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Psychologie, Psychiatrie & Co.


Moonshadow

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Ich habe inzwischen mit mehreren Menschen über die Frage der Notwendigkeit von psychologisch und psychiatrisch Ausgebildeten diskutiert und bin auf unterschiedliche Ergebnisse gestoßen, zwischen "Hilfreich" und "Notwendig" über "Nur manipulativ" bis "sinnlos".

Vom kirchlichen Standpunkt könnte man argumentieren, daß tiefe Religiösität und Glauben einem alle Fragen in Lebenskrisen beantworten und richtig kranke eben nicht richtig glauben oder vom Bösen erfaßt sind.

Ich halte das für ziemlichen Schwachsinn. Ich würde dazu gerne Eure Meinung hören.

 

Liebe Grüße,

 

Moonshadow

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Die moderne Psychologie spricht nicht mehr von "Kranken". Wer sich einzig in Normalität sicher fühlt hat natürlich Angst, daß jemand das Tuch vom Käfig zieht. Indiziert ist professionelle Hilfe meiner Ansicht nach, wenn jemand sie aufsucht oder danach fragt. Der Fokus humanistischer Psychologie verschiebt sich im Moment vom moralisch geprägten Wert des "Menschen an sich" hin zum wirklich ernst gemeinten "Was willst Du?" Störungen im Prozeß der Selbstbewußtheit haben Vorrang, - Psychologie und Psychotherapie erfüllen grob gesagt die Aufgabe der Selbsterfahrung. Wir stoßen dabei alle an Grenzen. Oder?

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Vom kirchlichen Standpunkt könnte man argumentieren, daß tiefe Religiösität und Glauben einem alle Fragen in Lebenskrisen beantworten und richtig kranke eben nicht richtig glauben oder vom Bösen erfaßt sind.

 

Liebe Moonshadow

Wie die Anschauung in diesem Forum lehrt, gibt es viele Fehlformen des Glaubens - und da wäre dann Psychotherapie dringend angezeigt.

Wenn wir uns vorstellen, dass Gott uns im Mitmenschen begegnet (wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen...), so bedeutet eine gestörte Beziehung zum Mitmenschen eine analog gestörte Beziehung zu Gott.

Und nach meinem Verständnis ist die Beziehung zum Mitmenschen und deren Verhinderung durch neurotische Verstrickung Gebiet der Psychotherapie. Erich Fromm spricht vom "Lieben lernen" - wer das nicht kann, kann gar nicht religiös sein und wer es kann, ist religiös, auch, wenn er zu der Fraktion der A&A gehört.

 

Freundliche Grüße

Patrick

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Zitat von Moonshadow am 14:51 - 11.März.2001

Vom kirchlichen Standpunkt könnte man argumentieren, daß tiefe Religiösität und Glauben einem alle Fragen in Lebenskrisen beantworten und richtig kranke eben nicht richtig glauben oder vom Bösen erfaßt sind.

Ich halte das für ziemlichen Schwachsinn. Ich würde dazu gerne Eure Meinung hören.

 


 

Ich halte dies auch für Schwachsinn:

 

Genausowenig wie die christliche Religion schwere körperliche Krankheiten heilen kann (die sehr seltenen unerklärlichen Heilungen, kommen in allen Religionen und auch bei Nichtreligiösen vor), kann sie ebenso wenig schwere psychische Krankheiten kurieren.

Die Vorstellung von Krankheit als Folge von Unglaube bzw. Strafe Gottes ist selbst von Jesus bzw. den Evangelisten abgelehnt worden.

 

Viele Grüße

Kölscher

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Hallo Moonshadow,

 

Das Gehirn ist ein Organ und wie alle Organe kann es erkranken oder zu Schaden kommen...mit den seltsamsten Folgen für den Patienten.

 

Selbstverständlich muß es für solche Fälle ausgebildete Ärzte geben.

 

 

Gruß

josef

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>Selbstverständlich muß es für solche Fälle ausgebildete Ärzte geben. <

 

Absolut. Es gibt übrigens einige Terapieformen, bei denen Religion als eine von mehreren Säulen in das Therapiekonzept eingebaut wird. (Bei Suchttherapie z.B. habe ich gehört). Aber einen gestörten Chemiehaushalt muß man erst einmal richtig diagnostizieren können und dann auch medikamentös einstellen.

 

Eine interessantere Frage wäre natürlich (nur als der Sicht der Gläubigen) inwiefern die früher noch funktionierende Kirchencommunity samt Seelsorger, Beichte etc. nicht u.a. dieselbe (strukturalistisch gesehen) Funktion übernahm wie heutzutage Psychotherapie, Gruppentherapie, Gestalttherapie u.ähnl.  Ach und nicht zu vergessen: Esotherik!!!

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Liebe lissie,

wenn Du meinst Kirche und ihre Rituale sind Psychodrama und haben Ähnlichkeit mit Gestalttherapie, dann stimmt das meiner Meinung nach. Ein Austauschen oder die Vermutung eines historischen Wechsels kann ich nicht erkennen. Kirche ist Selbsterfahrung und sie stösst an Grenzen, wo Widerstände auftreten.

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Kirche ist Selbsterfahrung und sie stösst an Grenzen, wo Widerstände auftreten.

 

Hallo Boanerges

Das hat seine Grenzen:

Über-Ich-Widerstände können in der Kirche leider nicht aufgearbeitet werden, da sie selber Über-Ich-Anteile auf das Lehramt projeziert  und die Bedeutung des Narzißmus in seinem Zusammenhang mit Symbiosewünschen, die durch die Kirche befriedigt werden, einer Analyse nicht zugänglich sind.

Hier gibt es also Tabus, die einer Selbsterfahrung Grenzen setzen.

 

Freundliche Grüße

Patrick

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Lieber Patrick,

Dein Satz :"Hier gibt es also Tabus, die einer Selbsterfahrung Grenzen setzen.", beschreibt genau was ich am Schluß meiner Ausführungen sagte: Selbsterfahrung stößt an Grenzen wo Widerstände auftreten. By the way sind, die von mir genannten Methoden Psychodrama und Gestalttherapie humanistische Ansätze und keine psychoanalytischen. Der Begriff des Über-Ich ist aus der Psychoanalyse und diese passiert (Gott sei Dank?) nur noch in vermufften Praxen. Was die Projektion angeht muß man differenzieren: Zum einen repräsentieren Projektionen eigene Anteile auf der Leinwand des Gegenüber. Zum anderen sind Personen in der eigenen Wahrnehmung, dass was sie wirklich für einen bedeuten. Der Selbsterfahrung "in Gänze" steht das "Kirchen-Setting" natürlich im Wege, es ist eine Folie durch die der ein oder andere Teil der Persönlichkeit deutlich wird und auf der er wachsen kann. Das theoretische Konstrukt der "Aufarbeitung" ist mir nicht eingängig, kann es sein, daß du meinen Beitrag theoretisch aufgearbeitet hast? Was denkst Du darüber was Kirche und Messe mit Dir macht?

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