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Bei Gott in der Lehre


Axel
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Wir diskutieren hier viel über theoretische Fragen des Glaubens. Aber wie sieht die Kommunikation mit Gott, seinen Heiligen und Engeln eigentlich in der Realität bei Euch aus?

 

Ich finde solche Geschichten der "dritten Art", die von einer Begegenung mit Gott berichten, nicht nur wahnsinnig spannend, sondern auch sehr wichtig. Sie geben uns Sicherheit im Glauben.

 

Es muß ja nicht immer das Lourdes-Wunder sein. Die Zeichen, die Gott uns gibt, haben ja häufig auch einen Lehr-Charakter. Man geht bei Gott in die Schule. Lernt das Christsein.

 

Ilja hat im Gebets-Thread von der Kleiderspende eines Nachbarn berichtet, die gerade im rechten Augenblick kam. Ich möchte Euch einladen, hier andere Geschichten zu posten, wo Ihr den sicheren Eindruck hattet: da hatten die Mächte des Himmels ihre Finger im Spiel.

 

Axel

 

*****************************************

 

Ich will selbst mal einen Anfang machen. Eine kleine Story, bei der ich selbst nicht gut bei wegkomme, die mich aber sehr geprägt hat.

 

1995 war das Europäische Jugendtreffen von Taizé in Wroclaw (Breslau). Dort hatte ich mich bereit erklärt, mogens in einer Schule eine Gesprächsgruppe zu leiten. Wir hatten Zettel bekommen, auf denen Themen standen, die man diskutieren konnte. Der Tenor war immer: wie kann ich mich selbst für Christus engagieren.

 

Die Gesprächsgruppe lief bei mir unerwartet gut. Ein polnischer Student, der ein paar Semester in Deutschland gewesen war, gab einen perfekten Dolmetscher ab, und das machte es für mich als Moderator möglich, sehr viel herausfordernde Fragen zu stellen, weil die Sprachbarriere wegfiel. So wuchs unser Gesprächskreis von Tag zu Tag, weil es sich herumsprach, daß hier mehr lief als in den anderen Kreisen.

 

Ich weiß noch, daß ich die provozierende Frage stellte, wie man sich als Christ zu verhalten habe, wenn man einem Bettler begegnet. Muß man immer etwas geben? Wie ist das mit den "Berufs"-Bettlern? Den Drogenabhängigen usw. Am Schluß kam ich auf die Formel, man solle auf "Herz schauen" und im Zweifelsfalle kein Geld sondern nur Naturalien geben. Eine klassische Floskel. Damit war die letzte Runde unsere Gesprächsgruppe beendet, und ich war ein bißchen stolz auf meine Moderatorenleistung und diesen schönen patoralen Schluß..

 

Am Nachmittag ging ich mit einer polnischen Bekannten, mit der ich zusammen bei dem Treffen war, zum Bahnhof, um die Rückfahrkarten nach Deutschland zu kaufen. Im Bahnhof sprach uns plötzlich ein kleines Kind an. Ich verstand natürlich nichts, aber es schien klar zu sein, daß es um etwas bettelte. Meine Bekannte wimmelte es ab und sagte zu mir im Weitergehen:

"Es wollte etwas zu essen haben"

 

Mein Gott, dachte ich mir, es wollte kein Geld sondern etwas zu essen. Was habe ich heute morgen "gepredigt"...?! Das wäre doch kein Problem gewesen, überall gibt es Verkaufsstände...  Für einen Moment überlegte ich mir, ob ich nicht zurück zu dem Kind laufen sollte. Aber dann redete ich mich damit raus, daß ich ja nichts verstehen konnte und mich meine Begleiterin erst zu spät informiert hatte. Jetzt noch umzudrehen, das würde doch ein bißchen aufgesetzt wirken... Aber beim nächsten Mal.

 

Und abermals krähte der Hahn... Keine fünf Minuten später beschlossen wir, an einem Kiosk einen Kaffee zu trinken. Es hatte -20 Grad und wir brauchten etwas zum Wärmen. Vor dem Kiosk gab eine kleine Schlange und wir mußten warten. Ein heruntergekommener Mann, der vor mir in der Schlange stand, bat mich um Geld: in gebrochenem Deutsch! Einen Zloty wollte er haben (50pf). Diesmal konnte ich mich nicht herausreden, nichts zu verstehen. Aber er wollte Geld. Nein, dachte ich mir, der Mann schaut nach Alkoholiker aus, Geld bekommt er nicht. Seine Sucht noch zu fördern, ist ja wohl unmoralisch. Ich wimmelte ihn ab. Der Mann begann daraufhin mit dem Kioskbesitzer zu sprechen, aber das verstand ich dann nicht mehr.

 

Im Weggehen, mit den Kaffeebechern in der Hand, sagte meine Begleiterin: Er wollte einen Tee. Jetzt hat er gerade gefragt, ob er nur einen Becher heißes Wasser bekommen könnte...

 

Ich kam mir vor wie Petrus. Erst vorlaut für die Sache Jesu streitend und dann Christus zweimal verleugnend. Mir war wie Petrus zum Heulen zumute...

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Auch ich muss euch eine selbst erlebte Geschichte, die sich vor ca. 25 Jahren ereignet hat, schreiben.

 

Es war abends gegen 23.00 Uhr als ich zu meiner Wohnung, die sich in einem höher gelegenen Teil meiner Vaterstadt befand, fahren wollte. Dieser Teil konnte über 3 verschieden Straßen erreicht werden. Ich befuhr eine Straße, sie war durch ein Hindernis blockiert. Also umdrehen, die zweite versuchen. Aber auch durch diese konnte ich meine Wohnung wegen einer Baustelle nicht erreichen.

Also wieder kehrt und die 3. Möglichkeit versuchen. Diese Straße hatte eine stark aufwärtsgerichtete, scharfe Linkskurve. Und jetzt, das Entscheidende, entgegen meiner Gewohnheit befuhr ich diese Linkskurve nicht auf der rechten, sondern auf der linken Seite. Wie ich gerade um die Kurve fahre, sehe ich im Lichtkegel auf der rechten Fahrspur 3 junge Männer gehen. Mir lief es eiskalt (tut es jetzt gerade auch) den Rücken herunter, denn wenn ich entsprechend meiner Gewohnheit rechts gefahren wäre, ich hätte diese 3 Menschen überfahren, weil ich sie zu spät gesehen hätte.

 

Ob und welche "Mächte", wie Axel es beschreibt, meine Handlungsweise beeinflußten, möchte ich offen lassen, denn ich weiß es nicht.

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Danke Pedrino!

 

Wie, hat denn niemand sonst (s)eine Geschichte zu erzählen???

 

Hätte mich so drauf gefreut, sniff...

 

Axel

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Axel fragte bisher vergebens nach "Geschichten der 3. Art". Da ich nicht im kath-Ghetto posten will, eröffne ich hier dieses Thema neu.

 

Ich habe eine ganz brandaktuelle Geschichte: Gerade eben habe ich in der Glad-Arena auf HermMeis' Welterklärung die Frage: "Matrix"? gepostet, da geht bei mir eine email ein. Von UnitedMatrix (!) ohne Betreff.

 

"Ein Fingerzeig Gottes?" denke ich. Was meint Ihr dazu? Ist doch ein seltsamer Zufall, nicht wahr?

 

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Schicksal, seufz!

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Hallo!

 

Eine Geschichte, wie sie mir passierte: nach einer langen Diskussion mit meinen Eltern, als ich ihnen meinen eventuellen Ordenseintritt versuchte darzulegen (vergeblich!), war ich vollkommen fix und fertig. Kurzerhand nahm ich die Bibel, guckte, dass ich mehr oder weniger im NT lande und tippte auf irgendeiner Seite auf irgendeinen Satz. So hat es bereits zu Beginn Franziskus getan, um Gottes Willen für sich herauszufinden. Das kann ich auch, dachte ich mir. Für mich war dieser Moment sehr wichtig, weil ich ziemlich hilflos und voller Zweifel vor Ihm stand. Noch nie davor und danach habe ich mich so an Ihn geklammert. Nun, der Satz war:

 

Wer bis zum Ende standhaft bleibt, wird gerettet.

 

Hätte ja auch jeder andere sein können.

 

Paz Y Bien,

Ralf

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Hallo Axel.

 

warum also nicht, es gibt da einiges, das mich erstaunt hat, beispielsweise:

 

Während der Eucharistiefeier, nach dem Agnus Dei (nur einmal, nicht immer   ) - ... aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund". Ich hatte das Gefühl, jenseits von Zeit und Raum zu stehen, als sei die Zeit förmlich stehen geblieben. Kein Zweifel. Kein Wenn und kein Aber. Nur die Gewißheit: es ist die Wahrheit. Als sich alles bewegt und zur Kommunion ging, war ich wieder "da". Ein faszinierendes, wunder-volles Erlebnis; mit Worten eigentlich nicht zu beschreiben. Es tut mir leid, daß ich es nicht besser schildern kann.

 

Herzliche Grüße

Martin

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Martin, sowas haben schon viele erlebt. Beim eucharistischen Segen überkommt es so manch einen.

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Hallo Axel,

 

ich habe auch Erlebnisse gehabt die ich auf Gottes mir sehr nahesein zurückführen kann. Besonders in der Zeit vor meiner Konversion.

 

Als ich mich wiedereinmal mit meinem Pfarrer über die Frage unterhielt, das ich aufgrund meiner Zweitehe eben niemals so nah sein kann bei Gott wie ich es eigentlich möchte und er mir damals antwortete, ich solle doch auf Sex verzichten und die sogenannte Josefsehe eingehen, war das für mich ein Schock. Ich war so sauer, er wußte von Anfang an um meine Situation und ich war seit einem halben Jahr bei ihm und dann sowas. Ich bin dann aufgestanden und gegangen. Ich habe mich dann irgendwann später gefragt, warum soll ich eigentlich katholisch werden, wenn er mich doch nicht so haben will wie ich bin. Ich wollte meinen Frust rausschreiben, dem einen Brief schreiben und habe schließlich dieses Forum gefunden ;-)). Nach drei Tagen und auch diesen Diskusionen hier (die nicht "ohne" waren, trotzdem bin ich Utes Reaktion von damals und die vielen anderen sehr dankbar. In den nächsten Stunden kam mir immer mehr der Gedanke das ich ja gar nicht zulasse, das Gott mich liebt. Ich fühlte mich so schlecht das ich diese Liebe gar nicht annehmen wollte, ich wollte wohl leiden. Diese Gedanken kamen mir dann auf der Heimfahrt in unseren Ort, dann fuhr ich einen Berg hinunter - es war bedeckt - und dann auf einmal ging die Wolkendecke auf und die Sonne (sowas kennt bestimmt jeder) strahlte genau auf unser Haus. In einem Bruchteil von einer Sekunde dachte ich...sowas blödes Sina das geht doch nicht und in diesem Moment wurde mir aber vollkommen klar das ich dieses Vertrauen noch gar nicht habe. Das ich doch meine Entscheidung auch wirklich annehmen mußte, die ich - ganz bewußt - auch gefällt habe. Das ich Gott ja noch nicht mal diesen Sonnenstrahl zutraute und ihn mir von ihm gönnte. In mir war eine Wandlung und eine innere Ruhe das kann sich keiner vorstellen. Ich habe hinterher meinen Pfarrer verstanden (er mußte in seiner Position so reagieren) und war völlig innerlich zufrieden. Das schrieb ich damals auch hier und mir konnte eigentlich kaum einer diesen schnellen Gefühlswandel glauben.

 

Die zweite Episode war kurze Zeit später. Mein Pfarrer lud mich generell ein doch mal Sonntags zu ihm in die Messe zu kommen. Ich sagte aber, ich möchte eigentlich erst in unsere Kirche wenn ich katholisch bin. Ich wollte es für diesen besonderen Tag aufheben. Meine Freundin in der Nachbarschaft erzählte mir das er immer wieder so traurige Predigten hielt etc. Ich konnte es kaum glauben und nahm mir vor - ohne es ihm zusagen - dorthin zu gehen. Ich habe mich hingesetzt, (wir sind eine tiefkonservative Gemeinde - die Frauen sitzen unten, die Männer oben) mein Pfarrer betrat den Raum, erblickte mich erfreut und begann die Predigt. Es ging um eine arme Frau die nur ein paar Taler gegeben hat und die Jesus viel mehr wert waren als die ganzen "Supergläubigen" und Reichen denen ja die Gaben nicht weh taten. Er erzählte das man niemanden für seinen Glauben verurteilen kann, man solle sich nie anmaßen darüber zu entscheiden ob jemand genug oder nicht genug glaubt. Das alleine kann nur Gott und es sieht auch nur Gott.  Ich saß da wie vom Schlag gerührt und dachte...diese Predigt hält der für mich...Ich kann Euch nicht sagen wie komisch mir war und peinlich fand ich das. Über den Inhalt habe ich mich natürlich gefreut und ich hatte das Gefühl...Ja auch wenn ich nicht perfekt bin, Jesus liebt mich und er sieht es - wenn auch andere es eben nicht sehen. Am Abend war ich dann im Chat - glaub ich und erfuhr von unseren "Lektoren" das diese Predigt überall gehalten wurde. Nun ja...wenn ich daran zurückdenke ist mir immer noch komisch. Ich fühlte mich auf einmal in meinem Glauben so geborgen das kann ich Euch gar nicht besser beschreiben.

 

Nun ist die Konversion schon fünf Monate her...

 

LG Sina

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Ich war mal beruflich in Norwegen unterwegs. Ich hatte in einem Hotel in einem Vorort von Trondheim genächtigt und fuhr mit einem Mietwagen in die Stadt zu einer Konferenz.

Da sah ich am Straßenrand einen alten Mann stehen, der einen auf Anhalter machte. Ich dachte mir: kannst kein Norwegisch, kennst die Gegend nicht, hast einen Termin und fuhr vorbei.

 

Da hörte ich eine innere Stimme sagen: „Du willst doch nicht etwa vorbeifahren“. Ich sagte meiner inneren Stimme meine Argumente gegen die Mitnahme und fuhr weiter. Darauf hörte ich wiederum „Du willst doch nicht etwa vorbeifahren“.

Ich merkte, daß ich gegen diese unerbittliche Stimme nicht ankomme und daß der ganze Tag versaut wäre, wenn ich weiterfahre, deshalb wendete ich und fuhr unter lautem inneren Fluchen (war mir recht unbequem die Stimme und Situation) zu dem alten Mann zurück.

Dort angekommen sagte ich ihm auf Englisch, daß ich selbst fremd sei, kein Norwegisch könne ihm prinzipiell aber helfen möchte.

Zu meiner totalen Überraschung sprach der alte Mann Englisch und erklärte mir, daß er zum Zahnarzt wolle und den Bus verpasst habe.

Nun ich hab ihn dann zum Zahnarzt, der auf meiner Strecke lag, mitgenommen und mich mit ihm dann ganz nett unterhalten. Er war 80 Jahre alt.

 

Moral von der Geschicht: „meine innere Stimme kann unerbittlich sein – es ist nicht leicht mit ihr“

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Liebe Sina,

 

eines ist nicht ganz richtig - die Grundlage für die Predigten sind nicht immer das Evangelium, es können auch die Lesungen sein; der Pfarrer hätte auch über etwas anderes predigen können.

 

Auf der anderen Seite - du bist gerade an diesem Tag in die Kirche gegangen.

 

Mir ist das überigens auch schon einmal "passiert", daß ich eine Predigt als nur oder zumindest besonders  für mich empfunden habe. Es war am 27.05.2001, dem Sonntag nach Christi Himmelfahrt, und ich war zu Gast in einer anderen Gemeinde.  

 

Herzliche Grüße

Martin

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Lieber Erich, ich konnte mir Deine Geschichte richtig vorstellen :-)) wie Du mit Dir gerungen hast und die Stimme nicht nachgegeben hat :-))), das kenne ich auch...man wird das nicht wieder los ...

 

Lieber Martin, ich habe das damals so verstanden das es überall gleich ist, auf jeden Fall hattest Du und Thomas die gleiche Predigt am Sonntag und somit war sie doch eher für die Gemeinde als für mich...wenn ja auch trotzdem irgendwie...

 

LG Sina

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Hallo Ihr Lieben, das ist ein interessanter Thread, obwohl er ja sehr ins Persönliche geht.

 

Ich werde den Glauben einfach nicht los, daß Gott seine Finger immer wieder in meinem Leben hat. Solche Dinge, wie Pedrino sie beschrieben hat, passieren mir regelmäßig (bin Vielfahrer), z.B. daß ich mit über 200 auf freier Strecke auf der linken Spur fahre und ein lieber Mitmensch ("mit Hut&quot ohne Not mit 105 auf die linke Spur ausschert und mich zum starken Bremsen zwingt ... während ich noch schimpfe, sehe ich hinter der folgenden Kurve das Stauende, vor dem ich ohne den Schleicher nienmals hätte abbremsen können...

 

Ganz sicher hat Gott mir auch einige Menschen in mein Leben geschickt, die genau an der richtigen Stelle auftauchten... Habt ihr schon mal einen Engel gesehen? Ich glaube, ich kenne welche - möchte ich aber hier nicht erzählen, ich mit meinem richtigen Namen poste und weiß, daß Leute, die mich kennen, hier lesen.

 

Eine Geschichte kriegt ihr aber doch: Vor einigen Jahren hatte ich eine Dame aus unserer Gemeinde (aus dem progressiven "Wir sind Kirche" Lager, dem ich gar nicht nahestehe) bei einer Gelegenheit, wo sie sich meiner Meinung nach nicht korrekt verhielt, ziemlich lautstark öffentlich zur Schnecke gemacht (im Ton fand ich das selbst schon kurz darauf etwas übertrieben, obwohl sie auch nicht auf den Mund gefallen war ), die Dame blieb mir aber ein rotes Tuch.

 

Bei einer Werktags-Abendmesse, die ich aus keinem mir erinnerlichen Grund besuchte (gehe sonst in der Woche eigentlich nie) kam ich neben ihr zu sitzen. Obwohl das Tagesevangelium und die Lesungen keinen direkten Anlaß boten, kam unser Pastor in der Predigt irgendwie darauf, daß niemand in der Kirche oder in der Gemeinde (!) ein Recht habe, auf den Mitgläubigen herabzusehen oder sich besser zu fühlen - denn alles, was wir Gutes täten, käme von Gott. Nach der Predigt stellte sich unser Pastor mit dem Rücken zur Gemeinde vor unser großer Chorkreuz und betete laut den Text von GL 621 ("Ich steh vor Dir mit leeren Händen, Herr" - ich poste es die Tage mal in den Gebetsthread, es ist eins meiner Lieblingsgebete geworden).

 

Wir haben nie drüber gesprochen: aber ich bin bis heute sicher, daß zwei Menschen in dieser Kirche innerlich rot geworden sind. Nie vorher und nachher habe ich mit solcher innerlicher Beteiligung den Friedensgruß ausgetauscht (und bin seitdem ein Anhänger der Handschlag-Form, die ja nicht jedem gefällt), und ich hatte den sicheren Eindruck, meiner Nachbarin ging es genau so.

 

Seitdem kommen diese Dame und ich trotz aller Unterschiede in den Meinungen hervorragend miteinander aus - das Ereignis hat den Stil meiner Gemeindearbeit durchaus verändert.- und ist eine der Ursachen dafür, warum mir so unwohl wird, wenn ein Kathole dem anderen das Katholischsein abspricht (gell, Erich? ). Wenn man sich gar nicht einigen kann, muß man eben zusammen beten...

 

Liebe Grüße

 

Thomas

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Hallo Ihr Lieben,

 

das folgende Erlebnis hat mein Vertrauen in Gott sehr gestärkt:

 

Wie ich ja schon mal erwähnt habe, bin ich seit Jahren alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Der Kontakt der Kinder zum Vater ist sehr gering, und mein Verhältnis zu ihm ist ziemlich gespannt und kühl.

 

Ende Mai hatte mein Sohn Erstkommunion. Einige Wochen vorher kam mir der Gedanke, ob wir eigentlich seinen Vater auch einladen sollen. Nein! Sein Interesse an den Kindern ist einfach zu gering! Er kann nicht bei der Erstkommunion dabei sein, und ich habe immer den Alltag und die Verantwortung! Ich will nicht zusammen mit ihm in der Kirche (er ist A&A) sein! Ich will ihn nicht in meiner Wohnung haben! Ich will ihn nicht sehen!

 

Nur das Wissen, dass mein Sohn ihn sehr wahrscheinlich einladen möchte, ließ mich überhaupt darüber nachdenken.

 

Während ich nun so über das Für und Wider einer Einladung (naja, eigentlich mehr über das Wider) nachdachte, spürte ich plötzlich, dass wir ihn einladen werden und dass das richtig ist. Es war kein Gedanke, der mir durch den Kopf ging - es war ein total intensives, irgendwie unbekanntes Gefühl. Merkwürdig: Ich hatte doch noch gar keine Entscheidung getroffen, ich tendierte doch eher zum Nicht-Einladen? In dem Moment wußte ich, was Gott möchte.

 

Es brauchte noch einige Tage nachdenken, ringen, beratschlagen und beten, bis mein Vertrauen in Gott groß genug war, um mich seinem Willen zu überlassen.

 

Wie erwartet war mein Sohn auch dafür, also luden wir seinen Vater ein. Wie ebenfalls erwartet, sagte er zu. In den Wochen bis zur Erstkommunion hatte ich durchaus noch Zweifel, ob es wirklich richtig ist und ob ich diesen Tag gelassen angehen kann. Aber dieses starke Gefühl ‘Es ist richtig’ war immer wieder da. Ich fühlte mich geborgen; ich wußte, Gott verlangt nichts Unmögliches von mir.

 

Es war richtig!

Es war ein wunderschöner Tag, es stimmte einfach alles!

Ohne seinen Vater hätte meinem Sohn bestimmt etwas gefehlt.

 

Und ich bin – was den Vater meiner Kinder angeht – etwas souveräner und gelassener geworden. Meine Enttäuschung über sein fehlendes Interesse und seine Verantwortungslosigkeit ist nicht mehr vorherrschend. Es überwiegt die Trauer darüber, dass wir beide offensichtlich unfähig sind, im Interesse der Kinder ein normales Verhältnis zu führen.

 

Liebe Grüße

Angelika

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Liebe Angelika, Sina ,Thomas ,usw.

Ich finde es wunderschön Eure Erlebnisse zu lesen und denke darüber nach , ob man nicht eine spezielle webside nur mit diesem Thema kreieren sollte...

Als eigene Erfahrung möchte ich gerne Folgendes beitragen:

Jeden Morgen aufwachen und in die Natur hinaussehen , an einer Blume schnuppern- in diesen Dingen und darin sie zu beachten lerne ich von Gott und spüre ihn.

Noch an Martin

ein ähnliches Gefühl überkam mich,als ich vor einigen Wochen im Meer badete.Ich lag im Wasser und liess mich treiben.Plötzlich musste ich an Jesus Christus denke, daran, dass er viele Male mit genau diesem Wasser in Berührung kam. Das gab mir genauso einen thrill, wie bei dir in der Kirche.

Ich fühlte mich auf unerklärbare Weise ganz nah bei ihm.Ein unbeschreibliches Gefühl.

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Liebe sabine,

 

zunächst habe ich gedacht - schade, daß es solch ein Er-Leben nicht auf Abruf gibt. Dann habe ich gedacht, Gott sei Dank, man käme ja zu nichts anderem mehr :)  .  Ist es ein Vorgriff auf die Ewigkeit ?

 

Herzliche Grüße

Martin

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Lieber Martin, gerade wollte ich raus an die Sonne.

Fast nichts ist schöner als die wärmenden Sonnenstrahlen auf der Haut zu spüren.

Doch nun noch ein kurzes feedback:

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich mir bestimmte Gefühle und damit auch Erlebnisse selber schaffen kann.

Für mich ist dies eine Frage der Präsenz, der Achtung vor den Dingen, die in mir stecken.

Natürlich kann ich mir diesen thrill nicht ständig geben,

auch :welch ein Glück....

Übrigens noch eine kurze Episode, bei der ich eine andere Art von Hormonausschüttung hatte:

Gestern sprang ich vom 5m Brett ins kalte Nass.

Das war auch ein super Gefühl, wie schon gesagt, ganz anders.

Liebe Grüsse ,Sabine

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sabine:>>Gestern sprang ich vom 5m Brett ins kalte Nass.

Das war auch ein super Gefühl, wie schon gesagt, ganz anders.<<

 

Wenn man nicht mit dem Bauch auf die Oberfläche knallt, dann schon!

 

Aber was hat das Gefühl mit Gottes Lehre zu tun?

Kann ich mich immer auf die Gefühle verlassen?

Können Gefühle täuschen?

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Lieber HAbeNUs,

 

ja, Gefühle können täuschen.

Kann der Verstand uns in die Irre führen ?

 

Herzliche Grüße

Martin

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Wenn ich auf dem Bauch gelandet wäre hätte ich sicher Sterne gesehen und eine andere Art Gefühl gehabt...

Aber ich weiss schon wie Du das meinst....,lieber HAbeNUs

Zu dir Martin:

Ich finde nicht dass Gefühle täuschen, denn in dem Moment , in dem ich etwas fühle ist es real.Es sind, wie ich meine Schwingungen in mir , in meinem Herzen.

Nachher , ja vielleicht schon 1 sek.später kommt mein Verstand hinzu , erkennt mittels meiner Gedankendie Zusammenhänge und durch diese Gedanken ändern sich meine Gefühle.

Dann daraus schlussfolgernd denke ich , kann uns unser Verstand (unsere Gedanken )in die Irre führen.

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Zitat von HAbeNUs am 17:56 - 3.Juli.2001

 

Aber was hat das Gefühl mit Gottes Lehre zu tun?

Kann ich mich immer auf die Gefühle verlassen?

Können Gefühle täuschen?  


 

Gefühl ist ja nicht immer gleich Gefühl. Natürlich läuft die Kommunikation mit Gott über Gefühle. Ich glaube aber, häufig überdecken die Gefühle, die auf uns selbst zurückgehen, die Gefühle die von Gott ausgelöst werden. Und die eigenen Gefühle können sehr wohl täuschen. Dann macht sich das andere Gefühl als "schlechtes Gewissen" bemerkbar. Diese Unterscheidungsfäigkeit zu kultivieren, gehört wohl zu den wichtigen Grundübungen, um bei Gott "in die Lehre zu gehen".

 

Viele Grüße

Axel

 

Viele Grüße

Axel

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Lieber Axel

Du scheinst hier die "Unterscheidung der Geister" nach

der ignatianischen Spiritualität anzusprechen, oder ?

Ich beharre aber trotzdem darauf, dass meine Gefühle in dem Moment für mich wirklich sind ,d.h. aus diesem Grund nicht falsch sind oder täuschen.

Das verhält sich demzufloge auch so mit meinen Gefühlen Gott gegenüber.Was meine Geedanken daraus machen kommt erst an 2.Stelle.

Versteht mich denn niemand?????????

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Zitat von sabine am 19:53 - 3.Juli.2001

Lieber Axel

Du scheinst hier die "Unterscheidung der Geister" nach

der ignatianischen Spiritualität anzusprechen, oder ?

Ich beharre aber trotzdem darauf, dass meine Gefühle in dem Moment für mich wirklich sind ,d.h. aus diesem Grund nicht falsch sind oder täuschen.

Das verhält sich demzufloge auch so mit meinen Gefühlen Gott gegenüber.Was meine Geedanken daraus machen kommt erst an 2.Stelle.

Versteht mich denn niemand?????????

 

Hi sabine,

 

nich so verkrampft, warum sollte Dich niemand verstehen....? Was die Gefühle gegenüber Gott angeht bin ich immer, vielleicht von Natur aus(!) etwas skeptisch. Kennst Du das Gefühl der Gottferne? Das Buch Hiob erzählt einiges davon. Gott, der mich (uns) verlassen hat, da hilft dann auch das Baden im Meer nicht weiter. Es ist doch entscheidend, daher meine Skepsis, dass der Glaube an Gott, über den Gefühlen stehen sollte. Denn Gefühle sind Momentaufnahmen wenn es Glücksgefühle sind. Das Gefühl der Gottferne oder Gottverlassenheit hält meist länger an, und kann sogar zum Verlust des Glaubens führen, zumindest liegt dort eine ziemlich heftige Versuchung. Also, Gott gönnt uns die Gefühle, er macht aber sein Verhältnis zu uns und umgekehrt nicht davon abhängig, sondern fordert den Glauben an ihn.

 

verständnisvolle Grüsse

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Lieber HAbeNUs

Bin eigentlich nicht verkrampft gewesen...wollte nur mal ne

Antwort provozieren. Gelang leider nur mässig schnell...

Aber also an dieser Stelle :MERCI

Nun ein sehr persönlicher Kommentar:

Natürlich bin ich deiner Meinung, dass diese Glücksgefühle zu Gottes Nähe (Baden oder Kirchenbesuch) selten sind und es einfach machen an ihn zu glauben.

Ich habe eigentlich erst vor 5 Monaten wieder zum "aktiven "

Glauben zurückgefunden.D.h.:ich war nicht aus der Kirche ausgetreten, habe aber auch nicht "aktiv" die Begegnung zu Gott gesucht.

Nun bin ich also durch Zufall(beim Lesen einer webside )eng in Kontakt zu meinem Glauben an Gott geraten und merke, dass ich zwar all die Jahre nicht "aktiv" geglaubt habe . Dadurch schlich sich wie von dir erwähnt eine Gottesferne ein , aber die Versuchung ihn zu verlassen wäre mir nicht im Traum eingefallen.

Aber auch hier ein Danke für die Vorwarnung .Ich werde mich dann schnell an dich wenden, falls es doch mal soweit kommen sollte   ;-))))

Liebe Grüsse

Sabine

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Liebe Sabine,

 

wie sich die Lebenswege manchmal gleichen,

mir ist es genau so vor ca. 3 Jahren ergangen.

Ich habe meinen Glauben wiedergefunden.

 

:)

 

Mit Freude am Glauben und

Freude am Leben

Martin

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