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unser tägliches Brot


Flo77
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Hallo zusammen,

 

nur mal so als Denkanstoß.

 

 

Ich bitte Gott (fast) jeden Abend um das tägliche Brot bzw. um seinen Segen.

Stellt sich die Frage: was erwarte ich? Wird Gott am nächsten Morgen in der Tür stehen mit einem Picknick-Korb? Wohl kaum. (Wer soll auch die ganzen Schnittchen schmieren ...)

Stattdessen bin ich gesund, habe einen Job bzw. lebe in einer Gesellschaft, die sich sonst um mich kümmern könnte (so sie denn wollte - aber da sind wir dann wieder beim freien Willen): meine Brötchen und die der meinen sind also im Verhältnis ziemlich sicher.

ABER: ich rufe mir diesen Luxus auch jedesmal wieder ins Gedächtnis und damit AUCH die Verantwortung, die mit diesem Geschenk verbunden ist.

Was heißt das? Doch vorallem, daß ich irgendwo verpflichtet bin, denen, die nicht soviel Glück hatten wie ich (aus welchen Gründen auch immer - das zu entscheiden liegt nicht bei mir und auch weit außerhalb meiner Vorstellungskraft) nach Kräften helfe, ebenfalls ihr tägliches Brot zu bekommen. Daß ich dieser Verantwortung nicht wirklich gerecht werde steht auf einem anderen Blatt.

 

Ein Fremder aber geht hin, und betet um Frieden.

Eine ziemlich allgemeine Bitte. Zumal Frieden bei uns auf sovielen Ebenen passiert.

Was erwartet dieser Jemand?

Weltfrieden? Was sollte Gott denn tun, um den zu schaffen?

Alle Munitionsfabriken vernichten wie seinerzeit Sodom und Gomorrha?

Nette Vorstellung, aber was glaubst Du wielange es dauert, bis der nächste Mensch die erste neue gebaut hat?

Den Aggressoren die nötigen Eingebungen schicken?

Ich halte den Menschen eigentlich für lernfähig - unsere Geschichte hat uns doch oft genug gezeigt, wohin Aggression führt - also was noch?

 

Frieden innerhalb eines Volkes?

Schön gebetet Fremder, aber was für eine Konsequenz ziehst du daraus?

Soll Gott alle, die nicht Deiner Meinung sind schon mal zu sich rufen? In der Ewigkeit sehen wir uns eh wieder - haben wir also nichts gewonnen.

Gehst Du am nächsten Morgen hin, wenn du siehst, daß sich zwei Gruppen auf der Straße bekriegen und versuchst zu schlichten?

 

Frieden innerhalb der Nachbarschaft?

Guter Gedanke - kennst du Fremder deine Nachbarn? Wann hast du das letzte Mal der alten Dame von gegenüber die schweren Einkaufstaschen raufgetragen? Wielange zoffst du dich schon mit dem Nachbarn auf der rechten Seite wegen einer deiner Meinung nach zu ungepflegten Hecke? Wann hast du die Nachbarschaft das letzte Mal zusammengerufen und man hat einfach nur in der Sonne auf der Straße gesessen und mal einfach geredet? Wo soll Gott da eingreifen?

 

Frieden innerhalb der Familie?

Hehres Ziel - nun Fremder sag an: Hast du deiner/m Gefährten/in die kleine Notlüge von gestern verziehen? Warst du gerecht zu deinen Kindern? Kannst du deine schlechte Laune draußen vor der Tür lassen, wenn dein Tag streßig und mies war? Wann hast du einfach mal so wieder mit allen gelacht? Wessen Wort zählt in deinem Heim - nur deines?

 

Liebe Grüße

 

Flo

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Beten ist für uns Christen wesentlicher Bestandteil des Lebens. Ich selbst bin dankbar am Abend und bittend am Morgen. Lob, aber auch Klage verteilen sich über den gesamten Tag. Ich versuche, den Dialog mit Gott einfach am Laufen zu lassen...

 

Beten ist wohl für jeden Menschen eine rein subjektive und ganzheitliche Erfahrung. Und sie war Jesus wichtig. Matthäus hat dies in seinem Evangelium wunderschön zum Ausdruck gebracht: 23 Gedanken erfüllen die Bergpredigt, als zentrale Mitte steht die Frage: Herr, wie sollen wir beten? Und Jesus lehrte uns, was ihm wichtig war - er zeigte uns, dass Gott Abba für den Menschen ist (einzigartige Beziehung unter allen Religionen).

 

Zur ersten "Wir-Bitte" (weil du sie grade angesprochen hast):

Brot ist ein lebensnotwendiges Grundnahrungsmittel. Die Mehrzahl der Menschen hier in Europa weiß es aber gar nicht mehr zu schätzen. Ich frage mich oft, wenn ich das Herrengebet am Beginn einer Stunde ansetze, welchen Sinn es für die Schüler und Schülerinnen überhaupt hat, wenn man vorher im Vorbeigehen die Jausenreste (oftmals gerade mal angebissene Brote) im Mülleimer oder am Klassenboden sieht. Unsere Kinder wissen es deshalb nicht zu schätzen, weil wir im Überfluss leben - Variationen gibt es zur Genüge, je exquisiter und ausgefallener desto lieber, und nicht zu vergessen all die weichen Semmeln und Brötchen...

Gerade diese Bitte ist schwer nachvollziehbar für jemanden, der nicht Hunger leidet, dem es nicht an diesem elementaren Mittel mangelt.

Bei uns wird anderer Hunger sichtbar: der Hunger nach Zufriedenheit und Glückseeligkeit. Wie das Brot für das Überleben des Leibes seine Notwendigkeit hat, so wichtig wäre Zufriedenheit für unsere Seele.

Gott weiß immer, was wir brauchen. Nicht nur Brot soll geteilt werden, auch alle unsere Güter und all unsere Erfahrungen. Damit werden dann auch wir zu "Brot für andere".

Schließlich impliziert diese Bitte auch die Mahlerfahrung, die Mitte unseres Glaubens, Eucharistie. Jesus selbst als Brot des Lebens - wir bitten also auch um die Gemeinschaft mit ihm.

 

Ich danke unserem Herrn, dass er es uns so leicht macht!

 

LG,

Pruu :blink:

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Es gibt ein Buch "Ein Schiff nach Grönland" von I. Engelhardt.

 

Darin beschreiben zwei Kinder die bittere Armut in der Ostsiedlung auf Grönland um 1520 als die Wikingersiedlung schon im Sterben begriffen war.

 

Sie werden gefragt, ob es denn kein Brot mehr gegeben hätte. Der Junge antwortet darauf

[...] Für alle anderen in Grönland ist es nicht mehr als ein Wort im Vaterunser, das eben Nahrung bedeutet, aber durchaus nichts wirkliches. [...]

 

Ich war glaube ich 12 als ich die Stelle das erste Mal gelesen habe und heute überlege ich manchmal: was heißt das Brot um das wir bitten eigentlich für uns?

Edited by Flo77
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