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Darf man nicht mehr eingeladen werden?


jouaux

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Was regt sich die Bild-Zeitung denn auf?

 

Eine Bank läd einen Bänker zu einer Feier ein und bezahlt dessen Aufenthalt?

 

Darf ich jetzt keine Einladungen mehr annehmen?

 

Bin ich als "Esser" deshalb schon korrupt?

 

fragt Rolf

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Welteke ist Präsident der Bundesbank und kein einfacher Privatbänker.

 

Die "Silvestereinladung" hat sich nicht nur auf ihn und seine Frau, sondern auch noch auf seinen Sohn und dessen Freundin bezogen.

 

Alles in Allem hat die kleine Silvesterfeier für die 4 Personen 8200,- Euros gekostet.

 

Du kannst dich also ruhig mal wieder von Geschäftspartnern zum Essen einladen lassen. Da geht es ja selten um mehr als 100 Euros.

 

Werner

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ich werde auch oft eingeladen, Rolf. Wenn ich meine ganze Familie mitnehmen würde und das bezahlt bekäme, hätte der Steuerprüfer Festtag.

 

Gegen die Annahme der Einladung von Herrn Weldeke selbst ist sicher nichts zu sagen - er scheint allerdings nicht nur seine Familie mit einquartiert zu haben, sondern auch aus privaten Gründen länger geblieben zu sein als nötig. Das erkennt kein Finanzamt an.

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Der Betrag selbst spielt da übrigens eine untergeordnete Rolle - entscheidend ist der geschäftliche Anlass.

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In den USA heißt eine geschäftliche Einladung in ein Restaurant nicht, daß man dann unbedingt sein Essen bezahlt bekommt. Die steuerlichen Absetzungsmöglichkeiten dieser gesellschaftlichen Events sind nicht so paradiesisch wie bei uns.

 

Wie allerdings die letzten großen Schmiergeld-Skandale beweisen, hält das die Firmen nicht davon ab, einen genehmen Präsidentschaftskandidaten schamlos zu unterstützen. Da wird abgewogen zwischen dem steuerlichen und dem politischen Nutzen einer Parteispende.

 

Aber das ist auch eine andere Liga, als die des Bundesbankpräsidenten. Trotzdem finde ich, daß man "Aufwendungen für Bewirtung" ersatzlos aus den absetzbaren Kosten streichen sollte. immerhin ist das nach meiner Info noch zu 80 % bei uns möglich.

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Na ja,

 

ganz so einfach ist das heute nicht mehr. Die Steuergesetzgebung ist hier wesentlich restriktiver geworden. So gibt es Obergrenzen für die Aufwendeungen, die so im Bereich von 100 Euro pro Person liegen dürften. Außerdem muss man Namen und Adresse der bewirteten Personen angeben.

Handelt es sich um ein regelrechtes Geschäftsessen, muss die Agenda hinzugefügt und dargelegt werden, warum man sich nicht hatte anderweitig treffen können,

 

viele Grüße,

 

Matthias

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In § 4 Abs. 5 Nr. 2 steht bei Bewirtung etwas von "angemessener Höhe", kein fester Betrag, der nicht überschritten werden darf. Übrigens beträgt der abzugsfähige Teil nur noch 70 % der Gesamtaufwendungen.

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Zumal die Bundesbank ja einen Teil der Bankenaufsicht wahrnimmt...

.....und zumal es wieder einmal den Satz bestätigen würde:

"Wasser predigen, aber Wein saufen! " Anders ausgedrückt: Es werden hier falsche Signale an diejenigen ausgesendet, die von den anstehenden Kürzungen im Sozialbereich wirklich betroffen sind.

 

Es sind doch immer wieder die sozial Privilegierten, die Kürzungen fordern und denjenigen, die ihren Brotbelag (Wurst,Käse,..) verteidigen, "Besitzstandwahrung" vorwerfen, wie man u.a. in der Politik immer wieder sieht, besonders z.Z. bei den EU-Parlamentariern. Ein ähnlich falsches Signal senden die Manager im Mannesmann-Prozess aus, die schon zu Verhandlungsbeginn mit 'Victory-Zeichen' die Verhandlungsräume betraten. Entente cordiale zwischen $ und §, hahaha.

 

Ein Trainer, der seinen Spielern das "Nachtleben" untersagt, aber selbst zum Training im offenen Cabriolet erscheint, mit Goldkettchen behangen, an seiner Seite zwei flotte 'Miezen' und einen Kasten Champus unterm Arm, würde wahrscheinlich sofort einen A...tritt bekommen. In Politik und Wirtschaft jedoch

scheint sich zur Zeit so etwas wie 'Stillosigkeit' und 'lässiger Wohlstands-Punk' als kommender Modetrend durchzusetzen: Haute Couture der Plutokratie.

 

 

()

Edited by Tso Wang
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Trotzdem finde ich, daß man "Aufwendungen für Bewirtung" ersatzlos aus den absetzbaren Kosten streichen sollte.

Das finde ich überhaupt nicht in Ordnung - Wirtschaft findet ja nun auch in einem kulturellen Umfeld statt.

 

Wenn eine Firma beispielsweise ihre Kunden zu einer ganztägigen Produktpräsentation einlädt, wüßte ich nicht, warum man da nix zu essen anbieten sollte.

 

Zudem weiß ich aus eigener Erfahrung, daß man bestimmte Dinge beim Essen viel besser besprechen kann als am Konferenztisch - das ist einfach so (mit Japanern könnte man sonst eigentlich gar keine Geschäfte machen). Gegen eine vernünftige Obergrenze hätte ich dagegen gar nix - man muß nicht ne Flasch Wein für 1000 Euro auf Firmenkosten trinken.

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Zudem weiß ich aus eigener Erfahrung, daß man bestimmte Dinge beim Essen viel besser besprechen kann als am Konferenztisch - das ist einfach so (mit Japanern könnte man sonst eigentlich gar keine Geschäfte machen). Gegen eine vernünftige Obergrenze hätte ich dagegen gar nix - man muß nicht ne Flasch Wein für 1000 Euro auf Firmenkosten trinken.

Da habe ich ja auch gar nichts gegen gesagt, ich habe zwar noch nicht viel mit Japanern verhandelt, dafür ein paar Erfahrungen in den USA gesammelt. Meine geschäftlichen Kontaktpersonen reagierten jedenfalls auf diese deutsche Steuerregelung etwas verwundert.

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Nachdem die Geldpolitik im Wesentlichen nur noch von der EZB wargenommen wird, ist eine der Hauptaufgaben der Bundesbank die Bankenaufsicht, also auch die Kontrolle über die Dresdner Bank.

 

Jedem Beamter der Bundesbank hätte ein beamtenrechtliches Verfahren an den Hals bekommen - siehe Artikel in der FAZ.

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Nachdem die Geldpolitik im Wesentlichen nur noch von der EZB wargenommen wird, ist eine der Hauptaufgaben der Bundesbank die Bankenaufsicht, also auch die Kontrolle über die Dresdner Bank.

 

Jedem Beamter der Bundesbank hätte ein beamtenrechtliches Verfahren an den Hals bekommen - siehe Artikel in der FAZ.

That's the point: Der Gastwirt lädt die Gewerbeaufsicht ein, der Metzger das Lebensmittelamt, die Dresdner Bank den Bankenaufsichtspräsidenten - das Ganze ist nicht erst dann ein Problem, wenn die Mafia den Polizeipräsidenten einlädt, sondern auch schon auf den Stufen vorher!

 

Ciao - Inge

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Die Blöd-Zeitung hat es grad nötig. So oft wie der Chef von Bild Hamburg Ole von Beust einlädt.

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Die Blöd-Zeitung hat es grad nötig. So oft wie der Chef von Bild Hamburg Ole von Beust einlädt.

Ole ist nicht die Kontrollinstanz der Blödzeitung. Vergleichbar wäre der Fall, wenn die Blödzeitung den Vorsitzenden des Deutschen Presserates einlädt.

 

*StetszuDiensten*

 

Ciao - Inge

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Mein Einwand war auch etwas weiter gefasst. Ein Presseorgan daß derartig viel Unsinn verbreitet, hetzt, aufwiegelt, verleumdet und vor allem verblödet, sollte gefälligst schweigen.

Wenn die ihre Maßstäbe für Andere bei sich selbst anlegen würden, hätten sie die Arbeit längst eingestellt.

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Jetzt kapiere ich:

 

Wenn der Polizeipräsident die Mafiosos zu einem Essen einläd ist das OK, aber wenn die Mafiosos den Polizeipräsidenten zu Tisch bitten ist das ein Fall für die Volksseele.

 

Also muß ich bei der nächsten Einladung darauf achten ob ich oder die Einladenden die Abhängigen sind.

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Richtig, Rolf. Es ist ein Unterschied, ob ein Mensch oder ein Hähnchen im "Wienerwald" zum Essen eingladen wird.

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Richtig, Rolf. Es ist ein Unterschied, ob ein Mensch oder ein Hähnchen im "Wienerwald" zum Essen eingladen wird.

Solange das Händl nicht durch "das grüne Band der Sympathie" stranguliert wurde wie weiland Friedrich Jahn durch die Banken.

 

haehnchen.jpg

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Und wenn er doch nur geschwiegen hätte ...

 

Ich habe gestern ausschnitte aus dem Tagesthemen-Interview bei WDR2 gehört.

 

Für wie blöd hält der die Bevölkerung eigentlich?

 

"[...] Wenn ich gewußt hätte, wieviel mein Aufenthalt hier kostet dann hätte ich mir SEBSTVERSTÄNDLICH eine andere Unterkunft besorgt [...]"

 

Der Mann war im Adlon - fast jeder kennt die Preise aus irgendeiner Doku.

 

Und DEN Tag möchte ich erleben, an dem man in desen Kreisen unter den gebotenen Umständen freiwillig eine Klasse niedriger logiert

(mal davon abgesehen, dass mir niemand erzählen kann, dass man nicht "rein zufällig" mal auf die Preise gespinxt hat - man will doch wissen wo der eigene "Marktwert" liegt)

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Für wie blöd hält der die Bevölkerung eigentlich?

 

"[...] Wenn ich gewußt hätte, wieviel mein Aufenthalt hier kostet dann hätte ich mir SEBSTVERSTÄNDLICH eine andere Unterkunft besorgt [...]"

Und dass er neben der Ehefrau noch die Kinder und der Freund der Tochter mitbringt und noch drei Tage privat dranhängt - das wäre auch bei 100 € pro Übernachtung nicht ok, sich dies durch einen bezahlen zu lassen, den man zu beaufsichtigen hat.

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Jetzt kapiere ich:
Ich fürchte, noch nicht!

 

Wenn der Polizeipräsident die Mafiosos zu einem Essen einläd ist das OK
Passiert nur nie. Warum sollte er?

 

aber wenn die Mafiosos den Polizeipräsidenten zu Tisch bitten ist das ein Fall für die Volksseele.
Das ist der Skandalfall: Die staatlichen Stellen, die für fairplay zu sorgen haben, werden korrumpiert und biegen das fairplay anschließend ein bisschen im Sinne des Einladenden.

 

Schon der böse Anschein ist zu vermeiden, deshalb muss jeder einfache Beamte sich schon das Fläschchen Wein zu Weihnachten vom Vorgesetzten genehmigen lassen. Wie wollen wir diese Moral weiter rechtfertigen, wenn ein Welteke davon ausgenommen ist?

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Hi Inge, Tso Wang,

 

Wohlstands-Punk trifft es wirklich sehr gut. Der moralische Vorsprung des Kommunismus ist weg. Jeder, der rechnen kann, erkennt die Sollbruchstellen in den Solidarkassen. Was übrig bleibt ist ein mehr oder immer weniger offenes rette sich wer kann und nach mir die Sintflut.

 

Allein die Beraterverträge in NRW bewegen sich jährlich um die 100 Millionen € herum. Eine Sicherheit über die gewährte Zeit am Fleischtopf hinaus nimmt niemand mehr wahr und Erfolg ist nur noch in Euro zu beziffern. Ich kriege eine Bewerbung auf eine Stelle als kaufmännische Angestellte mit den Interessengebieten:

 

Reiten, Trompete spielen, englische Litaratur.

 

Noch sehe ich keinen Weg aus dieser Krise, nur die eigenen Chancen steigen.

 

Gruss, Martin

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He did it again!

 

Bezahlt hat - mit Ausnahme der Flüge - der Münchner Konzern, der selbst ein Geldinstitut unterhält und damit letztlich ebenfalls der Kontrolle der Bundesbank untersteht.

 

Und es ist gut, dass solche Leute letztlich gehen müssen, wenn sie auffliegen - sonst sollten wir die zugrundeliegende Regel ehrlicherweise gleich streichen und unser System auf offener Korruption aufbauen.

 

Ciao - Inge

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