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Kurze naive Frage


Cabral
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Hallo,

 

ich hab ne Frage von der ich immer dachte, das ich die Antwort kenne. Beim genaueren betrachten fählt mir aber auf das ich sie garnicht weiß.

 

Warum verhindert Gott kein Leid???

 

 

Ich brauch die Antwort für eine Hausaufgabe, konkret geht es um die Hungersnot in Irland.

 

 

Ich bräuchte noch heute eine Antwort weil ich mal wieder die Hausaufgaben im letzen Moment mache :blink:

 

Vielen Dank Cabral

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Da gäbe es 2 Antworten evtl. ( aus 2 Sichtweisen) die mir einfallen...

 

Glaubenssicht: Der Mensch soll erstmal das Leid der Welt kennenlernen bevor er ins Paradies kommt...

 

Nichtglauben: da Gott nicht existiert kann er auch nichts verhindern...

 

Bleze

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Deine "kurze naive Frage" gehört zu den Grundfragen des Lebens. Eine kurze Antwort, die auch wirklich befriedigend ist, wirst du hier nicht bekommen können.

Das einzige, was du mit deiner Hausaufgabe machen könntest, ist entweder eine eigene Stellungnahme zu schreiben, also, warum DU glaubst, dass Gott Leid nicht verhindert; oder du suchst verschiedene Stellungnahmen zu der Frage heraus, die du für einigermaßen einleuchtend hältst und stellst sie einander gegenüber. Wenn du im Internet suchen willst: der Fachbegriff, den Theologen für die Frage verwenden ist Theodizee bzw. Theodizee-Frage.

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dr-esperanto
Hallo,

 

ich hab ne Frage von der ich immer dachte, das ich die Antwort kenne. Beim genaueren betrachten fählt mir aber auf das ich sie garnicht weiß.

 

Warum verhindert Gott kein Leid???

 

 

Ich brauch die Antwort für eine Hausaufgabe, konkret geht es um die Hungersnot in Irland.

 

 

Ich bräuchte noch heute eine Antwort weil ich mal wieder die Hausaufgaben im letzen Moment mache :blink:

 

Vielen Dank Cabral

Die christliche Antwort ist, daß Gott so viel Leid wie möglich verhindert, nur manchmal - wenn es gar nicht mehr anders geht - läßt er Leid aus pädagogischen Gründen zu, gewöhnlich, um zu verhindern, daß seine Kinder gar nicht mehr zur Besinnung kommen, nur noch Spaß im Leben suchen und sich um Gott und den Nächsten einen Dreck scheren.

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Die christliche Antwort ist, daß Gott so viel Leid wie möglich verhindert, nur manchmal - wenn es gar nicht mehr anders geht - läßt er Leid aus pädagogischen Gründen zu, gewöhnlich, um zu verhindern, daß seine Kinder gar nicht mehr zur Besinnung kommen, nur noch Spaß im Leben suchen und sich um Gott und den Nächsten einen Dreck scheren.

Das ist vielleicht Deine Antwort aber sie weicht deutlich von dem ab, was christliche Lehre ist. Und auch von dem was offizielle Lehrmeinung ist.

 

:blink:

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Warum verhindert Gott kein Leid???

Weil er damit die Freiheit beschneiden würde.

tut er das nicht auch wenn er wunder wirkt?

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ich meine der mensch muss selbst den weg zu gott finden , würde er als gott geboren würde kein mensch auf dieser welt leid erfahren müssen, nein er muss das leben auf diesen planeten meistern und es schaffen ihn , und die menschheit in einklang zu bringen um zu überleben. je mehr menschen gott in sich tragen , desto weniger leid wird es geben.

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Hallo zusammen,

 

ich denke, dass die Menschen mit Gott vor dem Sündenfall in einer perfekten Harmonie lebten, erst als die Sünde in das Leben der Menschen trat kam auch das leid dass die Menschen verdarb. Da Gott die Menschen jedoch so sehr liebt bietet er ihnen durch Mose, den Propheten, Jesus und anderen Menschen an in seinem Schutz zu stehen und auch zugleich ein Segen für andere Menschen zu sein. Es wird nicht berichtet dass Gott Leid von allen gläubigen Menschen fernhält, es geht um Schutz und Geborgenheit grade im Leid.

Das Leid wird denke ich dazu auch teils dazu benutzt die Menschen zu "erziehen". Ich habe schon einige Erlebnisse von Menschen gelesen die erst durch das Leid etwas großes und gutes geschaffen haben.

 

Grüsse

 

oli :blink:

Edited by oli
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Das Leid wird denke ich dazu auch teils dazu benutzt die Menschen zu "erziehen". Ich habe schon einige Erlebnisse von Menschen gelesen die erst durch das Leid etwas großes und gutes geschaffen haben.

Dann ist Gott wohl grad im Erziehungsurlaub. Oder warum erzieht er ausgerechnet die Bevölkerung im Irak, anstatt den Vorzeigechristen Bush, Cheney, Rumsfeld usw. etwas beizubringen ?

Oder ist es gar so daß Bush von Gott persönlich mit der Erziehung der Iraker beauftragt wurde ? Oder ist Bush selbst Gott ? Dann widerrum hätte der Papst ein Problem, angesichts seiner halbherzigen Kritik an den Erziehungsmaßnahmen im Irak.

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Hallo,

 

ich versuche ein bisschen genauer zu erklären.

 

Ein/e Heilige/r sagte einmal dass man von seinem Kreuz erschlagen wird wenn man es nicht auf sich nimmt.

 

So wird erklärt dass Leid universal ist, jeder kennt es, jeder erlebt es am eigenen Leib.

Christ sein heisst also nicht von Gott vom Leid befreit zu sein, sondern wie man als Gläubiger mit Leid umgeht.

Die Willenstärke und den Halt den viele tausende gläubige Menschen im Leid zeigen ist Zeichen für Gottes Hilfe im Leid dass er durch Mose, die Propheten und jesus versprach.

 

Wie Leid in der Welt auftritt und wo bzw. bei wem, wird nicht verkündet. Dies ist auch nicht der Sinn denke ich. Erklären kann man dies auch nicht denn der menschliche Verstand lässt sich in keiner Weise mit dem göttlichen vergleichen.

 

Viele Grüsse

 

oli :blink:

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Das wäre aber eine sehr unfaire Lösung und paßt nicht zu einem großartigen Schöpfer. Das hätte auch nichts mit Erziehung zu tun wenn man zuläßt daß die bösen Buben die armen Schweine plattmachen. Das wäre keine Erziehung, sondern Sadismus.

 

Ich würde eher vermuten daß diesem Gott dieser Planet einigermaßen egal ist und er ihn sich selbst überlassen hat, um sich um andere Dinge zu kümmern. Z.B. mit der Schöpfung besser konstruierter Projekte in anderen Sonnensystemen.

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Ich würde eher vermuten daß diesem Gott dieser Planet einigermaßen egal ist und er ihn sich selbst überlassen hat, um sich um andere Dinge zu kümmern. Z.B. mit der Schöpfung besser konstruierter Projekte in anderen Sonnensystemen.

Wer nicht von progredientem und massivem Wunschdenken verblendet ist, muß zu diesem Schluß kommen, ja.

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Ich verstehe nicht warum das unfair sein soll Thofrock.

 

Leid betrifft Glaubende wie auch Ungläubige gleichermassen. Der Unterschied ist dass Menschen die den Glauben im Kern begriffen haben, anders, nämlich viel besser, auf das Leid reagieren. Sie verkriechen sich nicht in ihrem Schmerz sondern kriegen eine "jetzt gebe ich erst Recht nicht auf" Einstellung.

 

Grade dafür ist Gott da, um zu retten, um aus den Menschen etwas besseres zu machen. Ein Vorbild für die anderen.

 

Gott zwingt Menschen jedoch nicht gläubig zu werden, vielmehr bietet Er ihnen den Glauben als helfende Hand an, und Sein Angebot hält das ganze Leben lang.

 

Was braucht man um Seine Hand annehmen zu können? Nur den Glauben an Gott mit ganzem Herzen. Etwas faireres gibt es nicht.

 

Grüsse

 

oli :blink:

Edited by oli
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Ich verstehe nicht warum das unfair sein soll Thofrock.

 

Leid betrifft Glaubende wie auch Ungläubige gleichermassen. Der Unterschied ist dass Menschen die den Glauben im Kern begriffen haben, anders, nämlich viel besser, auf das Leid reagieren. Sie verkriechen sich nicht in ihrem Schmerz sondern kriegen eine "jetzt gebe ich erst Recht nicht auf" Einstellung.

Ist mir zu allgemein, Oli. Schließlich hatte ich konkrete Beispiele genannt und werde gern noch konkreter:

Das dreijährige irakische Mädchen, daß mangels Medikamenten nach ein paar Tagen an den Folgen einer US-Splittergranate verreckt ist, wurde nach Deiner Darstellung von Gott erzogen. Da ist kein "Jetzt erst Recht" mehr. Und Handlanger für diese Erziehung war Mr "God bless Amerika" George W. Bush.

 

Und das ist ja kein Einzelfall. Ich skizziere nur etwas, das millionenfach auf diesem Planeten völlig normal so abläuft. Und, bei allem Respekt, kommt mir dann Dein "Gottes Hilfe im Leid" etwas zynisch vor. Millionen von Menschen die Millionen Verbrechen zum Opfer gefallen sind, half nämlich niemand. Und wenn Du mir nun erklärst, daß Gott die alle erziehen wollte (die Sintflut läßt grüßen), dann erzählst Du mir damit daß dieser Gott für diese Verbrechen verantwortlich ist.

Mit der Meinung dürftest Du auch im katholischen Lager ziemlich allein stehen.

 

Dann doch lieber der machtlose Gott, der all das gar nicht verhindern kann. Der auch niemanden erziehen will. Der diese Erde längst vergessen hat. Im Zeitraffer betrachtet macht dieser Planet es sowieso nicht mehr lange. Der nächste wird dann robuster.

 

 

Gruß Frank

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Also ich finde das Geschenk Gottes an die Menschen ist doch das Menschsein ansich. Das Wunder des Lebens, daß alles funktioniert, jede einzelne Zelle und daß wir zum Glück noch nicht mal darüber nachdenken müssen, also willentlich steuern, daß unsere Zellen auf molekularer Ebene das Richtige tun. Und daß wir einen freien Willen haben, die Möglichkeit, unser Leben bewußt zu gestalten und Verantwortung zu tragen. Doch so wie man nicht glücklich sein kann ohne zu wissen was Trauer ist, beinhaltet die Verantwortung auch sich dem Wunder Leben zustellen und das birgt Gefahren, die wir auch aushalten müssen. Und wir können das in dem Bewußtsein trotz allem ein unglaubliches Geschenk bekommen zu haben von jemanden der uns liebt und für den es sich lohnt voranzuschreiten.

 

:blink: Also vielleicht ist das ja alles dummer Kram, aber so empfinde ich das.....

 

Viele Grüße,

 

Yhrrah

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Auf jeden Fall macht daß mehr Sinn, als die Erzihungsvariante eines strafenden Gottes, der alles in Schutt und Asche legt, Yhrrah.

 

Ein Gott, der die Voraussetzungen für das Leben auf der Erde schafft, sich dann zurückzieht und denkt: Nun macht mal...

Und übrigens ein Gott, den die Wut packen würde, wenn er wüßte daß manch Einer ihn dauernd anbetet.

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Schade dass du dies so siehst, wirklich.

 

Für mich steht jedenfalls absolut fest, dass Gott uns Menschen versprochen hat ein von freudenvolles Leben zu führen wenn es uns gut geht (indem er viele Ängst die Ungläubige haben "wegnimmt") und unbegreifbare Kraft selbst die schlimmsten Leiden durchzustehen, Tragodien werden so zu Triumphen. Das sind Aussagen die sich immer wieder in der Bibel finden und davon zeugen für was Gott uns berufen hat. Um so zu Leben und dadurch Licht für andere sein. Zeugen dass ein anderes, mit Freuden erfülltes, Leben möglich ist.

 

Das Leben ist jedoch begrenzt, einmal ist es für jeden Zeit zu gehen. Das dann vielleicht Fragen aufkommen wie "Warum musste sie/er so lange leiden?" kann ich verstehen, aus Sicht von Glaubenden aber entschieden zu kurz gefragt.

 

Nochmal: Gott hat niemals gesagt dass es einfach wird für Gläubige, im Gegenteil, es steht geschrieben dass die/der Rechtschaffende/r viel leiden muss. Aber auch solche vermeindliche Niederlage wie der langsame Tod kann zu einem Trimph werden. VIelleicht in dem Sinne dass sich jemand nachdem er diesen Menschen leiden sah dazu entschliesst etwas zu verändern. Neue Medikamente gegen Krankheiten, sich gegen unnütze Kriege oder bestimmte Waffen einzusetzen, bessere Lebensverhältnisse zu schaffen etc.

 

Dass ist meiner festen Überzeugung der christliche Glaube. Durch seine Taten, die von Gott geleitet werden, Menschen zu besseren Leuten zu machen, selbst wenn man sich dafür selbst opfert.

Es geht nicht darum dass etwas "für einen selber etwas dabei rausspringt", sondern dass eine bessere Welt entsteht.

 

Viele Grüsse

 

oli :blink:

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Und übrigens ein Gott, den die Wut packen würde, wenn er wüßte daß manch Einer ihn dauernd anbetet.

Richtig..., stell Dir mal vor da ruft Dich am tag dauernd einer an..., irgendwann biste auch etwas ungehalten :blink:

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Nochmal: Gott hat niemals gesagt dass es einfach wird für Gläubige

Kunststück. Gott hat überhaupt niemals irgendwas gesagt. Daß ist ja das Problem mit ihm.

 

Aber Spaß beiseite. Du willst mir klar machen daß man auch aus der größten Katastrophe noch etwas Positives ziehen, oder etwas lernen kann. Das mag in sehr vielen Fällen stimmen, habe ich selbst auch schon erlebt. Bei meinem Beispiel aber ist das blanker Hohn. Wenn ein Gott irgendeinen Einfluss auf das Geschehen hier unten hätte, dann wäre dem Bush längst ein Ziegelstein auf den Kopf gefallen. Und sei es nur weil George W. überall verkündet, daß er Gottes Auftrag erfüllt.

Aber ist Dir aufgefallen daß Du von dem "Erziehungsgedanken" bereits etwas abgewichen bist ?

 

Gruß Frank

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Das ist ein falsches Gottesverständniss meiner Auffassung nach. Gott ist nicht der Rächergott hier auf Erden der Menschen irgendetwas schlimmes zukommen lässt weil diese Menschen schlechtes tun oder getan haben. Wer so denkt hat eine jüdische Auffassung vom Glauben. Die christliche Auffassung ist dass Gott diesen schlimmen Menschen nicht beisteht, sodass sie ihr Kreuz (das Leid) nicht tragen können sondern dass sie das Leid erschlagen wird früher oder später.

 

Auch denke ich nicht dass ich vom Erziehungsgedanken abgekommen bin. Selbst wenn man sich für etwas Gutes einsetzt nachdem man bei einer/m anderen etwas schlimmes gesehen hat (Beispiel vorheriges Posting von mir), ist das auch "Erziehung". Gott zeigt dem Menschen durch dieses Ereigniss dass er sich noch mehr für das Gute einsetzen kann dass den Menschen innewohnt, dass sie aber seid dem Sündenfall nicht immer tun.

 

Ich bin der festen Überzeung dass wahrheaft Gute Menschen die sich besonders für die Erschaffung einer besseren Welt einsetzen, irgendwann selbst (großes) Leid erfahren haben. Nur gebrochene Herzen sehen gut meiner Auffassung nach.

 

Grüsse

 

oli :blink:

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Bitte nicht falsch verstehen, Oli. Ich habe gar kein Gottverständniss. Ich finde nur die hardcorechristliche Variante außerordentlich ulkig und frage mich, wie man sich so ein Monster als Gott zusammenbasteln kann. Nämlich die Variante aus dem AT, die mal eben via Sintflut die gesamte Population ausrottet. Überhaupt wimmelt das AT von völlig durchgeknallten Berichten und Regeln. Ich bin ja absoluter Levicitus-Fan, weil man gerade anhand von dessen Sammelsorium jedem neutralen Beobachter die Fragwürdigkeit der "Heiligen Schrift" verdeutlichen kann.

 

Wenn man die Frage überhaupt mal beiseite schiebt, wieso von allen Religionen und Göttern ausgerechnet die christliche Variante die Richtige sein soll (eigentlich kann man diese Frage nicht beiseite schieben), dann geht das Rätselraten um die Eigenschaften dieses Gottes ja erst los. Nahezu jeder Christ hat da eine eigene Vorstellung. Und das ist auch gut so. Schließlich weiß man nichts über diesen Gott und kann sich deshalb auch nicht ernsthaft auf einen einigen.

Und deshalb ist auch die Threadfrage nicht zu beantworten. Auch nicht von den Gläubigen. Man kann nur Vermutungen äußern. Und je nach Macht und Möglichkeiten, die man seinem Gott zutraut, kann man sich über das Chaos auf der Welt wundern. Und wenn man einen Gott ausgewählt hat der allmächtig ist, sollte man nicht zu ihm beten, sondern seinen Unmut äußern. Wenn er nämlich auf gebete und Lobgesänge steht, dann wäre er eitel und selbstsüchtig. das glaube ich aber nicht.

 

Gruß Frank

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Zur Frage der Theodizee (= Rechtfertigung Gottes angesichts des Leids) gibt es eine Menge Fragen - und eine Menge Antworten.

 

Das Theodizeeproblem habe ich in seinen Grundzügen hier dargestellt: Das Theodizeeproblem. Weitere, grundlegende Ideen finden sich hier: Die Rechtfertigung Gottes.

 

Georg Büchner bezeichnete das Theodizeeproblem als den "Fels des Atheismus" (in "Dantons Tod"). Und dieser Fels ist in der Tat unüberwindbar, das Theodizeeproblem ist unlösbar, wenn man einen gütigen und liebenden Gott annimt, der zugleich auch noch allmächtig ist. Seine Wucht bekommt das Problem dadurch, dass es sowohl ein moralisches als auch ein logisches Problem darstellt.

 

Die ganzen Theodizeen, die so angeboten werden, haben eine Reihe von Schwierigkeiten. Ich selbst halte das Problem für unlösbar. Der Grund dafür ist ganz einfach:

 

Die angebotenen Lösungen gehen davon aus, dass (a) Leid nicht wirklich existiert (ohne Leid kein Problem), oder dass (B) Gott keine Welt ohne Leid schaffen konnte, oder © dass Gott uns testet.

 

Zu (a): Wenn dies der Fall wäre, warum erscheint uns Leid dann als so real? Schmerz ist oft intensiver als Glück. Außerdem wäre Gott damit ein großer Täuscher, was in sich selbst ein Übel wäre.

 

Zu (B): Das ist noch problematischer, weil es erstens Gottes Allmacht einschränkt (obwohl es plausibel erscheint, dass eine Welt ohne Leid unmöglich ist). Zweitens steht es im Widerspruch dazu, dass die Christen auf ein Leben im Paradies hoffen - wenn (B) zutrifft, ist das aber unmöglich, auch Gott könnte kein Paradies schaffen, in dem es weniger Leid gibt als hier (nur dass es ewig dauert). Wenn Gott aber in der Lage wäre, ein Paradies zu schaffen, warum hat er das nicht gleich getan und uns dies vorenthalten?

 

Und auch, wenn es ein Paradies als Ausgleich gäbe, so würde damit bereits geschehenes Leid nicht ungeschehen gemacht. Außerdem, wenn Gott nicht gut ist, dann wird es auch kein Paradies geben, wer also annimmt, dass es ein Paradies gibt, der setzt voraus, dass Gott gut ist, was erst durch eine Lösung des Theodizeeproblems ein gerechtfertigter Glaube wäre. Aber die Existenz des Paradies wäre ein Beweis dafür, dass Gott eine Welt ohne Leid schaffen könnte, und damit ein Beweis dafür, dass wir leiden, obwohl wir es nicht müssten! Denn wenn Gott nicht will, dass wir leiden, dann hätte er eine Welt ohne Leid realisieren müssen, wenn er es nicht kann, ist die Hoffnung auf das Paradies vergebens.

 

Da nützen auch die üblichen Verteidigungen mit dem freien Willen überhaupt nichts (Gott gab uns den freien Willen, was ein hohes Gut ist, und der Preis dafür ist, dass wir ab und zu auch Böses tun, was uns leiden lässt). Den dies würde bedeutet, dass es im Paradies keinen freien Willen gibt, und wenn es doch möglich ist, freien Willen und das Paradies zu haben, dann hätte Gott auch diese Welt mit freiem Willen und ohne Leid schaffen können. Außerdem erklärt der freie Willen nicht die Existenz der natürlichen Übel wie Erdbeben, Vulkanausbrüche, Überflutungen, Krankheiten etc. pp., die nicht von Menschen verurdacht werden.

 

Außerdem kranken fast alle Lösungen daran, dass man genausogut auch das Gegenteil annehmen kann, mit denselben Argumenten, nämlich dass Gott uns leiden lässt, weil er böse ist und uns dazu den freien Willen gab, oder dass das Glück nur eine Illusion ist, während das Leid real ist. Daher kann man die meisten "Lösungen" des Theodizeeproblems auch dazu benutzen, um zu begründen, dass Gott wesentlich böse ist. Und wenn man das kann, dann müsste man diese "Satanodizee" widerlegen, um das auszuschließen, was wiederum dazu führt, dass sie auch nicht benutzt werden kann, um anzunehmen, dass Gott gut ist, denn man hat die Argumente ja widerlegt.

 

Das Problem emthält auch, dass Christen nicht wissen, ob Gott gut ist - dann ist aber eine auf ihm begründete Moral auch nicht gut, und Gott ist nicht verehrungswürdig.

 

Nein, das Problem ist unlösbar - wenn man nicht die Vorstellung aufgibt, dass Gott allmächtig ist. Aber dann wiederum ist auch das Paradies fragwürdig, ebenso wie die Vorstellung, dass es dort kein Leid gibt. Außerdem ist es fragwürdig, dass Gott einmal alles Böse besiegen wird, wenn seine Macht so eingeschränkt ist. Oder man muss die Vorstellung aufgeben, dass Gott gütig und liebend ist. Dann ist die Hoffnung auf ein Paradies aber erst recht illusorisch.

 

Zu ©: Wenn Gott allwissend und allmächtig wäre, dann braucht er keinen Test. Und wenn der Test besteht, dann ist das Problem, dass man aufgrund der Testbedingungen nicht annehmen kann, dass ein guter Gott existiert - und seine Verehrung wäre dann moralisch verwerflich. Außerdem ist es mit dem Bild eines guten und liebenden Gotts nicht vereinbar, dass wir hier wie Laborratten unter seinem Test leiden müssen. Und zudem fördert Gott mit seinen Testbedingungen den Atheismus. Wenn man nur die Wahl hat zwischen der Verehrung eines bösen oder böse erscheinenden Gottes und dem Atheismus, dann ist der Atheismus die einzige moralisch nicht verwerfliche Lösung. Die Verehrung des Bösen ist selbst böse, die Verweigerung dessen ist - selbst wenn man davon ausgeht, dass Gott existiert - die einzige moralisch einwandfreie Haltung. Wenn also das Paradies nur für moralische einwandfreie Menschen reserviert ist, dann kommen nur Atheisten in den Himmel, die auch sonst ein tadelloses Leben führen.

 

Die beste Begründung, warum das Theodizeeproblem nicht lösbar ist - ein logischer Beweis dessen - liefert Prof. Gerhard Streminger in: 1992, Gottes Güte und die Übel der Welt, Das Theodizeeproblem, Mohr Siebeck. Tübingen. Das Buch liefert einen analytischen (also kaum anfechtbaren) Beweis für die Unlösbarkeit des Problems. Wer dieses Werk nicht kennt, der sollte auch nicht behaupten, es gäbe eine Lösung des Theodizeeproblems!

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Die Frage ist übrigens nicht naiv. Sie wurde schon lange vor dem Christentum gestellt, und fast 2.300 haben tausende von Theologen darüber nachgedacht und hunderte von Lösungen ergrübelt, von denen keine einer genauen Betrachtung standhält. Wenn das nicht ein deutlicher Hinweis darauf ist, dass das Problem unlösbar ist ... ich denke auch in weiteren 2.000 Jahren wird es keine Lösung geben.

 

Die Naivität, mit der Christen annehmen, dass es nach sovielen Jahren und sovielen gescheiterten Lösungsversuchen da noch Hoffnung gibt, ist mehr als nur erstaunlich, sie ist erschreckend, weil sie zeigt, dass der Mensch nicht halb so vernunftbegabt ist, wie er von sich selbst glaubt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein intelligenter Gott eine Ewigkeit mit solchen Wesen verbringen möchte ... :blink:

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Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein intelligenter Gott eine Ewigkeit mit solchen Wesen verbringen möchte ... :P

Mit diesem Satz kann ich jetzt jedenfalls um einen neuen Gedanken bereichert zu Bett gehen. :blink:

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