oberflächlich ist... Damit verbunden ist dann das zweite, dass man gedacht hat, die große Liturgie der gemeinsamen Riten in der Kirche, die ist uns so weit weg und fremd, wir müssen sie lieber selber machen – und dieser Drang zum Selbermachen hat erstens dann die innere Einheit der Kirche verdünnt und hat auch die Größe der Liturgie herunter geschraubt und ins Banale gedrückt."

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Ich sei, gewährt mit die Bitte, in eurem Bunde der Dritte.

 

Ich habe noch nie viel von meditativem Teelichtgeschreite um den Altar gehalten...

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Und jetzt holt den Text mal bitte ins wirkliche Leben.

 

Was gibt Euch die Liturgie?

 

Wie kann man andere von dem Sinn und Nutzen, den man aus ihr ziehen kann überzeugen?

 

Wie begeistert man eine eingefahrene Gemeinde wieder für etwas neues bzw. wiederentdecktes?

 

Liebe Grüße

 

Flo

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Und jetzt holt den Text mal bitte ins wirkliche Leben.

Ach, der Text steht doch so sehr mitten im wirklichen Leben.

Lieber möchte ich mich noch in den obigen Bund mit hineinhängen.

 

Gruss

Ziska

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(Kardinal Ratzinger, Quelle: Radio Vatikan) Er sehe dabei vor allem zwei Stränge: "Das eine, dass man Liturgie zu sehr als Belehrung aufgefasst hat und mit einem Redeschwall auch überfrachtet hat, nicht in allen Ländern gleich, aber doch in vielen Ländern, die Pfarrer nun glaubten, das, was sie sagen, ist interessanter als die alten liturgischen Texte. Dieses Übermaß an Rede und Belehrung, das dann gar nicht immer sehr tief sein kann, oft auch banal und oberflächlich ist... Damit verbunden ist dann das zweite, dass man gedacht hat, die große Liturgie der gemeinsamen Riten in der Kirche, die ist uns so weit weg und fremd, wir müssen sie lieber selber machen – und dieser Drang zum Selbermachen hat erstens dann die innere Einheit der Kirche verdünnt und hat auch die Größe der Liturgie herunter geschraubt und ins Banale gedrückt."

Lieber Martin,

 

es ist sicher etwas Wahres dran. Es verkennt aber die positiven Elemente der beiden Kritikpunkte.

 

1. Wir leben in einer Zeit in der, ob wir es wollen oder nicht, mehr erklärt wird und mehr Erklärungen verlangt werden. Fehlende Glaubwürdigkeit hat eher etwas mit zu wenig Erklärungen durch die Geistlichkeit zu tun. Richtig ist, dass längere Predigten häufig nichts mit besseren Erklärungen zu tun haben. Die erhält man nach meiner Erfahrung eher in der kath. Erwachsenbildung oder in theologischen Vorlesungen auf der Universität.

 

2. Das Selbermachen hat die Gläubigen zu mehr Aktivität und Selbständigkeit geführt, die im Zeichen des Priestermangels dringend nötig ist. Gegen individuelle Unterschiede in der Liturgie ist ebenfalls nichts zu sagen, da sie zum Nachdenken anstoßen, und die Personalität als wesentlichen Aspekt des Glaubens deutlicher machen. Nicht in der stromlinienförmigen Einfalt, sondern in der Vielfalt liegt nach heutigen Untersuchungen die Kraft und Ausdauer einer jeglichen gesellschaftlichen Bewegung, wozu letztlich auch die Kirchen gehören.

Wenn Einheit stiftende Teile der Liturgie erhalten bleiben und damit zusätzlichen Sinn und Symbolkraft erlangen, kann m.E. die Vielfalt in anderen Teilen durchaus verkraftet werden.

 

Mit freundlichen Grüßen

vom Zwilling

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Wenn in einer Kindermesse sich eine Meditation auf die sinnliche Erfahrung eines Zweiges beschränkt, dann ist das schon sehr oberflächlich.

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Lieber Zwilling,

 

ich habe deinen berechtigten Einwand am deutlichsten in der Jugendarbeit erfahren. iIh beutreue Firmgruppen als Katechet und manchmal halten diese Gruppen auch über die Firmung hinaus. Und dann erfährt man so allerhand vom Empfinden eines Gottesdienstes z.B. durch Jugendliche. Langweilig, besonders die Eucharistiefeier. Ist doch immer das Gleiche. Aus dem Wortgottesdienst könne man ja noch etwas machen, aber ... .

 

Ich habe mit dem Jugendpfarrer darüber gesprochen und er meinte, das sein ein großes Zeichen von Vertrauen, dass wir so offen darüber sprechen. Nicht mit kirchlich fernstehenden Jugendlichen, sondern mit Jugendlichen, die aktiv am Gemeindeleben teilnehmen. Jugendliche seinen sehr Event-orientiert. Und die Herausforderung ist es, das richtige Gleichgewicht zu finden zwischen ihrem Bedürfnis, ihren Empfindungen und dem, was der Gottesdienst sagen kann.

 

Mir selbst geht es so, dass ich mittlerweile einen roten Faden habe, dem ich durch den Gottesdienst folge. Ich habe keine Zeitempfinden mehr mit Blick auf die Uhr, keine Langeweile, sondern bin einfach nur da und damit angekommen. Es ist ein Weg der Wandlung, den ich jedesmal neu aktiv mitgehe. Und dabei schätze ich dann Zeiten der Stille im Gottesdienst. Schade für mich, dass nach den Lesungen sofort gesungen wird, dass es keine Stille nach der Predigt gibt, nach der Eucharistiefeier, vor dem Segen nicht ebenfalls einfach nur Stille herrscht. Für ein paar Minuten nur, zwei oder drei würden ja schon reichen.

 

Herzliche Grüße

Martin

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ich habe deinen berechtigten Einwand am deutlichsten in der Jugendarbeit erfahren.

 

Jugendliche seinen sehr Event-orientiert.

 

Und dabei schätze ich dann Zeiten der Stille im Gottesdienst. Schade für mich, dass nach den Lesungen sofort gesungen wird, dass es keine Stille nach der Predigt gibt, nach der Eucharistiefeier, vor dem Segen nicht ebenfalls einfach nur Stille herrscht. Für ein paar Minuten nur, zwei oder drei würden ja schon reichen.

Mir scheint, dass ein Hochamt ein Event sein kann.

 

Das gilt selbst für Jugendliche, wenn auch nicht unbedingt für alle.

 

Gerade ausufernde Stille dürfte nicht nur für viele Jugendliche, sondern auch für manchen Erwachsenen eine Belastung sein.

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Peter Esser
Das Selbermachen hat die Gläubigen zu mehr Aktivität und Selbständigkeit geführt, die im Zeichen des Priestermangels dringend nötig ist.

 

Ja … und nein.

 

Der «Priestermangel» ist meines Erachtens kein Zeichen, dass isoliert und für sich im Raum steht, sondern ein Symptom für eine Unfähigkeit zu feiern … im weitesten Sinn.

 

«Uns» erscheint doch die Priesterfigur mehr und mehr als ein anachronistisches Überbleibsel, eine zwar dekorative, aber im Sinne eines nachmodernen Gemeindeverständnisses eher verzichtbare Figur.

 

Die Ebene des Liturgie befindet sich meiner Ansicht nach in der Krise; Gottesdienst muss was bringen, es muss eine Botschaft, ein Thema »rübergebracht» werden.

 

Von der «aktiven Teilnahme der Gläubigen» profitiere ich auch – um nichts möchte ich sie missen. Aber gleichzeitig plädiere ich dafür die priesterliche Dimension der Kirche wiederzuentdecken.

 

«Gott ist gegenwärtig, alles in uns schweige / Und sich innigst vor ihm beuge.»

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Peter Esser

Nicht unbedingt, Martin. Es steht ja nirgendwo geschrieben, dass Liturgie langweilig sein soll.

 

Und die Marienvesper in der Dresdener Hofkirche mit Taufgedächtnis war – zumindest für mich – ziemlich «eventig», ohne zu zerstreuen.

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Lieber Peter.

 

es gibt wohl nicht mehr DIE Antwort, so wie es in der Vergangenheit üblich war. Es gibt verschiedene Wege. Wir müssen nur lernen, damit umzugehen und sie korrekt zu kommunizieren. Mir geht es so, dass ich in einem vergleichsweise stillen und schlichten Gottesdienst sehr zu Hause bin, schätze aber auch die geradezu überbordenden Ponitfikal-Hochämter im Dom mit Bischof (mit Riesenchor und Orchester - und den "Zuschauern" die sich dann einfinden und sich beim Kyrie setzen, weil sie jetzt ja Musik hören), und die Jugendmessen mit NGL und "gestaltetem" Wortgottesdienstteil, mit Beamer und allem Schnickschnack (und arbeite auch noch an der Vorbereitung mit).

 

Herzliche Grüße

Martin

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Justin Cognito

Durch die Vielzahl von Liturgien ist wohl auch eine Vielzahl von Formen möglich. Bei der Eucharistiefeier bin ich jedoch auch um eine gewisse vertraute Form froh - die mich auch immer wieder die Einheit der Kirche erleben lässt. Aber bei anderen Formen der Liturgie hat eine gewisse Experimentierfreude durchaus etwas reizvolles. Man kommt ohnehin schnell drauf was für die konkrete Gemeinde (bzw auch für einen selber) passt und was nicht .....

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Justin Cognito

Womit ich Schwierigkeiten habe ist wenn bei einem Gottesdienst zuviel erklärt wird. Das unterbricht für mich den Gottesdienst gewaltig. Andererseits sind natürlich nicht alle Symbole selbsterklärend - vor allem für Menschen die keinerlei religiöse Sozialisation mehr haben. Aber ob das unbedingt im Gottesdienst passieren muss .....

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Besser finde ich, wenn die Liturgie auch dem noch nicht religiös integrierten das Geheimnis Gottes und seiner Heilsökonomie quasi aus sich heraus nahebringt:

 

Viertes Hochgebet

 

(Präfation)

In Wahrheit ist es würdig,

dir zu danken, heiliger Vater.

Es ist recht, dich zu preisen.

Denn du allein

bist der lebendige und wahre Gott.

Du bist vor den Zeiten und lebst in Ewigkeit.

Du wohnst in unzugänglichem Lichte.

Alles hast du erschaffen,

denn du bist die Liebe

und der Ursprung des Lebens.

Du erfüllst deine Geschöpfe mit Segen

und erfreust sie alle

mit dem Glanz deines Lichtes.

Vor dir stehen die Scharen der Engel

und schauen dein Angesicht.

Sie dienen dir Tag und Nacht,

nie endet ihr Lobgesang.

Mit ihnen preisen auch wir deinen Namen,

durch unseren Mund rühmen dich alle Geschöpfe

und künden voll Freude

das Lob deiner Herrlichkeit...

 

Wozu also in der Liturgie die Neue Geschwätzigkeit?

Edited by overkott
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Wozu also in der Liturgie die Neue Geschwätzigkeit?

Diese scheint mir aber auch ein gern wiederholter Begriff zu sein, der in der Wirklichkeit so nicht vorkommt.

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